»Das Epos hat mit der Plastik und deren Objektivität im Sinne sowohl des substanziellen Gehalts als auch der Darstellung in Form realer Erscheinung die meiste innere Verwandtschaft. Darum blühte beides in Griechenland. Die Welt der homerischen Gedichte ist in der schönen Schwebe zwischen den allgemeinen Lebensgrundlagen der Sittlichkeit in Familie, Staat, religiösem Glauben, Recht, und der individuellen Besonderheit des Charakters, in dem schönen Gleichgewicht zwischen Geist und Natur, zweckvoller Handlung und äußerem Vorgang, nationaler Basis der Unternehmungen und einzelnen Absichten und Thaten; die freie Bewegung einzelner Helden erscheint gemäßigt durch den Ernst des Schicksals und die Bestimmtheit der Zwecke. Daher auch die Naivetät der erscheinenden Göttergebilde, die ganz menschlich und es doch nicht ironisch sind.
Das Epos, seines poetischen Gewands entkleidet, gibt dasjenige, was Geschichte in geistvoller Behandlung und Naturbeschreibung in ihrer größten Allgemeinheit gewährt, einen vollkommenen Ueberblick über die Menschheit und die Natur in ihrer Verbindung. Nur daß der Dichter nicht die Vollständigkeit der Objekte braucht, sondern mittelst eines einzelnen Objekts noch mehr leistet, da er das Gemüt in eine unendliche Stimmung versetzt. Der epische Dichter genießt die weiteste Aussicht; seine Dichtung ist am meisten fähig den Menschen mit dem Leben zu versöhnen.
Das Epos gibt der Musik Gestalt, der Skulptur Bewegung und Sprache.
Idyll heißt nicht bloß eine Dichtungsart, sondern eine Empfindungsweise. Die Idylle beschreibt einen Zustand, das Epos erzählt eine Handlung.
Der Kampf individueller Charaktere, Zwecke und Leidenschaften mit den objektiven Mächten führt zur dramatischen Poesie. Das Epos fordert aber noch jene unmittelbare Einheit von Empfindung und Handlung, von inneren konsequent sich durchführenden Zwecken und äußeren Begebenheiten, eine Einheit, welche nur in den ersten Perioden des nationalen Lebens vorhanden ist. Indes ist die epische Kunst selbst später als jener naive unmittelbare Volkszustand, der unbefangen sich in seinem poetischen Dasein heimisch fühlt. Homer und Ossian folgen der von ihnen geschilderten Zeit.
Dennoch muß der epische Dichter ganz in den geschilderten Verhältnissen und diesem Glauben stehen und er bringt nur die Kunst der Darstellung, das poetische Bewußtsein hinzu. Fehlt diese Verwandtschaft im Leben und Vorstellen, so wird das Gedicht disparat. Die Scheidung zwischen dem künstlerischen Geist und der geschilderten nationalen Wirklichkeit ist unangemessen und störend z. B. in Goethes Achilleis. Auf der einen Seite stehen die Szenen des vergangenen Weltzustandes, auf der andern Formen und Gesinnungen einer davon verschiedenen Gegenwart. Dadurch wird der frühere Glaube zu einer kalten Sache, einem Aberglauben, einem leeren Schmuck, einer bloßen sogenannten poetischen Maschinerie, der alle Lebendigkeit, aller Pulsschlag wahren Lebens, alle Seele abgeht.
Der Weltzustand, in welchem das Epos entsteht, ist ein solcher, daß das allgemeine Leben zwar schon eine vorhandene Wirklichkeit ist, aber noch im engsten ursprünglichen Zusammenhang mit den Individuen, die dies allgemeine Leben bewußtlos als ihr eigenes Leben fühlen. Im Epos sollen nicht die Helden einen Gesamtzustand erst gründen, denn er fiele dann in das Gemüt und den Willen des Subjekts und erschiene nicht als objektiv vorhanden.
Jedes Epos muß ein bestimmtes Volk schildern. Das Prinzip griechischen Geistes lernt man in lauterer Quelle aus Homer kennen. Zweierlei Art nationaler Wirklichkeit: positive spezielle Gebräuche und Substanz des Volksgeistes, die im Lauf der Zeit unverändert bleibt. Hermann und Thusnelda sind uns nicht mehr national, auch die Nibelungen können nicht mehr gefühlt werden. Die besondre Nationalität muß allgemein-menschliche Geltung haben. So haben Homers Gedichte ewige Gegenwart. Das indische Epos ist zu überwiegend spezifisch: das Menschliche kann nicht durchbrechen.
Das Nibelungenlied hat inneres Mark. Auch in ihm ist substanzieller Gehalt in Bezug auf Familie, Gattenliebe, Vasallentum, Diensttreue, Heldenschaft; dennoch ist die ganze Kollision eher dramatisch und tragisch als episch. Die Darstellung hat keinen individuellen Reichtum, keine lebendige Anschaulichkeit; sie verliert sich ins Harte, Wilde, Grausame; die Charaktere gleichen in ihrer abstrakten Schroffheit mehr rohen Holzbildern, als daß sie der menschlich ausgearbeiteten geistvollen Individualität homerischer Personen vergleichbar wären.
Die epische Begebenheit muß auf den Boden der sie umgebenden totalen Volksnatur gegründet sein, die individuelle That darf nicht mit dieser Natur in Gegensatz stehen. Das allgemeine Leben muß in so konkreten einzelnen Thaten aufgefaßt sein, daß daraus notwendig eine bestimmte Situation, bestimmte Zwecke und Handlungen, eine bestimmte Begebenheit hervorgeht. Die einzelne epische Handlung muß erstens individuell lebendig und bestimmt sein und zweitens epischen Charakter haben; drittens muß sie eine innere Notwendigkeit des Fortgangs haben, welche teils als Schicksal, teils als offenbare Leitung ewiger Göttermächte erscheint.
Das epische Geschehen muß in die äußere Realität der umgebenden Welt eintreten und nicht bloß innerlich vorgesetzter Zweck des Individuums sein, welchen dieses in sich zur Realität bringt. Daher ist die epische Begebenheit nicht bloß Durchführung von Zwecken, sondern es treten in sie Umstände, Naturereignisse, Zufälle u. s. w. ein. Sie ist keine That streng genommen, sondern ein Geschehen. Sie muß eine ganz individuelle sein, daher nicht bloß Staat, Vaterland, Menschheit das Subjekt sind, sondern ein besonderer Held; trotzdem keine Biographie.
Der epische Charakter muß eine Totalität von Zügen, ein ganzer Mensch sein; daher die Breite der Zeichnung nach allen Seiten hin, während im Drama das Pathos, die eine Richtung des Menschen beleuchtet ist und ihn ganz verschlingt. Als total und das Eigentümliche der Nation und Zeit in sich zusammenfassend haben diese Helden das Recht, an die Spitze gestellt zu sein. Die Nation konzentriert sich in ihnen zum Subjekt. Der epische Charakter geht nicht in seinem Zwecke auf; nicht seine Wirksamkeit, sondern was ihm begegnet, ist die Hauptsache.
Der dramatische Charakter macht sich sein Schicksal selber, dem epischen wird es durch die Macht der Umstände gemacht. Das Drama kehrt das innere Recht der Handlung objektiv heraus, das Epos aber stellt das totale Dasein dar und diesem substanziellen Zustande folgt das Individuum und leidet demgemäß. Das Schicksal bestimmt, was geschieht. Die epische Gerechtigkeit richtet nicht die Person, wie die dramatische, sondern die Sache; daher ein Grundzug der Trauer.
Die Notwendigkeit des Schicksals kann doppelt zur Darstellung gebracht werden. Der Dichter stellt entweder die Begebnisse hin und erklärt ihren Gang nicht durch das Mithandeln ewiger Göttermächte. Dennoch muß durch das Ganze sich die Empfindung durchdrängen, daß es sich nicht um das bloß Zufällige handelt, sondern die Geschicke in sich selbst begründet sind, ohne daß die dunkle Macht deshalb hervortritt, bestimmt individualisiert und in ihrer Thätigkeit poetisch vorgestellt wird. Hierher gehört das Nibelungenlied. Oder es erscheint eine vielgestaltige Götterwelt, welche eingreift. Zwischen Göttern und Menschen ist wechselseitige Selbständigkeit nötig. Die ersteren dürfen nicht leblose Abstraktionen, die Menschen nicht bloß willenlose Werkzeuge sein. Im Christentum haben die Engel und Genien zu wenig Körper. In Bezug auf die Götterwelt besonders ist der Unterschied künstlicher und ursprünglicher Epen wichtig: so bei Virgil und Homer. Die Anschauungsweise des Dichters und der dargestellten Welt bei Virgil ist nicht im Einklang: die Götter sind bloße Erdichtungen, künstliche Mittel, mit denen es nicht Ernst ist. Bei Homer schweben die Götter in dem magischen Licht zwischen Dichtung und Wahrheit: der Glaube an sie ist der Glaube an den substanziellen Gehalt, den sie repräsentieren. Gemacht sind auch Milton, Bodmer, Klopstock, Voltaire; überall Zwiespalt des Inhalts und der Reflexion des Dichters. Bei Klopstock spukt Wolffsche Metaphysik. Gottvater und die himmlischen Heerscharen sind gar nicht zur Individualisierung gemacht, wie die homerischen Götter. Klopstocks Welt ist bodenlos, seine Engel und Teufel leere Einbildung, Abbadonna, der bekehrte Teufel, eine absurde Inkonsequenz des Lasters, des personifizierten Lasters. Klopstock gefällt sich in unrealen Personen und Dingen, die nicht aus der wirklichen Welt und deren poetischem Gehalt herausgegriffen sind. Moralische Weltrichterschaft geht auf Allgemeines, während Dante bestimmte Personen verurteilt. Die Reden der Erzväter und biblischen Figuren stimmen schlecht mit der geschichtlichen Gestalt zusammen, in der wir sie kennen. Der historische Fond ist hier verflüchtigt, im ganzen Gedicht viel Hohles, Abstrakt-Verständiges und zum absichtlichen Gebrauch Herbeigeholtes.
Das Epos muß Einheit und Rundung haben. Dadurch ist es ein Werk der freien Kunst, während die Wirklichkeit sich zerstreut, in einem endlosen Verlauf von Ursachen, Wirkungen und Folgen sich fortzieht.
Das Epos blüht nur in Zeiten ruhigen Behagens, es stirbt in Zeiten drangvoller Arbeit, rapider Entwicklung. Mit der fortschreitenden Kultur ist zugleich Entzweiung gegeben, darum ist das Epos nicht die Kunstform zivilisierter Zeitalter.
Das Epos floß aus Volksgesängen zusammen. Sobald eine größere Menge derselben gegeben, aufgeschrieben und gesammelt war, so kam von selbst die Aufforderung sie untereinander zu verbinden. Eine Zusammensetzung dieser Art fließt aus dem bestimmten Gedanken, um den sich die Teile fest verbinden, den sie halb dem epischen Dichter an die Hand geben, den dieser zur andern Hälfte selbst ausbildet. Diese Einheit, die man lächerlicherweise als einen Beweis gegen die volksmäßige Entstehung der großen Epen hat geltend machen wollen, ist die Grundbedingung jedes größeren in ein Ganzes geschlossenen Volksepos.
Die epische Betrachtungsweise des Lebens ist gleich der antiken, der griechischen. Konzentration in allem Dichten und Treiben, Liebe des Ortes und Vaterlandes, Lebenslust, frohes Ergreifen der nahen Gegenwart, Einheitsliebe, Umfriedigung, Geschlossenheit, das Unendliche überall als eins und sich verwirklichend in dem Einzelnen und Endlichen und Individuellen. Bei den Neueren und den nordischen Völkern herrscht phantastische Ausschweifung, die Flucht in die Ferne, in das Endlose und in die jenseitige Zukunft. Die Tempel der Griechen sind in der schönsten Harmonie des Inneren und Aeußeren, mit einem Blick überschaubar; jeder gotische Dom ist mit riesenhafter Anlage begonnen, als ob er nie fertig werden sollte: theokratische Rundbogen, ritterliche Spitzbogen, industrielle Böden; ungeheure Türme, deren Einzelheiten dem Auge verschwinden, bei den Griechen Metopen und Skulpturen großartiger, um den Eindruck zu lassen, um alles einem Blick zu gewähren.
Das Epos ist weder komisch noch tragisch: es spaltete sich nicht in diese zwei Zweige wie das Drama. Denn indem das Epos erzählt, was war, indem es auf ein altertümliches Heroengeschlecht gerichtet ist, ist es vorherrschend ernst, ruhig, heiter; das Drama, die Gegenwart darstellend, ist teils tragisch teils komisch, wie die Begebenheiten der bürgerlichen Welt.
Das Epos und die naive Dichtung bleibt bei den geschilderten wirklichen Zuständen stehen, die sentimentale bezieht sich auf Ideen. Das Epos fällt in Zeiten, wo die Kraft der Phantasie lebendig ist, daß sie keiner Hilfe bedarf.«
Die feinsinnigsten Bemerkungen über epische Poesie, besonders über Homer und seine Zeit, die letzthin erschienen sind, finden sich in Hermann Grimms herrlichem Buche über die Ilias, dessen Fortsetzung jeder echte Freund der Poesie mit Sehnsucht erwartet.
Die Stelle Goethes an Schiller steht im Briefe vom 9. Dezember 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 360 Spemann).
S. 24. Ueber Goethes Nausikaa (Werke Band 10, S. 97. 406 Weimarische Ausgabe) vgl. Scherer, Aufsätze über Goethe S. 177.
S. 25. Schiller urteilt über Goethe in seiner Abhandlung über naive und sentimentalische Dichtung: »Dieses gefährliche Extrem des sentimentalischen Charakters ist der Stoff eines Dichters geworden, in welchem die Natur getreuer und reiner als in irgend einem andern wirkt und der sich unter modernen Dichtern vielleicht am wenigsten von der sinnlichen Wahrheit der Dinge entfernt« (Sämtliche Schriften Band 10, S. 476 Goedeke).
Der Goethesche Spruch in den Werken Band 2, S. 216 Weimarische Ausgabe.
S. 26. Goethes Ausspruch über seine künstlerische Befähigung steht in der italienischen Reise unter dem Datum des 23. Februar 1788 (Werke Band 24, S. 474 Hempel); ein Originalbrief, der diese Worte enthielte, ist nicht vorhanden.
Wahl des Stoffes. Warum kein politischer.
S. 27. Die Aeusserung Lessings in einem Briefe an seinen Bruder Karl vom 11. November 1774 (Werke Band 20 Abteilung 1, S. 589 Hempel).
Ueber Börnes Beziehungen zu Goethe handelt ausführlich Brandes, Das junge Deutschland S. 48; vgl. auch Gedanken über Goethe S. 164. 313.
S. 32. Der Ausspruch Leibnizens (dissertatio de stilo philosophico § 12) wird zitiert in Feuerbachs Darstellung, Entwicklung und Kritik der Leibnizschen Philosophie S. 193.
S. 33. Hehn verweist hier auf Prutz, Geschichte des deutschen Journalismus Band 1, S. 279.
Ueber Thomasius vgl. Minors Aufsatz in der Vierteljahrsschrift für Literaturgeschichte Band 1, S. 1. Wertvolle historische Nachweise über das Deutsche als Universitätssprache enthält die Jenaer Doktorschrift von Hodermann, Universitätsvorlesungen in deutscher Sprache um die Wende des 17. Jahrhunderts, Friedrichroda 1891, die leider viel zu wenig bekannt geworden ist.
S. 36. Ueber die Anredeformeln, wie sie in Goethes Werken vorkommen, vgl. Gedanken über Goethe S. 274.
S. 37. Mit der obigen guten Charakteristik Lessings vergleiche man die heissblütige Verkennung seines Verhältnisses zu Goethe in den Gedanken über Goethe S. 56. Wie kann man Lessing so verkennen und als Neid gegen Goethe auffassen, was doch nichts als eine leidige Voreingenommenheit seines Urteils in betreff des Werther und ein gut Teil Heterogeneität der Natur und Weltanschauung war! Auch Biedermanns Darstellung des Verhältnisses beider (Goethejahrbuch Band 1, S. 17) befriedigt nicht.
S. 38. »Herder war keine harmonische Natur, sondern eigenwillig und ungleich, bald weich und freundlich, bald herzlos und ungerecht, von mehr dialektischem als konstruktivem Geiste, wie Goethe von ihm sagt« Gedanken über Goethe S. 14.
S. 40. Das Urteil Pfizers in der Vorrede zu seinem Buche: Der Wälsche und der Deutsche, Aeneas Sylvius Piccolomini und Gregor von Heimburg, Stuttgart 1844.
Gervinus' Auseinandersetzung über Schillers ästhetische Briefe in seiner Geschichte der deutschen Dichtung Band 5, S. 468.
S. 41. Guhrauer, Goethe im Verhältnis zu Politik und Geschichte in Brans Minerva 1846 Band 4, S. 181; vgl. besonders S. 228.
»Nicht Goethe, sondern Schiller war der poetisch vollendete Ausdruck des achtzehnten Jahrhunderts, der dreifach oder hundertfach erhöhte Klopstock; Goethe stand im tiefsten Gegensatz zu dem Geiste desselben und seine Dichtung begleitete dessen Phasen und Epochen keineswegs, wie öfter mit Unrecht behauptet worden« Gedanken über Goethe S. 109.
Goethes Aeusserung über Zeitungen im 17. Buch von Dichtung und Wahrheit (Werke Band 29, S. 69 Weimarische Ausgabe).
S. 43. Für die Ehrfurcht vor Höheren verweist Hehn auf Riemer, Mitteilungen über Goethe Band 1, S. 155.
S. 45. »Und was anders ist der Sinn der ganzen Dichtung von Hermann und Dorothea, als dass in wilder Zeit, in der Auflösung alles Gewordenen, doch die heilende Naturkraft sich bewährt und in Haus und Besitz, in Stiftung der Familie, in begrenztem Dasein und wiederkehrender, sich bescheidender Thätigkeit die ewige Ordnung unzerstörbar ist?« Gedanken über Goethe S. 239.
Humboldts Charakteristik der bürgerlichen Epopöe findet sich in § 77 seiner Schrift über Hermann und Dorothea (S. 154 der 4. Auflage; gesammelte Werke Band 4, S. 205).
Hegel, Vorlesungen über Aesthetik Band 1, S. 238.
S. 46. Ueber Goethes Beziehungen zur französischen Revolution handelt Hehn ausführlich in den Gedanken über Goethe S. 93.
S. 47. Das Zitat aus Schillers Distichon »Das Höchste« (Sämtliche Schriften Band 11, S. 74 Goedeke).
S. 48. Dahlmann, Geschichte der französischen Revolution S. 9.
S. 50. Ueber Rafael und Goethe vgl. Hermann Grimm, Goethe S. 183.
S. 51. Ueber Voltaires Schätzung durch Goethe vgl. Hermann Grimm, Goethe S. 48.
Stoffquelle, Entstehung und Aufnahme.
S. 52. Ein Aufsatz »Ueber den mutmasslichen Stoff zu Goethes Hermann und Dorothea« erschien im Morgenblatt 1809 Nr. 138.
Panse, Geschichte der Auswanderung der evangelischen Salzburger im Jahre 1732, Leipzig 1827.
Yxem, Ueber die Quelle des idyllischen Epos Hermann und Dorothea von Goethe, erschienen in von der Hagens Germania (Neues Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache und Altertumskunde) Band 2, S. 137.
S. 55. Goethes Aeusserung an Heinrich Meyer in einem Briefe vom 28. April 1797 (Riemer, Briefe von und an Goethe S. 51).
S. 56. Schillers Brief an Körner ist vom 28. Oktober 1796 (Briefwechsel Schillers mit Körner Band 3, S. 374); aus demselben Briefe ist auch das Zitat S. 57.
S. 57. Die Rezension steht in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste Band 61, S. 230. 260, wiederabgedruckt bei Braun, Goethe im Urteile seiner Zeitgenossen Band 2, S. 306; vgl. auch S. 66. Im allgemeinen vgl. über die Aufnahme von Hermann und Dorothea beim Publikum Gedanken über Goethe S. 99.
Die Elegie Hermann und Dorothea steht in Goethes Werken Band 1, S. 293 Weimarische Ausgabe, Anmerkungen dazu in Goethes Gedichten Band 1, S. 431 Loeper.
S. 59. Schillers Brief ist vom 9. Dezember 1796 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 229 Spemann)
Ort und Zeit.
S. 61. Ueber den süddeutschen Charakter vgl. auch Gedanken über Goethe S. 18.
S. 63. Die ciceronianische Stelle findet sich de oratore Buch 1, § 28 und lautet: nam me haec tua platanus admonuit, quae non minus ad opacandum hunc locum patulis est diffusa ramis quam illa, cujus umbram secutus est Socrates, quae mihi videtur non tam ipsa aquula, quae describitur, quam Platonis oratione crevisse.
Grimm, Deutsche Rechtsaltertümer S. 796.
Die beiden Parzivalstellen sind 162, 8 und 185, 28 Lachmann.
S. 64. Die Stelle aus Gottfried von Strassburgs Tristan steht 420, 23 Massmann.
S. 65. Hochsommer: vgl. Gedanken über Goethe S. 307.
Gang der Fabel.
S. 66. Homers Hymnus auf Apollo Vers 189.
Goethes Aeusserung über den rhapsodischen Vortrag findet sich in der mit Schiller gemeinsam redigierten Arbeit »Ueber epische und dramatische Dichtung« (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 368 Spemann).
S. 70. Die Stellen in der Campagne in Frankreich sind Aufzeichnungen vom 4. und 11. Oktober 1792 (Werke Band 25, S. 82. 94 Hempel).
S. 71. βιόδωρος αἶα Sophokles' Philoktet Vers 1138; vgl. auch Gedanken über Goethe S. 298.
S. 77. Humboldt handelt vom Wunderbaren im Epos in § 41 seines Buches über Hermann und Dorothea (S. 86 der 4. Auflage; gesammelte Werke Band 4, S. 114).
S. 84. Goethes Brief an Schiller, worin er des Friedensschlusses gedenkt, ist vom 13. Mai 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 275 Spemann).
Charaktere.
S. 88. Die Schilderung von Hermanns Charakter ist fast wörtlich schon in den Gedanken über Goethe S. 237 verwertet.
S. 91. Ueber die öfter aufgeworfene Frage, ob der Pfarrer Katholik oder Protestant sei, äussert sich sehr richtig Hehn folgendermassen: »Ob der Pfarrer in Hermann und Dorothea ein katholischer oder protestantischer Geistlicher ist und ob er Messe liest oder eine Predigt hält, bleibt bei der hohen und freien Religiosität, die ihn in Thun und Reden leitet, unentschieden: doch könnte die Erwähnung des Tedeums, wo zur Orgel die Glocke tönt, und der Umstand, dass nirgends seiner Familie gedacht ist, mehr für das erstere sprechen; hinwiederum ist er aber auch Mentor eines jungen Barons in Strassburg gewesen, also wie Lenz und Herder, und mit solchem Amt pflegt der lutherische Kandidat seine Laufbahn zu beginnen« (Gedanken über Goethe S. 34).
S. 94. Hier ist zu erwähnen, dass das Urbild der Dorothea nach Bielschowskys Ansicht (Die Urbilder zu Hermann und Dorothea: Preussische Jahrbücher Band 60, S. 335; vgl. auch Band 69, S. 666) Goethes frühere Geliebte Lili sein soll, deren Schicksale bei ihrer Flucht vor den eindringenden Franzosen Goethe verwertet habe. Mir sind Bielschowskys Argumente in keiner Weise überzeugend.
S. 95. Humboldts Tadel dieses Motivs findet sich in § 34 seines Buches über Hermann und Dorothea (S. 69 der 4. Auflage; Gesammelte Werke Band 4, S. 92); vgl. auch Goethes Gespräche Band 7, S. 37.
S. 97. Ueber das Typisch-homerische in unserm Gedicht handelt Hehn auch Gedanken über Goethe S. 201.
Πατρός γ' ὅδε πολλὸν ἀμείνων Ilias Buch 6, Vers 479.
S. 100. Goethes Aeusserung an Meyer ist aus einem Briefe von 28. April (Riemer, Briefe von und an Goethe S. 51), die an Schiller aus einem Briefe vom 8. April 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 258 Spemann).
Sitten und Lebenssphäre.
S. 104. Ausführlich handelt Hehn über Goethes poetische Verwertung des Bürgertums in den Gedanken über Goethe S. 234.
Die Homerstelle lautet (Ilias Buch 18, Vers 558):
βοῦν δ' ἱερεύσαντες μέγαν ἄμφεπον, αἱ δὲ γυναῖκες
δεῖπνον ἐρίθοισιν λεύκ' ἄλφιτα πολλὰ πάλυνον.
S. 106. Ueber frühe Ehe bei Goethe vgl. Gedanken über Goethe S. 220.
S. 108. Der ganze Abschnitt vom Freiwerben in früherer Zeit steht fast wörtlich so auch in den Gedanken über Goethe S. 246.
S. 109. Hegel, Philosophie des Rechts § 162; vgl. Gedanken über Goethe S. 247.
Ueber die Sonntagserholungen der Bürger bei Goethe vgl. Gedanken über Goethe S. 250.
S. 110. Ueber Sentenzen als ethischen Ausdruck des Bürgertums vgl. Gedanken über Goethe S. 241.
S. 113. Ueber die Geltung der Nachbarschaft in Goethes Werken vgl. Gedanken über Goethe S. 243.
Der Endabschnitt steht fast wörtlich in den Gedanken über Goethe S. 253.
Diktion.
S. 119. Das Distichon aus Goethes Gedicht »Der neue Pausias und sein Blumenmädchen« (Werke Band 1, S. 273 Weimarische Ausgabe).
S. 120. Ueber Goethes Schilderungen der Wirkung des Mondlichts vgl. Gedanken über Goethe S. 291.
S. 123. Reineke Fuchs Gesang 1, Vers 15.
S. 124. Grimm, Deutsche Grammatik Band 4, S. 146.
S. 125. Die ironische Färbung der antikisierenden Sprache, die auch S. 127 behauptet wird, möchte ich in Abrede stellen trotz Hehns Ausspruch: »Wohl aber, wie so oft bei Goethe, bewirkt die Wahrheit des Tones, dass über die Erzählung wie ein leichter ironischer Hauch hinzuschweben scheint« (Gedanken über Goethe S. 71).
Virgil, Aeneis Buch 1, Vers 148.
S. 126. Cicero, Laelius § 62.
In Xenophons Memorabilien Buch 2, Kapitel 4, § 4 heisst es: ἔτι δὲ πρὸς τούτοις ὁρᾶν ἔφη τοὺς πολλοὺς τῶν μὲν ἄλλων κτημάτων καὶ πάνο πολλῶν αὐτοῖς ὄντων τὸ πλῆθος εἰδότας, τῶν δὲ φίλων ὀλίγων ὄντων τὸ πλῆθος ἀγνοοῦντας.
Die Homerstelle steht Ilias Buch 2 Vers 484, Buch 11 Vers 218, Buch 14 Vers 508, Buch 16 Vers 112.
S. 127. Goethes Aeusserung über die Gleichnisse in seinem Gedicht in einem Briefe an Schiller vom 23. Dezember 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 370 Spemann).
Die beiden in die Rede verflochtenen Gleichnisse sind Gesang 1 Vers 176:
Da er so hart uns gestraft, er uns nun beständig erfreut hat
Und beständig beschützt, so wie der Mensch sich des Auges
Köstlichen Apfel bewahrt, der vor allen Gliedern ihm lieb ist;
und Gesang 3 Vers 9:
Und verfaulen geschwind an dem Platze, der ihn erzeugt hat,
Keine Spur nachlassend von seiner lebendigen Wirkung.
Die Homerstelle steht Odyssee Buch 14 Vers 55. 165. 360. 442. 507, Buch 16 Vers 60. 135. 464, Buch 17 Vers 272. 311. 380. 512. 579.
Vers.
S. 129. Für dies ganze Kapitel verweise ich auf Hehns äusserst anregende Abhandlung »Einiges über Goethes Vers« im Goethejahrbuch Band 6, S. 176. Die bessernde Arbeit, die Goethe in metrischer und stilistischer Hinsicht seinem Epos angedeihen liess, wird erst nach Erscheinen des unser Gedicht enthaltenden Bandes der Weimarischen Ausgabe klar und eingehend beurteilt werden können; einstweilen orientiert Schreyers Abhandlung »Goethes Arbeit an Hermann und Dorothea« im Goethejahrbuch Band 10, S. 196.
S. 131. Gervinus, Geschichte der deutschen Dichtung Band 4, S. 132.
Ueber den Anfang des deutschen Hexameters vgl. Wackernagel, Geschichte des deutschen Hexameters und Pentameters bis auf Klopstock, Berlin 1831, wiederabgedruckt in seinen kleineren Schriften Band 2, S. 1; ferner Martins Aufsatz in der Vierteljahrsschrift für Literaturgeschichte Band 1, S. 98.
S. 132. Voss, Zeitmessung der deutschen Sprache S. 13.
S. 134. Bei Platens Tadel über die weimarischen Hexameter verweist Hehn auf Nr. 99 der Deutschen Jahrbücher von 1841.
Die beiden Homerverse stehen Odysee Buch 11 Vers 598. 596.
S. 135. Voss, Zeitmessung der deutschen Sprache S. 127.
S. 136. Humboldts Bemerkung steht in § 102 seiner Schrift über Hermann und Dorothea (S. 201 der 4. Auflage; gesammelte Werke Band 4, S. 266)
S. 138. Der Bericht Goethes an Schiller in seinen Briefen vom 8. und 15. April 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 1, S. 257. 260 Spemann). Humboldts prosodische Bemerkungen stehen in seinen Briefen an Goethe vom 6. und 30. Mai 1797 (Goethes Briefwechsel mit den Gebrüdern von Humboldt S. 32; Goethejahrbuch Band 8, S. 67).
Riemer, Mitteilungen über Goethe Band 2, S. 586.
Andre deutsche Epen (Luise von Voss, Messias von Klopstock) zur Vergleichung.
S. 139. Ueber Vossens Luise vgl. noch Gedanken über Goethe S. 228.
Andre Urteile Niebuhrs zitiert Hehn in den Gedanken über Goethe S. 103. 132.
Goethe schreibt an Schiller am 28. Februar 1798: »Mein Gedicht scheint, wie ich aus diesen Nachrichten sehe, Voss nicht so wohlthätig als mir das seine. Ich bin mir noch recht gut des reinen Enthusiasmus bewusst, mit dem ich den Pfarrer von Grünau aufnahm, als er sich zuerst im Merkur sehen lies, wie oft ich ihn vorlas, so dass ich einen grossen Teil davon noch auswendig weiss, und ich habe mich sehr gut dabei befunden, denn diese Freude ist am Ende doch produktiv bei mir geworden, sie hat mich in diese Gattung gelockt, den Hermann erzeugt, und wer weiss was noch daraus entstehen kann. Dass Voss dagegen mein Gedicht nur se defendendo geniesst, thut mir sehr leid für ihn. Denn was ist dann an unserm ganzen bisschen Poesie, wenn es uns nicht belebt und uns für alles und jedes, was gethan wird, empfänglich macht? Wollte Gott, ich könnte wieder von vorn anfangen und alle meine Arbeiten als ausgetretene Kinderschuhe hinter mir lassen und was Besseres machen« (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe Band 2, S. 51 Spemann).
S. 140. Schiller, Sämtliche Schriften Band 10, S. 489 Anmerkung Goedeke.
Vossens Brief an Gleim in seinen Briefen Band 2, S. 339; ebenda S. 340 Anmerkung steht Gleims oben zitiertes Gedicht.
S. 143. »Die Ehrbarkeit und die theologische Dogmatik, das gestalt- und inhaltlose Kraftgefühl, der Schwung in die Leere des Erhabenen, die Spannung zwischen Geist und Sinn, die Versenkung in dunkle Zusammenklänge, die grübelnde Gewaltsamkeit gegen die Sprache, die Thränen der Schwermut um nichts, der persönliche Ernst statt der offenen Hingabe an Welt und Leben, dies waren die Eigenschaften, die das sächsische Deutschland an dem Sänger des Messias und der Oden entzückten und ihm begeisterte Jünger zuführten«, Gedanken über Goethe S. 11; vgl. auch daselbst S. 61.
S. 146. Goethes Gedicht »Die Kränze« steht in den Werken Band 2, S. 136 Weimarische Ausgabe; Anmerkungen dazu in Goethes Gedichten Band 1, S. 400 Loeper.
Schlegels Ausspruch über Vossens Luise steht im Athenäum 1798 (Gedanken über Goethe S. 229).
Jena, 20. Juli 1893.
Albert Leitzmann.