Zu dieser Zeit erhielt Schmidel, der alle diese Vorgänge miterlebt, einen Brief seines Bruders, der ihn zur Heimkehr bewog. Irala läßt ihn ungern ziehen und beauftragt ihn, ein Schreiben für die Casa de las Indias mitzunehmen. In der Beschreibung von Schmidels Leben haben wir seine weiteren Schicksale schon behandelt: er reist über Land an die brasilianische Küste, von hier nach Spanien, richtet seinen Auftrag aus und gelangt glücklich wieder in seine Heimatstadt Straubing. –
Schluß.
Die »Warhafftige und liebliche Beschreibung etlicher furnemen Indianischen Landschafften und Insulen, die vormals in keiner Chronicken gedacht, und erstlich in der Schiffart Ulrici Schmidts von Straubingen, mit großer gefahr erkundigt, und von ihm selber auffs fleissigst beschrieben und dargethan« (zum ersten Mal gedruckt Frankfurt a. M. 1567) wird von den Geschichtschreibern hochgeschätzt. Wir kennen etwa 20 verschiedene Ausgaben; übersetzt wurde sie schon sehr früh ins Lateinische, später ins Holländische, Französische, Englische, Spanische. Letztere Übersetzung, von 1742, wurde 1836 von Angelis in seiner berühmten Sammlung in Buenos Aires wieder aufgenommen, welche 1901 zum Teil neu gedruckt wurde. Ich beschränke mich auf die Wiedergabe argentinischer Urteile über ihn. Azara Ende des 18. Jahrhunderts nennt das Buch »la mas puntual de todas las historias antiguas en las situaciones y distancias de los lugares y naciones que describe«. Angelis bezeichnet es als »das erste Denkmal unserer Geschichte und die einzige Quelle, aus der alle die schöpfen müssen, welche die ersten Schritte der Europäer in diesen fernen Gegenden verfolgen wollen«; den Verfasser charakterisiert er als den »escritor mas circunspecto de su época«.
Pelliza in seiner Schmidelausgabe, welche 1881 in Buenos Aires erschien, nennt ihn einen »hombre de admirable fortaleza de ánimo y de no vulgar inteligencia«, »prudente y valeroso en toda la série de campañas«; »su libro contiene las primeras y mas exactas noticias que se han consignado sobre la colonización de esta parte de América«.
Im Jahre 1891 erschien zu London eine englische Übersetzung, besorgt für die Hakluyt Society von dem dortigen argentinischen Gesandten Luis L. Dominguez. In einem prächtigen Foliowerke hat im Jahre 1890 der berühmte General Mitre Schmidels Verdienste hervorgehoben. Er nennt ihn einen »observador atento y tranquilo de la naturaleza, sin imaginación y despreocupado« ... »narra seca y concisamente los hechos, establece las fechas, determina las distancias, describe lo que ve como comprende, sin ornamentos de estilo ni divagaciones«, und regt eine mustergültige spanische Ausgabe an. Dies geschieht denn auch im Jahre 1903; die Junta de Historia y Numismática Americana zu Buenos Aires gab sie als ersten Band ihrer Veröffentlichungen in wundervoller Ausstattung heraus, reichlich kommentiert und beleuchtet von Lafone Quevedo; befriedigt schreibt dieser am Schlusse seiner Arbeit: »Se ha llegado al fin de la tarea .... si nos faltase nuestro Ulrico Fabro, ello dejaría un vacío irreparable entre las crónicas de su época«.
Ja, Schmidels Wertschätzung geht in Argentinien noch weiter. Im Jahre 1906 legte der argentinische Statistiker Carrasco der schon genannten Junta den Entwurf zu einem Wettbewerbe für ein Denkmal vor, das den Gründern der Stadt Buenos Aires gewidmet werden sollte. Auf der Westseite sollte Schmidels Medaillonbildnis eingelassen sein mit der Überschrift: »A la memoria de Ulrich Schmidel, Primer historiador del Rio de la Plata, 1535 bis 1555.« Wenn auch der Plan damals nicht zur Ausführung gelangte, so ist er doch für Schmidels Wertschätzung in argentinischen Kreisen bezeichnend.
Verfasser dieser Broschüre hat als Titelbild jene »Contrafactur Ulrich Schmidels« wiedergegeben, welche sich in der lateinischen Ausgabe, veranstaltet von Hulsius im Jahre 1599, findet; desgleichen hat er im Texte die alten Stiche jener Ausgabe reproduziert; obgleich nur als Buchschmuck bestimmt, versetzen sie in den Geist jener Zeiten, namentlich wenn man den deutschen Originaltext liest, wie er nun durch Mondschein und Langmantel zugänglich gemacht und auf allen größeren Bibliotheken zu finden ist.
Die sympathische Figur unseres Ulrich Schmidel wird gewiß das hohe Interesse seiner Landsleute erregen.
La Plata, Museum, Oktober 1909.
ROBERT LEHMANN-NITSCHE.
Verzeichnis der Literatur
nach welcher der historische Teil dieser Broschüre, zum Teil in wörtlicher Übersetzung, zusammengestellt ist.
Carrasco, Monumento á los fundadores de la ciudad de Buenos Aires. Bases para el concurso artístico. Buenos Aires 1906.
Dominguez, La Sierra de la Plata. Asunción 1904.
Fregeiro, Juan Díaz de Solís y el descubrimiento del Río de la Plata. Buenos Aires 1879.
Kohl, Geschichte der Entdeckungsreisen und Schifffahrten zur Magallan’s-Straße und zu den ihr benachbarten Ländern und Meeren. Berlin 1877. (Auch in Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Bd. 11, erschienen.)
Lafone Quevedo, El »Sebastián Gaboto« de Henry Harrisse. Boletín del Instituto Geográfico Argentino, XIX, 1898–1899.
Lafone Quevedo, Schmidl. Rectificaciones al »Estudio Crítico sobre la Historia y Descubrimiento del Rio de la Plata y Paraguay« del Dr. M. Dominguez. Revista del Instituto Paraguayo, No. 29, 1901.
Lafone Quevedo, Juan Díaz de Solís. Estudio histórico. Zeitschrift »Historia« (Buenos Aires), I, 1903.
Langmantel, Ulrich Schmidels Reise nach Südamerika in den Jahren 1534 bis 1554. Nach der Münchener Handschrift herausgegeben. Tübingen 1889.
Larrouy, Los orígenes de Buenos Aires (1536–1580). Revista de la Universidad de Buenos Aires, III, 1905.
Larrouy, La Historia argentina ....... por Carlos Cánepa, 7. Aufl. Buenos Aires 1908.
Madero, Historia del Puerto de Buenos Aires. Buenos Aires 1892.
Mondschein, Ulrich Schmidel von Straubing und seine Reisebeschreibung. Beilage zum Jahresberichte der Königl. Realschule Straubing pro 1880/81. Straubing 1881.
Mondschein, Ulrich Schmidels Reise nach Südamerika in den Jahren 1534 bis 1554, nach der Stuttgarter Handschrift herausgegeben. Programm zum Jahresberichte der K. Realschule Straubing für 1892/93. Straubing 1893.
Outes, El primer establecimiento español en el territorio argentino. Noticia histórico-geográfica (1527–1902). Buenos Aires 1902.
Schmidel, Historia y descubrimiento del Rio de La Plata y Paraguay. Con una introducción y observaciones críticas por M. A. P(elliza). Buenos Aires 1881.
Schmidel, Viaje al Rio de la Plata (1534–1554). Notas bibliográficas y biográficas por Bartolomé Mitre. Prólogo, traducción y anotaciones por Samuel A. Lafone Quevedo. Biblioteca de la Junta de Historia y Numismática Americana, Tomo I, Buenos Aires 1903.
Anmerkungen zur Transkription: Die Verwendung von Anführungszeichen in den Zitaten wurde vereinheitlicht. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller weiteren gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.