WeRead Powered by ReaderPub
Unser Familien-Arzt / Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode cover

Unser Familien-Arzt / Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Chapter 177: Fünftes Kapitel. Entbindung oder Kindbett.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Ein praktischer Familien-Heilratgeber richtet sich an Laien und besonders an Landbewohner, erläutert in leicht verständlicher Sprache Symptome, Ursachen und schrittweise Maßnahmen bei häufigen Krankheiten sowie Sofortmaßnahmen bei Notfällen. Für jede Erkrankung werden Behandlungsoptionen verschiedener medizinischer Richtungen – allopathisch, homöopathisch, hydropathisch, eclectisch und krautärztlich – nebeneinandergestellt, ergänzt durch ausführliche Anleitungen zur Krankenpflege, Ernährung und Hausapotheke. Das Werk ist systematisch gegliedert nach Krankheitsgruppen und Körperregionen und betont präventive Pflege sowie einfache, rasch anwendbare Verfahren für Situationen, in denen ärztliche Hilfe nicht sofort verfügbar ist.

Fünftes Kapitel.
Entbindung oder Kindbett.

Geburtswehen (Labor).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher oder später ein.

Symptome. Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim, „Blutanbrechen“ (show) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig, lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des Kindes bereit gehalten werden.

Schmerzen bei den Geburtswehen (Labor Pains).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird. Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind mehr nach unten drängend.

Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist, schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt, ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt und die Nachgeburt oder Placenta kommt. Starkes Ziehen sollte zur Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige Wehen hin, dieselbe auszustoßen.

Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist, wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.

Verbinden des Nabels (Dressing the Navel).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug, daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.

Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig, die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.

Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf, obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern länger als es wünschenswerth ist.

Behandlung.

Allöopathisch. Folgendes möge gegeben werden:

Eisenhut-Tinktur (Tincture of aconite) 30 Tropfen.
Kampherwasser (Camphor water) 1 Unze.
Laudanum 1 Drachme.
Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.

Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

Homöopathisch. Chamomilla. — Mag gegeben werden bei Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf Nux Vomica folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

Coffea und Aconitum. — Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

Pulsatilla — möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

Secale. — Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren haben.

Belladonna. — Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang, Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit Opium bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem begleitet.

Eclectische und Kräuterkur. Umschläge einer Abbrühung von gleichen Theilen von Hopfen und Rainfarn (Tansy) mit ein wenig Whiskey oder anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden. Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.

Blutfluß (Flooding — Hæmorrhage).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden, bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

Belladonna. — Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl, als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

Chamomilla. — Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche Schmerzen vorhanden sind.

China. — Kann abwechselnd mit Ipecacuanha, wenn Schwindel und Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten Fällen entsprechen.

Pulsatilla. — Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse Crocus oder Sabina folgen.

Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes Wasser trinken.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt, verlängere die Zwischenräume.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn sich der Blutfluß vor der Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (Tincture of cinnamon) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von Ratanhia (Rhatany), Zimmet-Tinktur (Tincture of cinnamon) und Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) mit Erfolg angewendet werden.

Allöopathisch. Folgende Pillen mögen genommen werden:

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 2 Grane.
Mohnkopf-Extrakt (Extract of poppies) 2

Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.

Dauer des Kindbetts.

Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis fünfzehnten Tag zu gehen.

Diät und Regeln während des Kindbetts.

Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen. Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird; jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser, entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten Trank.

Lochien oder Geburtsblutfluß.

Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind; in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.

Unterdrückung der Lochien.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Man öffne die Eingeweide vermittelst eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz (Epsom salts), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut (Motherwort) so heiß als möglich und öfters wiederholt trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme Umschläge von Hopfen und Rainfarn (Tansy) auf den Unterleib und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der Schlangenwurzel-Tinktur (Tincture of black cohosh) und einem Theil Eisenhutwurzel-Tinktur (Tincture of aconite root), 8 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei Stunden zu wiederholen.

Homöopathisch. Bryonia. — Kann gegeben werden bei Vollsein und Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz, Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien vorhanden sind, gebe man Aconitum und Belladonna abwechselnd.

Pulsatilla. — Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße und häufigem Verlangen zum Uriniren.

Dulcamara und Pulsatilla. — Abwechselnd wenn die Unterdrückung die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.

Coffea und Chamomilla — gebe man abwechselnd, wenn die Patientin sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.

Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.

Behandlung.

Homöopathisch. Crocus. — Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt, schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort etwas Lebendiges wäre.

China und Ipecacuanha — kann abwechselnd gegeben werden, wenn der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.

Aconitum. — Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist. Zeigt sich Aconitum unzureichend, so gebe man Calcarea carbonica.

Rhus. — In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie bereits aufgehört hatten.

Silicea. — Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn das Kind an die Brust gelegt wird.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde, Storchschnabel (Geranium) und Rüster-Rinde (Witch hazel bark) kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte. Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in kühlem Wasser.

Milchfieber.

Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen gethan werden.

Behandlung.

Allöopathisch. Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) 10 Grane.
Lakritzen-Extrakt (Ext. of Liquorice) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (Compound infusion of senna) Unzen.
Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (Tinct. of senna and jalap) 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (Spirit of Sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als erforderlich.

Nachher gebe das folgende:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (Solution of acetate of Ammonia) 3 Unzen.
Wasser 3
Laudanum ½ Drachme.

Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (Ipecac) und Opium gegeben werden.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei starkem Fieber, heißer Haut, Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.

Bryonia. — Wenn die Symptome theilweise von Aconitum gelindert wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte Brust, Beklemmung.

Belladonna. — Kann nach Aconitum oder abwechselnd mit diesem oder Bryonia gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe und Aufregung vorhanden, so gebe man Coffea und Chamomilla abwechselnd.

Pulsatilla. — Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Ausbleiben der Milch.

Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen, wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe, wenn irgend möglich, zu verhüten.

Behandlung.

Homöopathisch. Pulsatilla — wird in der Regel hinreichen, den Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die Folge von Erkältung ist.

Belladonna und Bryonia — mag abwechselnd bei Blutandrang nach dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.

Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man abwechselnd Aconitum und Coffea, besonders wenn geistige Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.

Calcarea Carbonica. — Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier Stunden zwei Theelöffel voll.

Uebermäßige Ansammlung der Milch.

Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und andere Störungen des Nervensystems folgen.

Behandlung.

Homöopathisch. Calcarea Carbonica oder Phosphorus — wird gewöhnlich Linderung gewähren.

Aconitum und Belladonna — werden zuträglich gefunden werden, wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang vorhanden sind.

China. — Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.

Verordnung der Heilmittel. Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (Cotton batting) ist sehr zu empfehlen.

Wunde Brustwarzen

kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt. Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese Beschwerde verhindern oder entfernen.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Entzündung beträchtlich ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (Elm bark) oder Ulmen und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) auf eine Unze Wasser mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:

Schöpsenfett (Mutton tallow) ½ Unze.
Peruvianischer Balsam (Balsam of peru) ½ Drachme.
Glycerin ½
Honig ½

Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf die Brustwarzen.

Homöopathisch. In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet, die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt werden.

Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen gestreut wird, ebenso von Benzoe- (Benzoin) oder Benjamin-Tinktur vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.

Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der schlüpferigen Ulme (Slippery elm) aufgelöst ist eine vorzügliche Waschung. Töpferthon (Potters clay) auf die Warzen gestreut, wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind folgende:

Chamomilla. — Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:

Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites, Sepia, Calcarea Carbonica. Von Chamomilla mag alle vier oder sechs Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.

Allöopathisch. Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden werden:

Löse entweder Alaun (Alum), Borax, schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch eine Auflösung von Gerbersäure (Tannic acid) wird zuträglich gefunden werden.

Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:

Glycerin 1 Drachme.
Tannin 1

Mische es.

Aufgebrochene Brüste (Broken Breast — Mastitis).

Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche Verletzungen u.s.w. verursacht.

Symptome. Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.

Behandlung.

Homöopathisch. Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben (Carrots) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder empfindlich wird, so sollte Belladonna und Bryonia entweder allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem, zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man alle 6 Stunden eine Dosis Mercurius. Bleiben Knoten in der Brust zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte Hepar sulphuris gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von Eiter nehme man Phosphorus allein oder abwechselnd mit Hepar sulphuris. Silicea mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.

Graphites oder Calcarea Carbonica kann besonders bei hartnäckigen Fällen angewendet werden.

Verordnung der Heilmittel. Zu Anfang, wenn Belladonna und Bryonia genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.

Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.

Werden Sulphur oder Calcarea angewendet, so ist Morgens und Abends eine Dosis hinreichend.

Allöopathisch. Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag zur äußerlichen Anwendung dienen:

Belladonna-Tinktur (Tinct. of belladonna) 1 Unze.
Kampher-Tinktur (Tinct. of camphor) 1

Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.

Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:

Eisenhut-Tinktur (Tinct. of aconitum) 2 Drachmen.
Essigsaures Morphium (Acetate of morphine) 2 Grane.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.

Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.

Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:

Zusammengesetzter Talgbaum- (Stillingia) Syrup 8 Unzen.
Potaschen Jodid (Iodide of potash) 2 Drachmen.
Fowler’s Solution

Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. In den ersten drei oder vier Tagen wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je einer Unze Kampher (Camphor), Sassafrasöl und Cajeput- (Cajeput) Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:

Feingeschnittene spanische Seife (Castille soap) Unze.
Gelbes Bienenwachs ½
Schweinefett 1

Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig acht Drachmen Jamaica-Spiritus (Jamaica spirits), in dem zuvor 30 Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch, streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von schlüpferiger Ulme (Slippery elm) oder von Brod und Milch. Frische Kermesbeere (Poke root) in Asche weich geröstet und zerdrückt, mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser gemischt, wird zuträglich gefunden werden.

Verstopfung und Diarrhöe.

Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe Kapitel 12, erster Theil.

Kindbettfieber (Childbed Fever — Puerperal Peritonitis).

Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die Eingeweide bedeckt.

Symptome. Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß, Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz auf, was ein Zeichen des Endes ist.

Ursachen. Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung, Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige Erregungen.

Behandlung.

Allöopathisch. Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden; geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder Indischem Mehl (Indian meal) folgen, werden keine Blutegel gesetzt, so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz (Ipecac), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur von Nießwurz (Veratrum Viride), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird. Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel, im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey geben.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Krankheit mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:

Entenfuß (Podophyllin) 2 Grane.
Leptandrin 4
Cremor Tartari (Cream of tartar) 10

Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (Tinct. of Lobelia and Capsicum) in einer oder zwei Unzen warmem Wasserdost (Boneset), Sennesblätter oder Lobeliathee kann gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (Tincture of horsemint), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (May weed) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-, Katzenmünze- (Catnip) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von Fingerhut (Digitalis) und Stechapfel (Stramonium) jede Stunde oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen und Rainfarn (Tansy) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (Stramonium) Blätter sind zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche Theile von pulverisirter Blutwurzel (Blood root), Kalmus (Blue flag root) und Salpeter (Nitre) in Dosen von 15 Granen alle drei Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die innere Seite der Lenden.

Homöopathisch. Aconitum — ist das erste Mittel, besonders wenn die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt, bei schnellem Puls.

Belladonna. — Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe, ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht, glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes.

Bryonia. — Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes, Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Pulsatilla. — Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.

Andere Mittel sind: Apis, Arnica, Arsenicum, Hyosciamus, Chamomilla, Rhus.

Verordnung der Heilmittel. Im Anfange ist es das beste, Aconitum und Belladonna abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12 Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu geben.

Die weiße Schenkelgeschwulst (Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens).

Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht möglich ist.

Symptome. Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt; zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.