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Unser Familien-Arzt / Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode cover

Unser Familien-Arzt / Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Chapter 43: Schwarzer Staar (Cataract, Glaucoma).
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About This Book

Ein praktischer Familien-Heilratgeber richtet sich an Laien und besonders an Landbewohner, erläutert in leicht verständlicher Sprache Symptome, Ursachen und schrittweise Maßnahmen bei häufigen Krankheiten sowie Sofortmaßnahmen bei Notfällen. Für jede Erkrankung werden Behandlungsoptionen verschiedener medizinischer Richtungen – allopathisch, homöopathisch, hydropathisch, eclectisch und krautärztlich – nebeneinandergestellt, ergänzt durch ausführliche Anleitungen zur Krankenpflege, Ernährung und Hausapotheke. Das Werk ist systematisch gegliedert nach Krankheitsgruppen und Körperregionen und betont präventive Pflege sowie einfache, rasch anwendbare Verfahren für Situationen, in denen ärztliche Hilfe nicht sofort verfügbar ist.

Fünftes Kapitel.
Augenkrankheiten.

Das Niederfallen des Augenlids (Paralysis, Ptosis).

Dies kann durch das Aussetzen der kalten Luft oder unmittelbar den Sonnenstrahlen, Trunkenheit, heftige geistige Erregung, Schläge auf den Kopf und Geschwulst im Gehirn hervorgerufen werden. Bei diesem Leiden sind gewöhnlich die Muskeln des Auges gelähmt, so daß das Auge nicht bewegt werden kann, vollkommen stille steht oder auch nach den Schläfen zugedreht ist.

Behandlung.

Allöopathisch. Quecksilber wird zuweilen gebraucht, bis der Mund angegriffen ist. Warme Umschläge um die Augen werden in einigen Fällen von wohlthätiger Wirkung sein, ebenso das Reiben der Stirne, der Schläfe und des Augenlids mit aromatischem Ammoniak-Spiritus.

Homöopathisch. Diesem Leiden angemessene Mittel sind: Spigelia, Belladonna, Sepia, Opium, Cocculus, Nitric Acid. Uebrigens sollte dieser Zustand nur von einem geschickten Arzt behandelt werden.

Entzündung des Augenlids und des Rands des Augenlids.

Dieselbe kann von einer Erkältung oder auch von anderen Ursachen herrühren; häufig sind nur die Ecken entzündet, ohne den übrigen Theil anzugreifen.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei starker Entzündung und großen Schmerzen, die Augenlider sind geschwollen, hart und roth, Hitze, und gleichzeitig ein brennendes Gefühl, eine überreiche Absonderung von Schleim der Augen und der Nase findet statt.

Belladonna. — Da wo Aconitum nicht hinreichend gefunden wird; besonders bei einem Gefühl von Brennen und Jucken in dem Lid, geschwollene Augenlider, welche zusammenkleben und bluten wenn geöffnet, ebenso wenn die Ränder nach Außen gedreht sind und wie gelähmt erscheinen.

Hepar Sulphuris. — Bei einem zerreißenden oder zerquetschenden Gefühle in den Lidern, wenn solche berührt werden; große Empfindlichkeit gegen Licht. Kann abwechselnd mit Mercurius, Aconitum oder Belladonna gegeben werden.

Euphrasia. — In jenen Fällen, wo die Augenlider roth und angeschwollen und die Ränder zerrissen sind, Jucken bei Tage, Zusammenkleben des Morgens, Kopfschmerz, Hitze im Kopf, Scheu vor Licht, starker Ausfluß von Thränen und Schleim. Kann abwechselnd mit Nux vomica gegeben werden, wenn der Augapfel sehr roth und Brennen und Jucken vorhanden ist.

Mercurius. — Ist die Geschwulst hart bei schneidenden Schmerzen und Schwierigkeit die Augenlider zu öffnen, Eiter und Schorf in den Ecken am Morgen und in der Bettwärme schlimmer, Unruhe, Schweiß, Brennen und Jucken der Augen, im Freien schlimmer. Hepar Sulphuris kann abwechselnd mit diesem gegeben werden.

Arsenicum. — Entzündung des Innern des Augenlids, Schwierigkeit die Augen zu öffnen und heftig brennende Schmerzen.

Spigelia. — Entzündung und Zerreißen des Augenlids, Beißen und Schmerzhaftigkeit, die Lider sind steif und deshalb nur schwer zu öffnen, Bohren in den Augen und Schmerz in dem Kopfe, schlimmer bei Bewegung.

Hyosciamus und Chamomilla kann abwechselnd gegeben werden, wenn die Augenlider mit einem Gefühl von Schwere oder Druck krampfartig geschlossen sind.

Verordnung der Heilmittel. — Eine Dosis: 4 Kügelchen von dem gewählten Mittel alle 2, 4 oder 6 Stunden. Wasser, ob kalt oder warm, je nachdem es der Patient vorzieht, kann mit gutem Erfolge angewendet werden.

Allöopathisch. Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens, wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen, die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden. Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.

Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 12 Grane.
Laudanum 2 Drachmen.
Destillirtes Wasser 12 Unzen.

Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind, möge folgende Waschung angewendet werden:

Rosenwasser 4 Unzen.
Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 2 Grane.

Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (Dilute nitrate of mercury ointment), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern, je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung, getragen werden.

Eclectische und Kräuterkur. Erweichende Umschläge von pulverisirter schlüpfriger Ulmenrinde (Pulv. slippery elm bark), mit warmer Milch und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die verwelkten Blätter des Stechapfels (Stramonium) mit Fett gemischt zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.

Entzündung des Augapfels (Ophthalmia).

Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.

Symptome. — Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen. Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände. Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.

Ursachen. — Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben, plötzlicher Witterungswechsel.

Behandlung.

Allöopathisch. Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie folgt, gegeben werden:

Pulverisirter Gummi (Pulv. gamboge) 12 Grane.
Pulverisirte Sennesblätter (Pulv. senna) 12
Springgurke (Elaterium) 2
Crotonöl (Croton oil) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 3 Grane.

Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine, bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des salpetersauren Silbers (Nitrate of silver), 4 Grane derselben auf eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden. Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein, der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren, so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren Silbers (Nitrate of silver) fort. Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen. Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) wie folgt angewendet werden:

Rosenwasser Unzen.
Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 2 Grane.

Mische es.

Eclectische und Kräuterkur. Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende Augenwaschung ist empfohlen:

Bleizucker (Sugar of lead) ½ Drachme.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) ½
Gewöhnliches Salz 1
Stückzucker (Loaf sugar) 1
Destillirtes Wasser ½ Pint.

Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis dreimal des Tages damit.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:

Grüner Thee ½ Unze.
Gelbwurz (Yellow root) ½
Kochendes Wasser 1 Pint.

Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück weißen Flanells.

Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das folgende angewendet werden:

Aconit-Tinctur (Tincture of aconite) 1 Drachme.
Eine Abkochung von Gelbwurz (Decoction of golden seal) 1 Unze.

Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.

Ein anderes Heilmittel ist:

Gelbwurz (Golden seal), Hexennuß-Blätter (Witch Hazel), von jedem ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver 10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.

Homöopathisch. Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), oder salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) möge in dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser angewendet werden.

Aconitum. — Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große geistige Aufregung.

Belladonna. — Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels, Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen, oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen, welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider, rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.

Euphrasia. — Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen dieselben Symptome als bei Belladonna angewendet werden, wenn Belladonna keine Linderung gewährt.

Nux vomica. — Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen und Kopfweh jede Nacht.

Pulsatilla. — Kann Aconitum folgen, wenn die schlimmste Entzündung nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und zum Weinen geneigt.

Ignatia. — Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen, welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.

Spigelia. — Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der Augapfel zu groß wäre.

Arsenicum. — Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen, Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels, welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.

Mercurius. — Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der Augen erhöht.

Verordnung der Heilmittel. Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

Chronische Augenentzündung.

Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer Schwächung des Organismus eintreten.

Symptome. — Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der Thränen.

Ursachen. — Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder Dämmerlicht.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Es wird gut sein, ein- oder zweimal in der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.

Ungesalzene Butter 2 Unzen.
Weißes Wachs 2 Drachmen.

Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme pulverisirtes schwefelsaures Zink (Pulv. sulphate of zinc) ein. Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup (Gum Camphor) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die Augen 2 bis 3 Mal des Tages.

Homöopathisch. Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) oder salpetersaures Silber (Nitrate of Silver) in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser. Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur innerlichen Anwendung sind: Arsenicum, Belladonna, Sulphur, Silicea, Nux vomica, Graphites und Phosphorus.

Allöopathisch. Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:

Salbe von salpetersaurem Quecksilber (Ointment of nitrate of mercury). 1 Theil.
Salbe von Spermaceut oder
Präparirtem Schweinefett
2 Theile.

Mische es.

Auslösung von essigsaurem Blei (Acetate of Lead) oder schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), oder auch schwefelsaurem Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet werden.

Chronisch skrophulöse Augenentzündung.

Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren, doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten Arzte überlassen bleiben.

Behandlung.

Homöopathisch. Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der Augenlider und des Augapfels, Aconitum und Belladonna.

Dulcamara. — Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, gebe man Euphrasia, Hepar Sulphur und Silicea. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen) von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist Silicea gegeben worden, so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von Silicea in einem halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den Augen gebe man Euphrasia, Hepar Sulphur, Silicea, Calcarea Carbonica und Acidum Nitri in derselben Weise.

Allöopathisch. Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von Alaun (Alum), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver), 2 Grane auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (Mercury) mit Kreide (Chalk), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate (Preparations of iron), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um den Organismus zu stärken.

Eclectische und Kräuterkur. Folgender Syrup möge angewendet werden, den Organismus zu reinigen:

Gelbe Parillawurzel 2 Pfund.
Kletten (Burdock) und Grundwurz (Yellowdock) von jedem 1

Wurzelrinde von

Bittersüß (Bitter sweet) und Sassafras von jedem ½
Maiapfel (May apple) und Blutwurzel (Bloodroot) von jedem 2 Unzen.

Brühe es in 5–6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein, füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal des Tages ein Weinglas voll.

Gerstenkorn (Stye) am Augenlid.

Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch, sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen, zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures Quecksilber (Diluted nitrate of mercury ointment) an. Salz und Wasser wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.

Nasse oder thränende Augen.

Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen, in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase und die Knochen der Nase können angegriffen werden.

Behandlung.

Allöopathisch. Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes einreibt.

Homöopathisch. Entspringt das Thränen der Augen aus einer allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann Euphrasia und Spigelia abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen gegeben werden. Andere Mittel sind Belladonna, Pulsatilla, Calcarea Carbonica, Silicea und Sulphur, welche in der aufgeführten Ordnung gegeben werden können.

Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.

Schwarzer Staar (Cataract, Glaucoma).

Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.

Symptome. Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich, um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das Auge gänzlich versperrt.

Ursachen. Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck, Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte, Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist, Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben sollen, und diese sind folgende: Silicea, Graphites, Hydriodate of Mercury, Calcarea Carbonicum, Conium und Digitalis — eine Dosis ein- oder zweimal in 24 Stunden.

Augenschwäche (Weakness of Sight, Amblyopia)

ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig gelähmt, so ist es Amblyopia, bei gänzlicher Lähmung Blindheit oder Amaurosis. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das allmählig abnimmt, bis sich Amaurosis vollständig einstellt. In einigen Fällen beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert sich das Leiden mehr und mehr der Amaurosis, wird der Blick von Nebel verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.

Amaurosis wird dadurch vom Staar (Glaucoma) unterschieden, daß die Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt. Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch einen weißen Flor gesehen, was bei Amaurosis nicht der Fall ist.

Kennzeichen der Annäherung von Amaurosis sind Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (Amaurosis) abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen, welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

Ursachen. — Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln, Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft, Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna, Stechapfel (Stramonium), Opium, Blei und Chinin.

Behandlung.

Allgemeine. Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen, Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und leicht verdaulich sein.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum Einnehmen:

Jod (Iodine) 10 Grane.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia)
Strychnin (Strychnia) 1
Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (Cohosh) hinreichend um aus Obigem Pillen zu machen.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das zusammengesetzte Theerpflaster (Compound Tar Plaster) im Nacken aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann, dort bleiben soll.

Homöopathisch. Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den folgenden Mitteln: Pulsatilla, Sulphur, Belladonna, Calcarea, Phosphorus. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.

Gegen gänzliche Erblindung.

Belladonna. — Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen, theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz, Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen. Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe es abwechselnd mit Hyosciamus.

Nux vomica. — Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht, Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit ein, so gebe man zuerst Aconitum, dann Mercurius alle zwei oder drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.

China. — Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu, weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine Hinfälligkeit.

Phosphorus. — Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages, schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme des Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.

Stramonium. — Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie, Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe eine Dosis des gewählten Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den Heilmitteln angegeben sind.

Allöopathisch. Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt &c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten Tag zu geben.

Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung Unze.
Safran- (Colchicum) Tinktur 20 Minims.

Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die Sennesblätter-Mischung (Senna mixture) so oft als nöthig, um eine vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die Eingeweide offen bleiben.

Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

Aufguß von Enzian (Gentian) Unzen.
Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesquicarbonate of ammonia) ½ Gran.
Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Cardamon) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Rinden-Abkochung (Decoction of bark) 7 Unzen.
Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (Compound tincture of bark) 6 Drachmen.
Orangenschalen-Syrup 2
Verdünnte Schwefelsäure (Deluted sulphuric acid) 1

Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (Bay berry root) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet, ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (Cayenne) ein Gran auf eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.

Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:

Eisen- und Strychnin-Citrat (Citrate of iron and strychnine) 1 Drachme.
Orangenschalen-Syrup (Syrup of orange peel) 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Kurzsichtigkeit (Myopia).

Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt, daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.

Behandlung.

Allgemeine. Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.

Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man hohlgeschliffene Brillen tragen.

Weitsichtigkeit (Presbyopia).

beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.

Schielauge (Squinting, Strabismus).

Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als nach Außen gerichtet.

Ursachen. Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die Lage in der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.

Behandlung.

Homöopathisch. Belladonna. — Bei Schielen auf- oder auswärts, das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts, Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche schließlich unempfindlich gegen Licht wird.

Alumina. — Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb, Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und dunkel.

Digitalis. — Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.

Camphor. — Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.

Andere Mittel sind: Secale, Spigelia, Phosphorus und Sulphur.

Allöopathisch. Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch Salz und Sennesblätter (Senna) gegeben und die Kost sorgfältig geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu verbleiben.

Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:

Strychnin (Strychnia) 2 Grane.
Verdünnte Phosphorsäure (Diluted phosphoric acid) 1 Unze.
Pfeffermünzwasser (Peppermint water) 3 Pints.

Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Oder:

Eisen- und Strychnin-Citrat (Citrate of Iron and Strychnine) 1 Drachme.
Orangenschalensyrup (Syrup of Orange peel) 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.

Fremde Körper im Auge.

Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten, wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren, möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Solution of nitrate of silver) oder schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), und zwar im Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.

Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen, daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.