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Von der Hexe die eine Heilige war cover

Von der Hexe die eine Heilige war

Chapter 9: Inhalt
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About This Book

Die Erzählung führt in ein verlassenes, wohl erhaltenes Waldschloss, dessen Räume, Linde und eine seidene gelbe Decke die Spuren eines blassen Mädchens mit goldenen Haaren und durchdringendem Blick bewahren. Der Erzähler setzt in fragmentarischer, teils dialogischer Form Bilder, Lieder und Winkel der Burg zu einer Erinnerung zusammen: ein Reiter, der das Mädchen bringt, Hinweise auf schwere Krankheit und Anklagen, und die Stimmen der Umgebung, die Trost und Deutung anbieten. Landschafts- und Innenraumbeschreibungen verweben sich mit religiösen Motiven und Reflexionen über Leiden, Reinigung und menschlichen Trost, sodass vergangene Ereignisse nach und nach als innere und soziale Prüfung sichtbar werden.

Das ewige Brot

Gisela: Gute Nacht, Trostblümlein.

Engela: Gute Nacht, Prinzessin. Da reitet der junge Graf in den Schloßhof! Ach das wäre die schönste Geschichte, wie mir meine Großmutter noch keine erzählt hat! Von der Hexe und dem Grafensohn! Und das Gewölb — so schauerlich. Und dann kommt das Geisterschloß und daß die Prinzessin auch noch verwunschen ist.

Gisela: Verwunschen!

Engela: Ja! der Engel Leiden! Vor gar Nichts mehr fürchte ich mich in dem Spukschloß, seit Ihr mir gesagt habt, das schreckliche Klopfen wäre eine Rinne und ein Blech. Aber vor dem Engel Leiden fürcht ich mich! Wenn Ihr mit dem redet ...

Gisela: Das hörst du?

Engela: Jetzt nicht mehr! Aber wie Ihr im Fieber waret! Und Ihr seht schön aus wie Nichts in der Welt und schauerlich wie Nichts in der Welt.

Gisela: Da würdest du dich am meisten vor mir fürchten! Du Armes ...

Engela: Und hör ich auch gar Nichts, so seh ich es Euch doch am Morgen an ... Der Engel Leiden war wieder da!

Gisela: Wie siehst du mir das an ...

Engela: So an den Augen, so ein blaues Leuchten!

Gisela: Da brauchst du dich nicht davor zu fürchten! Gib das Fürchten auf, Engela, kommt nichts dabei heraus, als daß man Kummer hat.

Engela: Die Geschichte wär schön, so zum gruseln und sich daran freuen, und so recht rührend wär sie auch, wie es sein muß — aber einen Fehler hat sie doch!

Gisela: Daß man nicht weiß, wie sie weitergeht! Und du erlebst sie, die Geschichte! Bis zu Ende erlebst du sie, ich versprech dirs, bis zu Ende.

Engela: Alle Geschichten müssen so ausgehen: und sie fuhren zur Hochzeit in goldener Kutsche, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.

Gisela: Es muß auch einmal eine neue Geschichte geben.

Engela: Es darf kein Grab mit Lilien drin vorkommen.

Gisela: Engela, hast du die schöne Geschichte vergessen vom Aschenbrödel und dem Baum auf der Mutter Grab?

Bäumlein, schüttel dich,

Bäumlein, rüttel dich,

Wirf Gold und Silber über mich!

Lilien waren auch auf dem Grab.

Engela: Ach ja! Keine Prinzessin hat noch einen verbrannten Fuß gehabt, mit dem sie hat nicht gehen können — und hat müssen auf dem verbrannten Rücken liegen!

Gisela: Die werden ihre Leiden auch nicht erzählt haben! Sie haben goldene Schuhe über den Fuß gezogen und Niemand sehen lassen, daß er ein wenig kleiner ist wie der andere, und über den Rücken haben sie die goldenen Haare gehängt .... Aber schweigen haben ihre Mägdlein müssen, Nichts verraten, sonst weinen die Prinzessinnen. Gute Nacht, du!

Engela: Ich vergeß mein Gebetlein nie mehr! Seit ichs die eine Nacht vergessen habe mit dem Glas Wasser! — Gute Nacht —

(sie geht hinaus in den Vorraum, in dem eine brennende Laterne von dem Balkenwerk herunterhängt; über der Treppe ist ein Fenster mit einer tiefen Nische ... Der Junggraf Heinz von Brauneck fliegt die Treppen hinauf, die letzten vier Stufen nimmt er auf einmal).

Graf Heinz: Engela, wie ist es jetzt, der Förster sagte mir, man wisse immer noch nicht —

Engela: Wie die Geschichte weitergeht, Herr Graf ...

Graf Heinz: Weil ich nicht wußte, wie es stände, hab ich dies mitgebracht.

Engela: Rosen und Früchte, Äpfel und ein Pfirsich!

Graf Heinz: Für Leben und Sterben. Wenn es Sterben hieße, die Rosen da — ganz naß vom Regen sind sie ... und wenn es Leben wäre ..., die Früchte. Den Pfirsich, den muß sie essen, es ist eine Schande, daß es nur einer ist! — Du Engela hast so viel Kinderlehre jetzt versäumt, so will ich dir ein wenig nachhelfen.

Engela: O die Prinzessin Gisela sorgt ganz schön für meine Kinderlehre.

Graf Heinz: Meine Tochter, rede nicht in die Unterweisung hinein! Sondern erkenne, daß es Jungherren und Jungfräulein immer geziemt, die Wahrheit zu reden. Vernimm die Geschichte von dem Pfirsich. Das Kinderlehr halten muß schwerer sein, als ich mir gedacht habe. Muß doch nicht gut genug aufgepaßt haben. Hochwürden hat mich einmal aus der Kinderlehre gejagt wegen ungebührlicher Scherze. So etwas tust du nie!

Engela: O nein, nie.

Graf Heinz: Ich wollte Pfirsiche haben für deine Prinzessin, und ganz recht, daß du sie so nennst: denn es ist Wahres daran, und du kannst dir etwas darauf einbilden, daß du es zuerst herausgefunden hast.

Engela: Alle Andern haben Hexe gerufen, ich nie. Prinzessin habe ich gesagt, wie ich mich einmal getraut habe, mit ihr zu reden.

Graf Heinz: Ich vergeß dirs auch nicht, Engela, deshalb hole ich auch versäumte Kinderlehren mit dir nach! Also Pfirsiche wollte ich, und das Schönste wäre gewesen, so über die obere Mauer hängen, einen Korb mit einem Strick ans Geländer binden und hinein mit den Pfirsichen! Aber da fällt mir gerade noch ein, der Gärtner, der einen Mordsstolz auf die Pfirsiche hat und sie auf die Tafel bringen will, könnte meinen, ein Gärtnerbursche habs getan und haut dem den Buckel voll. Und jetzt kommt die Moral oder Nutzanwendung. Wozu ist es nützlich, wenn man die Wahrheit redet? Oft, wenn man ein Geheimnis braucht und sagt die Wahrheit, so glauben es einem die Leute nicht und man hat die Sache erst recht versteckt. Aber diesmal gehts anders herum. Ich steh an der heißen Mauer und seh dem Gärtner zu, wie er anfängt die Pfirsiche herunter zu tun. Immer mit einem Aug auf mich! Mich kennt er schon lang und weiß, daß ich für die leiblichen Güter des Lebens bin. Dann sag ich — und denk, er glaubt mirs doch nicht, er meint, sowie ich ums Eck bin, eß ich ihn doch selbst: „Gib mir doch einen Pfirsich, ich will ihn einem schönen Fräulein bringen.“ Und der sieht mich an, grinst und langt den schönsten herunter. Er muß es doch geglaubt haben, denn er hat von selbst mir den großen Rosenstrauß geschnitten. Mehr konnt ich auch nicht verlangen, denn seine Freud mit den Pfirsichen auf der Tafel wollte ihm deine Prinzessin gewiß nicht nehmen. Trags hinein, Engela, laß ein Ritzchen offen ...

(Engela trägt das Körbchen hinein.)

Gisela: Rosen und Früchte! Regennasse Rosen! Wie ist das schön! Ich liebe den Regen und kann nicht hinausgehen zu ihm! da kommt er zu mir. Auf Rosen kommt er. Gib sie mir in meinen Arm, die Rosen! Ich dank ihm, o ich dank ihm. Immer das, was ich am liebsten möchte, bringt er mir. Immer das!

Engela: Es sei für Leben und Sterben, hat er gesagt!

Gisela: Für Leben und Sterben! Immer das, was mich tröstet, weiß er. — Kein Mensch kann so trösten.

Engela: Trösten?

Gisela: Trösten. Sieh mich an! Bin ich nicht — glückselig?

Engela: Man hört es auch, daß Ihr das seid! an der Stimme.

Gisela: Glückselig, das ist ein schönes Wort. Glückselig! Ein Wort wie regennasse Rosen, wie Leben und Sterben ... Er hat mich getröstet, das heißt nun: Schönes Glück, seliges Sterben, das wünsch ich dir, das bring ich dir! Beides gleich schön. Du weißt nur nicht, was schöner ist: wart es ab, es wird kommen, wie es kommen muß, immer schön, immer gut! Sage ihm, daß ich ihm danke. Mach das Ritzchen zu, dort ist ein Ritzchen offen. Gut Nacht, Engela, du sollst nicht mehr herein kommen, auch nicht lang mehr bei dem Junggrafen stehen ...

(Engela geht hinaus.)

(Der Junggraf sitzt am Fenster, auf dessen Brüstung er sich hinaufgeschwungen hat, und schlingt seine Arme um das eiserne Fensterkreuz. — Draußen rauscht der Regen.)

Engela: Habt Ihr das gehört, das von Regen und Rosen ...

Graf Heinz: Nein, Regen auf Rosen.

Engela: Ich darf nicht mehr hereinkommen und soll nicht lang mit Euch reden.

Graf Heinz: Nicht lang mehr, aber kurz! Sind die Streifen an den Händen, die jetzt die Rosen halten, heil ...

Engela: Schon lange heil, aber man sieht sie noch, o sehr sieht man sie noch!

Graf Heinz: Sag ihr, daß es Perlenarmbänder gebe.

Engela: Ich glaube nicht, daß sie die will — sie sagt, deren schäme sie sich vor Gott und Menschen nicht.

Graf Heinz: War nicht eine Hand schlimmer wie die andere —

Engela: Die Rechte, wo der Knoten von den Stricken war. O ich fürchte mich, Eure Augen geben einen Schein im Dunkeln.

Graf Heinz: Ist nicht gut daran zu denken — an so feine vertrauende Hände und Stricke darum — Engela, geh zu Bett. Sei froh an den Geistern, die du hier hast, im Schloß Brauneck da gehen Geister! Das Blut in den Adern machen die erstarren. Ein Mägdlein soll man sehen, schöneres habe es nie gegeben, mit zusammengebundenen Händen, und einen Schrei soll man hören dort wie von der süßesten Stimme der Welt, die immer noch schön wäre und wenn es klänge wie zerrissene Saiten. Immer auch die Saiten noch von Gold. Immer auch der schrille Klang von goldenen Saiten, und dann klängen sie aus — in einen Hauch von Weh, als sängen alle Nachtigallen und Schwäne ihr Leid, ehe sie sterben ... Geh jetzt, Engela, ich muß auf den Regen horchen ... Also keine Perlen-Armbänder! Sie will keine, sie braucht keine, sie bekommt keine. Ich sterbe noch als reicher Mann —

Engela: Goldene Schuhe (sie geht).

Graf Heinz: Gute Nacht! Goldene Schuhe? Warum goldene Schuhe! Wenn sie keine Perlen-Armbänder will! Soll sie haben, die goldenen Schuhe! Wenn es die gibt; aber warum goldene Schuhe? Daß man leben muß in Geisterschlössern! Wer sagt müssen! Man könnte den alten Herrn bei seinen Geistern lassen! Die könnten ihm Geschichten erzählen von weißen Mägdlein mit so vertrauenden Händen, um die rote Streifen gehen, und von einem Narren von Sohn, den er einmal gehabt. Viel sei nicht an dem Narren gewesen, er hatt aber nur den einen, so wars eben besser wie gar keiner. Möchte wohl wissen, wie lang ers aushielte mit der Geister-Kumpanei. Ist ihm jetzt schon nimmer ganz wohl! Aber immer noch viel zu wohl als für seine alte Seel gut ist.

(Der Förster kommt die Treppe herauf.)

Förster: Ach junger Herr, so im Düstern sitzen, kommt doch herunter in die Erkerstube.

Graf Heinz: Ganz schön im Dunkeln da. Hör den Regen gerne rauschen, den Nachtwind um alte Türme schweifen. Man könnt eine Musik daraus machen, mit Allem, was es gibt, mit Violinen, mit Kontrabässen — und dazwischen ein Ton von goldenen Harfensaiten! Wie Nachtigallen, die sterben. Förster, sagt mir, warum goldene Schuhe?

Förster: Wer will goldene Schuhe? Die Junggräfin nicht, braucht noch lang keine Schuhe, keine goldenen und keine anderen.

Graf Heinz: O warum keine goldenen Schuhe und keine andern?

Förster: Ich habe gehört, wenn ein Fräulein den Wunsch hätte, daß nicht geredet würde, so solle man sie schweigen lassen.

Graf Heinz: Ein alter Kavalier muß immer einen jungen unterweisen.

Förster: Kavalier! Das Fräulein Gisela meint, ich solle Euch fragen, ob es das gäbe, das ewige Brot?

Graf Heinz: Das ewige Brot?

Förster: Man gibt einen Laib Brot her und hat doch immer wieder einen! Und Niemand brauchte dafür zu danken!

Graf Heinz: Das ewige Brot! Und Niemand soll danken? Soll sie haben, ihr ewiges Brot. Wird einen netten Tanz geben mit dem alten Herren, macht nichts, ich hab ja seine Schrift.

Förster: Schon seine Schrift. Und für das ewige Brot! Das geht aber schnell.

Graf Heinz: Seine Schrift. Und nicht mit geringem Papier und Tintenwerk. Nein fein, wie man so etwas haben muß. Mit roter Schrift auf blütenweißem Grund. Kein Lilienblatt ist so weiß, kein Mohnblatt ist so rot.

Förster: Ihr redet grauslich, so als sollt es eine Unterschrift geben wie mit Blut, wie sie der Teufel verlangt, wenns um Seelen geht.

Graf Heinz: Geht auch um Seelen. Kein Teufel hat dabei Etwas zu tun. Zwei Engel oder einer. Mit dem Laib Brot, das wird wohl der Engel Leiden sein, mit dem sie immer redet bei Nacht — der andere, das ist ein besonderer Engel, wie sie da droben gar keinen haben und wohl gern einen hätten, mit roten Streifen an den Händen, die so gerne geben möchten und keinen Dank dafür nehmen. Goldene Schuhe will er und bekommt keine, weil er sie nicht braucht .. denn es wachsen ihm ja Flügel. Schöne, herrliche, weiße Flügel wachsen ihm; ich will schnell die Schrift aufsetzen, ehe er die aufhebt und davonfliegt und wir ihm mit offenen Mäulern ins Blaue nachgucken. Ich geh mit Euch hinunter und schreib es, ich bin gleich fertig. Dann bringt Ihr die Schrift der Gräfin Gisela morgen früh hinauf, aber Ihr selbst und sagt ihr: Es schicke ihr der getreue Narr zur Morgengabe — das ewige Brot.

 

Am andern Morgen.

Förster: Guten Morgen, Gräfin Gisela. Ist eine rechte Sturmnacht gewesen. Soll Euch dieses bringen zur Morgengabe ... Die Unterschrift besorgt der Jung-Graf heute ... (Er geht wieder ab.)

Gisela (entfaltet ein Pergament): Ein Schriftstück ... was ist das? (Sie liest.) So stifte ich, Heinz von Brauneck, zum ewigen Angedenken an die Nacht vom 26. September 1672, in der mir am Kreuzweg zwischen Sommerberg und Schloß Schweigen ein Engel begegnet und mit mir aus ehernem Kelche vom Waldbrünnlein trank, 200 Golddublonen aus meiner Mutter Brautschatz. Das Geld soll auf Zinsen gelegt und aus dem Zins Korn gekauft und daraus jede Woche 30 Laibe Brot gebacken werden. Und soll diese Stiftung bleiben auf ewige Zeit. Und soll das Brot verteilt werden an arme gebrechliche und alte Weiblein und soll am Jahrestag gedacht werden des Engels, der mit dem Grafen Heinz von Brauneck aus ehernem Kelche vom Waldbrünnlein trank ...

Gisela: Das ewige Brot! (Sie erhebt sich ein wenig und schaut hinaus zum Fenster, von wo sie ein Stückchen Feld sehen kann, es geht der Sämann darüber, hell leuchtet sein Samensäcklein herauf vom Tal ... Dann flüstert sie:) Wirf aus dein Samenkorn, du Sämann! Wirf es aus über das heilige Land. Ihr Winde Gottes, weht mit sanftem Flügel über die dunkle Erde, die das Samenkorn verbirgt. Du weißer, feiner, weicher Schnee, bedecke die grünen Kindlein, daß sie nicht frieren. Du liebe Sonne, lüfte mit goldenen Händen die Decke, wenn die Kindlein ausgeschlafen haben. Ihr Lerchen, steigt auf aus dem Feld und lobet den Vater, der die Witwen und Waisen nicht vergißt und die kleinen Vöglein mit frohen Stimmen gesegnet. O komm linde herab vom silbernen Mond, du Nachttau, und tränke die durstigen Gräslein, daß sie schlank in die Höhe sprießen und stark werden und stolz ihr goldenes Krönlein tragen. Ihr Kornblumen, schmücket das Gottesfeld mit blauem Rande, und zeigt den gesenkten Aehren im Spiegel den blauen Himmel, daraus ihr erstes Körnlein fiel. Kleines Mäuslein, geh heraus aus dem Acker, und such dir deine Nahrung dort, wo nicht der Armen Brot wächst. Und wenn die bleigrauen Wolkenberge mit weißem Rande emporsteigen, so neigt euch hernieder, ihr Engel, und umstellt mit weißen Flügeln das Feld, daß kein Hagel es treffe. Ihr silbernen Tropfen im dichten Fall, o beugt mir die Halme nicht zum Grund, daß der goldene Segen nicht verderbe, und es werde das Brot der Armen. — Und wenn die Schnitter mit starken Armen die Sichel schwingen, so sende du, Vater, der du machest Winde zu Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern, ein kühles Lüftchen über die heißen Stirnen und behüte sie alle, daß kein Sonnenpfeil sie treffe. Und nun kommt und holt es euch, das Brot! Ihr Müden, ihr Alten, du Witwe mit dem Sorgengesicht, du armes Mägdelein, das Leiden gezeichnet, kommt durch Sommer, durch Winter hindurch, durch gute Jahre, durch böse Jahre. Ich sah euch kommen, ein langer Zug durch Jahrhunderte hindurch geht er schon .... Mein Leib ist dann lange in Staub zerfallen, Niemand weiß mehr etwas von der Hexe. Nehmt und holt es euch, das Brot, das die Liebe euch gab. Und du, Großmutter, schneid es an für das Enkelkind.

Inhalt

Was das Waldschloß erzählt Seite 1
Das himmlische Gloria 8
Die furchtbarste Geschichte der Welt 11
Wie Gisela mit Leiden stritt 16
Der Herrgottsnarr 26
Das ewige Brot 48

Druck von Heinrich Bauer in Marburg a. L.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde in einem anderen Schriftstil markiert.