WeRead Powered by ReaderPub
Von morgens bis mitternachts cover

Von morgens bis mitternachts

Chapter 2: PERSONEN
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A restless bank cashier, dissatisfied with his narrow life, becomes obsessed after a brief encounter with a wealthy woman and, driven by longing for passion and meaning, steals a large sum. He abandons his family and wanders through varied urban scenes—nightclubs, cinemas, and religious gatherings—searching for fulfillment. His escapades expose the hollowness of consumer society, the futility of escapist fantasies, and the destructive clash between personal desire and social order. Presented in expressionist, episodic scenes, the play traces his psychological unraveling from routine through temptation to a tragic conclusion, dramatizing modern alienation and the search for authentic experience.

The Project Gutenberg eBook of Von morgens bis mitternachts

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: Von morgens bis mitternachts

Author: Georg Kaiser

Release date: December 18, 2019 [eBook #60952]
Most recently updated: October 17, 2024

Language: German

Credits: Produced by Peter Becker and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was
produced from images generously made available by The
Internet Archive)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VON MORGENS BIS MITTERNACHTS ***

GEORG KAISER

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS

STÜCK IN ZWEI TEILEN

1930

GUSTAV KIEPENHEUER VERLAG
BERLIN

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. Den Bühnen und Vereinen gegenüber als Manuskript gedruckt. Verkauf und Verleihung dieses Exemplars, sowie das Ausschreiben der Rollen verboten. Das Aufführungsrecht für alle Länder ist ausschließlich vom Bühnenvertrieb Felix Bloch Erben, Berlin-Wilmersdorf, Nikolsburger Platz Nr. 3 zu erwerben. Copyright 1916 by S. Fischer Verlag, Berlin. Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig.

PERSONEN

Kassierer
Mutter
Frau
Erste, zweite Tochter
Direktor
Gehilfe
Portier
Erster, zweiter Herr
Laufjunge
Dienstmädchen
Dame
Sohn
Hotelkellner
Jüdische Herren als Kampfrichter
Erste, zweite, dritte, vierte weibliche Maske
Herren im Frack
Kellner
Mädchen der Heilsarmee
Offiziere und Soldaten der Heilsarmee
Publikum einer Versammlung der Heilsarmee: Kommis, Kokotte, Arbeiter usw.
Schutzmann
Die kleine Stadt W. und die große Stadt B.


ERSTER TEIL

Kleinbankkassenraum. Links Schalteranlage und Tür mit Aufschrift: Direktor. In der Mitte Tür mit Schild: Zur Stahlkammer. Ausgangstür rechts hinter Barriere. Daneben Rohrsofa und Tisch mit Wasserflasche und Glas.

Im Schalter Kassierer und am Pult Gehilfe, schreibend. Im Rohrsofa sitzt der fette Herr, prustet. Jemand geht rechts hinaus. Am Schalter Laufjunge sieht ihm nach.

KASSIERER

klopft auf die Schalterplatte.

LAUFJUNGE

legt rasch seinen Zettel auf die wartende Hand.

KASSIERER

schreibt, holt Geld unter dem Schalter hervor, zählt sich in die Hand — dann auf das Zahlbrett.

LAUFJUNGE

rückt mit dem Zahlbrett auf die Seite und schüttet das Geld in einen Leinenbeutel.

HERR

steht auf.

Dann sind wir Dicken an der Reihe.

Er holt einen prallen Lederbeutel aus dem Mantelinnern.

Dame kommt. Kostbarer Pelz, Geknister von Seide.

HERR

stutzt.

DAME

klinkt mit einigem Bemühen die Barriere auf, lächelt unwillkürlich den Herrn an.

Endlich.

HERR

verzieht den Mund.

KASSIERER

klopft ungeduldig.

DAME

fragende Geste gegen den Herrn.

HERR

zurückstehend.

Wir Dicken immer zuletzt.

DAME

verneigt sich leicht, tritt an den Schalter.

KASSIERER

klopft.

DAME

öffnet ihre Handtasche, entnimmt ein Kuvert und legt es auf die Hand des Kassierers.

Ich bitte dreitausend.

KASSIERER

dreht und wendet das Kuvert, schiebt es zurück.

DAME

begreift.

Pardon.

Sie zieht den Brief aus dem Umschlag und reicht ihn hin.

KASSIERER

wie vorher.

DAME

entfaltet noch das Papier.

Dreitausend bitte.

KASSIERER

überfliegt das Papier und legt es dem Gehilfen hin.

GEHILFE

steht auf und geht aus der Tür mit dem Schild: Direktor.

HERR

sich wieder im Rohrsofa niederlassend.

Bei mir dauert es länger. Bei uns Dicken dauert es immer etwas länger.

KASSIERER

beschäftigt sich mit Geldzählen.

DAME

Ich bitte: in Scheinen.

KASSIERER

verharrt gebückt.

DIREKTOR

jung, kugelrund — mit dem Papier links heraus.

Wer ist —

Er verstummt der Dame gegenüber.

GEHILFE

schreibt wieder an seinem Pult.

HERR

laut.

Morgen, Direktor.

DIREKTOR

flüchtig dahin.

Geht's gut?

HERR

sich auf den Bauch klopfend.

Es kugelt sich, Direktor.

DIREKTOR

lacht kurz. Zur Dame.

Sie wollen bei uns abheben?

DAME

Dreitausend.

DIREKTOR

Ja drei — dreitausend würde ich mit Vergnügen auszahlen —

DAME

Ist der Brief nicht in Ordnung?

DIREKTOR

süßlich, wichtig.

Der Brief geht in Ordnung. Über zwölftausend —

Buchstabierend.

Banko —

DAME

Meine Bank in Florenz versicherte mich —

DIREKTOR

Die Bank in Florenz hat Ihnen den Brief richtig ausgestellt.

DAME

Dann begreife ich nicht —

DIREKTOR

Sie haben in Florenz die Ausfertigung dieses Briefes beantragt —

DAME

Allerdings.

DIREKTOR

Zwölftausend — und zahlbar an den Plätzen —

DAME

Die ich auf der Reise berühre.

DIREKTOR

Der Bank in Florenz haben Sie mehrere Unterschriften geben müssen —

DAME

Die an die im Brief bezeichneten Banken geschickt sind, um mich auszuweisen.

DIREKTOR

Wir haben den Avis mit Ihrer Unterschrift nicht bekommen.

HERR

hustet; blinzelt den Direktor an.

DAME

Dann müßte ich mich gedulden, bis —

DIREKTOR

Irgendwas müssen wir doch in Händen haben!

EIN HERR

winterlich mit Fellmütze und Wollschal vermummt — kommt, stellt sich am Schalter auf. Er schießt wütende Blicke nach der Dame.

DAME

Darauf bin ich so wenig vorbereitet —

DIREKTOR

plump lachend.

Wir sind noch weniger vorbereitet, nämlich gar nicht!

DAME

Ich brauche so notwendig das Geld!

HERR

im Sofa lacht laut.

DIREKTOR

Ja, wer brauchte keins?

HERR

im Sofa wiehert.

DIREKTOR

sich ein Publikum machend.

Ich zum Beispiel —

zum Herrn am Schalter.

Sie haben wohl mehr Zeit als ich. Sie sehen doch, ich spreche mit der Dame noch. — Ja, gnädige Frau, wie haben Sie sich das gedacht? Soll ich Ihnen auszahlen — auf Ihre —

HERR

im Sofa kichert.

DAME

rasch.

Ich wohne im Elefant.

HERR

im Sofa prustet.

DIREKTOR

Ihre Adresse erfahre ich mit Vergnügen, gnädige Frau. Im Elefant verkehre ich am Stammtisch.

DAME

Kann der Besitzer mich nicht legitimieren?

DIREKTOR

Kennt Sie der Wirt schon näher?

HERR

im Sofa amüsiert sich köstlich.

DAME

Ich habe mein Gepäck im Hotel.

DIREKTOR

Soll ich Koffer und Köfferchen auf seinen Inhalt untersuchen?

DAME

Ich bin in der fatalsten Situation.

DIREKTOR

Dann reichen wir uns die Hände: Sie sind nicht in der Lage — ich bin nicht in der Lage. Das ist die Lage.

Er gibt ihr das Papier zurück.

DAME

Was raten Sie mir nun zu tun?

DIREKTOR

Unser Städtchen ist doch ein nettes Nest — der Elefant ein renommiertes Haus — die Gegend hat Umgegend — Sie machen diese oder jene angenehme Bekanntschaften — und die Zeit geht hin — mal Tag, mal Nacht — wie sich's macht.

DAME

Es kommt mir hier auf einige Tage nicht an.

DIREKTOR

Die Gesellschaft im Elefant wird sich freuen, etwas beizutragen.

DAME

Nur heute liegt es mir dringend an dreitausend!

DIREKTOR

zum Herrn im Sofa.

Bürgt jemand hier für eine Dame aus der Fremde auf dreitausend?

DAME

Das könnte ich wohl nicht annehmen. Darf ich bitten, mir sofort, wenn die Bestätigung von Florenz eintrifft, telephonisch Mitteilung zu machen. Ich bleibe im Elefant auf meinem Zimmer.

DIREKTOR

Persönlich — wie gnädige Frau es wünschen!

DAME

Wie ich am raschesten benachrichtigt werde.

Sie schiebt das Papier in das Kuvert und steckt es in die Tasche.

Ich spreche am Nachmittag noch selbst vor.

DIREKTOR

Ich stehe zur Verfügung.

DAME

grüßt kurz, ab.

HERR

am Schalter rückt vor und knallt in der Faust einen zerknüllten Zettel auf die Platte.

DIREKTOR

ohne davon Notiz zu nehmen, sieht belustigt nach dem Herrn im Sofa.

HERR

im Sofa zieht die Luft ein.

DIREKTOR

lacht.

Sämtliche Wohlgerüche Italiens — aus der Parfümflasche.

HERR

im Sofa fächelt sich mit der flachen Hand.

DIREKTOR

Das macht heiß, was?

HERR

im Sofa, gießt sich Wasser in ein Glas.

Dreitausend ist ein bißchen hastig.

Er trinkt.

Dreihundert klappern auch nicht schlecht.

DIREKTOR

Vielleicht machen Sie billigere Offerte — im Elefant, auf dem Zimmer?

HERR

im Sofa.

Für uns Dicke ist das nichts.

DIREKTOR

Wir sind mit unserm moralischen Bauch gesetzlich geschützt.

HERR

am Schalter knallt zum zweitenmal die Faust auf die Platte.

DIREKTOR

gleichmütig.

Was haben Sie denn?

Er glättet den Zettel und reicht ihn dem Kassierer hin.

LAUFJUNGE

hatte die Dame angegafft, dann die Sprechenden — verfehlt die Barriere und rennt gegen den Herrn im Sofa.

HERR

im Sofa nimmt ihm den Beutel weg.

Ja, mein Junge, das kostet was — schöne Mädchen angaffen. Jetzt bist du deinen Beutel los.

LAUFJUNGE

lacht ihn verlegen an.

HERR

Was machst du denn nun, wenn du nach Hause kommst?

LAUFJUNGE

lacht.

HERR

gibt ihm den Beutel wieder.

Merk' dir das für dein Leben. Du bist der erste nicht, dem die Augen durchgehen — und der ganze Mensch rollt nach.

LAUFJUNGE

ab.

KASSIERER

hat einige Münzen aufgezählt.

DIREKTOR

Solch einem Schlingel vertraut man nun Geld an.

HERR

im Sofa.

Dummheit straft sich selbst.

DIREKTOR

Daß ein Chef nicht den Blick dafür hat. So was brennt doch bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet, aus. Der geborene Defraudant.

Zum Herrn am Schalter.

Stimmt es nicht?

HERR

prüft jedes Geldstück.

DIREKTOR

Das ist ein Fünfundzwanzigpfennigstück. Das sind zusammen fünfundvierzig Pfennig, mehr hatten Sie doch nicht zu verlangen?

HERR

steckt umständlich ein.

HERR

im Sofa.

Deponieren Sie doch Ihr Kapital in der Stahlkammer! — Nun wollen wir Dicken mal abladen.

HERR

am Schalter rechts ab.

DIREKTOR

Was bringen Sie uns denn?

HERR

legt den Lederbeutel auf die Platte und holt eine Brieftasche heraus.

Soll man kein Vertrauen zu Ihnen kriegen mit Ihrer feinen Kundschaft?

Er reicht ihm die Hand.

DIREKTOR

Jedenfalls sind wir für schöne Augen in Geschäftssachen unempfänglich.

HERR

sein Geld aufzählend.

Wie alt war sie? Taxe.

DIREKTOR

Ohne Schminke habe ich sie noch nicht gesehen.

HERR

Was will die denn hier?

DIREKTOR

Das werden wir ja heute abend im Elefant hören.

HERR

Wer käme denn da in Betracht?

DIREKTOR

In Betracht könnten wir schließlich alle noch kommen!

HERR

Wozu braucht sie denn hier dreitausend Mark?

DIREKTOR

Sie muß sie wohl brauchen.

HERR

Ich wünsche ihr den besten Erfolg.

DIREKTOR

Womit?

HERR

Daß sie ihre Dreitausend kapert.

DIREKTOR

Von mir?

HERR

Von wem ist ja nebensächlich.

DIREKTOR

Ich bin neugierig, wann die Nachricht von der Bank in Florenz kommt.

HERR

Ob sie kommt!

DIREKTOR

Ob sie kommt — darauf bin ich allerdings noch gespannter!

HERR

Wir können ja sammeln und ihr aus der Verlegenheit helfen.

DIREKTOR

Auf Ähnliches wird es wohl abgesehen sein.

HERR

Wem erzählen Sie das?

DIREKTOR

lacht.

Haben Sie in der Lotterie gewonnen?

HERR

zum Kassierer.

Nehmen Sie mir mal ab.

zum Direktor.

Ob wir draußen unser Geld haben oder bei Ihnen verzinsen — richten Sie mal ein Konto für den Bauverein ein.

DIREKTOR

scharf zum Gehilfen.

Konto für Bauverein.

HERR

Es kommt noch mehr.

DIREKTOR

Immer herein, meine Herrschaften. Wir können gerade gebrauchen.

HERR

Also: sechzigtausend — fünfzig Mille Papier — zehn Mille Gold.

KASSIERER

zählt.

DIREKTOR

nach einer Pause.

Sonst geht's noch gut?

HERR

zum Kassierer.

Jawohl, der Schein ist geflickt.

DIREKTOR

Wir nehmen ihn selbstverständlich. Wir werden ihn wieder los. Ich reserviere ihn für unsere Kundin aus Florenz. Sie trug ja auch Schönheitspflästerchen.

HERR

Es stecken aber tausend Mark dahinter.

DIREKTOR

Liebhaberwert.

HERR

unbändig lachend.

Liebhaberwert — das ist kolossal.

DIREKTOR

unter Tränen.

Liebhaberwert —

Er gibt ihm die Quittung des Kassierers.

Ihre Quittung.

Erstickend.

Sechzig — tau — —

HERR

nimmt, liest sie, ebenso.

Sechzig — tau — —

DIREKTOR

Liebhaber —

HERR

Lieb — —

Sie reichen sich die Hände.

DIREKTOR

Wir sehen uns heute abend.

HERR

nickend.

Liebhaber —

Er knöpft seinen Mantel, kopfschüttelnd ab.

DIREKTOR

steht noch, wischt sich die Tränen hinter dem Kneifer. Dann links hinein.

KASSIERER

bündelt die zuletzt erhaltenen Scheine und rollt die Münzen.

DIREKTOR

kommt zurück.

Diese Dame aus Florenz — die aus Florenz kommen will — ist Ihnen schon einmal eine Erscheinung wie diese vorm Schalter aufgetaucht? Pelz — parfümiert. Das riecht nachträglich, man zieht mit der Luft Abenteuer ein! — — Das ist die große Aufmachung. Italien, das wirkt verblüffend — märchenhaft. Riviera — Mentone — Bordighera — Nizza — Monte Carlo! Ja, wo Orangen blühen, da blüht auch der Schwindel. Von Schwindel ist da unten kein Quadratmeter Erdboden frei. Dort wird der Raubzug arrangiert. Die Gesellschaft verstreut sich in alle Winde. Nach den kleineren Plätzen — abseits der großen Heerstraße — schlägt man sich am liebsten. Dann schäumend in Pelz und Seide. Weiber! Das sind die modernen Sirenen. Singsang vom blauen Süden — o bella Napoli. Verfänglicher Augenaufschlag — und man ist geplündert bis auf das Netzhemd. Bis auf die nackte Haut — die nackte, nackte Haut!

Er trommelt mit seinem Bleistift dem Kassierer den Rücken.

Ich zweifle keinen Augenblick, daß die Bank in Florenz, die den Brief ausgestellt hat, so wenig von dem Brief etwas weiß — wie der Papst den Mond bewohnt. Das Ganze ist Schwindel, von langer Hand vorbereitet. Und seine Urheber sitzen nicht in Florenz, sondern Monte Carlo! Das kommt zuerst in Frage. Verlassen Sie sich drauf. Wir haben hier eine jener Existenzen gesehen, die im Sumpf des Spielpalastes gedeihen. Und ich gebe mein zweites Wort darauf, daß wir sie nicht wiedersehen. Der erste Versuch ist mißglückt, die Person wird sich vor dem zweiten hüten! — Wenn ich auch meine Späße mache — dabei bin ich scharfäugig. Wir vom Bankgeschäft! — Ich hätte eigentlich unserm Polizeileutnant Werde einen Wink geben sollen! — Es geht mich ja weiter nichts an. Schließlich ist die Bank zu Stillschweigen verpflichtet.

An der Tür.

Verfolgen Sie mal in den auswärtigen Zeitungen: wenn Sie von einer Hochstaplerin lesen, die hinter Schloß und Riegel sichergesetzt ist, dann wollen wir uns wieder sprechen. Dann werden Sie mir recht geben. Dann werden wir von unserer Freundin aus Florenz mehr hören — als wir heute oder morgen hier wieder von ihrem Pelz zu sehen bekommen!

Ab.

KASSIERER

siegelt Rollen.

PORTIER

mit Briefen von rechts, sie dem Gehilfen reichend.

Eine Quittung für eine Einschreibesendung bekomme ich wieder.

GEHILFE

stempelt den Zettel, gibt ihn an den Portier.

PORTIER

stellt noch Glas und Wasserflasche auf dem Tisch zurecht. Ab.

GEHILFE

trägt die Briefe in das Direktorzimmer — kommt wieder.

DAME

kehrt zurück; rasch an den Schalter.

Ach Pardon.

KASSIERER

streckt die flache Hand hin.

DAME

stärker.

Pardon.

KASSIERER

klopft.

DAME

Ich möchte den Herrn Direktor nicht nochmal stören.

KASSIERER

klopft.

DAME

in Verzweiflung lächelnd.

Hören Sie bitte, ist das nicht möglich: ich hinterlasse der Bank den Brief über den ganzen Betrag und empfange einen Vorschuß von dreitausend?

KASSIERER

klopft ungeduldig.

DAME

Ich bin eventuell bereit, meine Brillanten als Unterpfand auszuhändigen. Die Steine wird Ihnen jeder Juwelier in der Stadt abschätzen.

Sie streift einen Handschuh ab und nestelt am Armband.

DIENSTMÄDCHEN

rasch von rechts, setzt sich ins Rohrsofa und sucht, alles auswühlend, im Marktkorb.

DAME

hat sich schwach erschreckend umgedreht: sich aufstützend sinkt ihre Hand auf die Hand des Kassierers.

KASSIERER

dreht sich über die Hand in seiner Hand. Jetzt ranken seine Brillenscheiben am Handgelenk aufwärts.

DIENSTMÄDCHEN

findet aufatmend den Schein.

DAME

nickt hin.

DIENSTMÄDCHEN

ordnet im Korb.

DAME

sich dem Kassierer zuwendend — trifft in sein Gesicht.

KASSIERER

lächelt.

DAME

zieht ihre Hand zurück.

Ich will die Bank nicht zu Leistungen veranlassen, die sie nicht verantworten kann.

Sie legt das Armband an, müht sich an der Schließe. Dem Kassierer den Arm hinstreckend.

Würden Sie die Freundlichkeit haben — ich bin nicht geschickt genug mit einer Hand nur.

KASSIERER

Büsche des Bartes wogen — Brille sinkt in blühende Höhlen eröffneter Augen.

DAME

zum Dienstmädchen.

Sie helfen mir, Fräulein.

DIENSTMÄDCHEN

tut es.

DAME

Noch die Sicherheitskette.

Mit einem kleinen Schrei.

Sie stechen ja in mein offenes Fleisch. So hält es. Vielen Dank, Fräulein.

Sie grüßt noch den Kassierer. Ab.

DIENSTMÄDCHEN

am Schalter, legt ihren Schein hin.

KASSIERER

greift ihn in wehenden Händen. Lange sucht er unter der Platte. Dann zahlt er aus.

DIENSTMÄDCHEN

sieht das aufgezählte Geld an; dann zum Kassierer.

Das bekomme ich doch nicht?

KASSIERER

schreibt.

GEHILFE

wird aufmerksam.

DIENSTMÄDCHEN

zum Gehilfen.

Es ist doch mehr.

GEHILFE

sieht zum Kassierer.

KASSIERER

streicht einen Teil wieder ein.

DIENSTMÄDCHEN

Immer noch zuviel!

KASSIERER

schreibt.

DIENSTMÄDCHEN

steckt kopfschüttelnd das Geld in den Korb. Ab.

KASSIERER

durch Heiserkeit sträubt sich der Laut herauf.

Holen Sie — Glas Wasser!

GEHILFE

geht aus dem Schalter zum Tisch.

KASSIERER

Das ist abgestanden. Frisches — von der Leitung.

GEHILFE

geht mit dem Glas in die Stahlkammer.

KASSIERER

behende nach einem Klingelknopf — drückt.

PORTIER

kommt.

KASSIERER

Holen Sie frisches Wasser.

PORTIER

Ich darf nicht von der Tür draußen weg.

KASSIERER

Für mich. Das ist Jauche. Ich will Wasser von der Leitung.

PORTIER

mit der Wasserflasche in die Stahlkammer.

KASSIERER

stopft mit schnellen Griffen die zuletzt gehäuften Scheine und Geldrollen in seine Taschen. Dann nimmt er den Mantel vom Haken, wirft ihn über den Arm. Noch den Hut. Er verläßt den Schalter — und geht rechts ab.

DIREKTOR

in einen Brief vertieft links herein.

Da ist ja die Bestätigung von Florenz eingetroffen!

GEHILFE

mit dem Glas Wasser aus der Stahlkammer.

PORTIER

mit der Wasserflasche aus der Stahlkammer.

DIREKTOR

bei ihrem Anblick.

Zum Donnerwetter, was heißt denn das?

Hotelschreibzimmer. Hinten Glastür. Links Schreibtisch mit Telefonapparat. Rechts Sofa, Sessel mit Tisch mit Zeitschriften usw.

DAME

schreibt.

SOHN

in Hut und Mantel kommt — im Arm großen flachen Gegenstand in ein Tuch gehüllt.

DAME

überrascht.

Du hast es?

SOHN

Unten sitzt der Weinhändler. Der schnurrige Kopf beargwöhnt mich, ich brenne ihm aus.

DAME

Am Morgen war er doch froh, es loszuwerden.

SOHN

Jetzt wittert er wohl allerhand.

DAME

Du wirst ihn aufmerksam gemacht haben.

SOHN

Ich habe mich ein bißchen gefreut.

DAME

Das muß Blinde sehend machen!

SOHN

Sie sollen auch die Augen aufreißen. Aber beruhige Dich, Mama, der Preis ist derselbe wie am Morgen.

DAME

Wartet der Weinhändler?

SOHN

Den lassen wir warten.

DAME

Ich muß dir leider mitteilen —

SOHN

küßt sie.

Also Stille. Feierliche Stille. Du blickst erst hin, wenn ich dich dazu auffordere.

Er wirft Hut und Mantel ab, stellt das Bild auf einen Sessel und lüftet das Tuch.

DAME

Noch nicht?

SOHN

sehr leise.

Mama.

DAME

dreht sich im Stuhl um.

SOHN

kommt zu ihr, legt seinen Arm um ihre Schultern.

Nun?

DAME

Das ist allerdings nicht für eine Weinstube!

SOHN

Es hing auch gegen die Wand gedreht. Auf die Rückseite hatte der Mann seine Photographie gepappt.

DAME

Hast du die mitgekauft?

SOHN

lacht.

Wie findest du es?

DAME

Ich finde es — sehr naiv.

SOHN

Köstlich — nicht wahr? Für einen Cranach fabelhaft.

DAME

Willst du es als Bild so hochschätzen?

SOHN

Als Bild selbstverständlich! Aber daneben das Merkwürdige der Darstellung. Für Cranach — und für die Behandlung des Gegenstandes in der gesamten Kunst überhaupt. Wo findest du das? Pitti — Uffizien — die Vatikanischen? Der Louvre ist ja ganz schwach darin. Wir haben hier zweifellos die erste und einzige erotische Figuration des ersten Menschenpaares. Hier liegt noch der Apfel im Gras — aus dem unsäglichen Laubgrün lugt die Schlange — der Vorgang spielt sich also im Paradies selbst ab und nicht nach der Verstoßung. Das ist der wirkliche Sündenfall! — Ein Unikum. Cranach hat ja Dutzend Adam und Eva gemalt — steif — mit dem Zweige in der Mitte — und vor allem die zwei getrennt. Es heißt da: sie erkannten sich. Hier jubelt zum erstenmal die selige Menschheitsverkündung auf: sie liebten sich! Hier zeigt sich ein deutscher Meister als Erotiker von südlichster, allersüdlichster Emphatik!

Vor dem Bild.

Dabei diese Beherrschtheit noch in der Ekstase. Diese Linie des männlichen Armes, die die weibliche Hüfte überschneidet. Die Horizontale der unten gelagerten Schenkel und die Schräge des andern Schenkelpaares. Das ermüdet das Auge keinen Moment. Das erzeugt Liebe im Hinsehen — der Fleischton leistet natürlich die wertvollste Hilfe. Geht es dir nicht ebenso?

DAME

Du bist wie dein Bild naiv.

SOHN

Was meinst du damit?

DAME

Ich bitte dich, das Bild im Hotel in deinem Zimmer zu verbergen.

SOHN

Zu Hause wird es ja erst mächtig auf mich wirken. Florenz und dieser Cranach. Der Abschluß meines Buches wird natürlich weit hinausgeschoben. Das muß verarbeitet sein. Das muß aus eigenem Fleisch und Blut zurückströmen, sonst versündigt sich der Kunsthistoriker. Augenblicklich fühle ich mich ziemlich erschlagen. — Auf der ersten Station dieser Reise das Bild zu finden!

DAME

Du vermutetest es doch mit Sicherheit.

SOHN

Aber vor dem Ereignis steht man doch geblendet. Ist es nicht zum Verrücktwerden? Mama, ich bin ein Glücksmensch!

DAME

Du ziehst die Resultate aus deinen eingehenden Studien.

SOHN

Und ohne deine Hilfe? Ohne deine Güte?

DAME

Ich finde mein Glück mit dir darin.

SOHN

Du übst endlose Nachsicht mit mir. Ich reiße dich aus deinem schönen, ruhigen Leben in Fiesole. Du bist Italienerin, ich hetze dich durch Deutschland mitten im Winter. Du übernachtest im Schlafwagen — Hotels zweiter, dritter Güte — schlägst dich mit allerhand Leuten herum —

DAME

Das habe ich allerdings reichlich gekostet!

SOHN

Ich verspreche dir, mich zu beeilen. Ich bin ja selbst ungeduldig, den Schatz in Sicherheit zu bringen. Um drei reisen wir. Willst du mir die Dreitausend geben?

DAME

Ich habe sie nicht.

SOHN

Der Besitzer des Bildes ist im Hotel.

DAME

Die Bank konnte sie mir nicht auszahlen. Von Florenz muß sich die Benachrichtigung verzögert haben.

SOHN

Ich habe die Bezahlung zugesagt.

DAME

Dann mußt du ihm das Bild wieder ausliefern, bis die Bank Auftrag erhält.

SOHN

Läßt sich das nicht beschleunigen?

DAME

Ich habe hier ein Telegramm aufgesetzt, daß ich jetzt besorgen lasse. Wir sind ja schnell gereist —

KELLNER

klopft an.

DAME

Bitte.

KELLNER

Ein Herr von der Bank wünscht gnädige Frau zu sprechen.

DAME

zum Sohn.

Da wird mir das Geld schon ins Hotel geschickt.

Zum Kellner.

Ich bitte.

KELLNER

ab.

SOHN

Du rufst mich, wenn du mir das Geld geben kannst. Ich lasse den Mann nicht gern wieder aus dem Hotel gehen.

DAME

Ich telephoniere dir.

SOHN

Ich sitze unten.

Ab.

DAME

schließt die Schreibmappe.

Kellner und Kassierer erscheinen hinter der Glastür. Kassierer überholt den Kellner, öffnet; Kellner kehrt um, ab.

KASSIERER

noch Mantel überm Arm — tritt ein.

DAME

zeigt nach einem Sessel und setzt sich ins Sofa.

KASSIERER

den Mantel bei sich, auf dem Sessel.

DAME

Bei der Bank ist —

KASSIERER

sieht das Bild.

DAME

Dies Bild steht in enger Beziehung zu meinem Besuch auf der Bank.

KASSIERER

Sie?

DAME

Entdecken Sie Ähnlichkeiten?

KASSIERER

lächelnd.

Am Handgelenk!

DAME

Sind Sie Kenner?

KASSIERER

Ich wünsche — mehr kennenzulernen!

DAME

Interessieren Sie diese Bilder?

KASSIERER

Ich bin im Bilde!

DAME

Finden sich noch Stücke bei Besitzern in der Stadt? Sie würden mir einen Dienst erweisen. Das ist mir ja wichtiger — so wichtig wie das Geld!

KASSIERER

Geld habe ich.

DAME

Am Ende wird die Summe nicht genügen, über die ich meinen Brief ausstellen ließ.

KASSIERER

packt die Scheine und Rollen aus.

Das ist genug!

DAME

Ich kann nur zwölftausend erheben.

KASSIERER

Sechzigtausend!

DAME

Auf welche Weise?

KASSIERER

Meine Angelegenheit.

DAME

Wie soll ich —?

KASSIERER

Wir reisen.

DAME

Wohin?

KASSIERER

Über die Grenze. Packen Sie Ihren Koffer — wenn Sie einen haben. Sie reisen vom Bahnhof ab — ich laufe bis zur nächsten Station zu Fuß und steige zu. Wir logieren zum ersten Male — — Kursbuch?

Er findet es auf dem Tische.

DAME

Bringen Sie mir denn von der Bank über dreitausend?

KASSIERER

beschäftigt.

Ich habe sechzigtausend eingesteckt. Fünfzigtausend in Scheinen — zehntausend in Gold.

DAME

Davon gehören mir —?

KASSIERER

bricht eine Rolle auf und zählt fachmännisch die Stücke in eine Hand vor, dann auf den Tisch hin.

Nehmen Sie. Stecken Sie fort. Wir könnten belauscht sein. Die Tür hat Glasscheiben. Fünfhundert in Gold.

DAME

Fünfhundert?

KASSIERER

Später mehr. Wenn wir in Sicherheit sind. Hier dürfen wir nichts sehen lassen. Vorwärts. Einkassiert. Für Zärtlichkeiten ist diese Stunde nicht geeignet, sie dreht rasend ihre Speichen, in denen jeder Arm zermalmt wird, der eingreift!

Er springt auf.

DAME

Ich brauche dreitausend.

KASSIERER

Wenn sie die Polizei in Ihrer Tasche findet, sind Sie hinter Schloß und Riegel gesetzt!

DAME

Was geht es die Polizei an?

KASSIERER

Sie erfüllten den Kassenraum. An Sie hakt sich der Verdacht, und unsere Verkettung liegt zutage.

DAME

Ich betrat den Kassenraum —

KASSIERER

Unverfroren.

DAME

Ich forderte —

KASSIERER

Sie versuchten.

DAME

Ich suchte —

KASSIERER

— die Bank zu prellen, als Sie Ihren gefälschten Brief präsentierten.

DAME

aus ihrer Handtasche den Brief nehmend.

Dieser Brief ist nicht echt?

KASSIERER

So unecht wie Ihre Brillanten.

DAME

Ich bot meine Wertsachen als Pfand an. Warum sind meine Pretiosen Imitationen?

KASSIERER

Damen Ihres Schlages blenden nur.

DAME

Von welchem Schlage bin ich denn? Schwarzhaarig — mein Teint ist dunkel. Ich bin südlicher Schlag. Toskana.

KASSIERER

Monte Carlo!

DAME

lächelt.

Nein, Florenz!

KASSIERER

sein Blick stürzt auf Hut und Mantel des Sohnes.

Komme ich zu spät?

DAME

Zu spät?

KASSIERER

Wo ist er? Ich werde mit ihm verhandeln. Er wird mit sich handeln lassen. Ich habe Mittel. Wieviel soll ich ihm bieten? Wie hoch veranschlagen Sie die Entschädigung? Wieviel stopfe ich ihm in die Tasche? Ich steigere bis zu fünfzehntausend! — Schläft er? Rekelt er sich im Bett? Wo ist Euer Zimmer? Zwanzigtausend — fünftausend mehr für unverzögerten Abstand!

Er rafft Hut und Mantel vom Sessel.

Ich bringe ihm seine Sachen.

DAME

verwundert.

Der Herr sitzt im Vestibül.

KASSIERER

Das ist zu gefährlich. Es ist belebt unten. Rufen Sie ihn herauf. Ich setze ihn hier matt. Klingeln Sie. Der Kellner soll fliegen. Zwanzigtausend — in Scheinen!

Er zählt auf.

DAME

Kann mein Sohn mich legitimieren?

KASSIERER

prallt zurück.

Ihr — — Sohn?!

DAME

Ich reise mit ihm. Ich begleite ihn auf einer Studienreise, die uns von Florenz nach Deutschland führt. Mein Sohn sucht Material für sein kunsthistorisches Werk.

KASSIERER

starrt sie an.

— — Sohn?!

DAME

Ist das so ungeheuerlich?

KASSIERER

wirr.

Dies — — Bild?!

DAME

Ist sein glücklicher Fund. Mit dreitausend bezahlt es mein Sohn. Das sind die von mir sehnlich gewünschten Dreitausend. Ein Weingroßhändler — den Sie ja kennen werden, wenn Sie seinen Namen hören — überläßt es ihm zu diesem Preis.

KASSIERER

— — Pelz — — Seide — — es schillerte und knisterte — — die Luft wogte von allen Parfümen!

DAME

Es ist Winter. Ich trage nach meinen Begriffen keine besondere Kleidung.

KASSIERER

Der falsche Brief?!

DAME

Ich bin im Begriff, an meine Bank zu depeschieren!

KASSIERER

Ihr Handgelenk nackt — — um das ich die Kette ranken sollte?!

DAME

Die linke Hand allein ist ungeschickt.

KASSIERER

dumpf.

Ich habe — — das Geld eingesteckt — — — —

DAME

belustigt.

Sind Sie und die Polizei nun zufrieden? Mein Sohn ist wissenschaftlich nicht unbekannt.

KASSIERER

Jetzt — — in diesem Moment werde ich vermißt. Ich hatte Wasser für mich bestellt, um den Gehilfen zu entfernen — zweimal Wasser, um die Tür vom Portier zu entblößen. Die Noten und Rollen sind verschwunden. Ich habe defraudiert! — — Ich darf mich nicht in den Straßen — auf dem Markt sehen lassen. Ich darf den Bahnhof nicht betreten. Die Polizei ist auf den Beinen. Sechzigtausend! — — Ich muß übers Feld — quer durch den Schnee, bevor die Gendarmen alarmiert sind!

DAME

entsetzt.

Schweigen Sie doch!

KASSIERER

Ich habe alles Geld eingesteckt — — Sie erfüllten den Kassenraum — — Sie schillerten und knisterten — — Sie senkten Ihre nackte Hand in meine — — Sie rochen heiß — — Ihr Mund roch — —

DAME

Ich bin eine Dame!

KASSIERER

stier.

Jetzt müssen Sie doch — —!!

DAME

sich bezwingend.

Sind Sie verheiratet?

Auf seine schwingende Geste.

Ich meine, das gilt sehr viel. Wenn ich es nicht überhaupt als einen Scherz auffassen soll. Sie haben sich zu einer unüberlegten Handlung hinreißen lassen. Sie reparieren den Schaden. Sie kehren in Ihren Schalter zurück und schützen ein momentanes Unwohlsein vor. Sie haben den vollen Betrag noch bei sich?

KASSIERER

Ich habe mich an der Kasse vergriffen —

DAME

schroff.

Das interessiert mich dann nicht weiter.

KASSIERER

Ich habe die Bank geplündert —

DAME

Sie belästigen mich, mein Herr.

KASSIERER

Jetzt müssen Sie — —

DAME

Was ich müßte —

KASSIERER

Jetzt müssen Sie doch!!

DAME

Lächerlich.

KASSIERER

Ich habe geraubt, gestohlen. Ich habe mich ausgeliefert — ich habe meine Existenz vernichtet — alle Brücken sind gesprengt — ich bin ein Dieb — Räuber — —

Über den Tisch geworfen.

Jetzt müssen Sie doch — — jetzt müssen Sie doch!!!

DAME

Ich werde Ihnen meinen Sohn rufen, vielleicht — —

KASSIERER

verändert, agil.

Jemanden rufen? Allerweltsleute rufen? Alarm schlagen? Großartig! — Dumm. Plump. Mich fangen sie nicht ein. In die Falle trete ich nicht. Ich habe meinen Witz, meine Herrschaften. Euer Witz tappt hinterher — ich immer zehn Kilometer voraus. Rühren Sie sich nicht. Stillgesessen, bis ich —

Er steckt das Geld ein, drückt den Hut ins Gesicht, preßt den Mantel auf die Brust.

Bis ich —

Behende geräuschlos durch die Glastür ab.