Kahl tritt ein, ohne vorher angeklopft zu haben. Er ist ein vierundzwanzigjähriger, plumper Bauernbursch, dem man es ansieht, daß er, so weit möglich, gern den feinen, noch mehr aber den reichen Mann herausstecken möchte. Seine Gesichtszüge sind grob, der Gesichtsausdruck vorwiegend dumm-pfiffig. Er ist bekleidet mit einem grünen Jaquet, bunter Sammtweste, dunklen Beinkleidern und Glanzlack-Schaftstiefeln. Als Kopfbedeckung dient ihm ein grüner Jägerhut mit Spielhahnfeder. Das Jaquet hat Hirschhornknöpfe, an der Uhrkette Hirschzähne etc. Stottert.
Kahl. Gun’n Abend mi’nander! Er erblickt Loth, wird sehr verlegen und macht stillstehend eine ziemlich klägliche Figur.
Hoffmann tritt zu ihm und reicht ihm die Hand aufmunternd. Guten Abend, Herr Kahl!
Helene unfreundlich. Guten Abend.
Kahl geht mit schweren Schritten quer durch das ganze Zimmer auf Helene zu und giebt ihr die Hand. ’n Abend och, Lene.
Hoffmann zu Loth. Ich stelle Dir hiermit Herrn Kahl vor, unseren Nachbarssohn.
Kahl grinst und dreht den Hut. Verlegenheitsstille.
Hoffmann. Zu Tisch Kinder! Fehlt noch Jemand? Ach, die Schwiegermama. Miele! bitten Sie Frau Krause zu Tische.
Miele ab durch die Mittelthür.
Miele draußen im Hausflur schreiend: Frau!! — Frau!! Assa kumma! Sie sill’n assa kumma!
Helene und Hoffmann blicken einander an und lachen verständnißinnig, dann blicken sie vereint auf Loth.
Hoffmann zu Loth. Ländlich, sittlich!
Frau Krause erscheint, furchtbar aufgedonnert. Seide und kostbarer Schmuck. Haltung und Kleidung verrathen Hoffahrt, Dummstolz, unsinnige Eitelkeit.
Hoffmann. Ah! da ist Mama! — Du gestattest, daß ich Dir meinen Freund Dr. Loth vorstelle.
Frau Krause macht einen undefinirbaren Knix. Ich bin so frei! Nach einer kleinen Pause. Nein, aber auch, Herr Doktor, nahmen Sie mir’s ock bei Leibe nicht ibel! Ich muß mich zuerscht muß ich mich vor Ihn’n vertefentiren, — sie spricht je länger, um so schneller — vertefentiren wegen meiner vorhinigten Benehmigung. Wissen Se, verstihn Se, es komm’ ein der Drehe bei uns eine so ane grußmächtige Menge Stremer .... Se kinn’s ni gleba, ma hoot mit dan Battelvulke seine liebe Noth. A su enner, dar maust akrat wie a Ilster. Uf da Pfennig kimmt’s ins ne ernt oa, ne ock ne, ma braucht a ni dreimol rimzudrehn, an ken’n Thoaler nich, ebb ma’n ausgibbt. De Krausa-Ludwig’n, die iis geizig, schlimmer wie a Homster egelganz, di ginnt ke’m Luder nischt. Ihrer is gesturba aus Arjer, weil a lumpigte zwetausend ei Brassel verloern hoot. Ne, ne! a su sein mir dorchaus nicht. Sahn Se, doas Buffett kust’t mich zwehundert Thoaler, a Transpurt ni gerechnet; na, d’r Beron Klinkow keans au ne andersch honn.
Frau Spiller ist kurz nach Frau Krause ebenfalls eingetreten. Sie ist klein, schief und mit den zurückgelegten Sachen der Frau Krause herausgestutzt. Während Frau Krause spricht, hält sie mit einer gewissen Andacht die Augen zu ihr aufgeschlagen. Sie ist etwa fünfundfünfzig Jahre alt; ihr Ausathmen geschieht jedesmal mit einem leisen Stöhnen, welches auch, wenn sie redet, regelmäßig wie—m—hörbar wird.
Frau Spiller mit unterwürfigem, wehmüthig geziertem moll-Ton, sehr leise. Der Baron Klinkow haben genau dasselbe Buffet—m—.
Helene zu Frau Krause. Mama! wollen wir uns nicht erst setzen, dann .....
Frau Krause wendet sich blitzschnell und trifft Helene mit einem vernichtenden Blick; kurz und herrisch. Schickt sich doas? Frau Krause, im Begriff sich zu setzen, erinnert sich, daß das Tischgebet noch nicht gesprochen ist und faltet mechanisch, doch ohne ihrer Bosheit im Uebrigen Herr zu sein, die Hände.
Frau Spiller spricht das Tischgebet.
Komm, Herr Jesu, sei unser Gast.
Segne, was du uns bescheeret hast.
Amen.
Alle setzen sich mit Geräusch. Mit dem Zulangen und Zureichen, welches einige Zeit in Anspruch nimmt, kommt man über die peinliche Situation hinweg.
Hoffmann zu Loth. Lieber Freund, Du bedienst Dich wohl?! Austern?
Loth. Nun, will probiren. Es sind die ersten Austern, die ich esse.
Frau Krause hat soeben eine Auster geschlürft. Mit vollem Mund. In dar Seisong, mein’n Se woll?
Frau Krause und Frau Spiller wechseln Blicke.
Hoffmann zu Kahl, der eine Citrone mit den Zähnen auspreßt. Zwei Tage nicht gesehen, Herr Kahl! Tüchtig Mäuse gejagt in der Zeit?
Kahl. N... n.. ne!
Hoffmann zu Loth. Herr Kahl ist nämlich ein leidenschaftlicher Jäger.
Kahl. D.. d. die M.. mm.. maus, das ist ’n in... in.. infamtes Am.. am.. amf ff.. fibium.
Helene platzt heraus. Zu lächerlich ist das, alles schießt er todt, Zahmes und Wildes.
Kahl. N.. nächten hab ich d.. d.. die alte Szss.. sau vu ins t.. todt g.. g.. geschossen.
Loth. Da ist wohl schießen Ihre Hauptbeschäftigung?
Frau Krause. Herr Kahl thut’s ock bloßig zum Prifatvergnigen.
Frau Spiller. Wald, Wild, Weib pflegten Seine Exellenz der Herr Minister von Schadendorf oftmals zu sagen.
Kahl. I.. i.. iberm.. m.. murne hab’n mer T.. t.. tau.. t.. taubenschießen.
Loth. Was ist denn das: Taubenschießen?
Helene. Ach, ich kann so was nicht leiden; es ist doch nichts als eine recht unbarmherzige Spielerei. Ungezogene Jungens, die mit Steinen nach Fensterscheiben zielen, thun etwas Besseres.
Hoffmann. Du gehst zu weit, Helene.
Helene. Ich weiß nicht —, meinem Gefühl nach hat es weit mehr Sinn, Fenster einzuschmeißen, als Tauben an einem Pfahl festzubinden und dann mit Kugeln nach ihnen zu schießen.
Hoffmann. Na, Helene, — man muß doch aber bedenken ....
Loth irgend etwas mit Messer und Gabel schneidend. Es ist ein schandhafter Unfug.
Kahl. Um die p. poar Tauba ....!
Frau Spiller zu Loth. Der Herr Kahl — m —, müssen Sie wissen, haben zweihundert Stück im Schlage.
Loth. Die ganze Jagd ist ein Unfug.
Hoffmann. Aber ein unausrottbarer. Da werden zum Beispiel eben jetzt wieder fünfhundert lebende Füchse gesucht; alle Förster hier herum und auch sonst in Deutschland verlegen sich aufs Fuchsgraben.
Loth. Was macht man denn mit den vielen Füchsen?
Hoffmann. Sie kommen nach England, wo sie die Ehre haben, von Lord und Ladys gleich vom Käfig weg zu Tode gehetzt zu werden.
Loth. Muhamedaner oder Christ, Bestie bleibt Bestie.
Hoffmann. Darf ich Dir Hummer reichen, Mama?
Frau Krause. Meinswegen, ei dieser Seisong sind se sehr gutt!
Frau Spiller. Gnädige Frau haben eine so feine Zunge — m —!
Frau Krause zu Loth. Hummer ha’n Sie woll auch noch nich gegassen. Herr Dukter?
Loth. Ja, Hummer habe ich schon hin und wieder gegessen —, an der See oben, in Warnemünde, wo ich geboren bin.
Frau Krause zu Kahl. Gell, Wilhelm, ma weeß wirklich’n Gott manchmal nich mee, was ma assen sull?
Kahl. J.. j.. ja, w.. w.. weeß ... weeß G.. Gott, Muhme.
Eduard will Loth Champagner eingießen. Champagner.
Loth hält sein Glas zu. Nein! ... danke!
Hoffmann. — Mach’ keinen Unsinn.
Helene. Wie, Sie trinken nicht?
Loth. Nein, Fräulein.
Hoffmann. Na, hör’ mal an: das ist aber doch ... das ist langweilig.
Loth. Wenn ich tränke, würde ich noch langweiliger werden.
Helene. Das ist interessant, Herr Doktor.
Loth ohne Tact. Daß ich langweiliger werde, wenn ich Wein trinke?
Helene etwas betreten. Nein, ach nein, daß .... daß Sie nicht trinken ...., daß Sie überhaupt nicht trinken, meine ich.
Loth. Warum soll das interessant sein?
Helene sehr roth werdend. Es ist .... ist nicht das Gewöhnliche. Wird noch röther und sehr verlegen.
Loth tollpatschig. Da haben Sie recht, leider.
Frau Krause zu Loth. De Flasche kust uns fufza Mark, Sie kinn’ a dreiste trink’n. Direct vu Rheims iis a, mir satz’n Ihn gewiß nischt Schlechtes vier, mir mieja salber nischt Schlechtes.
Frau Spiller. Ach, glauben Sie mich, — m —, Herr Doktor, wenn Seine Exellenz der Herr Minister von Schadendorf — m — so eine Tafel geführt hätten ....
Kahl. Ohne men’n Wein kennt ich nich laben.
Helene zu Loth. Sagen Sie uns doch, warum Sie nicht trinken!
Loth. Das kann gerne geschehen, ich ....
Hoffmann. Ae, was! alter Freund! Er nimmt dem Diener die Flasche ab, um nun seinerseits Loth zu bedrängen. Denk’ dran, wie manche hochfidele Stunde wir früher mit einander ...
Loth. Nein, bitte bemühe Dich nicht, es ...
Hoffmann. Trink heut mal!
Loth. Es ist alles vergebens.
Hoffmann. Mir zu Liebe!
Hoffmann will eingießen, Loth wehrt ab; es entsteht ein kleines Handgemenge.
Loth. Nein! ... nein, wie gesagt ... nein! ... nein, danke.
Hoffmann. Aber nimm mir’s nicht übel ... das ist eine Marotte.
Kahl zu Fr. Spiller. Wer nich will, dar hat schunn.
Frau Spiller nickt ergeben.
Hoffmann. Uebrigens, des Menschen Wille ... und so weiter. So viel sage ich nur: ohne ein Glas Wein bei Tisch ...
Loth. Ein Glas Bier zum Frühstück ...
Hoffmann. Nun ja, warum nicht? Ein Glas Bier ist was sehr gesundes.
Loth. Ein Cognac hie und da ...
Hoffmann. Na, wenn man das nicht mal haben sollte ... zum Asceten machst Du mich nun und nimmer. Das heißt ja dem Leben allen Reiz nehmen.
Loth. Das kann ich nicht sagen. Ich bin mit den normalen Reizen, die mein Nervensystem treffen, durchaus zufrieden.
Hoffmann. Eine Gesellschaft, die trockenen Gaumens beisammen hockt, ist und bleibt eine verzweifelt öde und langweilige —, für die ich mich im Allgemeinen bedanke.
Frau Krause. Bei a Adlijen wird doch auch a so viel getrunk’n.
Frau Spiller durch eine Verbeugung des Oberkörpers ergebenst bestätigend. Es ist Schentelmen leicht viel Wein zu trinken.
Loth zu Hoffmann. Mir geht es umgekehrt; mich langweilt im Allgemeinen eine Tafel, an der viel getrunken wird.
Hoffmann. Es muß natürlich mäßig geschehen.
Loth. Was nennst Du mäßig?
Hoffmann. Nun, ... daß man noch immer bei Besinnung bleibt.
Loth. Aaah! ... also Du giebst zu: die Besinnung ist im Allgemeinen durch den Alkohol-Genuß sehr gefährdet. — Siehst Du! deshalb sind mir Kneiptafeln — langweilig.
Hoffmann. Fürchtest Du denn, so leicht Deine Besinnung zu verlieren?
Kahl. Iiii..... i.. ich habe n. n. neulich ene Flasche Rrr... r... rü.. rüd.. desheimer, ene Flasche Sssssekt get.. t.. trunken. Oben drauf d.. d.. d.. dann nnoch eine Flasche B.. b... bordeaux, aber besuffen woar ich no n.. nich.
Loth zu Hoffmann. Ach nein, Du weißt ja wohl, daß ich es war, der Euch nach Hause brachte, wenn Ihr Euch übernommen hattet. Ich hab immer noch die alte Bärennatur: nein, deshalb bin ich nicht so ängstlich.
Hoffmann. Weshalb denn sonst?
Helene. Ja, warum trinken Sie denn eigentlich nicht? Bitte, sagen Sie es doch.
Loth zu Hoffmann. Damit Du doch beruhigt bist: ich trinke heut schon deshalb nicht, weil ich mich ehrenwörtlich verpflichtet habe, geistige Getränke zu meiden.
Hoffmann. Mit anderen Worten, Du bist glücklich bis zum Mäßigkeitsvereinshelden herabgesunken.
Loth. Ich bin völliger Abstinent.
Hoffmann. Und auf wie lange, wenn man fragen darf, machst Du diese ....
Loth. Auf Lebenszeit.
Hoffmann wirft Gabel und Messer weg und fährt halb vom Stuhle auf. Pf! gerechter Strohsack!! Er setzt sich wieder. Offen gesagt, für so kindisch ... verzeih das harte Wort.
Loth. Du kannst es gerne so benennen.
Hoffmann. Wie in aller Welt bist Du nur darauf gekommen?
Helene. Für so etwas müssen Sie einen sehr gewichtigen Grund haben — denke ich mir wenigstens.
Loth. Der existirt allerdings. Sie, Fräulein! — und Du, Hoffmann! weißt wahrscheinlich nicht, welche furchtbare Rolle der Alkohol in unserem modernen Leben spielt ... Lies Bunge, wenn Du Dir einen Begriff davon machen willst. — Mir ist noch gerade in Erinnerung, was ein gewisser Everett über die Bedeutung des Alkohols für die Vereinigten Staaten gesagt hat. — Notabene, es bezieht sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Er meint also: der Alkohol hat direct eine Summe von 3 Milliarden und indirect von 600 Millionen Dollars verschlungen. Er hat 300000 Menschen getödtet, 100000 Kinder in die Armenhäuser geschickt, weitere Tausende in die Gefängnisse und Arbeitshäuser getrieben, er hat mindestens 2000 Selbstmorde verursacht. Er hat den Verlust von mindestens 10 Millionen Dollars durch Brand und gewaltsame Zerstörung verursacht, er hat 20000 Wittwen und schließlich nicht weniger als 1 Million Waisen geschaffen. Die Wirkung des Alkohols, das ist das Schlimmste, äußert sich so zu sagen bis in’s dritte und vierte Glied. — Hätte ich nun das ehrenwörtliche Versprechen abgelegt, nicht zu heirathen, dann könnte ich schon eher trinken, so aber ... meine Vorfahren sind alle gesunde, kernige und wie ich weiß, äußerst mäßige Menschen gewesen. Jede Bewegung, die ich mache, jede Strapaze, die ich überstehe, jeder Athemzug gleichsam führt mir zu Gemüth, was ich ihnen verdanke. Und dies, siehst Du, ist der Punkt: ich bin absolut fest entschlossen die Erbschaft, die ich gemacht habe, ganz ungeschmälert auf meine Nachkommen zu bringen.
Frau Krause. Du! — Schwiegersuhn! — inse Bargleute saufen woarhaftig zu viel: doas muuß woar sein.
Kahl. Die saufen wie d’ Schweine.
Helene. Ach, so was vererbt sich?
Loth. Es giebt Familien, die daran zu Grunde gehen, Trinkerfamilien.
Kahl halb zu Frau Krause, halb zu Helene. Euer Aaler, dar treibt’s au a wing zu tull.
Helene weiß wie ein Tuch im Gesicht, heftig. Ach, schwatzen Sie keinen Unsinn!
Frau Krause. Ne, doch hier enner a su ein patziges Froovulk oa; a su ne Prinzessen. Hängst de wieder a mol die Gnädige raus, wie? — A su fährt se a Zukinftigen oa. Zu Loth, auf Kahl deutend. ’s is nämlich d’r Zukinftige, missen Sie nahmen, Herr Dukter, ’s is alles eim Renen.
Helene aufspringend. Hör auf! oder ... hör auf, Mutter! oder ...
Frau Krause. Do hiert doch aber werklich ... na, do sprecha Se, Herr Dukter, iis das wull Bildung, hä? Weeß Gott, ich hal’ se wie mei egnes Kind, aber die treib’s reen zu tull.
Hoffmann beschwichtigend. Ach, Mama! thu mir doch den Gefallen ....
Frau Krause. Neee! groade — iich sah doas nich ein — a su ane Goans wie die iis ... do hiert olle Gerechtigkeit uff ... su ane Titte!
Hoffmann. Mama, ich muß Dich aber wirklich doch jetzt bitten, Dich ...
Frau Krause immer wüthender. Stats doaß doas Froovulk ei der Wertschoft woas oagreft ... bewoare ne! Doa zeucht se an Flunsch biis hinger beede Leffel. — Oaber da Schillerich, oaber a Gethemoan, a sune tummn Scheißkarle, die de nischt kinn’n als lieja: vu dan’e läßt sie sich a Kupp verdrehn. Urnar zum Kränke krieja iis doas. Schweigt bebend vor Wuth.
Hoffmann begütigend. Nun — sie wird ja nun wieder .... es war ja vielleicht — nicht ganz recht ... es ... Giebt Helenen, die in Erregung abseits getreten ist, einen Wink, auf den hin sich das Mädchen, die Thränen gewaltsam zurückhaltend, wieder auf seinen Platz begiebt.
Hoffmann das nunmehr eingetretene peinliche Schweigen unterbrechend zu Loth. Ja .. von was sprachen wir doch? ... Richtig! — vom biederen Alkohol. Er hebt sein Glas. Nun, Mama: Frieden! — Komm, stoßen wir an, — seien wir friedlich, — machen wir dem Alkohol Ehre, indem wir friedlich sind. Frau Krause, wenn auch etwas widerwillig, stößt doch mit ihm an. Hoffmann, zu Helene gewendet. Was, Helene?! — Dein Glas ist leer? ... Ei der Tausend, Loth! Du hast Schule gemacht.
Helene. Ach ... nein ... ich ...
Frau Spiller. Mein gnädiges Fräulein, so etwas läßt tief ....
Hoffmann. Aber Du warst doch sonst keine von den Zimperlichen.
Helene batzig. Ich hab eben heut keine Neigung zum Trinken, einfach!
Hoffmann. Bitte, bitte, bitte seeehr um Verzeihung ... Ja, von was sprachen wir doch?
Loth. Wir sprachen davon, daß es Trinkerfamilien gäbe.
Hoffmann aufs Neue betreten. Schon recht, schon recht, aber ...
Man bemerkt zunehmenden Aerger in dem Benehmen der Frau Krause, während Herr Kahl sichtlich Mühe hat, das Lachen über etwas, das ihn innerlich furchtbar zu amüsiren scheint, zurückzuhalten. Helene beobachtet Kahl ihrerseits mit brennenden Augen und bereits mehrmals hat sie durch einen drohenden Blick Kahl davon zurückgehalten etwas auszusprechen, was ihm so zu sagen auf der Zunge liegt. Loth, ziemlich gleichmüthig, mit Schälen eines Apfels beschäftigt, bemerkt von alledem nichts.
Loth. Ihr scheint übrigens hier ziemlich damit gesegnet zu sein.
Hoffmann nahezu fassungslos. Wieso ... mit ... mit was gesegnet?
Loth. Mit Trinkern natürlicherweise.
Hoffmann. Hm! ... meinst Du? ... ach ... jaja ..., allerdings, die Bergleute .....
Loth. Nicht nur die Bergleute. Zum Beispiel hier in dem Wirthshaus, wo ich abstieg, bevor ich zu Dir kam, da saß ein Kerl so: Er stützt beide Ellenbogen auf den Tisch, nimmt den Kopf in die Hände und stiert auf die Tischplatte.
Hoffmann. Wirklich? Seine Verlegenheit hat den höchsten Grad erreicht; Frau Krause hustet, Helene starrt noch immer auf Kahl, welcher jetzt am ganzen Körper vor innerlichem Lachen bebt, sich aber doch noch so weit bändigt, nicht laut herauszuplatzen.
Loth. Es wundert mich, daß Du dieses — Original — könnte man beinahe sagen, noch nicht kennst. Das Wirthshaus ist ja gleich hier nebenan das. Mir wurde gesagt, es sei ein hiesiger steinreicher Bauer, der seine Tage und Jahre buchstäblich in diesem selben Gastzimmer mit Schnapstrinken zubrächte. Das reine Thier ist er natürlich. Diese furchtbar öden, versoffenen Augen, mit denen er mich anstierte.
Kahl, der bis hierher sich zurückgehalten hat, bricht in ein rohes, lautes, unaufhaltsames Gelächter aus, so daß Loth und Hoffmann, starr vor Staunen, ihn anblicken.
Kahl unter dem Lachen hervorstammelnd. Woahrhaftig! das is ja ... das is ja woahrhaftig der ... der Alte gewesen.
Helene ist entsetzt und empört aufgesprungen. Zerknüllt die Serviette und schleudert sie auf den Tisch. Bricht aus. Sie sind ... — macht die Bewegung des Ausspeiens — pfui! Sie geht schnell ab.
Kahl die aus dem Bewußtsein eine große Dummheit gemacht zu haben, entstandene Verlegenheit gewaltsam abreißend. Ach woas! ... Unsinn! ’s iis ju zu tumm! — Iich gieh menner Wege. Er setzt seinen Hut auf und sagt, indem er abgeht, ohne sich noch einmal umzuwenden: ’n Obend!
Frau Krause ruft ihm nach. Koan Der’sch nich verdenken, Willem! Sie legt die Serviette zusammen und ruft dabei. Miele! Miele kommt. Räum ab! Für sich, aber doch laut. Su ane Gans.
Hoffmann etwas aufgebracht. Ich muß aber doch ehrlich sagen, Mama! ..
Frau Krause. Mahr Dich aus. Steht auf, schnell ab.
Frau Spiller. Die gnädige Frau — m — haben heut manches häusliche Aergerniß gehabt — m —. Ich empfehle mich ganz ergebenst. Sie steht auf und betet still, unter Augenaufschlag, dann ab.
Miele und Eduard decken den Tisch ab. Hoffmann ist aufgestanden und kommt mit einem Zahnstocher im Mund nach dem Vordergrund, Loth folgt ihm.
Hoffmann. Ja, siehst Du, so sind die Weiber!
Loth. Ich begreife gar nichts von alledem.
Hoffmann. Ist auch nicht der Rede werth. — So etwas kommt wie bekannt in den allerfeinsten Familien vor. Das darf Dich nicht abhalten ein paar Tage bei uns ...
Loth. Hätte gern Deine Frau kennen gelernt, warum läßt sie sich denn nicht blicken?
Hoffmann die Spitze einer frischen Cigarre abschneidend. Du begreifst, in ihrem Zustand ... die Frauen lassen nun mal nicht von der Eitelkeit. Komm! wollen uns draußen im Garten bischen ergehen. — Eduard! den Kaffee in die Laube.
Eduard. Sehr wohl.
Hoffmann und Loth ab durch den Wintergarten. Eduard ab durch die Mittelthür, hierauf Miele, ein Brett voll Geschirr tragend, ebenfalls ab durch die Mittelthür. Einige Augenblicke bleibt das Zimmer leer, dann erscheint
Helene erregt, mit verweinten Augen, das Taschentuch vor den Mund haltend. Von der Mittelthür, durch welche sie eingetreten ist, macht sie hastig ein paar Schritte nach links und lauscht an der Thür von Hoffmann’s Zimmer. Oh! nicht fort! Da sie hier nichts vernimmt, fliegt sie zur Thür des Wintergartens hinüber, wo sie ebenfalls mit gespanntem Ausdruck einige Secunden lauscht. Bittend und mit gefalteten Händen inbrünstig. Oh! nicht fort, geh nicht fort!
Der Vorhang fällt.
Zweiter Akt.
Morgens gegen vier Uhr.
Im Wirthshaus sind die Fenster erleuchtet, ein grau-fahler Morgenschein durch den Thorweg, der sich ganz allmählich im Laufe des Vorgangs zu einer dunklen Röthe entwickelt, die sich dann, eben so allmählich, in helles Tageslicht auflöst. Unter dem Thorweg, auf der Erde sitzt Beibst (etwa 60jährig) und dengelt seine Sense. Wie der Vorhang aufgeht, sieht man kaum mehr als seine Silhouette, die gegen den grauen Morgenhimmel absticht, vernimmt aber das eintönige, ununterbrochene, regelmäßige Aufschlagen des Dengelhammers auf den Dengelambos. Dieses Geräusch bleibt während einiger Minuten allein hörbar, hierauf die feierliche Morgenstille, unterbrochen durch das Geschrei aus dem Wirthshaus abziehender Gäste. Die Wirthshausthür fliegt krachend ins Schloß. Die Lichter in den Fenstern verlöschen. Hundebellen fern, Hähne krähen laut durcheinander. Auf dem Gange vom Wirthshaus her wird eine dunkle Gestalt bemerklich, dieselbe bewegt sich in Zickzacklinien dem Hofe zu; es ist der Bauer Krause, welcher wie immer als letzter Gast das Wirthshaus verlassen hat.
Bauer Krause ist gegen den Gartenzaun getaumelt, klammert sich mit den Händen daran fest und brüllt mit einer etwas näselnden, betrunkenen Stimme nach dem Wirthshaus zurück. ’s Gaartla iis mei—ne! ... d’r Kratsch’m iis mei—ne ... du Gostwerthlops! Dohie hä! Er macht sich, nachdem er noch einiges Unverständliche gemurmelt und geknurrt hat, vom Zaune los und stürzt in den Hof, wo er glücklich den Sterzen eines Pfluges zu fassen bekommt. ’s ’Gittla iis mei—ne. Er quasselt halb singend. Trink ... ei ... Briderla, trink ... ei ... ’iderla, Branntw... wwein ... ’acht Kurasche. Dohie hä — laut brüllend — bien iich nee a hibscher Moan? .... Hoa iich nee a hibsch Weibla dohie hä? ... Hoa iich nee a poar hibsche Madel?
Helene kommt hastig aus dem Hause. Man sieht, sie hat an Kleidern nur umgenommen, soviel in aller Eile ihr möglich gewesen war. Papa! ... lieber Papa!! so komm doch schon. Sie faßt ihn unterm Arm, versucht ihn zu stützen und ins Haus zu ziehen. K—omm doch ... nur ... schn—ell in’s Haus, komm doch n—ur schn—ell! Ach!
Bauer Krause hat sich aufgerichtet, versucht gerade zu stehen, bringt mit einiger Mühe und unter Zuhilfenahme beider Hände einen ledernen, strotzenden Geldbeutel aus der Tasche seiner Hose. In dem ein wenig helleren Morgenlichte erkennt man die sehr schäbige Bekleidung des etwa 50jährigen Mannes, die um nichts besser ist, als die des allergeringsten Landarbeiters. Er ist im bloßen Kopf, sein graues, spärliches Haar ungekämmt und struppig. Das schmutzige Hemd steht bis auf den Nabel herab weit offen; an einem einzigen gestickten Hosenträger hängt die ehemals gelbe, jetzt schmutzig glänzende, an den Knöcheln zugebundene Lederhose; die nackten Füße stecken in einem Paar gestickter Schlafschuhe, deren Stickerei noch sehr neu zu sein scheint. Jacke und Weste trägt der Bauer nicht, die Hemdärmel sind nicht zugeknöpft. Nachdem er den Geldbeutel glücklich herausgebracht hat, setzt er ihn mit der rechten mehrmals auf die Handfläche der linken Hand, so daß das Geld darin laut klimpert und klingt, dabei fixirt er seine Tochter mit lascivem Blicke. Dohie hä! ’s Gald iis mei—neee! hä? Mech’st a poar Thoalerla?
Helene. Ach, gr—oßer Gott! Sie versucht mehrmals vergebens, ihn mitzuziehen. Bei einem dieser Versuche umarmt er sie mit der Plumpheit eines Gorillas und macht einige unzüchtige Griffe. Helene stößt unterdrückte Hilfeschreie aus. Gl—eich läßt Du l—os! Laß l—os! bitte, Papa, ach! Sie weint, schreit dann, plötzlich in äußerster Angst, Abscheu und Wuth: Thier, Schwein!
Sie stößt ihn von sich. Der Bauer fällt langhin auf die Erde. Beibst kommt von seinem Platz unter dem Thorweg herbeigehinkt. Helene und Beibst machen sich daran, den Bauer aufzuheben.
Bauer Krause lallt. Tr—ink mei Bri’erla, tr— ...
Der Bauer wird aufgehoben und stürzt, Beibst und Helene mit sich reißend, in das Haus. Einen Augenblick bleibt die Bühne leer. Im Hause hört man Lärm, Thürenschlagen. In einem Fenster wird Licht, hierauf kommt Beibst wieder aus dem Hause. Er reißt an seiner Lederhose ein Schwefelholz an, um die kurze Pfeife, welche ihm fast nie aus dem Munde kommt, damit in Brand zu stecken. Als er damit noch beschäftigt ist, schleicht Kahl aus der Hausthüre. Er ist in Strümpfen, hat sein Jaquet über dem linken Arm hängen und trägt mit der linken Hand seine Schlafschuhe. Mit der rechten hält er seinen Hut, mit dem Munde seinen Hemdkragen. Etwa bis in die Mitte des Hofes gelangt, wendet er sich und sieht das Gesicht des Beibst auf sich gerichtet. Einen Augenblick scheint er unschlüssig, dann bringt er Hut und Hemdkragen in der Linken unter, greift in die Hosentasche und geht auf Beibst zu, dem er etwas in die Hand drückt.
Kahl. Do hot ’r an Thoaler .... oaber halt’t Eure Gusche! Er geht eiligst über den Hof und steigt über den Staketenzaun rechts. Ab.
Beibst hat mittels eines neuen Streichholzes seine Pfeife angezündet, hinkt bis unter den Thorweg, läßt sich nieder und nimmt seine Dengelarbeit von Neuem auf. Wieder eine Zeit lang nichts als das eintönige Aufschlagen des Dengelhammers und das Aechzen des alten Mannes, von kurzen Flüchen unterbrochen, wenn ihm etwas bei seiner Arbeit nicht nach Wunsch geht. Es ist um ein Beträchtliches heller geworden.
Loth tritt aus der Hausthür, steht still, dehnt sich, thut mehrere tiefe Athemzüge. H! .. h! .. Morgenluft! Er geht langsam nach dem Hintergrunde zu bis unter den Thorweg. Zu Beibst. Guten Morgen! Schon so früh wach?
Beibst mißtrauisch aufschielend, unfreundlich. ’Murja! Kleine Pause, hierauf Beibst, ohne Loth’s Anwesenheit weiter zu beachten, gleichsam im Zwiegespräch mit seiner Sense, die er mehrmals aufgebracht hin und herreißt. Krummes Oos! na, werd’s glei?! Ekch! Himmeldunnerschlag ja! Er dengelt weiter.
Loth hat sich zwischen die Sterzen eines Exstirpators niedergelassen. Es giebt wohl Heuernte heut?
Beibst grob. De Äsel gihn ei’s Hä itzunder.
Loth. Nun, Ihr dengelt doch aber die Sense ...?
Beibst zur Sense. Ekch! tumme Dare.
Kleine Pause, hierauf.
Loth. Wollt Ihr mir nicht sagen, wozu Ihr die Sense scharf macht, wenn doch nicht Heuernte ist?
Beibst. Na, — braucht ma ernt keene Sahnse zum Futter macha?
Loth. Ach so! Futter soll also geschnitten werden.
Beibst. Woas d’n suste?
Loth. Wird das alle Morgen geschnitten?
Beibst. Na! — sool’s Viech derhingern?
Loth. Ihr müßt schon ’n bischen Nachsicht mit mir haben! Ich bin eben ein Städter; da kann man nicht alles so genau wissen von der Landwirthschaft.
Beibst. Die Staadter glee — ekch! — de Staadter, die wissa doo glee oals besser wie de Mensche vum Lande, hä?
Loth. Das trifft bei mir nicht zu. — Könnt Ihr mir vielleicht nicht erklären, was das für ein Instrument ist? Ich hab’s wohl schon mal wo gesehen, aber der Name ...
Beibst. Doasjenigte, uf dan Se sitza?! Woas ma su soat Extrabater nennt ma doas.
Loth. Richtig, ein Exstirpator; wird der hier auch gebraucht?
Beibst. Leeder Goott’s, nee. — A läßt a verludern ... a ganza Acker, reen verludern läßt a’n, d’r Pauer. A Oarmes mecht a Flecka hoa’nn — ei insa Bärta wächst kee Getreide — oaber nee, lieberscht läßt a’n verludern! — Nischt thit wachsa, ok blußig Seide und Quecka.
Loth. Ja, die kriegt man schon damit heraus. Ich weiß, bei den Ikariern hatte man auch solche Exstirpatoren, um das urbar gemachte Land vollends zu reinigen.
Beibst. Wu sein denn die I..., wie Se glei soa’n, I...
Loth. Die Ikarier? In Amerika.
Beibst. Doo gibbts an schunn a sune Dinger?
Loth. Ja freilich.
Beibst. Woas iis denn doas fer a Vulk: die I... I...
Loth. Die Ikarier? — Es ist gar kein besonderes Volk; es sind Leute aus allen Nationen, die sich zusammen gethan haben; sie besitzen in Amerika ein hübsches Stück Land, das sie gemeinsam bewirthschaften; alle Arbeit und allen Verdienst theilen sie gleichmäßig. Keiner ist arm, es giebt keine Armen unter ihnen.
Beibst, dessen Gesichtsausdruck ein wenig freundlicher geworden war, nimmt bei den letzten Worten Loth’s wieder das alte mißtrauisch feindselige Gepräge an; ohne Loth weiter zu beachten, hat er sich neuerdings wieder ganz seiner Arbeit zugewendet und zwar mit den Eingangsworten: Oost vu enner Sahnse!
Loth, immer noch sitzend, betrachtet den Alten zuerst mit einem ruhigen Lächeln und blickt dann hinaus in den erwachenden Morgen. Durch den Thorweg erblickt man weitgedehnte Kleefelder und Wiesenflächen; zwischendurch schlängelt sich ein Bach, dessen Lauf durch Erlen und Weiden verrathen wird. Am Horizonte ein einzelner Bergkegel. Allerorten haben die Lerchen eingesetzt, und ihr ununterbrochenes Getriller schallt bald näher, bald ferner her bis in den Gutshof herein. Jetzt erhebt sich Loth mit den Worten: Man muß spazieren geh’n, der Morgen ist zu prächtig. Er geht durch den Thorweg hinaus. — Man hört das Klappen von Holzpantinen. Jemand kommt sehr schnell über die Bodentreppe des Stallgebäudes herunter: es ist Guste.
Guste, eine ziemlich dicke Magd: bloßes Mieder, nackte Arme und Waden, die bloßen Füße in Holzpantinen. Sie trägt eine brennende Laterne. Guda Murja, Voater Beibst.
Beibst brummt.
Guste blickt, die Augen mit der Hand beschattend, durch das Thor Loth nach. Woas iis denn doas fer enner?
Beibst verärgert. Dar koan Battelleute zum Noarr’n hoa’nn ... dar leugt egelganz wie a Forr... vu dan luuß der de Hucke vuul liega. Beibst steht auf. Macht enk de Roawer zerecht, Madel.
Guste, welche dabei war, ihre Waden am Brunnen abzuwaschen, ist damit fertig und sagt, bevor sie im Innern des Kuhstalls verschwindet: Glei, glei! Voater Beibst.
Loth kommt zurück, giebt Beibst Geld. Da ist ’ne Kleinigkeit. Geld kann man immer brauchen.
Beibst aufthauend, wie umgewandelt, mit aufrichtiger Gemüthlichkeit. Ju, ju! do ha’n Se au recht ... na da dank ich au vielmools. — Se sein wull d’r Besuch zum Schwiegersuhne? Auf einmal sehr gesprächig. Wissa Se: wenn Se, und Se wull’n da naus gihn auf a Barch zu, wissa Se, do haal’n Se siich links, wissa Se, zängst ’nunder links, rechts gibt’s Risse. Mei Suhn meente, ’s käm do dervoone, meent’ a, weil se zu schlecht verzimmern thäten, meent’ a, de Barchmoanne, ’s soatzt zu wing Luhn, meent’ a, und do giht’s ok a su: woas hust’de, woas koanst’de, ei a Gruba, verstiehn Se. — Sahn Se! — doo! — immer links, rechts gibt’s Lecher. Vurigtes Johr erscht iis a Putterweib, wie se ging und stoand iis se ei’s Ardreich versunka, iich wiß nee amool, wie viel Kloaftern tief. Kee Mensch wußte wuhie — wie gesoa’t, links, immer links, doo gihn Se sicher. Ein Schuß fällt, Beibst, wie electrisirt, hinkt einige Schritt in’s Freie.
Loth. Wer schießt denn da schon so frühe?
Beibst. Na, war denn suste? — d’r Junge, dar meschante Junge.
Loth. Welcher Junge denn?
Beibst. Na, Kahl-Willem — d’r Nupperschsuhn ... Na woart ok blußig due! Ich hoa’s gesahn, a schißt meiner Gitte de Lärcha.
Loth. Ihr hinkt ja.
Beibst. Doaß ’s Goot erbarm’, ja. Droht mit der Faust nach dem Felde. Na woart’ Du! woart’ Du! ...
Loth. Was habt Ihr denn mit dem Bein gemacht?
Beibst. Iich?
Loth. Ja.
Beibst. ’s iis a su ’nei kumma.
Loth. Habt Ihr Schmerzen?
Beibst nach dem Bein greifend. ’S zerrt a su, ’s zerrt infamt.
Loth. Habt Ihr keinen Arzt?
Beibst. Wissa Se, — de Dukter, doas sein Oaffa, enner wie d’r andere! — Blußig inse Dukter, doas iis a ticht’er Moan.
Loth. Hat er Ihnen was genützt?
Beibst. Na — verlecht a klee wing wull au oam Ende. A hoot mer’sch Been geknet’t: sahn Se, a su geknutscht und gehackt un ... oaber nee!! derwegen nich! — A iis ... na kurz un gutt, a hoot mit’n aarma Mensche a Mitleed. — A keeft’n de Med’zin und a verlangt nischt. A kimmt zu jeder Zeet ...
Loth. Sie müssen sich das doch aber irgendwo zugezogen haben?! Haben Sie immer so gehinkt?
Beibst. Nich die Oahnung!
Loth. Dann verstehe ich nicht recht, es muß doch eine Ursache ...
Beibst. Weeß iich’s? Er droht wieder mit der Faust. Woart ok Due! woart ok mit dem Geknackse.
Kahl erscheint innerhalb seines Gartens. Er trägt in der rechten eine Flinte am Lauf, seine linke Hand ist geschlossen. Ruft herüber. Guten Morjen ooch, Herr Dukter!