Sie wollen uns in die Niederland' leihen;
Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,
Sollen achttausend Mann aufsitzen.
Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?
Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
Zweiter Kürassier (zu den Dragonern).
Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
Und absonderlich wir Wallonen.
Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
Den Infanten! Das ist ja kurios!
Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
Wir sollen von dem Friedländer lassen,
Der den Soldaten so nobel hält,
Mit dem Spanier ziehen zu Feld,
Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.
Was, zum Henker! sollen wir dort?
Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
Und nicht dem hispanischen roten Hut.
Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
Haben wir Reitersdienst genommen;
Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.
Tät uns der Friedländer nicht formieren?
Seine Fortuna soll uns führen.
Laßt euch bedeuten, hört mich an.
Mit dem Gered' da ist's nicht getan.
Ich sehe weiter als ihr alle,
Dahinter steckt eine böse Falle.
Hört das Befehlbuch! Stille doch!
Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
Ein Gläschen Melnecker für den Magen,
Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
Marketenderin (ihm einschenkend).
Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.
Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!
Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
Daß jeder das Nächste bedenken tut;
Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
Man muß immer das Ganze überschlagen.
Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.
Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.
Der Bauer muß den Gaul und den Stier
Vorspannen an unsre Bagagewagen,
Vergebens wird er sich drüber beklagen.
Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
In einem Dorfe von weitem spüren,
Er ist die Obrigkeit drin und kann
Nach Lust drin walten und kommandieren.
Zum Henker! sie mögen uns alle nicht
Und sähen des Teufels sein Angesicht
Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.
Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!
Sind uns an Anzahl doch überlegen,
Führen den Knüttel, wie wir den Degen.
Warum dürfen wir ihrer lachen?
Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
Der Friedländer hat das wohl erfahren,
Wie er dem Kaiser vor acht – neun Jahren
Die große Armee zusammenbracht.
Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:
Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
Aber ich will sechzigtausend werben,
Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
Und so wurden wir Wallensteiner.
Zum Exempel, da hack mir einer
Von den fünf Fingern, die ich hab',
Hier an der Rechten den kleinen ab.
Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!
's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.
Ja, und diese achttausend Pferd,
Die man nach Flandern jetzt begehrt,
Sind von der Armee nur der kleine Finger.
Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
Wir seien um ein Fünftel nur geringer?
Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.
Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,
Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,
Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
Den Quartier- und den Küchenzettel,
Und es ist wieder der alte Bettel.
Ja, und wie lang wird's stehen an,
So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann –
Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,
Nun, da fällt eben alles hin!
Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?
Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
Den schnellen Witz und die feste Hand,
Diese gestückelten Heeresmassen
Zusammen zu fügen und zu passen?
Zum Exempel – Dragoner – sprich:
Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
Weit aus Hibernien her komm' ich.
Wachtmeister (zu den beiden Kürassieren).
Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;
Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:
Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
Und du bist auch nicht aus der Näh?
Ich bin von Buchau am Federsee.
Wachtmeister (zum zweiten Jäger).
Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend).
Und der da und ich, wir sind aus Eger.
Nun! und wer merkt uns das nun an,
Daß wir aus Süden und aus Norden
Zusammen geschneit und geblasen worden?
Sehn wir nicht aus, wie aus einem Span?
Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
Recht wie zusammen geleimt und gegossen?
Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink
Ineinander auf Wort und Wink?
Wer hat uns so zusammen geschmiedet,
Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst als der Wallenstein!
Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
Daß wir so gut zusammen passen;
Hab' mich immer nur gehen lassen.
Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.
Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;
Den Soldaten wollen sie niederhalten,
Daß sie alleine können walten.
's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
Eine Verschwörung? Du lieber Gott!
Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.
Freilich! Es wird alles bankerott.
Viele von den Hauptleuten und Generalen
Stellten aus ihren eignen Kassen
Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,
Täten sich angreifen über Vermögen,
Dachten, es bring' ihnen großen Segen.
Und die alle sind um ihr Geld,
Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!
Die halbe Armee steht in meinem Buch.
Der Graf Isolani, der böse Zahler,
Restiert mir allein noch zweihundert Taler.
Was ist da zu machen, Kameraden?
Es ist nur
eins, was uns retten kann:
Verbunden können sie uns nichts schaden;
Wir stehen alle für einen Mann.
Laßt sie schicken und ordenanzen,
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!
Sie sollen kommen und sollen's probieren!
Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,
's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
Werden uns viel um den Kaiser scheren.
Laß Er mich das nicht zweimal hören.
's ist aber doch so, wie ich gesagt.
Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
Krieg zu führen und Frieden zu schließen,
Geld und Gut kann er konfiszieren,
Kann henken lassen und pardonieren,
Offiziere kann er und Obersten machen,
Kurz, er hat alle die Ehrensachen.
Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
Wie wir alle, des Kaisers Knecht.
Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.
Er ist ein unmittelbarer und freier
Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
Als ich zu Brandeis die Wach' getan,
Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
Zu bedecken sein fürstlich Haupt?
Das war für das Mecklenburger Land,
Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
Erster Jäger (zum Wachtmeister).
Wie? In des Kaisers Gegenwart?
Das ist doch seltsam und sehr apart!
Wachtmeister (fährt in die Tasche).
Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen. (Eine Münze zeigend.)
Wes ist das Bild und Gepräg?
Weist her!
Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
Ist er nicht Fürst so gut als einer?
Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
Hat er nicht eigenes Volk und Land?
Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
Drum muß er Soldaten halten können.
Das disputiert ihm niemand nicht.
Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
Die Löhnung immer umsonst versprochen?
Ei was! Das steht ja in guten Händen.
Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
Ist denn darüber Zank und Zwist,
Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
Eben drum, weil wir gern in Ehren
Seine tüchtigen Reiter wären,
Wollen wir nicht seine Herde sein,
Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
Herum lassen führen und verpflanzen.
Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,
Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,
Zu dem großmächtigen Potentaten?
Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
Das große Wort in der Christenheit?
Mögen sich die sein Joch aufladen,
Die mitessen von seinen Gnaden,
Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,
Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
Alle großen Tyrannen und Kaiser
Hielten's so und waren viel weiser.
Alles andre täten sie hudeln und schänden,
Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
Der Soldat muß sich können fühlen.
Wer's nicht edel und nobel treibt,
Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
Soll ich frisch um mein Leben spielen,
Muß mir noch etwas gelten mehr.
Oder ich lasse mich eben schlachten
Wie der Kroat – und muß mich verachten.
Ja, übers Leben noch geht die Ehr!
Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,
Ohne Heimat muß der Soldat
Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,
Er muß vorbei an der Städte Glanz,
An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
Die Traubenlese, den Erntekranz
Muß er wandernd von ferne schauen.
Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
Etwas muß er sein eigen nennen,
Oder der Mensch wird morden und brennen.
Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
Möcht's doch nicht für ein andres geben.
Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,
Hab' alles in Erfahrung genommen.
Hab' der hispanischen Monarchie
Gedient und der Republik Venedig
Und dem Königreich Napoli;
Aber das Glück war mir nirgends gnädig.
Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter
Und den Handwerksmann und den Jesuiter,
Und kein Rock hat mir unter allen
Wie mein eisernes Wams gefallen.
Ne! das kann ich eben nicht sagen.
Will einer in der Welt was erjagen,
Mag er sich rühren und mag sich plagen;
Will er zu hohen Ehren und Würden,
Bück' er sich unter die goldnen Bürden;
Will er genießen den Vatersegen,
Kinder und Enkelein um sich pflegen,
Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.
Ich – ich hab' kein Gemüt dazu.
Frei will ich leben und also sterben,
Niemand berauben und niemand beerben
Und auf das Gehudel unter mir
Leicht wegschauen von meinem Tier.
Bravo! Just so ergeht es mir.
Lustiger freilich mag sich's haben,
Über anderer Köpf' wegtraben.
Kamerad, die Zeiten sind schwer,
Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;
Aber so mag mir's keiner verdenken,
Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
Aber nicht auf mir trommeln lassen.
Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,
Daß der Nährstand in Schimpf geraten?
Der leidige Krieg und die Not und Plag'
In die sechzehn Jahr' schon währen mag.
Bruder, den lieben Gott da droben,
Es können ihn alle zugleich nicht loben.
Einer will die Sonn', die den andern beschwert;
Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
Wo du nur die Not siehst und die Plag',
Da scheint mir des Lebens heller Tag.
Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;
Aber ich kann's nicht ändern – seht,
's ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:
Die Pferde schnauben und setzen an,
Liege, wer will, mitten in der Bahn,
Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,
Über seinen Leib weg muß ich jagen,
Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
Ei, wer wird nach dem andern fragen!
Und weil sich's nun einmal so gemacht,
Daß das Glück dem Soldaten lacht,
Laßt's uns mit beiden Händen fassen,
Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
Der Friede wird kommen über Nacht,
Der dem Wesen ein Ende macht;
Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.
Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
Wir haben's Heft noch in der Hand.
Lassen wir uns auseinander sprengen,
Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
Nein, das darf nimmermehr geschehn!
Kommt, laßt uns alle für
einen stehn!
Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
Erster Arkebusier (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).
Gevatterin, was hab' ich verzehrt?
Ach, es ist nicht der Rede wert! (Sie rechnen.)
Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,
Verderbt uns doch nur die Sozietät.