Sternschnuppen und Meteore.
Sternschnuppen sind also nichts anderes, als die Überreste zerfallener Kometen. Sternschnuppen und Kometen sind demnach miteinander verwandt. Ebenso wie die Sternschnuppen der »Bieliden«, die um den 27. November stets bisher zur Erde niedergingen, mit dem »Bielaschen Kometen« verwandt sind, so sind es die Auguststernschnuppen, und zwar sind diese verwandt mit einem Kometen des Jahres 1862. Die Aprilsternschnuppen wiederum sind mit dem Kometen des Jahres 1861 verwandt.
Wenn man die Flugrichtung der Sternschnuppen nach rückwärts zu verlängert und diese Flugrichtung in eine Sternkarte einträgt, findet man, daß alle Sternschnuppen eines bestimmten Schwarmes aus einem gemeinsamen Ausgangspunkte herzukommen scheinen. Diesen gemeinsamen Ausgangspunkt nennen wir den Radianten. Er liegt stets in einem Sternbilde. So liegt der Radiant der »Bieliden« im Sternbilde der »Andromeda«. Deshalb nennt man den ganzen Schwarm der Bielieden auch die »Andromediden«. Der Schwarm der Augustmeteore (der Auguststernschnuppen) liegt im Sternbilde des »Perseus«. Man nennt darum den ganzen Schwarm die »Perseiden«! –
Außer den Sternschnuppen kennen wir am Himmel noch andere Erscheinungen, die blitzartig auftauchen, oft mit einem lichten Schweife ein Stück über den Himmel dahinziehen und nicht selten mit Getöse und Sprühfeuer zerplatzen.
Diese »Himmelsraketen« nennt man Bolide, Feuerkugeln oder auch Meteore. Sie bestehen entweder aus nickelhaltigem Eisen oder aus Gesteinsmassen und haben oft ein enormes Gewicht!
So wurde bei Ovisak in Grönland ein solcher, vom »Himmel gefallener Stern« gefunden, der 25 000 Kilogramm wog.
Der Nordpolfahrer Roß entdeckte in Grönland einen anderen Eisenblock, der vom Himmel gestürzt war. Dieser schmückt heute das naturhistorische Museum zu Newyork und wiegt 40 000 Kilogramm. Solche Weltentrümmer, die wir Meteoriten nennen und die nichts mit den Kometen gemeinsam haben, sondern aus fernen Räumen des Weltalls kommen, können unserer Erde sehr wohl einmal gefährlich werden! Ein kilometerlanges Stück einer solchen außerirdischen Masse könnte sehr wohl die Lebewesen des Erdballes in unheilvoller Weise gefährden. –
Der berühmte schwedische Physiker, Svante Arrhenius, ist der Meinung, daß sich aus Kometen und Meteoren neue Himmelskörper bilden können.
Der Anfang dieser Bildung scheint an einzelnen Stellen unseres Sonnenreiches sich in der Tat schon vollzogen zu haben, denn bei der Besprechung des Planeten Uranus hörten wir, daß man seine rückläufigen vier Monde für eingefangene kleine Planeten oder Kometen hält, die sich allmählich dann zur Kugelgestalt der Monde umformten! –
Da in unserer »aufgeklärt« sein wollenden Zeit es noch immer Leute gibt, die Angst und Furcht beim Erscheinen eines Kometen am Himmel befällt, so sei am Schluß dieses Kapitels nochmals darauf hingewiesen, daß diese Sorge ganz töricht und unserer Zeit unwürdig ist!
Nach allem, was die moderne Wissenschaft bis zur Stunde von diesen überaus schönen und großartigen Himmelserscheinungen, dem Kometen nämlich, – weiß, sind sie durchaus harmloser Natur!
Es sind »Vagabonden im Weltall«! Man traut einem Vagabonden auf Erden allerdings nicht viel Gutes zu. Das mag sein; aber irdisch-menschliche Verhältnisse passen nicht auf alle Dinge, vor allem sehr wenig auf die Gestirne am Firmamente.
Unsere Erde wird einmal zugrunde gehen! Darüber besteht kein Zweifel! Wir werden im letzten Kapitel dieses Buches darüber noch mehr hören; aber durch einen Kometen wird sie kaum enden. Gerade die Wiederkehr des großen »Halleyschen Kometen« im Jahre 1910 hat uns manchen und wichtigen Aufschluß hierüber und über die Natur dieser einst so gefürchteten und von den Menschen gehaßten Himmelslichter gegeben! –