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Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band cover

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band

Chapter 12: DR. KIRK UND DR. LIVINGSTONE.
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About This Book

Der Band berichtet von der Fortsetzung einer Afrikaexpedition, die über Sümpfe, Dschungel und Ebenen zum Tanganjikasee führt; er dokumentiert Jagden, Begegnungen mit Wildtieren, Krankheiten und schwierige Überquerungen sowie Verhandlungen und Konflikte mit einheimischen Gruppen. Ein zentraler Abschnitt schildert das Zusammentreffen mit Dr. Livingstone und die gemeinsame Fahrt auf dem See, mit hydrographischen Beobachtungen und Besuchen von Uferdörfern. Ergänzt werden geografische und ethnographische Bemerkungen; die Erzählung schließt mit der Rückreise, der Sicherung von Tagebüchern und Vorräten sowie Berichten über Stürme, Überschwemmungen und das Ende der Expedition.

DR. KIRK UND DR. LIVINGSTONE.

An den Redacteur des „Daily Telegraph“.

„68, Portsdown Road, Maida Vale, 25. Juli 1872.

Mein Herr! Mit grossem Interesse habe ich den Bericht Ihres Correspondenten über die Unterredung gelesen, die er gestern in Marseille mit Herrn Stanley, dem Auffinder des Herrn Dr. Livingstone, gehabt, und fühle mich berufen meinem Freunde, Dr. Kirk, beizustehen. Ich muss damit anfangen zu sagen, dass ich, falls in Zanzibar irgendeine Nachlässigkeit in Bezug auf die Mittheilungen an Dr. Livingstone stattgefunden hat, als der politische Agent und Ihrer Majestät Consul während der letzten fünf Jahre, einen Theil des Dr. Kirk zukommenden Tadels auf mich nehmen muss, da ich während der Zeit, wo ich auf meinem Posten war, d. h. länger als zwei Jahre, für alle an den Tag gelegte Lässigkeit verantwortlich bin.

Während meines ersten Aufenthalts in Zanzibar (vom Juni 1867 bis April 1869) glaubte man, wie Sie sich erinnern werden, dass Dr. Livingstone ermordet worden sei; es wurden daher, wenn überhaupt welche, doch nur sehr wenige Briefe für ihn nach Zanzibar geschickt. Wenigstens kann ich dafür garantiren, dass durch meine Hände während der ganzen Zeit kein einziger Brief an ihn gegangen ist.

In Uebereinstimmung mit Dr. Livingstone’s Bitte sandte ich in der Mitte des Jahres 1868 eine gewisse Anzahl von Vorräthen und Arzneien nach Udschidschi; weiss aber nicht, dass ihm irgendwelche Privatbriefe mit Ausnahme derer, die Dr. Kirk und ich ihm geschrieben, aus dem oben erwähnten Grunde geschickt worden sind. Bei einer frühern Gelegenheit hatte Dr. Seward über Kilwa Chinin und Vorräthe, die den Doctor in Udschidschi erwarten sollten, abgesandt. Bei diesen beiden Expeditionen wurde Dr. Kirk’s sehr werthvolle Unterstützung uns leicht zutheil, und ich muss hier für das grosse Interesse Zeugniss ablegen, das Dr. Kirk immer an allem genommen hat, was seinen Freund Dr. Livingstone betraf. Ich habe bei keiner Gelegenheit auch nur das geringste Zeichen von Eifersüchteleien seitens des Dr. Kirk wahrgenommen.

Nach meiner Abreise von Zanzibar im April 1869 hat Dr. Kirk noch eine aus vierzehn Leuten und einer grossen Karavane von Vorräthen bestehende Expedition organisirt und dem grossen Reisenden nach Udschidschi zugeschickt. Die Cholera kam dazwischen und hat dieselbe aufgehalten, sodass von den vierzehn Leuten nur sieben Unyanyembé erreicht haben. Hier scheinen die Uebriggebliebenen sich der Vorräthe bemächtigt zu haben. Hierfür kann aber doch Dr. Kirk nicht getadelt werden. Auch ist es noch immer besser, dass sie dies gethan, als dass sie die Erklärung abgegeben hätten, sie könnten aus Mangel an Subsistenzmitteln ihre Reise gar nicht weiter fortsetzen.

Bei meiner Rückkehr nach Zanzibar im August 1870 bereitete ich aus den reichen von Ihrer Majestät Regierung mir mitgegebenen Mitteln eine dritte Expedition vor und wählte andere Leute, welche das Land in der Umgegend von Udschidschi kannten, um die angeblich Verstorbenen zu ersetzen. Sie erhielten die Instruction, nach Udschidschi zu gehen und dort auf Dr. Livingstone zu warten. Der Weg war aber unsicher und keine Karavane wagte es, noch eine ganze Zeit lang nachdem die Expedition organisirt war, ins Innere des Landes vorzudringen; daher wurde sie in Bagamoyo aufgehalten; inzwischen reiste auch ich im December ab wegen Krankheit. Dies ist die Karavane, von der Herr Stanley sagt, dass sie Bagamoyo zwei Tage vor Dr. Kirk’s Besuch an der Küste mit dem Schiff “Columbine„ verlassen habe. Mit derselben wurden die Briefe und Packete, die ich für Dr. Livingstone nach Zanzibar gebracht, befördert. Kirk soll bei seinem Besuch in Bagamoyo vorzüglich die Jagd im Auge gehabt und die Karavane vollständig vernachlässigt haben; doch beweist Herrn Stanley’s eigene Behauptung, dass die Karavane schon aufgebrochen war, als Kirk nach Bagamoyo kam, und ein Dorf von 500 Einwohnern ist doch nicht so gross, dass er die Sachlage nicht in zehn Minuten hätte erfahren können. Wenn er also wirklich mit den Officieren der “Columbine„ auf die Jagd ging, so that er es im Bewusstsein, dass der Zweck seiner Reise nach Bagamoyo bereits erfüllt sei. Auch zeigt ja Herrn Stanley’s Behauptung, dass das blosse Gerücht von Dr. Kirk’s bevorstehender Ankunft die gute Wirkung hatte, die Karavane in Bewegung zu setzen.

Denjenigen, welche mit Zanzibar unbekannt sind, wird die Behauptung Stanley’s, dass ihn elf Packete ihm von Hause im Laufe von neun Monaten zugesandter Briefe in Udschidschi erreicht hätten, wogegen Livingstone in drei Jahren nicht einen einzigen Brief erhalten habe, sehr sonderbar erscheinen. Dazu kann ich aber die Erklärung geben, dass diese Packete wahrscheinlich zugleich mit dem Telegramm durch dieselbe Post in Zanzibar angekommen und nach Udschidschi durch einen und denselben Boten gesandt worden sind. Auch kann eine Karavane durch das Land ziehen, während es einer andern unmöglich wird ihren Bestimmungsort zu erreichen, und gerade der Kampf, der in Unyanyembé stattfand, an dem sich Herr Stanley betheiligte, kann den Weg für spätere Karavanen geebnet haben. Ich brauche mich übrigens nur auf Herrn Stanley’s eigene Abenteuer zu beziehen, um auf die Beschwerden hinzuweisen, denen bisweilen Karavanen auf ihrem Wege nach Udschidschi ausgesetzt sind; und wenn Dr. Livingstone andererseits keine Briefe erhalten hat, so kam dies, wie ich gezeigt habe, daher, dass ihm überhaupt keine Briefe geschrieben wurden, weil seine Freunde ihn für todt hielten.

Ich hoffe, Herr Stanley hat Dr. Kirk die Gelegenheit geboten sich zu rechtfertigen. Wie das aber auch sein mag, so habe ich es für meine Pflicht gehalten, hier hervorzutreten und das Publikum durch Ihre Spalten von den sympathischen und freundlichen Gesinnungen, welche Dr. Kirk stets für seinen alten Freund und Mitreisenden empfunden hat, zu unterrichten.

Ich bin, verehrter Herr,

Ihr gehorsamer Diener
HENRY A. CHURCHILL.“

Hier folge ein Brief, der Dr. Livingstone ein Lächeln abgewinnen wird ebenso wie dies bei mir der Fall war. Er stammt von dem „moralischen Idioten“ Scherif, dem Halbblutschneider, welcher aus dem Koran prophezeite, dass Dr. Livingstone todt sei, und auf diese Prophezeiung hin des Doctors Waaren gegen Elfenbein verkaufte.

(Mitgetheilt aus dem Auswärtigen Amt durch Lord Enfield.)

„Zanzibar, 10. März 1871.

Mylord!

Ich habe die Ehre, Ihnen in der Uebersetzung Abschriften von Briefen, die ich eben aus Udschidschi erhalten habe, zu übersenden, woraus ersichtlich, dass vor fünf Monaten Dr. Livingstone sich an einem Manakoso benannten Orte befand und Leute und Vorräthe, die ich ihm im letzten Jahre geschickt habe, erwartete, sowie dass diese ihn jetzt erreicht oder wenigstens von Udschidschi an den Ort, wo er sich befindet, abgesandt worden sind.

Da es jetzt Zeit ist die Briefe, die mit der gegenwärtigen Gelegenheit abgehen sollen, zu schliessen, bin ich nicht im Stande, bei den Arabern, die diese Länder kennen, Erkundigungen über die Lage der genannten Ortschaften einzuziehen, von denen ich jedoch vermuthe, dass sie sich im Westen des Sees befinden.

JOHN KIRK.“

(Uebersetzung.)

An den Consul Kirk von Scherif Bascheik bin Ahmed.

Ich habe Ihnen mitzutheilen, dass am 15. Schaban (10. November) ein Bote von dem Volke von Menama mit Briefen von den dortigen Arabern und einem von dem Doctor angekommen ist und dass diese Briefe vom 20. Rejib (15. October) datirt waren.

Als Antwort auf meine Fragen haben sie mir mitgetheilt, dass der Doctor gesund ist, obwol er leidend gewesen, und dass er sich zur Zeit mit Mohammed bin Gharib in der Stadt Manakoso befindet, wo er auf Karavanen wartet, da er ohne Hülfe und Mittel ist und nur wenig Begleiter, nämlich acht hat, sodass er nicht weiter ziehen oder hierher kommen kann.

Wir haben zwölf von unsern Leuten mit amerikanischen Tuchen, Kaniki, Perlen, Zucker, Kaffee, Salz, zwei paar Schuhen, Kugeln, Pulver, Seife und einer kleinen Flasche Medicin (Chinin) abgeschickt.

Alles was er braucht, haben wir ihm geschickt und ich bleibe in Udschidschi und warte auf seine Befehle.

Datirt den 20. Schaban 1287 (15. November 1870).

[Richtige Uebersetzung.]

JOHN KIRK.“

Aus den Protokollen der Königl. Geographischen Gesellschaft:

Sir Ruderick Murchison theilte mit, er habe einen Brief von Dr. Kirk vom 30. April 1871 erhalten, in welchem dieser die Mittheilung macht, er habe, obgleich kein Eingeborener von Zanzibar je in Manemeh (dem Ort, aus dem man zuletzt vom Dr. Livingstone etwas gehört) gewesen sei, doch festgestellt, dass er ungefähr eine Monatsreise, also etwa 200–300 engl. Meilen westlich vom Tanganika liegt und ein blühender Elfenbeinmarkt ist.

Dr. Kirk ist der Meinung, dass Livingstone dorthin gegangen sei, um einen westlich gelegenen See, in welchen die Gewässer von Cazembe flössen, von dem er gehört, zu untersuchen, und um festzustellen, ob sie nach Westen und in den Congo, oder nach Norden und in das Nilbecken laufen. Ferner hofft er, dass Livingstone, wenn er den Ausfluss des Tanganika festgestellt habe, sich zufrieden geben und die übrige Arbeit spätern Reisenden überlassen werde, da er mehr als fünf Jahre auf Reisen und gewiss sehr der Ruhe bedürftig sei.

Es ist sehr erfreulich zu hören, dass reichliche Vorräthe den Doctor bei seiner Rückkehr in Udschidschi erwarten.

Dr. Kirk fügt hinzu, er könne, da die Regenzeit bald vorüber sein wird, Briefe und Packete in ungefähr einem Monate nach Udschidschi, d. h. etwa zum 1. Juni befördern.

Der Vorsitzende sagte, er fände es etwas schwer zu glauben, dass fast 300 Meilen zwischen Manakoso und dem See Tanganika liegen sollen. Denn der Brief, den die mit den Vorräthen in Udschidschi beauftragten Araber von Livingstone erhalten, hätte nur 25 Tage gebraucht. Nun wäre aber die Durchschnittsschnelligkeit einer Reise in diesen Ländern nur 10 Meilen pro Tag, sodass nach der Zeit, die die Briefe gebraucht hätten, nur ein Zwischenraum von 250 Meilen, mit Einschluss der Fahrt über den See, zwischen Udschidschi und Manakoso liegen könne. Es sei übrigens doch sehr erfreulich zu hören, dass Livingstone sich nicht in einem unbekannten Kannibalenlande, wie früher angenommen, befände, sondern in einem blühenden Elfenbeinmarkt, zwischen welchem und der Seeküste beständige Handelsverbindung sei.

26. Juni 1871. Sir Henry Rawlinson sagte an diesem Tage in seiner Ansprache als Vorsitzender unter andern auf geographische Angelegenheiten bezüglichen Dingen folgendes:

Mit Rücksicht auf unsern andern grossen Afrikaforscher Livingstone befinden wir uns noch immer in einem Zustande der peinlichsten Ungewissheit. Wir erfahren aus den letzten Berichten des Dr. Kirk in Zanzibar, die von Mitte August datiren, dass die arabischen Kaufleute, mit denen Dr. Livingstone vom Süden nach Manyemeh gereist war, von diesem Orte nach Udschidschi gegangen seien und im Anfang des Monats Juni täglich in Unyanyembé erwartet würden. Von Livingstone selbst war jedoch in letzterer Zeit keine directe Kunde nach Zanzibar gelangt, sondern Dr. Kirk hatte nur auf seinen andauernden Aufenthalt in Manyemeh geschlossen. Die zweite für ihn bestimmte Sendung Vorräthe sei mittlerweile durch Unyanyembé nach Udschidschi befördert und Dr. Kirk erwartete ängstlich Nachrichten über die Ankunft des amerikanischen Reisenden Herrn Stanley an diesem Orte. Dieser Herr, der vom richtigen Forscher-Typus sein soll, hat das an der Küste belegene Bagamoyo im letzten Februar verlassen, um nach Udschidschi zu gehen, und wollte mit Livingstone zusammenkommen, ehe er weiter ins Innere ging, sodass wir binnen kurzem aus dieser, wenn nicht aus einer andern Quelle definitive Nachrichten über den jetzigen Zustand unseres grossen Reisenden und seine zukünftigen Plane bekommen müssen. Wer Herrn Stanley persönlich kennt, weiss viel von seinem entschlossenen Charakter und seiner Fähigkeit, in Afrika zu reisen, zu erzählen. Seine Expedition ist gut ausgerüstet worden, er erfreut sich des grossen Vortheils, Bombay, das wohlbekannte Factotum von Speke und Grant in seinen Dienst genommen zu haben. Ich kann noch hinzufügen, dass er nur von seinen eigenen Hülfsmitteln abhängt und, wie es scheint, von einer blossen Liebe zu Abenteuern und Entdeckungen getrieben wird, und brauche wol kaum zu sagen, dass er, wenn es ihm gelingt, uns Livingstone wiederzubringen oder ihm dabei behülflich zu sein, das grosse Problem des obern Wassersystems des Nils und Congos zu lösen, von dieser Gesellschaft ebenso herzlich und warm begrüsst werden wird, als wenn er ein englischer Forscher wäre, der unter unsern unmittelbaren Auspicien handelt.

Aus dem Vorhergehenden ersieht man, dass Sir Henry Rawlison an dem Tage sehr liebenswürdig von mir gesprochen hat.

Die nächsten Briefe, die über Livingstone und mich einliefen, sind vom 25. und 22. September 1871 und lauten folgendermassen:

„Zanzibar, 25. September 1871.

Lieber Sir Roderick!

Sie werden aus dem ans Auswärtige Amt gerichteten Berichte ersehen, dass Schwierigkeiten in Unyamwezi entstanden sind, welche Udschidschi von der Küste abgeschnitten haben, und da wir von Udschidschi schon einige Zeit keine Nachrichten bekommen haben, so können wir noch lange warten, ehe wir Gewissheit über Dr. Livingstone’s Bewegungen erhalten.

Alles was ich sagen kann ist, dass mir Berichte aus jenem Orte fehlen; weder er noch sein arabischer Freund Mohammed bin Gharib war daselbst angekommen; aber es gab ein Gerücht, das ich für werthlos halte, dass sie beide über Wemba um das südliche Ende herumgehen würden.

Ich kann noch keine genauen Nachrichten über Manyema erhalten; ein jeder kennt es, doch ist, wie ich finde, noch keiner dort gewesen. Ich habe Leute gesehen, die von Udschidschi aus über den Tanganika gesetzt sind und Karavanen sich auf die Reise nach Manyema haben begeben sehen, doch scheint es ein ziemlich neuer, ungewöhnlicher Handelsweg zu sein.

Ich freue mich, dass der Gouverneur von Unyanyembé von seinem Posten entfernt werden soll; er ist es, gegen den der Krieg dort geführt worden und wenn er getödtet wäre, würden wir alle zufriedener sein.

Herr Stanley war in Unyanyembé und im Kampf, die Araber aber haben ihn im Stiche gelassen; vier von seinen Leuten wurden getödtet, er selbst entkam aber. Die Aussicht, dass er jetzt weiter gehen kann, ist gering; doch kann ich wirklich nicht sagen, wo er hingehen will; denn er hat seine Plane hier niemandem mitgetheilt. Ich habe Briefe an Dr. Livingstone an Stanley zur Weiterbeförderung geschickt und diesem auch die Sachen für Livingstone (die von der zweiten Sendung nämlich, denn die erste hat Udschidschi schon erreicht) anvertraut.

Ich glaube, er wird es sich angelegen sein lassen, zuerst mit Livingstone zusammenzutreffen; ob er aber, nachdem er selbst gesehen, was sich am besten thun lässt, weiter gehen oder zurückkehren wird, kann ich nicht sagen. Er lag am Fieber krank, als er schrieb, ist aber wieder leidlich wohl geworden.

Die Leute, welche hier angekommen sind, kehren morgen wieder zurück und sollten in 25 Tagen da sein, denn der Weg ist schön und Gras und Nahrungsmittel sind in Fülle vorhanden.

Ihr aufrichtig ergebener

JOHN KIRK.“

„Zanzibar, 22. September 1871.

Mylord!

Soeben durch Spezialboten, die Unyanyembé vor etwa einem Monat verlassen haben, empfangene Briefe bringen uns die Nachricht von einem schweren Unglück, das der dortigen arabischen Colonie zugestossen ist und wahrscheinlich den Weg nach Udschidschi und Karague für die nächste Zukunft versperren wird.

In Bezug auf die Hauptereignisse stimmen alle Berichte überein; aber natürlich sind die Briefe Herrn Stanley’s, eines Amerikaners, der sich an Ort und Stelle befand, die ausführlichsten und zuverlässigsten. Ich verdanke Herrn Webb, dem hiesigen amerikanischen Consul, einige Einzelheiten, die in diesen Briefen erzählt werden, welche ohne Zweifel anderswo in extenso werden veröffentlicht werden. In Kürze ist die Lage folgende: Die arabische Colonie des Innern, deren Mittelpunkt Unyanyembé ist, hat seit einiger Zeit unter der Führung von habgierigen, grundsatzlosen Leuten gestanden, deren sowol an Eingeborenen wie an den ärmeren Arabern verübten Erpressungen seit einiger Zeit Gegenstand von Klagen bei Seyd Barghasch geworden sind, welcher ausser Stande ist, sich bei einer solchen Entfernung in die Dinge zu mischen, solange dieselben für die Araber gut gehen. Ein Häuptling, dessen Dorf eine Tagereise auf der Hauptstrasse von Udschidschi nach Karague entfernt liegt, zog sich die Ungnade der Unyanyembé’schen Ansiedler zu und sein Wohnsitz wurde darauf durch eine Truppenmacht von etwa 1500 mit Flinten bewaffneten Soldaten angegriffen. Da er einsah, dass er das belagerte Dorf nicht halten könne, zog er sich mit seinem Gefolge zurück und legte sich in einen Hinterhalt, um die Angreifer auf ihrem Rückzuge zu überfallen, wo sie mit Elfenbein und anderer Beute beladen waren. Der Erfolg war für die Araber sehr unglücklich; viele derselben wurden getödtet mit Einschluss von 10 oder 20 Vornehmen, die guten hiesigen Familien angehören. Der arabische Rückzug artete bald in eine wilde Flucht aus und es ging dabei viel Vermögen verloren. Glücklicherweise gelang es Herrn Stanley, der am Fieber erkrankt und geschwächt war, nach Unyanyembé zurückzukehren; er wurde aber von den Arabern im Stich gelassen, deren Betragen er als ungemein feig schildert.

Das ist beständig der Zustand der Dinge in Central-Afrika. Der Weg nach Udschidschi wird jetzt auf einige Zeit versperrt sein und es ist sehr ungewiss, wann wir wieder etwas von Dr. Livingstone hören können. Einer der Leute, die jetzt hergekommen sind, berichtet, dass ein Gerücht im Umlauf sei, Mahomed bin Gharib und der Weisse (Dr. Livingstone) würden von Manyema über Marungu und Wemba zurückkommen. Das Gerücht ist jedoch, meines Erachtens, nichts werth, doch kann ich es immerhin erwähnen.

Die letzten von Herrn Churchill abgesandten Gegenstände haben Unyanyembé, wie ich schon früher berichtet, erreicht. Jetzt erfahre ich jedoch, dass der Führer, dem sie anvertraut worden, am Tage nachdem er nach Udschidschi abgezogen, gestorben ist und die Güter nach Unyanyembé zurückgebracht worden sind. Ich habe jetzt wenig Zutrauen zu dem Scheikh Said bin Salim und werde Herrn Stanley schreiben, der bisher wol nicht im Stande gewesen sein wird, den Ort zu verlassen, und ihn bevollmächtigen, Einrichtungen zu treffen, die Güter zu befördern oder, wenn er das nicht kann, für mich nach seinem besten Urtheil zu handeln, um dieselben vor Plünderung zu schützen; bei dem jetzigen Stande der Dinge aber wird es ein sehr grosses Glück sein, wenn sie überhaupt gerettet werden und je ihren Bestimmungsort erreichen.

Die Boten werden sich in ein paar Tagen auf ihren Rückweg machen und sollten im Stande sein, ihre Reise bequem in 70–75 Tagen zu vollenden, denn der Weg ist so weit frei und Nahrungsmittel reichlich vorhanden.

Für den arabischen Elfenbeinhandel ist die jetzige Lage der Dinge sehr ernst; sie haben sich jetzt weit im Innern niedergelassen und sich mit Tausenden von Sklaven, die aus dem Lande selbst sind, umgeben; ohne diese können sie nicht auskommen und doch können sie ihnen nicht Vertrauen schenken, denn sie sind alle bewaffnet und können sich gegen ihre Herren wenden.

Der Häuptling, mit dem sie Krieg führen, ist mit Waffen wohl versehen und eine seiner Karavanen befindet sich jetzt mit mehreren hundert Fässern Pulver auf dem Wege ins Innere. Um diese Leute auf ihrer Reise anzuhalten, haben die Wasagara bereits den Befehl erhalten, sie anzugreifen und zu plündern; das kann jedoch auch nur der Anfang ähnlicher Angriffe auf arabische Karavanen sein, denn die wilden Stämme werden sich wenig darum kümmern, wen sie angreifen, wenn man sie erst zum Plündern ermuthigt hat.

Ich habe die Ehre u. s. w.

JOHN KIRK,
politischer Agent und Consul für Zanzibar.

An Earl Granville.

Kapitän R. F. Burton theilte mit, dies sei nicht das erste mal, dass Unfriede zwischen den arabischen Handelsgemeinschaften und den Eingeborenen von Unyanyembé und Unyamwezi ausgebrochen sei. Der jetzige Stand der Dinge könne noch 2–3 Jahre anhalten; wenn aber Livingstone es zu vermeiden wünsche, durch diesen Bezirk zu ziehen, so würde es keine Schwierigkeiten für ihn haben, seinen Rückweg südlich vom See Tanganika zu nehmen. Zu gleicher Zeit würde ein muthiger Weisser, wie Livingstone, der die Sprache der Eingeborenen spricht, im Stande sein, sicher durch Ortschaften zu ziehen, in welche sich kein Schwarzer hineinwagen darf. Er habe nicht die geringste Furcht in Bezug auf Livingstone, sondern sei davon überzeugt, dass im Augenblicke, wo ihm irgend etwas geschähe, die Nachricht sich sofort an die Küste verbreiten und der Gesellschaft fast so rasch wie durch den Telegraphen zukommen würde.

27. November. Sir Henry Rawlinson zeigt an, dass er der Versammlung eine Mittheilung über einen andern Gegenstand, an dem die Geographische Gesellschaft ein ebenso warmes Interesse nehme, nämlich über Dr. Livingstone zu machen habe. Bei der letzten Versammlung habe er Veranlassung gehabt, Briefe, die von Dr. Kirk an unsern hochgeehrten verstorbenen Vorsitzenden und an die Regierung von Bombay geschickt worden, vorzulesen, in denen er Unruhen beschrieben,

welche zufällig in Afrika ausgebrochen und die Verbindung zwischen der Meeresküste und dem See Tanganika unterbrochen hätten. Ueber denselben Gegenstand hätte das Auswärtige Amt eine Depesche von Dr. Kirk seitdem erhalten, ein Duplicat einer früher gelesenen, an die Regierung von Bombay gerichteten Depesche. Er wünsche jetzt die Massregeln anzukündigen, die der Vorstand am heutigen Tage infolge des Empfangs dieser Briefe beantragt habe. Dem Vorstande und ihm selbst schiene es jetzt, dass die bisher gehegte Hoffnung, durch Herrn Stanley, den amerikanischen Reisenden, mit Dr. Livingstone in Beziehung zu treten, aufzugeben sei und daher sei es Pflicht des Vorstandes, auf andere Mittel zu sinnen, dies zu erreichen. Er beabsichtige jetzt, sich an das Auswärtige Amt zu wenden, damit entweder direct von diesem oder durch Zusammenwirken desselben und unserer Gesellschaft Mittel geschafft würden, mit dem Innern, wo sich Livingstone vermuthlich aufhielte, in Verbindung zu gelangen. Der eine Plan bestände darin, eingeborene Boten abzusenden, denen man eine Belohnung von 100 Guineen für das Ueberbringen eines eigenhändigen Briefes von Dr. Livingstone an die Seeküste aussetze; der andere von einem unserer Afrikareisenden herrührende Vorschlag laute, eine directe, von einem erfahrenen, dazu geeigneten Europäer geleitete Expedition hinzuschicken. Welcher von diesen Plänen am räthlichsten erscheine, werde vom Resultat der Unterhandlung mit dem Auswärtigen Amt abhängen; die Gesellschaft könne aber versichert sein, dass der Vorstand kein Mittel unversucht lassen werde, festzustellen, ob Dr. Livingstone in Manyema zurückgehalten werde, wo er den Berichten zufolge zusammen mit dem arabischen Händler Mohammed bin Gharib so lange gelebt haben soll.

Herr Hormuzd Rassam sprach auf eine an ihn gerichtete Anfrage seine Meinung dahin aus, dass nach seinen Erfahrungen in Abessinien die beste Art, Nachrichten über entfernte Individuen zu bekommen, diejenige sei, Eingeborene als Boten auszuschicken. Bei drei verschiedenen Gelegenheiten habe er sich dieser Methode bedient, von Massowah aus mit den Gefangenen von Magdala in Verbindung zu treten. Er habe drei verschiedene Boten gebraucht, einen christlichen, einen mohammedanischen und einen Eingeborenen von Westabessinien. Diese habe er auf verschiedenen Routen abgesandt und sei vollkommen überzeugt gewesen, dass der eine von den Bewegungen der andern nichts gewusst habe. Zwar habe einer derselben einen selbstfabrizirten Brief zurückgebracht; die beiden andern aber seien etwa zehn Tage vor der verabredeten Zeit mit authentischen Nachrichten zurückgekehrt. Einige in Muscat lebende Araber, die bis an den Tanganika-See gereist seien, hätten versichert, man könne, mit Perlen und andern Tauschartikeln gehörig versehen, ohne Schwierigkeiten hin- und zurückreisen.

General Rigby war der Ueberzeugung, dass der von Herrn Rassam empfohlene Plan vollständig misglücken werde. Zwar könnten in Abessinien einzelne Reisende von einem entfernten Punkte des Landes an einen andern reisen, aber auf der Ostküste Afrikas sei dies unmöglich. Dort müssten alle Reisende von durch Bewaffnete geschützten Karavanen begleitet werden. Nur Handelskaravanen machten die Reisen an die Seen und diesen wäre es ganz gleichgültig, wie viel Zeit sie darauf verwendeten; wenn die Gesellschaft sich darauf verliesse, dass ein einzelner Eingeborener sich einer Karavane anschlösse und darauf warte, bis er mit einer andern zurückkehren könne, so könnte sie wol fünf Jahre oder noch länger warten. Er sei überzeugt, dass der einzige Weg, sich mit Livingstone in Verbindung zu setzen und ihm Hülfe zu bringen, darin bestehe, einen unternehmenden englischen Reisenden von Zanzibar mit einer kleinen bewaffneten Truppe und ausreichenden Vorräthen abzusenden.

Herr Rassam wollte nur noch hinzufügen, dass er durch Boten mit Häuptlingen in den entfernten Galla-Ländern in Verbindung getreten sei, die man nur durch eine Reise von 30–40 Tagen habe erreichen können. Seiner Meinung nach werde es nichts schaden, wenn man beide Pläne versuchte.

Der Vorsitzende theilte mit, der Vorstand habe sich entschlossen, zuerst den Versuch mit den eingeborenen Boten zu machen und wenn dies misglückt sei, könnten sie das ernstere Unternehmen einer Expedition in Angriff nehmen.

Die folgende Correspondenz, welche auf die an Dr. Livingstone gesandten Vorräthe Bezug hat, ist vom Auswärtigen Amt veröffentlicht worden:

DR. LIVINGSTONE AN DR. KIRK.

„Udschidschi, 30. October 1871.

Mein Herr!

Am 25. und 28. habe ich Ihnen zwei eilige Briefe gesandt, welche (der eine für Sie, der andere für Lord Clarendon bestimmt) nach Unyanyembé befördert worden sind. Ich war gerade hier ganz abgemattet an Geist und Körper angekommen, als ich fand, dass Ihr Agent Scherif Bascha alle von Ihnen geschickten Waaren zu eigenen Gunsten für Sklaven und Elfenbein verkauft hatte. Er hatte den Koran um Rath gefragt und herausgefunden, dass ich todt sei. Auch schrieb er an den Gouverneur von Unyanyembé, er habe Sklaven nach Manyema gesandt, die mit dem Berichte zurückgekehrt seien, ich sei todt; er erbat sich deshalb vom Gouverneur die Erlaubniss, die Waaren zu verkaufen. Scherif Bascha wusste jedoch von Leuten, die aus Manyema von mir gekommen waren, dass ich in der Nähe von Udschidschi in Bambarre sei und auf ihn und meine Güter warte. Als aber meine Freunde hier gegen den Verkauf meiner Waaren protestirten, antwortete er ihnen jedesmal: “Ihr wisst nichts über die Angelegenheit; ich allein weiss, dass der Consul mir den Auftrag gegeben hat, einen Monat in Udschidschi zu bleiben und dann die Sachen zu verkaufen und zurückzukehren.„ Als ich ankam, sagte er, Ludha hätte ihm das befohlen. Von den Banyanischen Sklaven, die Sie hergeschickt, erfahre ich, dass sich Ludha an Ali bin Salim bin Raschid, eine notorisch unehrliche Persönlichkeit, gewandt und dieser ihm Scherif Bascha als Führer der Karavane anempfohlen habe. Kaum hatte dieser den Oberbefehl erhalten, so begab er sich zu Muhamad Nassur, der ihn mit 20 Kisten Seife und 8 Kisten Branntwein versah, die er im Einzelverkauf auf der Reise ins Innere losschlagen sollte. In Bagamoyo bekam Scherif eine Menge Opium und Schiesspulver von zwei dortigen Banyanen, deren Namen mir unbekannt sind. In ihrem Hause öffnete Scherif die Seifenkisten und steckte ihren Inhalt in meine Ballen; die Branntweinkisten liess er uneröffnet und brauchte Pagazi, die aus meinen Ballen bezahlt wurden, zum Transport des Opiums und des Schiesspulvers. Die Banyanen und Scherif hatten also ihre eigenen Handelsspeculationen verfolgt, anstatt die Beziehungen zwischen zwei Regierungsbeamten zu vermitteln und von da ab wurden alle Reiseausgaben aus meinen Vorräthen bezahlt und Scherif war im Stande, seinen Mitschuldigen 5 Frasilehs Elfenbein im Werthe von etwa 60 Pfd. Sterl. aus Unyanyembé zu schicken. Wiederum wurden die Pagazi von mir bezahlt. Er beeilte sich keineswegs, mir zu Hülfe zu kommen, sondern brachte 14 Monate auf der Reise zu, auf einer Entfernung, die man in drei Monaten hätte zurücklegen können. Wenn man zwei Monate Aufenthalt durch Krankheit abzieht, so bleiben noch 12 Monate, von denen neun den Privatinteressen der Banyanen und des Scherif gewidmet waren. Er hat meine Güter verprasst, indem er sich das Beste an Speise und Trank, was das Land darbietet, kaufte; er hat in meinem Zelte gewohnt, bis es so verfault und zerrissen war, dass ich es nicht ein einziges mal brauchen konnte; er hat sich zwei Monate an drei verschiedenen Orten aufgehalten, um Branntwein, Opium, Schiesspulver und Seife zu verkaufen und als dies geschehen war wollte er, nachdem er in Udschidschi angekommen, nicht weiter ziehen. Hier wird allgemein berichtet, er sei einen ganzen Monat betrunken gewesen, und alles Durra, Pombé und den Palmwein hat er mit meinen schönen Samsam-Perlen gekauft. Er hat 24 Meter Calicot monatlich für sich, 8 Meter für jeden seiner zwei Sklaven, 8 Meter für seine Frau und 8 Meter für Awathe, den zweiten Führer, verausgabt. Als er mir die sieben Banyanen, von Ludha gemiethete Sklaven, nach Bambarre schickte, bewilligte er mir nur zwei Frasilehs der gröbsten Perlen, die er offenbar für meine schönen Samsam eingetauscht hatte, ein paar Stücke Calicot und aus Gnade und Barmherzigkeit die Hälfte des Kaffees und Zuckers. Die Sklaven kamen ohne Lasten. Schliesslich ging Scherif soweit, wie bereits berichtet, alles mit Ausnahme der andern Hälfte des Kaffees und Zuckers und eines Bündels unverkäuflicher Perlen sowie von vier Stücken Calicot zu verkaufen. Er zog von hier fort, deponirte jedoch, da er von Unruhen hörte, die in Unyanyembé ausgebrochen, sein Elfenbein in einem nahe belegenen Dorfe, kam zurück, nahm sich die vier Stück Calicot, und ich habe von all dem schönen Calicot und den Perlen, die Sie mir zugesandt, nicht einen Meter oder eine einzige Reihe Perlen bekommen. Awathe, der zweite gemiethete Führer, schaute dem von Scherif verübten Raube von der Küste an zu und hat nie dagegen Einspruch erhoben oder einen Bericht darüber an seinen Miethsherrn erstattet. Vor Ihnen hat er sorgfältig ein Leiden verborgen, welches ihn daran verhinderte, mir auch nur einen Dienst zu leisten. Er hatte nämlich einen Bruch lange, ehe er gemiethet worden, und mir hat er gesagt, dass die grosse Fleischgeschwulst plötzlich bei seiner Ankunft in Udschidschi entstanden sei. Es ist kein Wasserbruch, sondern Fleischbruch und seine eigene Erzählung beweist, dass der Schmerz, den er simulirte, ganz aufgehört hatte, als sich einer meiner Freunde, Dugumbe, dazu erbot, ihn in kurzen, bequemen Tagereisen zu mir zu führen. Er schlug dies aus, da er glaubt, die Banyanen hätten so viel Macht über uns, dass er seinen vollen Lohn für die ganze Zeit, in der er meine Waaren verzehrt hat, bezahlt bekommen werde, obwol er ausser Stande war, seinen Dienst zu versehen. Dugumbe erbot sich auch, ein Packet Briefe, das dem Scherif als meinem Agenten übergeben worden, mir zu bringen; als er ihm aber mittheilte, er sei im Begriff, sich auf die Reise zu machen, kam nichts zum Vorschein. Das Packet ist wol zerstört worden, damit ich nicht die Liste von Waaren zu sehen bekäme, die Sie mir durch einen gewissen Hassani nach Unyanyembé geschickt haben. Indem ich mich gebührenderweise Ihrem Urtheil unterwerfe, fordere ich doch alle dadurch entstandenen Ausgaben, wie sie in Ludha’s Büchern enthalten sind, von den Banyanen zurück, die betrügerischerweise aus einer Karavane, die mir Hülfe bringen sollte, ein Mittel gemacht haben, um ihre eigene Geldgier zu befriedigen. Muhamad Nassur kann die Namen der übrigen banyanischen Mitschuldigen Scherif’s angeben, welche es zugelassen haben, dass die mir zugedachte Hülfe in eine Speculation verwandelt worden ist; sie sollten die von Ludha mitgeschickten Sklaven bezahlen und sich ihre Auslagen von Scherif wiedergeben lassen. Ich berichte diesen Fall sowol an die Regierung Ihrer Majestät, als an Sie und glaube, dass Sie dadurch besser im Stande sein werden, dafür zu sorgen, dass mir Gerechtigkeit widerfahre und den Banyanen Scherif und Awathe sowie den banyanischen Sklaven, welche mich, anstatt den in Ihrer Gegenwart eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, in aller Weise schikanirt und gehindert haben, die gebührende Strafe zutheil werde. Indem Sie die Angelegenheit meiner Vorräthe und Leute dem Banyanen Ludha anvertraut haben, scheinen Sie nicht gewusst zu haben, dass unsere Regierung ihren Beamten verbietet, Sklaven zu benutzen. Der Commissar und Consul in Loanda auf der Westküste hat nach dem fernen St. Helena geschickt, um ziemlich dumme Diener zu bekommen, nur damit er sich nicht die Ungnade des Auswärtigen Amtes dadurch zuziehe, dass er geschickte portugiesische Sklaven, die zur Hand waren, benutze. Unter den sehr schwierigen Verhältnissen, von denen Sie reden, da die Cholera wüthete und Sie weder meine bereits übermittelten Instructionen, freie Leute und nicht Sklaven zu miethen, noch die in dem verlorenen Packete enthaltenen Geldanweisungen erhalten hatten, war es vielleicht am einfachsten, sich an Ludha zu wenden; ich hoffe indess, Sie werden mich nicht für undankbar halten, wenn ich darauf hinweise, dass dies doch ein grosser Irrthum war. Ludha ist zwar höflich, aber der Sklavenhandel und fast jeder andere Handel wird hauptsächlich durch das Geld der Banyanen vermittelt, die britische Unterthanen sind und den grössten Theil des Profits empfangen, es aber verstehen, das Odium der Sklaverei geschickt auf die Araber zu wälzen. Sie hassen uns Engländer und freuen sich mehr, wenn uns etwas misglückt, als wenn es gelingt. Ludha hat seine eigenen und andere banyanischen Sklaven zum Jahreslohne von 60 Dollars hergeschickt, während die gewöhnliche Bezahlung für Freie aus Zanzibar 25–30 Dollars beträgt. Er wird enorme Interessen für das vorgeschossene Geld verlangen, angeblich 20–25 Procent, und selbst wenn Scherif’s Behauptung, dass Ludha ihm befohlen, nicht weiter als nach Udschidschi zu gehen, sondern nach einem Monat alles zu verkaufen und zurückzukehren, vollständig unwahr wäre, so ist es doch sehr merkwürdig, dass jeder der banyanischen Sklaven es aufs bestimmteste behauptete, dass sie mir nicht folgen, sondern mich zur Umkehr zwingen sollten. Ueber Leute, welche wussten, dass sie ihr Gehalt nicht weiter beziehen würden, hatte ich natürlich keinen Einfluss. Es ist auch sehr merkwürdig, dass die Zwecke Ihrer Karavanen so vollständig durch Banyanen, die fast unter dem Schatten des Consulats mit Scherif unter einer Decke stecken, vereitelt werden können und Ihnen weder ein Dragoman, noch andere Ihrer besoldeten Untergebenen das anzeigt. Diesen konnte doch der Charakter des Ali bin Salim bin Raschid und seines Gefährten Scherif kaum unbekannt sein. Wie kann man sie aber ohne glaubwürdige Zeugnisse in Dienst nehmen?

Ihr ergebenster

DAVID LIVINGSTONE.“

Nachschrift.

16. November 1871.

„Ich bedauere es sehr, dass ich gezwungen bin, Ihnen den vorstehenden sehr unliebsamen Gegenstand vorzutragen; ich habe aber soeben Nachrichten und Briefe erhalten, welche die Sache doppelt ernst erscheinen lassen. Herr Churchill hat mich durch einen Brief vom September 1870 benachrichtigt, dass Ihrer Majestät Regierung mir gütigst eine Unterstützung von 1000 Pfd. Sterl. geschickt hat. Zuerst seien Schwierigkeiten entstanden, Sachen im Werthe von 500 Pfd. Sterl. abzusenden; zu Anfang November jedoch sei dies möglich geworden. Wiederum aber haben Sie Sklaven gemiethet und einer derselben erzählt mir jetzt, dass sie vier Monate oder bis zum Ende des Februar 1871 in Bagamoyo liegen geblieben sind. Niemand hat sich während der ganzen Zeit um sie bekümmert. Als aber ein Gerücht zu ihnen drang, dass der Consul käme, beeilten sie sich abzureisen, zwei Tage vor Ihrer Ankunft, welche gar nicht mit ihren Angelegenheiten zusammenhing, sondern durch eine Reise in Ihrem eigenen Privatinteresse bedingt gewesen sei. Diese Sklaven kamen im vorigen Mai nach Unyanyembé, dort sei, nach ihrem Berichte, der Krieg im Juli ausgebrochen, und dies gab ihnen einen guten Vorwand, dort zu bleiben. Damit ist ein ganzes Jahr verstrichen, in welchem 500 Pfd. Sterl., welche die Regierung mir zugeschickt hat, dazu verwendet worden, Sklaven ein gutes Leben zu bereiten. Wie der Mann, der in Versuchung gerieth, zu verzweifeln, als er die Photographie seiner Frau zerbrochen hatte, möchte ich fast die Hoffnung aufgeben, jemals aus Zanzibar Hülfe zu bekommen, um den noch übrigen kleinen Rest meiner Aufgabe zu lösen. Ich brauche freie Menschen, nicht Sklaven, und solche sind in Zanzibar in Masse zu haben. Wenn aber die Sache dem Ludha, anstatt einem energischen, von Ihrem Dragoman oder andern Beamten überwachten Araber anvertraut wird, so kann ich noch zwanzig Jahre warten und Ihre Sklaven können sich lustig machen ohne ihre Pflicht zu thun.“

DR. LIVINGSTONE AN DR. KIRK.

„Unyanyembé, 20. Februar 1872.

Mein lieber Kirk!

Da ich mir durch Herrn Stanley 50 Freie aus Zanzibar kommen lasse, um im Stande zu sein, meine Aufgabe zu Ende zu führen, so bitte ich Sie, Ihren Einfluss beim Sultan zu meinen Gunsten zu verwerthen, damit dieser mir einen tüchtigen Führer verschaffe, der sie rasch herbringt und bei mir bleibt, bis ich meine Arbeit zu Ende geführt; und zwar muss es ein Mann von gutem Charakter sein, der gern für mich arbeitet und auf keinen Fall meine Expedition mit seinen Privatspeculationen heimsucht. Diesen Punkt muss man ihm deutlich auseinandersetzen. Wenn er aber ein guter energischer Führer ist, so werde ich ihm, sobald wir in das Land kommen, wo es viel Elfenbein gibt, dafür eine reichliche Belohnung zutheil werden lassen, obwol er die Reise auf meine Kosten gemacht hat. Wenn derselbe früher mit einer Karavane gereist ist, so wird er die Pflichten kennen, die er dem Haupte derselben schuldet. Bei seiner Ankunft hier werden wir aus der Weise, in welcher er Herrn Stanley’s Befehlen in Bezug auf die Leute und Esel nachgekommen ist, ersehen, ob er sich dazu eignet, mich weiter zu begleiten. Seine Pflicht ist, wie Sie andern sehr richtig gesagt haben, die ihm ertheilten Befehle auszuführen und darauf zu sehen, dass die andern dasselbe thun, ohne Rücksicht auf die Sitten oder Gewohnheiten anderer Karavanen. Ich wünsche, dass Sie Herrn Henry M. Stanley die Summe von 500 Pfd. Sterl. von dem Gelde geben, das Ihnen zu meinem Nutzen von Ihrer Majestät Regierung übermittelt worden, damit er dasselbe für mich verwende, und Sie werden seine Empfangsbescheinigung als ausreichendes Anerkenntniss meinerseits annehmen. Er weiss, was ich an Leuten und Waaren nöthig habe, und ich bin überzeugt, dass Sie Ihren ganzen consularischen Einfluss darauf verwenden werden, ihm das zu verschaffen, was ich brauche und die Expedition möglichst rasch ins Innere zu befördern. Wenn Sie zwei Briefe, die hastig am 28. October 1871, gleich nachdem ich in Udschidschi angekommen, geschrieben wurden, nämlich einen an Sie, den zweiten an Lord Clarendon gerichteten, nicht erhalten haben, so haben Sie sich vielleicht dazu verleiten lassen, wieder banyanische oder andere Sklaven statt freier Leute zu miethen. Zaudern Sie jetzt aber nicht, sondern seien Sie so gut, sie sofort wieder zu entlassen, mag es kosten, was es wolle. Ich habe Herrn Stanley einen Wechsel auf Bombay mitgegeben für den Fall, dass Sie alles Geld, das Ihnen von der Regierung übersandt worden, verausgabt haben. Sklaven sollen mir durchaus nicht geschickt werden, denn alle, die ich bisher gehabt, kamen hier von der Idee erfüllt an, dass sie mich nicht begleiten, sondern zur Rückkehr zwingen sollten und sie beschworen es (fälschlicherweise natürlich), dass Sie, der Consul, ihnen diese Instruction ertheilt hätten. Ich schliesse eine Quittung für einen Taschenchronometer ein, den mir vielleicht der Kapitän eines Kriegsschiffes leihen kann, ohne dass er ihn für sein eigenes Schiff entbehrt. Ehe ich hiervon und von Geldangelegenheiten zu sprechen aufhöre, möchte ich nur noch hinzufügen, dass Eile von grösster Wichtigkeit ist und dass, wenn Ihnen irgendeine andere Methode, rasch Geld zu bekommen, einfällt, z. B. von Herrn Young oder von meinen Bankiers Coutts und Comp., so bitte ich Sie, dieselbe einzuschlagen. Ich verpflichte mich hierdurch, das Ganze sofort durch einen Wechsel zu berichtigen, wenn Herrn Stanley’s Leute Unyanyembé erreichen. Aus einigen von Herrn Webb an Herrn Stanley gesandten Zeitungen ersehe ich, dass Sie der Meinung sind, dass Waaren und Packete, die Sie Banyanen mitgeben, in etwa einem Monat Udschidschi erreichen können. Der Kasten aber, den Sie verpackt haben, war ungefähr vier Jahre unterwegs. Waaren und wahrscheinlich auch Briefe, die mir durch einen gewissen Hassain hergeschickt worden, sind ganz und gar verschwunden. Durch Scherif mir übersandte Briefe waren vierzehn Monate unterwegs nach Udschidschi und ein Packet davon war vernichtet. Alle Güter sind für Sklaven und Elfenbein verkauft worden. Irrthümlicherweise haben Sie Earl Granville veranlasst, im Hause der Lords zu sagen, dass alle meine Bedürfnisse befriedigt seien. Ich brauche mich nicht weitläufiger darauf einzulassen, sondern es genügt wol, wenn ich Ihnen einen kurzen Ueberblick der Schicksale der durch Ludha und seine Sklaven mir zugekommenen Vorräthe gebe. Die Briefe befanden sich vierzehn Monate unterwegs nach Udschidschi und sind überhaupt nur dadurch hergekommen, dass Herr Stanley sie zufälligerweise zu sehen bekam und mir mitbrachte. Die von Ihnen gesandten Sklaven wollten ihn nicht nach Udschidschi begleiten. Warum hat man sie alle so instruirt, dass sie mir nicht folgen? Sie haben mir erzählt, dass sie sich vier Monate in Bagamoyo aufgehalten haben. Dort verschwanden drei Beutel Perlen und ein Ballen Tuch; dann verprassten die beiden Führer meine Güter hier. Der eine ist an den Pocken gestorben und der noch am Leben befindliche Athman hat am hellen Tage die Riegel und Schlüssel von Herrn Stanley’s Vorrathshaus zerbrochen und ihm Güter gestohlen. Er ist entlassen.

Ich bin u. s. w.

DAVID LIVINGSTONE,
Ihrer Majestät Consul in Inner-Afrika.“

DR. KIRK AN EARL GRANVILLE.

„Zanzibar, 9. Mai 1872.

Ich habe die Ehre zu melden, dass gestern Herr Stanley, dessen bevorstehende Ankunft ich bereits angekündigt habe, nach Zanzibar gekommen und mir Briefe von Dr. Livingstone übergeben hat, von denen ich hierbei Copien übersende. Da Dr. Livingstone es geflissentlich vermeidet, auch nur Andeutungen von seinen während der letzten drei Jahre, wo er nichts von sich hat hören lassen, ausgeführten Arbeiten zu geben und ebensowenig etwas von den neuen Forschungen mittheilt, die er vor hat und für welche er durch Herrn Stanley 50 Bewaffnete verlangt und eine Ausgabe von 500 Pfd. Sterl. veranlasst, so muss ich es Herrn Stanley überlassen, dem das Geheimniss anvertraut worden, es in der Weise, wie es den Interessen seines Auftraggebers am besten passt, bekannt zu machen. Herrn Stanley sind Dr. Livingstone’s Tagebuch und seine sämmtlichen Notizen anvertraut worden mit dem speciellen Befehle, nichts über seine Route oder seine Pläne hier kund werden zu lassen; und Briefe, die früher geschrieben wurden und einige Nachrichten enthielten, sind entweder unterdrückt worden oder verloren gegangen. Der Rest von den durch die Regierung bewilligten 1000 Pfd. Sterl., welche Eure Lordschaft Herrn Churchill übergeben hat, ist schon auf Ihren Befehl der Expedition zur Aufsuchung und Unterstützung von Livingstone übergeben worden und befindet sich in den Händen des Herrn W. O. Livingstone, der jetzt diese Expedition repräsentirt, nachdem sich die andern Mitglieder vernünftigerweise zurückgezogen haben, da sie erfahren, dass sich Dr. Livingstone ungefährdet in Unyanyembé befindet, wo er leicht zu erreichen ist und reichliche Vorräthe für die Jahre hat, die er sich noch im Lande aufzuhalten gedenkt. Herr Stanley hat mir die Liste von Sachen gezeigt, die jetzt von ihm bestellt worden, von denen sich fast alle bereits unter den für die Expedition beschafften Gegenständen und in den Händen von Herrn W. 0. Livingstone befinden. Daher werden wol die kostbaren Baumwollenwaaren und Perlen, die schon für die Reise angeschafft worden, verkauft werden, da Dr. Livingstone sie, wie wir wissen, nicht mehr nöthig hat. In den Händen der Expedition befinden sich auch funfzig gezogene Karabiner, sodass es überflüssig sein wird, noch neue Auslagen in dieser Beziehung zur Bewaffnung der funfzig Mann zu machen, die Herr Stanley aussuchen wird. Jetzt erübrigt es fast nur noch, Sklavenketten zu kaufen, die Dr. Livingstone für die Begleitmannschaft bestellt hat, um sie für den Fall zu brauchen, dass die Leute sich weigern, ihre Pflicht zu thun, wie es die vorigen gethan haben. Doch ist die Leitung der ganzen Angelegenheit, soweit sie sich auf diese Expedition bezieht, in den Händen von Dr. Livingstone’s Sohn, und die Auswahl der Leute wird ausschliesslich von Herrn Stanley besorgt. Die Expedition wird, auf die ausdrückliche Bitte Dr. Livingstone’s, sofort in leichter Marschordnung abziehen. Die weitläufige Correspondenz, die ich einschliesse, zeigt deutlich, dass der Agent Scherif Bascha, dem der Transport der Vorräthe nach Udschidschi anvertraut worden, dies in der nachlässigsten und unehrlichsten Weise besorgt hat. Es scheint jedoch, dass die Handelsspeculationen, die auf dem ersten Theile der Reise unternommen wurden, hauptsächlich mit Gütern bewerkstelligt worden sind, die er sich an der Küste geliehen und mit den Regierungsvorräthen zusammengethan hat, um sich die Kosten des Transports zu ersparen. In Udschidschi ist er mit einem grossen Vorrath von Regierungswaaren angekommen, welche, wenn er sie ehrlich abgegeben hätte, noch lange für Dr. Livingstone’s Bedürfnisse ausgereicht haben würden. Hier erst brachte er im Glauben, dass Dr. Livingstone nicht aus Manyema zurückkehren werde, die werthvollsten Sachen bei Seite und schickte nur wenig davon an den Doctor.

Die zum zweiten mal abgesandten Vorräthe, genau dieselben, wie das erste mal, sind in Unyanyembé angekommen. Diese Expedition wurde zuerst von Herrn Churchill organisirt und abgeschickt; die Leute hielten sich aber noch nach der Abreise des Herrn Churchill von Zanzibar an der Küste auf. Da ich Ursache hatte zu argwöhnen, dass dies der Fall sei, schickte ich zuerst einen Consulardiener hin und folgte dann selbst. Als sie von meiner bevorstehenden Ankunft hörten, machten sie sich schleunigst auf den Weg. Es blieben aber noch einige Lasten übrig, die ich persönlich aus Bagamoyo abzuschicken hatte. Diese Güter sind jetzt in Dr. Livingstone’s Händen und in Bezug auf sie habe ich den damals in Unyanyembé anwesenden Herrn Stanley, als ich erfuhr, dass dort der Krieg ausgebrochen sei, gebeten, für mich zu handeln und sie Dr. Livingstone zu übermitteln. Zu der Zeit war es hier noch nicht bekannt, dass Herr Stanley ausgezogen war, um Dr. Livingstone aufzusuchen, denn dies hatte er bei seiner Abreise sorgfältig verheimlicht; da ich aber wusste, dass ein Weisser sich an Ort und Stelle befände, so bat ich ihn, alles Mögliche zu thun, um die für einen Reisecollegen bestimmten Güter weiter zu befördern. Ein grosser Theil der Livingstone’schen Correspondenz mit unserm Consulat bezieht sich auf förmliche Anklagen des Sklavenhaltens, die gegen mehrere der bedeutendsten Mitglieder der britisch-indischen Gemeinde gerichtet sind. Ich stehe dafür ein, dass ein jeder der Leute vollständig jedes Wort des Contractes verstanden hat, und ferner dass sich diese Leute, die angeblich Sklaven von Banyanen sind, für Freie ausgegeben haben. Dass sie sich sehr schlecht bewährt haben, unterliegt keinem Zweifel. Doch erzählt mir Herr Stanley, er sei gezwungen gewesen, obwol er selbst seine Expedition führte, seine Leute in Sklavenketten marschiren zu lassen, um ähnliches Unglück zu vermeiden, und Dr. Livingstone gibt in einer eigenhändigen Zuschrift den Befehl, Ketten für die Leute, die ihm jetzt zugeschickt werden, zu kaufen. In Bezug auf die alte Angelegenheit der Johannesen und Dr. Livingstone’s Geldforderungen an sie, erwarte ich Eurer Lordschaft Befehle; da aber Johanna nicht innerhalb meines Jurisdictionsbezirks liegt, so schliesse ich das darauf bezügliche Schriftstück im Original bei. Ich enthalte mich aller Bemerkungen über den unhöflichen Ton dieser officiellen Briefe, sowie über die schimpflichen persönlichen Insinuationen, die sich auf mein und Herrn Churchill’s Betragen beziehen. Ich bin aber bereit, wenn es nöthig ist, auf jeden Punkt, über den Eure Lordschaft eine Erklärung wünscht, Rede und Antwort zu stehen. Ich bin ganz ausser Stande, es mir zu erklären, warum Dr. Livingstone, der als Consul Ihrer Majestät accreditirt ist, nicht selbst sofort die stärksten Massregeln ergriffen hat, um dem Sklaven- und sonstigem Raube Einhalt zu thun, von dem er sagt, dass er durch junge Nassicks, britische Schutzbefohlene, begangen worden, welche, wenn sie jetzt nicht zu seiner Eskorte gehören, wenigstens durch ihn in das Land gebracht wurden und sich zur Zeit in demselben Lager befanden. Wenn er an Ort und Stelle, mit der ganzen Autorität eines Consuls versehen, nicht Macht genug hat, das zu unterdrücken, was er als Augenzeuge schildert, wie kann er erwarten, dass die Gerechtigkeit die Schuldigen aus einer solchen Entfernung erreiche, zumal sie sich in einer Gegend befinden, die durchaus nicht unter der Gewalt des Sultans von Zanzibar steht.“