Ich stellte mich an das Fenster meines Zimmers und sah hinaus. Blitze spalteten Eichen und Kiefern, und über Wälder und weite Ebenen rollten ihre Donner. Aus den Ställen brüllten und wieherten geängstigte Tiere, und Malatesta saß mit glühenden Augen in seiner Hütte vor meinem Fenster und heulte.
Auch dies ging vorbei. Ein stetig und kühl strömender Regen spendete uns, den Fiebernden, Genesung. Gerüche von niegeahnter Kraft erfüllten die Luft, und die Tiere in den Ställen begannen ihren Schlaf. Zwei Uhr schlug die Glocke, aber der trübe Morgen war noch fern.
Ich setzte mich an den Tisch. Ich wollte etwas Unerhörtes schreiben, aber ach, – es wurden nur diese einfachen Zeilen:
Ist es denn möglich, daß wir diese Nacht
In einem Wagen über Felder fuhren?
Hab’ ich geträumt? Ich sah doch einen Wald!
Eilten nicht Steine, Wolken, Bäume, Sterne
An uns vorbei, und hast du später nicht
– So hab’ ich doch geträumt, – und hast du nicht
Mir abgewandten Blicks die Hand gereicht?
... Und küßte ich sie nicht?
Ich habe nicht geträumt. Wir fuhren nachts
In einem Wagen über weite Felder,
Es eilten stille Wolken, Bäume, Sterne
An uns vorbei ... Du gabst mir deine Hand ...
... Ich küßte sie ... So hab’ ich doch geträumt?
Ich packte meinen Ranzen, nahm das Blatt, stieg zu Ninas Zimmer hinauf, öffnete die erste ihrer beiden Türen und legte mein Gedicht auf ihre Diele. Dann schlich ich mich hinunter.
Ich trat auf den Hof, streichelte Malatesta und dachte: Frau Seyderhelm und Wolfgang ... ach, Frau Seyderhelm und Wolfgang!
Ich wanderte die Straße hinab, bis sich im Osten der bewölkte Tag ankündete. Auf einem Hügel blieb ich stehen und sah die verlassene bleiche Landschaft unter mir. Eine Starenkette flog durch die gereinigte Luft des Morgenrots.
Da schlug ich mit der Stirn auf einen Baum und stürzte nieder.