Ich schwieg beklommen, seufzte tief auf und gewann endlich den Mut zu fragen: „Habe ich Ihr Kleid ...? Das heißt, bin ich daran schuld, daß Sie ...?“
Die junge Dame antwortete nicht, sondern reinigte emsig mit einer kleinen Serviette, die sie in warmes Wasser getaucht hatte, ihr hellblaues Kleid.
„Ich meinte nur ...“ sagte ich ratlos.
Da hob die junge Dame den Kopf in die Höhe, sah mir in die Augen, wobei sie sich ein wenig zur Seite neigte, und begann eine Tonreihe von silberhellem Klang zu lachen mit listigen, schmalen Augen, mit offenem Munde und vielen weißen Zähnen.
„Nein, zu dumm! Sie haben eine Art, sich Schokolade einzugießen! Sehen Sie, man macht es nicht so –“
Sie nahm eine Porzellankanne und ließ den Strahl von solcher Höhe in die Tasse fallen, daß alles um sie herum erschrocken und lachend zurückwich.
„– sondern so.“
Sie verkleinerte den Strahl und ließ ihn manierlich fließen.
Ich ward einem Sturm des Gelächters preisgegeben. Ein geistlicher Herr, der an einem andern Tisch seinen Platz gefunden hatte, beugte sich mit fröhlichem Augenblinzeln zur Seite und begann so herzlich zu lachen, daß er sein Taschentuch hervorziehen mußte. Einige Backfische kicherten und flüsterten, ein paar Jungens brüllten. Ja, die junge Dame mir zur Seite schien ein Tausendsassa zu sein, die eine ganze Gesellschaft mit ihren Späßen zu erheitern vermochte.
Ehe ich noch etwas erwidern konnte, wurden die Stühle mit großem Lärm gerückt und man erhob sich. Die junge Dame tat mit der Hand noch schnell eine sonderbare Geste, die ich mir nur so deuten konnte: „Ein dummer Junge, nicht wahr?“ Darauf hatte sie plötzlich, als sie von ihrem Stuhl aufstand, ernste und unbewegliche Züge. Die strengen Linien ihrer goldfarbenen Augenbrauen und Wimpern, der kunstvolle geschlossene Aufbau ihres kastanienbraunen Haares beherrschten mit einem Male das Antlitz. Die herabhängenden Arme waren eng an das Kleid gehalten und die Hände lagen wie erstarrt in den Falten.
Wolfgang Seyderhelm trat auf mich zu und bot mir sehr herzlich die Hand. Ich bemerkte, daß er enganliegende graue Hosen trug, Lackstiefel, ein Jackett, ähnlich wie es die englischen Midshipmen zu tragen pflegen, und einen umgebogenen Kragen, der seinen braunen Hals freiließ. Er schien stolz und glücklich zu sein und hatte das Aussehen und Betragen eines jungen Engländers und Weltmannes.
„Hast du dich mit deiner Tischnachbarin unterhalten?“ fragte er.
„Du meinst, mit deiner Mutter?“
„Nein, ich meine mit dieser jungen Dame dort.“
Er zeigte in den Salon.
„Kaum. – Wie heißt sie?“
„Nina.“
Ich mußte plötzlich an die Schneeberge und Weintrauben Kaukasiens denken, an die reine Stirne und den unvergleichlichen Gang der Kosakenmädchen.
„Was ist’s mit ihr?“ fragte ich.
„Sie ist Schauspielerin am Stadttheater. Eine Protegé meiner Mutter.“
„Achtzehn.“
Ich sah, daß man im Speisezimmer die Stühle an die Wand schob und den Teppich aufrollte. Ich blickte zerstreut an den Gobelins hinauf, deren streitende Helden sich in übermenschlichen Triumphen und Schmerzen gegenüberstanden. Wolfgang sprach noch, aber ich verstand nicht, was er eigentlich sagte. So, so ... so ... sie hieß Nina, ... welch ein süßer Gleichklang in ihrem Namen, ... welch ein Duft von ihrem Haar, ... ich begann Kopfschmerzen zu bekommen, ... wie zärtlich Wolfgang zu ihr hinblickte ...
„Du liebst sie ja!“ sagte ich laut und wußte nicht, ob ich wirklich gesprochen hatte.
Wolfgangs Antlitz sah plötzlich aus wie überströmt von Blut.
„Was sagst du?“
Frau Seyderhelm stand neben uns und unterhielt sich mit dem geistlichen Herrn. Frau Seyderhelm stand sehr gerade da, sprach achtungsvoll, mit verbindlich zur Seite geneigtem Haupt, gebrauchte sehr oft die Anrede: Herr Pastor und hatte zu gleicher Zeit ein etwas mitleidiges Lächeln um den Mund, da der geistliche Herr verlegen war und nicht ganz ungezwungene Bewegungen zeigte.
„Und morgen gehen Sie auf ihr Rittergut, meine liebe gnädige Frau?“ fragte der geistliche Herr.
„Ja, stellen Sie sich vor, Herr Pastor, – dieser Trubel! Alle Koffer sind schon gepackt ... es ist ja immer wie ein Umzug! ... Aber Wolfgang tut das Landleben so wohl ...!“
Frau Seyderhelm strich mit der Hand über ihr schwarzes Haar.
„Nina geht diesmal auch mit,“ sagte sie, lächelte dem Pastor sehr liebenswürdig zu und schritt ins Nebenzimmer.
„Wie schön von dir, daß du mich eingeladen hast,“ sagte ich zu Wolfgang, wurde ganz heiß vor Begeisterung und ging weg.
Eine Dame mit einem ungeheuren Hut betrat den Empfangsraum, ruderte durch die Luft auf Frau Seyderhelm zu, erfüllte das Gemach mit ihren Begrüßungen, ihren schnellen Handbewegungen, ihrer Rührung über die frohe Schar, legte die Arme auf Frau Seyderhelms Schultern, küßte ihr jede Wange und sagte oftmals: „Meine liebe Lina.“ Sie wurde von den Jungen mit ehrfürchtigen und ungeschickten Verbeugungen gegrüßt, von Wolfgang empfing sie einen Handkuß und von zwei Mädchen, vermutlich ihren Töchtern, sehr rasche und oberflächliche Umarmungen.
Ein junger Herr, ein Student, wie man annehmen durfte, ging quer durch den Raum, trug mit steifem Arm die Öffnung seines Zylinderhutes nach Außen in der mit braunem Glacé bekleideten Hand, erschreckte jedermann durch seine ruckartigen Verbeugungen, saß kurze Zeit darauf von einer lauten Gesellschaft umgeben an einem Tisch und versuchte sich in einem Kunststück mit zwei Gläsern, einer Teetasse und einem silbernen Löffel.
*
Eine Dame in einem schwarzen, bis an den Hals geschlossenen Kleide, die blaß und hübsch war und hungrige graue Augen hatte, wahrscheinlich die Gesellschaftsdame irgend eines der jungen Mädchen, ließ sich am Flügel nieder und begann einen Walzer zu spielen. Die Mädchen bekamen rote Köpfe und setzten sich ziemlich nervös auf die Stühle an der Wand. Die Knaben standen in den Türrahmen, ordneten ihre Krawatten, ihre Schuhbänder, ihre Frisuren und bemühten sich sorglos auszusehen.
Irgendeiner von ihnen, ein kecker Bursche, der den Teufel nach Rotwerden und Schüchternsein fragte, forderte als erster eines der Mädchen auf. Andere folgten. Wolfgang trat von irgendwoher auf Nina zu, lächelte, ohne sich zu verbeugen, und zog sie mit sich fort. Die Jungen tanzten mit vielen Sprüngen und Witzen, schlugen die Beine nach hinten aus, so daß man ihre Stiefelsohlen zu sehen bekam, und hielten ihre Tänzerinnen mit steifen Armen, da sie die Berührung des Fleisches fürchteten. Die Mädchen bewegten sich ruhiger und hatten versonnene Augen und ein süßliches Lächeln auf den Lippen. Wolfgang und Nina sahen jugendlich und glücklich aus; sie schienen schon oft miteinander getanzt zu haben, und waren ihrer Bewegungen sicher. Nina neigte ihr Haupt ein wenig zu Boden, was ihrem schlanken, hochgestellten Körper etwas Verträumtes und zugleich Preziöses gab.
Es war recht heiß. Ich fühlte mich elend und doch glücklich und trank sehr viel Limonade. Frau Seyderhelm stand mit einem Male vor mir, wie stets sehr gerade und beinah mädchenhaft schlank, die edlen Hände über der Gürtelschnalle gekreuzt, mit heiteren Augen und reiner Stirn. Sie nannte mich oftmals „mein lieber Herr Regnitz“ und blickte, da ich verwirrte Antworten gab, mütterlich lächelnd über die froh sich bewegenden Kinder hin.
Der Student tanzte jetzt mit Nina, nannte sie „mein gnädigstes Fräulein“ und benahm sich in jeder Beziehung wie ein Student, der zu einer Backfischgesellschaft geladen ist und dort mit der einzigen erwachsenen jungen Dame tanzt. Sein Zylinder stand irgendwo in der Ecke auf einem Stuhl und schwankte grinsend hin und her.
Der geistliche Herr erzählte der Dame mit dem großen Hut, daß Ihre Hoheit Prinzessin Clementine am vorigen Sonntag in der Kirche sehr blaß ausgesehen habe und augenscheinlich an Kopfschmerzen leide; welche Bemerkung seine Dame mit einem kurzen, nervösen Gähnen, einem verlegenen Hinunterschlucken und einem ehrfurchtsvollen „Gewiß, Herr Pastor“ erwiderte.
Irgendein Mädchen, ein braves Kind mit dickem lustigen Gesicht und roten Händen forderte mich auf, mit ihr zu tanzen; ich lehnte mit strenger Stirne und finsteren Blicken ab. Sie schüttelte den Kopf, lachte leis, so daß sich ihre Nase in viele Falten zog, sagte: „Nein, so etwas!“ und verschwand mit einem andern, wobei sie den Hals ihres Tänzers mit den Armen umschloß und die guten dicken Finger auf seinem Nacken faltete.
Wolfgang bat die Dame mit dem großen Hut und den exzentrischen Bewegungen um einen Tanz. Die Dame sträubte sich ein wenig, sprach sehr viel von ihrem Alter und vom Muttersein in die leere Luft und sagte endlich zu. Man klatschte im Takt zu ihrem Tanze und bereitete sich alsdann zur Quadrille vor.
Ich begann mich mit irgend jemandem über unsere Lehrer zu unterhalten; ich war witzig, der Bengel lachte und verbeugte sich darauf vor mir.
Wolfgang trat auf mich zu.
„Du tanzt nicht?“
„Nein. Danke.“
„Nie?“
„Magst du heute nicht?“
„Nein. Danke.“
Nina stand neben ihm.
Sie sah mich neugierig an.
„Sie tanzen nicht?“
„Nein, heute nicht.“
Ninas Augen waren stetig auf mich gerichtet. Ich betrachtete das kastanienbraune Haar und bemerkte, daß es im Schein der kristallenen Lustres leuchtete.
„Sie werden jetzt mit mir Quadrille tanzen. Warum stehen Sie immer an der Wand? Das schickt sich doch nicht für einen jungen Herren von Ihren Qualitäten!“
„Wollen Sie sich bitte nicht um mich bekümmern, wie?“
Wolfgang bekam große Augen.
„Aber Regnitz, bitte, was ist denn –?“
Nina lachte herzlich, zeigte ihre weißen Zähne, legte die elfenbeinerne Hand auf Wolfgangs Arm und sagte:
„Du, der ist aber grob!“
Darauf wandte sie sich mir zu, machte ein hochmütiges Gesicht, senkte die Lider, so daß es aussah, als ob sie schliefe, und sagte in einem näselnden Ton:
„Also bitte, – wollen Sie jetzt meinen Arm nehmen?“
Ich fühlte eine Schwäche in den Gliedern, während ich den rechten Arm bog.
„O, das ist nett!“ sagte Wolfgang mit seinem liebenswürdigen Lächeln. „Wir werden in einem Karree tanzen.“
Wir gingen in den Saal.
Der Student stürzte auf Nina zu.
„Aber, gnädigstes Fräulein haben mir ja ... das heißt, wenn Sie vorziehen ...“
Er schwitzte und verbeugte sich. Ich bemerkte, daß er nach Mediziner im zweiten Semester roch.
„Ach, Herr Doktor, ... ich hatte schon Herrn Regnitz vorher versprochen, die Quadrille mit ihm zu tanzen. Verzeihen Sie.“
Wir gingen weiter. Der Student war von diesem Augenblick an in jeder Beziehung erledigt. Er war fertig, hingerichtet, gleichsam mausetot ...
Die Dame am Klavier mit den hungrigen Augen spielte die Aufforderung zur Quadrille. Das Karree bildete sich. Ich steckte eine Hand in die Hosentasche und machte ein gleichgültiges Gesicht.
„Entschuldigen Sie,“ sagte ich.
„Bitte?“
Nina begann sich mit dem Geistlichen zu unterhalten, der plötzlich neben ihr stand. Sie schauspielerte Ehrfurcht und war sehr schüchtern. Ich wurde rot. Sie wandte sich um:
„Was sagten Sie eben?“
„Vielleicht hören Sie zu, wenn ich mit Ihnen spreche!“
„Sie sind manierlos.“
„Ich bat um Entschuldigung wegen vorhin.“
„Sie können gleich um Entschuldigung bitten ‚wegen jetzt‘.“
Ich schwieg. Mein Gott, warum war ich nur so ungezogen! Ein weinerliches Etwas stieg in meine Nase empor.
Wolfgang trat uns gegenüber und sprach mit seiner Cousine, einem schüchternen Mädchen von außergewöhnlicher Schönheit. Er winkte uns mit der Hand zu.
Die Quadrille begann.
Nina verbeugte sich tief vor ihrem Nachbarn, darauf vor mir. Ihre Lider bedeckten wiederum die Augen, die langen Wimpern berührten die roten und weißen Wangen, das feurige Haar warf seinen Duft zu mir, die elfenbeinernen Hände lagen wie unbeseelt in den Falten des blitzenden Kleides. Sie war im Augenblick, da sie sich neigte, ein Götterbild, das in Betrachtung zum Buddha versunken ist, eine indische Statue aus farbigem Stein ... Ich beugte mich noch tiefer, sah ihre blauen schmalen Schuhe und dachte: Süße Nina, süße Nina.
Ich gab fleißig acht und tanzte gut. Ich tat keine überflüssige Geste und bewegte mich ruhig. Von Zeit zu Zeit sagte Nina:
„Visite à gauche!“ oder „Jetzt dort!“ oder „Passen Sie auf, Sie können nur grob sein!“ Aber sie schien zufrieden.
„Es geht ja ganz gut,“ bemerkte sie einmal.
„Gewiß,“ erwiderte ich stolz.
Ich sah, daß Nina und Wolfgang sich beim moulinet des dames zulächelten, sobald sie sich trafen. Wolfgang sprach viel zu uns hin und unterhielt das ganze Karree. Er hatte das Aussehen eines vornehmen Pagen, der bei Hof die Schleppe der Königin hält.
Mich überfluteten, sobald ich Nina die Hand reichen mußte, Ströme von Zärtlichkeit und Anbetung. Ich beobachtete, daß ihr Fuß beim Auftreten die Form nicht veränderte. Ich liebte sie, – o mein Gott, wie ich sie liebte! Ich begann zu fiebern und wurde von Angst ergriffen. Ich dachte daran, daß ich heute abend allein in meinem Zimmer sein würde. Irgend etwas müßte bis dahin geschehen, irgend etwas, das mich mit einem unerhörten Glück erfüllte, ein Blick von ihr, ein Wort, ein Kuß ...
„Sie sind unaufmerksam. Passen Sie auf – vis-à-vis!“
Ich sah einem blonden Mädchen in die Augen, verbeugte mich und trat mit Nina zurück.
„Was spielen Sie?“
„Wie?“
Wir wurden getrennt.
„Ich meine, was Sie im Theater spielen?“
Ich tanzte an drei jungen Mädchen vorbei, gab einer jeden die Hand und verbeugte mich wieder vor Nina.
„Hebbels Clara.“
Ich kannte Hebbel.
Ich verbeugte mich vor Wolfgangs Tänzerin.
Dann stand ich wieder vor Nina.
„Kennen Sie Maria Magdalena?“ fragte Nina.
„Ja.“
Ich ging mit den drei Herren en avant und verneigte mich vor Nina.
„Sie sollten lieber Ihre Schulaufgaben machen.“
Ich begann zu lachen, wie verrückt zu lachen, zog das Tuch hervor, bekam Tränen in die Augen, fand mich albern, mußte aus der Reihe treten und störte den ganzen Tanz. Nina hob die Lider, und es war, als ginge der Vorhang im Theater auf.
„Was haben Sie?“
Ich begann zu beben und zu frieren, meine Zähne schlugen aneinander, ich hatte das Gefühl, daß ich totenblaß sei.
„Sie sind herrlich!“ sagte ich.
Ich wußte nicht mehr, was ich sprach. Ich hatte Fieber, nichts als Fieber, und Angst vor meinem einsamen Zimmer ...
Die Reihen ordneten sich wieder, man lachte, ärgerte sich und tanzte weiter. Die letzten Takte spielte die Dame am Klavier in rasendem Tempo. Man fand sich nicht mehr zurecht, und alles verwirrte sich. Ich lief umher, fühlte Schauer in meinem Körper und hatte das Bedürfnis, etwas zu zerbrechen. Der Quadrillenwalzer ertönte, man schloß sich in die Arme. Ich verbeugte mich vor Nina, aber sie dankte.
Ich führte sie aus dem Saal hinaus. Darauf ward es dunkel vor meinen Augen. Ich wurde schwindlig und hielt mich an einem Türpfosten. Mit einem Male war ein Bild vor mir: die Mittagssonne über einer teppichfarbenen Landschaft des mittleren Deutschlands, der Duft von Korn und gemähten Wiesen, und blaue Berge in der Ferne.
Nina lachte, ein singendes, verstehendes, unendlich grausames und süßes Lachen:
„Sie taumeln, Herr Regnitz! – Ist Ihnen schlecht?“
„Nina, ich liebe Sie.“
Ich sah sie an, – sie, dieses indische Götterbild mit den gesenkten, zur Betrachtung geneigten Augen, mit der unvergleichlich bleichen und edlen Stirne, mit den elfenbeinernen Händen und dem farbigen, wie von Edelstein und Gold blitzendem Gewande, sah diese Lippen aufeinander gepreßt, süß und streng, – bereit, Worte zu sprechen, die den Gläubigen vernichten oder aufheben:
„Sie sind verrückt.“
Sie ging fort, mit elastischem stolzem Schritt, wandte plötzlich den Kopf um, zeigte mir ein entzückend frisches und amüsiertes Mädchengesicht, lachte, lachte eine Reihe makelloser Töne, zog eine kleine goldene Uhr aus dem Gürtel, ließ den Deckel aufspringen und sagte:
„Es ist übrigens schnell gegangen. Sie sind um fünf Uhr gekommen; jetzt ist es vier Minuten vor sechs.“
Aus der Ferne, aus einer Schar lärmender Menschen heraus hörte ich sie noch einmal lachen ...
Wolfgang trat schnell auf mich zu.
„Ist dir etwas? Du siehst nicht wohl aus. Willst du den Wagen haben?“
Ich sah mich um und lächelte matt.
„Lieber, welch ein Gefühl!“
Ich gab ihm wie im Traum die Hand.
Plötzlich ermannte ich mich, stürmte hinaus, ohne Gruß, ohne Blick, riß den Hut im Korridor vom Riegel und erreichte den Park. Ich lief wie gejagt durch die Straßen und hielt mich endlich an einem Gitter fest. Atemlos, die Brust erfüllt von einem qualvollen Glück, begann ich wie ein Kind zu schluchzen, wie ein kleines, ungezogenes Kind.