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Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 1 cover

Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 1

Chapter 24: Jesuitenbeichte.
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About This Book

A biographical introduction is followed by a compact assortment of poems and short prose that move between fairy-tale imagination, satirical sketches, and shorter novellas. The fairy tales emphasize fantasy and youthful charm, while the satirical pieces target contemporary manners and student life with brisk wit. Subsequent narratives adopt a more conversational, realistic tone and explore social interaction and moral observation. The volume pairs lyrical work with narrative experiments and includes editorial and transcription notes, offering a portrait of a writer equally playful, ironic, and attentive to everyday detail.

Jesuitenbeichte.

(Nach dem Französischen.)

Ich liebte zwanzig Mädchen nach der Reihe,
Und jeder war mein ganzes Herz geweiht,
Und jede schwur mir heute ew'ge Treue
Und brach schon morgen ihren heil'gen Eid.
Da schwur und flucht' ich, keinem Weib zu trauen.
»Mein Sohn, wer flucht, der sündiget. Allein
Die Schuld liegt diesmal wirklich an den Frauen;
Du sollst versöhnet und entschuldigt sein.«
Weil ich Bestechung haßte wie die Hölle,
Fand mein Minister mich zu ungeschickt,
Und einem feilen Kerl gab er die Stelle,
Der sich vor seinem Kammerdiener bückt;
Da wünschte ich Herrn C… zum Teufel.
»Mein Sohn, welch rohe Leidenschaft! Allein
Bei kaltem Blut bereust du ohne Zweifel;
Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«
Mit schönen Worten, blendendem Versprechen
Hat ein bekannter Herr mich arm gemacht,
Und um mich für die Tausende zu rächen,
Um die mich der Verräter hat gebracht,
Schalt ich Herrn V… einen Beutelschneider.
»Mein Sohn, das Wort war freilich grob. Allein
Die Welt nennt ihn mit diesem Namen, leider;
Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«
Das Sakrileg, ich will's gestehen, nannte
Ich ein Gesetz für Sklaven nur gemacht;
Der Menschheit Schmach und des Jahrhunderts Schande,
Und P…, ihn, der es ausgedacht,
Schalt ich den Mörder aller freien Seelen.
»Mein Sohn, das war ein derber Schimpf. Allein
Du irrtest menschlich, irren heißt nicht fehlen;
Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«
Und als ich diese arme Welt bedachte
Und sah, wie alles schief und irrig geht,
Wie man die Tugend und das Recht verlachte,
Und wie jetzt Trug und Laster oben steht,
Da – hielt ich Gott für einen leeren Namen!
»Mein Sohn, du hast dich schwer verfehlt. Allein
Gott ist barmherzig gegen Sünder, Amen;
Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«
Ich liebte Eintracht in Palast und Hütten;
Doch als ich schleichend wiederkehren sah
Die Zwietracht an der Hand der Jesuiten,
Da schwur ich ew'gen Haß Sankt Loyola,
Und ew'gen Haß und Rache seinen Söhnen!
»Mein Sohn, ich bin die Langmut selbst! Allein
Das heißt fürwahr das Heiligste verhöhnen!
Vor uns und Gott kannst du nicht schuldlos sein!«