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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 15: 14
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

14

Es donnert fern. Den Horizont umziehen
Blauschwarze Wolken; bleiern ruht das Meer,
Darüber flatternd weisse Möven fliehen.
Kein Blatt bewegt sich. Fieberheiss und schwer
Erglüht die Luft, matt wird der Sonne Scheinen,
Und atemlose Stille herrscht umher.

Ich lieg am Seeberg, wo sich Zweige einen
Zu dichtem Zelt, um mich herum ein Wall
Von Kinderspielwerk, Muscheln, Sand und Steinen.
Wie füllte Lachen, froher Stimmchen Schall
Und Glücksgefühl und lärmende Bewegung
Nur eben noch dies sonnbeglückte All!
Doch plötzlich stockt die lebensvolle Regung,
Vom Spielzeug lässt die aufgehobene Hand,
Sie wirft es fort fast ohne Überlegung.
Das Wetter fürchtend, das so jäh erstand
Sucht jedes, wo ein schützend Dach es teilte,
Und Welt und Menschen schweigen wie gebannt.
Die Seele auch, die eben noch verweilte
Auf hundert Dingen, die sie gern umfasst –
Wenn schweren Unheils Bote sie ereilte,
Scheint alles plötzlich ihr wie schwere Last,
Geeignet nur, den Blitzstrahl anzulocken.
Sie wirft es fort – in tatenloser Rast

Sieht sie das Wetter näher ziehn erschrocken
Und fragt nicht mehr nach Sonne, Mond und Stern.
So seh auch ich es nahn –: die Pulse stocken
Und Kopf und Herz sind still … Es donnert fern.