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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 17: 16
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

16

Am nächsten Tag, ich war schon früh am Strand
Und kam grad heim, um nun zu ihr zu eilen –
Empfing ein Brieflein mich von ihrer Hand.
In raschen, heissen, lieberfüllten Zeilen
Bat sie, ich möchte sie nicht falsch verstehn,
Wenn sie den Tag mit mir nicht wolle teilen.

Doch könne sie mich leider heut nicht sehn,
Vormittag wenigstens: liebt' ich sie noch,
Sollt' ich allein recht weit spazieren gehn.
Wie ungern ich ihr folgte, tat ich's doch
Und ging hinaus. Doch war mir bang zumute
Und mein Gehorsam schien mir schweres Joch.
Auch trug ich's lange nicht. Mit heissem Blute
Stürmt' ich zurück und hielt nicht eher ein,
Als bis mein Fuss auf ihrer Schwelle ruhte.
Im Hause war's ganz stille. Sonnenschein
Fiel durch die Tür, die leise angelehnt;
Es schien dahinter alles leer zu sein.
Doch klopft' ich sacht: ganz leise und gedehnt
Klang's da: herein. Ich öffnete mit Zagen.
Da stand sie selber, die ich heiss ersehnt.
Um sie herum im Zimmer aber lagen
Auf Tisch und Stühlen Kleider, Bücher, Schuhe
Und was sie sonst zusammen noch getragen.

Und mittendrin vor einer Koffertruhe,
Die halbgefüllt von ihrer Arbeit sprach,
Stand sie und sah mich an in starrer Ruhe.
›Was hast du vor? was willst du?‹ also brach
Das Schweigen ich; mein eigner Laut erschien
Mir matt und klanglos vor des Herzens Schlag.
Und sie darauf: »Du siehst – ich wollte fliehn.«
›Vor wem?‹ »Vor dir – und mir! Ach wär's gelungen,
Zum Besten wär uns allen es gediehn.«
›Und ohne Wort –!‹ »Ich habe schwer gerungen;
Ich hab gekämpft, wie einer kämpfen kann …«
›Und jetzt? Und nun?‹ »Nun ward ich doch bezwungen.«
›Du bleibst? gehst nicht?‹ – Sie aber sah mich an,
Als ob nun nichts ihr mehr zu sagen bliebe:
»Kann ich denn gehn, du böser lieber Mann,
Wenn du mich hältst, den namenlos ich liebe?«