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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 19: 18
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

18

Es liegt in mir ein Hang zur Zärtlichkeit,
Ich lieb es, einen weissen Arm zu küssen,
Zu streicheln einen Strumpf, ein seidnes Kleid,
Und sitze gern zu meiner Liebsten Füssen.
Ein wenig lieb ich auch Koketterie
Und finde es noch süss, dafür zu büssen.
Und jetzt erfahr ich – all das liebt auch sie
Und zeigt es mir mit soviel Schelmerei
Und Übermut – (ich ahnt' ihn früher nie!) –
Dass, wäre mein gefangnes Herz noch frei,
Es sicher heute anfing, ihr zu schlagen.
Nun aber freu ich mich der Sklaverei,
Die sie mir auferlegt seit manchen Tagen.
Nur dünkt die Kette oft mir noch zu leicht;
Ich liesse willig mich recht weidlich plagen,
Und wär belohnt, wenn sie zum Dank vielleicht
Entgeltend überstandene Gefährden
Zum Kusse mir die duft'gen Hände reicht.

Wie küsst' ich oft sie, konnte satt nicht werden,
Es neu zu tun, wenn neckend sie zum Scherz
Sich mir entzog mit reizenden Gebärden!
Doch neu erhaschend drückt' ich sie an's Herz,
Schlang fest den Arm um sie und sah sie an –
Dann sprach sie leis – wie innig Glück und Schmerz
Mir in den Worten lag: »Du lieber Mann!«