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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 20: 19
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

19

»Komm abends, Lieber, heut in meine Stube,
Wenn's dunkel wird. Ich hab dir was zu sagen.
Doch komm bestimmt! (Ich freu mich, wie ein Bube
Am Tag vor Heiligenabend!) Willst du fragen,
Verrat ich dir … doch nein! Komm selbst und sieh!
Inzwischen freilich musst du's schon ertragen,
Dass ich unsichtbar bleibe. Dein Genie
Wird sicher sich die Zeit recht gut vertreiben,
Auch ohne mich! Bis abend also! … Sie …«

In meinem Zimmer morgens fand dies Schreiben
Ich an der Erde liegen, durch den Spalt
Der Tür hindurchgezwängt. Daheim zu bleiben
Schien mir unmöglich jetzt. So war ich bald
Schon unterwegs, den schmalen Pfad entlang,
Den sie so gerne ging, quer durch den Wald
Bis zum geborstnen Stein. Ermüdet sank
Ich hier ins Moos, und wo beim letzten Mal
Ihr liebes Haupt geruht, küsst' ich zum Dank
Mit heissem Mund die Erde. Süsse Qual,
Geliebtes Weh, wie füllst du mir die Brust!
Gedanken, Töne, Bilder ohne Zahl –
Und doch nur einer Regung mir bewusst:
Dass, wenn die Sonne dort hinabgestiegen
Im weissen Raum, der Wiege meiner Lust,
Ich wieder darf zu ihren Füssen liegen!