WeRead Powered by ReaderPub
Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 30: 29
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

29

Ein warmer Abend war es. Schweigend lagen
Wir unter Sternen spät noch an der See.
Die Wellen flüsterten. Wie heimlich Fragen
Klang's hin und wieder; dann wie schluchzend Weh,
Das Menschenherz durchzieht; und wieder war,
Als lachte jemand leise in der Näh.

Mein Haupt im Schosse haltend, sass sie, starr
Den Blick aufs Meer gerichtet, lange Zeit.
Doch endlich sprach ich: ›So ist's schön, nicht wahr?‹
Sie nickte langsam, gleich als riefe weit
Sie ihren Geist zurück aus Weltenferne
Dann sah sie an mich voller Innigkeit
Und sprach: »Wohl schön! So schön, dass ich nicht, gerne
Mich frage, ob das Ende wir bedacht?«
Sie senkte tief ins Antlitz mir die Sterne
Der dunkeln Augen. Wie vom Schreck erwacht,
Fuhr ich empor. Doch sie mit weichen Armen
Umschloss mich fest: »Sei ruhig! Noch ist's Nacht!
Und kennt die helle Sonne kein Erbarmen –
Was liegt daran? Ich hatte doch einmal
Das Glück, an einem Herzen zu erwarmen;
Und trank ich Tod –: ich hatte keine Wahl!«