WeRead Powered by ReaderPub
Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 34: 33
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

33

»Nun sei's zu Ende! Morgen soll ich fort,
Mein Mann verlangt nach mir. Wir müssen scheiden.«
›Nein, bitte nicht! Wenn du mich liebst, kein Wort!
Du machst es dadurch schwerer nur uns beiden,
Als schon es werden wird.‹ »Es muss nun sein!
Doch soll's uns nicht das schöne Glück verleiden.
Du weisst ja auch: ich bin auf ewig dein,
Weisst, wie ich deinem Herzen ganz vertraut,
Wie stolz ich bin, dass deine Seele mein,
Wie lieb mir wurde deiner Stimme Laut,
Und wie ich gern auf diesen schönen Tagen
Noch eine schönere Zukunft sähe auferbaut.

Doch fühlst du selbst, wir durften es nicht wagen,
Noch mehr zu fordern, als uns schon beschert;
Denn zwischen uns und unsern Träumen lagen
Gewalten, die zu mächtig. Es gewährt
Das Schicksal nie den Menschen ganz das Glück,
Das es im Bilde anschaun sie gelehrt.
An einer Grenze ruft es stets: zurück,
Du hast genug! Mehr sollst du nicht empfangen!
Noch ginge gern man wohl ein kleines Stück.
Allein die Stimme ruft – und all Verlangen
Wird nicht gestillt. Da heisst es stolz zu schweigen
Und umzukehren ohne Hass und Bangen.
So wollen wir auch uns nicht kleiner zeigen,
Als uns das Schicksal fordert. Heut'ger Tag
Ist unser noch. Will sich die Sonne neigen
Und kommt ein Morgen – komme, was da mag!«