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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 4: 3
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

3

Der erste Tag vorüber! Draussen rauscht
Der feuchte Nachtwind in den Lindenzweigen;
Am offnen Fenster hebt vom Wind gebauscht
Sich die Gardine und das nächt'ge Schweigen
Trägt fernen Laut des Meeres mir herüber
Ins Giebelstübchen, das seit heut mein eigen.
Ganz traulich ist's. Das Licht brennt freilich trüber
Als man gewohnt, und sonst auch, was sich zeigt,
Die kahlen, kalkgetünchten Wände, drüber
Die Balkendecke, etwas schief geneigt,
Und Schrank und Sofa, Tisch und Bettgestelle
Sind primitiv genug, wenn man's vergleicht –
Doch schaut es alles sauber, schmuck und helle,
Und – was entbehrt man nicht, blaut dieses Meer
Und kürzen uns die Stunden Strand und Welle.
Die ganze Zeit schon trieb ich mich umher,
Von mittags an, da ich vom Wagen sprang,
Durchstrich das Birkenwäldchen kreuz und quer,

Lag dann am Strande, als die Sonne sank,
Und eben noch, das nächt'ge Meer zu sehen,
Schritt ich ein Stündchen an der See entlang.
Nun bin ich müd und will zur Ruhe gehen.
Mein Gegenüber schlief wohl längst schon ein.
Vor ihrer Türe sah ich eben stehen
Die Schuhe, die sie trägt; sehr schmal und fein
Fast sagte ich, kokett –; zwar, das entspricht
Dem Bild des Wirtes wenig doch – mag sein,
Dass er geirrt – wer irrt in Frau'n sich nicht?