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Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen cover

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen

Chapter 6: 5
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About This Book

Ein versonnener Erzähler reist an die Küste, sucht Ruhe und versucht, in Versen das Erlebte festzuhalten, findet aber statt Schreiben das unmittelbare Meer und die Landschaft. In klaren, beobachtenden Szenen schildert er das kleine Dorf, die einfachen Zimmer und die Geräusche von Woge und Wind, zugleich wächst seine Neugier für eine stille, blasse Fremde, die sich zurückzieht. Die Gedichte verknüpfen Naturwahrnehmung, stille Alltagsbeobachtungen und innere Reflexionen über Einsamkeit, Begehren und das Ringen zwischen dichterischer Arbeit und dem Wunsch, das Leben unmittelbar zu erleben.

5

Zwar – zum Erleben scheint's hier nicht gemacht,
Kaum zwanzig Menschen gibts. Allein es fing
Doch besser an schon, als ich mir gedacht.
Ich sah die fremde Dame heut – (sie ging
Gerad zum Baden) –, zwar vom Rücken nur
Und die Entfernung auch war nicht gering;
Doch merkt ich wohl: graziös ist die Figur,
Nicht eben gross, nur grade Mittelmass,
In Wuchs und Gang von Alter keine Spur!
Wie zierlich ihr das Morgenkleidchen sass –
Weiss-grau gestreift der Stoff. Dazu das Haar
Im Nacken kurzgeschnitten und – man sah's,
Da ohne Hut sie ging – ganz kraus. 's ist klar,
Sie ist noch jung. Mein biedrer Alter sprach
Wohl nur so hin, was am bequemsten war.
Sie ging ein wenig müde, ganz gemach,
Und ahnte nicht des Lauschers in der Nähe.
Ich aber sah aus meinem Zelt ihr nach,

Bis sie verschwunden. Seltsam – ich gestehe,
Dass ich neugierig ward! Des Wirts Geschmack
Ist doch nicht sehr verlässlich, wie ich sehe …
Ich wüsste gerne, wie sie aussehn mag.