XII
Ein Fest und sein Abschluß
Allan fiel der Auftrag zu, Yussuf Khans Einladung der Familie Bowlby zu übermitteln, einerseits, weil der Maharadscha und der alte Ali noch nicht fest genug auf den Füßen standen, um die fürstliche Suite zu verlassen, andererseits, weil Allan als persönlicher Freund der amerikanischen Familie sich für den Auftrag am besten eignete. Er machte folglich am selben Abend einen Besuch bei ihnen und überbrachte die Einladung.
Eine Debatte folgte. Mrs. Bowlby hatte ihn kaum bis zu Ende gehört, als sie von ihrem Sessel aufsprang und erklärte, was sie alles eher sein wollte, als zu einer solchen Veranstaltung zu gehen.
„Glauben Sie, ich durchschaue ihn nicht? Er will sich durch uns rehabilitieren, nachdem er durch den heutigen Skandal in aller Leute Mund gekommen ist! Das will er!“
„Aber er reist doch übermorgen ab, Mrs. Bowlby.“
„Und was wird nun mit der Prinzessin, um die er werben wollte?“
„Das muß er aufgeben, und ehrlich gestanden, schien er es ungewöhnlich leicht zu nehmen. Ich hatte Proteste erwartet, aber der Oberst hatte ihn sofort umgestimmt. Das einzige, was er in dieser Richtung sagte, war, daß er Herrn van Schleeten beneide, dem es gelungen sei, sein Herz an ein Weib zu verlieren. Das habe er selbst nie zustande gebracht, obwohl er hundertfünfzig hat, die es ihm stehlen wollen.“
„Das ist wieder echt männlich, ha! Dasitzen und mit seinen Erfolgen bei den armen Geschöpfen und seiner eigenen Gleichgültigkeit zu prahlen! Er sollte hundertfünfzig Rutenstreiche auf die Fußsohlen haben, das sollte er!“
„Sie wollen also nicht kommen, Mrs. Bowlby?“
„Da ginge ich noch eher in das Lokal, wo er und Sie sich kürzlich herumgetrieben haben.“
„Ich werde Se. Hoheit bitten, den Schauplatz dorthin zu verlegen.“
„Keine Keckheiten, demmit, junger Freund. Helen, mein Kind, ich hoffe, du hast auch keinen Augenblick Lust gehabt, zu gehen?“
„Ich ginge gerne, Mama, furchtbar gerne.“
„Und ich gedenke, zu gehen, wenn niemand anderer sich entschließt,“ sagte Mr. Bowlby.
Mrs. Bowlby konnte nur einen ganz kurzen Entsetzensschrei ausstoßen, als Allan auch schon diplomatisch etwas aus der Tasche zog — das Halsband, das er am selben Nachmittag von Yussuf Khan erhalten hatte. Mrs. Bowlby blieb ihr Schrei in der Kehle stecken.
„Mr. Cray! Wo haben Sie das aufgegabelt? Mirzl hat doch Ihr Geld gestohlen!“
„Das Geld, von dem Mirzl mich befreit hat, hätte nicht einmal gelangt, um die Goldeinfassung dieser Steine zu bezahlen, Mrs. Bowlby. Ich bekam dies heute nachmittag vom Maharadscha als geringen Dank dafür, daß es mir zweimal gelang, Mirzl und seiner Bande zuvorzukommen. Wollen Sie es ansehen?“
Mrs. Bowlbys Arm schnellte gierig und diebisch vor, wie die Klaue eines Papageis. Sie ließ die Juwelen durch ihre Finger rinnen.
„Wunderbar,“ flüsterte sie. „Und das haben Sie von ihm bekommen? Und Sie haben seine anderen Juwelen gesehen?“
„Ich habe das von ihm bekommen. Es hat einmal einem persischen Sultan gehört, sagte der alte Ali. Der Maharadscha hat es mir ausgewählt. Selbst hätte ich ein Jahr gebraucht, um unter seinen Juwelen eine Wahl zu treffen. Das einzige, was ich zu nehmen wagte, waren diese einzelnen Steine.“
„Opale! Die Unglück bringen!“
„Wer weiß? Vielleicht bringen sie mir Glück — ich habe meistens gerade umgekehrt gehandelt, wie vernünftige Menschen.“
„Und wie waren die andern?“
„Bitten Sie mich einen Regenbogen zu beschreiben, Mrs. Bowlby! Wenn Sie einen Begriff davon haben wollen, weiß ich keinen anderen Weg, als daß Sie zum Fest des Maharadscha kommen.“
„Dorthin? Nie! Eher will ich — gehst du, John?“
„Ja, liebe Susan.“
„Und du, Helen, du machst es wie ich, nicht wahr?“
„Ja, Mama, wenn du Papa folgst. Eheleute sollen einander nahe sein, das haben wir in meiner Schule gelernt.“
Mrs. Bowlby stieß einen Seufzer aus, den sie nur mäßig überzeugend gestalten konnte.
„So sagen Sie also dem Untier, daß ich komme,“ sagte sie. „Aber anständiges Benehmen ist meine Bedingung. Und was soll man anziehen, Mr. Cray?“
* *
*
Wahrscheinlich hatte Yussuf Khan seine Weisungen etwas modifiziert, oder auch war London außerstande gewesen, sie in vollem Ausmaß durchzuführen, denn ganz asiatisch war das Bild nicht, das sich den Eingeladenen — Familie Bowlby, Herrn van Schleeten und Allan — bot, als sie am folgenden Abend in einer Prozession in den großen Festsaal des Grand Hotel Hermitage wanderten und dort von Yussuf Khan, dem Obersten und dem alten Ali empfangen wurden. Der Oberst, Herr van Schleeten, Mr. Bowlby und Allan waren im Frack; Miß Bowlby in ausgeschnittenem Tüll und Mrs. Bowlby in einer grünschwarzen Brokattoilette mit einer Schleppe, die ebenso lang war wie sie selbst, mit ihren besten Juwelen geschmückt und fest entschlossen, das Sternenbanner hochzuhalten. Yussuf Khan und der alte Ali waren in ganz orientalischen weißen weiten Gewändern, mit Turbans auf dem Kopfe. Yussuf Khans Turban trug eine Aigrette von Diamanten, alle weiß bis auf einen einzigen großen schwarzen, der wie ein brennender Pechsee flammte. Ueber sein rechtes Ohr hing ein Büschel Smaragden, das Mrs. Bowlbys Lippen ein unwillkürliches Ah! entlockte. Yussuf Khan begrüßte sie mit einem tiefen Salaam.
„Willkommen, Gäste des Abends!“ sagte er. „Willkommen zu dieser Festlichkeit, und nehmet meinen Dank, daß ihr sie durch eure Gegenwart beehren wollt. Ich bitte euch, gütigst zu entschuldigen, daß die Anordnungen, die getroffen wurden, euer ganz unwürdig sind, und bevor wir zu dem dürftigen Tische gehen, bitte ich euch, Oberst Morrel Sahib, diejenigen meiner Gäste vorzustellen, mit denen ich noch nicht zusammengetroffen bin.“
Während der Oberst diese Vorstellung vornahm, hatte Allan Zeit, sich umzusehen.
Der Festsaal des Hotels hatte, um nach Yussuf Khans Wünschen angeordnet zu werden, die Voraussetzung gehabt, daß er in einer Art Tempelstil erbaut war, mit sehr breiten Säulen an den Seiten, die eine nicht besonders hohe Decke trugen. Jetzt waren sowohl Decke wie Wände und Boden von ungeheuren schweren Teppichen in phantastischen teheranischen Mustern verdeckt, zwischen denen die grünblauen breiten Marmorsäulen, wenigstens für Allans Phantasie, asiatisch wirkten. Von der Decke sanken die Draperien in einer weichen Kurve herab, in der Mitte des Saales von zehn langen Lanzen gerafft; unter dem so gebildeten Baldachin war die niedrige Festtafel gedeckt. Davor befanden sich an der Stelle von Sesseln förmliche Berge von Kissen. Neben jedem Platz stand ein niedriges Metallgestell, das eine Spülschale aus grünem Porphyr trug. Die Beleuchtung war ein Kompromiß zwischen Europa und der Religion des Propheten: Elektrische Lampen, die zusammen einen gewaltigen Halbmond bildeten, glitzerten an der draperieverhüllten Decke von der einen Längsseite bis zur anderen. In einem entsprechenden Halbkreis stand die schwarze Leibwache, die Krummsäbel im Gürtel rings um den Platz, wo der Maharadscha sitzen sollte und wo die Kissen etwas höher aufgetürmt waren, als auf den anderen Plätzen. Zuletzt erblickte Allan mit einem leichten Schauer in einer Ecke einige halbnackte Tänzerinnen mit goldenen Ringen um Arme und Fußknöchel. Sie hatten breite, groteske Saiteninstrumente und blinkende Tamburine. Was würde Mrs. Bowlby dazu sagen? Er wandte die Aufmerksamkeit von den Tänzerinnen gerade rechtzeitig ab, um zu hören, wie diese Dame zu Yussuf Khan sagte:
„Ich muß gestehen, daß ich schwankte, bevor ich Ihre ... Ew. Hoheit (es fiel ihr merklich schwer, den Titel hervorzubringen) Einladung annahm.“
„Und warum?“ sagte Yussuf Khan. „Hat der junge Sahib, der meine Juwelen gerettet hat, meine Einladung so lau oder schlecht vorgebracht?“
„Nein,“ sagte Mrs. Bowlby, „aber ich befürchtete, daß, wenn das Fest so werden sollte, wie die Feste in Ihrem ... in Ew. Hoheit Heimat zu sein pflegen, ich ... hm ... Dinge zu sehen bekommen würde, die eine anständige Frau nicht zu sehen gewohnt ist.“
„Das ist richtig,“ sagte Yussuf Khan, „in meinem Lande kommen ehrbare Frauen nicht zu den Festen der Männer.“
Mrs. Bowlby zuckte bei dieser orientalischen Aufrichtigkeit zusammen. Im Nu vergaß sie Zeremonien und Titel über Dinge, die ihr schon lange am Herzen lagen.
„Und in meinem Lande“, rief sie, „hat kein anständiger Mann hundertfünfzig Frauen auf einmal!“
Yussuf Khan überlegte einen Augenblick.
„Aber habe ich nicht gehört,“ sagte er ernst, „daß eine Frau hundertfünfzig Männer hintereinander haben kann, wenn sie es darauf anlegt?“
Mrs. Bowlby starrte ihn an.
„Wir wollen uns die Hand schütteln,“ sagte sie schließlich. „Das haben Sie gut gemacht! Demmit, das ist mir noch nie eingefallen.“
„Jedes Land“, warf der alte Hofdichter ein, „hat seine Sitten, die zwei Meilen von der Grenze lächerlich und unbegreiflich erscheinen. Dies sollte uns lehren, zu bedenken, daß wir alle nichts anderes sind, als Spielbälle des Schicksals, wie der göttliche Zeltmacher es so treffend ausdrückt:
Er wiederholte eine Zeile für sich selbst in einer Sprache, die Allan nicht kannte und die etwa klang wie:
„U danad u danad u danad u ...“
Oberst Morrel beeilte sich das Wort zu ergreifen; Poesie gehörte offenbar nicht zu seiner Vorstellung von hors d’oeuvres.
„Wäre es nicht an der Zeit zu Tisch zu gehen?“ sagte er. „Ew. Hoheit wissen, daß wir morgen in aller Frühe abreisen.“
Yussuf Khan brach in ein Lachen aus, das Allan überraschte. Eine solche Heiterkeit erwartete man nicht von einem passiven Orientalen. Aber tatsächlich lachte Seine Hoheit so, daß er alle Zähne zeigte, wobei Allan flüchtig bemerkte, daß einer davon ganz überplombiert mit Gold war. Yussuf Khan wischte sich die Augen und sagte noch immer lachend:
„Ihr habt recht, Oberst Morrel Sahib, morgen verliert mich diese Stadt für lange Zeit aus den Augen. Gehen wir also zu Tisch!“
Der Oberst, der diese Heiterkeit, deren Ursache ihm offenbar unbegreiflich war, ganz verblüfft beobachtet hatte, zuckte die Achseln. Yussuf Khan wiederholte:
„Zu Tisch!“
Er führte selbst die Gäste zu der gedeckten Festtafel und wartete, bis alle unter dem niedrigen Baldachin versammelt waren, um dann zu sagen:
„In meinem Lande nehmen wir unsere Mahlzeiten nicht an einem Tische wie diesem ein. Aber als ich mit mir selbst über das Fest zu Rate ging, sagte ich mir zwei Dinge. Ich dachte zuerst: diese edlen Sahibs sind nicht an die Sitten meines Landes gewöhnt, und was das Essen betrifft, so lieben alle Menschen ihre eigenen Sitten am meisten.“
„Das ist wahr,“ sagte der alte Ali, „und mein Schüler spricht gut.“
„Ferner“, fuhr Yussuf Khan fort, „sagte ich mir selbst: was ist schuld daran, daß ich diesen edlen Sahibs Unannehmlichkeiten bereitet habe, die ich sie nun in unwürdiger Weise durch dieses Fest bitten möchte, zu entschuldigen? Ich sagte mir selbst: meine Juwelen, denen von schlauen, kühnen Dieben nachgetrachtet wurde. Wenn nun meine Gäste diese Juwelen zu sehen bekommen, die trotz alldem von einer gewissen Schönheit sind, können sie vielleicht den Grund der Gier der Diebe begreifen und dadurch auch die Unannehmlichkeiten, die sie selbst erdulden mußten. Und deshalb —“
Er brach plötzlich ab und klatschte in die Hände.
Im Nu, plötzlich, wie der Nebel bei einem Sonnenaufgang in den Tropen verschwindet, verschwand eine Hülle aus weißer Seide, die über der Festtafel ausgebreitet gelegen war — wie es zuging, konnte niemand sehen — und Yussuf Khans Gäste starrten mit halbgeblendeten Augen auf die Juwelen Nasirabads, die sich in einer Pyramide mitten auf dem Tische auftürmten. Eine nette Tischdekoration! Allan, der Oberst und Herr van Schleeten, die sie schon gesehen hatten, standen stumm da, wieder ganz bezaubert von dem phantastischen Glanz der Steine. Aber der Familie Bowlby, die sie noch nicht gesehen hatte, entrang sich ein dreifacher erstickter Schrei. Mrs. Bowlbys Augen irrten von einem Diadem und Halsband zum anderen, halb mit naiver Bestürzung, halb mit Mißtrauen. Endlich wendete sie sich dem Maharadscha zu, der sie ernsthaft beobachtet hatte, und murmelte, indem sie auf die Familienjuwelen wies, die sie trug:
„Wollen Ew. Hoheit einen Augenblick warten, ich springe nur hinauf und lege das ab!“
Yussuf Khan winkte majestätisch mit der Hand.
„Das wäre töricht, und wir würden Zeit verlieren,“ sagte er, ohne sich auf irgendwelche Versuche zu Höflichkeiten einzulassen. „Nehmen wir Platz!“
Er winkte den Gästen, sich zu setzen. Neben sich placierte er Mr. und Mrs. Bowlby, dann Allan mit Miß Helen, dann den Obersten, Herrn van Schleeten und den alten Ali. Selbst setzte er sich zu allerletzt, indem er den rechten Arm zu dem Baldachin erhob. Im selben Augenblicke tauchten von allen Seiten, wie es schien, aus dem Nichts, Diener mit blinkender schwarzer Haut auf, füllten die Porphyrschalen vor jedem Gaste mit parfümiertem Wasser und stellten vor jeden einen Becher mit einem rosafarbenem Getränk hin.
„Das ist Sorbet,“ sagte Yussuf Khan, „später kommen die Getränke, die die Sahibs lieben, aber zum Willkommengruß wünschte ich den Trank meines eigenen Landes.“
Er erhob das Glas mit einer majestätischen Bewegung und trank es aus.
„Möchte diese unwürdige Mahlzeit euch alle Beschwerden vergessen lassen, die ihr meinetwegen erduldet habt.“
Im selben Augenblicke, in dem er seinen Becher niederstellte, fiel ein Regen von Rosen auf die Festtafel und die Gäste, und im Hintergrunde des Saales begannen die braunen Tänzerinnen einen wirbelnden Tanz, den sie auf ihren seltsamen Instrumenten begleiteten. Während Mrs. Bowlby von ihren Kissen empor schnellte, um sie anzustarren, beugte Allan sich zu Miß Helen herab, die mit träumenden Augen dasaß, als wüßte sie nicht, ob sie wachte, und sagte:
„Se. Hoheit scheint kein weiteres Attentat auf seine Edelsteine zu befürchten, da er sie hier so ausbreitet.“
„Er hat ja die Leibwache um sich,“ sagte sie, ohne ihre Blicke von der Pyramide auf dem Tisch abzuwenden. „Sie haben aber auch gehörigen Respekt vor diesem Mirzl!“
„Ich muß gestehen, daß ich ihn im Verdacht habe, wo immer zwei oder drei versammelt sind und etwas in der Nähe ist, das des Stehlens wert ist.“
„Da müßte er ja hier drinnen sein,“ lachte sie.
Allan fuhr bei ihren leicht hingeworfenen Worten zusammen. Was war ihm doch früher am Abend eingefallen? Und nach welcher anderen Erinnerung fahndete er nur?
Yussuf Khan, der Mrs. Bowlby mit tiefem Ernst beobachtet hatte, sagte:
„Es ist unbestreitbar, daß einige der Tänzerinnen, die der Besitzer dieser Karawanserei aufgetrieben hat, nicht des Reizes entbehren. Aber ich für meine Person finde weit größeres Gefallen an Eurer Tochter, die mir herangewachsen genug scheint, um verehelicht zu werden.“
Mrs. Bowlby stieß einen Schrei aus, wie ein in der Schlinge gefangener Papagei und wandte sich jäh von den Tänzerinnen ab, die in einem Zyklon von nackten Gliedern und blinkendem Gold umherwirbelten.
„Helen!“ rief sie. „Helen, du darfst kein Wort von dem hören, was er sagt!“
„Nein, Mama.“
„Sie sollten sich schämen!“ fuhr Mrs. Bowlby an Yussuf Khan gewendet fort. „Sie sollten sich die Augen aus dem Kopfe schämen! Wo Sie hundertfünfzig Weiber haben, die Sie Frauen nennen, Sie sollten sich schämen, meinem armen, unschuldigen Kinde Fallstricke zu legen!“
„Diese hundertfünfzig Frauen“, sagte Yussuf Khan, „sind schon lange in meinem Palast. Ueberdies können sie weggeschickt werden, wenn es nötig ist. Vielleicht ist es leichter, eine Frau zu lieben als hundertfünfzig.“
Mrs. Bowlby umklammerte ihren Sorbetbecher, wie um ihn ihm an den Kopf zu werfen und starrte ihn sprachlos an. Yussuf Khan fuhr ebenso ruhig wie immer fort:
„Mein Geschlecht zählt achtundvierzig Ahnen, und von meinem Palast und meinen Besitztümern legen diese Juwelen ein wenn auch unwürdiges Zeugnis ab. Wäre der Juwelenkünstler, der zur Linken meines Lehrers sitzt, nicht von einem Weibe betört worden, worum wir ihn alle beneiden müssen, hätten diese Juwelen ein anderes und gewinnenderes Aussehen.“
„Helen!“ schrie Mrs. Bowlby mit erstickter Stimme, „Helen, höre nicht auf ihn!“
Miß Helen wollte etwas antworten, und die schwarzen Diener erschienen eben in feierlicher Prozession mit einer Reihe Silberschüsseln in den erhobenen Händen, als Allan eine Idee durchzuckte. Die Erinnerung, nach der er gesucht hatte, war aufgetaucht, und im selben Augenblick war die Idee gekommen — wahnsinnig, aber!! Er beugte sich hinter Miß Helens Rücken zu Oberst Morrel vor. Er flüsterte dem Obersten zwei Fragen zu, worauf dieser ihn anstarrte wie einen Wahnsinnigen, bis er endlich die Sprache wieder fand.
„Ja, was zum Henker soll das heißen?“ brüllte er. „Sind Sie denn ganz toll?“
Allan erhob sich von seinem Platz.
„Was das heißen soll?“ rief er, indem er mit blitzenden Augen auf Yussuf Khan deutete. „Das soll heißen, daß der Mann, der da sitzt, gar nicht Yussuf Khan, Maharadscha von Nasirabad ist!“
Er hatte kaum diesen Satz herausgeschleudert, als an die Eingangstür des Festsaals geklopft wurde. Sie öffnete sich, und drei wunderliche Gestalten erschienen auf der Schwelle.
Zuerst kam der Mann, der behauptet hatte, einem Feste in seinem eigenen Hotel nicht beiwohnen zu können — der Direktor des Grand Hotels Hermitage. Dann kam eine Frau, bei deren Anblick Mrs. Bowlby zurückprallte wie vor dem Anblick einer Klapperschlange, und schließlich ein Mensch im zerdrückten Anzug und nicht ganz reinem Kragen, der eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Maharadscha von Nasirabad aufwies.