5. Kapitel. Aufzählung der Blattpflanzen
In der folgenden Aufzählung der Blattpflanzen sind diejenigen, welche auch in sonnenlosen Zimmern noch gut gedeihen, durch einen Stern (*) bezeichnet. Diese Pflanzen können auch etwas weiter ab vom Fenster kultiviert werden. Man hüte sich aber, ihnen einen Platz zu geben, wo sie von der strahlenden Hitze des Ofen getroffen werden. Pflanzen, welche einen aufrechten Stamm bilden, sollte man niemals weit vom Fenster aufstellen, weil sie sich sehr nach dem Lichte ziehen und schief werden. Etwas hilft gegen das Schieswachsen ein tägliches Drehen der Pflanze um 90°, so daß jede Seite jeden fünften Tag dem Fenster zugewendet ist. Pflanzen, welche längere Zeit dieselbe Stellung inne hatten und infolgedessen schief geworden sind, vertragen nicht immer eine Umänderung der Stellung, sondern werfen die Blätter. Andere Arten dagegen richten sich auch dann noch nach dem Lichte. Als eine ziemlich allgemein gültige Regel gilt es, daß Pflanzen, deren Blätter außer grün noch eine andere Farbe, weiß, gelb, rot, zeigen, viel direktes Sonnenlicht brauchen, damit die Farben recht intensiv [pg 24] werden. Schattenpflanzen sind dagegen meistens Farne und Aroideen. Während der heißen Sommermonate müssen die sonneliebenden Pflanzen während der heißen Mittagsstunden durch ein weißes Rouleau gegen die direkte Wirkung der Sonnenstrahlen geschützt werden.
Farne
Die Farnkräuter sind fast durchweg Schattenpflanzen, welche im Walde wachsen, wo sie wenig oder gar nicht direkt von den Sonnenstrahlen getroffen werden. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß wir sie nicht direkt in die Sonne stellen dürfen, sondern so ausstellen müssen, daß das sie treffende Licht durch das Laub davorstehender Pflanzen gedämpft worden ist. Andrerseits wollen die Farne doch reichlich Licht haben, sie dürfen also nicht in dunklen Ecken oder weit ab vom Fenster aufgestellt werden. Ferner verlangen die Farne in den meisten Fällen viel Luftfeuchtigkeit, deshalb sollen sie täglich wiederholt mit dem Zerstäuber besprengt werden. Nur die Gold- und Silberfarne sowie die Gleichenien sind gegen direkte Nässe an den Wedeln sehr empfindlich. Da aber auch diese feuchte Luft zum guten Gedeihen brauchen, so hält man sie am besten unter Glas und sorgt für Luftfeuchtigkeit durch ein in dem Kulturraume aufgestelltes mit Wasser gefülltes flaches Gefäß. Frei im Zimmer stehende Farne werden sich stets sehr schön entwickeln, wenn man sie des Nachts mit nasser Gaze bedeckt, die aber die Wedel nicht berühren darf. Die beste Erde für Farne ist eine Mischung aus [pg 25] 3 Teilen Heideerde und 1 Teil gutverrotteter Lauberde, der man etwas groben reinen Sand und, wenn möglich, kleine Holzkohlenstückchen zusetzt. Außerdem muß eine gute Scherbenunterlage für sehr guten Wasserabfluß gesorgt werden. Die Töpfe für Farne sollen stets mehr breit als tief sein, weil die Wurzeln sich flach ausbreiten. Aus diesem Grunde sind Schalen besser als Töpfe. Fehlen Schalen, so vermindert man den Raum. für die Erde in den Töpfen durch eine hohe Scherbenunterlage. Während der Wachstumperiode sind Farne für eine schwache flüssige Düngung sehr dankbar. Frei im Zimmer halten sich die Farne mit derben, lederartigen Blättern (»Wedeln«) am besten. Zu diesen gehören:
*Cyrtomium falcatum Sw., in Japan, China, am. Himalaya und an den Nilgherries, auf den Sandwichsinseln, Madagascar und in S.-Afrika heimisch, mit 30–60 cm langen, 15–22 cm breiten, einfach gefiederten Wedeln, deren Fiedern 10–15 cm lang, 2½–5 cm breit, eiförmig zugespitzt, sichelförmig sind.
*Asplenum Nidus L.1. Das Vogelnest, von den ostafrikanischen Inseln bis nach Japan, den Gesellschaftsinseln und Neukaledonien heimisch, ausgezeichnet durch einfache 60–120 cm lange, 7½–20 cm breite, lanzettliche, zugespitzte, lederartige, dunkelgrüne Wedel, welche so zusammenstehen, daß sie ein riesiges Nest zu bilden scheinen.
*Polypodium aureum L.2, ein in Ost-Amerika von der Halbinsel Florida bis Brasilien heimisches, prächtiges Farnkraut mit kriechendem, dicht mit rostbraunen Schuppen besetztem Wurzelstock, von dem sich die bei guter Pflege [pg 26] und genügender Wärme und Luftfeuchtigkeit bis mannshohen, bis einen halben Meter breiten, im Zimmer aber meist nur einen halben bis einen Meter hohen und einen viertel Meter breiten Wedel erheben. Die Wedel sind langgestielt, in eine lange Spitze ausgezogen und seitwärts bis nahe an den Mittelnerv in bald mehr bald weniger zahlreiche etwas gewellte Lappen eingeschnitten. Das schönste an diesen Wedeln ist die eigentümliche, köstlich blaugrüne, beduftete Farbe, von der sich an fruktifizierenden Wedeln die leuchtend orangegelben Fruchthäufchen äußerst wirkungsvoll abheben. Während die beiden zuerst genannten Arten im Winter kühl, möglichst bei 4–6° R. [5–7,5°C], stehen wollen, zieht dieses Farnkraut einen etwas wärmeren Standort vor.
Selten in Kultur, aber seiner Eigentümlichkeiten wegen sehr zu empfehlen ist das ganz harte Elephantenohr, *Platycerium alcicorne Desv., im gemäßigten Australien, auf den Mascarenen und Seychellen heimisch. In der Heimat wächst diese Pflanze an Baumstämmen, sie gedeiht bei uns aber auch im Topfe sehr gut. Ihren Namen hat die Pflanze nach den eigenartigen Wedeln, welche in Größe, Form und Farbe in der Tat sehr an Elephantenohren erinnern. Diese Wedel stehen aufrecht und bilden niemals Sporen. Außer ihnen treten nun noch vollständig anders geformte Wedel auf, welche 60 bis 90 cm lang werden und wiederholt gabelig geteilt sind. Die einzelnen Lappen hängen wie breite blaugrüne Lederstreifen herab und tragen bisweilen auf der Rückseite in der Nähe der Spitze ausgebreitete braune [pg 27] Sporenmassen. Auch dieses Farnkraut will im Winter nicht zu warm stehen.
Von den dünnblättrigen Farnen sind zunächst einige Pteris-Arten für das Zimmer sehr zu empfehlen. Sehr verbreitet ist *Pteris cretica L., eine in der warmen gemäßigten Zone beider Hemisphären heimische Art, welche 15–30 cm lange, zierliche, langgefiederte Wedel bildet. Wie bei vielen Farnen sind hier die sporentragenden, fertilen Wedel von den unfruchtbaren, sterilen, abweichend gebildet. Sehr hübsch ist eine aus Japan stammende weißgestreifte Form albo-lineata3. Noch zierlicher ist der ebenfalls ganz harte Pteris serrulata L. fil.4 in China, Japan und Natal heimisch, dessen [pg 28] 25–50 cm lange, 15–25 cm breite Wedel in sehr feine Fiedern zerschlitzt sind und äußerst graziöse Büsche bilden. Beide Arten wollen im Winter kühl, bei 4 bis 6° R. [5–7,5°C] stehen. Etwas wärmer will *Pteris quadriaurita Retz, eine in den Tropen heimische Art, stehen. Sie gedeiht auch im geheizten Wohnzimmer, wenn für feuchte Luft gesorgt wird. Die gefiederten Wedel erreichen bei der Stammform bis zu 1 m Länge und 30 Cm, ja noch mehr Breite. Schöner sind einige Varietäten, von denen man eine mit breitem weißen Mittelbande als Pteris argyraea Moore ziemlich häufig antrifft. Ganz besonders schön und dabei klein bleibend ist die Varietät Pteris tricolor Linden5, deren Wedel auf grünem Grunde weiß und rot gezeichnet sind. Diese Form wird am schönsten im Glaskasten an einem sonnigen Fenster, wenn man die [pg 29] direkten Sonnenstrahlen durch Leinewand abhält.
Recht beliebt sind die Frauenhaar- oder Adiantum-Arten. Die Wedel derselben sind entweder ganz einfach, so bei dem etwas selteneren Adiantum reniforme L., aus Madeira, Teneriffa, Mauritius und Bourbon, oder einfach gefiedert oder doppelt gefiedert oder wiederholt gabelig geteilt und dann mit zahlreichen Fiedern an den einzelnen Zweigen besetzt. Alle Adiantum-Arten sind leicht an den zierlich dünnen Wedelstielen, den charakteristisch geformten keil- oder rautenförmigen Fiedern, der auffallend dünnen und dabei doch festen Textur derselben und den am Rande auf der Unterseite sitzenden etwa halbmondförmigen Fruchthäufchen sehr leicht zu erkennen. Wegen ihrer dünnen Textur vertragen sie alle keine trockene Luft und gedeihen am schönsten im hellen Glaskasten. Einige [pg 30] Arten lassen sich aber bei sorgsamer Pflege auch frei im Zimmer halten, wie *Adiantum cuneatum6, *A. Capillus Veneris L.7, das Venushaar, welches über die ganze Erde verbreitet ist, und *Adiantum pedatum L., das fußförmige Frauenhaar aus Nordamerika und Südostasien, wenn man sie im Winter im kühlen Zimmer einziehen läßt und dann nur eben vor dem Vertrocknen schützt. Die beiden letzten Arten halten übrigens unter leichter Decke auch im Freien aus.
Die schönste Art ist *Adiantum Farleyense Moore, eine Gartenform des amerikanischen Adiantum tenerum Swartz welche am besten im warmen Zimmer einzeln unter einer Glasglocke kultiviert wird. Schöne Exemplare erreichen bei guter Kultur bis einen halben Meter Durchmesser. [pg 31] Die Wedel dieser Art werden wegen der sehr großen. Fiedern am besten an dünnem steifem Draht festgebunden. Bemerkenswert ist etz, daß man von dieser Form nur sehr selten Fruchtwedel erhält. Ein neuerdings eingeführtes, sehr dankbares Farnkraut ist Nephrolepis bostoniensis 8 mit sehr eleganten, langen Wedeln. Vergleiche über Farne auch Gartenbaubibliothek Band 8, Mönkemeyer, die Farne.
Selaginellen
Die Selaginellen, nahe Verwandte der Bärlappe, sind zum größten Teil nur unter Glas zu kultivieren, weil sie vor allem feuchte Luft brauchen.
Eine Ausnahme macht nur *Selaginella Martensii Spring aus Brasilien, welche auch frei im Zimmer gehalten werden [pg 32] kann, wenn man sie recht häufig mit dem Zerstäuber benetzt. Alle Selaginellen verlangen eine sehr humusreiche lockere Erde und nicht zu starke Sonne, da sie in derselben rot werden. Im Glaskasten können einzelne zur Rasenbildung verwendet werden, wozu sich besonders schön die amerikanische *Selaginella apus Spring, ferner *Selaginella denticulata Lk. und die prächtige *Selaginella uncinata Spring aus China mit hechtblauem Schimmer auf den Blättern, eignen; andere Arten bilden nach Art der schon genannten Selaginella Martensii Spring schöne zierliche Büsche, wie *S. Victoria h. Bull. von den Inseln des Stillen Ozeans. Noch andere Arten endlich, wie *S. erythropus Spring aus Brasilien klettern und eignen sich zur Bekleidung von Felsen. Eine sehr zierliche Art, welche vor einigen Jahren eingeführt wurde und sich im nicht zu warmen Zimmer ausgezeichnet hält, ist S. Watsoniana 9, welche sehr dichte Büschchen bildet, deren Zweigspitzen silberweiß sind. — Die Vermehrung aller Selaginellen gelingt leicht durch Stecklinge, welche meist schnell wurzeln; jedoch lassen sich einzelne, wie S. uncinata oft lange Zeit, bis sie zu wachsen beginnen.
Cycadeen
Von den Cycadeen oder Zapfenpalmen eignen sich nur die härteren Arten, wie Cycas revoluta Thbg. aus Japan und Dioon edule Ldl. aus Mexiko, zur Kultur im Zimmer ohne Schutz, während im Glaskasten auch die anderen Arten gut gedeihen, wenn man ihnen gleichmäßige Bodenwärme geben kann. Man stelle sie hell, aber nicht zu [pg 33] sonnig. Gute, nahrhafte, etwas schwere Erde sagt ihnen am besten zu. Die Anzucht aus Samen ist nicht schwierig, namentlich wenn man etwas Bodenwärme geben kann. Cycas revoluta liefert Sago, Dioon edule Stärkemehl.
Nadelhölzer
Unter den Nadelhölzern, welche, so weit sie für die Zimmerkultur in Betracht kommen, sämtlich im Winter einen kühlen Standort von höchstens 6–8° [7–9,5°C] verlangen, ist in neuerer Zeit besonders *Araucaria excelsa R. Br.10 von den Norfolk-Inseln wegen ihres überaus regelmäßigen Wuchses sehr beliebt. Man hüte sich, die Pflanze im Winter zu warm und zu naß zu halten, weil sie sonst leicht die Zweige hängen läßt. Ihres schönen Baues wegen steht sie am besten einzeln, aber nicht zu weit vom Fenster ab, weil sie sich sonst leicht schief zieht. Aus diesem [pg 34] Grunde ist sie häufig zu drehen. Auch die japanische *Cryptomeria japonica Don ist ihres regelmäßigen Wuchses wegen sehr beliebt. Alle Nadelhölzer wollen eine humusreiche Haide- oder Torferde mit etwas Lehm und Sand gemischt und guten Wasserabzug. Vergl. auch Band 28 der Gartenbaubibliothek: Dammer, Nadelhölzer.
Pandanaceen
Wegen ihrer eigenartigen Blattstellung und ihres eleganten Wuchses sind die Schraubenbäume oder Pandanaceen von jeher beliebt. Sie sind sämtlich in den Tropen der alten Welt heimisch, gedeihen aber teilweise frei im Zimmer ganz vorzüglich, wenn man ihnen die nötige Pflege zukommen läßt. Dieselbe besteht in reichlicher Bewässerung des gut durchlässigen Erdreiches, [pg 35] Umwickeln der unteren Stammpartie mit Moos, das stets [pg 36] feucht zu halten ist, Begießen mit warmem Wasser von etwa 20–25° R. [25–30°C], Reinhalten der Blätter von Staub und Ungeziefer und Bewahren der Wurzeln vor starken Temperaturschwankungen. Die Anzucht geschieht aus Samen, den man etwas warm stellt oder durch Stecklinge, welche bei etwas Bodenwärme leicht Wurzeln bilden.
Am härtesten ist *Pandanus utilis Bory von Madagascar und Bourbon, der auch mitten im Zimmer sehr gut gedeiht, wenn das Zimmer hell ist. Er gehört zu den edelsten, dekorativsten Pflanzen. Etwas empfindlicher ist der zierliche Pandanus nitidus Kurz (auch unter dem Namen *Pandanus graminifolius verbreitet) aus Java, welcher dichte, reich verzweigte Büsche bildet. Eine prächtige, weiß gestreifte Art ist Pandanus Veitchi Lem. von den Inseln des Stillen Ozeans, welche aber viel Licht braucht und auch etwas empfindlicher ist.
Palmen
Unter den Palmen ist eine ganze Anzahl zur Kultur im Zimmer geeignet. Ihr eleganter Wuchs, ihre Widerstandsfähigkeit und ihre verhältnismäßig leichte Kultur machen sie zu bevorzugten Lieblingen des Pflanzenfreundes. Von den etwa 1200 bekannten Arten, welche zum größten Teil in den Tropen Amerikas und Asiens, zum Teil auch in den Tropen und Subtropen der übrigen Kontinente heimisch sind, vereinzelt auch bis in die warmen gemäßigten Zonen vordringen, sind ca. 600 Arten in Kultur. Etwa der vierte Teil dieser letzteren läßt sich frei im Zimmer kultivieren; die übrigen verlangen Glasbedeckung. [pg 37]
Alle Palmen wollen im Zimmer reichlich Licht, wenn auch nicht immer direkte Sonne; im Gegenteil gedeihen nicht wenige an einem sonnenfreien Platze besser als an einem sonnigen Fenster. Ferner brauchen sämtliche Palmen während der Vegetation sehr viel Wasser und reichlich Nahrung. Je nachdem die Wurzeln dick und wenig verzweigt oder dünn und reich verzweigt sind, gebe man den Palmen eine schwere oder eine leichte lockere humus-reiche Erde!11. Palmen aus der gemäßigten Zone [pg 38] und aus den Subtropen wollen im Winter kühl bei 4–8° R. [5–10°C] stehen. Wohnzimmertemperatur schwächt diese Arten, sie werden davon dünnblättrig und kränkeln leicht. Am empfindlichsten sind die Palmen an den Wurzeln. Wenn irgend möglich, stelle man sie deshalb in einen Doppeltopf und fülle den Zwischenraum zwischen beiden Töpfen mit einem schlechten Wärmeleiter, wie Sägespänen, Torfmull etc. aus. Obgleich die Palmen während der Vegetationsperiode viel Wasser brauchen, darf die Erde doch nicht schlammig werden. Durch eine reichliche Scherbenunterlage muß also für guten Wasserabzug gesorgt werden. Palmen mit dicken Wurzeln, welche gern tief in die Erde eindringen, gibt man vorteilhaft Töpfe, welche noch einmal so lang wie breit sind. Beim Verpflanzen bringe man die Palmen mit Ausnahme der Kentia und Sabal-Arten, welche schräg abwärts in den Boden wachsen, mit der Stammbasis bis auf die Erde. Palmenwurzeln, welche über der Erde stehen, sind in Moos einzuhüllen, welches beständig feucht zu halten ist. Die Vermehrung der Palmen erfolgt aus Samen, welche in Torfmull gleichmäßig feucht und warm zu halten sind. Die Samen liegen manchmal Monate lang, bis sie keimen, deshalb ist Anzucht aus angekeimten Samen vorzuziehen. Viele Palmen sind sehr empfindlich gegen frühzeitige Krümmung der Hauptwurzel. Man stecke die Samen deshalb in recht tiefe Töpfe. Ausführliche Anleitung zur Anzucht und Pflege der Palmen mit Aufzählung der meisten in Kultur befindlichen Arten, findet man in meinem Werke: Palmenzucht und Palmenpflege, Verlag von Trowitzsch und Sohn, Frankfurt a. O.
[pg 39]Je nach der Gestalt der Blätter, welche bei den Palmen wie bei den Farnen und Cycadeen Wedel genannt werden, unterscheidet man zwischen Fächer- und Fiederpalmen. In der Jugend ist dieser Unterschied meist nicht ausgeprägt, die jungen Blätter heißen deshalb Blätter, ausgebildete Wedel, auch charakterisierte Blätter oder Wedel. Unter den Fächerpalmen ist *Livistona chinensis R. Br. aus China, die verbreitetste Art. Sie geht auch unter dem Namen Latania borbonica oder Latania chinensis. Die großen Fächer sind tief eingeschnitten, stehen auf langen, wehrlosen Stielen, welche sich frühzeitig ziemlich flach legen, so daß die Pflanze bald einen großen Umfang erreicht. Schöner ist die mehr aufrecht wachsende *Livistona rotundifolia Mart. aus Java und Celebes, deren Wedel kreisförmig sind und in auf aufrechten, bestachelten Blattstielen stehen. Ähnlich dieser sind *Livistona oliviformis Mart.12 aus Java, *Livistona altissima Zoll13 aus Java und *Livistona Hoogendorpi Teism.14 aus Java, letztere mit besonders großen, breiten Stacheln an den Blattstielen. Alle sind gut im gewöhnlichen Wohnzimmer zu halten. *Livistona australis Mart., auch Corypha australis genannt, aus Australien, ist besonders schön, aber etwas schwieriger in der Kultur. Fächerpalmen für kühle Uberwinterungsräume sind die Chamaerops und Trachycarpus-Arten. Sie bilden schnell ansehnliche Pflanzen, die sich namentlich in reinem Lehm sehr kräftig entwickeln.
Ebenfalls für kühle Uberwinterungsräume geeignet sind Pritchardia robusta15, filifera16 und Sonorae17, von denen namentlich die zuletztgenannte Art durch ihre langen, krausen Fäden an den Wedeln, besonders [pg 40] auffallend ist. Im kühlen hellen Zimmer ist endlich [pg 41] noch die prächtige blaugrüne Erythea armata Wats.18, auch Brahea Roezli genannt, aus Nordmexiko und Californien, zu überwintern. Eine sehr dankbare Zimmerpalme, die frühzeitig einen dünnen Stamm bildet, ist *Rhapis flabelliformis l'Hérit.19 aus China und Japan, deren Fächerwedel auf langen, dünnen Stielen stehen. Die Fächer sind unregelmäßig in breite, vorn gezähnte oder gespaltene Stücke handförmig gespalten. Diese schöne Art wächst auch an weniger hellen Stellen gut. Sie verzweigt [pg 42] sich frühzeitig von unten und bildet später dichte Büsche.
Unter den Fiederpalmen nahmen früher die Verwandten der Dattelpalme, die Phönix-Arten den ersten Platz ein. Sie sind sehr zierlich, sehr dankbar, verlangen meist eine schwere Erde. Um sie in großer Vollkommenheit zu haben, ist es nötig, sie während des Winters kühl zu halten. In neuerer Zeit werden sie von anderen Fiederpalmen, welche meist unter dem Namen Kentia oder [pg 43] Areca gehen, verdrängt.
Von den echten Kentia-Arten ist Kentia Mac Arthuri hort. Bogor.20 die härteste Art, leicht zu erkennen an den vorn gezähnelten Fiedern. Sie verzweigt sich frühzeitig und wächst nicht sehr schnell. Sie gedeiht sowohl frei im Wohnzimmer, als auch in etwas kühleren Räumen, will aber hell stehen. Nahe verwandt mit dieser Art sind die beiden Rhopalostylis-Arten: Rhopalostylis Baueri Wendl. et Dr., auch als Areca Baueri Kentia Baueri und Seaforthia robusta im Handel), welche auf den Norfolk-Inseln heimisch ist, und R. sapida Dr. (auch ale Kentia Sapida und Areca Sapida im Handel) aus Neu-Seeland, die am weitesten nach Süden (38° s. Br.) in der alten Welt vordringende Palme, welche [pg 44] in ihrer Heimat ohne Schaden Frost und Schnee verträgt. Beide Arten sind sehr schnellwüchsig und ausgezeichnet durch einen braunen schilfrigen Überzug der Blattstiele. Die Fiedern der ersteren Art sind breiter und stehen mehr horizontal ab, während diejenigen der zweiten Art mehr aufwärts gerichtet sind.
In diese Verwandtschaftsgruppe gehört endlich noch Hedyscepe Canterburyana Wendl. et Drude (auch als Kentia Canterburyana im Handel) von der Lord Howe-Insel, eine sehr gedrungen wachsende Palme von prächtigem Habitus. Zu den Kentien werden ferner häufig die beiden Howea- oder Grisebachia-Arten, Howea Belmoreana Becc. und Howea Forsteriana Becc. gerechnet, welche beide auf der Lord Howe-Insel zu Hause sind. Beide sind sehr schnellwüchsig und erreichen [pg 45] schon in wenigen Jahren sehr bedeutende Dimensionen. Die zierlichere ist H. Forsteriana welche auch schneller wächst. —
Alle unter dem Sammelnamen Kentia vereinigten Palmen wollen eine lockere, sehr nahrhafte Erde, während der Vegetationsperiode reichlich Wasser und infolgedessen [pg 46] einen sehr guten Wasserabzug. Im Winter stellt man sie am besten etwas kühl, doch vertragen sie auch ganz gut die Temperatur des geheizten Wohnzimmers. Größere Pflanzen stellt man am besten frei auf Einzelständer.
Zwei harte Fiederpalmen, die ebenfalls durch schnellen Wuchs und eleganten Habitus ausgezeichnet sind, sind Archontophoenix Alexandrae W. et Dr. und A. Cunninghami W. et Dr.21, erstere auch unter dem Namen Ptychosperma Alexandrae, letztere unter dem Namens Seaforthia elegans im Handel, beide aus Neuseeland. Die letztere Art ist an den braunpunktierten Wedelstielen [pg 47] und Blattscheiden leicht zu erkennen. Sie wollen etwas schweren Boden und im Winter nicht zu warm stehen.
Sehr beliebt und mit vollem Rechte sind neuerdings wieder die Chamaedorea-Arten, weil sie meist sehr widerstandsfähig sind, trockene Zimmerluft gut vertragen und auch mit einem sonnenlosen Standorte zufrieden sind. Direktes Sonnenlicht ist ihnen geradezu schädlich. Während des Winters können sie ebensowohl kühl (6–8° [7–9,5°C]) als auch warm gehalten werden. Um sie zu voller Schönheit zu bringen und darin zu erhalten, ist es nötig, daß man ihnen eine sehr nahrhafte lockere humose Erde und während der Vegetation reichlich Wasser gibt. Sie bilden meist sehr frühzeitig einen schlanken Stamm, der bei den meisten Arten keine großen Dimensionen erreicht. Nur Chamaedorea desmoncoides Wendl.22 aus Mexiko wird selbst im Zimmer sehr hoch. Sie ist eine echte Palmliane und ihr dünner [pg 48] Stamm läßt sich deshalb leicht guirlandenartig ziehen.
Alle Chamaedoreen blühen, wenn sie einen Stamm gebildet haben, auch im Zimmer leicht. Wenn man männliche und weibliche Exemplare hat, so kann man mit Leichtigkeit auch im Zimmer Früchte erzielen. Die Wedel der Chamaedoreen sind meist gefiedert; bei einigen Arten, wie Ch. Ernesti Augusti Wendl.23 und Ch. geonomiformis Wendl. teilt sich aber die Wedelfläche nicht. Von besonderer Schönheit ist die feinfiederige Ch. glaucifolia Wendl., deren Fiedern truppweise zusammen stehen.
Zum Teil sehr harte, widerstandsfähige Fiederpalmen sind die Cocos-Arten, von denen verschiedene ausgezeichnet für die [pg 49] Kultur im Zimmer geeignet sind. Die häufigste Art ist die zierliche Cocos Weddelliana Wendl.24 aus Brasilien, welche schon als ganz junge Pflanze durch ihre überaus feine Fiederung auffällt. Sie will sehr durchlässigen Boden haben, weshalb man die Erde vorteilhaft reichlich mit kleinen Ziegelsteinbrocken mischt. Ihr Stand ist im geheizten Wohnzimmer, hell aber nicht sonnig. Im Gegensatz zu dieser kleinen Art steht Cocos australis Mart.25 aus Süd-Brasilien und Paraguay, welche ausgezeichnet blaugrün und sehr hart ist. Ihre Wedel gehören zu den elegantesten des ganzen Palmenreiches. Im Winter will diese Art durchaus kühler stehen. Eine ebenfalls sehr empfehlenswerte Art ist Cocos Datil Gr. et Dr.26 aus [pg 50] Argentinien, welche als Samenpflanze schnell große Dimensionen erreicht. Die ersten Wedel sind noch einfach, der Länge nach gefaltet. Dann folgen aber bald Fiederwedel mit langen schmalen Fiedern. Auch diese Art will im Winter kühl stehen. Vergleiche auch Band 32 der Gartenbaubibliothek: Dammer, Palmen.
Araceen
Aus der großen Familie der Araceen, welche hauptsächlich in den Tropen heimisch ist, sind einige Arten sehr beliebte, weil äußerst widerstandsfähige Zimmerblattpflanzen. Wem ein heizbarer Glaskasten zur Verfügung steht, der findet ferner unter den Araceen die am schönsten gefärbten Blattpflanzen, die Caladien, die an Farbenpracht von keiner anderen Familie übertroffen werden.
Alle Araceen wollen zu ihrem guten Gedeihen einen lockeren, nahrhaften Boden und, da sie flach wurzeln, ziemlich weite Gefäße haben. Bei reichlicher Ernährung, die nicht leicht zu reichlich sein kann, entwickeln sie sich außerordentlich schnell und bilden dann zum Teil riesige Blätter. Ein Gemisch von sandiger Lauberde und Kuhmist fördert sie sehr im Wachstum. Viele Arten bilden lange Luftwurzeln, welche man am besten in die Erde leitet, wo sie sich schnell verzweigen und zur Ernährung der Pflanze beitragen. Besonders wertvoll sind die Araceen dadurch für die Zimmerkultur, daß sie auch mit einem ziemlich dunklen Standorte vorlieb nehmen und keine Sonne brauchen. In sonnenlosen Zimmern entwickeln sie sich fast noch besser als in sonnigen Zimmern. Als Tropenbewohner hält man sie [pg 51] [pg 52] am besten im geheizten Wohnzimmer, doch vertragen sie auch einen kühleren Standort.
Die verbreitetste Art ist Monstera deliciosa Liebm. aus Guatemala, meist unter dem Namen Philodendron pertusum verbreitet. Ihre Blätter sind derb lederartig, in der Jugend einfach, später lappig und an größeren Exemplaren mit zahlreichen, verschieden großen Löchern versehen. Die Pflanze ist außerordentlich widerstandsfähig und wächst bei reichlicher Ernährung riesig. Am besten gibt man ihr einen Platz, von dem sie nicht wieder entfernt zu werden braucht. Aus der Gattung Philodendron ist Philodendron bipinnatifidum [pg 53] [pg 54] Schott aus Brasilien besonders empfehlenswert. Es bleibt niedriger als die vorige Art, bildet aber noch größere Blätter, welche doppelt fiederschnittig sind.
Empfindlicher sind die Dieffenbachia-Arten, welche durch buntgefärbte Blätter ausgezeichnet sind. Auch die Anthurium-Arten, unter denen sich wahre Kleinode befinden, erfordern größere Aufmerksamkeit und zu voller Entwickelung feuchte Luft. Man hält sie deshalb am besten unter Glas. Einige Arten der letzteren Gattung sind auch als Blütenpflanzen sehr wertvoll.