The Project Gutenberg eBook of Zu Guter Letzt
Title: Zu Guter Letzt
Author: Wilhelm Busch
Release date: June 27, 2010 [eBook #32989]
Most recently updated: January 6, 2021
Language: German
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Zu guter Letzt
von
Wilhelm Busch.
Mit dem Portrait des Verfassers.
31stes bis 35stes Tausend.
München.
Verlag von Fr. Bassermann.
1905.
| Halt dein Rösslein nur im Zügel, |
| Kommst ja doch nicht allzuweit. |
| Hinter jedem neuen Hügel |
| Dehnt sich die Unendlichkeit. |
| Nenne Niemand dumm und säumig, |
| Der das Nächste recht bedenkt. |
| Ach, die Welt ist so geräumig, |
| Und der Kopf ist so beschränkt. |
| Dies für Den und Das für Jenen. |
| Viele Tische sind gedeckt. |
| Keine Zunge soll verhöhnen, |
| Was der andern Zunge schmeckt. |
| Lasse Jedem seine Freuden, |
| Gönn ihm, daß er sich erquickt, |
| Wenn er sittsam und bescheiden |
| Auf den eignen Teller blickt. |
| Wenn jedoch bei deinem Tisch er |
| Unverschämt dich neckt und stört, |
| Dann so gieb ihm einen Wischer, |
| Daß er merkt, was sich gehört. |
| Nirgend sitzen todte Gäste. |
| Allerorten lebt die Kraft. |
| Ist nicht selbst der Fels, der feste, |
| Eine Kraftgenossenschaft? |
| Durch und durch aus Eigenheiten, |
| So und so zu sein bestrebt, |
| Die sich lieben, die sich streiten, |
| Wird die bunte Welt gewebt. |
| Hier gelingt es, da mißglückt es. |
| Wünsche finden keine Rast. |
| Unterdrücker, Unterdrücktes, |
| Jedes Ding hat seine Last. |
| Der Fährmann lag in seinem Schiff |
| Beim Schein des Mondenlichts, |
| Als etwas kam und rief und pfiff |
| Doch sehen that er nichts. |
| Ihm war, als stiegen hundert ein. |
| Das Schifflein wurde schwer. |
| Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, |
| Die Zahlung folgt nachher. |
| Und als er seine Pflicht gethan, |
| Da ging es klinglingling, |
| Da warf ein Goldstück in den Kahn |
| Jedwedes Geisterding. |
| Husch, weg und weiter zog die Schar. |
| Verwundert steht der Mann: |
| So Seelen sind zwar unsichtbar |
| Und doch ist etwas dran. |
| Ob er gleich von hinnen schied, |
| Ist er doch geblieben, |
| Der so manches schöne Lied |
| Einst für uns geschrieben. |
| Unser Mund wird ihn entzückt |
| Lange noch erwähnen, |
| Und so lebt er hochbeglückt |
| Zwischen hohlen Zähnen. |
| Ein Künstler auf dem hohen Seil, |
| Der alt geworden mittlerweil, |
| Stieg eines Tages vom Gerüst |
| Und sprach: Nun will ich unten bleiben |
| Und nur noch Hausgymnastik treiben, |
| Was zur Verdauung nöthig ist. |
| Da riefen alle: Oh, wie schad! |
| Der Meister scheint doch allnachgrad |
| Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! |
| Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! |
| Und richtig, eh der Markt geschlossen, |
| Treibt er auf's neu die alten Possen |
| Hoch in der Luft und zwar mit Glück, |
| Bis auf ein kleines Mißgeschick. |
| Er fiel herab in großer Eile |
| Und knickte sich die Wirbelsäule. |
| Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm |
| So äußert sich das Publikum. |
| Wenn die Tante Adelheide |
| Als Logierbesuch erschien, |
| Fühlte Fritzchen große Freude, |
| Denn dann gab es was für ihn. |
| Immer hat die liebe Gute |
| Tief im Reisekorb versteckt |
| Eine angenehme Tute, |
| Deren Inhalt köstlich schmeckt. |
| Täglich wird dem braven Knaben |
| Draus ein hübsches Stück beschert, |
| Bis wir schließlich nichts mehr haben |
| Und die Tante weiter fährt. |
| Mit der Post fuhr sie von hinnen. |
| Fritzchens Trauer ist nur schwach. |
| Einer Tute, wo nichts drinnen, |
| Weint man keine Thräne nach. |
| Gestützt auf seine beiden Krücken, |
| Die alte Kiepe auf dem Rücken, |
| Ging durch das Dorf ein Bettelmann |
| Und klopfte stets vergeblich an. |
| Erst aus dem allerletzten Haus |
| Kam eine gute Frau heraus, |
| Die grad den dritten Mann begraben, |
| Daher geneigt zu milden Gaben, |
| Und legt in seines Korbes Grund |
| Ein Brod von mehr als sieben Pfund. |
| Ein schmaler Steg führt gleich danach |
| Ihn über einen Rauschebach. |
| Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! |
| So rief er froh, und augenblicklich |
| Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, |
| Sein Brod hinunter in die Fluth. |
| Das kommt von solchem Übermuth. |
| In der ersten Nacht des Maien |
| Läßt's den Hexen keine Ruh. |
| Sich gesellig zu erfreuen, |
| Eilen sie dem Brocken zu. |
| Dorten haben sie ihr Kränzchen. |
| Man verleumdet, man verführt, |
| Macht ein lasterhaftes Tänzchen, |
| Und der Teufel präsidiert. |
| Willst du gelobt sein, so verzichte |
| Auf kindlich blödes Wesen. |
| Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte |
| Den Leuten vorzulesen. |
| Die Welt ist höflich und gesellig, |
| Und eh man dich beleidigt, |
| Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig, |
| Denn keiner ist beeidigt. |
| Sie ist ein reizendes Geschöpfchen, |
| Mit allen Wassern wohl gewaschen; |
| Sie kennt die süßen Sündentöpfchen |
| Und liebt es, häufig draus zu naschen. |
| Da bleibt den sittlich Hochgestellten |
| Nichts weiter übrig, als mit Freuden |
| Auf diese Schandperson zu schelten |
| Und sie mit Schmerzen zu beneiden. |
| Ganz unverhofft, an einem Hügel, |
| Sind sich begegnet Fuchs und Igel. |
| Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht. |
| Kennst du des Königs Ordre nicht? |
| Ist nicht der Friede längst verkündigt, |
| Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, |
| Der immer noch gerüstet geht? |
| Im Namen seiner Majestät, |
| Geh her und übergieb dein Fell. |
| Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. |
| Lass' dir erst deine Zähne brechen, |
| Dann wollen wir uns weiter sprechen. |
| Und allsogleich macht er sich rund, |
| Schließt seinen dichten Stachelbund |
| Und trotzt getrost der ganzen Welt, |
| Bewaffnet, doch als Friedensheld. |
| Der Bauer sprach zu seinem Jungen: |
| Heut in der Stadt da wirst du gaffen. |
| Wir fahren hin und seh'n die Affen. |
| Es ist gelungen |
| Und um sich schief zu lachen, |
| Was die für Streiche machen |
| Und für Gesichter, |
| Wie rechte Bösewichter. |
| Sie krauen sich, |
| Sie zausen sich, |
| Sie hauen sich, |
| Sie lausen sich, |
| Beschnuppern dies, beknuppern das, |
| Und Keiner gönnt dem Andern was, |
| Und essen thun sie mit der Hand, |
| Und alles thun sie mit Verstand, |
| Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe. |
| Paß auf, das siehst du heute. |
| Oh Vater, rief der Knabe, |
| Sind Affen denn auch Leute? |
| Der Vater sprach: Nun ja, |
| Nicht ganz, doch so beinah. |
| Zwiefach sind die Phantasieen, |
| Sind ein Zauberschwesternpaar, |
| Sie erscheinen, singen, fliehen |
| Wesenlos und wunderbar. |
| Eine ist die himmelblaue, |
| Die uns froh entgegen lacht, |
| Doch die andre ist die graue, |
| Welche angst und bange macht. |
| Jene singt von lauter Rosen, |
| Singt von Liebe und Genuß; |
| Diese stürzt den Hoffnungslosen |
| Von der Brücke in den Fluß. |
| Rötlich dämmert es im Westen |
| Und der laute Tag verklingt, |
| Nur daß auf den höchsten Ästen |
| Lieblich noch die Drossel singt. |
| Jetzt in dichtbelaubten Hecken, |
| Wo es still verborgen blieb, |
| Rüstet sich das Volk der Schnecken |
| Für den nächtlichen Betrieb. |
| Tastend streckt sich ihr Gehörne. |
| Schwach nur ist das Augenlicht. |
| Dennoch schon aus weiter Ferne |
| Wittern sie ihr Leibgericht. |
| Schleimig, säumig, aber stete, |
| Immer auf dem nächsten Pfad, |
| Finden sie die Gartenbeete |
| Mit dem schönsten Kopfsalat. |
| Hier vereint zu ernsten Dingen, |
| Bis zum Morgensonnenschein, |
| Nagen sie geheim und dringen |
| Tief ins grüne Herz hinein. |
| Darum braucht die Köchin Jettchen |
| Dieses Kraut nie ohne Arg. |
| Sorgsam prüft sie jedes Blättchen, |
| Ob sich nichts darin verbarg. |
| Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken |
| Ihres lieben gnädgen Herrn. |
| Kopfsalat, vermischt mit Schnecken, |
| Mag der alte Kerl nicht gern. |
| Schon viel zu lang |
| Hab ich der Bosheit mich ergeben. |
| Ich lasse tödten, um zu leben, |
| Und bös macht bang. |
| Denn niemals ruht |
| Die Stimme in des Herzens Tiefe, |
| Als ob es zärtlich klagend riefe: |
| Sei wieder gut. |
| Und frisch vom Baum |
| Den allerschönsten Apfel brach ich. |
| Ich biss hinein, und seufzend sprach ich, |
| Wie halb im Traum: |
| Du erstes Glück, |
| Du alter Paradiesesfrieden, |
| Da noch kein Lamm den Wolf gemieden, |
| Oh komm zurück. |
| Wohl tausendmal schon ist er hier |
| Gestorben und wiedergeboren, |
| Sowohl als Mensch, wie auch als Thier, |
| Mit kurzen und langen Ohren. |
| Jetzt ist er ein armer blinder Mann, |
| Es zittern ihm alle Glieder, |
| Und dennoch, wenn er nur irgend kann, |
| Kommt er noch tausendmal wieder. |
| Es giebt ja leider Sachen und Geschichten, |
| Die reizend und pikant, |
| Nur werden sie von Tanten und von Nichten |
| Niemals genannt. |
| Verehrter Freund, so sei denn nicht vermessen, |
| Sei zart und schweig auch du. |
| Bedenk: Man liebt den Käse wohl, indessen |
| Man deckt ihn zu. |
| Auguste, wie fast jede Nichte, |
| Weiß wenig von Naturgeschichte. |
| Zu bilden sie in diesem Fache, |
| Ist für den Onkel Ehrensache. |
| Auguste, sprach er, glaub es mir, |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Gar zierlich ist ihr Leibesbau, |
| Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau. |
| Hell flötet sie und klettert munter |
| Am Strauch kopfüber und kopfunter. |
| Das härtste Korn verschmäht sie nicht, |
| Sie hämmert, bis die Schale bricht. |
| Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand |
| Ein Löchlein in den Unterrand, |
| Weil dann die Sämerei gelind |
| Von selbst in ihren Schnabel rinnt. |
| Nicht immer liebt man Fastenspeisen, |
| Der Grundsatz gilt auch für die Meisen. |
| Sie gucken scharf in alle Ritzen, |
| Wo fette Käferlarven sitzen, |
| Und fangen sonst noch Myriaden |
| Insekten, die dem Menschen schaden, |
| Und hieran siehst du außerdem, |
| Wie weise das Natursystem. — |
| So zeigt er, wie die Sache lag. |
| Es war kurz vor Martinitag. |
| Wer dann vernünftig ist und kann's |
| Sich leisten, kauft sich eine Gans. |
| Auch an des Onkels Außengiebel |
| Hing eine solche, die nicht übel, |
| Um, nackt im Freien aufgehangen, |
| Die rechte Reife zu erlangen. |
| Auf diesen Braten freute sich |
| Der Onkel sehr und namentlich |
| Vor allem auf die braune Haut, |
| Obgleich er sie nur schwer verdaut. |
| Martini kam, doch kein Arom |
| Von Braten spürt der gute Ohm. |
| Statt dessen trat voll Ungestüm |
| Die Nichte ein und zeigte ihm |
| Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen, |
| Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen, |
| Zernagt beinah bis auf die Knochen. |
| Kein Zweifel war, wer dies verbrochen, |
| Denn deutlich lehrt der Augenschein, |
| Es konnten nur die Meisen sein. |
| Also ade! du braune Kruste. |
| Ja, lieber Onkel, sprach Auguste, |
| Die gern, nach weiblicher Manier, |
| Bei einem Irrthum ihn ertappt: |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Da hast du wieder recht gehabt. |
| Von Fruchtomletts da mag berichten |
| Ein Dichter aus den höhern Schichten. |
| Wir aber, ohne Neid nach oben, |
| Mit bürgerlicher Zunge loben |
| Uns Pfannekuchen und Salat. |
| Wie unsre Liese delikat |
| So etwas backt und zubereitet, |
| Sei hier in Worten angedeutet. |
| Drei Eier, frisch und ohne Fehl, |
| Und Milch und einen Löffel Mehl, |
| Die quirlt sie fleißig durcheinand |
| Zu einem innigen Verband. |
| Sodann, wenn Thränen auch ein Übel, |
| Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel |
| Mit Öl und Salz zu einer Brühe, |
| Daß der Salat sie an sich ziehe. |
| Um diesen ferner herzustellen, |
| Hat sie Kartoffeln abzupellen. |
| Da heißt es, fix die Finger brauchen, |
| Den Mund zu spitzen und zu hauchen, |
| Denn heiß geschnitten nur allein |
| Kann der Salat geschmeidig sein. |
| Hierauf so geht es wieder heiter |
| Mit unserm Pfannekuchen weiter. |
| Nachdem das Feuer leicht geschürt, |
| Die Pfanne sorgsam auspoliert, |
| Der Würfelspeck hinein geschüttelt, |
| So daß es lustig brät und brittelt, |
| Pisch, kommt darüber mit Gezisch |
| Das ersterwähnte Kunstgemisch. |
| Nun zeigt besonders und apart |
| Sich Lieschens Geistesgegenwart, |
| Denn nur zu bald, wie allbekannt, |
| Ist solch ein Kuchen angebrannt. |
| Sie prickelt ihn, sie stockert ihn, |
| Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn |
| Und lüftet ihn, bis augenscheinlich |
| Die Unterseite eben bräunlich, |
| Die umgekehrt geschickt und prompt |
| Jetzt ihrerseits nach oben kommt. |
| Geduld, es währt nur noch ein bissel, |
| Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel. |
| Doch späterhin die Einverleibung, |
| Wie die zu Mund und Herzen spricht, |
| Das spottet jeglicher Beschreibung, |
| Und darum endet das Gedicht. |
| Stark in Glauben und Vertrauen, |
| Von der Burg mit festen Thürmen |
| Kannst du dreist herniederschauen, |
| Keiner wird sie je erstürmen. |
| Lass sie graben, lass sie schanzen, |
| Stolze Ritter, grobe Bauern, |
| Ihre Flegel, ihre Lanzen |
| Prallen ab von deinen Mauern. |
| Aber hüte dich vor Zügen |
| In die Herrschaft des Verstandes, |
| Denn sogleich sollst du dich fügen |
| Den Gesetzen seines Landes. |
| Bald umringen dich die Haufen, |
| Und sie ziehen dich vom Rosse, |
| Und du mußt zu Fuße laufen |
| Schleunig heim nach deinem Schlosse. |
| Wie es scheint, ist die Moral |
| Nicht so bald beleidigt, |
| Während Schlauheit allemal |
| Wüthend sich vertheidigt. |
| Nenn den Schlingel liederlich, |
| Leicht wird er's verdauen; |
| Nenn ihn dumm, so wird er dich, |
| Wenn er kann, verhauen. |
| Ich bin mal so, sprach Förster Knast, |
| Die Flunkerei ist mir verhasst, |
| Doch sieht man oft was Sonderbares. |
| Im Frühling vor fünf Jahren war es, |
| Als ich stockstill, den Hahn gespannt, |
| Bei Mondschein vor dem Walde stand. |
| Da läßt sich plötzlich flügelsausend |
| Ein Kranichheer, wohl an die tausend, |
| Ganz dicht zu meinen Füßen nieder. |
| Sie kamen aus Egypten wieder |
| Und dachten auf der Reise nun |
| Sich hier ein Stündchen auszuruhn. |
| Ich selbstverständlich, schlau und sacht, |
| Gab sehr genau auf alles acht. |
| Du, Hans, so rief der Oberkranich, |
| Hast heut die Wache, drum ermahn ich |
| Dich ernstlich, halt dich stramm und pass |
| Gehörig auf, sonst giebt es was. |
| Bald schlief ein Jeder ein und sägte. |
| Hans aber stand und überlegte. |
| Er nahm sich einen Kieselstein, |
| Erhob ihn mit dem rechten Bein |
| Und hielt sich auf dem linken nur |
| In Gleichgewicht und Positur. |
| Der arme Kerl war schrecklich müd, |
| Erst fiel das linke Augenlid, |
| Das rechte blinzelt zwar noch schwach, |
| Dann aber folgt's dem andern nach. |
| Er schnarcht sogar. Ich denke schon: |
| Wie wird es dir ergehn, mein Sohn? |
| So denk ich, doch im Augenblick, |
| Als ich es dachte, geht es klick! |
| Der Stein fiel Hänschen auf die Zeh, |
| Das weckt ihn auf, er schreit auweh! |
| Er schaut sich um, hat mich gewittert, |
| Pfeift, daß es Mark und Bein erschüttert, |
| Und allsogleich im Winkelflug |
| Entschwebt der ganze Heereszug |
| Ich rief hurrah! und schwang den Hut. |
| Der Vogel der gefiel mir gut. |
| Er lebt auch noch. Schon oft seither |
| Sah man ihn fern am schwarzen Meer |
| Auf einem Bein auf Posten stehn. |
| Dies schreibt mein Freund, der Kapitän, |
| Und was er sagt, ist ohne Frage |
| So wahr, als was ich selber sage. |
| Auf leichten Schwingen frei und flink |
| Zum Lindenwipfel flog der Fink |
| Und sang an dieser hohen Stelle |
| Sein Morgenlied so glockenhelle. |
| Ein Frosch, ein dicker, der im Grase |
| Am Boden hockt, erhob die Nase, |
| Strich selbstgefällig seinen Bauch |
| Und denkt: Die Künste kann ich auch. |
| Alsbald am rauhen Stamm der Linde |
| Begann er, wenn auch nicht geschwinde, |
| Doch mit Erfolg, empor zu steigen, |
| Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen, |
| Wobei er freilich etwas keucht, |
| Den höchsten Wipfelpunkt erreicht |
| Und hier sein allerschönstes Quacken |
| Ertönen läßt aus vollen Backen. |
| Der Fink, dem dieser Wettgesang |
| Nicht recht gefällt, entfloh und schwang |
| Sich auf das steile Kirchendach. |
| Wart, rief der Frosch, ich komme nach. |
| Und richtig ist er fortgeflogen, |
| Das heißt, nach unten hin im Bogen, |
| So daß er schnell und ohne Säumen |
| Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen, |
| Zur Erde kam mit lautem Quack, |
| Nicht ohne großes Unbehagen. |
| Er fiel zum Glück auf seinen Magen, |
| Den dicken weichen Futtersack, |
| Sonst hätt er sicher sich verletzt. |
| Heil ihm! Er hat es durchgesetzt. |
| Geld gehört zum Ehestande, |
| Hässlichkeit ist keine Schande, |
| Liebe ist beinah absurd. |
| Drum, du nimmst den Junker Jochen |
| Innerhalb der nächsten Wochen. |
| Also sprach der Ritter Kurt. |
| Vater, flehte Kunigunde. |
| Schone meine Herzenswunde, |
| Ganz umsonst ist dein Bemühn. |
| Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel, |
| Niemals nehm ich diesen Lümmel, |
| Ewig, ewig hass ich ihn. |
| Nun, wenn Worte nicht mehr nützen, |
| Dann so bleibe ewig sitzen, |
| Marsch mit dir in's Burgverließ. |
| Zornig sagte dies der Alte, |
| Als er in die feuchte kalte |
| Kammer sie hinunterstieß. |
| Jahre kamen, Jahre schwanden, |
| Nichts im Schlosse blieb vorhanden |
| Außer Kunigundens Geist. |
| Dort, wo graue Ratten rasseln, |
| Sitzt sie zwischen Kellerasseln, |
| Von dem Feuermolch umkreist. |
| Heut noch ist es nicht geheuer |
| In dem alten Burggemäuer |
| Um die Mitternacht herum. |
| Wehe, ruft ein weißes Wesen, |
| Will denn Niemand mich erlösen? |
| Doch die Wände bleiben stumm. |
| Sei es freundlich, sei es böse, |
| Meist genügend klar und scharf |
| Klingt des Mundes Wortgetöse |
| Für den täglichen Bedarf. |
| Doch die Höchstgefühle heischen |
| Ihren ganz besondern Klang; |
| Dann sagt grunzen oder kreischen |
| Mehr als Rede und Gesang. |
| Wie hat sich sonst so schön der Hahn |
| Auf unserm Thurm gedreht |
| Und damit Jedem kund gethan, |
| Woher der Wind geweht. |
| Doch seit dem letzten Sturme hat |
| Er keinen rechten Lauf; |
| Er hängt so schief, er ist so matt, |
| Und Keiner schaut mehr drauf. |
| Jetzt leckt man an den Finger halt |
| Und hält ihn hoch geschwind. |
| Die Seite, wo der Finger kalt, |
| Von daher weht der Wind. |
| Er liebte sie in aller Stille. |
| Bescheiden, schüchtern und von fern |
| Schielt er nach ihr durch seine Brille |
| Und hat sie doch so schrecklich gern. |
| Ein Mücklein, welches an der Nase |
| Des schönen Kindes saugend saß, |
| Ertränkte sich in seinem Glase. |
| Es schmeckt ihm fast wie Ananas. |
| Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe, |
| So unvergleichlich blond und kraus. |
| Einst fand er eines in der Suppe |
| Und zog es hochbeglückt heraus. |
| Er rollt es auf zu einem Löckchen, |
| Hat's in ein Medaillon gelegt. |
| Nun hängt es unter seinem Röckchen |
| Da, wo sein treues Herze schlägt. |
| Ein eigner Kerl war Krischan Bolte. |
| Er that nicht gerne, was er sollte. |
| Als Kind schon ist er so gewesen. |
| Religion, Rechtschreiben und Lesen |
| Fielen für ihn nicht ins Gewicht: |
| Er sollte zur Schule und wollte nicht. |
| Später kam er zu Meister Pfriem. |
| Der zeigte ihm redlich und sagte ihm, |
| Jedoch umsonst, was seine Pflicht: |
| Er sollte schustern und wollte nicht. |
| Er wollte sich nun mal nicht quälen, |
| Deßhalb verfiel er auf das Stehlen. |
| Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht: |
| Er sollte bekennen und wollte nicht. |
| Trotzdem verdammt man ihn zum Tode. |
| Er aber blieb, nach seiner Mode, |
| Ein widerspänstiger Bösewicht: |
| Er sollte hängen und wollte nicht. |