| Wahrlich, sagte meine Tante, |
| Die fast alle Geister kannte, |
| Keine Täuschung ist die Trud. |
| Weißt du nicht, daß böse Seelen |
| Nächtlich aus dem Leibe rücken, |
| Um den Menschen zu bedrücken |
| Und zu treten und zu quälen, |
| Wenn er auf dem Rücken ruht? |
| Lautlos durch verschlossne Thüren |
| Immer näher siehst du's kommen, |
| Zauberhaft und wunderlich. |
| Und dir graust es vor dem Dinge, |
| Und du kannst dich doch nicht rühren, |
| Und du fühlst dich so beklommen, |
| Möchtest rufen, wenn's nur ginge, |
| Und auf einmal hat es dich. |
| Doch wer klug, weiß sich zu schützen: |
| Abends beim Zurruhegehn |
| Brauchst du bloß darauf zu sehn, |
| Daß die Schuhe mit den Spitzen |
| Abgewandt vom Bette stehn. |
| Außerdem hab ich gehört: |
| Leichtes Herz und leichter Magen, |
| Wie in andern Lebenslagen, |
| Sind auch hier empfehlenswerth. |
| Um acht, als seine werthe Sippe |
| Noch in den Federn schlummernd lag, |
| Begrüßt er von der Felsenklippe |
| Bereits den neuen Frühlingstag. |
| Und wie die angenehme Sonne |
| Liebreich zu ihm hernieder schaut, |
| Da ist in süßer Rieselwonne |
| Sein ganzes Wesen aufgethaut. |
| Es schmilzt die schwere Außenhülle. |
| Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht. |
| Er schwebt im Geist als freier Wille |
| Hinaus, so weit das Auge reicht. |
| Fort überthal, zu fernen Hügeln, |
| Den Strom entlang, bis an das Meer, |
| Windeilig, wie auf Möwenflügeln, |
| Zieht er in hoher Luft einher. |
| Hier traf er eine Wetterwolke. |
| Die wählt er sich zum Herrschersitz. |
| Erhaben über allem Volke |
| Thront er in Regen, Sturm und Blitz. |
| Oweh, der Zauber ist zuende. |
| Durchweicht vom Hut bis in die Schuh, |
| Der Buckel steif und lahm die Lende, |
| So schleicht er still der Heimat zu. |
| Zum Trost für seine kalten Glieder |
| Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß. |
| Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder |
| Dein Reißen in den Hinterfuß. |
| Es war ein Mägdlein froh und keck, |
| Stets lacht ihr Rosenmund, |
| Ihr schien die Liebe Lebenszweck |
| Und alles andre Schund. |
| Sie denkt an nichts, als an Pläsir, |
| Seitdem die Mutter todt, |
| Sie lacht und liebt, obgleich es ihr |
| Der Vater oft verbot. |
| Einst hat sie frech und unbedacht |
| Den Schatz, der ihr gefällt, |
| Sich für die Zeit um Mitternacht |
| Zum Kirchhof hinbestellt. |
| Und als sie kam zum Stelldichein, |
| O hört, was sich begab. |
| Da stand ein Geist im Mondenschein |
| Auf ihrer Mutter Grab. |
| Er steht so starr, er steht so stumm, |
| Er blickt so kummervoll. |
| Das Mägdlein dreht sich schaudernd um |
| Und rennt nach Haus wie toll. |
| Es wird, wer einen Geist gesehn, |
| Nie mehr des Lebens froh, |
| Er fühlt, es ist um ihn geschehn. |
| Dem Mägdlein ging es so. |
| Sie welkt dahin, sie will und mag |
| Nicht mehr zu Spiel und Tanz. |
| Man flocht ihr um Johannistag |
| Bereits den Todtenkranz. |
| Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus. |
| Er schaut und zieht die Stirne kraus. |
| Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht? |
| Die Köchin sprach: Es war die Liese, |
| Die Alte von der Gänsewiese. |
| Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht, |
| Wie durch die Luft in feurigem Bogen |
| Der Böse in ihren Schlot geflogen. |
| Verdammte Hex, |
| Ich riech, ich schmeck's, |
| Der Teufel hat die Wurst gemacht. |
| Spitz, da geh her! — Der Hund, nicht faul, |
| Verzehrt die Wurst und leckt das Maul. |
| Er nimmt das Gute, ohne zu fragen, |
| Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen. |
| Es fand der geizige Bauer Kniep |
| Im Grabe keine Ruhe. |
| Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb |
| Ihn wieder zu seiner Truhe. |
| Die Erben wollten diesen Gast |
| Im Haus durchaus nicht haben, |
| Weil ihnen der Verkehr verhasst |
| Mit Einem, der schon begraben. |
| Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz |
| Ergebenst verschwinden sollt er. |
| Er aber vollführte seinerseits |
| Nur um so mehr Gepolter. |
| Zum Glück kam gerade zugereist |
| Ein Meister, der vieles erkundet. |
| Der hat gar schlau den bösen Geist |
| In einem Fass verspundet. |
| Man fuhr es bequem, als wär es leer, |
| Bis an ein fließend Gewässer. |
| Da plötzlich machte sich Kniep so schwer, |
| Wie zehn gefüllte Fässer. |
| Gottlieb, der Kutscher, wundert sich. |
| Nach rückwärts blickt er schnelle. |
| Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich |
| Und spukt an der alten Stelle. |
| Wie sonst, besucht er jede Nacht |
| Die eisenbeschlagene Kiste |
| Und rumpelt, hustet, niest und lacht, |
| Als ob er von nichts was wüsste. |
| Kein Mittel erwies sich als probat. |
| Der Geist ward nur erboster. |
| Man trug, es blieb kein andrer Rath, |
| Den Kasten zum nächsten Kloster. |
| Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift |
| Und herzlich guten Morgen! |
| Was Geld und böse Geister betrifft, |
| Das wollen wir schon besorgen. |
| Ich bin ein armer Schreiber nur, |
| Hab weder Haus noch Acker, |
| Doch freut mich jede Kreatur, |
| Sogar der Spatz, der Racker. |
| Er baut von Federn, Haar und Stroh |
| Sein Nest geschwind und flüchtig, |
| Er denkt, die Sache geht schon so, |
| Die Schönheit ist nicht wichtig. |
| Wenn man den Hühnern Futter streut, |
| Gleich mengt er sich dazwischen, |
| Um schlau und voller Rührigkeit |
| Sein Körnlein zu erwischen. |
| Maikäfer liebt er ungemein, |
| Er weiß sie zu behandeln; |
| Er hackt die Flügel, zwackt das Bein |
| Und knackt sie auf wie Mandeln. |
| Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt |
| Das Fleisch der Beeren gerne; |
| Dann hat, wer diesen Baum besitzt, |
| Nachher die schönsten Kerne. |
| Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht |
| Und ordnet sein Gefieder. |
| Für heute bleibt er weg vielleicht, |
| Doch morgen kommt er wieder. |
| Und ist es Winterzeit und hat's |
| Geschneit auf alle Dächer, |
| Verhungern thut kein rechter Spatz, |
| Er kennt im Dach die Löcher. |
| Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich! |
| Er fasst mich scharf in's Auge. |
| Er scheint zu glauben, daß auch ich |
| Im Grunde nicht viel tauge. |
| Frau Grete hatt ein braves Huhn, |
| Das wusste seine Pflicht zu thun. |
| Es kratzte hinten, pickte vorn, |
| Fand hier ein Würmchen, da ein Korn, |
| Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen |
| Und eilte dann mit viel Vergnügen |
| Zum stillen Nest, um hier geduldig |
| Das zu entrichten, was es schuldig. |
| Fast täglich tönte sein Geschrei: |
| Victoria, ein Ei, ein Ei! |
| Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen, |
| Doch könnt es wohl noch besser legen. |
| Drum reicht sie ihm, es zu verlocken, |
| Oft extra noch die schönsten Brocken. |
| Dem Hühnchen war das angenehm. |
| Es putzt sich, macht es sich bequem, |
| Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig |
| Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig. |
| Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang |
| Mal hie und da ein Ei gelang. |
| Dies hat Frau Greten schwer bedrückt, |
| Besonders, wenn sie weiter blickt; |
| Denn wo kein Ei, da ist's vorbei |
| Mit Rührei und mit Kandisei. |
| Ein fettes Huhn legt wenig Eier. |
| Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier, |
| Der auch nicht viel mehr dichten kann, |
| Seit er das große Loos gewann. |
| Wer einsam ist, der hat es gut, |
| Weil Keiner da, der ihm was thut. |
| Ihn stört in seinem Lustrevier |
| Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier, |
| Und Niemand giebt ihm weise Lehren, |
| Die gut gemeint und bös zu hören. |
| Der Welt entronnen, geht er still |
| In Filzpantoffeln, wann er will. |
| Sogar im Schlafrock wandelt er |
| Bequem den ganzen Tag umher. |
| Er kennt kein weibliches Verbot, |
| Drum raucht und dampft er wie ein Schlot. |
| Geschützt vor fremden Späherblicken, |
| Kann er sich selbst die Hose flicken. |
| Liebt er Musik, so darf er flöten, |
| Um angenehm die Zeit zu tödten, |
| Und laut und kräftig darf er prusten, |
| Und ohne Rücksicht darf er husten, |
| Und allgemach vergisst man seiner. |
| Nur allerhöchstens fragt mal Einer: |
| Was, lebt er noch? Ei schwerenoth, |
| Ich dachte längst, er wäre todt. |
| Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen, |
| Läßt sich das Glück nicht schöner malen. |
| Worauf denn auch der Satz beruht: |
| Wer einsam ist, der hat es gut. |
| Man sagt, ein Schnäpschen, insofern |
| Es kräftig ist, hat jeder gern. |
| Ganz anders denkt das Volk der Bienen, |
| Der Süffel ist verhasst bei ihnen, |
| Sein Wohlgeruch thut ihnen weh. |
| Sie trinken nichts wie Blüthenthee, |
| Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank, |
| Gleich ziehen sie den Stachel blank. |
| Letzthin hat einem Bienenstöckel |
| Der brave alte Schneider Böckel, |
| Der nicht mehr nüchtern in der That, |
| Aus Neubegierde sich genaht. |
| Sofort von einem regen Leben |
| Sieht Meister Böckel sich umgeben. |
| Es dringen giftgetränkte Pfeile |
| In seine nackten Körpertheile, |
| Ja manche selbst durch die nur lose |
| Und leichtgewirkte Sommerhose, |
| Besonders, weil sie stramm gespannt. |
| Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt. |
| Er zieht sich kämpfend wie ein Held |
| Zurück in's hohe Erbsenfeld. |
| Hier hat er Zeit, an vielen Stellen |
| Des Leibes merklich anzuschwellen, |
| Und als er wiederum erscheint, |
| Erkennt ihn kaum sein bester Freund. |
| Natürlich, denn bei solchem Streit |
| Verliert man seine Ähnlichkeit. |
| Es grünte allenthalben. |
| Der Frühling wurde wach. |
| Bald flogen auch die Schwalben |
| Hell zwitschernd um das Dach. |
| Sie sangen unermüdlich |
| Und bauten außerdem |
| Am Giebel rund und niedlich |
| Ihr Nest aus feuchtem Lehm. |
| Und als sie eine Woche |
| Sich redlich abgequält, |
| Hat nur am Eingangsloche |
| Ein Stückchen noch gefehlt. |
| Da nahm der Spatz, der Schlingel, |
| Die Wohnung in Besitz. |
| Jetzt hängt ein Strohgeklüngel |
| Hervor aus ihrem Schlitz. |
| Nicht schön ist dies Gebahren |
| Und wenig ehrenwerth |
| Von Einem, der seit Jahren |
| Mit Menschen viel verkehrt. |
| Tugend will, man soll sie holen, |
| Ungern ist sie gegenwärtig; |
| Laster ist auch unbefohlen |
| Dienstbereit und fix und fertig. |
| Gute Thiere, spricht der Weise, |
| Mußt du züchten, mußt du kaufen, |
| Doch die Ratten und die Mäuse |
| Kommen ganz von selbst gelaufen. |
| Frau Urschel theilte Freud und Leid |
| Mit ihrer lieben Kuh, |
| Sie lebten in Herzeinigkeit |
| Ganz wie auf Du und Du. |
| Wie war der Winter doch so lang, |
| Wie knapp ward da das Heu, |
| Frau Urschel rief und seufzte bang: |
| O komm, du schöner Mai! |
| Komm schnell und lindre unsre Noth, |
| Der du die Krippe füllst; |
| Wenn ich und meine Kuh erst todt, |
| Dann komme, wann du willst. |
| Daß der Kopf die Welt beherrsche, |
| Wär zu wünschen und zu loben, |
| Längst vor Gründen wär die närrsche |
| Gaukelei in Nichts zerstoben. |
| Aber wurzelhaft natürlich |
| Herrscht der Magen nebst Genossen, |
| Und so treibt, was unwillkürlich, |
| Täglich tausend neue Sprossen. |
| Die laute Welt und ihr Ergötzen, |
| Als eine störende Erscheinung, |
| Vermag der Weise nicht zu schätzen. |
| Ein Maulwurf war der gleichen Meinung. |
| Er fand an Lärm kein Wohlgefallen, |
| Zog sich zurück in kühle Hallen |
| Und ging daselbst in seinem Fach |
| Stillfleißig den Geschäften nach. |
| Zwar sehen konnt er da kein Bissel, |
| Indessen sein getreuer Rüssel, |
| Ein Nervensitz voll Zartgefühl, |
| Führt sicher zum erwünschten Ziel. |
| Als Nahrung hat er sich erlesen |
| Die Leckerbissen der Chinesen, |
| Den Regenwurm und Engerling, |
| Wovon er vielfach fette fing. |
| Die Folge war, was ja kein Wunder, |
| Sein Bäuchlein wurde täglich runder, |
| Und wie das häufig so der Brauch, |
| Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch. |
| Wohl ist er stattlich von Person |
| Und kleidet sich wie ein Baron, |
| Nur schad, ihn und sein Sammetkleid |
| Sah Niemand in der Dunkelheit. |
| So trieb ihn denn der Höhensinn, |
| Von unten her nach oben hin, |
| Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr, |
| Zu seines Namens Ruhm und Ehr |
| Gewölbte Tempel zu entwerfen, |
| Um denen draußen einzuschärfen, |
| Daß innerhalb noch einer wohne, |
| Der etwas kann, was nicht so ohne. |
| Mit Baulichkeiten ist es misslich. |
| Ob man sie schatzt, ist ungewisslich. |
| Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke, |
| Ein Gärtner, kam mit einer Hacke. |
| Durch kurzen Hieb nach langer Lauer |
| Zieht er an's Licht den Tempelbauer |
| Und haut so derb ihn übers Ohr, |
| Daß er den Lebensgeist verlor. |
| Da liegt er nun der stolze Mann. |
| Wer thut die letzte Ehr ihm an? |
| Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt, |
| Die haben ihn mit Sand bedeckt. |
| Ich schlief. Da hatt ich einen Traum. |
| Mein Ich verließ den Seelenraum. |
| Frei vom gemeinen Tagesleben, |
| Vermocht ich leicht dahin zu schweben. |
| So, angenehm mich fortbewegend, |
| Erreicht ich eine schöne Gegend. |
| Wohin ich schwebte, wuchs empor |
| Alsbald ein bunter Blumenflor, |
| Und lustig schwärmten um die Dolden |
| Viel tausend Falter, roth und golden. |
| Ganz nah auf einem Lilienstengel, |
| Einsam und sinnend, saß ein Engel, |
| Und weil das Land mir unbekannt, |
| Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land? |
| Hier, sprach er, ändern sich die Dinge. |
| Du bist im Reich der Schmetterlinge. |
| Ich aber, wohlgemuth und heiter, |
| Zog achtlos meines Weges weiter. |
| Da kam, wie ich so weiter glitt, |
| Ein Frauenbild und schwebte mit, |
| Als ein willkommenes Geleite, |
| Anmuthig lächelnd mir zur Seite, |
| Und um sie nie mehr loszulassen, |
| Dacht ich die Holde zu umfassen; |
| Doch eh ich Zeit dazu gefunden, |
| Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden. |
| Mir war so schwül. Ich mußte trinken. |
| Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken. |
| Ich bückte mich hinab zum Wasser. |
| Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser, |
| Vom Grund herauf mich beim Genick. |
| Zwar zog ich eilig mich zurück, |
| Allein der Hals war steif und krumm, |
| Nur mühsam dreht ich ihn herum, |
| Und ach, wie war es rings umher |
| Auf einmal traurig, öd und leer. |
| Von Schmetterlingen nichts zu sehn, |
| Die Blumen, eben noch so schön, |
| Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt. |
| So bin ich seufzend fortgehumpelt, |
| Denn mit dem Fliegen, leicht und frei, |
| War es nun leider auch vorbei. |
| Urplötzlich springt aus einem Graben, |
| Begleitet vom Geschrei der Raben, |
| Mir eine Hexe auf den Nacken |
| Und spornt mich an mit ihren Hacken, |
| Und macht sich schwer, wie Bleigewichte, |
| Und drückt und zwickt mich fast zunichte, |
| Bis daß ich matt und lendenlahm |
| Zu einem finstern Walde kam. |
| Ein Jägersmann, dürr von Gestalt, |
| Trat vor und rief ein dumpfes Halt. |
| Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen, |
| Schon ist die Sehne straff gezogen. |
| Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich, |
| Und von dem Todesschreck erwacht ich |
| Und sprang vom Lager ungesäumt, |
| Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt. |
| Der Winter ging, der Sommer kam. |
| Er bringt auf's neue wieder |
| Den vielbeliebten Wunderkram |
| Der Blumen und der Lieder. |
| Wie das so wechselt Jahr um Jahr, |
| Betracht ich fast mit Sorgen. |
| Was lebte, starb, was ist, es war, |
| Und heute wird zu morgen. |
| Stets muß die Bildnerin Natur |
| Den alten Thon benützen, |
| In Haus und Garten, Wald und Flur, |
| Zu ihren neuen Skizzen. |
| Ich schnürte meinen Ranzen |
| Und kam zu einer Stadt, |
| Allwo es mir im ganzen |
| Recht gut gefallen hat. |
| Nur eines macht beklommen, |
| So freundlich sonst der Ort: |
| Wer heute angekommen, |
| Geht morgen wieder fort. |
| Bekränzt mit Trauerweiden, |
| Vorüber zieht der Fluß, |
| Den jeder beim Verscheiden |
| Zuletzt passiren muß. |
| Wohl dem, der ohne Grauen, |
| In Liebe treu bewährt, |
| Zu jenen dunklen Auen |
| Getrost hinüber fährt. |
| Zwei Blinde, müd vom Wandern, |
| Sah ich am Ufer stehn, |
| Der eine sprach zum andern: |
| Leb wohl, auf Wiedersehn. |
München.
Druck von Knorr & Hirth, G.m.b.H.
| Verlag von Fr. Bassermann in München. Humoristische Schriften von Wilhelm Busch: | |
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