The Project Gutenberg eBook of Das liebe Nest

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Title: Das liebe Nest

Author: Paula Dehmel

Release date: October 13, 2004 [eBook #13732]
Most recently updated: October 28, 2024

Language: German

Credits: Produced by David Starner, Hagen von Eitzen and the PG Online
Distributed Proofreading Team.

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST ***

Das liebe Nest

Gesammelte Kindergedichte
von
Paula Dehmel

Herausgegeben von Richard Dehmel
mit Zeichnungen von Hans Thoma
bei E. A. Seemann in Leipzig
1919

7

Gruß an die Großen

Aus lichtem See,

über Sterne und Schnee,

rauschen die Schäume,

lauschen die Träume,

Himmel hinab, Himmel hinan,

ewige Bahn.

Aus Kinderland,

über Acker und Sand,

wachsen die Gluten,

die bösen, die guten,

Himmel hinab, Himmel hinan,

ewige Bahn.

8

Gruß an die Kleinen

Ich möcht euch alle miteinander

auf bunten Wiesen sehn,

bei Klarinetten und Geigen

die Füßchen im Tanze drehn.

Ich möcht euch alle miteinander

mitnehmen im Fliegerkahn,

euch die schöne Erde zeigen,

und was fleißige Menschen getan.

Ich möcht euch alle miteinander

still führen an der Hand,

euch heimliche Dinge sagen

von Gott und dem Sternenland.

9Erster Teil

10 

11

Wunderchen

Putzt die Fenster! fegt die Ecken!

Darf sich kein Staub, kein Krümel verstecken,

muß alles so blank wie Ostertag sein,

denn das Wunderchen zieht ein.

Zieht ein—schon stimmen die Englein die Geigen;

alle Könige werden sich neigen,

Hirten und Könige mit dem Stern

haben Wunderchen gern.

Wer soll Wunderchens Taufpate sein?

Sieben große Meister laden wir ein;

sieben große Helden mit Kron und Schalmein

sollen Wunderchens Taufpaten sein.

Und wer ist schnell

sein Spielgesell?

Da kommen gesprungen

die reizenden jungen

Wachholderweibchen und Fliedermännchen,

Taunixchen mit silbernen Wasserkännchen.

Aus Vogelnestern und Weidenkätzchen

gucken neugierige Schelmenmätzchen:

Wir lachen fein,

wir singen fein,

wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein!

12

Geht leise

Geht leise—

es ist müd von der Reise.

Es kommt weit her:

vom Himmel übers Meer,

vom Meer den dunklen Weg ins Land,

bis es die kleine Wiege fand—

Geht leise.

Wittewoll schlafen

Auf der Leine, auf grünem Platz

hängen sieben Hemdchen und ein Latz;

im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt,

liegt mit großen Augen mein Kind—

wittewoll schlafen?

Henne macht sich ein Bett im Sand,

Fliege träumt an der Mauerwand,

Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,

schaukelt die Flügel auf und zu—

wittewoll schlafen?

Frühstück

So morgens um halb acht herum:

Rumpumpel macht das Mäulchen krumm.

Und keine fünf Minuten drauf

wacht Rumpumpel auf.

Hu! kommt der kalte Badeschwamm,

Rumpumpel hält die Ohren stramm;

und schlägt die Ticke-Tacke acht,

wird ihm die Milch gebracht.

Die schmeckt Rumpumpeln aber fein;

er patscht mit beiden Fäustchen drein

und trinkt und trinkt, bis alles leer.

Rumpumpelchen, das freut mich sehr:

morgen gibt's gut Wetter!

Seereise

So lala

Steht ein Töpfchen rund und nett

unterm Bett,

so lala, so lala.

Reicht mir mal das Kindel her,

das braucht jetzt keine Windel mehr,

so lala, so lala.

Rolle, rolle, ratteratt,

rollt ein Wagen durch die Stadt;

sind zwei blanke Pferdchen davor,

hinten drauf ein schwarzer Mohr.

Mein Wagen

Mein Wagen hat vier Räder,

vier Räder hat mein Wagen,

rolle, rolle, rummerjan,

das wollt ich euch bloß sagen.

Mein Wagen hat 'ne Deichsel,

'ne Deichsel hat mein Wagen,

rolle, rolle, rummerjan,

das wollt ich euch bloß sagen.

Mein Wagen hat ein Pferdchen,

ein Pferdchen hat mein Wagen,

rolle, rolle, rummerjan,

das wollt ich euch bloß sagen.

Mein Wagen fahrt nach Potsdam,

nach Potsdam fährt mein Wagen,

rolle, rolle, rummerjan,

das wollt ich euch bloß sagen.

Kutscher auf dem Knie

Wagen im Wind.

Wie sitzt mein Kind?

Wie geht mein Pferd?

Alles verkehrt.

Holdriutsch—

oben die Räder, unten die Kutsch!

Wagen im Schnee.

Da guckt das Reh,

da schnuppert der Has

mit der wackligen Nas.

Holdriuff—

da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!

Ereignis

(von Paula und Richard Dehmel)

Hurra, zum ersten Mal:

Mutter, der Peter,

hurra, da geht er!

guck, ganz alleinechen

setzt er die Beinechen!

Aua, Geschrei—

bautz!—vorbei.

Heilsprüchel

Kra, kra, kalter Schnee,

dem Raben tut sein Beinchen weh,

dem Häsechen sein Herzchen;

die böse Zeit, die kalte Zeit,

ein jedes hat sein Schmerzchen.

Heile, Fingerchen, heile,

es dauert noch 'ne Weile,

es dauert noch bis Rosmarein,

dann ist lauter Sonnenschein.

18

Schlimme Geschichte

Im Stall unser Schäfchen—bäht,

im Hof unser Hähnchen kräht,

und der Karo an der Kette

bellt mit Spitz um die Wette.

Auf'm Dach unser Kätzchen—maut,

und im Ententeich die Frösche, alle Frösche quaken laut:

Kinder, denkt euch den Schreck,

unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg.

Austreibung

Das kann doch nicht Rumpumpel sein?

So kann Rumpumpel doch nicht schrein?

Seelöwen sind in unserm Haus;

schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus.

Ich 'n Stock,

Du 'n Stock,

alle beide einen Stock.

Ei der Daus,

wollt ihr raus,

wollt ihr in euer Seelöwenhaus!

Wenn Rumpumpel brummig ist

Zwei große Brummer, brumm,

summten hier herum,

um Rumpumpels Kopf,

um Rumpumpels Bauch

und um sein dickes Näschen auch.

Nun sind sie tot... Aber im Ei

pickt das Küken die Schale entzwei,

kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz—

—ist der Mond wieder ganz.

Der Pudding

Rumpumpel will essen,

nun fix gebraten:

ein Kätzel, ein Spätzel

und sieben Soldaten.

Das gibt einen Pudding

so groß wie ein Haus.

Zuletzt leckt Rumpumpel

die Kuchenschüssel aus.

20

Zwei Mäulchen

Winkele, wankele,

vor der Tür steht ein Bankele,

auf der Bank sitzt mein Kindele,

spielt mit mei'm Hündele,

winkele, wankele.

Winkele, wankele,

ich hab ein Gedankele:

ein Äpfle fürs Kindele,

ein Knöchle fürs Hündele.

Dankele.

Mückebold

Mückchen, Mückchen, Dünnebein,

Mückchen, laß das Stechen sein,

Stechen tut ja weh!

Mückchen, Mückchen, weißt du was:

beiß doch in das grüne Gras,

beiß doch in den Klee!

Das Scherchen

Geschichtchen vom Winde

Wer kommt dort angeflogen?

Das ist der Wind.

Der Wind ist ungezogen,

er bläst dem Kind

unters Röckchen,

an die Söckchen,

um die Ohren, an die Nase;

solch Geblase!

Und weißt du, warum der Wind so getollt?

Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.

Anziehliedchen

Wer strampelt im Bettchen?

versteckt sich wie 'n Dieb?

Das ist der Rumpumpel,

den haben wir lieb.

Was guckt da für 'n Näschen?

Ein Bübchen sitzt dran.

Das ist der Rumpumpel,

den ziehn wir jetzt an.

Erst wird er gewaschen,

vom Kopf bis zur Zeh;

er weint nicht, er greint nicht,

denn es tut ja nicht weh.

Schnell her mit dem Hemdchen:

da schlüpfen wir fein,

erst rechts und dann links,

in die Ärmelchen 'rein.

Nun Leibchen und Höschen,

ein Röckchen kommt auch;

sonst friert dem Rumpumpel

sein kleiner runder Bauch.

Das Kämmchen kämmt sachte,

aber still muß man stehn;

zuletzt noch das Kleidchen,

der Tausend, wie Schön!

Nun geht er und sagt: Guten Morgen.

Das Lämmechen

In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm,

das hat ganz schwarze Haare.

Meint ihr, es brauche einen Kamm?

I Gott bewahre!

Die wilden Beinchen

Guten Morgen, ihr Beinchen!

Wie heißt ihr denn?

Ich heiße Hampel,

ich heiße Strampel;

und das ist Füßchen Übermut,

und das ist Füßchen Tunichtgut.

Übermut und Tunichtgut

gehn auf die Reise,

platsch, durch alle Sümpfe,

naß sind Schuh und Strümpfe;

guckt die Rute um die Eck—

laufen sie alle beide weg.

Der lumpichte Bu

Ka Strümpferl im Kasten,

ka Bänderl am Schuh,

ka Knöpferl am Wams—

oh, der lumpichte Bu!

25

Tintenheinz und Plätscherlottchen

Heini, Heini,

ach, ist Heini dumm:

stippt mit allen Fingerchen

im Tintenfaß herum.

Heini, Heini,

kleiner dummer Mohr:

stippt sich alle Fingerchen,

klecks, ins Ohr.

Und unten am Brunnen,

da steht ein Faß,

da macht sich unsre Lotte

pitschepatschenaß.

Und oben die Sonne

hat drüber gelacht

und hat unsre Lotte

wieder trocken gemacht.

Es regnet

Es regnet, es regnet

der Kuh auf den Schwanz;

es regnet, es regnet

der Braut in den Kranz.

Wäscht du die Nase,

bleibt sie fein grade.

Wäscht du das Mündchen,

bist du 'n lieb Kindchen.

Wäscht du aber die Augen schön,

kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.

Trösterchen

Blümchen hängt das Köpfchen,

der Tau ist ihm zu schwer;

kommt der durstige Morgenwind,

trägt die Tropfen ins Meer.

Spätzchen piepst und bettelt,

das Kröpfchen ist ihm leer;

Pferdchen hat die Krippe voll,

streut Körnerchen umher.

Häschen in der Grube

(mit Benutzung des Volkspiels)

Häschen in der Grube

saß und schlief,

kam der heilge Kuckdiguck

und bracht ihm einen Brief.

Häschen, bist du müde

oder bist du krank?

Steck doch deine Läufer raus,

ob du noch hüpfen kannst.

Und was stand geschrieben

in Kuckdiguckens Brief?

"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,

geht der Wagen schief."

Hasenspiel

Warte, in der Weihnachtszeit

kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.

Den größten verschicken wir,

den zweitgrößten spicken wir,

der kleinste kommt ins Hundehaus

und steckt hinten sein Schwänzchen raus.

Drei Bäumchen

Jung jung drei Bäumchen

wachsen im Wiesengras,

jung jung drei Bäumchen

sagen mir was.

Das zweite trägt Pfläumchen,

schlicker-schleckerfein;

hätt es deine Zähnchen,

es äße sie allein.

Das dritte, das dritte

schüttelt sich bloß:

fallen lauter Blüten

in meinen Schoß.

Sag ich schön Dank,

geh ich nach Haus,

mach ich Rumpumpeln

ein Kränzchen draus.

Schabernack

Am Abend

Still.

Was bloß das Kätzchen will?

Es streicht um meinen Schoß herum,

das Schwänzchen hoch, den Buckel krumm,

Still—

und weißt du, was es will?

Still.

Was bloß die Glucke will?

Sie lockt und lockt die kleine Brut

zum warmen Stall und deckt sie gut,

Still—

und weißt du, was sie will?

Gutenachtliedchen

Leise, Peterle, leise,

der Mond geht auf die Reise;

er hat sein weißes Pferd gezäumt,

das geht so still, als ob es träumt,

leise, Peterle, leise.

Stille, Peterle, stille,

der Mond hat eine Brille;

ein graues Wölkchen schob sich vor,

das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,

stille, Peterle, stille.

Träume, Peterle, träume,

der Mond guckt durch die Bäume;

ich glaube gar, nun bleibt er stehn,

um Peterle im Schlaf zu sehn—

träume, Peterle, träume.

32

Freund Husch

(von Paula und Richard Dehmel)

Husch, husch, husch,

ich schlüpfe aus dem Busch;

ich stecke mein Laternchen an,

ich zünde uns die Sternchen an,

husch.

Husch, husch, husch,

ich putze meinen Busch.

Der Mond ist da, der Mond ist hell;

der Mond, der ist mein Spielgesell,

husch.

Husch, husch, husch,

ich schüttel meinen Busch.

Die Kinderchen sind all zur Ruh,

ich schüttel ihnen Träume zu;

die haben wir vergangne Nacht,

der Mond und ich, uns ausgedacht,

husch, husch, husch,

im Busch.

Rumpumpels Geburtstag

Guckt das Eichhörnchen runter:

Wenig Zeit, wenig Zeit!

Guten Morgen, Rumpumpel,

dein Geburtstag ist heut!

Kommt das Häschen gesprungen,

macht Männchen vor Freud:

Guten Morgen, Rumpumpel,

dein Geburtstag ist heut!

Steht der Kuchen auf dem Tische,

macht sich dick, macht sich breit:

Guten Morgen, Rumpumpel,

dein Geburtstag ist heut!

Und Vater und Mutter,

alle Kinder, alle Leut

schrein: Hoch der Rumpumpel,

sein Geburtstag ist heut!

Mutters Geburtstag

Rumpumpel tanzt

Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,

es blitzen seine Schuh;

der Kreisel und der Hampelmann

sehn verwundert zu.

Der Kreisel pufft den Hampelmann:

guck, Hans, was sagst du nur?

der Junge tanzt, der Junge tanzt

und sitzt an keiner Schnur.

Der Hampelmann zieht ein Gesicht

und schlenkert und sagt: puh,

auch eine Peitsche braucht er nicht,

tanzt doch so schön wie du.

Kreiselliedchen

Herr Dreidel tanzt auf einem Bein

rundum, rundum,

kommt die dicke Marmelkugel,

rollt ihn um, rollt ihn um;

paß auf, Herr Dreidel!

Herr Dreidel tanzt auf einem Bein

rundum, rundum,

pfeift der Wind aus einer Ecke,

pfeift ihn um, pfeift ihn um;

steh auf, Herr Dreidel!

Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,

peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;

hopp hopp, wie springt das Brüderlein,

halt den Dieb, halt den Dieb,

heißa, Herr Dreidel!

Konzert

Musik, Musik, die Geige kommt,

die Geige tut fein klingen;

Rumpumpel hebt das Fingerchen,

fängt leise an zu singen.

Musik, Musik, der Brummbaß kommt,

ganz deutlich hört man's summen;

Rumpumpel hebt das Fingerchen,

tut wie 'ne Hummel brummen.

Das gibt ein herrliches Konzert,

ihr Kinder, kommt, ich bitte!

Drei Kirschen kost't der erste Platz,

und eine kost't die Mitte.

Hinten herum ist alles frei,

großmütig sind wir heute;

der Mohr, der Spitz, der Hampelmann

sind gar zu arme Leute.

Die ersten Höschen

Er nimmt sein Buch und Metermaß,

schreibt sich die Zahlen auf;

und wenn der Bub nicht stille steht,

kriegt er eins hinten drauf.

"Du lieber Meister Piekenich,

mach die Hosen recht schön!

Ich will ja unter den Linden

damit spazieren gehn.

Und alle kleinen Jungens

gucken nach mir hin

und sehn an meinen Höschen,

daß ich auch ein Junge bin."

Der kleine Sünder

(von Paula und Richard Dehmel)

Gestern lief der Peter weg,

spinnefix verstohlen.

Setzt sich Mutter den Bänderhut auf:

wart, ich will dich holen.

Sausepeter,

Flausepeter,

kleiner Sünder, wo bist du?

Wie sie sich im Garten umguckt,

ist er nicht zu sehen,

bleibt sie neben dem Spargelbeet

unterm Pflaumbaum stehen.

Aber Peter,

nirgends steht er;

kleiner Sünder, wo bist du?

Hört sie etwas lachen, horch

oben aus dem Baume;

sitzt der Peter seelenvergnügt,

pflückt sich eine Pflaume.

Wirft ein Steinchen,

schwenkt die Beinchen,

wupptich—: Mutter, da bin ich!

Flutschpeter

Die Trommelpartie

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,

er trommelt: wer will mit?

Kommt das Kätzchen

Mausemätzchen,

das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,

er trommelt: wer will mit?

Kommt das Hündchen

Belleinstündchen,

das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,

er trommelt: wer will mit?

Kommt das Schweinchen

Rosenfeinchen,

das will mit.

So geht's im Trab,

bergauf, bergab,

durch Dünn und Dick,

durch Schlamm und Schlick;

Rumpumpel schlägt die Trommel.

Das Kätzchen maut,

das Hündchen bellt,

das Schweinchen quiekt,

der Bär brummt: was 'ne dumme Welt!

Rumpumpel schlägt die Trommel.

Rumpelreim

Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,

Ride-bide-Bummstock ließ sie wieder raus;

Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,

die Mäuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.

Das Karnickel

Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,

ist dir dein Haus zu eng?

Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,

bloß friß mir nicht die Knospen all!

Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,

bist mir nun wieder gut?

Lektion

Hühner, wollt ihr wohl artig sein!

hübsch langsam essen und nicht so schrein!

Müßt ihr denn immer zanken und beißen?

euch um jedes Körnchen reißen?

Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,

du ißt ja für vier.

Weg! hörst du nicht? du sollst dich trollen!

Die niedlichen kleinen Küken wollen

auch mal heran an das schöne Futter.

Wenn du nicht hörst, sag ich's der Mutter;

die fängt dich ein und macht dich tot,

dann essen wir dich zum Mittagbrot.

42

Lied des Hühnchens

Tuck—tuck—heut ist Regentag,

und ich muß mich plagen;

kratze schon acht Stunden, tuck,

und noch knurrt mein Magen.

Tuck tuck tuck, pick und schluck,

hab noch immer nicht genug.

Tuck die Enten, tuck die Enten,

Enten sind doch Narren;

gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,

als könnte man da scharren.

Tuck tuck tuck, pick und schluck,

hab noch immer nicht genug.

Pferde, tuck tuck tuck, und Kühe

haben große Köpfe,

aber keine Kröpfe, tuck;

traurige Geschöpfe!

Tuck tuck tuck, pick und schluck,

hab noch immer nicht genug.

Tuck, du fetter Regenwurm,

dich muß ich noch ergattern;

schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,

Muhmen und Gevattern!

Tuck tuck tuck, pick und schluck,

hab noch immer nicht genug.

Tuck, wär ich doch endlich satt,

tuck, das wär ein Segen;

muß Rumpumpeln, tuck tuck tuck,

sein Frühstücks-Ei noch legen.

Tuck tuck tuck, pick und schluck,

ach, wann hat man wohl genug?

So sieht unsre Wirtschaft aus

Unser Müller hat ein Mühlenhaus,

mi-ma-Mühlenhaus,

kommt Korn hinein und Mehl heraus,

mi-ma-Mehl heraus;

Mühlenhaus, Mehl heraus,

so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unser Schlächter schlacht't ein feistes Schwein,

fi-fa-feistes Schwein,

und pökelt Wurst und Schinken ein,

schi-scha-Schinken ein;

feistes Schwein, Schinken ein,

weiße Wecken, Streußelschnecken,

Mühlenhaus, Mehl heraus,

so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,

bi-ba-bunte Kuh,

die gibt uns Milch und Butter dazu,

bi-ba-Butter dazu;

bunte Kuh, Butter dazu,

feistes Schwein, Schinken ein,

weiße Wecken, Streußelschnecken,

Mühlenhaus, Mehl heraus,

so sieht unsre Wirtschaft aus.

Rumpumpel ist ein kluges Kind,

kli-kla-kluges Kind,

das fragt nicht viel und ißt geschwind,

i-a-ißt geschwind;

kluges Kind, ißt geschwind,

frisches Ei, laut Geschrei,

bunte Kuh, Butter dazu,

feistes Schwein, Schinken ein,

weiße Wecken, Streußelschnecken,

Mühlenhaus, Mehl heraus,

so sieht unsre Wirtschaft aus.

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48 

49Zweiter Teil

50 

51

Das Haus

Ich bau, ich bau ein steinern Haus;

vorne guckt ein Esel raus,

hinten eine Kuh,

muh.

Mit Trommel und Trab

Sitzen zwei alte Weiber im Sand,

spinnen viel feine Fäden über Land,

über Bäume,

über Zäune,

um Stoppel und Dorn,

immer von vorn.

Für wen sitzen die alten Weiber im Sand,

spinnen viel feine Fäden über Land?

Für Wildbub Kraushaar,

kommt alle hundert Jahr

mit Trommel und Trab

vom Himmel herab,

reißt alle Fäden auf einmal ab,

macht sich ein'n Mützenpuschel draus

und lacht die alten Weiber aus.

52

Siebenschläfer

Ihr Siebenschläfer in den Höhlen,

reckt euch, streckt euch, aufgewacht!

Der Frühling leuchtet in den Himmel

nach einer einzigen warmen Nacht.

Schnell, schüttelt eure grauen Zotteln,

und blinzelt in das blaue Licht;

Herrgott, wer wird so langsam trotteln,

ich lauf voraus, ich warte nicht.

Die Amsel übt schon ihre Lieder,

ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;

und denkt euch nur, der blaue Flieder

hat Knospen, und der Haselstrauch.

Der Teckel bellt vor lauter Wonne

und wühlt die frische Erde um—

Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,

ihr Siebenschläfer faul und dumm?

Osterlied

Has, Has, Osterhas,

mit deinen bunten Eiern.

Der Star lugt aus dem Kasten aus,

Blühkätzchen sitzen um sein Haus;

wann kommst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,

ich wünsche mir das Beste:

ein großes Ei, ein kleines Ei

und ein lustiges Dideldumdei,

alles in einem Neste.

Maiwunder

(von Paula und Richard Dehmel)

Kommt das Maienweibchen,

trägt ein weißes Kleidchen,

trägt ein grünes Kränzchen,

sagt zu unserm Hänschen:

Eia, Hans,

komm zum Tanz!

Einen Schritt Frau Nixe,

einen Schritt Herr Nix,

Ringeldireih, Ringeldireih,

Dienerchen,

Knix!

Hansel und Gretel

Prinzeßchen

Wer tanzt mit mir?

wer spielt mit mir?

ich bin so sehr allein.

Kam da der gelbe Sonnenstrahl:

Ich tanze Tippel-huschemal,

willst du meine Tänzerin sein?

Wer tanzt mit mir?

wer spielt mit mir?

der Sonnenstrahl ist zu fein.

Kam da der wilde Pustewind:

Heidih, ich spiele Wegefind,

lauf doch, fang mich ein!

Wer tanzt mit mir?

wer spielt mit mir?

der Wind macht mein Krönchen entzwei.

Kam da unser brauner Junge an,

macht 'nen Diener wie 'n Edelmann:

Prinzeß, ich bin so frei.

56

Das große Loch

Das große Loch,

wie kam es doch

in Gretens neuen Schuh?

Die ganzen Zehn

sind ja zu sehn;

wer macht das Loch uns zu?

Drüben hinterm Rathaus

hängt ein großes Schild raus,

goldner Stiefel drauf.

Da wohnt der Schuster Firlefanz,

der macht dein Schuhchen wieder ganz;

lauf, Grete, lauf!

Zwei Gesellen

Es tanzen zwei Gesellen

hier herum;

der eine, der ist klug,

und der andre, der ist dumm.

Der eine liegt im Grase,

der andre sitzt am Tisch;

der eine kaut den Kanten,

der andre ißt den Fisch

ißt den Fisch.

Wenn's Pfingsten regnet

Eine Hühnergeschichte

Vor der Laube kräht der Hahn,

ein rot-schwarz-gelb und grüner:

Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,

fix, kommt fix, ihr Hühner!

Drüben aus des Gärtners Haus

guckt der kleine Fritz und lacht:

Ei, wie sah das lustig aus,

das haben die Hühner klug gemacht.

Marieken und die Küken