Leben.

Der Verfasser dieser Abhandlung, Josef Collin, ist am 2. Februar 1864 zu Mainz geboren; er besuchte in den Jahren 1873-1881 das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog alsdann die Universität Gießen, um sich dem Studium der alten Sprachen, des Deutschen und der Geschichte zu widmen. Seine Gießener Studienzeit, die nur durch einen Aufenthalt an der Berliner Hochschule im Sommersemester 1883 unterbrochen wurde, schloß Anfang 1886 mit bestandener Lehramtsprüfung ab. Nachdem er hierauf am Gymnasium zu Mainz sein Probejahr beendet und danach seiner militärischen Dienstpflicht genügt hatte, fand er an dem Gymnasium zu Darmstadt und später für längere Zeit an dem zu Laubach Verwendung. Herbst 1891 ward ihm auf sein Nachsuchen ein halbjähriger Urlaub zur Fortsetzung seiner Studien in der deutschen Sprache und Litteraturgeschichte auf der Landesuniversität gewährt, nach dessen Ablauf er am Realgymnasium zu Gießen verwendet ward. Daselbst ward er Dez. 1892 fest angestellt. Gern benutzt er die Gelegenheit, da er zum ersten Mal mit einer wissenschaftlichen Arbeit vor die Öffentlichkeit tritt, seiner verehrten Lehrer, der Herren Professoren Bratuscheck, Braune, Clemm, Kirchhoff, Oncken, Paulsen, Philippi, Roediger, Schiller, Schmidt, Siebeck dankbaren Sinns zu gedenken und zuletzt Herrn Prof. Behaghel für die ihm während seines Urlaubs erwiesene Teilnahme und Förderung seinen Dank auszusprechen.

Collin.


FUSSNOTEN

[1]

Vergl. Düntzer. Neue Beiträge zur Goetheforschung 1891. S. 153 ff.

[2]

Werke Bd. 14.—G. F. in ursprünglicher Gestalt nach der Göchhausenschen Abschrift herausgegeben von E. Schmidt. Zweiter Abdruck. Weimar, Böhlau 1888.

[3]

W. Bd. 14. S. 290 ff.

[4]

F. ein Fragment von Goethe, herausgegeben von W.L. Holland. Freiburg. 2. Aufl. 1882, und v. B. Seuffert, D. Litteraturdenkmale des 18. u. 19. Jahrh. N. 5.—W. Bd. 14.

[5]

Das Volksbuch von Dr. Faust (1587). Neudrucke deutscher Litteraturwerke des 16. und 17. Jahrh. N. 7 u. 8.—Das Faustbuch des christl. Meinenden. D. Litteraturdenkmale. N. 39.

[6]

Herausgeg. von Engel.

[7]

W. Bd. 11.

[8]

Br. 2. N. 148. S. 85.

[9]

D.j.G. 2. S. 28 ff.

[10]

Vergl. z.B. Sauer in der Einleitung zu »Stürmer und Dränger« (Deutsche Nationallitteratur, herausgegeben von J. Kürschner, Bd. 79 1. S. 29 f.)

[11]

D.W. T. 2. B. 10. W. Bd. 27 S. 321.

[12]

W. Bd. 4 S. 347.

[13]

Vergl. auch Minor u. Sauer, Studien zur Goethephilologie S. 77.

[14]

D.W. T. 2. B. 8. W. Bd. 27. S. 203 ff. und Ende des 8. Buches.

[15]

Noch kräftiger drückt sich der gleichzeitige Satyros aus: Kein Mensch ist so weis' und klug als ich. (D.j.G. III. 477.)

[16]

W. Bd. 2. S. 1. ff.

[17]

Br. 2. N. 85. an Herder. Ende 1771. (S. 11.)

[18]

Vorzüglich auf das Motiv der äusseren Beschränkung gründet sich die zur Zeit der dritten Faustbeschäftigung gedichtete Ballade »Der Schatzgräber«. Es ist überhaupt zu beachten, wie sich auch damals die Arbeit am F. in der übrigen Poesie abspiegelt.

[19]

D.j.G. 3. S. 242 f.

[20]

a.a.O. 3. S. 198 ff.

[21]

Br. 2. X. 208. S. 147 f.

[22]

Gespr. Bd. 7. S. 10.

[23]

D.j.G. 3. 690.

[24]

Vergl. auch Goethe in Lavaters Physiognomik: Und so begierig der Mensch zu sein scheint, die wahre Beschaffenheit eines Dings und die Ursachen seiner Wirkungen zu erkennen, so selten wirds doch bei ihm unüberwindliches Bedürfnis. (V.d.H. S. 40.)

[25]

D.j.G. 3. 157. In eine Zeichenmappe. An Merck.

[26]

Dazu das spätere Epigramm: Problem. W. 2. 272.

[27]

Aufsätze über Goethe S. 315. G. I. 6. (1885.)

[28]

Scherer a.a.O. S. 315.

[29]

D.j.G. 3. 327.

[30]

Man vergl. Goethe in Lavaters Phys. 1. Zugabe: (v.d.H. S. 83.) Was den Menschen umgibt, wirkt nicht allein auf ihn, er wirkt auch wieder zurück auf selbiges, und indem er sich modificieren läßt, modificiert er wieder rings um sich her. So lassen Kleider und Hausrat eines Mannes sicher auf dessen Charakter schliessen. Die Natur bildet den Menschen, er bildet sich um, und diese Umbildung ist doch wieder natürlich; er, der sich in die große, weite Welt gesetzt sieht, umzäunt, ummauert sich eine kleine drein und staffiert sie aus nach seinem Bilde.—(Das ist deine Welt, das heißt eine Welt!)—Herder W. 1. 249. von dem Kritiker: als ein zweiter Pluto bewacht er altes angeerbtes Gerät und ehrwürdigen Auskehricht der Litteratur: u.s.w.—vergl. auch noch D.j.G. 3. 690.—

[31]

Durchaus nicht beachtet hat ihn z.B. Gwinner, Goethes Faustidee u.s.w. Frankfurt a.M. 1892. Er hält gerade das für die Grundidee des Goethischen Faust, was viel eher die des F. der Sage zu nennen wäre!

[32]

Neue Faustkommentare; in d. Aufs. über G. S. 278.

[33]

F. 2. Teil. V. 11404 ff. (Bd. 15. 1. S. 307.)

[34]

Dies übersieht z.B. K. Fischer. (Goethes Faust nach seiner Entstehung, Idee und Komposition; 2. Aufl. Stuttg. 1887.) Er läßt die Sage zu wenig zu ihrem Recht kommen und betont allzu stark und zu formelhaft den Grundgedanken dieser doch episodischen zweiten Partie. (S. 430 ff.) Von hier aus allein darf aber Fausts Charakter nicht aufgefaßt werden, wenn sie auch zur Charakteristik des Dichters besonders wertvoll ist.

[35]

Betrachtungen über Faust a.a.O. S. 311 ff.

[36]

A.a.O. S. 323.

[37]

Die neue Ausgabe des Faust von Calvin Thomas, (Boston, 1892) der sich in seiner Einleitung ebenfalls gegen Scherer wendet, konnte hier noch nicht benutzt werden. (Vergl. Geigers Anzeige in der Beilage zur Allgem. Zeitg. 1892. N. 253.)

[38]

So faßt es auch z.B. noch Graffunder, Preuß. Jahrb. 68. S. 717.

[39]

Vergl. Minor u. Sauer, Studien zur Goethephilologie S. 77 ff.

[40]

D.j.G. 2. 11.

[41]

a.a.O. 2. 29.

[42]

F. V. 1141 f. = 3449 f.—S. 82. Z. 55 f.—S. 227. Z. 68.

[43]

D.j.G. 2. 4.

[44]

a.a.O. 3. 434.

[45]

a.a.O. 3. 237.

[46]

a.a.O. 3. 298. 373.

[47]

a.a.O. 3. 629.

[48]

a.a.O. S. 310 f.—

[49]

Wagner. 2. 9.

[50]

D.j.G. 3. 690., man vergleiche auch die sinnverwandte Stelle in Stella 3. 665.—es ist so licht, so offen um mich her, und ich freue mich des!—Er ist wieder da! Und in einem Wink steht rings um mich die Schöpfung lebevoll und ich bin ganz Leben—

[51]

D.j.G. 3. 169.—Br. 2. 266 a vom 4. Dez. 1774.—

[52]

D.j.G. 3. 689.

[53]

W. 6. 193 ff.

[54]

Br. 2. 231. S. 172 f. vergl. auch 2. 228. S. 169 vom 16. Juni 1774.

[55]

Aus Goethes Frühzeit; Q. F. 34. S. 71 ff.

[56]

W. 6. S. 258.

[57]

a.a.O. S. 267.

[58]

a.a.O. S. 269.

[59]

a.a.O. S. 293.

[60]

Wagner. 1. S. 10. vom Oktober 1770.

[61]

W. 6. 298.

[62]

a.a.O. S. 298.

[63]

a.a.O. S. 339.

[64]

a.a.O. S. 340 f.

[65]

a.a.O. S. 351.

[66]

a.a.O. S. 471. 484.

[67]

Man vergl. hierzu aus Künstlers Erdewallen die Verse:

Aurora, wie neukräftig liegt die Erd um Dich,

Und dieses Herz fühlt wieder jugendlich,

Und mein Auge, wie selig Dir entgegen zu weinen.

D.j.G. 3. 198. Jacobi in seinem Allwill macht diese zur Mode gewordene Verehrung der Morgenröte auch mit. Br. vom 8. März; Ausg. v. 1812. Bd. 1. S. 25 f.—Was den Weisen betrifft, so ist natürlich an keine bestimmte Person zu denken, nicht etwa an Herder, wie Scherer thut. Was bei Goethe der Weise ist, ist bei Herder Gott selbst. Es ist nur eine Wendung, wie sie auch Goethe sonst gebraucht; vergl. d.j.G. 3. 487. Der Weise sagt:—Der Weise war nicht klein—Nichts scheinen, aber alles sein.

[68]

Vergl. D.u.W. 2. T. B. 8. (Werke 27. 204 f.): Mir wollte besonders die Aurea Catena Homori gefallen, wodurch die Natur, wenn auch vielleicht auf phantastische Weise, in einer schönen Verknüpfung dargestellt wird;——

[69]

W. 6. 380.

[70]

W. 27. 204.

[71]

Graffunder: Der Erdgeist und Mephistopheles in Goethes Faust. (Preuß. Jahrb. 68. S. 705.)

[72]

Mit Unrecht wirft ihm Scherer Mangel an malerischer Anschaulichkeit vor; er hat übersehen, daß hier nicht, wie in den vorhergehenden Versen, von dem Weltall selbst, sondern nur von einer bildlichen Darstellung seiner Harmonien die Rede ist. (Herder im Faust. Aus G. Frühzeit S. 74.)

[73]

a.a.O. S. 73.

[74]

D.j.G. 3. 483 f.

[75]

Den Gegensatz, dessen sich Faust hier bewußt wird, bezeichnet der Goethe geistesverwandte Herder so:—aber das ist doch alles nur totes Bild. Witz einer schönen Vergleichung—wenns Leben, Anschauen, unmittelbares Gefühl der allwirkenden Gottheit sein konnte. W. 6. S. 221.

[76]

Das Bild hat also durchaus nichts Widerwärtiges.

[77]

D.j.G. 3. 168.—Vergl. zu diesen Ausführungen auch Gwinner a.a.O. S. 182 f.—

[78]

D.j.G. 3. 173.

[79]

Br. 2. N. 266. vom 5. Dez. 1774.

[80]

D.j.G. 3. 291.

[81]

D.j.G. 3. 181.

[82]

D.j.G. 3. 331.

[83]

Br. 2. S. 266.

[84]

Paralipomena 1 (W. 14. 287.)—Vergl. Harnack, Vj.-schr. f. Littgesch. 4. 169.—Pniower, ebenda 5. 408 ff.

[85]

Hier ist die Grundlage des M. zu suchen, nicht wie Graffunder meint, in den alchemistischen Werken; (a.a.O. S. 704 f.) ihre Vorstellungen verbinden sich mit denen Goethes dann weiterhin um so besser, da sie ja auch dieselbe Quelle hatten.

[86]

D.j.G. 3. 695.

[87]

A.a.O. 3. 290 f.

[88]

Sehr bezeichnend ist für V. 438 die spätere Einschaltung: rings um mich her, während Faust ursprünglich so wenig wie Werther sich auf die rings umgebende Natur beschränkte, sondern ihr Blick von da aus weiterschweifte über das All der Schöpfung.

[89]

D.j.G. 3. 291.

[90]

Von deutscher Baukunst. D.j.G. 2. 209 f. Man vergl. auch in Künstlers Erdewallen den Künstler vor dem Bild der Venus Urania:

Meine Göttin, deiner Gegenwart Blick

Überdrängt mich wie erstes Jugendglück,

Die ich in Seel und Sinn, himmlische Gestalt,

Dich umfasse mit Bräutigams Gewalt.

Bewerkenswert ist auch hier eine Stelle aus Jacobis Allwill, (Br. Nr. 16. vom 30. März. S. 147 f.) die offenbar nach Herderisch-Goethischer Vorlage geschaffen ist. Allwill begeistert sich hier am Anblick einer Linde:

Erquickendes Grün, die lieblichste Farbe im schönsten Wechsel, tanzend und spielend mit dem Lichte.—Das ist es—ja das, und weiter nichts, was deinen Blick an diese leise wehende Lindenkrone heftet; was mit sanftem Entzücken deinen Busen füllt; in dir alle Regungen der Liebe weckt, und dich begeistert! Das und weiter nichts?... Jener Leben und Liebe erweckende Schein, eine Schrift ohne Sinn und Sprache? Davon klopfte mir so das Herz, drängte mich so mein Geist, heiterte sich mein ganzes Wesen, daß ich leere Züge ohne Bedeutung anschaute?———du winkest mir aus deiner Herrlichkeit auf jene Blätter im Erstreben ihres höchsten Daseins, wie sie längs den saftvollen Ästen in jugendlicher, kraftvollster Gestalt sich brüsten—du winkest... O, höher schlägt mir das Herz, fröhlicher schwingt mein Geist seine Flügel. Ich sehe!—die ganze Fülle, die ganze Kraft des Wesens da; das war es, was mich ergriff, mich durchdrang, sich mir darstellte, als ich erkannte und nicht wußte vor Entzücken! Wohl uns! So bringt die Natur ihren gesamten Inhalt dem Menschen ans Herz und unterrichtet ihn auf die lieblichste Weise unmittelbar u.s.w.

[91]

Aber nicht: Weg mit dem Buche! wie Kuno Fischer, Goethes Faust u.s.w. S. 427 meint; denn Fausts Unwille gilt nicht ihm, sondern seiner Unfähigkeit, das Weltall zu umfassen.

[92]

Diese Beschwörung übersieht wieder Fischer a.a.O. S. 427 und 429 völlig und nimmt nur die erstere, die natürliche Magie des Geistes an. »Die Beschwörung geschieht nach keiner Vorschrift aus einem Buche der Magie, nach keiner kabbalistischen Formel, sie enthält nichts von Zauberkram;« damit ist jedoch die scenarische Zwischenbemerkung nach V. 129 = 481 völlig außer Acht gelassen. Allzu großen Wert legt Fischer ferner darauf, daß F. nicht die Hölle und ihre Geister, sondern die Erde anrufe. Allein damit macht der moderne Dichter nur vorübergehend seiner Empfindungsart ein Zugeständnis. Schließlich beschwört Faust doch den Teufel. Hierin liegt auch der Grund für Fischers verkehrte Ansicht. Mephistopheles sei ursprünglich nicht als Teufel gedacht.—Einen ähnlichen Fehler macht auch Gwinner a.a.O. S. 201, wenn er behauptet, F. bringe den E. durch die anhaltend gesteuerte Energie zur Erscheinung.

[93]

Betrachtungen über F. a.a.O. S. 322.

[94]

V. 136 = 488; 138 = 490.

[95]

D.j.G. 3. 450.

[96]

A.a.O. 3. 236.

[97]

D.W.T. 3. B. 12. W. 28. S. 149.

[98]

A.a.O. S. 322.

[99]

Paralip. 1. W. 14. S. 287.—Der Erdgeist wirkt also nicht etwa auf Fausts Wissensdrang ein; sondern ruft in ihm den Lebensdrang hervor. Mit jenes Erscheinen wird grade der Übergang zum eigentlichen Thema des F. gemacht: durch Lebenskenntnis zur schöpferischen That. Vergl. Vischer, Goethes Faust, Neue Beiträge zur Kritik des Gedichts S. 15.

[100]

Graffunder a.a.O. S. 706 f.

[101]

G. I. 7. (1886) S. 242.

[102]

F.G.A. N. 88. vom 3. Nov. 1772. (S. 582.)

[103]

Man vergl. Herders Recension über Kants Träume eines Geistersehers. (W. 1. S 125 f.)

[104]

D.j.G. 2. 10.

[105]

F.G.A. N. 70 vom 1. Sept. 1772.—S. 463.

[106]

D.j.G. 2. 7. ff.—vergl. auch W. Tischbeins Idyllen. W. 3. S. 122 N. 1.

[107]