»Ich glaub' an Jesum, welcher spricht:
Wer gläubt, der kommt nicht in's Gericht.
Gott Lob, daß ich es glauben kann!
Auch meine Schuld ist abgethan.«

»Doch, daß ich von etwas Anderm rede, noch eine Neuigkeit für euch, Herr Justus, die euch gewiß erfreuen wird. Wie ich heute zum Thore am Neuenweg hinaus will, um in meinen Garten zu gehen, so wandelt just ein Soldat in der Sonne auf und ab, den ich bis dahin nicht gesehen hatte, wie denn überhaupt die Compagnie, die dort lag, eine fremde zu sein schien. Ich biete dem Soldaten die Zeit und der Soldat dankt freundlich, und fragt: »Wohin so eilfertig, Mütterchen?« »Mit der Eilfertigkeit pressirt es just nicht, sagt' ich, Unsereins lehrt das Alter gemach thun; will noch etwas in meinem Garten am Nahrungsberg holen«, sagt' ich. »Ist doch jetzt keine Zeit mehr zum Gartenbesuch«, sagt' er. »Ja wohl«, sagt ich, »sind aber noch etliche Kohlstengel draußen geblieben, die hätt' ich gerne heim. Eure Compagnie scheint noch nicht lange in der Stadt zu sein, und habt ihr etwa noch Niemand, der euch wascht und flickt, so wisset, daß ich dergleichen um ein Geringes gern thue. Ich wohne auf dem Tiefenweg neben dem Wall, fragt nur nach der Barbara Lindin, jed' Kind kann euch zu mir weisen; und sollt' ich ja nicht zu Haus sein, so gebt nur meinem Hausmann das schwarze Zeug, der Herr Justus wird es sorgsam aufbewahren.« »Der Herr Justus«, sagt' er, »was ist's mit dem, heißt euer Miethsmann Konrad Justus, und ist er seines Berufs ein Theologe?« »Ja«, sagt' ich, »der wohnt bei mir; und woher kennt ihr ihn?« »Ich bin der Corporal Scheuermann«, sagt' er, »und habe den Herrn Justus eher gekannt, als ihr.« »Ja«, sagt' ich, »wenn ihr der seid, so kenne ich euch auch, denn der Herr Justus hat von euch auch schon erzählt, und euch ein gut Zeugniß gegeben.« »Hat er das gethan?« sagt' er, und dem Mann flossen ja, so wahr ich lebe, die Thränen über die Backen herunter. »Und was ist Herr Justus hier«, fragt er, »und geht es ihm wohl?« »Es geht ihm wohl«, gab ich zur Antwort, »könnt' ihm aber auch besser gehen;« und so redeten wir ein Langes und Breites von euch und wurden gute Freunde mit einander. Und wie ich ging, so trug mir der Corporal einen freundlichen Gruß an euch auf und er wolle euch bald besuchen.«

»Der gute Scheuermann von der Marksburg«, sprach gedankenvoll der Justus; »also denkt er mein noch. Habt Dank Frau Lindin für die Nachricht, sie hat mir wohl gethan. Man hört selten von seinen alten Freunden; hat Jeder seine Last mit sich und seine Lust für sich, das ist so der Welt Lauf.«

»Ihr könntet wohl auch eure Lust für euch haben, Herr Justus«, hub die Alte mit leisem Tone an, indem ihre scharfen Augen den Eindruck zu beobachten schienen, den ihre Rede auf den Zuhörer mache, »ihr könntet auch eure Lust für euch haben, sag' ich, wenn ihr euch nur darnach stelltet. Nehmt es nicht für ungut, wenn ich alte Frau mir einmal ein Herz fasse und von der Leber weg zu euch rede; seit ich mit dem Corporal Scheuermann über euch gesprochen, mein' ich ordentlich mehr Muth gesammelt zu haben. Also laßt mich frisch heraus reden. Ihr seid eures Standes ein Gottesgelehrter, und das ein rechtschaffener und kapitaler, und wenn's mir nachginge, ich machte euch heute noch zum Superintendenten, oder mindestens zum Inspector. Statt dessen wohnt ihr nun schon sieben Jahre in meinem Hause, arbeitet wie Einer, der erst anfängt, helft den lockern Studenten, die ihrer Aeltern Geld und Gut verpraßt haben, durch's Examen, stutzt den Faulenzern den Doctorhut zurecht, tretet den Herrn Professoren all' ihren lateinischen Quark aus; und so lange sie euch brauchen, heißt's Herr Justus hier, Herr Justus dort; und wenn sie haben, was sie wollen, was geben sie euch? Einen Lohn, dessen sich diese sauberen Herrn schämen sollten. Heißt's doch: »Dem Ochsen, der da drischt, sollst du das Maul nicht verbinden«, »und ein Arbeiter ist seines Lohnes werth;« aber euer Lohn ist für's Sterben zu viel und für's Leben zu wenig, und Keiner ist so ehrlich, eurer zu gedenken und euch zu einem Stück Brod zu verhelfen. Sind Alle sammt und sonders wie der Mundschenk, der des Joseph vergaß. O Schande über dieß Pack!«

»Und wenn ich gar an die Rangen denke, denen ihr Tag für Tag hier am Tische das Latein einbläut, Herr, dann vergeht mir ganz mein bischen Geduld. Von eurem Latein versteh ich nichts; aber von der Unterweisung zur Seligkeit, die ihr ihnen gebt, glaub' ich ein gutes Theil wohl begreifen zu können, und doch sitzen die Rangen da, so dumpf und stumpf, so verhagelt und vernagelt, daß ich an eurer Stelle längst den Bakel gebraucht und ihnen Moses und die Propheten durch den Rücken eingetrieben hatte. Und wenn sie dann zur Treppe herunterkommen, dann solltet ihr einmal die Gesichter und Gestus sehen, die sie machen, man sollte meinen, es hätte Jeder droben sein Prämium verdient. Einer stellt dem Andern ein Bein, schlägt ihm die Bücher unter'm Arm weg, oder klemmt ihm gar den Zopf in die Hausthüre. Aber, mein' ich dann, ich hab's ihnen vertrieben; thut euch der Herr Justus nichts in seiner Engelsgeduld, dacht' ich, so will ich euch Mores lehren. Ich nahm den Ziemer, der noch von alter Zeit her hinter dem Ofen hängt, in meine Fäuste, und sagte kein Wort, und stellte mich nur unten an der Treppe auf, und sah Einem nach dem Andern in die Augen; mein' ich dann, das Toben verging ihnen! Das ging so zwei Tage; am dritten, als sie herunterkamen, boten sie mir schon freundlich die Zeit: »Schön Dank, ihr jungen Herren«, sagt' ich, und hing meinen Ziemer wieder hinter den Ofen. Doch damit ich meine Rede nicht vergesse, das erzähl' ich Alles nur darum, damit ich euch begreiflich mache, daß Undank der Welt Lohn sei. Die Buben sind lauter Söhne von unsern schönsten Leuten hier aus der Stadt: Rathssöhne, Professorssöhne, Officierssöhne; wo fällt es nur Einem dieser vornehmen Herrn einmal ein, für den Herrn Justus ein gutes Wort einzulegen! Bewahre! Als frischmelkende Kuh betrachten sie ihn, daß sie diesen Büffeln von Buben die Milch gebe. Ich für mein Theil ließe es bleiben. Haben sie euch ausgemolken, und seid ihr alt und steif, so giebt euch Keiner das Gnadenbrod. Das war's, was ich sagen wollte; nichts für ungut, Herr Justus!«

Der Kandidat Justus hatte die Rede seiner Hauswirthin mit der größten Ruhe angehört, und als sie fertig war, und sich mit der Schürze den Schweiß von der Stirne gewischt, auch den verlorenen Faden auf ihrem Wollrad wieder gesucht hatte; da sah er sie an mit einem Blick, von dem es schwer zu sagen war, ob er ein billigender, oder ein vorwurfsvoller sein sollte. Er putzte das Licht und dann sagte er gelassen: »Ich habe euch euer Herz einmal ausschütten lassen, Frau Lindin, wozu ihr, seitdem wir zusammen leben, schon manchen Ansatz gemacht habt; und damit ihr seht, daß ich euer Wohlmeinen verstehe, ob es gleich etwas derb an Mann gebracht worden ist, so laßt mich euch sagen, was ich von mir und meinen Ansichten halte. Für's Erste, so weiß ich, daß unser Keiner ihm selber stirbt und unser Keiner ihm selber lebt: daß unser Herrgott uns an seinen getreuen Händen leitet und führet, und daß Alles von ihm kommt: Glück und Unglück, Leben und Tod, Armuth und Reichthum. Da ich solches weiß, was soll ich meinem Gott den Gehorsam aufkündigen und ihm sagen: »Deine Wege gefallen mir nicht, führ' mich besser!« Nein, da will ich lieber in seiner Schule bleiben und mit David sagen: »Du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an.« Zum Andern, so hat es mir bis dato nicht sonderlich gemangelt, und ich muß auch, wenn der Herr mich fragte: »Hast du je Mangel gehabt?« wie seine Jünger sagen: »Herr, nie keinen.« Wenn ich einem meiner Mitmenschen kann einen Dienst thun, zu dem ich Geschick und Zeit habe, und ist keine unehrliche Handthierung, warum soll ich so ängstlich um den Lohn feilschen? Und sind sie einig mit mir geworden um ein Geringes, was soll ich hinten drein scheel sehen und sagen: »Hätte auch mehr geben können.« So meint's meine Dorothe auch, und wenn ich heute zu ihr käme, und sagte: »So hab' ich's bis dahin gemacht; macht' ich's anders, so konnt' ich dich vielleicht früher freien,« sie würde mir sicher zur Antwort geben: »Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zuletzt wohlgehen.« Auch hab' ich in den sieben Jahren, die mich mein Gott hat abermals warten lassen, so viel Neues gelernt, daß ich nun um so besser bereitet bin, wenn er kommt und spricht wie zu Petro, auch zu mir: »Justus, hast du mich lieb?« »So weide meine Lämmer.« Zum Dritten, und das ist's wohl, was sie am Liebsten hören möchte, weil sie mich nachgerade für ein Schaf hält, das nicht aus seinem Stall möchte, so hab' ich manchen Schritt gethan bis dahin, zu Amt und Brod zu kommen. Denn ich habe gesehen, wie alle meine Kameraden sind vor mir in's Amt gekommen, und waren nicht lauter berufene Diener, und ist auch Mancher wie ein Dieb in den Schafstall hineingestiegen. Ich hab' auch angeklopft an dieser und jener Thüre; ich hab' den Rücken gebeugt und den Hut in der Hand gehabt; ich hab' gebeten und bin Bittens nicht müde geworden; aber es gebt mir eben wie dem Kranken am Teich Bethesda, ich habe Keinen, der mich hineinträgt, wenn das Wasser bewegt wird. Daraus merk' ich, daß meines Herrn Zeit noch nicht da ist. Laß' sie denn, Frau Lindin, laß' sie den für mich sorgen, der die Vögel nährt und die Lilien kleidet.«

Und wie die alte Lindin sich die Augen mit der Schürze abgetrocknet, und solche Rede eine gute Rede geheißen, und sich verabschiedet, und den frommen Miethsmann in ihren Abendsegen eingeschlossen hatte; da hörte sie aus dem Oberstübchen herab den sanften Ton der Harfe und hinein klang voll und kräftig das Lied: »Was mein Gott will, gescheh' allzeit!«

Wieder war es Abend, und der Candidat Justus saß wie gestern in seinem Lehnstuhl und las und schrieb; da kam die Hauswirthin keuchend zur Thüre hereingerannt, und rief: »Um Gottes Willen, Herr Justus, es sind Soldaten drunten mit Einem von der Polizei, die fragen nach euch und wollen euch arretiren!« Und wie die Alte das kaum gesagt, und die Augen mit der Schürze bedeckt hatte, da traten die Soldaten mit ihren Gewehren in der Hand in die Stube hinein, und der Mann von der Polizei sprach: »Seid ihr der Candidat Justus?« »Ja!« sagte ruhig der Angeredete. »Dann«, war die Antwort, »lautet mein Auftrag, euch zu verhaften und auf die Hauptwache abzuliefern; auch eure Schreibereien soll ich mit mir nehmen.« — Und wie er das gesagt, so raffte er alles Geschriebene, das auf Tisch und Kambank lag, auf; durchsuchte auch die Kiste in der Ecke, und nahm daraus mit, was geschrieben war.

Das geschah Alles so plötzlich, so schnell und unerwartet, daß die alte Lindin selbst, die sonst nicht leicht aus der Fassung zu bringen war, wie versteinert in einer Ecke stand und Einen nach dem Andern anstarrte. Nur einmal brach Justus das Schweigen und fragte: »Was gibt man mir denn Schuld?« »Wird der Herr selbsten am Besten wissen«, lautet die Antwort. »Und auf wessen Befehl werde ich verhaftet?« fragte er noch einmal. »Auf Befehl des Herrn Rath Laupus«, antwortete der Polizeibeamte.

Wie er ging und stand wurde dann der Candidat Justus abgeführt, und die Thüre ward hinter ihm versiegelt. Und wie sie hinaus traten, war schon allerlei neugierig Volk um das Haus versammelt; das theilte sich so laut, daß es der arme Gefangene hören konnte, seine Bemerkungen über den Vorfall mit, und je weiter man ging, desto mehr schlossen sich dem Zuge an. Es war Martinsabend, und wer daheim keine Gans zu verzehren hatte, der wollte doch wenigstens bei einem vollen Glas einen guten Rath halten über den Preußenkönig und die Kaiserlichen.

So langte der Zug auf der Hauptwache an, und Justus wurde in das Arrestzimmer im oberen Stock geführt, und die Thüre schnell hinter ihm verschlossen.

Da stand er denn, der Vielgeprüfte, stand in der Dunkelheit völlig allein, nur Einer war bei ihm, sein treuer Gott, und vor dem prüfte er sein Gewissen, und zu dem betete er aus Herzensgrund um Trost und Stärke. »Herr, mein Gott«, so betete er, »du treuer Wächter, der du nicht schläfst, noch schlummerst, der du die Armen hörest und die Gefangenen nicht verachtest, laß vor dich kommen mein Seufzen und hilf mir aus meiner Noth. Herr, ich wandre im finsteren Thal und doch fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich!« Und wie er das Gebet gesprochen und nach dem Fenster sich hingetastet, von wo ein Lichtstrahl von der Laterne vor dem Wachthause in die Stube fiel, so wurde es laut vor der Thüre. Man zündete Feuer im Ofen an, und das Knistern der Funken tröstete ihn. Nicht lange, so ging die Thüre auf, ein Soldat trat mit einem Lichte herein, stellte es auf die Pritsche und fiel unter Weinen dem Gefangenen um den Hals. »Ich bin's, Herr Justus, erschrecket nicht, ich bin's, der Corporal Scheuermann ist es«, rief er schluchzend; »muß ich euch so wiedersehen, meines alten Freundes vom Jägerhaus Sohn, als Gefangenen wiedersehen, und bestimmt sein, euch zu arretiren und euch zu bewachen? Gelt, ihr habt nicht gewußt, wer euch gefangen nahm dort in eurer Wohnung. Ich schlug das Auge vor euch nieder, als sei ich der Arrestant. Aber um Christi willen, was habt ihr denn gethan, daß ihr bei Nacht und Nebel einem Diebe gleich müßt ausgehoben werden?« »Ich weiß nicht, wessen man mich anklagt«, sprach mit fester Stimme der Gefangene. »Wir fehlen Alle mannigfach, aber die Sünden des Herzens richtet ja die Obrigkeit nicht, und einer Sünde, die meinen Nächsten gekränkt hätte, weiß ich mich nicht zu erinnern. Ich habe sieben Jahre lang hier in der Stadt mir mein Brod verdient, und ich glaube ehrlich und sauer genug; meine Unschuld wird bald an's Tageslicht kommen.« »Nun, wie es auch sei«, sprach der Corporal mit einem herzlichen Händedruck, »so bleib' ich euer Freund; der alte Scheuermann vergißt seiner Freunde nicht. So lang ihr hier sitzet, tausche ich mit meinen Kameraden, daß ich die Wache bei euch behalte. Da nehmt einstweilen meinen Mantel und stellt euch an den Ofen; es friert euch.«

Damit ging er, und kam bald mit einem Pausch Stroh wieder, den er auf die Pritsche warf. »Ein besseres Bett darf ich euch heute nicht machen«, sagte er; »der Dienst erlaubt's nicht; aber mein Gast dürft ihr sein; hier in dem Körbchen ist mein Abendbrod, das theilt mit mir.« So that Justus.

Nur auf kurze Zeit verließ ihn manchmal der Corporal, um seines Dienstes zu warten; und als um neun Uhr das Licht in der Arreststube gelöscht werden mußte, saßen die Beiden, der Gefangene und sein Wächter, noch manche Stunde bei einander und redeten von der Vergangenheit: von Vater und Mutter, von Heinrich und Dorothe, vom Jägerhaus und der Marksburg, vor Allem aber vom Rath Gottes in der Menschen Schicksal, und daß man ihm stille halten und nicht verzagen müsse.

Einst, wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, dann wird er sagen zu denen zu seiner Rechten: »Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr Mir gethan.«

So gingen drei Tage hin; ein Verhör ward nicht gehalten, auch ward dem Gefangenen nicht gesagt, warum man ihn festgenommen. Er sah Niemand bei sich, als den Corporal; denn auch seine Hausfrau, die ihm regelmäßig das Essen brachte, durfte nicht zu ihm; so lautete der Befehl.

Am Abend des vierten Tages ließ sich bei dem Rath Laupus eine Frau aus der Stadt melden, die in einen Schanzenloper gewickelt, und mit einer Laterne in der Hand, auf der Hausflur stand. Der Herr Rath hatte dringende Arbeit und nahm die Frau ungern an; doch willigte er endlich in ihr Begehren, und die Frau Lindin vom Tiefenweg stellte ihre Laterne an die Thüre und trat ein. »Der Herr Rath wollen gnädigst entschuldigen«, sprach sie, »daß ich dieselben noch am Abend zu incommodiren mir erlaube; aber mein Miethsmann, der Candidat Justus, sitzt nun schon seit vier Tagen ohne Verhör und Urtheil auf der Hauptwache, und ich möchte wissen, wen ich denn eigentlich bis dahin in meinem Hause beherbergt habe ganzer sieben Jahre, einen kreuzbraven, lammfrommen Menschen, oder einen Spitzbuben, den man bei Nacht und Nebel mit Soldaten aus dem Hause holt?«

Der Herr Rath sah die Sprecherin von oben bis unten an, und meinte mit kurzen Worten, das gehe die Frau Lindin nichts an, sie solle der Sache ihren Gang lassen. »Die Sache gehe mich nichts an, Herr Rath«, rief die Frau; »ei, wen soll sie denn sonst angehen? Hätte der Herr Justus noch Aeltern und Geschwister, die sich seiner annehmen könnten, dann gelte mir auch: 'Was deines Amtes nicht ist, davon laß' deinen Fürwitz;' so er aber Niemanden hat, denn mich, und allein steht in der Welt, und seinen Feinden nicht zum Spott werden soll, so lange ich lebe, und ich ihn lieb habe wie ein Kind, und nicht von ihm lassen werde, und wenn man ihn gleich zu Boden werfen will; so möge der Herr Rath einer armen, alten Frau die freie Rede zu gute halten, und mir reinen Wein einschenken, warum der Herr Justus wie ein Verbrecher in Ketten und Banden gehalten sei.« »Nun, nun«, sagte begütigend der Herr Rath, »bis zu Ketten und Banden sind wir noch lange nicht; was aber dem Justus schuld gegeben wird, und wobei ein dringender Verdacht auf ihm ruht, das ist, daß er bei der Fälschung einer Urkunde soll mitgeholfen haben, ja vielleicht die Fälschung selbsten gethan hat.«

»Fälschung einer Urkunde?« sagte die Frau und ging einen Schritt zurück, um eben so schnell wieder vor den Herrn Rath hinzutreten; »Fälschung einer Urkunde?« fragte sie noch einmal. »Wie, Herr Rath, nicht wahr, die Roßkaut' an der Lahnbrücke ist tief, und hat noch Niemand Grund in ihr gefunden, und stirbt jeder Christenmensch gerne eines seligen Todes auf seinem Bette; aber seht, Herr Rath, ich Barbara Lindin, des seligen Matthes Lind vom Tiefenweg eheliche Hausfrau, will mit gleichen Füßen von der Lahnbrücke herab in die Roßkaut' springen, meintwegen an jedem Bein noch einen Stein wie die Löwen auf dem Marktbrunnen, wenn der Herr Justus ein Fälscher ist. Der Herr Justus ein Fälscher; ei, Herr Rath, fließt auch aus einer Quelle süßes und salziges Wasser zugleich, und tragen die Weinstöcke auch Distelköpfe? Und wer sieben Jahre lang kein Kind geärgert, und im Schweiße seines Angesichtes sein Brod gegessen hat, und mit dem Abendsegen in's Bett gegangen und mit gottseligen Gedanken aufgestanden ist, der soll der Diebe und Lotterbuben Geselle werden? Sucht die Spitzbuben unter den Müßiggängern und Tagdieben, unter den Säufern und Spielern, aber sucht sie nicht in meinem Hause; solche Unzucht dulde ich nicht, die thut auch der Herr Justus nun und nimmermehr. Der und betrügen, der und fälschen! Wo hätte er denn den Sündenlohn! Was er einnimmt, das gibt er mir für Hausmiethe, Wasche und Kost und hat nicht immer die Kasse voll, sondern viel öfter leer. Traut ihr ihm aber mit Gewalt etwas Arges zu, so seht in seine Schreibereien hinein; da steht Alles, was er treibt und thut, ich glaube schier, sogar was er denkt. Nicht daß ich's schon gesehen hätte, denn ich kann Geschriebenes nicht sonderlich lesen; auch schickte sich das Spioniren in fremder Leute Stuben nicht; sondern der Herr Justus hat mir selber gesagt, daß er aufschreibe, was ihm geschieht im Leben, damit er immer sehen könne, wie gut ihn der liebe Gott geführt und ob er zu- oder abgenommen.«

Ein Anderer an des Herrn Raths Stelle hätte der Frau ob ihrer freien Rede kein freundlich Gesicht gemacht, hätte sie wohl mit harten Worten angelassen. Aber das that der Herr Rath nicht, denn einmal war er ein gar feiner, liebreicher Mann, und mäßigte als ein Vernünftiger seine Rede, und dann kannte er die Weise der Frau Lindin gar genau, wie sie die ganze Stadt kannte; er wußte, daß ihre Rede zwar nicht immer wie Honig war, daß ihr Herz aber ein warmes, treues Christenherz sei, voll Liebe zu Gott und voll Treue gegen die Menschen.

Wohl kannten dich noch Mehrere so, du gute, alte Lindin. Noch leben Etliche, denen ihre Aeltern von der treuherzigen, oft etwas derben Weise der alten Lindin erzählt haben, und wie sie als uraltes Mütterchen, auf ihren Stock gestützt, die Kranken und Sterbenden besucht, und mit dem Verdienst Jesu Christi getröstet und aufgerichtet habe. Dabei immer noch der Wille so fest, der Abscheu gegen die Alltagssünde so scharf und scheltend, das Auge so klar und feurig, die Rede so tief und feierlich, und das Herz in der Brust so warm. So mein' ich, müßte Hanna gewesen sein, die auf den Trost Israel's wartete, und mit Simeon den Herrn preisete, daß ihre Augen den Heiland gesehen hatten.

Als sie der Herr Rath Laupus nun mit freundlichen Worten ermahnet, sich zu geduldigen, weil die Sache bald sich endigen würde und sie entlassen hatte, da ging er nachdenkend in der Stube auf und ab. Und während die alte Lindin die Hauptwache aufsuchte, um sich nach dem Befinden ihres Schützlings zu erkundigen, und ihm durch den Corporal Scheuermann ein freundlich Trosteswort sagen zu lassen, da nahm der Herr Rath die Papiere vor sich, die aus der Wohnung des Justus waren mitgenommen worden, und begann darin zu lesen. Was ihm zuerst in's Auge fiel, das waren Arbeiten, in verschiedenen fremden Sprachen geschrieben, die er für Studenten und Doctoren gemacht, die gerne durch's Examen hatten kommen wollen, ohne sich selbst eine sonderliche Mühe zu machen; und war manche Arbeit dabei, die bereits dem, der sich nicht gescheut, mit fremdem Kalbe zu pflügen, einen Doctorhut, dem armen Justus aber nur wenige Gulden eingebracht hatte. Da lagen weiter Abarbeitungen, so groß wie Bücher und so sauber gearbeitet, daß man sie gleich hätte dem Drucker übergeben können; und was drinnen stand, das verrieth, wie treu der Kandidat Justus den Rath des alten Köhlers im Walde bei Blankenau befolgt habe; denn die Schriften handelten von der Sternwissenschaft und waren mit feinen Zeichnungen versehen, also daß man jeglichen Stern, der Nachts am Himmel steht, auf dem Papiere verzeichnet fand. Dabei lagen fromme Betrachtungen über einzelne Texte aus heiliger Schrift, Gebetlein voll Saft und Kraft, und Lieder, wie sie der singt, deß' Herz dem Heiland anhängt, und dem Gott die Zunge des Geistes gelöst hat, daß er in frommen Weisen seine Thaten preisen kann. Was aber besonders den Herrn Rath viele Stunden auf seinem Stuhle festhielt, und nicht müde werden ließ, das war des Justus Tagebuch. Was ihm geschehen war von frühester Jugend auf; wie er die Aeltern geliebt, wie er Gott und den Heiland in seiner treuen Führung erkannt, wie er Dorothe, das Weib seiner Jugend gefunden, und was er seitdem gelitten, aber ohne zu sagen durch wen; das stand Alles in dem Buch, so treu und fromm erzählt, ohne Hoffarth und Eitelkeit, daß dem Herrn Rath bei'm Lesen mehr wie einmal die Augen übergingen und er ausrief: »Ach Gott, warum hast du mir keinen solchen Sohn gegeben!« Denn sein Vaterherz war gedemüthigt; er hatte einen Sohn gehabt, und der war wie der verlorene Sohn im Evangelio weggegangen und noch nicht zurückgekehrt. Besonders aber zog eine Bemerkung im Tagebuch, fast am Ende desselben, seine Aufmerksamkeit auf sich. Die lautete also:

Den 12. Octobris. »Gestern zu Abend ist ein Männlein zu mir hereingekommen, das sich für einen Advokatenschreiber ausgegeben, und hat ein Documentum bei sich gehabt, auf Pergament geschrieben und mit Siegeln von Wachs versehen, die daran gehangen, begehrend, ich solle ihm das Schreiben lesen, sintemal er des Lateins nicht sonderlich erfahren. Wie ich sein Begehren erfüllt, und ihm die Urkunden verdeutscht, da hat er eine Abschrift begehrt, die ich ebenfalls in seiner Gegenwart gefertigt, und von ihm ein Ansehnliches pro labore empfangen. Darauf ist er weggegangen, aber am andern Abend um dieselbe Stunde wiedergekommen; hat gar freundlich gethan bei'm Eintreten, und mich gefragt, ob ich ein schön Stück Geld verdienen wolle? Wie ich gesagt, daß ich ein ehrlich verdientes Geld nicht von mir weise, so hat er sich an meine Seite gesetzt, das Documentum vor mir ausgebreitet und gesagt: »Schreibt mir hier auf die Stelle, die ich bereits gesäubert und geglättet habe, dieß Wort hinein, das hier auf dem Zettel steht.« Wie ich aber auf den Zettel sehe, und das Wort in den Zusammenhang hineinpasse, da ist ein ganz anderer Sinn herausgekommen, und wollte mich also dieser Verführer verleiten, daß ich sollt' zu einer gräulichen Fälschung meine Hand hergeben. Da habe ich mit dem Herrn ausgerufen: »Hebe dich weg, Satan, weißt du nicht, daß geschrieben stehet: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen« (Luc. 4, 12). Und zu dem Versucher sagt' ich: »Geht hinaus von mir, Mann, ehe ich euren Namen weiß, sonst möchte ich leicht an euch thun, was ich schier nicht lassen kann.« Da wich das Männlein von mir, eiferte und drohete aber gewaltig, wie der Satan allezeit thuet, wenn man ihm Gottes Wort unter Augen hält« (Jakobus 4, 7).

»Das ist also das Ende vom Lied«, rief in hoher Entrüstung der Herr Rath aus; »ein Schuldiger giebt einen Unschuldigen an, um sich zu reinigen. Doch warte Fuchs, du hast dich selbst gefangen; einem Andern hast du eine Grube gegraben und bist selbst hineingefallen. Und dieser Andere, welch' ein treues Herz, und das Herz hat leiden müssen, um eines Lotterbuben willen! Auf denn, und wieder gut gemacht, was geschehen ist, so lange es heute heißt!«

Das sagend eilte der Herr Rath sogleich auf die Hauptwache. Es war Abend und war schon zehn Uhr vorüber. Die Wache rief ihn mit vorgehaltenem Gewehre an, und erst als er sich hatte zu erkennen gegeben, ward er eingelassen. Herzklopfend öffnete ihm der Corporal Scheuermann die Stube des Gefangenen; aber wie staunte er, als der Herr Rath auf den Justus zuging, ihm, der sich verwirrt und geblendet von dem plötzlichen Lichtstrahl von seinem harten Lager aufrichtete, freundlich die Hand reichte, und in gar lieblichem Tone sprach: »Vergebt, Herr Justus, daß ich euch um des Amtes willen, das ich habe, wehe thun mußte; es ist euch Unrecht geschehen. Ein böser Bube hat euch verderben wollen, um sich selbst zu retten. Gott hat eure Unschuld an den Tag gebracht, und ich bin selber hierhergekommen, um euch eure Entlassung zu verkünden. Geht denn heim, mein lieber Justus, und ruht euch wieder einmal auf eurem Bette aus, und wie ihr bisher gethan, so haltet fest an Gott, und wisset: »Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden.« Und wie dann der Justus mit thränenden Augen dem Herrn Rath die Hand gedrückt und seinen Freund in der Noth brüderlich umarmt hatte, da ging er heim, ohne zu ahnen, wem er nächst Gott seine Erlösung zu verdanken habe. Denn wie eine Mutter ihr wiedergefundenes Kind, empfing ihn die alte Lindin, aber über ihre Zunge kam kein Wort von dem, was sie für ihn gethan. Das meint wohl der Apostel, wenn er sagt: »Die Liebe blähet sich nicht.«

Am andern Morgen mußte Justus noch einmal im Verhör erscheinen, und hier kam seine Unschuld völlig an den Tag. Der Verläumder gab nach manchen Wendungen und Winkelzügen der Wahrheit die Ehre, und ward mit der verdienten Strafe belegt. Nach dem Verhöre behielt der Herr Rath den Justus bei sich, und redete mit ihm von seinem Leben und seinen Aussichten. »Ich habe euch lieb gewonnen, Herr Justus«, sagte er zu ihm, »denn ihr habt das Joch eurer Jugend wie ein guter Streiter Christi getragen, und ich möchte gerne etwas für euch thun, damit euer späteres Leben ein froheres würde. Sagt mir darum, womit kann ich euch dienen?«

»Es gab eine Zeit in meinem Leben«, antwortete Justus, »wo ich nicht anders meinte, als Gott habe mich berufen, von der Kanzel herab seinen Namen zu verkündigen. Da ich aber 40 Jahre alt geworden bin, ohne daß er mich in seinen Weinberg gerufen hat, so will er wohl haben, ich soll mich mit einem kleineren Aemtlein und knapperen Stück Brod begnügen. Und darum hab' ich denn bisher den Herrn angefleht, und wollt ihr an mir thun, wie der Herr Christus an dem Kranken am Teich Bethesda that und mir hineinhelfen, so thut es, Herr Rath, und seid versichert, ich will mit Gottes Hülfe meines Amtes warten und eurer Empfehlung Ehre machen.« Da wischte sich der Herr Rath die Augen und sagte: »Ich bin heute schon für euch ausgewesen bei meinen guten Freunden; aber man kennt euch in diesem Landestheile nicht, und trägt darum Bedenken, euch ein Pfarramt zu übergeben, auch soll just keins in der Nähe erledigt sein. Aber da ist eine Schulmeisterstelle auf dem Veitsberg, in schöner Gegend, aber mit schmalen Mitteln, wollt ihr die zum Anfang annehmen, so läßt sich vielleicht später ein Weiteres für euch thun.«

Als ein Geschenk von Gott mit dankbarem, stillem Herzen nahm Justus das Aemtchen an, und bald zog der Candidat Justus als Präceptor, Organist und Glöckner in das kleine Schulhaus auf dem Veitsberg ein. Und es währte nicht lange, so stand er mit seiner Dorothe am Altare der Pfarrkirche zu Veitsberg, und ward über Beide unter Gebet und Segen der Spruch der Schrift ausgesprochen: »Ich will ihnen einerlei Herz geben, daß sie mich fürchten sollen ihr Leben lang, auf daß es ihnen und ihren Kindern nach ihnen wohl gehe.« Und wie der Herr Pfarrer Amen gesagt, da hieß es noch einmal: »Amen!« »Amen!« Denn als Zeugen standen am Altar die alte Lindin vom Tiefenweg zu Gießen und der Corporal Scheuermann.


8. Der Schulmeister.

»Es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm begnügen«, sagt der Apostel, und der Herr, dem er es nachspricht, sagt, indem er uns zur Gottseligkeit und Begnügsamkeit ermuntern will: »Sehet die Vögel unter dem Himmel an, schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen.« Von den Vögeln und den Blumen und der ganzen Schöpfung um uns her sollen wir lernen. So hab' ich einst in heißer Sommerzeit nicht fern von einem Brunnen gestanden; und ein Vogel kam geflogen und suchte Wasser, seinen Durst zu löschen. Wohl stand vor dem Brunnen ein steinerner Trog, aber der war leer, und der Vogel dauerte mich, daß er ungetränkt sollte weiter fliegen. Indem, so läßt er sich auf dem Rand des Troges nieder, bückt sein Köpfchen und hebt es wieder empor, und flattert singend weiter; sein Durst war gestillt. Ich trat zum Troge, und sah im Stein ein Löchlein, wie ein Fingerhut tief. Das wenige Wasser darin war für den Vogel eine Quelle der Erquickung geworden; er hatte für jetzt genug und begehrte weiter nichts. Das ist Genügsamkeit.

Wieder stand ich an einer Blume, voll Pracht und Wohlgeruch, und ein Bienlein kam geflogen, summend und suchend, und erkor sich die Blume zur Weide. Aber die Blume hatte keinen Honig, das wußte ich; wie, dacht' ich, wird sie sich da benehmen? Summend kam sie zurück aus dem Kelch, um weiter zu fliegen. Da sah sie die Staubfäden der Blume, wie sie so voll Blumenmehl hingen, daraus das Wachs bereitet wird, und sie nahm die beiden Beinlein voll, bis sie zu gelben Höslein wurden, wie der Bienenvater sagt, und flog schwer beladen heim. Du hast Honig gesucht, dacht' ich, und ihn nicht gefunden, und dich mit dem Wachs begnügt, und es heimgebracht, daß deine Reise nicht zwecklos sei. Sei mir ein Bild der Genügsamkeit!

Wer die Stimme Gottes aus der Natur vernimmt, der labt sich auch an solchen Bildern, die dem Aufmerksamen überall begegnen. Aber wie freut sich erst das Herz dessen, dem solche Bilder der Genügsamkeit im Menschenleben begegnen, oder wenn vielmehr ein einzelnes Menschenleben ein solches Bild christlicher Genügsamkeit ist. Und so war das Leben unseres Justus. Im Hause des Wohlstandes aufgewachsen, fand er sich ohne Murren in eine lange Wartezeit, in die ihn sein Gott, als in eine gute Schule der Uebung, hineinführte, und jetzt, wo die Zeit kam, die man gewöhnlich die Zeit der Ernte nennt, wo das langersehnte Amt sich aufthat, und nur ein Aemtlein war voll Sorge und mit geringem täglichem Brod, da konnte Keiner dankbarer und froher sein, als Justus. Die noch vorhandenen Blätter seines Tagebuchs zeigen uns das Bild dieses Ehrenmannes von allen Seiten und in allen Lagen. Sorge, Furcht, Hoffnung wechseln auch in seinem Herzen ab; aber vergeblich sucht man auch nur nach einer einzigen Klage über sein Loos, nach einem einzigen Wunsche, daß sein Loos ein anderes sein möge. Rührend ist es, mit welcher Innigkeit er von seinem Stande redet, wie hoch er sein Amt hält, und wie laut er Gott preist, daß er ihn habe berufen, sein Werk als christlicher Schulmeister zu treiben. O könnte ich euch, ihr Lehrer unserer Zeit, die ihr, wie Sirach sagt, an eurem Amte verzagt und es selber verunehret, weil ihr meinet, ihr wäret zu etwas Besserem bestimmt, könnte ich euch doch alle die Trost-, Saft- und Kraftsprüchlein zu Herzen führen, mit denen der Schulmeister vom Veitsberg sich sein Amt leicht und sein Leben schön machte! Doch warum sollte uns diese heitere Genügsamkeit an Justus überraschen? Ein Mensch, dem sein Glaube Alles ist, der aus ihm allen Trost schöpft, und nie müde wird in seinem Glauben, dem muß Alles zum Besten dienen, der thut Alles, was er thut, dem Herrn und nicht sich selbst. Was ihm sein Amt war und was er seinem Amte sein wollte, das drückt am Besten ein Lied aus, das in seinem Tagebuche steht, mit der Aufschrift: »des Schulmeisters Morgensegen.«

»O Hirte deiner Heerde,
O mein Herr Jesus Christ,
Der du durch viel Beschwerde
Zum Himmel gangen bist;
Der du zum Trost der Deinen
Den Geist verheißen hast,
Und Denen, die hier weinen,
Nimmst ab des Tages last;
O gib den Geist der Stärke,
Den Geist der Zuversicht
Auch mir zu deinem Werke,
So oft er mir gebricht.
Ist auch mein Amt so kleine,
Mein Loos so niedrig hier,
So ist es doch das Deine,
Was du einst suchst bei mir.
Ich soll die Heerde weiden,
Wie du von mir gethan,
An treuer Hand sie leiten,
So gut ich Schwacher kann;
Ich soll zu frischen Bronnen
Geleiten deine Schaar,
Daß sie als lauter Sonnen
Sich einst dir stellen dar.
O Herr, du starker Streiter,
Steh' denn zur Seite mir,
Führ' mich im Kampfe weiter,
Der Sieg, er steht bei dir!«

Die Bestallung des Justus lautete dahin, »daß dem ehrsamen und wohlgelahrten Candidaten Jakob Konrad Justus das Amt eines Schulmeisters, Organisten und Glöckners zum Veitsberg übergeben werde, daß man sich aber zu demselben versehe, er werde seines Amtes getreulich warten.« Dieses Rathes hätte es bei Justus nicht bedurft; denn bei ihm galt: »Alles was ihr thut, das thut dem Herrn und nicht den Menschen.« In jedem Theil seines Amtes war er drum ein treuer Knecht, und wie er der Schule fleißig wartete, so that er den Kirchendienst, der häufig an ihn kam, zur großen Erbauung der Gemeine, und in allen Dörfern der Gegend ward die Uhr gerichtet nach der vom Veitsberg, denn es hieß überall: »Der Kalendermann kennt die Zeit am Besten.«

Ist es heut zu Tage immer noch kein Kleines um einen guten und treuen Schulmeister, weil kein Amt mehr Sorgen und Grämen hat, denn seines, so war das zu des Justus Zeit, vor hundert Jahren, noch viel mehr der Fall. In Sommerszeit war wegen des Weidgangs fast kein Kind zur Schule zu bringen, und wenn im Winter der Schnee die Wege ungangbar gemacht hatte, so blieben die Schüler von den Ortschaften rings umher auch aus, und Dräuen und Strafen half auch nicht viel, weil man den Schlendrian gewohnt war, und Niemand da war, der dem Schulmeister half. Doch wußte sich Justus selber zu helfen, er half sich nach dem Sprüchlein, das er sich selber gemacht:

»Wer Kinder will zur Schule bringen,
Darf mit dem Stock nicht viel umspringen;
Die Furcht macht Schul' und Köpfe leer,
Die Liebe lockt und bauet sehr.«

Und diese Liebe lockte und bauete auch in der Schule zum Veitsberg. Was auch der Schulmeister mit den Kindern tractirte, er brachte allezeit ein freundlich Gesicht dazu mit, und wußte neben dem Worte Gottes, das er fleißig trieb, auch manche andere Wissenschaft den Schülern angenehm zu machen. Lieder, die er selbst gedichtet, oder aus guten Gesangbüchern gewählt, und wozu er selbst die Weisen gemacht, sang er mit den Kindern und spielte die Harfe dazu, also daß Jung und Alt sich daran erbaute; denn, pflegte er zu sagen:

»Wer singen kann ein frommes Lied,
Der hat den Herrn noch im Gemüth.
Und frommes Lied aus frommer Brust
Treibt aus die Sünd', gibt Himmelslust.«

Zur Frühlingszeit, wo die Felder noch leer waren, nahm er die Knaben mit hinaus in's Feld, und zeigte ihnen, wie sie die gelernte Rechenkunst zum Feldmessen brauchen könnten, wie er denn selber zum Gebrauch seiner Schüler eine Anweisung zum Feldmessen, und für schon Geübtere im Jahr 1741 ein Büchlein verfaßte, das den Titel führt: »Geodaesia, oder Feldmeßkunst, nämlich wie aller Felder Größe zu messen und zu rechnen, sammt einem Anhang, wie alle Höhen, Weiten und Tiefen zu finden seien, auch mit einer Zugabe, wie das Verhältniß der Planeten gegen unsere Erdkugel gefunden werden könne;« Alles durch die reinsten Zeichnungen erläutert, und durch Exempel aller Art erklärt.

Eigenthümlich bleibt freilich die Lehrweise, die in seiner Schule herrschte; sie trägt ganz das Gepräge seiner Zeit, einer Zeit, wo man meinte, dem Gedächtniß der Kinder dadurch zu Hülfe kommen zu können, wenn man die Lehrgegenstände in Verse kleide. So haben wir von Justus noch ein »Rechenbuch, darinnen die ganze allgemeine Rechnungsart mit allen ihren Regeln deutlich vorgetragen, und mit Exempeln erklärt ist, vom Jahr 1739.« In diesem Rechenbuche, das wie alle Schriften des Kalendermanns äußerst sorgfältig und sauber gearbeitet und mit schönen Handzeichnungen verziert ist, wird außer einer Menge gewöhnlicher Exempel immer eins in Versen gegeben und ein Bildchen dazu. Davon ein Beispiel aus der Regel de Tri mit Brüchen:

»Es thut ein Schiffmann fahren fort
Mit seinem Schiff an andre Ort'
Bei gutem Winde sag' ich rund
Gar recht in einer Viertelstund'
Fünfsechstheil Meil', wie mir bericht,
Der Schiffer, der da lüget nicht.
Nun möcht' ich wissen, wie viel dann
Der Schiffmann Meilen fahren kann,
Wenn er dreiviertel Stunden führ',
Und guter Wind das Schiff berühr'.«

Noch ein Anderes machte den Justus zu einem besonders guten Schulmeister und gewann ihm die Herzen der Jugend, das war seine große Liebe für die Natur. Nie ist er inniger und beredter, als wenn es gilt, von der Macht Gottes in seinen Werken zu reden, oder die Liebe Gottes in den tausendfachen Wundern der Schöpfung zu preisen. Wie man den lieben Gott und die Weisheit seiner Wege in allen seinen Geschöpfen finden könne, das zeigte er beständig seinen Schülern. Und wie man ihn zur Sommerszeit niemals ohne eine Blume in der Hand sah, so trieb sein frommes Herz manche schöne Blüthe der Dichtkunst und der Begeisterung für die Werke Gottes. Laß' es dich nicht verdrießen, lieber Leser, wenn ich dir jetzt und auch noch später des Justus eigne Gedanken mittheile. So mögen denn hier zwei Lieder von ihm stehen.

Das Vöglein auf dem grünen Ast.
Sing-Vöglein auf dem grünen Ast,
Wie herzig ist dein Sang!
Gönnst dir nicht Ruh', gönnst dir nicht Rast,
O sag', wem gilt dein Klang?
Kommt aus der Nacht hervor der Tag,
Ist schon dein Tisch bestellt,
Und deiner Kehle lauter Schlag
Singt Dank dem Herrn der Welt.
Das Brünnlein, das aus Bergen quillt,
Das gibt dir deinen Trank,
Und hast du deinen Durst gestillt,
Vergißt du nie den Dank.
Du singst und trillerst wohlgemuth,
Für morgen nicht verzagt,
Als wüßtest du, ein Vater gut
Hält über Alles Wacht.
Wie friedlich ist die Ruhe dein,
Du weißt nichts von Gefahr,
Den Kopf wohl unter'm Flügelein
Bist du der Sorge bar.
O wüßt' ich doch, wie du es weißt,
Daß über aller Welt,
Mein Gott, der ewig Vater heißt,
Gar treulich Wache hält;
Daß er mir gibt mein täglich Brod,
Mir reichet, was mir nützt,
Daß er mir hilft aus aller Noth,
In Trübsal mich beschützt.
O Vöglein auf dem grünen Ast,
Gib mir die weise Lehr',
Lehr' singen mich ohn' Ruh' und Rast,
Das Lied zu Gottes Ehr'!«

Das Bienlein auf der Weide.
O Bienlein, nimm mich mit in's Feld!
Wie schön ist meines Gottes Welt.
Nun um mich her geworden!
Es grünt der Wald, der Anger lacht,
Der Baum steht weiß in seiner Pracht,
Und Blumen aller Orten.
O Bienlein, laß' mich mit dir zieh'n,
In's Thal hinab, hinab in's Grün,
Und zeig' mir deine Weise!
Von Blum' zu Blume eilest du,
Und gönnst dir nimmer Rast noch Ruh'
Und singst dein Lied so leise.
Du fliegest lustig ein und aus;
Viel süßer Kost trägst du nach Haus,
Und willst nicht müde werden;
Der Frühling geht, der Sommer auch,
Du läßt nicht von dem alten Brauch,
Bis Winter wird auf Erden.
O Bienlein ohne Rast und Ruh',
Dir seh' ich mit Vergnügen zu,
Du lehrst mich wohl ermessen:
Ich soll als Christ hier meine Zeit
Treu nützen für die Ewigkeit,
Des Heimgangs nie vergessen.

9. Der Kalendermann.

Du hast es bisher fast rathen müssen, mein lieber Leser, daß der Konrad Justus, dessen Leben ich dir erzählen will, eine Person sei mit dem Kalendermann, den unser Büchlein als Titel führt. Aber ich konnte dem Justus keinen andern Namen geben, einmal weil er unter diesem zu seiner Zeit sehr bekannt war, und dann, weil er auch heute noch in seiner Heimath von Vielen also genannt wird, die ihren Kindern von dem Kalendermann erzählen. Es ist ein Eignes um die Namen, die das Volk gibt; man kann Beides daraus erkennen, sein Lob und seinen Tadel. Dem Justus aber sollte sein Name ein Lob sein, denn er ward zu seiner Zeit von Vielen für einen Wundermann gehalten, weil er, was Wenige wußten, den Kalender aus dem Fundament verstand. Und die Kalenderwissenschaft war des Justus Steckenpferd, nur mit dem Unterschied, daß er es nicht ritt wie die Kinder am Geist, die mit ihren Steckenpferden ihr eigen Seelenheil und ihrer Brüder Glück niederreiten, sondern den Kalendermann machte sein Zeitvertreib zu einem Gottesmann und Menschenfreund wie Wenige.

Von dem Tage an, wo der Köhler im Wald bei Blankenau ihn gelehrt hatte, die Schrift verstehen, die der liebe Gott mit seinen Sternen an's Himmelsgewölbe geschrieben hat, da lernte Justus diese Schrift immer deutlicher lesen; und was er fand in diesem heiligen Buche des Sternenhimmels, das hat er selbst zu seiner Seelen Seligkeit benutzt und zur Kräftigung des Glaubens Anderer. In vielen Häusern nah' und fern sind noch ganze Schriften oder einzelne Stücke derselben zerstreut und werden um des frommen Sinnes willen, der in ihnen herrscht, gar hoch gehalten. Man weiß nicht, wenn man diese Büchlein liest, was man mehr bewundern soll, ob den Fleiß, mit dem er sie gearbeitet, oder die ungewöhnlichen Kenntnisse, die er in der Sternwissenschaft sich erworben, oder mehr als dies Alles, das treue Christenherz, das auf jeder Zeile bekennet: »Gebt unserm Gott allein die Ehre!« Werde denn nicht müde, lieber Leser, wenn ich dir mit den eignen Worten des Kalendermanns sage, was er vom Sternenhimmel dachte und warum er die Wissenschaft davon so hoch hielt. Auch wir sollen ja verstehen lernen, »daß die Himmel erzählen die Ehre Gottes.«

Auszug aus dem Tagebuch und den Schriften des Kalendermanns.

»Es hat mich mein Gott je und je geliebet, hat mich wunderbarlich geleitet von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. Wo er mir nach seiner Weisheit mit der einen Hand nahm, da hat er mir nach seiner Güte mit der andern reichlich gegeben. Ein klein Amt und Brod hat er mir gegeben, aber so reich hat er mich gemacht an Freud' und Seligkeit des inwendigen Menschen, daß ich nicht tauschen mag mit denen, die satt haben, und doch das Himmelsbrod entbehren. Denn wie der liebe Gott dem Bienlein ein sein Zünglein gegeben hat, den Honig zu kosten, und die Blumen ihm aufgestellt rings umher, voll Pracht und Wohlgeruch; so hat auch mir mein Gott erst eine rechte reiche. Liebe gegeben zu seinem Weltgebäude, sonderlich zu seinem Firmament, und mich denn auf meinen Veitsberg gestellt, und das Firmament über mir ausgebreitet wie einen lustigen Garten, daß ich dann auch wie das Bienlein von Blume zu Blume fliegen und Nahrung suchen kann für meine Seele.«

[1] »Anaxagoras, ein berühmter Philosophus, ward gefragt, warum er in die Welt geboren wäre? Und er gab zur Antwort: »Darum, daß ich den Himmel, die Sonne, den Mond und andere Wundermale betrachten möchte.« Darüber ward er von dem Lactantius mit Lachen sehr verhöhnet; gereicht aber diese Verspottung nicht dem Anaxagoras, sondern dem Lactantius zur Schande. Denn da Sonne, Mond und Sterne, ja das ganze Weltgebäude ein großes Wundergebäude ist, so muß der Baumeister, der solches gemacht, gewiß noch viel herrlicher, wunderbarer und größer sein. Sirach wußte sich dieß besser als Lactantius zu Nutz zu machen; er sagt: »»Wer kann sich seiner Herrlichkeit satt sehen?«« (Sirach 43,1.) Anaxagoras, ob er schon ein Heide war, beschämt hierdurch viele Christen, die Gott aus seiner Welt kennen wollen, und mögen doch sein Wundergebäu des schönen Himmels nicht anschauen.«


»Wer das Werk eines Künstlers nicht achtet, der achtet auch nicht den Künstler, der es gemacht hat. Heutiges Tages fragt man nicht viel nach dem Sternenhimmel und der obern Welt, sondern man fragt vielmehr nach Geld und guten Bißlein in der unteren Welt. Daher werden auch die, welche die Himmelskörper betrachten, immerfort von den Weltgesinnten verspottet, wie Anaxagoras. Solche Spötter leben in der Zeit und wissen nicht, was die Zeit ist; weil sie an der Erde kleben, und nach dem Himmel kein Verlangen haben, so neiden sie die, welche den Himmel betrachten. Sie sitzen in der Tiefe und haben sich in das Untere verliebt; da werden sie auch endlich immer bleiben, und nicht zum Glanz der Sterne gelangen. Es ist eine besondere Sache, sich in das so sehr verlieben, und an dem so hart hangen, dabei man doch nicht bleiben kann. Edle Geister lieben den Himmel und nicht die Erde. Zwar dieweil man in der Welt ist, muß man sich derselben annehmen und sorgen, aber doch nicht ganz an derselben kleben bleiben, sondern es muß sein wie Paulus sagt: »»Die sich freuen als freuten sie sich nicht, und die dieser Welt brauchen, daß sie derselben nicht mißbrauchen. Warum denn? Darum, das Wesen dieser Welt vergeht.«« (1 Corinther 7, 30 u. 31.)

»Solche Weltmenschen sagen wohl zum Schein: Die Berufsarbeit wird durch die Sternguckerei versäumt. Aber hier frage ich: ob dem Menschen bei seiner Berufsarbeit nicht eine Stunde erlaubt sei? Wenn nun ein Liebhaber der edlen Astronomie in solcher Ruhestunde die Himmelskörper als Geschöpfe des großen und wunderbaren Baumeisters in stiller Ehrfurcht desselben betrachtet, und ihre Bewegung berechnet; ein Weltmensch aber gehet zum Schmausen, sitzet im Rath der Gottlosen, wo die Spötter sitzen (Psalm 1), beneficiret seinen Leib und haschet einstweilen dem Nächsten seine Unterhaltungsgüter; so frage ich, welcher unter diesen Beiden hat seine Nebenstunden am besten angewendet? Mein lieber Leser, ich überlasse dir hierüber das Urtheil.«


»Der Stern- und Himmelsbetrachter ist vergnügt bei und mit dem, was ihm Gott gegeben, und sagt mit Paulo: »Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütten zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2 Corinther 5, 1.) Und mit David: Ich werde sehen die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast.« (Psalm 8, 4.)


»Das ist die Freude und das Vergnügen eines christlichen Stern- und Himmelsbetrachters, daß er, wenn er die irdische Hütte ablegt, in solchem Glanz wie die Sterne und Sonne vor seinem Schöpfer prangt, davon auch Daniel also sagt: Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz.« (Daniel 12, 3.)


»Unter allen Wissenschaften ist keine unschuldiger, als die Sternwissenschaft; denn mit deren Umgang und Ausübung wird weder Gott noch der Nächste beleidigt, welche mich auch so ergötzet, daß ich alle meine Nebenstunden dieser anmuthvollen, unschuldigen Wissenschaft in der stillen Einsamkeit gewidmet habe.«


[2] »Wenn ich den wunderbaren und hohen Himmel mit seinem hellleuchtenden Sternenheere anschaue und betrachte, so ist dieses meine höchste Freude, daß ich endlich auch einmal, wenn ich aus dem irdischen Haus meiner Hütte ausgehe, und in das neue Jerusalem, allwo mein himmlisches Bürgerrecht ist, welches mir mein Heiland durch sein Kreuz und Tod erworben, eingehe, noch viel heller als alle Sterne glänzen werde, und daß ich daselbst mit meinen geistlichen Augen in der frohen Ewigkeit auch also meinen Heiland in voller Freude und Wonne anschaue, so wie ich jetzt und hier mit meinen leiblichen Augen das helle Sternenheer des Himmels sehe und anschaue; und daß ich vor seinem göttlichen Thron ihm in der allerhöchsten Freude dienen, auch ihm zu Lob mit allen Heiligen und Auserwählten ein: Heilig! Heilig! Heilig ist Gott der Herr Zebaoth! über das andere anstimmen werde. Ja! Ja! Eja! Ach wäre ich nur schon da!«