Guthlac. Endlich gehört noch hierher die legende des angelsächsischen heiligen Guthlac, welche sich ohne angabe des verfassers im Codex Exoniensis in einem verstümmelten zustande befindet.77 Das gedicht gründet sich auf die Vita Guthlaci des Felix von Croyland, von welchem auch eine ungedruckte angelsächsische übersetzung in prosa vorhanden ist. Auch die legenden des heiligen Cuthbert78 und des heiligen Edmund, königs der Ostangeln, welche in form versificirter homilien in Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica seite 74 und seite 131 veröffentlicht worden sind, können zu den epischen stoffen angelsächsischer dichtkunst gerechnet werden.
Athelstan’s Siegeslied. Die lyrik ist in den resten der angelsächsischen poesie reich vertreten, obwohl, wie das epos, mehr in der kirchlichen gattung, als im volksliede. Von letzterem ist ein siegeslied der schlacht bei Brunanbyrig, wo die Westsachsen unter Athelstan und Edmund den normannenkönig Anlaf im jahre 938 schlugen, in der angelsächsischen chronik aufbewahrt, welches, wahrscheinlich bald nach dem kampfe gedichtet, diesen mit begeisterung schildert. Der anfang dieses liedes lautet:
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79 Her
Aeðelstan cyning, Eorla drihten, Beorna beah-gyfa, And his broðor eac Eadmund æðeling, ealdor langne tyr, geslohgon æt sæcce sweorda ecgum ymbe Brunan-burh, |
Hier Athelstan könig, der adeligen herr, der beiden armspangengeber, und sein bruder auch Edmund der edle, weitgerühmte fürst, schlugen im kampfe mit der schwerdter schärfe um Brunanburg, |
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bord-weall clufan, heowan heaðo-linde, hamora lafum eaforan Eadwardes, swa him geæðele wæs from cneo-mægum, þæt hie æt campe oft wið laðra gehwæne land ealgodon, hord and hamas, hettend crungon. |
spalteten den brettwall, hieben die hohen banner mit der hammer stümpfen die kinder Edward’s, wie ihnen angeboren war von den geschlechtsverwandten, dass sie im kampfe oft gegen der bösen jeden das land vertheidigten, den schatz und die wohnungen, den feind vernichteten. |
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Sceotta leode and scip flotan fæger feollan, feld dynede secga swate, syððan sunne up on morgen-tid, |
Schottenleute und die schiffflotte fielen schön, das feld rauschte von heldenblut, seit die sonne auf zur morgenzeit, |
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mære tungol, glad ofer grundas godes condel, beorht eces drihtnes, oþþ sio æþele gesceaft sah to setle; |
das grosse gestirn, froh über tiefen, Gottes licht, der glanz des ewigen herrn, bis das edle geschöpf sank zur ruhe; |
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þær læg secg mænig garum forfrunden, guman norðerne ofer scyld sceoten, swylce Scyltisc eac werig wiges sæd. |
da lag mancher kämpfer von geren durchbohrt, die nordmänner auf dem schild erschossen, dazu der Schotte auch, sehr müde des kampfes. |
Lyrische Gedichte. Einige andere lyrische dichtungen haben subjective veranlassungen. Eine derselben in der exeterhandschrift,80 in welchem die alten deutschen sagenkreise erwähnt sind, trägt das gepräge eines hohen alters. Sie ist von Torpe mit der überschrift Deor the Scald’s Complaint versehen worden. Die klage eines heimathlosen weibes, eines landfahrers und eines seefahrers, sämmtlich in der exeterhandschrift,81 haben mit ausnahme des zweiten, welches einen ächt englischen seemannscharakter trägt, wenig anziehungskraft. Unter den religiösen und kirchlichen lyrischen dichtungen befinden sich in der exeterhandschrift eine grosse zahl hymnen auf die dreifaltigkeit, auf Christi geburt, menschwerdung, kreuzigung, auferstehung, höllen- und himmelfahrt, auf die wunder der schöpfung, die güte Gottes und das jüngste gericht.
Ausserdem enthält die exeterhandschrift ein seltsames moralisches gedicht, worin eine verdammte seele sich gegen ihren leichnam, der sie im leben am seligwerden hinderte, beklagt. Diesem ist von Thorpe (aus der vercellihandschrift) ein gegenstück beigegeben worden, welches die freudige anrede einer seligen seele an ihren körper enthält, der ihr im leben zur erringung der seligkeit beistand. Das letztere gedicht ist nur ein bruchstück.82
Didaktische Gedichte. Unter die lyrischen produkte der angelsächsischen poesie gehört auch die paraphrasirende übersetzung der psalmen,83 welche von Thorpe im jahre 1835 aus einer pariser handschrift auf kosten der universität Oxford herausgegeben worden ist. Bis zum fünfzigsten psalm ist die übersetzung in freier prosa, von da ab in einer metrischen paraphrase verfasst. Ob Aldhelm der verfasser wenigstens des letzteren theiles sei, wie Thorpe vermuthet, ist sehr ungewiss. Die für diese ansicht angeführten gründe sind sehr schwach.
An die psalmenparaphrase schliessen sich poetische umschreibungen des apostolischen glaubensbekenutnisses und des vaterunsers.
In der exeterhandschrift befinden sich drei allegorische lehrgedichte,84 von denen das eine in symbolischer weise den wallfisch (leviathan) mit dem teufel vergleicht. Das übereinstimmende beider wird in den gefahren gefunden, welche sie dem menschen bereiten. Das andere beschreibt die eigenschaften des panthers und vergleicht sie dann mit denen des heilandes. Das dritte ist eine paraphrase des dem Lactanz zugeschriebenen gedichtes vom vogel phönix, mit welchem der angelsächsische dichter in längerer selbstständiger ausführung die auserwählten diener Christi vergleicht.
Die Gaben der Menschen. Die exeterhandschrift enthält ferner mehrere moralische gedichte über die verhältnisse des menschlichen lebens, von denen das folgende, vollständig abgedruckte eine probe ist:
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85Fela bið
on foldan. forð gesynra. geongra geofona. þa þa gæst-berend. wegað in gewitte. swa her weoruda god. |
Viele sind auf erden stets offenbare (jüngere) zartere gaben, welche der geist tragend bewegt im verstande, wie hier der heerscharen Gott, |
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meotud meahtum swið. monnum dæleð. syleð sundor-giefe. sendeð wide. agne spede. Þara æghwylc mot. dryht-wuniendra. dæl onfôn. |
der herr in mächten stark, den menschen zutheilet, giebt verschiedene gaben, sendet weit mit eigener kraft, deren ein jeder soll der menschenwohnenden einen theil empfangen, |
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ne bið ænig þæs. earfoð-sælig. mon on moldan. ne þæs med-spedig. lytel hydig. ne þæs læt-hydig. þæt hine se ar-gifa. ealles biscyrge. |
Nicht ist ein so schwer seliger mensch auf erden, nicht so mittelglücklich, wenig behutsam, nicht so spät bedacht, dass er ihm der ehr-gaben gänzlich beraube, |
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modas cræfta. oþþe mægen-dæda. wis on gewitte. oþþe on word-cwidum. þy læs ormod sy. ealra þinga. þara þe he geworhte. in woruld-life. geofona gehwylcre. |
der geistes kräfte, oder tüchtiger thaten, weise im verstande oder im wortgespräch, damit er nicht verzweifelnd sei aller dinge, derer, die er gewirkt im weltlichen leben mit jeglicher der gaben. |
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næfre god demeð. þæt ænig eft. þæs earm geweorðe. nænig eft þæs swiþe. þurh snyttru-cræft. in þeode þrym. þisses lifes. forð gestigeð. |
Niemals Gott bestimmt, dass einer wiederum, so arm würde, noch irgend einer so gross durch geisteskraft in dem volksgetümmel dieses lebens vorsteigt, |
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þæt him folca weard. þurh his halige giefe. hider onsende. wise geþohtas. and woruld cræftas. under anes meaht. ealle forlæte. þy læs he for wlence. wuldor-geofona ful. |
dass ihm der volkswart durch seine heiligen gaben, werde hierher senden weise gedanken und weltliche künste, um eines macht alle verlasse, damit er nicht aus stolz, herrlicher gaben voll, |
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mon mode swið. of gemete hweorfe. and þon forhycge. hean-spedigran. ac he gedæleð. se þe ah domes geweald. missenlice. geond þisne middan-geard. leoda leoþo-cræftas. lond-buendum. |
ein mensch, geistes stark, vom masse sich wende und dann verachte die weniger glücklichen; sondern er theilt aus, welcher hat der verfügung gewalt, mannigfaltig über diese welt der menschen gliederkräfte den landbauern. |
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sum her ofer eorþan. æhta onlihð. woruld-gestreona. sum bið wonspedig. heard-sælig hæle. bið hwæþre gleaw. modes cræfta. |
Einer hier auf erden habe anlegt weltlicher schätze; einer ist ein bedürftiger, schwerseliger mensch, ist dennoch kundig der geisteskräfte; |
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sum mægen-strengo. furþor onfehð. sum freolic bið. wlitig on wæstmum. sum biþ woð-bora. giedda giffæst. sum biþ gearu-wyrdig. |
einer gewaltige kraft, höhere empfängt; einer ist fröhlich, schön an gestalt; einer ist ein dichter, der lieder fähig; einer ist wortebereit; |
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sum biþ on huntoþe. hreð-eadigra. deora dræfend. sum dyre bið. woruld-ricum men. sum bið wiges heard. beado-cræftig beorn. þær bord stunað. |
einer ist auf der jagd wildhafter thiere ein dränger; einer ist theuer welt-mächtigen männern; einer ist ein kampfharter, kriegskundiger mann, wo der schild tönt; |
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sum in mædle mæg. mod-snottera. folc-rædenne. forð gehycgan. þær witena biþ. worn ætsomne. sum mæg wrætlice. weorc ahycgan. (ms. ahyggan.) heah-timbra gehwæs. |
einer im rathe kann der klugen volksgesetze ausdenken, wo der weisen sind viele beisammen; einer kann wunderbar werk ersinnen, irgend ein hochgezimmertes; |
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hond bið gelæred. wis and gewealden. swa bið wyrhtan ryht. sele asettan. con he sidne ræced. fæste gefegan. wiþ fær-dryrum. |
die hand ist gelehrt, weise und gewaltig, wie es einem baumeister ziemt, einen saal zusammenzusetzen; kann das weite gerüst fest zusammenfügen gegen plötzliche einstürze. |
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sum mid hondum mæg. hearpan gretan. ah he gleo-beames. gearo brygda list. sum bið rynig. sum ryht scytte. sum leoða gleaw. sum on londe snel. feþe spedig. |
Einer mit händen mag die harfe grüssen; er hat des klangholzes bereiter griffe kunst; einer ist ein läufer, einer ein rechter schütze, einer in liedern geschickt, einer zu lande schnell, fussflüchtig. |
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sum fealone wæg. stefnan steoreð. stream-rade con. weorudes wisa. ofer widne holm. þôn sæ-fore. snelle mægne. arum bregdað. yð-borde neah. |
Einer die falbe woge mit dem steven durchsteuert, den stromweg kennt der schar führer über den weiten holm, wann seefahrer, mit schneller kraft mit rudern treiben dem wogenbord (strande) nahe. |
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sum bið syndig. sum searo-cræftig. goldes and gimma. þôn him gumena weard. hateð him to mærþum. maþþum renian. |
Einer ist sinnig, (?) einer besonders kundig des Goldes und der Edelsteine, wann ihn der männer wart heisst, ihm zur mähr eine zier bereiten. |
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sum mæg wæpen-þræge. wige to nytte. mod-cræftig smið. monige gefremman. þôn he gewyrceð. to wera hilde. helm oþþe hup-seax. oððe heaþu-byrnan. scirne mece. oððe scyldes rond. fæste gefegan. (gefegeð.) wið flyge gares. |
Einer mag waffentrachten (?) dem kriege zu nutzen, ein geschickter schmied, viele bereiten, wann er arbeitet dem männer kampfe helm oder hüftmesser, oder volle rüstung, glänzendes schwert, oder schildes rund, fest gefügt gegen den flug des gers. |
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sum bið arfæst. and ælmes georn. þeawum geþyde. (geþyded?) sum bið þegn gehweorf. on meodu-healle. sum bið meares gleaw. wic-cræfta wis. (wicg-cræfta.) |
Einer ist ehrenfest und giebt almosen gern, in sitten gesellig. Einer ist ein vertrauter diener in der methhalle; einer ist des pferdes kundig, in reiterkünsten weise. |
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sum gewealden-môd. Þafað in geþylde. þæt he þôn sceal. sum domas con. þær dryht-guman. ræd eahtiað. sum bið hræd tæfle. sum bið gewittig. æt win-þege. beor-hyrde god. |
Einer demüthig, leidet in geduld, was er dann muss. Einer urtheile versteht, wo freunde rath schlagen. Einer ist würfelkundig, einer ist witzig bei dem weintrinken, ein guter bierwächter. |
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sum bið bylda til. ham to habbanne. sum bið here-toga. fyrd-wisa from. sum biþ folc-wita. sum biþ æt þearfe þrist. hydigra-þegn. mid his þeodne. sum geþyld hafað. fæst gongel ferð. |
Einer ist ein guter zimmerer, ein haus zu errichten. Einer ist ein herzog, ein starker heerführer. Einer ist ein volksrath, einer ist in der noth dreist, der schüchternen diener; mit seinem herrn einer geduld hat, eine feste (?) seele. |
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sum bið fugel-bona. hafeces cræftig. sum bið to horse hwæt. sum bið swið-snel. hafað searolic gomen gleo-dæda. gife for gum-þegnum. leoht and leoþu-wac. |
Einer ist ein vogeljäger, des falken kundig. Einer ist zu pferde geschwind, einer ist sehr schnell, hat ein künstliches spiel lustiger dinge, gaben für gute diener, leicht und gelenk. |
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sum bið leofwende. hafad môd and word monnum geþwære. sum her geornlice. gæstes þearfe. mode bewindeþ. and him metudes est. (Ms. eft.) ofer eorð-welan. ealne geceoseð. |
Einer ist angenehm, hat gemüth und wort, bei menschen beliebt. Einer hier gern des geistes bedürfnisse im gemüthe verschliesst und sich des schöpfers gunst vor irdischem wohle, allem, wählt. |
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sum bið deor-mod. deofles gewinnes. bið a wið firenum. in gefeoht gearo. sum cræft hafað. circ-nytta fela. mæg on lof-songum. lifes waldend. hlude hergan. hafað healice beorhte stefne. |
Einer ist bedacht auf des teufels krieg, ist immer gegen sünden im gefecht bereit. Einer geschicklichkeit hat vieler kirchengenüsse, kann in lobsängen des lebens walter laut ehren, hat eine hohe, helle stimme. |
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sum bið boca gleaw. larum leoþu-fæst. sum biþ list-hendig. to awritanne. word-gerynu. |
Einer ist buchbewandert, in lehren gliedfest. Einer ist behend, auf zu schreiben wortgeheimnisse.— |
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Nis nu ofer eorþan. ænig monna. mode þæs cræftig. ne þæs mægen-eacen þæt hi æfre anum. ealle weorþen. gegearwade. |
Nun ist nicht auf erden irgend ein mann im geiste so erfahren, noch so künste reich, dass sie stets einem alle würden bereitet, |
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þy læs him gilp sceððe. hade, oþþe fore þære mærþe. môd astige. gif he hafaþ ana. ofer ealle men. wlite and wisdom. and weorca blæd. ac he missenlice. (He. i. e. God.) monna cynne. gielpes styreð. and his giefe bryttað. |
damit ihm nicht übermuth schade, oder wegen deren mähr das gemüth sich überhebe, wenn er hätte allein vor allen menschen schönheit und weisheit und der werke frucht; sondern er verschiedentlich des menschengeschlechtes stolz steuert, und seine gaben vertheilt: |
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sumum on cystum. (Ms. summum.) sumum on cræftum. sumum on wlite. sumum on wige. sumum he syleð monna. milde heortan. þeaw fæstne geþoht. sum biþ þeodne hold. |
einigen in würden, einigen in künsten, einigen in schönheit, einigen im kriege; einigen menschen verleiht er milde herzen, ein wohlbestelltes gemüth; einer ist dem herrn hold. |
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swa weorðlice. wide tosaweð. dryhten his duguþe. a þæs dôm age. leoht-bære lof. se us þis lif giefeð. and his milde môd. monnum cyþeð. |
So würdiglich weit säet aus der herr seine tugenden. Immer also habe macht, leuchtendes lob, der uns dieses leben giebt und seinen milden geist den menschen verkündet! |
Sinnsprüche. Die Angelsachsen besassen einen grossen schatz körniger sprüchwörter und inhaltsreicher sinnsprüche in versen, von denen uns die exeterhandschrift vier sammlungen aufbewahrt hat. Diese sentenzen sind derjenigen ähnlich, welche uns Cuthbert in seiner epistola de morte Bedæ als einen spruch des sterbenden Beda in folgenden worten aufbewahrt hat:
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For þam nedfere neni wirþeð þances snotera, þonne him þearf sy, to gehicgenne er his heonongange, hwet his gaste godes oððe yveles efter deaðe heonon demed weorþe. |
Vor der nothfahrt niemand wird gedanken weiser, denn ihm bedarf sei, zu forschen vor seinem hingange, was seinem geiste des guten oder bösen nach dem tode (von) hinnen zugeurtheilt werde. |
Räthsel. Endlich sind uns in der exeterhandschrift eine grosse menge räthsel überliefert, deren aufgeben und lösen eine beliebte unterhaltung der Angelsachsen war. Von den beiden hier mitgetheilten räthseln mag die auflösung des ersten „gedanke“ oder „luft“ und des zweiten „gerste“ sein, mit rücksicht auf das daraus gebraute getränk (John Barleycorn).
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Ic eom mare. þon þes middan-geard. læsse þon hond-wyrm. leohtre þon mona. swiftre þon sunne. sæs me sind ealle. flodas on fæðmum. and þas foldan bearm. grene wongas. |
Ich bin mehr als diese welt, weniger als ein handwurm, leichter als der mond, schneller als die sonne, die seen gehören mir alle, die fluthen in umfassungen, und des feldes schooss, grüne gefilde; |
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grundum ic hrine. helle under-hnige. heofonas ofer-stige. wuldres eðel. wide ræce ofer engla eard. |
die gründe berühre ich, zur hölle neige ich mich hinunter, die himmel ersteige ich, der herrlichkeit wohnsitz; weit reiche ich über der engel heimath; |
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eorðan gefylle. ealne middan geard and mere-streamas. side mid me sylfum. saga hwæt ic hatte. |
die erde erfülle ich, die ganze welt und die meerströme weit mit mir selbst. Sage, wie ich heisse? |
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Bið foldan dæl. fægre gegierwed. mid þy heardestan. and mid þy scearpestan. and mid þy grymmestan. gumena gestreona. |
Es ist ein theil des feldes, schön bereitet, mit dem härtesten und mit dem schärfesten und mit dem grimmigsten menschlicher werke, |
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corfen sworfen.86 cyrred þyrred. bunden wunden. blæced wæced. frætwed geatwed.87 feorran læded. to durum dryhta. |
geschnitten, gestrichen, gewendet, gedörrt, gebunden, gewunden, gebleicht, geweckt, geputzt, gezeigt, weit gebracht zu den thüren der leute. |
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dream bið in innan. cwicra wihta. clengeð88 lengeð. þara þe ær lifgende. longe hwile. wilna bruceð.89 and no wið-spriceð. |
Eine freude ist es im innern lebender wesen, hängt sich an und verlängert; derer das vorher lebende lange zeit willen gehorcht und nicht widerspricht |
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and þon æfter deaðe. deman onginneð. meldan mislice. micel is to hycganne. wisfæstum menn. hwæt seo wiht sy. |
und dann nach dem tode zu urtheilen beginnt, zu melden verschiedentlich. Sehr muss nachdenken der weiseste mann, was dieses wesen sei. |
In diesen räthseln kommen hin und her die alten runen theils, wie es scheint, als buchstaben, theils auch in ihrer wortbedeutung vor. Ein angelsächsisches gedicht über die bedeutung der runen ist von W. Grimm herausgegeben worden.
Prosa. Wenn wir uns zu den prosaischen schriften der angelsächsischen literatur wenden, welche der mündlichen überlieferung so wie späterer ungenauer aufzeichnung mehr entrückt waren, so findet sich nicht nur grössere sicherheit in sprache und rechtschreibung, welche mit geringen ausnahmen die des autors sein mag, sondern es ist auch leichter, den historischen fortschritt in der literatur zu verfolgen, als bei der poesie, da dieselbe nur selten auf einzelne dichter zurückzuführen ist, sondern auf der breiten unterläge des volkslebens ruht.
Athelbert’s und Wihtræd’s Gesetze. Die ersten anfänge angelsächsischer prosa sind in den gesetzen zu suchen, welche Athelbert, könig von Kent, der im jahre 616 starb, bald nach seiner bekehrung zum christenthum in neun und achtzig bestimmungen erlassen haben soll. Manche derselben mag eingeschoben sein. Die sprache ist gewiss modernisirt; die überschrift This syndon tha domas, the Aethelbirht cyning asette on Augustinus dæge, welche sich in dem einzigen manuscript dieser gesetze findet, ist ebenfalls späteren ursprungs, worauf auch die aufzählung der priesterlichen rangordnung und die volle entwickelung des kirchenregimentes im ersten paragraph schliessen lässt:
| § 1. Godes feoh and ciricean XII gylde; biscopes feoh XI gylde; preosles feoh IX gylde; diacones feoh VI gylde; clerices feoh III gylde; ciricfrið II gylde; mynsteres frið II gylde. | § 1. Gottes- und kirchen-gut gelte zwölffach; bischof’sgut elffach; priestergut gelte neunfach; diakonusgut gelte sechsfach; clerikergut gelte dreifach; kirchenfrieden gelte zwiefach; klosterfrieden gelte zwiefach. |
Von den kentischen königen Hlothar, Eadric und Wihtræd, sind gleichfalls gesetze erhalten. Die des letzteren sind unter zuziehung des brittischen erzbischofs Birhtwald (Bretone heahbiscop) und des bischofs von Rochester nach vorher gepflogener berathung mit den mächtigen des landes erlassen worden. In diesen gesetzen findet sich im § 13 schon eine strafe auf götzendienst gesetzt:
| § 13. Gif ceorl buton wifes wisdome deoflum gelde, he sie ealra his æhtan scyldig and healsfange. Gif butwu deoflum geldað, sion his healsfange scyldige and ealra æhtan. | § 13. Wenn ein ehemann ohne wissen der frau den götzen diene, sei er aller seiner güter verlustig und des halsfanges. Wenn beide den götzen opfern, seien sie des halsfanges und aller güter verlustig. |
Alfred’s Gesetze. Dann folgen die gesetze der westsächsischen könige Ine und Alfred, welcher letztere seinen gesetzen die mosaischen vorsetzte und die gesetze seiner Vorgänger Ine, des königs Offa von Mercia und Athelbert’s von Kent benützte, wie er selbst in einfacher rede erzählt:
| Ic þa Aelfred cyning þæs togædere gegaderod and awritan het manega þara, þe ure foregengon heoldon þara þe me licedon, and manege þara þe me ne licodon ic awearp mid minra witena geþeahte and on oðre wisan bebead to healdenne. | Ich, könig Alfred, sammelte da diese und liess viele von denen, welche unsere vorgänger hielten, wenn sie mir gefielen; und viele derer, die mir nicht gefielen, verwarf ich mit meiner witan rathe und gebot, sie in anderer weise zu halten. |
| Forþam ic ne dorste gedyrstlæcan þara minra awuht feala on gewrit settan; forþan me wæs uncuð, hwæt þæs þæm lician wolde, þe æfter us wæron; | Denn ich wagte nicht es zu unternehmen, von den meinigen viel in die schrift zu setzen; denn es war mir unbekannt, was davon denen gefallen würde, die nach uns wären; |
| ac þa þe ic gemette awðer on Ines dæge mines mæges, oððe on Offan Mercna cyninges, oððe on Aeðelbyrhtes, þe ærest fulluht onfeng on Angelcynne, þa þe me ryhtoste þuhton, ic þa her on gegaderode and þa oðre forlet. | aber die, welche ich fand entweder in Ine’s meines verwandten tagen, oder in Offa’s, des königs der Mercier, oder in Athelbert’s, der zuerst die taufe empfing im Angelvolke, die, welche mir am wichtigsten schienen, die sammelte ich hier, und die anderen liess ich weg. |
| Ic þa Aelfred Westseaxna cyning eallum minum witum þæs geeowde and hy þa cwæðon þæt him þæt licode eallum wel to healdenne. | Ich nun Alfred, könig der Westsachsen, zeigte diese allen meinen witan (räthen), und sie erklärten dabei, dass ihnen allen dieses wohl gefiel zu halten. |
Cnut’s Gesetze. Ausser den Alfred’schen gesetzen zeichnen sich die von Cnut gegebenen durch milde und edle humanität aus, welche gegen die barbarei und härte der mittelalterlichen, ja selbst vieler neueren gesetze bedeutend absticht. Als eine probe der sprache sowohl wie der grundsätze in Cnut’s gesetzen mögen folgende bestimmungen hier einen platz finden:
| 2. And we lærað, þæt þeah hwa agylte and hine sylfne deope forwyrce, þonne gefadige man þa steore, swa hit for gode sy gebeorhlic and for woruld aberendlic. | 2. Und wir ermahnen, dass, obwohl jemand etwas verbreche und sich selbst tief verwirke, dann man eine strafe anordne, wie sie vor Gott gebührlich und vor der weit erträglich sei. |
| And geþence swiðe georne se þe domes geweald age, wæs he sylf georne, þonne he þus cweð: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, þæt is on englisc: and forgif us, drihten, ure gyltas, swa we forgyfað þam þe wið us agyllað. | Und es bedenke sehr sorgfältig der, welcher des urtheils gewalt habe, was er selbst gern habe, wenn er also spricht: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, das ist auf Englisch: und vergieb uns, herr, unsere schuld, wie wir vergeben denen, die sich gegen uns verschulden. |
| And we beodað, þæt man cristene men for ealles to lytlum huru to deaðe ne forræde, ac elles geræde man friðlice steora folce to þearfe, and ne forspille man for litlum godes handgeweorce and his agene ceap, þe deore gebohte. | Und wir gebieten, dass man christenleute für alles zu geringe wenigstens nicht zum tode verurtheile, sondern man vielmehr milde strafen feststelle dem volke zum nutzen, und nicht den menschen, das geschöpf Gottes, und sein eigenes gut, das er theuer erkaufte, um geringes zerstöre. |
| 66. And utan don, swa us þearf is, helpan a þam raðost, þe helpes best behofað; þonne nime we þæs lean þær us leofast byð. Forþam a man sceal þam unstrangan men for godes lufe and ege liðelicor deman and scryfan, þonne þam strangan, for þam þe ne mæg se unmaga þam magan, we witon, ful georne gelice byrðene ahebban, ne se unhæla þam halan gelice. | 66. Und möchten wir thun, wie wir sollen, helfen immer dem zunächst, welcher der hilfe am besten bedarf; dann empfangen wir den lohn da, wo er uns am liebsten ist. Denn immer soll man den schwachen mann aus Gottes-liebe und furcht gelinder richten und büssen, als den starken, denn nicht kann der unmächtige, wie wir wissen, mit dem mächtigen eine völlig gleiche bürde haben, noch der sieche mit dem gesunden eine gleiche. |
| And þy we sceolan medmian and gesceadlice todælan ylde and geogoðe, welan and wædle, freot and þeowæt, hæla and unhæle, and ægðer man sceal ge on godcundan scriftan ge on woruldcundan doman þæs þinge tosceadan. | Und darum sollen wir maass halten und unterschiedlich zutheilen dem alter und der jugend, dem reichthum und der armuth, der freiheit und der knechtschaft, der gesundheit und dem siechthum, und jeder mann soll sowohl bei göttlichen büssen als bei weltlichen urtheilen diese dinge scheiden. |
| Eac on mænigre dæde, þonne man bið nydwyrhta, þonne bið se man gebeorges þe bet wyrðe, þe he for neode dyde þæt þæt he dyde. And gif hwa hwæt ungewealdes gedeð, ne byð þæt ealum na gelice, þe hit gewealdes gedeð. | Auch bei mancher handlung, wenn der mensch nothgedrungen ist, ist der mensch des schutzes würdiger, weil er aus noth das that, was er that. Und wenn jemand etwas unabsichtlich thut, ist er nicht in allem dem gleich, der es absichtlich that. |
| 67. Þis is þonne seo lihtinge, þe ic wylle eallon folce gebeorgan, þe hig ær þyson mid gedrehte wæron ealles to swiðe. Þæt is þonne ærest, þæt ic bebeode eallum minan gerefan, þæt big on minan agenan rihtlice tilian and me mid þam feormian, and þæt him nan man ne þearf to fearme fultume nan þinge syllan, buton he sylf wylle. | 67. Dieses ist denn die erleichterung, die ich allem volke angedeihen will, da sie vor diesem damit zu sehr gedrückt wurden. Das ist das erste, dass ich gebiete allen meinen amtleuten, dass sie auf meinem eigenthum ordentlich bauen und mich damit beköstigen, und dass ihnen niemand zur beköstigung als unterstützung irgend etwas geben darf, ausser er will es selbst. |
| 77. And ic wille þæt ælc man sy his huntnoðes wyrðe on wuda and on felda on his agenan. And forga ælc man minne huntaðloce hwær ic hit gefriðod wille habben, be fullan wite. | 77. Und ich will, dass jedermann seiner jagd würdig sei in wald und feld auf seinem eigenthum. Und es vermeide jedermann mein jagdgehege, we ich es gefriedigt haben will, bei voller strafe. |
Die Gesetze Wilhelm’s des Eroberers. Die alten angelsächsischen gesetzsammlungen90 sind fortgeführt bis zu Wilhelm dem eroberer, welcher ebenfalls noch einige verordnungen in angelsächsischer sprache erliess, obwohl er sich im allgemeinen der französischen und lateinischen sprache bei seinen erlassen bediente.
Das folgende angelsächsische gesetz Wilhelm’s zeigt ausser der sprache auch die geringe achtung, in welcher die sächsische tapferkeit bei dem eroberer stand. Es ist aufbewahrt im Codex Roffensis, welcher eine reiche, von Arnulf, bischof von Rochester (starb 1124), angelegte sammlung angelsächsischer urkunden enthält.
Willelmes cyninges asetnysse. |
König Wilhelm’s Satzungen. |
| Wilhelm cyng gret ealla þa þe þys gewrit tocymð ofer eall Englaland freondlice, and beot and eac cyð eallum mannum ofer eall Angel-cynn to healdenne, þæs is: | König Wilhelm grüsst alle, denen diese schrift zukömmt, über ganz England freundlich, und gebietet und heisst auch allen mannen im ganzen Angelvolke zu halten, nämlich: |
| 1. Gif Engliscman beclypað ænigne Frænciscne man to orneste for þeofte oððe for manslihte, oððe for ænigan þingan, þe gebyrige ornest fore to beonne oððe dom betweox twam mannum, habbe he fulle leafe swa to donne. | 1. Wenn ein Engländer einen fränkschen mann zum ernstkampfe fordert wegen diebstahls, oder todtschlages, oder wegen irgend einer sache, wegen der sich ernstkampf gebührt oder gottesurtheil zwischen zwei männern, habe er volle erlaubniss, es zu thun. |
| And gif se Englisca forsæcð þæt ornest, þe Frencisca, þe se Englisca beclypað, ladige hine mid aðe ongean hine mid his gewitnesse æfter Norðmandiscere lage. | Und wenn der Engländer jenen kampf aufgiebt, reinige sich der Franke, den der Engländer belangt, mit eid gegen ihn mit seinem zeugniss nach normännischem gesetz. |
| 2. Eft gif Frenciscman beclypað Engliscne man to orneste for þam ylcan þingan, se Englisca be fulre leafe hine werige mid orneste oððe mid irene, gif him þaet gecwemre byð. And gif he untrum byð and nelle þæt ornest oððe ne mæge, begyte him lahlicne spalan. | 2. Dann wenn ein Franke einen Engländer zum ernstkampfe wegen derselben dinge fordert, so vertheidige sich der Engländer nach willkür mit kämpf oder mit eisen-(ordal), wenn ihm das bequemer ist. Und wenn er schwach ist und den kampf nicht will oder mag, so schaffe er sich einen gesetzlichen vertreter. |
| 3. Und wenn der Franke überwältigt ist, gebe er dem könige drei pfund. Und wenn der Engländer sich nicht mit ernst wehren will, oder mit zeugniss, reinige er sich mit eisen. | 3. And gif se Francisca byð ofercuman, he gyfe þam cynge III pund. And gif se Englisca nele hine werian mid orneste oððe mid gewitnesse, he ladige hine mid irene. |
| 4. Aet eallan ullagan þingan se cyng geselle, þæt se Englisca ladige hine mid irene. And gif se Englisca beclypað Frenciscne mid utlagan þingan, and wille hit þonne on him gesoðian, se Frencisca bewerie hine mid orneste. | 4. Bei allen verbrecherischen dingen setzt der könig fest, dass der Engländer sich mit eisen reinige. Und wenn der Engländer einen Franken mit verbrecherischen dingen beschuldigt und will es an ihm bewahrheiten, wahre sich der Franke mit kampf. |
| And gif se Englisca ne durre hine to orneste beclypian, werige hine se Fræncisca mid unforedan aðe. | Und wenn der Engländer ihn nicht zum kämpf zu fordern wagt, wahre sich der Franke mit ungebrochenem eide. |
Das durch die christlichen sendboten und kirchenobern eingeführte Studium der klassischen sprachen, besonders der lateinischen, hatte einen so günstigen boden in England gefunden, dass die früchte desselben bald auch in Deutschland und Frankreich genossen werden konnten, indem England den genannten ländern nicht nur lehrer, sondern auch bücher lieferte. Der eifer für die christliche religion und das studium der römischen spräche führte seit dem ende des siebenten jahrhunderts Engländer in grosser anzahl auf jener strasse nach Italien und Rom, welche noch jetzt die grosse heeresbahn der reisenden Engländer ist.
Der Glossator Aldred. Diese beschäftigung der Angelsachsen mit den wissenschaften musste auch einen wohlthätigen einfluss auf ihre muttersprache ausüben, indem in dieser nun für das verständniss der grösseren menge eine grosse zahl übersetzungen und paraphrasen von den gebildeteren geschrieben wurden. Dadurch bekam die angelsächsische sprache, welche bis dahin nur umgangs- und dichtersprache war, einen festen boden. Zu der zeit, als die kenntniss der lateinischen sprache den mönchen und geistlichen schwand, und dafür dem volke die allgemeine bildung zugänglicher ward, also in der mitte des neunten jahrhunderts, beginnen auch die glossen und übersetzungen zwischen den zeilen in heiligen wie profanen schriften. In dem sogenannten Durham buche und dem Durham Ritual91 nennt sich der glossator Aldred. Folgendes ist ein beispiel, wie die glossen des Durham buches beschaffen sind:
| Wæs | in dagum | Herodes | cyniges | Judæ | sacerd | sum | mið noma |
| Fuit | in diebus | Herodis | regis | Judææ | sacerdos | quidam | nomine |
| of lond | Abia, | and | wif | þæm oððe him | of dohterum Aaron, | and | |
| Zacharias | de vice | Abia, | et | uxor | illi | de filiabus Aron, | et |
| noma | his | Elisabeð. |
| nomen | eius | Elisabet. |
| Wœron | uut | soð-fæsto | bœgo | fore Gode | færendo | in allum |
| Erant | autem | iusti | ambo | ante Deum | incedentes | in omnibus |
| bodum | and | soðfæstnissum | Drihtnes | buta gnornunge. |
| mandatis | et | justificationibus | Domini | sine quærella. |
Zur vergleichung der angelsächsischen sprache, wie sie an verschiedenen orten und zu verschiedenen zeiten bei der bibelübersetzung im gebrauch war, folgt hier die parabel vom säemann (Marc. IV, 3-8): 92 C
| Aus Marshall’s Gospels, Dordrecht 1665. (Westsächsisch, reines Angelsächsisch.) | Aus dem im Anfang des zehnten Jahrhunderts geschriebenen Durham Book (Cotton. Mss. Nero, D. IV. fol. 100). |
| 3. Gehyrað, Ute eode se sædere hys sæd to sawenne. 4. And þa he sew, sum feoll wið þone weg, and fugelas comon and hyt fræton. 5. Sum feoll ofer stans-cyligean, þar hyt næfde mycel eorðan, and sona up-eode, forþam hyt næfde corðan þiccnesse. 6. Þa hyt up-eode, seo sunne hyt forswælde, and hyt forscranc, forþam hyt wirtruman næfde. 7. And sum feoll on þornas, þa stigon þa þornas and forðrysmodon þæt, and hyt wæstm ne bær. 8. And sum feoll on god land, and hyt sealde, upstigende and wexende, wæstm, and an brohte þrittig-fealdne, sum syxtig-fealdne, sum hund-fealdne. | 3. Heono eode ðe sawende (sedere) to sawenne. 4. and miððs geseuw, oðer (sum) feoll ymb ða stret, and cwomon flegendo and fretton (eton) ðæt. 5. sum ec feoll of stæner, ðer ne hæfde eorðu michel (menig); and bræðe upp iornende wæs (arisen wæs) forðon niefde heanisse eorðes: 6. and ða arisen (ða upp eode) wæs sunna, gedrugade (forbernde); forðon niefde wyrt-ruma, gedrugade. 7. and sum feoll in ðornum, and astigon (upp eodun) ðornas, and under-dulfon þæt and wæstm ne salde. 8. and oðer feoll on eorðu grodum, and salde wæstm stigende, and wæxende, and to brohte enne (an) ðrittig and un sexdig, and an hundrað. |
| Aus der zu Harewood oder Harwood (æt Harawuda) im zehnten Jahrhundert über die lateinischen (St. Hieronymi) Evangelien geschriebenen sogenannten Rushworth Glosse (Ms. Bibl. Bodl. D. 24. Nr. 3946, jetzt D. 2. 19. Auct.) | Aus Wicliffe’s um 1380 verfassten Bibelübersetzung. |
| 3. Geherðe; heonu eode ðe sedere (sawend) to sawend. 4. and miððy giseow, oðer (sum) gifeol ymb ða strete, and comun flegende, and fretan (etan) ðæt. 5. oðer (sum) soðlice gifeol ofer stænere, ðer ne hæfde eorðo, and hræðe up iornende wæs, forðon ne hæfde heonisse eorðo. 6. and ða aras (uparnende wæs) sunne, and drygde for bernde; and for þon ne hæfde wyrtruma, adrugade. 7. and oðer gifeol in þornas, and astigun (upeadun) ðornas and underdulfun dæt, and wæstem ne salde. 8. and oðro gifeol on eorðo gode; and salde wæstem stigende, and wexende, and tobrohte an (enne) ðritig, and an sextig and an hundreð. | 3. Here ye, lo a man sowinge goith out to sowe, 4. and the while he sowith sum seed fel aboute the weye, and briddis of hevene camen and eeten it, 5. other felde doun on stony places where it hadde not myche erthe, and anoon it sprong up; for it hadde not depnesse of erthe, 6. and whanne the sunne roos up it welewide for hete, and it driede up, for it haade no roote. 7. And other fel doun into thornes, and thornes sprungen up and strangliden it, and it gaf not fruyt. 8. And othere felde doun into good lond, and it gaf fruyt spryngyng up and wexinge, and oon broughte thritty fold, and oon sixty fold, and oon an hundrid fold. |
Jetzige englische Bibelübersetzung.
3. Hearken: behold, there went out a sower to sow: 4. and it came to pass, as he sowed, some fell by the wayside, and the fowls of the air came and devoured it up. 5. And some fell on stony ground, where it had not much earth; and immediately it sprang up, because it had no depth of earth. 6. But when the sun was up, it was scorched; and because it had no root, it withered away. 7. And some fell among thorns, and the thorns grew up, and choked it, and it yielded no fruit. 8. And other fell on good ground, and did yield fruit that sprang up and increased; and brought forth, some thirty, and some sixty, and some an hundred.
Ethelwold. Dunstan. Alfred. Mönchsregeln wurden ebenfalls aus dem Lateinischen in das Angelsächsische übersetzt, oder glossirt. Solche übersetzungen und glossen sind von Ethelwold, bischof von Winchester, gestorben 984 (Wright’s Biogr. Brit. Liter. A. S. Period. seite 441. 442), und von dem berühmten Dunstan, erzbischof von Canterbury und bischof von London und Rochester, gestorben 988 (am angeführten orte, seite 459. 460), meist nur handschriftlich vorhanden. Diese glossenliteratur macht den natürlichen übergang zu der ausbildung der angelsächsischen prosa.
Als eigentlicher schöpfer der angelsächsischen prosa ist Alfred (848-901) anzusehen, welcher nicht bloss gross als könig, sondern noch grösser als lehrer seines volkes ist. Seine wissbegierde machte ihn schon im knabenalter zu einem eifrigen zuhörer bei den gesängen des scop’s (Saxonica poemata diu noctuque solers auditor relatu aliorum sæpissime audiens docibilis memoriter retinebat. Vergl. Asser, vita Aelfr. ed. M. Parker p. 7), und der wunsch, diese gedichte auch selbst lesen zu können, soll der erste anstoss bei Alfred gewesen sein, lesen zu lernen. Die lateinische sprache war zu seiner zeit in England schon so weit in vergessenheit gerathen, dass die priester selbst die messe, welche sie täglich lasen, kaum verstanden. Alfred jammert über diese vernachlässigung der wissenschaften an mehreren stellen seiner werke, so in der vorrede zu Gregor’s liber pastoralis (ed. M. Parker), worinm er auch klagt, dass die kirchen zwar überall mit literarischen schätzen angefüllt seien, dass aber niemand nutzen aus diesen büchern ziehe, weil sie nicht in der angelsächsischen sprache geschrieben wären. Alfred selbst trug sorge, dass diesem übelstande abgeholfen wurde, indem er mehrere bücher in das Angelsächsische übersetzte, so das Pastorale des Gregorius, des Boethius abhandlung de consolatione philosophiæ, die geschichte des Orosius, die englische kirchengeschichte von Beda und wahrscheinlich auch die selbstgespräche des heiligen Augustinus (Wright’s Biogr. Brit. Liter. A. S. Period. seite 394). Ausserdem liess er andere bücher von seinen literarischen freunden übersetzen, mit deren beistande er auch seine eigenen übersetzungen ausarbeitete, indem er sich die originale in leichtere sätze und worte umschreiben liess. Es möge hier beiläufig bemerkt werden, dass die metrische paraphrase des Boethius, welche gewöhnlich Alfred zugeschrieben wird, aus inneren gründen93 ihm nicht angehörig zu sein scheint. Die unter Alfred’s namen gehenden sprüchwörter94 sind in der sprache des dreizehnten jahrhunderts und sicher unecht. Alfred’s beispiel musste ein mächtiger antrieb für die gebildeten seines volkes sein, die angelsächsische sprache und literatur zu pflegen, für welche er noch dadurch sorgte, dass in den neuerrichteten schulen neben dem studium der klassischen sprachen der volkssprache gleiche sorgfalt gewidmet wurde.95
Die vorrede zu Alfred’s Übersetzung des Boethius lautet:
| 96 Alfred kuning wæs wealhstod ðisse bec. And hie of bec Ledene on Englisc wende, swa hio nu is gedon. hwilum he sette word be worde. hwilum andgit of andgite. swa swa he hit þa sweotolost and andgitfullicost gereccan mihte for þæm mistlicum and manigwealdum weoruld bisgum þe hine oft ægþer ge on mode ge on lichoman bisgodan. | König Alfred war übersetzer dieses buches und übersetzte es aus bücherlatein in das Englische, wie es nun geschehen ist. Zuweilen setzte er wort für wort, zuweilen sinn für sinn, so wie er es am deutlichsten und verständigsten deuten konnte, wegen der verschiedenen und mannigfaltigen weltlichen geschäfte, welche ihn oft sowohl im gemüthe als mit dem körper beschäftigten. |
| (Ða bisgu us sint swiþe earfoþ rime þe on his dagum on þa ricu becomon þe he underfangen hæfde. and þeah þa he þas boc hæfde geleornode and of Lædene to Engliscum spelle gewende. þa geworhte he hi efter to leoþe. swa swa heo nu gedon is.)97 | Die geschäfte sind sehr schwer zu zählen, die in seinen tagen über das reich kamen, die er unterfangen hatte. Und doch, da er dieses buch gelernt und aus dem Latein in die englische sprache übersetzt hatte, da setzte er es später in verse, so wie es nun geschehen ist. |
| and nu bit and for Godes naman healsaþ ælcne þara ðe þas boc rædan lyste. þas he for hine gebidde. and him ne wite gif he hit rihtlicor ongite þonne he mihte. forþæmðe ælc mon sceal be his andgites mæðe and be his æmettan sprecan ðæt he sprecþ. and don þæs þas he deþ. | Und er bittet nun und um Gottes namen beschwört jeden derer, welche dieses buch zu lesen gelüstet, dass er für ihn bete, und ihn nicht tadele, wenn er es richtiger versteht, als er konnte, denn jedermann soll nach seines verstandes maasse und nach seiner musse sprechen, das er spricht, und dasjenige thun, was er thut. |
Unzweifelhaft echt ist die vorrede Alfred’s zu seiner übersetzung des Gregor’schen hirtenbuches, von welchem er an jeden seiner bischöfe, deren namen in dem anschreiben (der vorrede) enthalten sind, ein exemplar übersendete. Drei der urschriften sind noch vorhanden, welche an Wulfsige, bischof von Sherborne (in der öffentlichen bibliothek zu Cambridge), an Waerferth, bischof von Worcester (in der Bodleyana zu Oxford Ms. Hatton, 88), und an Plegmund, erzbischof von Canterbury (im brittischen museum Ms. Cotton. Tiberius, B. XI) gerichtet wurden. Da Alfred das reinste Westsächsisch schrieb, möge hier die ganze vorrede und, zur vergleichung mit dem jetzigen Englisch, die von Th. Wright seite 397 ff. seiner Biog. Brit. Liter. A. S. mitgetheilte genaue übersetzung derselben einen platz finden:
| Ðis is seo fore-spræc hu S. Gregorius þas boc ge-dihte, þe man Pastoralem nemnað. | This is the preface how St. Gregory made the book which people call Pastorale. |
| Ælfred kyning haleð gretung Wulfsige bisceop his worðum luflice and freondlice, and þe cyðan hate, þæt me com swiðe oft on gemynd, hwylce witan geo wæron geond Angel-cyn, ægðer ge godcundra hada ge woruldcundra, and hu ge-sæliglica tida þa wæron geond Angle-cyn, | Alfred the king greets affectionately and friendly bishop Wulfsige his worthy, and I bid thee know, that it occurred to me very often in my mind, what kind of wise men there formerly were throughout the English nation, as well of the spiritual degree as of laymen, and how happy times there were then among the English people, |
| and hu þa cyningas þe þone anweald hæfdon þæs folces, Gode and his æryndwritum hyrsumodon; and hu hi ægðer ge heora sybbe ge heora sydo, and ge heora anweald innan borde gehealdon and eac ut hira eðel rymdon; and hu him þa speow, ægðer ge mid wige ge mid wisdome; | and how the kings who then had the government of the people obeyed God and his Evangelists, and how they both in their peace and in their war, and in their government, held them at home, and also spread their nobleness abroad, and how they then flourished as well in war as in wisdom; |
| and eac þa godcundan hadas hu georne hi wæron ægðer ge ymbe lara ge ymbe leornunga, and ymbe ealle þa þeow-domas þi hy Gode sceoldon, and hu man ut on borde wisdome and lare hider on land sohte, and hu we hi nu sceoldon ute begitan, gif we hi habban sceoldon. | and also the religious orders how earnest they were both about doctrine and about learning, and about all the services that they owed to God; and how people abroad came hither to this land in search of wisdom and teaching, and how we now must obtain them from without if we must have them. |
| Swa clæne heo wæs oðfeallen on Angel-cynne þæt swiðe feawa wæron be-heonan Humbre þe hira þenunge cuðon understandan on Englisc, oððe furðon an ærend-gewrit of Ledene on Englisc areccan: and ic wene þæt naht monige begeondan Humbre næron. Swa feawa heora wæron, þæt ic furþon anne ænlepne ne mæg ge-þencan be-suðan Thamise þa þa ic to rice feng. | So clean it was ruined amongst the English people, that there were very few on this side the Humber who could understand their service in English, or declare forth an epistle out of Latin into English; and I think that there were not many beyond the Humber. So few such there were, that I cannot think of a single one to the south of the Thames when I began to reign. |
| Gode ælmightigum sy þanc, þæt we nu ænigne an steal habbað lareowa. For þam ic þe beode, þæt þu do swa ic ge-lyfe þæt þu wille, þæt þu þe þissa woruld þinga to þam ge-æmtige, swa þu oftost mæge, þæt þu þone wisdome þe þe God sealde þær þær þu hine befæstan mæge befæst. Ge-þenc hwilce witu us þa becomon for þisse woruld, þa þa we hit na hwæðer ne selfe ne lufedon, ne eac oþrum mannum ne lyfdon. | To God Almighty be thanks, that we now have any teacher in stall. Therefore I bid thee that thou do as I believe thou wilt, that thou, who pourest out to them these worldly things as often as thou mayest, that thou bestow the wisdom which God gave thee wherever thou mayest bestow it. Think what kind of punishments shall come to us for this world, if we neither loved it ourselves nor left it to other men. |
| Þone naman anne we lufdon þæt we Cristene wæron, and swiðe feawe þa þeawas. Þa ic þis eal ge-munde, þa ge-mund ic eac hu ic ge-seah ær þam þe hit eal for-heregod wære and for-bærned, hu þa circan geond eal Angel-cyn stodon maðma and boca ge-fylled, and eac micel mæniu Godes þeawa, and þa swiðe lytle feorme þara boca wiston, for þam þe hi hira nan þing ongitan ne mihton, for þam þe hi næron on hira agenge þeode awritene. | We have loved only the name of being Christians, and very few the duties. When I thought of all this, then I thought also how I saw, before it was all spoiled and burnt, how the churches throughout all the English nation were filled with treasures and books, and also with a great multitude of God’s servants, and yet they knew very little fruit of the books, because they could understand nothing of them, because they were not written in their own language; |
| Swilce hi cwædon ure yldran þa þe þas stowa ær heoldon, hi lufedon wisdome, and þurh þone hi begeton welan and us læfdon. Hær mon mæg gyt ge-seon hira swæð; ac we him ne cunnon æfter spyrgean, for þam we habhað ægðer for-læton ge þone wela ge þone wisdom, for þam þe we noldon to þam spore mid ure mode on lutan. | as they say our elders, who held these places before them, loved wisdom, and through it obtained weal and left it to us. Here people may yet see their path, but we cannot follow after them, because we have lost both weal and wisdom by reason of our unwillingness to stoop to their track. |
| Þa ic þa þis eall ge-munde, þa wundrode ic swiðe þæra godera witena þe geo wæron geond Angel-cyn, and þa bec befullan ealle ge-leornod hæfdon þæt hira þa nanne dæl noldon on hira agen ge-þeode wendan, ac ic þa sona eft me sylfum andwyrde and cwæð, hi ne wendon pæt æfre men sceoldon swa recelease wurðan, and seo lar swa ðofeallan. | When I thought of all this, then I wondered greatly that none of the excellent wise men who were formerly in the English nation and had fully learned all the books, would translale any part of them into their own native language; but I then soon again answered myself and said, they did not think that ever men would become so careless and learning so decay. |
| For þære wilnunge hi hit for-leton, and woldon þæt her þe mara wisdome on lande wære, þi we ma ge-þeode cuðon. Þa ge-munde ic hu seo æ wæs æryst on Ebreisc ge-þeode fundon, and eft þa Crecas ge-leornodon, þa wendon hi hit on hira agen ge-þeode ealle, and eac ealle oðra bec, | They therefore willingly let it alone, and would that more wisdom were in this land, the more languages we knew. Then I considered how the law was first found in the Hebrew tongue; and again the Greeks learnt it, then they translated it all into their own speech, and also all other books; |
| and eft Leden-ware swa sone siððan hi hit ge-leornodon, hi wendon ealle þurh wise wealhstodas on heora agen ge-þeode, and eac alle oðra Cristene þeoda sumne dæl hira on hira agen ge-þeode wendon. | and also the Latin people afterwards, as soon as they had learnt it they translated it all through wise interpreters into their own tongue; and also all other Christian people translated some part of them into their own tongue. |
| For þi me þingð betere gif geow swa þincð, þæt we eac sume bec þa þemed beþyrfysta syn eallum mannum to witanne, þæt we þa on þæt ge-þeode wendon þe we ealle ge-cnawan mægen, and ge-don swa we swiðe eaðe magon mid Godes fultume, gif we þa stylnesse habbað, þæt eall seo geoguð þe nu is on Angel-cynne freora manna, þara þe þa speda hæbben, þæt hi þam befeolan mægen syn to leornunga oðfæste, þa hwile þe hi nanre oðerre note ne mægen, oð fyrst þe hi wel cunnen Englisc ge-writ arædan. | Therefore it appears to me better, if you think so, that we also some books which seem most needful for all men to understand, that we translate them into that language that we can all understand, and cause, as we very easily may with God’s help, if we have the leisure, that all the youth that is now in the English nation of free men, such as have wealth to maintain themselves, may be put to learning, while they can employ themselves on nothing else, till at first they can read well English writing. |
| Lære mon siððan furðor on Leden geþeode, þa þe man furðor læran wille, and to herran hade don wille. Þa ic ge-munde hu seo lar Leden ge-þeodes ær þysum afeallen wæs geond Angel-cyn, and þeah manega cuðon Englisc gewrit arædan, | Afterwards let people teach further in the Latin tongue those whom they will teach further and ordain to higher degree. When I thought how the learning of the Latin language before this was decayed through the English people, though many could read English writing, |
| þa ongan ic ge-mong oðrum mislicum and monigfealdum bisgum þisses kynerices þa boc wendan on Englisc þe is genemned on Leden Pastoralis, and on Englisc Hirde-boc, hwilum word be worde, hwilum andgit of andgite, swa swa ic hi ge-leornode æt Plegmunde minum ærce-biscope, and æt Assere minum biscope, and æt Grimbolde minum mæsse-preoste, and æt Johanne minum mæsse-preost. | then I began among other divers and manifold affairs of this kingdom to translate into English the book which is named in Latin Pastoralis, and in English Herdsman’s book, sometimes word for word, sometimes meaning for meaning, as I learnt it of Plegmund my archbishop, and of Asser my bishop, and of Grimbold my presbyter, and of John my presbyter. |
| Siððan ic hi þa ge-leornod hæfde, swa swa ic hi for-stod swa hic hi andgitlicost arrecan meahte, ic hi on Englisc awende; and to ælcan biscop-stole on minum rice wylle ane on-sendan, and on ælere bið an æstel se bið on fiftigum mancessa. | After I had then learnt it so that I understood it as well as my understanding could allow me, I translated it into English; and I will send one copy to each bishop’s see in my kingdom, and on each one there is a stile of the value of fifty mancuses; |
| And ic bebeode on Godes naman, þæt man þone æstel fram þare bec ne do, ne þa boc fram þam mynstre, uncuð, hu lange þær swa ge-lærede biscopas syn, swa swa nu Gode þanc wel hwar sindon. For ði ic wolde ðæt hi ealne weg æt þære stowe wæron, buton se biscop hi mid him habban wylle, oððe heo hwær to læne sy oððe hwa oðre bi-write. | and I bid in God’s name that no one take the handle from these books, nor the books from the mynster, unknown, as long as there are any learned bishops, as (thanks to God) there are now everywhere. Therefore I would that they remain always in their places, unless the bishop will have them with him, or it be lent somewhere until somebody write another copy. |
In die übersetzung des Orosius fügte Alfred den bericht eines normanns über die umsegelung Skandinavien’s ein, dessen anfang hier als eine andere probe der Alfred’schen schreibart mitgetheilt wird.
| 98 Ohthere sæde his hlaforde Aelfrede kyninge þæt he ealra Norðmanna norðmest bude. He cwæð þæt he bude on þæm lande norðeweardum wið þa west sæ. he sæde ðeah þæt þæt land sy swyðe norð þanon. ac hit is eall weste buton on feawum stowum. sticce mælum wiciað Finnas. on huntaðe on wintra. and on sumera on fiscoðe be þære sæ. | Ohther sagte seinem herrn, dem könig Alfred, dass er von allen nordmännern am nördlichsten wohne. Er sagte, dass er in dem lande nordwärts gegen die westsee wohne; er sagte indessen, dass dieses land von da weit nach norden sich erstrecke, und ganz wüst sei, ausser dass an wenigen orten him und her Finnen hausen, zur jagd im winter und im sommer auf dem fischfang an der see. |
| He sæde þæt he æt sumum cyrre wolde fandian hu lange þæt land norð right læge. oððe hwæþer ænig man be norðan þæm westene bude. Ða for be norðrihte be þæm lande. let him ealne weg þæl weste land on þæt steorbord. and þa wid sæ on bæc-bord. þry dagas þa wæs he swa feor norið swa swa hwæl huntan fyrrest farað. | Er sagte, dass er einmal untersuchen wollte, wie weit das land nach norden läge, oder ob jemand noch nördlich von dieser wüste wohne. Deshalb ging er gerade nördlich von dem lande, und liess den ganzen weg das wüste land an dem steuerbord und die offene see an dem backbord. In drei tagen war er so weit nördlich, wie die wallfischjäger weitestens fahren, |
| Ða for he þa gyl norð ryhte. swa fær swa he mihte on þæm oðrum þrim dagum geseglian. Þa beah þæt land þær caste ryhte. oððe sio sæ in on þæt land. he nyste hwæþer. buton he wisste þæt he þær bad westan windes. oððe hwone norðan. and seglede þanon east be lande. swa swa he mihte on feower dagum geseglian. | deshalb ging er dann noch immer gerade nördlich, so weit er in anderen drei tagen segeln konnte; da zog sich das land genau östlich, aber ob die see in das land hineinging, wusste er nicht; er wusste jedoch, dass er dort west- oder etwas nördliche winde abgewartet, und segelte dann östlich am lande hin so weit er in vier tagen segeln konnte. |
| Þa sceolde he þær bidan ryhte norðan windas. forðan þæt land beah þær suð rihte. oððe sio sæ in on þæt land. he nyste hwæþer. Þa seglede he þanon suðrihte be lande, swa swa he mihte on fif dagum geseglian. | Dann musste er da rechte nordwinde abwarten, denn das land zog sich dann ganz nach süden, ob aber die see in das land hinein ging, wusste er nicht. Dann segelte er von da südlich am lande so weit, als er in fünf tagen segeln konnte. |
Folgendes ist eine probe von Alfred’s Übersetzung des Boethius c. XII.
| Ða ongan se wisdom gliowian. and geoddode þus. Se þe wille fæst bus timbrian. ne sceall he hit no settan upon þone hehslan cnol. and se ðe wille godcundne wisdom secan. ne mæg he hine wiþ ofermetta. and eft se þe wille fæst hus timbrian. ne seile he hit on sondbeorhas. | Da begann die Weisheit zu singen und sang also: derjenige, welcher ein festes haus zimmern will, der soll es nicht setzen auf die höchste bergspitze, und der da will göttliche weisheit suchen, der mag es nicht mit übermuth. Und wieder, wer ein festes haus zimmern will, der setze es nicht auf sandberge. |
| Swa eac gif þu wisdom timbrian wille. ne sete ðu hine uppan þa gitsunga. forðam swa swa sigende sond þonne ren swylgþ. swa swylgþ seo gitsung þa dreosendan welan þisses middangeardes. forðam hio hiora simle bið ðurstegu. | So auch wenn du weisheit bauen willst, so setze sie nicht auf gelüste; denn so wie durstiger sand den regen verschlingt, so verschlingt auch die begierde die vergänglichen schätze dieser welt, denn sie ist ihrer immer durstig. |
| ne mæg hus naht lange standan on ðam hean munte. gif hit full ungametlic wind gestent. næft þæt þæt te on ðam sigendan sonde stent for swiþlicum rene. swa eac þæt mennisce mod bið undereten and aweged of his stede. þonne hit se wind strongra geswinca astyrod. oððe se ren ungemetlices ymbhogan. | Ein haus kann nicht lange stehen auf dem hohen berge, wenn es ein voller, unmässiger wind drängt; auch behält er das nicht, welches auf dem durstigen sande steht, wegen vieles regens. So wird auch das menschliche gemüth verkehrt und von seiner stätte gebracht, wenn es der wind starker versuchungen bewegt, oder der regen unermesslicher gelüste. |
| Ac se þe wille habban þa ecan gesælþa. he sceal fleon þone frecnan wlite þises middaneardes. and timbrian þæt hus modes on þam fæstan stane eaðmetta. forþam ðe Crist eardað on þære dene eadmodnesse. and on þam gemynde wisdomes. | Aber der, welcher das ewige glück haben will, muss fliehen den gefährlichen glanz dieser welt und das haus des geistes auf dem festen steine der demuth zimmern; denn Christus wohnt in dem thale der demuth und in dem geiste der weisheit. |
| forþam simle se wisa mon eall his lif læt on gefean unonwendendlice and orsorh. Þonne he forsihþ ægðer ge þas eorþlican god ge eac þa yflu. and hopaþ to þam toweardam. Þæt sint þa ecan. forþam ðe God. hine gehelt æghwonan. singallice wuniende. on his modes gesælþum. ðeah þe se wind. þara earfoþa. and seo singale gemen. þissa woruld selþa. him onblawe. | Daher führt der weise mann immer sein ganzes leben in unveränderlicher und unbesorgter freude, wenn er sowohl das irdische gut als auch das übel verachtet und auf die zukünftigen dinge hofft, welche ewig sind; denn gott hält ihn überall, immerdar wohnend in seines geistes freuden, wenn auch der wind der kümmernisse und die beständige sorge dieser weltfreuden ihn anblase. |
Alfric. Ebenso bedeutend für die angelsächsische literatur und spräche als Alfred ist Alfric, erzbischof von Canterbury, welcher 1006 starb. Er hinterliess zahlreiche schriften, von denen mehrere auf uns gekommen sind: eine sammlung von acht predigten, eine übersetzung der ersten sieben bücher der bibel und mehrere abhandlungen. Auch war er der verfasser eines lateinischen glossariums, eines colloquiums und einer lateinischen grammatik, welche ihm den namen des grammatikers erwarb. Diese schriften, welche für den unterricht der mönche und geistlichen hauptsächlich bestimmt waren, verdankten ihren ursprung dem streben, die sinkende kenntniss der lateinischen sprache zu heben. Klagt doch Alfric, dass es schon so weit gekommen war, dass kein englischer priester einen lateinischen brief schreiben oder verstehen konnte, bis erzbischof Dunstan und bischof Ethelwald mit der klosterregel einige gelehrsamkeit hergestellt habe, (swa þat nan Anglisc preost ne cuðe dihtan oððe asmeagan ænne pistol on Leden, oð þæt Dunstan arce-biscop and Aeðelwald biscop æft þa lare on munuc lifum arærde.) Obwohl Alfric ein geistlicher und gelehrter war, bediente er sich doch nicht, wie seine vorgänger, der lateischen sprache, sondern schrieb in angelsächsischer, um das volk aufzuklären, wie er angiebt, zu welchem zwecke er auch nach seiner eigenen erklärung alle dunklen worte vermied, damit er besser verstanden würde.99