Aus Alfric’s Abendmahls-Predigt. Übersetzung.
100Nu smeadon ge-hwilce men oft, and git ge-lome smeagaþ hu se hlaf ðe bið of corne ge-gearcod and ðurh fyres hætan abacen, mage beon awend to Cristes lichaman, oððe þæt win, þe biþ of manegum berium awrungen, weorþe awend þurh anigre bletsunge to Drihtnes blode. Nun untersuchten etliche Menschen oft und forschen noch häufig, wie das brod, das aus korne bereitet ist und durch feuers hitze gebacken, in Christi leib verwandelt werden könne, oder dass wein, der aus vielen beeren gepresst ist, durch eine segnung in des herrn blut verwandelt werde.
Nu secge we ge-hwilcum mannum þæt sume ðing sind ge-cwedene be Criste þurh ge-tacnunge, sume þurh ge-wissum ðinge. Soð ðing is and ge-wis þæt Crist wæs of mædene acenned, and sylfwilles ðrowode deaþ, and wæs bebyriged, and on ðisum dæge of deaþ aras. Nun sagen wir solchen menschen, dass einige dinge bei Christo durch gleichniss, andere mit gewissheit gesagt sind. Eine wahre und gewisse sache ist es, dass Christ von einer jungfrau geboren ward, und freiwillig den tod litt, und begraben ward und an diesem tage (ostern) vom tode aufstand.
He is ge-cweden hlaf ðurh ge-tacnunge, and lamb, and leo, and gehu elles. He is hlaf ge-haten, for þan þe he is ure lif and engla. He is lamb ge-cweden, for his unscæþþinysse; leo, for ðære strencþe þe he oferswiþde ðone strangan deofol. Ac swa þeah æfter soþum ge-cynde nis Crist naþor ne hlaf, ne lamb, ne leo. Er wird brod durch gleichniss, und lamm, und löwe und was sonst. Er wird deshalb brod geheissen, weil er unser und der engel leben ist; er wird lamm genannt, wegen seiner unschuld; löwe, wegen der kraft, mit der er den starken teufel überwältigte. Aber doch ist Christ nach wahrem wesen weder brod, noch lamm, noch löwe.
Hwi is ðonne þæt halige husell ge-cweden Cristes lichama, oððe his blod, gif hit nis soþlice þæt þæt hit ge-haten is? Soðlice se hlaf and þæt win þe beoþ þurh sacerda mæssan ge-halgode, oþer ðing hi æteowiaþ menniscum andgitum wiþutan, and oþer þing hi clypiað wiþ-innan geleaffullum modum. Warum wird denn das heilige abendmahl Christi leib oder sein blut genannt, wenn es das nicht wahrhaftig ist, was es geheissen wird? Wahrlich, das brod und der wein, die durch des priesters messe geheiligt werden, zeigen äusserlich dem menschlichen verstande ein anderes wesen, und eine andere sache rufen sie innerlich den gläubigen gemüthern zu.
Wiþ-utan hi beoþ ge-sewene hlaf and win ægþer ge on hiwe ge on swæcce, ac hi beoþ soþlice æfter þære halgunge Cristes lichama and his blod ðurh gastlice gerynu. Hæþen cild biþ ge-fullod, ac hit ne bræt na his hiw wiþ-utan, ðeah ðe hit beo wiþ-innan awend. Aeusserlich sind sie sichtbarlich brod und wein sowohl im aussehen als im geschmack; aber sie sind auch in Wahrheit nach ihrer heiligung Christi leib und sein blut durch geistiges geheimniss. Ein heidenkind wird getauft, aber es ändert seine gestalt äusserlich nicht, obwohl es innerlich umgewandelt sei.
Hit biþ ge-broht synfull ðurh Adames forgægednysse to þam fant fate. Ac hit biþ aþwogen fram eallum synnum wiþinnan, ðeah ðe hit wiþ-utan his hiw ne awende. Es wird durch Adam’s ungehorsam sündig zu dem taufgefäss gebracht; aber es wird von allen sünden innerlich abgewaschen, obgleich es äusserlich seine gestalt nicht verwandle.
Eac swylce þæt halige fant wæter, ðe is gehaten lifes wyl-spring, is gelic on hiwe oðrum wæterum, and is under ðeod brosnunge, ac ðæs halgan gastes miht ge-nealæcþ þam brosnigendlicum wætere, ðurh sacerda bletsunge, and hit mæg syþþan lichaman and sawle aþwean fram eallum synnum ðurh gastlice mihte. Auch solches heilige taufwasser, welches die quelle des lebens geheissen wird, ist an gestalt anderen wässern gleich, und ist dem gänzlichen verderben (ausgesetzt), aber des heiligen geistes macht kommt durch des priesters segnung zu dem verderblichen wasser, und es kann darauf leib und seele durch geistige macht von allen sünden abwaschen.
Efne nu we ge-seoþ twa ðing on ðisum anum ge-sceafte. Æfter soþum ge-cynde, þæt wæter is brosniendlic wæter, and æfter gastlicre ge-rynu hæfþ halwende mihte. Seht, nun erblicken wir zwei wesen an diesem einen geschöpfe. Der wahren natur nach ist das wasser verderbliches wasser und nach dem geistigen geheimniss hat es heiligende macht.
Swa eac gif we sceawiaþ þæt halige husel æfter lichamlicum andgite, þonne ge-seo we þæt hit is ge-sceaft brosniendlic and awendedlic: Gif we þa gastlican mihte ðær on to-cnawaþ, ðonne undergite we þæt ðær is lif on, and forgifþ undeadlicnysse ðam ðe hit mid ge-leafan þicgaþ. So auch wenn wir das heilige abendmahl nach menschlichem verstande schauen, dann sehen wir, dass es ein verderbliches und wandelbares geschöpf ist; wenn wir die geistige macht daran erkennen, dann sehen wir ein, dass leben darin ist, und dass es unsterblichkeit giebt denen, die es mit glauben geniessen.
Micel is betwux ðære ungesewenlican mihte ðæs halgan husles, and þam ge-sewenlican hiwe agenes ge-cyndes. Hit is on ge-cynde brosniendlic hlaf and brosniendlic win, and is æfter mihte Godcundes wordes soþlice Cristes lichama and his blod, na swa þeah lichamlice, ac gastlice. Viel ist zwischen der unsichtbaren macht des heiligen abendmahles und der sichtbaren gestalt seiner eigenen natur. Es ist von natur verderbliches brod und verderblicher wein, und ist nach der macht des göttlichen wortes wahrlich Christi leib und sein blut, doch nicht etwa leiblich, sondern geistig.

Alfric Bata. Als nachfolger Alfric’s ist Alfric Bata oder Putta, erzbischof von York, zu nennen. Er ist der verfasser von zwei hirtenbriefen, welche zuerst in lateinischer sprache geschrieben waren, aber auf den wunsch Wulfstan’s, welcher bis 1023 erzbischof von York war, in das Angelsächsische übersetzt wurden, damit ihr nutzen ein allgemeiner würde. Ein zuerst von Alfric Grammaticus verfasstes colloquium, so wie wahrscheinlich auch dessen grammatik und glossarium, wurde von Alfric Bata von neuem herausgegeben. Der tod Alfric’s erfolgte im jahre 1051.101

Aus dem zweiten Hirtenbriefe Alfric’s.
102 Crist sylf ge-halgode husel ær his þrowunge; he bletsode þone hlaf and to-bræc, þus cweþende to his halgum apostulum, „etaþ þisne hlaf, hit is min lichama;“ and he eft bletsode ænne calic mid wine, and cwæþ heom þus to „Drincaþ ealle of þisum, hit is min agen blod þære niwan ge-cyþnysse, þe biþ for manegum agoten, on synna for-gyfenysse.“ Christ selbst heiligte das abendmahl vor seinem leiden; er segnete den leib und brach ihn, also zu seinen heiligen aposteln sprechend: „esset dieses brod, es ist mein leib;“ und darauf segnete er einen kelch mit wein und sprach also zu ihnen: „trinket alle von diesem, es ist mein eigenes blut des neuen zeugnisses, welches für viele vergossen wird zur sündenvergebung.“
Se Drihten þe halgode husel ær his þowunge, and cwæþ þæt se hlaf wære his agen lichama, and þæt win wære witodlice his blod, se halgaþ dæghwamlice þurh his sa cerda handa blaf to his lichaman and win to his blod on gastlicere ge-ryne, swa swa we rædað on bocum. Der herr, welcher das abendmahl vor seinem leiden heiligte und sprach, dass das brod wäre sein eigener leib, und der wein wirklich sein blut wäre, weiht täglich durch seines priesters hand brod zu seinem leib und wein zu seinem blut im geistigen geheimniss, wie wir in büchern lesen.
Ne biþ se liflica hlaf lichamlice swa þeah se ylca lichama þe Crist on þrowode, ne þæt halige win nis þæs Hælendes blod þe for us agoten wæs on lichamlican þinge; ac on gastlicum andgyte ægþer biþ soþlice, se hlaf his lichama, and þæt win eac his blod, swa swa se heafonlica hlaf wæs þe we hataþ manna. Das lebendige brod ist indessen doch nicht derselbe körper, an dem Christus litt, noch ist der heilige wein des heilandes blut, das für uns vergossen ward in leiblicher weise, aber in geistigem sinne ist ein jedes wahrlich, das brod sein leib,und der wein auch sein blut, wie es das himmlische brod war, das wir manna heissen.
Aus dem Colloquium.
Þu cnapa liwæt dydest to dæg
Magister. Tu, puer, quid fecisti hodie?
Manega þing ic dyde on þisse niht þa þa cnyll
Discipulus. Multas res feci. Hac nocte, quando signum
ic ge-hyrde ic arás of mínon bedde and eode to cyrcean
audivi, surrexi de lectulo, et exivi ad ecclesiam,
and sang uht-sang mid ge-broþrum
et cantavi nocturnam cum fratribus;
æfter þa we sungon be eallum halgum and dægredlice lóf-sangas
deinde cantavimus de omnibus sanctis, et matutinales laudes;
æfter þysum prím and seofon seolmas mid letanian and
post hæc, primam, et septem psalmos, cum letaniis, et
capitol mæssan syþþan undern-tide and dydon mæssan be dæge
primam missam; deinde tertiam, et fecimus missam de die;
æfter þisum we sungon middæg and æton and druncon
post hæc cantavimus sextam, et manducavimus, et bibimus,
and slepon and eft we arison and sungon nón
et dormivimus, et iterum surreximus, et cantavimus nonam,
and nu we synd her æt-foran þe gearuwe ge-hyran hwet þu us secge
et modo sumus hic coram te, parati audire quid nobis dixeris.
Hwænne wylle ge singan æfen oþþe niht-sange
M. Quando vultis cantare vesperum, aut completorium?
Þonne hyt tima byþ
D. Quando tempus erit.
Wære þu to dæg beswuncgen
M. Fuisti hodie verberatus?
Ic næs for-þam wærlice ic me heold
D. Non fui, quia caute me tenui.
And hw þine ge-feran
M. Et quomodo tui socii?
Hwæt me ahsast be þam Ic ne deor yppan þe
D. Quid me interrogas de hoc? Non audeo pandere tibi
digla úre Anra ge-hwylc wát gif he beswuncgen wæs oþþe na
secreta nostra. Unusquisque scit si flagellatus erat aut non.

Cynewulf. Wright (Biog. Brit. liter. A. S. Period. Seite 501 ff.) erwähnt einen angelsächsischen dichter Cynewulf, von welchem aus der vercellihandschrift und aus der exeterhandschrift drei religiöse gedichte, welche diesen namen in runen eingefügt enthalten, beigegeben sind. Ob dieser Cynewulf aber derselbe sei, den lateinische schriftsteller Kenulfus nennen, und welcher abt von Peterborough um das jahr 992 war und später im jahre 1006 bischof von Winchester wurde, ist unsicher und zweifelhaft. Der tod des letzteren erfolgte im jahre 1008.

Wulfstan. Endlich verdient noch Wulfstan, erzbischof von York und bischof von Worcester von 1003 bis 1023, in welchem jahre er starb, erwähnt zu werden. Er war der freund beider Alfric’s, von denen der jüngere für ihn die beiden hirtenbriefe in das Angelsächsische übersetzte. Wulfstan selbst schrieb einen hirtenbrief an das volk seiner kirchenprovinz, welcher erhalten und auf uns gekommen ist. Ausserdem schrieb er eine anzahl angelsächsischer predigten, welche unter dem namen des Lupus Episcopus bekannt sind. Die merkwürdigste dieser homilien ist im jahre 1012, vier jahre vor dem tode Athelred’s verfasst und trägt im manuscript die überschrift: Sermo Lupi ad Anglos, quando Dani maxime persecuti sunt eos.103

Aus der angeführten Predigt.
For-ðam hit is on us eallum swutol and ge-sene, þæt we ær ðysan oftor bræcon þonne we betton, and ðy is ðysse ðeode fela onsæge: Ne dohte hit nu lange inne ne ute: ac wæs here and hunger, bryne, and blodgyte on ge-wel hwylcum ende oft and ge-lome; Deshalb ist es uns allen deutlich und offenbar, dass wir vor diesem öfterer sündigten als wir uns besserten, und daher kommt das viele leid dieses volkes. Es taugte nun lange weder innen noch aussen, sondern es war hier hunger, brennen und blutvergiessen an jedem ende oft und unaufhörlich,
and us stalu and cwalu, stric and steorfa, orf-cwealm and uncoðu, hol and hete and rypera reaflac derede swyðe ðearle, and us ungylda swyðe ge-drehton, and us unwedera foroft weoldan unwæstma. und diebstahl und qual, pest und sterben, viehseuche und krankheit, verleumdung und hass und diebes überfälle belästigten uns übergewaltig, und ungerechte auflagen drückten uns sehr, und unwetter bereiteten sehr oft unfruchtbarkeit.
For-ðam on ðysum earde wæs, swa hit ðincan mæg, nu fæla geara unrihta fela, and tealte ge-trywð æghwær mid mannum. Deshalb waren in diesem lande, wie man es sich denken kann, nun viele jahre viele ungerechtigkeiten. und die treue wankt überall bei den menschen.

Predigten machen einen hauptbestandtheil der angelsächsischen literatur aus, wovon die grosse anzahl handschriften mit homilien, welche Wanley in seinem cataloge verzeichnet hat, den besten beweis liefert. Gedruckt ist das wenigste davon.

Apollonius von Tyrus. Die übersetzung der geschichte des Apollonius von Tyrus104 von einem unbekannten Verfasser ist das einzige angelsächsische werk der romantischen prosa, welches sich im ganzen mittelalter beliebt erhielt und zuletzt in dem Shakespeare zugeschriebenen Play of Pericles eine dramatische verwandlung erfuhr.

Astronomie. Einen schatz wissenschaftlicher werke besitzt die angelsächsische literatur nicht, da die lateinische sprache die wissenschaft im engeren sinne beherrschte. Indessen verdienen doch zwei bücher, ein populär-astronomisches und ein medicinisches, beide in angelsächsischer spräche vorhanden, erwähnt zu werden. Beide mögen aus dem zehnten jahrhundert herrühren. Das erstere ist in mehreren exemplaren auf uns gekommen, woraus auf dessen verbreitung geschlossen werden kann.105 Es beschreibt und erklärt die himmelserscheinungen in einfacher sprache, von welcher folgendes eine probe ist:

Ms. Cotton. Titus D. XXVII. (Mitgetheilt in Wright’s Introductory Essay. Seite 86 ff.)
Ure eorðlice niht soðlice cymð þurh þære eorðan sceade, þonne seo sunne gæð on æfnunge under þissere eorðan; þonne bið þære eorðan bradnys betwux us and þæra sunnan, þæt we hyre leoman lihtinge nabbað oððæt heo eft on oðerne ende upastihð. Unsere irdische nacht kommt in wahrheit von der erde schatten, wenn die sonne des abends unter diese erde geht; dann ist der erde breite zwischen uns und der sonne, so dass wir ihre lichtstrahlen nicht haben, bis sie wieder am anderen ende aufsteht.
Seo eorðe stent on gelicnesse anre pinn-hnyte, and seo sunne glit onbuton be Godes gesetnysse, and on þone ende þe heo scinð is dæg þurh hyre lihtinge, and se ende þe heo forlæt bið mid þeostrum oferþeaht, oððæt heo eft þyder geneahlæce. Die erde gleicht einer fichtennuss, und die sonne gleitet herum nach Gottes gesetz, und an dem ende, wo sie scheint, ist tag durch ihr licht, und das ende, welches sie verlässt, ist mit düsterheit bedeckt, bis sie sich wieder dahin nähert.
Middan-geard is gehaten eall þæt binnan þam firmamentum is. Firmamentum is þeos roderlice heofen, mid manegum steorrum amet; seo heofen, and sæ, and eorðe, synd gehatene middan-geard. Middan-geard heisst alles, das binnen dem firmamente ist. Firmament ist der ätherische himmel, mit vielen sternen geziert; der himmel, und die see und die erde werden middan-geard geheissen.
Seo firmamentum tyrnð symle onbutan us under þissere eorðan and bufon, ac þær is ungerim fæc betwux hire and þære eorðan; feower and twentig tida beoð agane, þæt is an dæg and an niht, ær þam þe heo beo æne ymb-tyrnd, and ealle þa steorran þe hyre on fæste synd, turniað onbutan mid hyre. Das firmament dreht sich beständig um uns, unter dieser erde und darüber, aber es giebt einen unermesslichen raum zwischen ihm und der erde; vier und zwanzig stunden sind vorüber, das ist ein tag und eine nacht, ehe es sich einmal umdreht, und alle die sterne, die ihm angeheftet sind, drehen sich herum mit ihr.
Seo other stent on æle-middan, þurh Godes mihte swa gefæstnod, þæt heo næfre ne byhð ufor ne neoðor, þonne se ælmihtiga scyppend þe ealle þing hylt buton geswince hi gestaðelode. Die andere steht in der mitte, durch Gottes macht so befestigt, dass sie niemals höher oder niedriger ist, als der allmächtige schöpfer, welcher alle dinge ohne mühe hält, sie stellte.
Aelc sæ, þeah þe heo deop sy, hæfð grund on þære eorðan, and seo eorðe abyrð ealle sæ, and þone garsecg, and ealle wyll-springas and ean þurh hyre yrnað; swa swa æddran licgað on þæs mannes lichaman, swa licgað þa wæter-æddran geond þas eorðn; næfð naðor ne sæ ne ea nænne stede buton on eorðan. Jede see, so tief sie auch sei, hat grund auf dieser erde, und die erde trägt alle seen, und das weltmeer und alle quellen und ströme laufen durch sie; so wie die adern liegen auf des menschen leichnam, so liegen die wasseradern durch die erde; und es hat weder eine see noch irgend ein fluss eine stätte, ausser auf der erde.

Medicin. Das oben erwähnte medicinische buch findet sich in der königlichen bibliothek des brittischen museums in einer prachtvollen handschrift, welche wahrscheinlich einmal das eigenthum eines angesehenen arztes war. Das werk handelt in zwei theilen von der behandlung äusserer und innerer übel und den mitteln zu ihrer heilung. Wunden, augenübel, schlangenbisse, vergiftungen müssen in jener zeit, aus welcher die handschrift herrührt, besonders häufig gewesen sein, da viele mittel dagegen angegeben werden. Die heilmittel wurden gewöhnlich aus dem pflanzenreiche entlehnt. Folgendes sind proben dieser recepte.

Ms. Reg. 12. D. XVII. (Mitgetheilt in Wright’s Introductory Essay, seite 98 ff.)
Wið þon ilcan: genim fætful grenre rudan leafa, and senepes sædes cucler fulne, gegnid to-gædere, do æges þæt hwite to cucler fulne, þæt sio sealf sie þicce, smire mid feþere on þa healfe þe sar ne sie. Bei demselben (übel: kopfschmerz): nimm ein gefäss voll grüner rautenblätter und senfsamens einen löffel voll, reibe (es) zusammen, thue von einem eie das weisse dazu, einen löffel voll, dass die salbe dick sei, schmiere (sie) mit einer feder an die seite, welche nicht schmerzt.
Wið poccum: swiðe sceal mon blod lætan, and drincan amylte buteran bollan fulne; gif hie utslean, ælcne man sceall aweg adelfan mid þorne, and þonne win oððe alor106-drenc drype on inan, þonne ne beoð by gesyne. Bei pocken soll der mensch viel blut lassen und geschmolzener butter einen napf voll trinken; wenn sie ausschlagen, soll selbiger mann (sie) mit einem dorne weggraben, und dann wein oder erlen-trank hinein tropfen, dann werden sie nicht gesehen werden.
To wunde clæsnunge: genim clæne hunig, gewyrme to fyre, gedo þonne on elæne fæt, do sealt to, and hrere oð þæt hit hæbbe briwes þicnesse, smire þa wunde mid, þonne fullað hio. Zur wundenreinigung nimm reinen honig, wärme (ihn) am feuer, dann thue (ihn) in ein reines gefäss, thue salz dazu, und rühre bis dass es die dicke eines breies habe, schmiere die wunde damit, dann reinigt (es) sie.

Die Sachsenchronik. Den schluss der angelsächsischen, und zugleich den übergang zu der nächstfolgenden sogenannten halbsächsischen (Semi-Saxon), oder normännischen periode der englischen literatur bildet die Sachsen-chronik.107 Die gewöhnliche annahme ist, dass der aufang von diesem, nächst Beda’s kirchengeschichte, wichtigsten quellenwerke der angelsächsischen geschichte zur zeit des königs Alfred gemacht worden sei, als der geschmack an historischen gegenständen durch Alfred’s eigene arbeiten geweckt und verbreitet wurde. Man will dieses auch aus dem umstande schliessen, dass die älteste handschrift, das „Benet Ms.,“ nicht nur bis zur geschichte des Jahres 891 von einer und derselben hand geschrieben ist, sondern auch bruchstücke aus Beda’s kirchengeschichte nach Alfred’s übersetzung enthält, wozu der umstand tritt, dass das werk bis über die mitte des neunten jahrhunderts hinaus unverkennbare spuren einer späteren abfassung zeigt. Erst mit Alfred’s regierung fangen die eigentlichen annalen an, welche bis zu 925, dem todesjahre Eduard’s, fortgesetzt sind. Mit diesem jahre werden die aufzeichnungen kürzer und abgebrochener, bis sie mit dem jahre 1001 in dürftige notizen übergehen, welche bis zum jahre 1070 fortgesetzt werden. Zum schluss der handschrift folgt eine lateinische lebensbeschreibung Lanfranc’s. Andere handschriften führen den abgebrochenen faden der geschichte weiter bis zum tode Stephan’s, welcher im jahre 1154 erfolgte. Gegen das ende des ganzen werkes, wie es uns in einer einzigen zusammenstellung der verschiedenen handschriften vorliegt, finden sich schon viele vernachlässigungen der grammatik, so wie auf den letzten seiten sogar französische Wörter. Peterborough, wo die letzten aufzeichnungen der in der angelsächsischen chronik zusammengestellten handschriften erfolgt sein mögen, blieb auch nach der eroberung England’s durch die Normannen ein sächsisches kloster, in welchem die sprache des unterliegenden volkes eine letzte zufluchtsstätte fand. An mehreren stellen athmet das werk den unwillen der besiegten über den übermuth der normannischen sieger.

Als Verfasser des ältesten theiles der sachsenchronik, welcher aus mündlichen überlieferungen und älteren chroniken, besonders aber beinahe wörtlich aus Beda’s kirchengeschichte und dessen Chronicon sive liber de sex ætatibus mundi geschöpft ist, wird nach blossen vermuthungen Plegmund angegeben, welcher ein freund Alfred’s war und gerade um jene zeit erzbischof von Canterbury (von 890 bis 923) wurde, wo die älteste handschrift des ältesten manuscriptes schliesst. Erzbischof Plegmund ist zwar bereits in alten zeiten als angelsächsischer schriftsteller aufgeführt worden, allein ohne dass man ihm bis jetzt irgend ein werk mit einiger sicherheit zuschreiben könnte. Die übrigen alten handschriften, welche zur zusammenstellung des gegenwärtig unter dem namen der angelsächsischen chronik bekannten buches gedient haben, enthalten, mehr oder minder durch interpolationen und aus früher nicht benützten quellen geschöpfte zusätze erweitert, dieselbe älteste, wahrscheinlich aus Alfred’s zeit stammende recension und verfolgen dann ihren eigenen weg, indem in ihnen selbstständige aufzeichnungen von begebenheiten niedergelegt sind. Eine sorgfältige kritische sichtung und würdigung der einzelnen haudschriften ist noch nicht erfolgt, da es den englischen herausgebern weniger darauf, als auf eine möglichst vollständige zusammenstellung des historischen stoffes angekommen ist.

Alter der angelsächsischen Sprache. Wie alt eigentlich die in den angelsächsischen handschriften erhaltene sprache nach ihrem inneren und äusseren wesen, nach ihrer bildung, rechtschreibung, mithin auch nach ihrer aussprache sei, lässt sich nicht mehr mit sicherheit bestimmen. Das gemeinsame loos beinahe aller schriftlichen werke des mittelalters war es, modernisirt und verändert zu werden, wenn sie von einer person abgeschrieben und vervielfältigt wurden, welche die sprache redete, in der sie abgefasst waren. Nur die unwissenheit des abschreibers sicherte vor absichtlichen änderungen; die unvermeidlichen und unfreiwilligen fehler eines solchen abschreibers108 können von der kritik viel leichter erkannt und verbessert werden, als die eigenwilligen verbesserungen eines der sprache kundigen schreibers, welcher gewöhnlich nur für den sinn, nicht für die worte und deren construction, noch viel weniger aber für die orthographie des autors sorge trug, und die sprache und schreibart eines manuscripts in die sprache und rechtschreibung seiner zeit und seines ortes verwandelte. Auf diese weise drängt sich die frage nach der sprache eines autors gewöhnlich in die frage nach der zeit und dem orte zusammen, wann und wo das manuscript entstanden sei, wie sich dieses mit bezug auf das Angelsächsische aus parallelstellen unzweifelhaft herausstellt (Bosworth’s A. S. Diction. vorrede LVII). Das älteste angelsächsische manuscript109 wird von Wanley aus inneren gründen auf das jahr 737 zurückgeführt, wahrscheinlich aber ist es kurz vor Alfred’s zeit entstanden. Caedmon’s Sprache. Dasselbe enthält einige dem Caedmon als dessen erstlinge zugeschriebene verse, welche von Beda (IV, cap. 24) in das Lateinische übersetzt werden. Dieselben verse befinden sich in Alfred’s angelsächsischer übersetzung des Beda, jedoch in modernisirter sprache, wie sie der herausgeber Caedmon’s Thorpe (Pref. Caedm. XXII) in einer zu Oxford aufbewahrten, dem zehnten jahrhundert angehörenden handschrift fand.

Cod. Ms. Epis. Norwic.
Wanley, p. 287.
Cod. Ms. C. C. C. Oxon.
Thorpe, Pref.
Wörtliche deutsche Uebersetzung
Nu scylun hergan
hefæn ricæs uard
metudæs mæcti
end his mod gidanc
uerc[a] uuldur fadur
sue he uundra gihuæs
eci drictin1)
or astelidæ.
Nu we sceolan herian.3)
heofon-ríces weard.
metodes mihte.
and his mod-geþonc.4)
wera5) wuldor fæder.
swa he wundra gehwæs.
ece dryhten.6)
oord7) onstealde.8)
Nun sollen wir ehren (des) himmelreiches wart, (des) schöpfers macht und seines gemüthes gedanken, (der) menschen herrlicher vater! wie er, jeglicher wunder ewiger herr, den anfang aufstellte.
He ærist scop
elda[b] barnum
heben til hrofe
haleg scepen
þa middun geard
mon cynnæs uard
eci dryctin
æfter tiadæ
firum foldu2)
frea allmectig.
He ærest gescéop.9)
eorðan bearnum.
heofon to hrófe.10)
halig scyppend.
þa middan geard.
mon cynnes weard.
ece dryhten.11)
æfter teode.
firum foldan.
frea ælmihtig.
Er zuerst schuf (die) erde (den) menschen, (den) himmel zum dach, heiliger schöpfer! dann (den) erdkreis, (des) menschengeschlechtes wart, (der) ewige herr, nachher (hervor) zog (den) führern (das) Feld, herr allmächtiger!

Hierzu finden sich noch nach Bosworth’s A. S. Dictionary p. LVII, wo beide stücke110 mitgetheilt werden, folgende verschiedene lesarten: 1) dryctin. 2) foldum. 3) herigean. 4) geþanc. 5) fehlt. 6) drihten. 7) ord. 8) astealde. 9) gescop. 10) rofe. 11) drihtne. Ausserdem ist a) uerc entweder ein druckfehler, oder ein versehen des herausgebers für uere, was bei der ähnlichkeit der buchstaben c und e leicht geschehen konnte. Wäre die lesart uerc, oder weorc wie Sharon Turner in seiner History of the A. S. (vol. III. Book IX. chap. 1) liest, die richtige, dann würde „herrlicher werke vater“ zu übersetzen sein. Ebenso scheint anstatt b) elda die richtige lesart erda zu sein. Ein anderes beispiel noch weit bedeutender abweichungen ist Caedmon’s paraphrase des gesanges der drei männer im feurigen ofen, welche ausser im oxforder manuscript, auch noch in der exeterhandschrift (Codex Exoniensis, seite 185-197), in letzterer aber nicht bloss mit verschiedenen lesarten, sondern gegen das ende in wesentlichen erweiterungen und einer ganz anderen form erhalten ist. Vergleiche Bouterwek’s Caedmon, I. seite 143 ff., wo eine genaue vergleichung der beiden handschriftlichen redactionen dieses dem Caedmon beigelegten gesanges angestellt ist. Welches nun die wirkliche Sprache Caedmon’s, der um 680 starb, gewesen sei, lässt sich durch nichts bestimmen.

Dem zehnten jahrhundert verdanken wir die ältesten und besten der erhaltenen handsehriften in angelsächsischer sprache, weshalb der schluss wohl kein falscher sein dürfte, dass diejenige sprache, welche wir reines Angelsächsisch nennen, die sprache der gebildeten Westsachsen von dem jahre 900 bis 1000 war und sich vielleicht ein jahrhundert hindurch unverfälscht und wenig verändert erhalten hat.

Verschiedene Dialekte. Ausserdem muss bemerkt werden, dass die verschiedenen stämme der Sachsen und Angeln fortwährend ihre dialektverschiedenheit in sprache und schreibart bewahrten, welche so tief gewurzelt ist, dass sie sich bis auf den heutigen tag in den provinziellen sprachsonderungen des englischen volkes verfolgen lässt. Die sprache des von den Angeln besetzten nördlichen theiles von England pflegte man früher den sächsisch-dänischen dialekt zu nennen, zumal hier die Dänen die hauptsitze ihrer langjährigen eroberung hatten. Besser und richtiger ist es aber wohl, ihn den nordanglischen, oder geradezu den anglischen im gegensatze des angelsächsischen (der eigentlich nie existirt hat), westsächsischen, oder sächsischen dialektes zu nennen, zumal die sprache der Dänen und Nordangeln damals noch sehr wenig verschieden sein mochte. Die bewohner von Yorkshire, Northumberland und der schottischen Niederlande unterscheiden sich durch ihre härtere und rauhere sprache noch heut von den Südengländern.

Verlust von Handschriften. Während der beständigen einfälle der Dänen gingen viele angelsächsiche bücher verloren, indem im neunten und zehnten Jahrhundert mehrere klöster mit ihren bücherschätzen von ihnen verbrannt wurden. Nach der normännischen eroberung wurden die besiegten und damit auch ihre sprache und bücher von den siegern verachtet, so dass sie nur noch in denjenigen klöstern und geistlichen stiften, welche in den händen der Sachsen verblieben, gelesen, in den andern aber von staub und feuchtigkeit verzehrt wurden. Im anfange des dreizehnten jahrhunderts war die volkssprache durch das eindringen des französischen idioms bereits so verdorben, dass die angelsächsischen bücher selbst von den nachkommen der alten Sachsen nicht mehr leicht verstanden werden konnten. Von nun ab wurden die angelsächsischen manuscripte nicht bloss vernachlässigt, sondern oft als unnütz beseitigt, oder anderweitig um ihres materiales willen verbraucht. So finden sich in einem im jahre 1248 angefertigten cataloge der in der bibliothek zu Glastonbury aufbewahrten bücher folgende worte:

Item, duo Anglica, vetusta et inutilia.
Item, Sermones Anglici, vetusti, inutiles.
Passionale Sanctorum Anglice scriptum, vetustum, inutile.

Wenn die mönche pergament brauchten, so pflegten sie wohl jene alten und unnützen angelsächsischen handschriften zu nehmen, die für sie unleserlichen, oder unverständlichen worte abzukratzen und ein für sie wichtigeres, neues werk auf das pergament zu schreiben. Eines dieser palimpseste befindet sich in der bibliothek des Jesus-College zu Cambridge, auf welchem eine prächtige handschrift der homilien Alfric’s lateinischen dekretalen hat platz machen müssen. Hier und da, vorzüglich am rande, sind die ursprünglichen angelsächsischen worte noch zu erkennen. Zuweilen brauchten die mönche auch einbände für ihre mess- und chorbücher; dann nahmen sie einige blätter jener alten, unnützen pergamente und klebten sie zusammen. So fand Sir Thomas Phillipps stücke einer angelsächsischen handschrift in den deckeln eines in der kathedrale zu Worcester aufbewahrten buches.111 Auf diese und ähnliche weise mögen viele angelsächsische handschriften vernichtet worden sein. Zuweilen sind nur dadurch werthvolle angelsächsische manuscripte erhalten worden, dass sie sich zufällig in demselben bande mit lateinischen werken befanden, welche der aufbewahrung würdig erachtet wurden. Vielleicht lasen auch noch einzelne mönche die angelsächsischen handschriften, soweit sie dieselben etwa mit Alfric’s grammatik und glossarium bemeistern konnten. Der letzte und grösste verlust angelsächsischer schriften erfolgte zur zeit der reformation, als bei der aufhebung der englischen klöster die handschriftlichen bibliotheken derselben nach allen richtungen zerstreut wurden. Die trümmer derselben sind noch in und an alten englischen büchereinbänden wahrzunehmen; denn obgleich die reformatoren gerade die kirchlichen schriften der Angelsachsen begierig aufsuchten, so sind doch viele andere angelsächsische manuscripte im sechszehnten Jahrhundert zu büchereinbänden benützt worden.

M. Parker. R. Cotton. Die beiden hauptsammler angelsächsischer handschriften im sechszehnten jahrhundert waren Matthew Parker, erzbischof von Canterbury, und Sir Robert Cotton. Durch seine hohe geistliche stellung wurde es dem erzbischofe Parker leicht, die in den klöstern und kirchen gefundenen alten handschriften seiner eigenen sammlung einzuverleiben. Eben so glücklich war Cotton bei der sammlung der in den klöstern an angelsächsischen handschriften gemachten beute, welche in die hände der antiquare oder einzelner privatpersonen übergegangen war. Matthew Parker’s bibliothek wird jetzt im Corpus Christi College zu Cambridge, die bibliothek Robert Cotton’s im brittischen museum zu London aufbewahrt. Ausserdem befindet sich eine anzahl handschriftlicher schätze in angelsächsischer sprache in der berühmten Bodleyana zu Oxford, in der Universitätsbibliothek zu Cambridge, in den büchersammlungen einiger Colleges zu Oxford und Cambridge und einigen privatbibliotheken England’s; auf dem festlande existiren einzelne angelsächsische handschriften in Brüssel, Paris und Vercelli.

Erst zur zeit der englischen reformation wurde die öffentliche aufmerksamkeit auf die im staube der bibliotheken ruhenden, oder von curiositätensammlern aufbewahrten angelsächsischen handschriften gelenkt, weil in ihnen waffen zur bekämpfung der römischen lehren gesucht und gefunden wurden, denn die alten angelsächsischen theologen predigten gegen dieselben als damals neu entstehende irrthümer. Auch hatten die Angelsachsen die heilige schrift theilweise in die landessprache übersetzt, was die reformatoren begierig benützten und nachahmten.

J. Foxe. W. L’Isle. Der berühmte John Foxe druckte im jahre 1571 die angelsächsischen evangelien mit einer englischen übersetzung, nachdem er bereits früher einige auszüge aus Alfric und dessen ganze homilie gegen die Transsubstantiation herausgegeben hatte. Im jahre 1623 druckte William L’Isle Alfric’s angelsächsische abhandlung über das alte und neue testament und dessen „Sermon of the Paschall Lambe,“ welche schrift für so wichtig erachtet wurde, dass fünfzehn englische bischöfe und erzbischöfe deren ächtheit mit ihrer unterschrift beglaubigt hatten.112 Darunter befand sich auch die des erzbischofs Parker, des grossen beschützers angelsächsischer literatur. In der vorrede zu der ersten dieser abhandlungen beklagt sich L’Isle bitter über die vernachlässigung, mit welcher die angelsächsischen schriften behandelt worden seien; „having,“ sagt er, „in our libraries so goodly monuments of reverend antiquitie, divine handwritings, in so faire and large character that a man running may read them: we do not make them known to the world, but let them lie still like a treasure hid to no use, and even till they be almost forgotten of ourselves.“

Hickes. Wheloc. Junius. Spelman. Wanley. Somner. Gibson. L’Isle’s bericht von dem umwege, auf welchem er seine kenntniss des Angelsächsischen erlangt hatte, zeigt uns deutlich, wie wenig bis zu seiner zeit geschehen war, um das Angelsächsische der vergessenheit zu entreissen. Er erzählt uns, dass er sich zuerst etwas mit dem Hoch- und Niederdeutschen bekannt machte. Dann las er zu seiner erholung alles Altenglische, dessen er habhaft werden konnte, und bemerkte, dass er dem Angelsächsischen um so näher kam, je älter das Englische war, aber er fand auch, dass das Angelsächsische je älter, desto grössere schwierigkeiten bot. Nach einiger zeit las er die übersetzung Virgil’s von Gawin Douglas und setzte sich so allmälig in den stand, die alten denkmäler der angelsächsischen sprache zu lesen und zu verstehen. Man sieht aus L’Isle’s geständnissen, mit welchen mühseligkeiten im anfange des siebzehnten jahrhunderts derjenige zu kämpfen hatte, welcher die verborgenen schätze der angelsächsischen literatur heben wollte. Doch war der anstoss einmal gegeben, und dasselbe jahrhundert wurde noch fruchtbar für die angelsächsische sprache. Hickes’s Thesaurus (3 vols. fol. Oxon. 1705) und Institutiones Gram. A. S. (4 Oxon. 1689) werden stets denkmäler des fleisses und der gelehrsamkeit ihres autors bleiben, so viele fehler diese werke auch enthalten; Wheloc veranstaltete eine ausgabe von Alfred’s übersetzung des Beda (fol. Cantab. 1644) und der angelsächsischen gesetze (fol. Camb. 1644), welche 1568 zu London von Lambard zum ersten male veröffentlicht worden waren; Junius gab den Caedmon zum ersten male heraus; Spelman veröffentlichte die angelsächsischen kirchengesetze; Wanley bearbeitete einen catalog der damals bekannten angelsächsischen handschriften (catalogus librorum septentrionalium); Somner machte den ersten versuch eines angelsächsischen wörterbuchs; Gibson liess die angelsächsische chronik drucken.

Wilkins. Barrington. Manning. Rask. Grimm. Während des achtzehnten jahrhunderts kam das studium des Angelsächsischen etwas in verfall, obwohl Miss Elstob in den ersten jahren desselben die angelsächsische homilienliteratur pflegte und förderte, auch eine grammatik schrieb, und Wilkins eine neue und vermehrte auflage (fol. Lond. 1721) der angelsächsischen gesetze veranstaltete, auch die alfred’schen schriften in Barrington und Manning gegen ende dieses jahrhunderts bearbeiter fanden. Im neunzehnten jahrhundert wurde die sprache der Angelsachsen auf dem wege der comparativen grammatik und der geschichtlichen sprachforschung von dem Dänen Rask und dem deutschen sprachgelehrten Jacob Grimm untersucht und damit der grund zu weiterer wissenschaftlicher bearbeitung des Angelsächsischen gelegt, auf dem seit den letzten zwanzig jahren englische und deutsche gelehrte eifrig und erfolgreich weiter gebaut haben. Rask verglich in seiner grammatik das Angelsächsische mit dem Isländischen, welches freilich nicht gerade der am nächsten verwandte dialekt ist, weshalb manche irrthümer unvermeidlich waren. Englische und deutsche Bearbeiter. Trotzdem brach dieses buch dem Studium des Angelsächsischen in England eine neue bahn. Mehr noch als Rask’s grammatik bewirkte das lehrgebäude der germanischen sprachen von J. Grimm, welcher eine vergleichung sämmtlicher deutschen dialekte mit philologischer schärfe und philosophischem sinne durchführte. Erst diesem buche ist die verhältnissmässig grössere sicherheit und gründlichkeit des urtheiles über den organismus der angelsächsischen sprache zu verdanken, welche man bei den neuesten deutschen und englischen bearbeitern des angelsächsischen sprachschatzes vorfindet, wie selbst letztere mit anerkennungswerther offenheit eingestehen. Die auf Rask’s und Grimm’s arbeiten bauenden sprachforscher in England nennen sich daher mit recht die „new school“ angelsächsischer philologen. Die anwendung der comparativen grammatik ist bei der angelsächsischen spräche um so nothwendiger, als die aus verschiedenen zeiten herrührenden handschriften mit ihrer verschiedenen rechtschreibung113 und behandlung der sprache durchaus keinen sichern halt gewähren. Um nur einen fall anzuführen, sind die accente, welche offenbar die langen vokale bezeichnen sollen, in den handschriften theils weggelassen, theils bei einem und demselben worte verschieden gesetzt, so dass in dieser beziehung die handschriften oft irre leiten, während die vergleichung der verwandten sprachen gewöhnlich zu begründeten resultaten führt. Im übrigen muss bemerkt werden, dass die angelsächsischen philologen England’s, denen eine grosse anzahl handschriften zu gebote stehen, ihren hauptfleiss auf die förderung des sprachschatzes verwenden und in der neuesten zeit die in England aufbewahrten manuscripte mit grösserer genauigkeit als in früherer zeit benützen, während deutsche philologen das von den Engländern zu tage geförderte erz kritisch sichten und einzelnes zu reinem metall verarbeitet haben. Wenn indessen die englischen ausgaben angelsächsischer werke im besten falle das zu grunde gelegte manuscript getreulich wiedergeben, weshalb bei der sehr verschiedenen orthographie und grammatik der einzelnen handschriften beinahe jedes in England aufgelegte angelsächsische buch von den andern in diesen beiden principien jeder sprache abweicht, haben dagegen die Deutschen, auf Grimm’schen grundsätzen fussend, eine angelsächsische sprache in ihren ausgaben geschaffen, wie sie in keinem manuscripte zu finden ist.

Thorpe. Kemble. Ingram. Wright. Halliwell. Das wiederaufleben des studiums der angelsächsischen sprache machte zu derselben zeit auch den mangel gedruckter bücher fühlbar, da es nur wenigen vergönnt sein konnte, die reichen, aber in bibliotheken zerstreuten handschriften selbst einzusehen, noch viel weniger aber, sie zu benützen. Die Society of Antiquaries beschloss daher zu anfang des jahres 1831, um diesem mangel abzuhelfen, die veröffentlichung der überreste der angelsächsischen und ältesten englischen literatur, welche nur handschriftlich vorhanden, oder unvollständig herausgegeben, oder äusserst selten geworden waren. Bereits im folgenden jahre erschien eine vorzügliche ausgabe Caedmon’s mit einer wörtlichen englischen übersetzung von Benjamin Thorpe, der sich schon durch seine übersetzung von Rask’s angelsächsischer grammatik vortheilhaft bekannt gemacht hatte. Von demselben sprachforscher erschien im jahre 1842 eine gute ausgabe der unter dem namen Codex Exoniensis bekannten exeterhandschrift mit einer übersetzung, nachdem er kurz vorher die angelsächsische evangelienübersetzung (Ða halgan godspel, on Englisc), nach den handschriften revidirt, herausgegeben hatte. Der lang vernachlässigte Beowulf wurde von Kemble bearbeitet und der zweiten auflage desselben ein zweiter band mit einem guten glossarium, einer wörtlichen übersetzung des gedichtes und einigen anmerkungen beigegeben. Bald nach der ersten auflage Beowulf’s erschienen Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica, eine sammlung bisher ungenau, oder noch nicht herausgegebener prosaischer und poetischer stücke angelsächsischer literatur mit einem vollständigen glossarium; demselben gelehrten verdanken wir auch eine ausgabe der angelsächsischen übersetzung des Apollonius von Tyrus aus einem in Cambridge aufbewahrten manuscripte, welcher eine englische übersetzung und ein glossarium beigefügt sind. Im jahre 1823 erschien eine neue ausgabe der angelsächsischen chronik mit einer englischen übersetzung und kritischen und erklärenden anmerkungen von J. Ingram. In neuerer zeit hat sich auf dem gebiete der angelsächsischen literatur Thomas Wright besonders ausgezeichnet. Seine Essays on subjects connected with the literature, popular superstitions and history of England in the middle ages erschienen 1846, die Biographia Britannica literaria (Anglo-Saxon-Period) 1842, welchem werke eine auch besonders erschienene abhandlung, Introductory Essay on the state of Literature and learning under the Anglo-Saxons, vorangeht. Die Reliquiæ Antiquæ oder Scraps from ancient Manuscripts, welche ebenfalls einiges interessante aus der angelsächsischen literatur enthalten, sind von Wright in gemeinschaft mit J. O. Halliwell herausgegeben worden. Grammatiken. Lesebücher. Bosworth’s Wörterbuch. Das studium des Angelsächsischen ist auch durch herausgabe mehrerer hilfsbücher erleichtert worden. Ausser der Übersetzung von Rask’s grammatik erschienen: An Introduction to Anglo-Saxon Reading, comprising Aelfric’s Homily on the Birthday of St. Gregory, with a copious Glossary etc. By L. Langley, und ein Guide to the Anglo-Saxon Tongue, on the basis of Professor Rask’s Grammar, to which are added extracts in verse and prose, with notes for the use of learners. By E. J. Vernon. The Elements of Anglo-Saxon Grammar, with a Praxis and Vocabulary. 12. Leeds, 1819. By J. L. Sisson. The Elements of Anglo-Saxon Grammar with copious notes, illustrating the structure of the Saxon and the formation of the English language. 8. London, 1823. By J. Bosworth. Von demselben: A compendious grammar of the primitive English or Anglo-Saxon language. 8. London, 1826. Rudiments of a grammar of the Anglo-Saxon tongue. 8. London, 1829. By J. Gwilt. An Anglo-Saxon grammar and Derivatives. By W. Hunter. 8. London, 1832. In Deutschland gab im jahre 1838 H. Leo in Halle altsächsische und angelsächsische sprachproben heraus, mit einer freilich ungeordneten und unvollständigen erklärung der angelsächsischen wörter versehen. In diesem buche ist überall eine gleichmässige orthographie nach den von Grimm aufgestellten grundsätzen der lautveränderung eingeführt worden. Unter den Deutschen haben sich besonders beide Grimm, Mone, Ettmüller und Bouterwek durch kritische und wissenschaftliche behandlung der von den Engländern an das tageslicht geförderten schätze der angelsächsischen literatur ausgezeichnet. Ihr streben ist nicht ohne rückwirkung auf die englischen forscher geblieben, unter denen sich Kemble offen als schüler Grimm’s bekennt, dem (J. Grimm) er auch seinen Beowulf gewidmet hat. Von J. Bosworth ist ein reichhaltiges, obwohl nicht vollständiges und kritisch gesichtetes wörterbuch, A dictionary of the Anglo-Saxon language. 8. London 1838, mit einer ausführlichen einleitung veröffentlicht worden, so dass seit dieser zeit das studium dieser reichen sprache jedem leicht zugänglich gemacht ist. Zu hoffen bleibt, dass Kemble englischen fleiss und deutsche gründlichkeit zur bearbeitung eines angelsächsischen „sprachschatzes“ verwende.114

Die angelsächsischen Beugungsformen. Das Angelsächsische hat, wie das Deutsche, drei sprachliche geschlechter, und eine deklination des artikels, der pronomina, adjectiva und substantiva, welche den casus zugleich mit dem geschlechte bezeichnen. Die pronomina der ersten und zweiten person besitzen ausser dem singular und plural auch eine dualform. Die deklination der nomina zerfällt in eine starke und schwache, wie die conjugation der verba, welche neben dem indicativ auch eine form für den conjunctiv besitzt. Als anhaltspunkte für die vergleichung der ausartenden formen in der späteren halbsächsischen und englischen sprache folgen hier die wesentlichen eigenthümlichkeiten der angelsächsischen sprachbildung nach J. Grimm’s deutscher grammatik: