Sprachproben aus G. von Monmouth, Wace.
Rex (Arthur) et regina, ille ad suum palatium cum viris, hæc ad aliud cum mulieribus, epulatum incedunt; antiquam namque consuetudinem Troiæ servantes Britones, consueverant mares cum maribus, mulieres cum mulieribus, festivos dies separatim agere. Collocatis postmodum cunctis ut singulorum dignitas expetebat, Caius dapifer, hermenio ornatus, mille vero nobilissimis iuvenibus comitatus est, qui omnes, hermenio induti, fercula cum ipso ministrabant. Ex alia parte vero Bedverum pincernam totidem vario amicti sequntur, qui in scyphis diversorum generum multimoda pocula cum ipso distribuebant. In palatio quoque reginæ, innumerabiles ministri, diversis ornamentis induti, obsequium suum præstabant, morem suum exercentes, quem si omnino describere pergerem, nimiam historiæ prolixitatem generarem.
Quand li service fut finé,
Et lte Missa
Est chanté,
Li roi a sa corone ostée,
1) Monastère, dôme.
Qu’il avoit au mostier1) portée,
Une corone menor prist:
2) Ensemble, aussi.
3) Ils.
4) Les atours plus grands.
El la reine ensement2) prist.
lus3) mistrent les greignors ators4)
Plus legiers pristrent, et menors.
Quand li roi torna del mostier,
A son palais ala manger.
La reine à une autre ala
5) à, avec.
Et les dames o5) sei mena.
Li roi mangea avec les homes,
Et la reine avec les dames
6) Déduit.
O grant deduist6) et grant joye,
Come soloit estre à Troie:
Et Bretons encor la tenoent
7) Fête.
Quant ensemble feist7) feisoent
Li roi et les homes mangoent,
Que nule fame n’i menoent:
Les dames mangoent aillors,
N’i avoit que lor servitors.
8) Dais.
Quant li roi fut au deis8) assiz,
A la costume del païs,
9) En tour.
10) Son honneur.
Assiz sont les barons entor;9)
Chescun en l’ordre de s’enor10)
Li senescal, Kei avoit nom,
Vestu d’un ermine pelliçon,
Servi à son mangier li roy,
Mil gentilz homes avec soi,
11) Tous.
12) Cuisine.
13) Épais.
14) Écuelles.
15) Mets.
Qui tuiz11) forent vestus d’ermine,
Cil servirent à la quesine.12)
Sovent aloent et espez,13)
Esqueles14) portant, et mes.15)
Beduer, de l’autre partie,
Servi de la boteillerie.
16) Damoiseaux.
17) Beaux.
18) Aux coupes et aux pots.
19) Hanap, trinkschale, A. S. hnæp, deutsch: napf.
Ensemble o li, mil damoisealz,16)
Vestuz d’ermine, genz, et bealx,17)
O copes et o pos18) d’or fin
Et o henas19) porteient vin,
N’i avoit home qui servist,
Qui d’ermine ne se vestit.
Beduer devant euls aloit,
Que la cope li roi portoit,
Li damoiseals après aloent,
Qui les barons de vin servoent.
20) Eut.
21) Quels, ni quants.
La reine ost20) ses servanz
Ne vos sai dire quenz ne quanz.21)
Sprachproben aus Layamon.
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Þa þe masse wes isungen, Of chirccken heo þrungen. Þe king mid his folke To his mete verde, And mucle his dugeðe: Drem wes on hirede. |
Da die messe war gesungen, drängten sie sich aus der kirche. Der könig mit seinem volke zu seinem mahle fuhr, und viele seines adels: freude war im hause. |
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Þa quene, an oðer halve, Hire hereberwe isohte; Heo hafde of wif-monne Wunder ane moni en. þa þe king wes iseten Mid his monnen to his mete, To þan kinge com þa biscop, Seind Dubrig, þe was swa god; And nom of his hafde His kinc-helm hæhne.149 |
Die königin auf ihrer seite, suchte ihre herberge; sie hatte weibsleute wunderbar viele. Da der könig sich gesetzt hatte mit seinen mannen zu seinem mahle, kam zu dem könige der bischof, der heilige Dubrig, der war so gut; und nahm von seinem haupte seinen hohen königshelm. |
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(For þan mucle golde Þe king hine beren n’alde) And dude enne lasse crune On þas kinges hafde, And seoð-þen he gon do Aðere quene alswo. Inne Troie þis wes lage Bi heore ælderne dage Þa Bruttes of come. |
(wegen des vielen goldes wollte ihn der könig nicht tragen) und setzte eine kleinere krone auf des königs haupt, und darauf that sich an eine andere auch die königin. In Troja war dieses gesetz, in ihren früheren tagen, da Brutus wegkam. |
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Þe weoren wel idone, Alle þa wepmen, At heore mete seten, Sundi bi heom seolven. Þat heom þuhte weldon. And alswa þa wifmen Heore iwune hafden. |
Die männer wohl gethan, alle die waffenleute, sassen bei ihrem mahle gesondert bei einander; das däuchte ihnen wohl gethan. Und auch die weiber hatten ihre wohnung. |
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Þa þe king wes isete, Mid alle his dugeð to his mete, Eorles, and beornes, At borde þas kinges, Þe stiward com steppen, Þe Kay wes ihaten; Haxt cniht on londe, Under þan kinge, Of alle þan hæpe, Of Arþures hirede. |
Da nun der könig sass mit allem seinen adel bei dem mahle, grafen und barone am tische des königs, kam der hofmeister geschritten, der Caius war geheissen, der höchste ritter im lande unter dem könige von all’ dem haufen von Arthur’s haushalt. |
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Kay hehte him bivoren, Moni heah mon iboren. Þer weoren a þusen cnihte bald Wunder wel italde, Þal þeineden þan kingen, And his here þringen. Aelc cniht hafde pal on, And mid golde bigon; And alle heore vingeres, Iriven mid gold ringes, Þas beorn þa sunde, From kuchene to þan kinge. |
Caius gebot vor sich manchen hochgebornen mann. Da waren tausend kühne ritter, wundervoll wohl gezählt, die dem könig dienten und zu seinem dienst sich drängten. Jeder ritter hatte einen mantel um und mit golde besetzt, und alle ihre finger eingefasst mit gold’nen ringen; die trugen das gesendete aus der küche zu dem könige. |
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An oðer half, was Beduer, Þas kinges hæge birle; Mid him weoren eorlene sunen, Of aðele cunne iboren; And þere hehge cnihtene sunen, Þa þider weoren icunen. Seoven kingene sunen, Þat mid him quehten. Bedever avormest eode, Mid guldene bolle: After him a þusend Þrasten to hirede. |
Auf der andern seite war Beduer, des königs oberkellner; bei ihm waren grafen söhne aus adeligem geschlecht geboren, und da hoher ritter söhne, die hin gekommen waren, sieben königssöhne, die mit ihm sich bewegten. Beduer ging zuerst mit goldener flasche, nach ihm tausend drängten sich zum dienst, |
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And alle þas cunnes drenche, Þem cuðe on biþenche, And þe quene, an hire end Wifmen swide hende; A þusend hire eode bivoren, Riche men and wel icoren, To þainen þere quene, And þan þat mid hire weoren. |
und mit aller art getränke, die man sich nur denken kann. Und die königin hatte auf ihrer seite sehr schöne frauen: tausend gingen vor ihr, reiche und auserlesene männer, zu dienen der königin und denen, die bei ihr waren. |
Verschiedenheit der Handschriften Layamon’s. Thorpe in seinen Analecta Anglo-Saxonica (seite 143) theilt die geschichte des königs Lear und seiner töchter nach beiden handschriften des Layamon mit; zur vergleichung möge der anfang dienen, nebst der entsprechenden stelle der Historia Britonum des Geoffrey von Monmouth:
| Cedente igitur fatis Baldudo erigitur Leir eiusdem iilius in regem, qui sexaginta annis patriam viriliter resit. |
Bladud hafde ene sune, Leir was ihaten; Efter his father daie, he heold þis drihlice lond, — — — somed an his live sixti winter. |
Bladud hadde one sone, Leir was ihote; after his fader he held þis lond, in his owene hond, llaste his lif-dages sixti winter. |
| Aedificavit autem super fluvium Soram civitatem, quæ Britonum lingua Kaerleir, saxonice Leircestre nuncupatur. |
He makade ane riche burh, þurh radfulle his crafte, and he heo lette nemnen, efter him seolvan; Kaer-Leir hehte þe burh. Leof heo wes þan kinge, þa we, an ure leod-quide, Leir-chestre clepiad, geare a þan holde dawon. |
He makede on riche borh, þorh wisemenne reade, and hine lette nemni, after him seolve; Kair-Leir hehte þe borh. Leof he was þan kinge, þe we, on ure speche, Leþ-chestre cleopieþ, in þan eolde daiye. |
Bladud hatte einen sohn, Leir war er geheissen; nach seines vaters tagen nahm er dessen land in seine eigene hand—seines lebens tage dauerten sechzig winter. Er machte eine reiche burg nach weiser männer rath und liess sie benennen nach sich selbst. Kair-Leir hiess die burg. Lieb war sie dem könige, die wir in unserer sprache Leir-chester nennen in den alten tagen.
Das Ormulum. In dieselbe zeit fällt die metrische, aber ungereimte evangelienharmonie, welche man das Ormulum nennt. Der Verfasser Orm erzählt, dass er und sein bruder Walter, dem das buch gewidmet ist, augustinermönche seien, und dass er die bearbeitung dieser evangelienharmonie auf wunsch seines bruders unternommen habe. Die sprache des, wie es scheint, im norden von England geschriebenen buches ist einfach und rhythmisch und scheint in die letzte hälfte des 12. jahrhunderts zu gehören. Merkwürdig ist das Ormulum
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þiss boc is nemmned Orrmulum,
And itt iss wrohht off quaþþrigan |
Dieses buch ist Ormulum genannt,
Und es ist viertheilig abgefasst |
dadurch, dass der verfasser den consonanten nach einem geschärften vocale jedesmal verdoppelt, wie dieses im heutigen Deutsch geschieht, um die aussprache zu erleichtern und zu sichern. Orm legte dieser consonantenverdoppelung in seinem buche solche wichtigkeit bei, dass er ausdrücklich jeden folgenden abschreiber ersucht, seine orthographie unverändert beizubehalten:
And whase wilenn shall þiss boc efft oþerr siþe writenn,
Himm bidde icc þatt hett write rihht, swa summ þiss boc himm tæcheþþ,
All þwerrt utt affterr þatt itt iss uppo þiss firrste bisne,
Wiþþ all swillc rime alls her iss sett wiþþ alse fele wordess;
And tatt he loke wel þatt he an boc-staff write twiggess;
Eggwhær þær itt uppo þiss boc iss written o þatt wise;
Loke he well þatt hett write swa, forr he ne magg nohht elless
On Ennglissh writenn rihht te word, þatt wite he wel to soþe.150
Und wer wünschen wird, dieses buch wieder ein andermal zu schreiben, den bitt’ ich, dass er es schreibe recht, so wie dieses buch ihn lehrt, alles durchaus nach dem, wie es ist in diesem ersten exemplar, mit all’ solchem reime, wie er hier gesetzt ist, mit eben so vielen worten; und dass er wohl zusehe, dass er einen buchstab zweimal schreibe; überall, wo er in diesem buch geschrieben ist in dieser weise, sehe er wohl zu, dass er so schreibe, denn er kann nicht anders auf Englisch das wort richtig schreiben, das wisse er wohl als wahrheit.
Das in der Bodleyana zu Oxford aufbewahrte manuscript des Ormulum’s scheint des verfassers autographie zu sein; am ende ist ein blatt verloren gegangen.151
Nicholas von Guildford. Dem Nicholas von Guildford wird ein anderer überrest jener zeit des übergangs der angelsächsischen zur englischen sprache zugeschrieben, welcher aber nach seiner grösseren verderbtheit des alten idioms jedenfalls jünger ist als Layamon’s und Orm’s werk. An einer stelle des gedichtes, worin eine eule und eine nachtigall um den vorzug streiten, wird eines vor kurzem verstorbenen königs Heinrich gedacht, so dass der dichter wahrscheinlich um das jahr 1200 lebte. Die handschriften, welche dieses gedicht enthalten, befinden sich im brittischen museum und in der bibliothek des Jesus College zu Oxford.152
Die normännisch-französische zeit der englischen literatur geht mit dem anfange des 13. jahrhunderts allmälig zu ende. Das alte idiom, welches in seiner verstümmelung nur noch von dem ungebildeten volke gesprochen wurde, hörte dadurch von selbst auf, als schriftsprache brauchbar zu sein, indem es als solche von dem Französischen und Lateinischen153 verdrängt worden war. Es findet sich daher während des ganzen 13. jahrhunderts eine lange lücke in der nunmehr englisch zu nennenden literatur, welche nur hin und wieder durch kleine lebenszeichen von dem vorhandensein des sächsischen elementes zeugniss giebt. Hierzu gehören einige metrische lebensbeschreibungen von heiligen, welche um das jahr 1250 zu setzen sein dürften. Auch findet sich eine versificirte betrachtung des heiligen Augustin, welche ohne zweifel in der zeit von 1244 bis 1258 geschrieben ist. In das jahr 1258 gehört eine proklamation Heinrich’s III. an das volk von Huntingdonshire, obwohl man annehmen kann, dass sie durch ganz England circulirte. Dieselbe lautet:
Proklamation Heinrich’s III.
1) Gnade 2) wünschen 3) treue 4) gedeihen 5) schulden 6) gesetze 7) halten Henry, þurg Godes fullome,1) king on Engleneloande, lhoaurd on Yrloand, Duke on Normand, on Acquitain, Eorl on Anjou, send I greeting, to alle hise holden, ilærde and ilewerde on Huntingdonschiere. Þat witen ge well alle, þæt we willen and unnen2) þæt ure rædesmen alle oðer, þe moare del of heom, þæt beoð ichosen þurg us and þurg þæt loandesfolk on ure kuneriche, habbið idon, and schullen don, in þe worðnes of God, and ure þreowðe,3) for þe freme4) of þe loande, þurg þe besigte of þan toforen iseide rædesmen, beo stedfæst and ilestinde in alle þinge abutan ænde, and we heaten alle ure treowe, in þe treowðe þæt heo us ogen,5) þet heo stedefestliche healden and weren to healden and to swerien þe isetnesses6) þet beon makede and beon to makien, þurg þan toforen iseide rædesmen, oðer þurg þe moare del of heom alswo, alse hit is before iseide. And þet æhcoðer helpe þet for to done biþam ilche oðer, aganes alle men in alle þet heo ogt for to done, and to foangen.7) And noan ne of mine loande, ne of egetewhere, þurg þis besigte, muge beon ilet oðer iwersed on oniewise. And gif oni eðer onie cumen her ongenes, we willen and heaten, þæt alle ure treowe heom healden deadlichistan. And for þæt we willen þæt þis beo stædfast and lestinde, we senden ȝew 154 þis writ open, iseined wið ure seel, to halden amanges ȝew me hord. Witnes us-selven æt Lundæn, þæne egetetenðe day on þe monðe of Octobr, in þe two and fowertigðe ȝeare of ure crunning.
Anonyme epische Gedichte. Ein siegeslied, wahrscheinlich in London nach dem von den verbundenen baronen im jahre 1264 erfochtenen siege bei Lewes entstanden, scheint nach seiner sprache älter zu sein, als es ist. Schon im folgenden jahre wurde die siegende partei in der schlacht bei Evesham gänzlich vernichtet, wodurch jede veranlassung zu jenem triumphgesange benommen wurde. Die Reliquiæ Antiquæ von Wright und Halliwell enthalten einige anonyme gedichte der epischen gattung, welche in diese zeit fallen, so Maximon (Bd. I. seite 119-125), Judas (s. 144), beide aus dem dreizehnten jahrhundert. Die lyrik ist vertreten durch gebete (s. 22. 57), fromme betrachtungen155 und lobgesänge auf Jesus und Maria (s. 48. 49. 100-103). Unter den letzteren, sämmtlich dem dreizehnten jahrhundert angehörenden gedichten befindet sich eine hymne auf Jesus und Maria (seite 100), welche sich durch einfache natürlichkeit der sprache eben so wohl als durch künstliche reime auszeichnet. Folgendes ist der anfang dieses lobgesanges:
Somer is comen and winter is gon,
this day beginniz to longe.
And this foules everichon,
joye hem wit songe!
So stronge kare me bint,
Al wit joye that is funde
in londe,
Al for a child
That is so milde
of honde,
1) schön
2) reinheit.
3) sought
4) haveth
5) broke
That child that is so milde and wlong,1)
and eke of grete munde,2)
Voye156 in boskes
and in bank
i-sount3) me hauȝ4) a stunde!
I-funde he hevede me
For an appel of a tre
i-bunde,
He brac5) the bond,
That was so strong,
wit wunde.
Lyrische Gedichte. Mehrere kleinere gedichte, deren abfassung ungewiss ist, mögen ebenfalls in die zeit von 1260-1320 gehören. Darunter befindet sich eine der frühesten proben des schottischen dialektes, ein lied auf den tod Alexander’s III. aus dem jahre 1285, welches eine menge französischer wörter enthält.
Fabliaux. Die Sprüchwörter Hending’s. Die französisch-normannische literatur dieser zeit war besonders reich an fabliaux, mährchen und sagen im geschmack der geschichten, denen Chaucer am schluss des vierzehnten jahrhunderts seine berühmtheit verdankt. Sie wurden von den joculatores, jogelours, jongleurs, oder wandernden minstrels in den schlössern der barone und ritter erzählt oder gesungen. Obgleich die edeldamen von dieser beliebten unterhaltung nicht ausgeschlossen waren, wählten die joculatores oft sehr lüderliche stoffe, deren ursprung sich in einigen fällen bis zu den Arabern, ja bis nach Indien verfolgen lässt. Nur sehr wenige solcher fabliaux waren vor ablauf des dreizehnten jahrhunderts auch in englischer sprache vorhanden, da bis dahin die französische sprache in den schlössern der grossen, deren freigebigkeit und lüsternheit von den jongleurs ausschliesslich ausgebeutet wurde, noch die alleinherrschende blieb. Das älteste bruchstück eines ohne zweifei aus dem Französischen übersetzten englischen fabliau befindet sich in dem in der Bodleyana zu Oxford aufbewahrten Ms. Digby, Nr. 86, fol. 165, welche handschrift aus der zeit Eduards I. herrührt. Das englische fabliau in sechszeiligen gereimten strophen, nicht ohne alliteration, hat die französische überschrift: Ci commence le fables et le cointise de dame Siriz.157
Die didaktische poesie ist um das jahr 1300 durch mehrere gedichte vertreten. So finden sich in den Reliquiis Antiquis bd. I. seite 109. 193. 256 drei recensionen der sprüchwörter Hending’s, welche, wie man aus dem öfteren vorkommen schliessen kann, beliebt gewesen sein müssen. Zugleich als ein beispiel der verschiedenheit der sprache in verschiedenen handschriften, mögen hier die ersten sprüchwörter Hending’s nach einer kurzen, nur in Ms. Harl. 2253, fol. 125 befindlichen einleitung folgen:
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Mon that wol of wysdam heren,
At wyse Hendyng he mag lernen, Gode thonkes ant monie thewes
For te teche fele shrewes, |
| (Ms. Harl. 2253.) | (Ms. Digby, 86.) Hending the Hende. |
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Jhesu Crist, al folkes red,
That for us alle tholede1) ded Lene us alle to ben wys,
Ant to ende in his servys! „God beginning maketh god endyng,“ Quoth Hendyng. |
Jhesu Christ, all this worldes red,
That for oure sunnes wolde be ded He lete ous alle ben wise
And enden in his servise |
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Wyt ant wysdom lurneth gerne
Ant loke that none other werne3) For betere were to bue wis,
Then for te where feh and grys, „Wyt ant wysdom is god warysoun4)“ Quoth Hendyng. |
Wit and wisdom lerneth gerne,
And loke that no man other werne For betere were to ben wis,
Than to werren for and gris, „Wit and wisdom is god wareis“ Quod Hendyng. |
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Ne may no mon that is in londe
For nothyng that he con fonde, So fele thewes for te leorne,
Ase he that hath y-soht georne „Ase fele thede, ase fele thewes;5)“ Quoth Hendyng. |
May no mon that is in londe,
For nothing that he con fonde, Fele thewes for to lere,
So he that haveth wide were „Also fele thedes, also fele thewes,“ Quod Hendyng. |
1) Leiden 2) kreuz 3) wehre, hindere 4) witz und weisheit sind gute gaben 5) so viel völker, so viel sitten.
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Jhesu Crist al folkis rede,
That for us alle tholed dede Lern us alle to be wise,
And to hendi in Godis servise! „Wel is him that wel ende mai,“ Quod Hending.
Ne mai no man that is in londe,
For nothing that he mai fonde So fele thewis for to lerne,
So he that had i-sowt yerne „Also fele dedis, also fele thewis,“ Quod Hending. |
Treatise on dreams. Fabel. Ein sonderbares lehrgedicht ist die Metrical Treatise on Dreams, über die bedeutung der träume, welches Reliquiæ Antiquæ, Bd. I, seite 261-268 aus einem in der regierungszeit Eduard’s II. geschriebenen Ms. (Harl. Nr. 2253, fol. 119) mitgetheilt wird. Zuletzt möge von den anonymen gedichten dieser periode die bekannte fabel vom fuchse und dem wolfe in den brunneneimern erwähnt werden; sie rührt aus der zweiten hälfte des dreizehnten jahrhunderts her und ist in den Rel. Ant. Bd. II, S. 272-278 (aus Ms. Bodley. Digby, Nr. 86, fol. 138) abgedruckt. Die sprache ist einfach und sehr wenig mit französischem element gefärbt; auffallend ist die aspiration mancher vokale am anfange der wörter. Folgendes ist eine probe:
On hous ther wes, the dore wes ope,
1) gekrochen
Hennen weren therinne i-crope1)
Five, that maketh anne flok,
And mid hem sat on kok.
2) höhe
3) nähe
The kok him wes flowen on hey,2)
And two hennen him seten ney.3)
„Wox,“ quad the kok, „wat dest thou thare?
Go hom, Crist the ȝeve kare!
4) schämen, schrecken
5) sänger
Houre hennen thou dest ofte shome;4)
Be stille, ich hote, a Godes nome!“
Quath the wox, „Sire Chauntecler,5)
Thou fle adoun, and com me ner.
I nabbe don her nout bote goed,
I have leten thine hennen blod.“
Robert von Gloucester. Erst gegen das ende des dreizehnten jahrhunderts begegnen wir wieder auf dem felde der englischen literatur einem grösseren werke, der reimchronik Robert’s von Gloucester,158 eines mönches der abtei zu Gloucester, welcher während der regierung Heinrich’s III. und Eduard’s I. lebte. Er schrieb in langen gereimten versen von 14 sylben eine geschichte England’s von dem fingirten Brutus bis auf seine zeit, indem er dabei hauptsächlich das lateinische geschichtenbuch von Geoffrey von Monmouth, aus welchem auch Wace und Layamon geschöpft hatten, zu grunde legte. Obgleich die sprache Robert’s schon eine ziemliche anzahl französischer ausdrücke enthält, so hat sie doch noch altsächsische eigenthümlichkeiten beibehalten, was sich vielleicht aus der lage Gloucester’s im abgeschlossenen westen England’s erklären lässt. Nach den ereignissen, welche die chronik erwähnt, muss sie nach 1278 und, wie einige schliessen wollen, sogar wenigstens zum theil nach 1297 geschrieben sein. Zur vergleichung mit Layamon’s sprache möge hier aus Robert’s reimchronik dasselbe von könig Arthurs krönungsfeierlichkeiten handelnde stück folgen:
Þe kyng was to ys paleys, þo þe seruyse was y-do.
Y-lad wyþ þys menye, and þe quene to hyre also.
Vor hii hulde þe olde vsages, þat men wyþ men were
By hem sulue, and wymmen by hem sulue also þere.
1) Anjou 2) suit Þo hii were echone y-set, as yt to her stat bycom,
Kay, kyng of Aungeo,1) a þousend kynȝtes nome
Of noble men, y-cloþed in ermyne echone,
Of on sywete,2) and seruede as þys noble feste a non.
Bedwer þe botyler, kyng of Normandye,
3) suit 4) forto, in order to 5) before Nom also in ys half a uayr companye
Of on sywyte,3) vorto4) seruy of þe botelerye.
6) noblesse 7) endure By uore5) þe quene yt was also of al suche corteysye,
Vorto telle al þe noblye6) þat þer was y-do,
Þey my tonge were of stel, me scolde noȝt dure7) þerto.
Robert Manning. Ein nachfolger Robert’s von Gloucester ist Robert Manning, gewöhnlich Robert de Brunne genannt, weil er in dem kloster Brunne oder Bourne in Lincolnshire in der letzteren zeit der regierung Eduard’s I. und während der ganzen regierungszeit Eduard’s II. lebte und schrieb. Manning’s reimchronik besteht aus zwei theilen, welche beide aus dem Normännisch-Französischen übersetzt sind. Der erste theil schliesst sich an Wace’s Brut an und geht bis zum tode Cadwallader’s; der zweite verfolgt die geschichte bis zum tode Eduard’s I. und ist aus der chronik des Piers oder Peter de Langtoft, welcher in dem stifte St. Augustin zu Bridlington in Yorkshire gleichzeitig mit Manning lebte, geschöpft. Der letztere theil von Manning’s reimchronik, als der interessantere, wurde 1725 ebenfalls von Hearne herausgegeben.159 Dieser theil ist wie das französische original Langtoft’s in zwölfsylbigen alexandrinern, dagegen der ältere aus Wace’s Brut entnommene, wie dieser selbst, in achtsylbigen versen geschrieben. Manning übersetzte auch die lateinische abhandlung seines zeitgenossen, des cardinals Bonaventura, „de Coena et Passione Domini, et Poenis S. Mariae Virginis“ in gereimte verse unter dem titel: Medytaciuns of the Soper of our Lorde Jhesu, and also of his Passyun, and eke of the Peynes of hys swete Modyr mayden Marye. Ferner übersetzte er unter dem titel: A Handling of Sins in einer gereimten umschreibung das Manuel des péchés des William von Wadington, worin die sieben todsünden in legendenhaften geschichten geschildert werden.
Lordynges, that be now here,
If ȝe wille listene and lere
All þe story of Inglande,
Als Robert Mannyng wryten it fand,
And on Inglysch has it schewed,
1) einfältig
2) wohnen
3) lust
4) beisammen
Not for þe lerid bot for þe lewed,1)
For þo þat in þis land wonn,2)
Þat þe Latyn no Francys conn,
For to haf solace and gamen3)
In felawship when þai sitt samen.4)
And it is wisdom forto wytten
Þe state of þe land, and haf it wryten:
What manere of folk first it wan,
And of what kynde it first began.
And gude it is for many thynges,
5) thaten
6) schlemmen
For to here þe dedis5) of kynges,
Whilk were foles and whilk were wyse,
And whilk of þam couth mast quantyse;6)
And whilk did wrong and whilk ryght,
And whilk mayntend pes and fyght.—
Als þai haf wryten and sayd,
Haf I alle in myn Inglis layd,
In symple speche as I couthe,
Þat is lightest in manne’s mouthe.
I mad noght for no disours,
7) geschichtenerzähler
8) harfner
Ne for no seggers7) no harpours,8)
But for þe luf of symple men,
þat strange Inglis can not ken.
For many it ere þat strange Inglis
In ryme wate neuer what it is,
And bot þai wist what it mente,
Ellis me thoght it were alle schente.
I made it not forto be praysed,
Bot at þe lewed men were aysed.
9) versus caudati
10) versus interlaqueati, welche sich in der mitte und am ende
reimten.
11) bâton.
If it were made in ryme couwee,9)
Or in strangere or enterlace,10)
Þat rede Inglis it ere inowe,
Þat couthe not haf coppled a kowe,
Þat outhere in couwee or in baston11) 160
Som suld haf been fordon,
So þat fele men þat it herde,
Suld not witte howe þat it ferde. 161
L. Minot. Das vierzehnte jahrhundert war nicht unfruchtbar in englischer dichtkunst. Die gedichte Lawrence Minot’s über die siege und schlachten Eduard’s III. von 1333-1352, welche vielleicht das erste selbstständige denkmal englischer poesie sind, indem seine bekannten vorgänger fremde werke nur übersetzten und nachahmten, wurden von Tyrwhitt in einem manuscripte des brittischen museum’s (Cotton. Ms. Galba E. IX.), welches man früher für eine handschrift Chaucer’s gehalten hatte, entdeckt, als er materialien zu seiner ausgabe der Canterbury Tales suchte, und in seinem Essay on the language and versification of Chaucer, welches seiner ausgabe der Canterbury Tales vorgedruckt ist, 1775 zuerst (unter note 54) erwähnt. Später theilte Warton in seiner History of English poetry (Band III.) proben der gedichte des Minot mit. Endlich wurden sie 1796 von Ritson vollständig mit vielen historischen und sachlichen erläuterungen und einem glossarium herausgegeben. Eine neue auflage des Ritson’schen werkes erfolgte im jahre 1825.162 Die zehn gedichte Minot’s, welche es enthält, handeln von der schlacht am Halidon Hill (1333), der schlacht von Bannockburn (1314), wo Eduard’s III. vater geschlagen wurde, dessen niederlage der sohn rächte, dem ersten einfalle Eduard’s III. in Frankreich (1339), dem seegefecht in der Swine, südlich von der insel Cadsand an der mündung der Schelde (1340), der belagerung von Tournay (1340), der landung des englischen königs zu La Hague (1346), der belagerung von Calais (1346), der schlacht von Neville’s Cross (1346), dem seegefecht mit den Spaniern bei Winchelsea (1350) und der einnahme von Guisnes (1352).
Während die alten Angelsachsen den reim wenig kannten, sondern ihre verse, abgesehen von dem inhalte, durch die alliteration von der prosa unterschieden, wurde durch die Normannen der reim in England eingebürgert, und als kennzeichen der poesie auch von der alten volkssprache angenommen. Dabei findet sich aber in den trümmern derselben immer noch eine entschiedene neigung zur alliteration, deren spuren nie ganz verschwinden. So zeigt sich z. b. bei Minot ausser dem reim an vielen stellen die alte art der poetischen form.
1) wohnung Edward, owre comely cing,
In Braband has his woning1)
With many comely cnight;
2) bis zur zeit wo And in that land, truely to tell,
Ordains he still for to dwell
To time2) he think to
fight.
Now God, that is of mightes mast,
3) angehörige
Grant him grace of the Holy Ghast
His heritage to win;
And Mary moder, of mercy free,
Save our cing and his meny3)
Fro sorrow, shame and sin.163
The visions of Piers Ploughman. In der mitte des vierzehnten jahrhunderts entstand ein satyrisches gedicht The Visions of Piers Ploughman. Dieses gedicht, als dessen verfasser Robert Longlande genannt wird, ist eines der wichtigsten werke, welches vor einführung der buchdruckerkunst in England geschrieben worden ist. Es enthält in volksthümlichem gewande diejenigen lehren und ansichten, welche allmälig die kirchenreform herbeiführten, und suchte mit beseitigung des reimes das alliterationssystem, wie es in der alten angelsächsischen sprache geherrscht hatte, von neuem in das leben zu rufen. In beiden beziehungen ist es characteristisch für eine grosse literarische, wie politisch-kirchliche veränderung in England, indem die sprache und alte selbstständigkeit der deutschen bevölkerung England’s, wenn auch modificirt, wieder die oberhand über die sprache und gesinnung der romanisirten Normannen gewonnen hatte. Von diesem werke sind viele handschriften vorhanden, da es einst sehr populär war; ebenso ist es oft herausgegeben worden, zuerst im jahre 1550 in London von Robert Crowley, in neuerer zeit (1813) von Th. D. Whitaker, zuletzt im jahre 1842 von Thomas Wright, dessen ausgabe auf jene älteste fusst, während sein vorgänger Whitaker ein abweichendes manuscript abgedruckt hat. Von dem autor des gedichts ist so gut wie nichts bekannt; gewöhnlich wird er Robert Longlande oder Langland genannt; aber es ist aus inneren gründen wahrscheinlich, dass er nicht Robert, sondern William hiess, und dass er unter diesem namen in dem gedichte von sich selbst spricht. Er will als mönch im westlichen England in der nähe der Malvern hills gelebt haben, wo er eines maimorgens, wie das gedicht erzählt, eingeschlafen sei und nun verschiedene träume oder visionen gehabt habe.
1) scóp (shaped,) gestaltete 2) gewänder 3) aber 4) morning 5) wunder 6) broad 7) brunnen, quelle 8) es überfiel mich so sanft. 164In a summer season, when soft was the sun,
I shoop1) me into shrowds,2) as I a sheep were;
In habit as an hermit unholy of werkes,
Went wide in this world wonders to hear;
Ac3) on a May morwening4) on Malvern hills
Me befel a ferly,5) of fairy me thought.
I was weary forwandered, and went me to rest
Under a brood6) bank by a burn’s7) side;
And as I lay and leaned, and looked on the waters,
I slombered into a sleeping, it swayed so mury.8)
An einer stelle findet sich eine anspielung auf den im jahre 1360 mit Frankreich abgeschlossenen vertrag von Bretigny; an einer anderen wird des merkwürdigen sturmes vom 15. Januar 1362 als eines kürzlich vorgefallenen ereignisses gedacht. Es ist daher wahrscheinlich, dass das gedicht in diesem jahre oder bald nachher geschrieben worden ist. Dasselbe ist in Wright’s ausgabe in 20 abschnitte oder passus eingetheilt, von denen jeder eine besondere vision enthält. Die verbindung dieser abschnitte ist sehr lose, so dass das ganze eine zusammensetzung mehrerer gedichte zu sein scheint. Der rhythmus des gedichts hängt nicht von der anzahl der sylben, sondern von der anzahl der accente im verse ab. Nur die tonsylben sind von bedeutung für das metrum, der übrigen können mehr oder weniger sein. Der vers, in zwei hemistiche getheilt, besteht gewöhnlich aus vier tonsylben, von denen zwei auf das erste hemistich, und zwei auf das zweite hemistich kommen. Die beiden tonsylben des ersten hemistichs, sowie die erste des zweiten hemistichs enthalten die alliteration und beginnen mit demselben buchstaben. Zuweilen ist die alliteration auch bei den vier accentsylben beider hemistiche zu finden. Der inhalt des gedichts ist eine auseinandersetzung der hindernisse und versuchungen auf der bahn des lebens im moralisch-satyrischen style. Der hauptangriff ist gegen die fäulniss der kirche, gegen die scheinheiligkeit und weltlichkeit, die unwissenheit, unverschämtheit und sinnlichkeit des geistlichen standes gerichtet. Dieser umstand bewirkte, dass zur zeit der reformation im jahre 1550 die drei ersten auflagen des buches in einem jahre vergriffen wurden. Eigentlich ist nichts antirömisches mit rücksicht auf lehre oder verfassung der kirche darin zu finden, wie vielleicht später bei Chaucer; indessen riefen Piers Ploughman’s visions nachahmungen und fortsetzungen nach form und inhalt hervor, welche directere angriffe gegen die römische kirche enthielten.
Alliteration. Nach Langland’s vorgang wurden alliterirende verse von neuem beliebt und in gedichten von beträchtlicher länge, wie z. b. in dem gedichte über die im jahre 1399 erfolgte absetzung Richard’s II.165 angewendet. Die romanzen William and the Werwolf, Alexander, die belagerung von Jerusalem und andere sind ebenfalls in alliterirenden rhythmen geschrieben, welche bis gegen das ende des 15. Jahrhunderts nicht ausser gebrauch kamen.166
Piers the Ploughman’s Creed. Die wichtigste nachahmung der „Visions“ ist ein gedicht unter dem titel Piers the Ploughman’s Creed, welches gegen das ende des 14. jahrhunderts geschrieben zu sein scheint, und von Reynald Wolfe im jahre 1553 in 4. zuerst, dann 1814 als eine fortsetzung der Visions von Whitaker, zuletzt aber von Th. Wright 1842 in verbindung mit den Visions herausgegeben worden ist. Es beginnt, wie es scheint, in der ursprünglichen schreibart (Percy’s Reliques seite 157):
Cros, and curteis Christ, this beginning spede
For the faders frendshipe, that fourmed heaven
And through the special spirit thal sprong of hem tweyne,
And al in one god hed endles dwelleth.
In diesem gedichte, bemerkt sein letzter herausgeber, ist Piers Ploughman nicht länger eine allegorische person; er ist einfach der vertreter des bauers, welcher sich erhebt, um für sich selbst zu urtheilen und zu handeln.
Die satyre ist nur gegen die geistlichkeit, besonders aber gegen die mönche gerichtet. Der dichter stellt sich, als wäre er mit dem rechten glauben unbekannt, und wendet sich nach der reihe an die franciskaner-, dominikaner-, carmeliter- und augustinermönche, um von diesen auskunft zu erhalten. Diese können ihm keine genügende belehrung geben, stossen ihn vielmehr durch ihre faulheit, unwissenheit und unsittlichkeit zurück. Dann wendet sich der dichter an Piers; dieser wird als ein armer pflüger (ploughman) dargestellt, von welchem der dichter jene belehrung in christlicher wahrheit empfängt, die er vergeblich bei den privilegirten dienern der kirche gesucht hatte. Der verfasser ist offenbar ein anhänger Wycliffe’s, dessen er als eines gestorbenen mit ehren gedenkt. Wycliffe starb 1384; bald darauf mag dieses satyrische gedicht entstanden sein.
Folgendes ist eine die schilderung des Piers und seiner familie enthaltende probe dieses gedichtes nach Craik (a. a. o. seite 260 ff.), welcher der ausgabe von Wright folgt, aber sich veränderungen der orthographie erlaubt:
Then turned I me forth, and talked to myself
Of the falsehede of this folk, how faithless they weren.
1) silly, simple And as I went by the way weeping for sorrow,
I see a seely1) man me by opon the plough hongen.
His coat was of a clout that cary was y-called;
2) shoes 3) gucken 4) bakenschienbeine; die hosen hingen über die knie herab 5) [beschlumpert], beschmutzt 6) koth 7) fausthandschuhe 8) abgetragen 9) wicht 10) waten 11) rinder 12) abgenützt, mager His hood was full of holes, and his hair out;
With his cnopped shoon2) clouted full thick,
His ton toteden3) out as he the lond treaded;
His hosen overhongen his hoc-shynes4) on everich a side
All beslomered5) in fen,6) as he the plough followed.
Twey mittens7) as meter made all of clouts,
The fingers weren for-weard8) and full of fen honged.
This whit9) wasled10) in the feen almost to the ancle;
Four rotheren11) him beforn, that feeble were worthy;
Men might reckon each a rib, so rentful12) they weren.
His wife walked him with, with a long goad,
13) worfeltuch (zum worfeln [werfen— reinigen] des getreides) 14) sie vor dem wetter wahren 15) stand 16) wiege (crumb-bowl) In a cutted coat, cutted full high,
Wrapped in a winnow-sheet13) to wearen her fro weders,14)
Barefoot on the bare ice, that the blood followed.
And at the loud’s end lath15) a little crom-bolle,16)
And thereon lay a little child lapped in clouts,
And tweyn of twey years old opon another side.
And all they songen o song that sorrow was to hearen;
They crieden all o cry, a careful note,
The seely man sighed sore, and said, „Children, beth still!“
This man looked opon me, and let the plough stonden,
17) livelihood 18) lend 19) lieber And said, „seely man, why sighest thou so hard?
Gif thee lack lifelode,17) lene18) thee ich will
Swich good as God hath sent: go we, leve19) brother.“