Die
PARASITEN der HONIGBIENE
und die
durch dieselben bedingten Krankheiten
dieses Insects.
Nach eigenen Erfahrungen und dem neuesten Standpunkt der Wissenschaft
von
Dr. Eduard Assmuss,
Verfasser von „Naturgeschichte und Zucht der Honigbiene“.
Mit 3 lithographirten Tafeln, 26 Figuren darstellend.
Berlin.
Verlag von Ernst Schotte & Co.
1865.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
| Fig. 1. | Primitivlarve von Meloë cicatricosus. |
| Fig. 1a. | Fühlhorn derselben. |
| Fig. 2. | Die zweite Larvenform von Meloë cicatricosus, Leach. |
| Fig. 3. | Pseudochrysalide derselben Meloëspecies. |
| Fig. 4. | Nymphe derselben Meloëspecies. |
| Fig. 5. | Meloë variegatus,
DonavanDonovan. ♀1 |
| Fig. 5a. | Fühlhorn von Meloë variegatus, DonavanDonovan. |
| Fig. 6. | Meloë Proscarabaeus, Linné. ♀ |
| Fig. 6a. | Männliches Fühlhorn derselben Species. |
| Fig. 6b. | Weibliches Fühlhorn derselben Species. |
Tafel II.
| Fig. 1. | Larve von Trichodes apiarius, Linné. |
| Fig. 1a. | Fuss von derselben Larve. |
| Fig. 2. | Nymphe von Trichodes apiarius, Linné. |
| Fig. 3. | Trichodes apiarius, Linné. |
| Fig. 3a. | Fühlhorn von Trichodes apiarius, Linné. |
| Fig. 4. | Larve von Phora incrassata, Meigen. |
| Fig. 5. | Puppe von Phora incrassata, Meigen. |
| Fig. 6. | Phora incrassata, Meigen. |
| Fig. 7. | Larve von Braula coeca, Nitsch. |
| Fig. 8. | Braula coeca, Nitsch. |
| Fig. 8a. | Bein von Braula coeca, Nitsch. |
Tafel III.
| Fig. 1. | Ein junger (Larve) Gordius subbifurcus, de Siebold. |
| Fig. 2. | Schwanzende eines männlichen Gordius subbifurcus, de Siebold. |
| Fig. 3. | Mermis albicans, de Siebold. (Natürliche Dicke.) |
| Fig. 4. | Schwanzende eines weiblichen Gordius subbifurcus, de Siebold. |
| Fig. 5. | Mucor mellitophorus, Hoffmann. |
Vorbemerkung.
Unter Parasiten im eigentlichen Sinn ist jedes lebende Wesen (Thier,
Pflanze) zu verstehen, welches auf oder in einem anderen lebenden Wesen
vorkommt und von dessen Säften sich nährt.
Unter Parasiten der Biene würde man also alle diejenigen Thiere
und Pflanzen begreifen, welche auf oder in den lebenden Bienen oder
ihren Larven etc. vorkommen und aus ihren Säften Nahrung ziehen,
darnach wäre also Braula coeca, welche auf der Biene lebt und sich von
ihren Säften nährt, sowie Mermis albicans, die im Inneren der Biene sich
aufhält und ihre Fettsubstanz verzehrt, Parasiten der Biene. Nicht so
aber die Larven der Meloiden, welche das Besteigen der Bienen gleichsam
nur als Medium benutzen, um in den Bienenbau zu gelangen, wo
angekommen, sie die Bienen verlassen, zunächst sich von Bieneneiern
nähren und sodann vom Bienenbrod leben.
Eine solche Lebensweise darf man, streng genommen, nicht mit der
Benennung Parasitismus belegen. Die Larve tritt im Stock zuerst als
Raubthier auf, indem sie ein Bienenei auffrisst, später lebt sie von den
eingesammelten und zubereiteten Producten der Biene. Die zweite Lebensart
dieses Thieres sollte man besser zum Unterschiede vom eigentlichen
Schmarotzen mit Tellerleckerei bezeichnen.
Ebenso sind die Larven der Trichoden in dem angegebenen Sinne
nicht als Parasiten der Biene zu betrachten, sondern als Räuber, die der
Bienenbrut in den Zellen nachstellen. Kämen die Bienenlarven frei, nicht
im Stocke vor, so würden auch sicherlich die Trichodeslarven ihnen im
Freien nachstellen, etwa wie die Larven der Colosoma inquisitor oder Col.
sycophanta den Raupen auf dem Boden und den Bäumen nachjagen.
Will man aber die Trichodeslarven, was freilich geschieht, unter die
Parasiten rechnen, so müsste man mit demselben Recht auch die Colosoma
und überhaupt auch die Carabicidenlarven, wie auch selbst ihre
Imagines unter die Parasiten aufnehmen. Dann würde sich aber der
Begriff „Parasit“ auf die meisten Thiere ausdehnen, z. B. der Analogie
nach wäre man berechtigt den Löwen, die Fischotter u. s. w., mit einem
Wort alle carnivoren und insectivoren Raubthiere als Thierparasiten zu
betrachten, die Pflanzenfresser aber, welche sich von lebenden Pflanzen
ernähren, für Pflanzenschmarotzer erklären. Es ist aber noch Niemanden
eingefallen, diese Thiere für Parasiten auszugeben.
Wenn ich also die Meloë- und die Trichodeslarven hier unter den
Parasiten aufführe, so geschieht dies theils, weil ausgezeichnete zoologische
Autoritäten diese Thiere nach wie vor als Parasiten betrachten,
theils weil sie Krankheitserscheinungen der Bienen bedingen und in dieser
Schrift gerade diese berührt werden.
Die Parasiten werden eingetheilt in Ectoparasiten (äussere Schmarotzer),
die also aussen auf einem Wesen und in Endo- oder Entoparasiten
(innere Schmarotzer), welche im Innern eines Wesens vorkommen.
Ferner werden sie noch unterschieden als temporäre oder Gelegenheitsschmarotzer,
welche nur zeitweise ihre Opfer besuchen, um sich an ihren
Säften zu sättigen, wie z. B. Flöhe, Mücken etc. und als stationäre,
welche ihren Wirth längere Zeit oder sogar durch's ganze Leben bewohnen.
Demnach theilt man die stationären Parasiten in zwei Formen,
in lebenslängliche und periodische, je nachdem die Schmarotzer ihr ganzes
Leben hindurch in oder auf ihrem Wirth vorkommen, oder bei ihm nur
so lange anwesend sind, bis sie ihre Geschlechtsreife erlangt oder ihre
Jugendform abgeworfen haben und sodann wieder auswandern.
Die Zahl der thierischen Parasiten unserer Honigbiene, ist im Vergleich
zu den einiger anderen Bienenarten, z. B. der Hummeln, nicht
grade gross zu nennen. Wenn wir Trichodes und Meloë ausschliessen,
so bleiben blos vier Genera mit einer Species übrig, nämlich Phora incrassata,
Braula coeca, Gordius subbifurcus und Mermis albicans, die bisher
parasitisch in oder auf der Honigbiene beobachtet wurden.2
Alle
übrigen bis jetzt bei den Bienen angetroffenen Gliederthiere, wie z. B.
die Raupen der Wachsmotten, die Larven des Speckkäfers u. s. w. sind
keine Parasiten. Ebenso auch die Bienenbrod- oder Pollenmilbe ist
kein Schmarotzer, da sie nicht aus dem Körper der Biene ihre Nahrung
zieht, sondern sich von Pollen nährt. Gamasus Coleoptratorum Linn.,
die auf Hummeln und Käfern häufig vorkommende Milbe, ist durchaus
kein Parasit der Biene, da dieses Thier sich nur zufällig auf eine Biene
verirrt, dieselbe auch schleunigst wieder zu verlassen sucht.
Zweifelhafte Schmarotzer (in dem allgemein angenommenen Sinne) der
Honigbiene sind die Larven von Trichodes alvearius Fabr., welche in
den Nestern der Mauerbiene sehr häufig vorkommen und vielleicht auch,
da die Larven seines Verwandten (Trich. apiarius Linn.) in Bienenstöcken
anzutreffen sind, auch unsere Honigbiene belästigen, und die
Larven von Serropalpus barbatus Schall., eines zur Familie der Melandryadae
gehörenden Käfers.3
Es lässt nun kaum einen Zweifel übrig, dass man in der Folge noch
mehr Parasiten an diesem Hymenopteron entdecken wird. So z. B.
dürfte man leicht vermuthen, dass auch Gordius aquaticus und Mermis
nigrescens, welche ja ohne Unterschied in den verschiedensten Insecten aller
Ordnungen vorkommen, auch die Honigbiene nicht ausschliessen werden.
Von den vier oben angeführten Schmarotzern gehören die beiden
ersteren zu der Ordnung der Zweiflügler und die beiden letzteren zu der
Ordnung der Saitenwürmer. Nur ein Schmarotzer, Braula coeca lebt als
Ectoparasit und zwar als ein stationärer lebenslänglicher — um mich
der Eintheilung Leuckarts zu bedienen.4
— Die übrigen drei, Phora
incrassata, Gordius subbifurcus und Mermis albicans sind Endoparasiten
und zwar periodisch stationäre.
Dass ich in den Abbildungen, die Larven von Meloë cicatricosus in
allen ihren Stadien aufgenommen habe, welches Insect noch gar nicht an
der Honigbiene beobachtet wurde, darf man mir nicht verargen; denn
von Meloë variegatus und M. Proscarabaeus hätte ich doch nur so zu
sagen Fragmente liefern können, da die weiteren Verwandlungsformen
dieser beiden Meloëspecies noch nicht bekannt sind. Da sich aber die
Primitivlarven des Genus Meloë so sehr unter einander gleichen, so darf
man annehmen, dass auch die weiteren Verwandlungsformen, die zweite Larvenform,
die Pseudochrysalide, die dritte Larvenform — welche letztere
ich jedoch, da sie der zweiten Larvenform gleicht, nicht abgebildet
habe — und die Nymphe der übrigen Meloën mit denen der Meloë cicatricosus
übereinstimmen werden. Nur so konnte ich also alle Verwandlungsstadien
dieses Käfergeschlechts abbilden.
Sämmtliche Abbildungen sind stark vergrössert. Die Trichodeslarve
und Nymphe, die Phoralarve und Puppe, so wie die Larve von Braula
und Mermis albicans sind von mir selbst entworfen. Die übrigen Figuren
sind aus den Arbeiten der Herren: Newport,
Fabre, Brand-Ratzeburg, Meigen,
Zenker, Meissner und Leuckart entlehnt.
Leipzig, im März 1865.
Der Verfasser.
Arthropoda. Gliederthiere.
Classe. Insecta. Kerfe.
Ordnung. Coleoptera. Käfer.
(Eleutherata Fabricius.)
Familie. Cleridae, Westwood. Pfaffenkäfer.
Westwood, Descriptions of new species of Cleridae etc. (ProceedProceed. Zoolog. soc.
of London, 1852 pag. 34, 1856 pag. 19. — Clerides, Latreille, Genera
Crustaceorum et Insectorum, Tom. I. pag. 269.269.)
Characteristik. Meist mittelgrosse, oder auch kleinere, bunt gefärbte — roth,
blau, metallischglänzend — Käfer von schlankem, fast
walzenförmigem, eingeschnürtem, ziemlich weichhäutigem — jedoch nicht
so weichem, wie bei den Malacodermen — mehr oder minder dicht behaartem
Körperbau. Der Kopf ist gross von Breite des Halsschildes,
aus diesem mehr oder weniger hervortretend, mit von der Stirn getrenntem
Kopfschilde und deutlicher Oberlippe, kräftigen, scharfspitzigen, am
Innenrande grösstentheils gezahnten und mit einem membranösen, am
Rande gefranzten Saume versehenen Oberkiefern. Unterkiefer mit zwei,
vorn gefranzten Laden. Kiefertaster viergliedrig, mit meist beilförmigem,
oft auch langovalem, am Ende zugespitztem oder cylindrischem Endgliede.
Kinn viereckig. Die Zunge theils häutig, theils hornig, der vordere
Theil in zwei rundliche Lappen erweitert, am Vorderrande flach
ausgebuchtet und gefranzt. Die Nebenzungen durch schräge, gefranzte
Leisten sehr wahrnehmbar angedeutet. Lippentaster dreigliedrig, das
Endglied oft beilförmig und nicht selten länger als die Kiefertastern.
Die Fühler vor den Augen, an der Seite der Stirn entspringend, elfgliederig,
die ersten Glieder rundlich oder verkehrt konisch, die folgenden
mehr oder weniger gesägt, die Endglieder oft eine Keule bildend, deren
letztes Glied häufig sehr beträchtlich verdickt ist. Die Augen innen
ausgerandet, ungleich facettirt und gekämmt, gröber und feiner.
Das Halsschild cylindrisch, grösstentheils nach hinten verschmälert,
von dem Grunde mehr oder weniger eingeschnürt, am Grunde meist
schmäler als die Flügeldecken. Die Unterseite der Vorderbrust wird
aus den umgeschlagenen Rändern des Halsschildrückens und der Vorderbrust,
die mit ihm mehr oder weniger stark verschmolzen ist, gebildet.
Gelenkgruben der Vorderhüften hinten weit geöffnet. Das Sternum, die
Episternen und Epimeren der Mittelbrust deutlich geschieden. Die Episternen
der Hinterbrust lang, nach hinten ein wenig verschmälert, die
Epimeren von dem Flügeldeckrande bedeckt.
Die Flügeldecken den Hinterleib vollständig umfassend. Vorderhüften
cylindrisch-konisch, ein wenig hervortretend, die mittleren kürzer
fast kuglig, beide meist mit mehr oder minder getrennten Gelenkschienen.
Hinterhüften quer tief eingesenkt, von den Schenkeln bedeckt.
Tarsen fünf- oder viergliederig mit häutigen Haftläppchen versehen.
Hinterleib aus fünf bis sechs Bauch- und acht Rückenringen bestehend.
Die Larven sind langgestreckt, niedergedrückt, mit Einschluss des
Kopfes dreizehnringelig, meist fleischig, gelb oder heller oder dunkler
roth gefärbt, mit hornigem, horizontal vorgestrecktem, abgeflachtem Kopf,
grosser Hornplatte auf dem Vorderrücken und je zwei kleinen auf dem
Mittel- und Hinterbrustringe. Am Hinterleibe der letzte Ring, Afterring,
oben mit hornigem Schilde versehen, gegabelt. Der After zapfenförmig
als Nachschieber vorragend. Luftlöcher neun Paar vorhanden, acht an
den Seiten der acht ersten Hinterleibsringe, das neunte auf der Unterseite
des Mittelbrustringes.
Oberlippe vorgestreckt, kürzer als breit, vorn ausgebuchtet. Oberkiefer
ziemlich kurz aber kräftig und scharf mit sichelförmig gebogener
Spitze. Unterkiefer mit dem Kinn verwachsen, dicht neben der Unterlippe
eingelenkt mit dreigliedrigen Tastern. Lippentaster zweigliedrig.
Fühler kurz, unmittelbar über der Einlenkung der Oberkiefer entspringend,
viergliederig. Nebenaugen jederseits fünf in zwei Reihen, die vordern
aus drei, die hintern aus zwei bestehend. Beine ziemlich kurz oder
auch ansehnlich (Trichodes), aus drei Gliedern bestehend, einklauig.
Lebensweise. Die Käfer trifft man auf Blumen oder geschlagenem
altem Holze, an morschen Baumstämmen, manche auch an Cadavern.
Sie fressen die Antheren der Blüthen, doch dürfte ihre Hauptnahrung
aus animalischer Kost bestehen, wenigstens habe ich Trichodes apiarius
auf Doldengewächsen beobachtet, wie er eine Syrphuslarve erfasste und
dieselbe ausweidete. Vom Genus Clerus ist es schon längst bekannt,
dass seine Repräsentanten den verschiedenen Insecten, vorzüglich den
Holzinsecten nachstellen.5
Corynetes ruficollis traf ich auch an todten
Schnecken.
Die Larven dieser Käfer leben grösstentheils unter der Rinde der
Bäume, in morschem Holz, wo sie in den Gängen der Larven anderer
Insecten, diesen nachstellen und sie verzehren. Einige von ihnen leben
in den Nestern von Bienen, deren Brut sie fressen. Noch andere nähren
sich von Aas.
Geographische Verbreitung und Artenzahl. Die Familie
der Cleriden umfasst gegen 500 verschiedene Arten6
und ist in allen
Welttheilen und Zonen verbreitet, besonders artenreich in den Tropen,
namentlich Americas, in welchem Welttheil fast die Hälfte der bekannten
Arten vorkommt. Europa7
zählt 40 gute Arten, von denen die deutsche
Fauna 11 Species mit einigen Varietäten umfasst.8
Genus. Trichodes Herbst. Immenkäfer.
Herbst, Natursystem etc. Käfer, IV. pag. 154.
Characteristik. Mittelgrosse, in der Grösse einer und derselben
Art sehr variirende, meist dunkelblaue oder ins grünliche ziehende Käfer
mit rothen, blau gebänderten, oder auch umgekehrt mit blauen, roth gebänderten
Flügeldecken. Oberlippe fast viereckig. Oberkiefer an der
Spitze dreizahnig. Unterkiefer mit zwei gefranzten Laden und fadenförmigen
Lippentastern. Kiefertaster mit verlängertem Endgliede. Kinn
schmal. Zunge vorn verbreitert, an jeder Seite rundlich erweitert, am
Vorderrande ausgebuchtet. Lippentaster etwas grösser als die Unterkiefer,
mit verkehrt dreieckigem Endgliede. Fühler ziemlich kurz mit
dreigliedriger, dreieckiger, plattgedrückter Keule. Augen stark dreieckig
ausgerandet. Halsschild cylindrisch, nach hinten verengt. Flügeldecken
verlängert, gleich breit, niedergedrückt. Beine stark, Füsse fünfgliederig,
das erste Glied sehr verkürzt, kaum sichtbar. Die folgenden, ausgenommen
das Endglied, mit breiten Hautsohlen versehen. Letztes Glied
das längste, so lang als die übrigen zusammengenommen.
Die Larven, welche man nur von zwei Arten, Trichodes apiarius
und Trichodes alvearius kennt, stimmen mit den schon bei der Characteristik
der Familie erwähnten Merkmalen überein, sie sind von Färbung
rosenroth und weniger schlank, als die des Genus Clerus und Tillus.
Lebensweise. Die Käfer trifft man meist auf Umbelliferen und
Spiraeaceen, wo sie sich von den Antheren dieser Blüthen, hauptsächlich
aber, wie schon erwähnt, vom Raube anderer Insecten, denen sie auf
diesen Blüthen nachstellen, nähren.
Ihre Larven leben in den Nestern verschiedener Bienenarten (Osmia,
Megachile, Apis) nndund nähren sich daselbst von den Bienenlarven und
Nymphen. Uebrigens scheint es, als ob sie, wenigstens die Larven von
Trichodes apiarius, es mit der Systematik nicht so genau nehmen, sondern
auch Larven, die gar nicht zur Familie der Bienen gehören und
von diesen sich weit entfernen, fressen. Nach meiner Beobachtung leben
die Larven des Trichodes apiarius auch im Holze in den Gängen der
Sirexlarven, denen sie nachstellen, und die sie, namentlich die jüngeren
Sirexlarven verzehren9. Versuche, die ich mit eingesperrten Trichodeslarven
anstellte, bewiesen jedoch, dass nicht jede Insectenlarve von ihnen
verzehrt wird, wie es etwa die meisten Carabidenlarven thun.
So gab ich meinen Larven von Trichodes apiarius kleine Larven
von Nematus salicis, welche sie unberührt liessen. Desgleichen wurden
kleine Raupen von Plusia gamma nicht verzehrt. Dagegen frassen sie
sehr gern Aphis pruni, ferner weideten sie todte Arbeitsbienen aus.
Trichodes apiarius, Linné. Gemeiner Immenkäfer.
(Bienenkäfer.) Taf. II. Fig. 1-3.
Herbst, Natursyst. etc. Käfer, IV. pag. 156. 1. Taf. 41. Fig. 11. — Fabr.
Syst. Eleuth. Tom. I. pag. 284. 6. — Schönh. syst. insect. Tom. II. pag. 48.
6. — Sturm, Deutschl. Faun. XI. Bd. pag. 24. — Klug, Clerii, pag. 74. 2. — Spinola,
Essai monograph. sur les Clérites, Tom. I. pag. 305. 7. — Erichs.
Ins. Deutschl. Bd. IV. Bearb. v. v. Kiesenw. pag. 689. 3.
Attelabus apiarius Linné, syst. natur. I. II. pag. 260. 10. — Clerus apiarius
Illig. Käf. Preuss. Tom. I. pag. 283. 3. — Oliv. Entom. Tom. IV. 76. pl. 7.
4. Taf. I. Fig. 4. — Panz. Faun. German. pag. 31. 13. — Rossi, Faun.
Etrusc. Tom. I. pag. 138. 353.
Die Larve: Swammerdam, Bibel der Natur, pag. 210. Taf. 26. Fig. III. a, b, c. — Réaumur,
Mém. etc. IV. III. Tab. 8 (sub nomine Trich. alveari us.)
Characteristik. Glänzend schwarzblau, dicht punktirt, rauhhaarig,
Flügeldecken nach hinten etwas erweitert, grob punktirt, hochroth
mit dunkelblauer Spitze und zwei solchen Binden, die sich bald stark
ausbreiten, bald verschmälern, oder die erste Binde löst sich in einzelnen
Flecken auf und ist in seltenen Fällen gar nicht vorhanden. — Länge
5 bis 6‴, Breite 1,76 bis 2,5.
Die Larven (Taf. II. Fig. 1.) sind rosenroth mit einzeln stehenden
braunen Härchen besetzt. Kopf, Thoracalschilde, Beine und Nachschieber
bräunlich. — Länge 6 bis 7‴, Breite 1,25‴,1,25‴.
Die Nymphe (Taf. II. Fig. 2) ist gelblich-weiss, auf dem Kopf,
Rumpf und der Rückseite des Hinterleibes mit feinen, langen, gelblich
rothen Härchen besetzt. Am letzten Leibesringe befinden sich zwei
aufwärts gekrümmte fleischige Afterstachel. — Länge 5‴, Breite 1,75‴.
Lebensweise. Die Käfer findet man im Mai und Juni, in Russland — dem
nördlichen und mittleren — auch noch im Juli, auf verschiedenen
Blumen, besonders Umbelliferen, Spiraeaceen und auch Compositen,
oft ziemlich häufig.
Was nun den Parasitismus der Larven in Bienenstöcken anlangt,
so trifft man sie in Russland von Juli bis zum Mai des nächsten Jahres
auf dem Boden unreinlich gehaltener Klotzbauten, wo sie sich wie die
Ohrwürmer und Wachsmottenraupen in den Spalten verborgen halten
und gelegentlich aus ihnen hervorkommen, um die von den Arbeitsbienen
auf den Boden heruntergeworfenen halbtodten oder todten Bienen,
sowie Bienenlarven und Bienennymphen zu fressen. Die Bienen und
Bienennymphen weiden sie nur aus, die Bienenlarven aber verzehren sie
gänzlich. Ein weiteres Heraufkriechen in den Bienenbau, um etwa dort
der Bienenbrut nachzustellen, habe ich an ihnen nicht beobachten können,
bezweifle aber durchaus nicht, dass es geschehen könnte, wenn ein
Stock schwach ist und seinen Bau nicht hinreichend belagert. Ist die
Trichodeslarve aber einmal im Bau der Bienen in eine Bruttafel gelangt,
dann möchten wohl die Bienen die Larve schwerlich herausholen. Denn,
nachdem die Larve sich in eine verdeckelte Brutzelle hineingebissen hat,
so bohrt sie sich gleich weiter seitwärts längs den Zellenböden in die
Brut hinein und macht förmliche Gänge nach allen Richtungen, jedoch
ohne etwa erst eine Bienennymphe zu verzehren, sondern presst sich
unter die Bienennymphen, ohne sie zu verletzen hindurch, und beginnt
erst ihren Frass im Centrum. So verfuhren die Larven, die ich einem
kleinen Ablegerchen aus einer Brutwabe und ein Paar hundert Bienen
bestehend, gab.
Die Käfer legen ihre Eier wahrscheinlich aussen in die Fugen und
Ritzen der Bienenstöcke und bei schwachen Stöcken auch wohl in's
Innere derselben. Wenigstens traf ich im Juli vorvorigen Jahres (1863)
einen Trichodes apiarius in einem jungen volkarmen Stock auf dem
Bodenbrett, woselbst sich auch im Gemüll vier gelbliche kugelrunde Eier
von der Grösse eines Mohnkornes fanden. Die Eier gelangten leider
nicht zur Entwickelung, sondern schrumpften ein und vertrockneten,
wodurch es allerdings unerwiesen blieb, ob die Eier wirklich dem erwähnten
Käfer gehörten. Eine Section des Käfers gab auch keinen
Aufschluss, da der Eierstock nur unentwickelte Eikeime enthielt. Allein
ich glaube es deswegen annehmen zu dürfen, dass die Eier ihm gehörten,
weil der Käfer doch eigentlich im Bienenstocke nichts zu suchen
hatte, als eben seine Brut an einen passenden Ort unterzubringen. Wenn
die Larven aus den Eiern geschlüpft sind, begeben sie sich höchst wahrscheinlich,
wenn es die Verhältnisse des Stockes erlauben, d. h. wenn
der Stock nicht etwa kräftig genug ist und den fremden Thieren den
Zutritt verwehrt, sehr bald in die Brutzellen, um daselbst ihre Wohnung
aufzuschlagen. Ich hatte kleine Larven von etwas über eine Linie Länge,
die gewiss vor Kurzem erst aus den Eiern gekrochen sein mochten,
welche aber, als ich ihnen ein Stück von einer Bienenbrutwabe ins Glas
gab, sich sogleich, wie schon oben erwähnt, in die Brutzellen einbohrten.
Die Larven verlassen, sobald keine Brut mehr im Stocke ist, den
Wachsbau und verkriechen sich in die Spalten und Fugen des Stockes,
wo sie überwintern. Im April fangen sie wieder mit dem Frasse an,
was sie bis in den Mai fortsetzen, zu welcher Zeit sie ausgewachsen sind.
Jetzt begeben sie sich zur Verwandlung in die Erde, woselbst sie sich
eine inwendig glatte Höhle, die sie mit einem Gespinnst austapeziren,
machen und nach drei oder vier Tagen in eine Nymphe verwandeln, an
der man sogleich einen Cleriden erkennt. Nach 35 oder schon nach
30 Tagen entwickelt sich der anfangs nur gelbliche Käfer.
Es scheinen aber auch manche Larven schon im nämlichen Jahre im
September sich zu verpuppen und als Puppen zu überwintern, in welchem
Falle dann der Käfer im Mai erscheint. So verpuppten sich bei
mir die schon erwachsenen Larven, welche ich in Baumstämmen in den
Gängen der Sirexlarven fand, im September desselben Jahres. Wie daher
bei Swammerdam l. c. die Nymphen so lange Zeit brauchten, ehe
sie sich zum vollkommenen Insekt entwickelten — er giebt ein volles
Jahr für die Nymphenruhe an — ist mir nicht klar.
Apistische Bedeutung. Im Ganzen genommen scheinen die Trichodeslarven
den Bienenstöcken nicht viel oder überhaupt nur den
schwachen Völkern, die ihnen den Zugang nicht versperren, zu schaden.
Nur wenn sie in grosser Zahl in einem Stock und zwar im Brutnest sich
einfinden, können sie den Stock durch die Gänge, die sie machen, wobei
jede Larve allerdings hundert und mehr Brutzellen an der Seite dicht
am Boden aufreisst, schwächen und ihm viel Arbeit verursachen, weil die
verdeckelten BienennympfenBienennymphen, wenn die Wandungen der Zellen, in welchen
sie liegen, von den Trichodeslarven aufgebissen werden, absterben und
so Veranlassung zu der sogenannten nicht ansteckenden Faulbrut geben
können.
Uebrigens ist der Käfer gerade nicht so sehr häufig und seine
Brut ist ja, wie aus dem früheren ersichtlich, nicht allein auf die Honigbiene,
sondern und was noch häufiger der Fall ist, auf andere Bienen
und Hymenopteren angewiesen.
Dagegen scheinen die Trichodeslarven in Frankreich in den Bienenstöcken
häufiger vorzukommen, wenigstens erwähnt Perris (Annales de
la société entomologique de France, 3. Série 1854. II. pag. 619), dass
die Larven von den Bienenzüchtern daselbst gekannt seien und als vers
rouges bezeichnet werden.10
Prophylaxis. Ein rationeller Bienenzüchter, der die Bienenzucht
in Stöcken mit beweglichem Wabenbau betreibt, wird wohl schwerlich
je von diesem Insekt Nachtheile verspüren, da er es gar nicht im Stocke
aufkommen lassen wird. Das häufige Auskehren der Stöcke, das Reinhalten
von Gemüll und dergleichen ist das beste Vorbeugungsmittel.
Familie. Vesicantia Mulsant. Blasenziehkäfer.
(Cantharidiae Latreille.)
Mulsant, Histoire naturelle des Coléopteres de France. Vesicantes.
Characteristik. Mittelgrosse bis grössere, grün, blau, schwarz,
meist metallisch glänzende, oft auch bunt gefärbte Käfer von weichem
häutigem Körperbau.
Der Kopf ist gross, meist breiter als das Halsschild, gesenkt, herzförmig
oder dreiseitig, hinter den Augen verlängert und erweitert, dann
stark halsartig verengt. Oberkiefer einfach zugespitzt. Unterkiefer mit
hornigen Laden, die inneren oft schwindend. Kiefertaster fadenförmig,
das letzte Glied kaum etwas dicker, rund oder abgerundet. Endglied der
Lippentaster verbreitert, abgestutzt. Fühler meist elf-, seltener acht- bis
zehngliederig, fadenförmig oder schnurförmig, oder auch kurz und
kolbig. Augen grösstentheils quer, manchmal ausgerandet.
Halsschild cylindrisch rundlich oder viereckig nach hinten gewöhnlich
verbreitert, schmäler als die Flügeldecken. Schildchen bei einigen
fehlend. Metathorax verlängert, seltener sehr kurz. Die Flügeldecken
biegsam, häufig den Körper nicht ganz bedeckend, bei einigen sogar verkürzt,
von einander abstehend und sodann die Hinterflügel fehlend.
Vorderhüften sehr gross, zapfenförmig abwärts stehend. Mittelhüften
von den hinteren meist entfernt, seltener die hinteren bedeckend. Hinterhüften
einander genähert. Fussglieder heteromer, meist ungetheilt.
Klauen gespalten.
Hinterleib mit sechs bis sieben freien Bauchringen.
In anatomischer Hinsicht ist aus der Familie der Vesicantien das
Genus Meloë, Lytta und Mylabris ziemlich erschöpfend untersucht worden.
Meloë besonders von Brandt und Ratzeburg,11
Newport12
und in
neuester Zeit auch noch von Leydig.13
Alle drei Genera dieser Familie
stimmen im Wesentlichen mit einander überein, so dass man die Gattung
Meloë in dieser Beziehung als den Grundtypus betrachten kann.
Vom Nervensystem ist vorzugsweise zu erwähnen, dass die Lobi
optici sich vom Gehirn deutlich abschnüren und einige dunkelviolette
(wenigstens bei Meloë) Pygmentflecke wahrnehmen lassen, sonst ist das
Neurilemm röthlichgelb (Meloë) gefärbt. Thoracalganglien sind drei vorhanden,
breiter als lang, aus den Längscommissuren zwischen dem ersten
und zweiten Knoten verläuft jederseits ein Seitennerv. Vom dritten
Knoten gehen zwei stärkere und acht schwächere Seitennerven ab, ausserdem
aber noch ein Nervengeflecht, welches Leydig a. a. O. pag. 287.
als ein sympathisches auffasst. Abdominalganglien vier, länglich oval,
das letzte das grösste, länglich, hinten abgerundet. Die Commissuren
zwischen ihnen sehr lang. Aus den drei vorderen Abdominalganglien
zwei sich übereinander deckende Seitennerven entspringend. Ein sympathisches
mediales Ganglion erscheint als ein gestieltes Beutelchen am
Vorderrande des zweiten Bauchganglions zwischen den beiden Längscommissuren.
Die sympathischen Seitenganglien sind weissgrau.
Circulations- und Respirationssystem zeigt bei den Vesicantien keine
besonders wesentlichen Unterschiede von den Coleopteren überhaupt.
Die Speiseröhre ist kurz, erweitert sich nach hinten und lässt innen
eine mehr oder weniger deutliche Abschnürung durch die Cardia, eine
Art Vormagen, wahrnehmen und deutliche Längsfalten erkennen. Der
Magen ist gross, länglich, cylindrisch, innen quer gerunzelt mit Spuren
von Zotten, von dem engeren Darm mehr oder weniger deutlich abgegesetztabgesetzt.
Der Darm macht drei Biegungen und hat an der zweiten Krümmung
vier Malpighische Gefässe. Der Mastdarm ist deutlich abgeschnürt.
Die Ovarien sind beeren- oder traubenförmig, die Eiröhren sehr zahlreich
und zählen beim befruchteten Weibchen mehrere Tausend Eier.
Samentasche mit einem Nebenbläschen. Eine Anhangsdrüse. Die paarigen
Hoden sind rundlich mit dünnem, sehr langen Samenausführungsgange
und drei paarigen in den Ductus ejaculatorius mündenden schlauchförmigen
Glandulae accessoriae, von denen das eine Paar besonders lang
und vielfach geschlängelt erscheint, die andern bedeutend kürzer sind.
Der Ductus ejaculatorius ist hinten mehrmals geschlängelt.
Die Larven der Vesicantien sind ausser von Meloë noch von Cantharis,
Apalus und Sitaris bekannt und stimmen in der Bildung und
Lebensweise mit einander sehr überein. Sie sind in der Jugend von hornigem
langestrecktem, plattgedrücktem Körperbau und scharfen Kiefern,
dreigliedrigen mit einer langen Endborste versehenen Fühlern, zwei bis
vier Ocellen, einem Paar weit ausgespreizten halbkörperlangen Beinen,
einem Paar Nachschieber und langen vom Endsegment entspringenden Borsten,
die ihnen zum Springen dienen. Später erscheinen sie dick, walzig,
weichhäutig und mehr oder weniger den Larven der Lamellicornien
ähnlich.
Lebensweise. Die Familie der Vesicantien ist phytophag, man
trifft die Käfer auf verschiedenen kräuterartigen Gewächsen, weniger auf
Bäumen, Sträuchern. Sie nähren sich meist von Blättern, manche auch
von den Antheren der Blüthen (Mylabris und Cerocoma traf ich häufig
auf den Blüthen der Labiaten und Umbelliferen, sowie Spiraeaceen, deren
Staubbeutel sie abnagten). Ihre Erscheinungszeit ist sehr verschieden,
einige trifft man mehr und sogar nur im Vorsommer, andere
mehr im Spätsommer bis in den Herbst. Manche von ihnen erscheinen
oft in grosser Menge, andere und zwar der weit grösste Theil
kommt nur vereinzelt vor. Die meisten von ihnen enthalten einen sehr
scharfen, blasenziehenden Stoff, welcher aus Cantharidin besteht und der
bei einigen aus den Gelenken der Beine als ein gelber Saft bei der Berührung
hervortritt.
Die Käfer sind meist harmlose Thierchen, die nichts schaden, vielmehr
erweisen sich viele von ihnen dem Menschen durch ihre blasenziehende
und andere Eigenschaften als höchst nützlich und werden daher
in der Officin gebraucht, so namentlich in Europa das Genus Cantharis14,
so wie Meloë, letztere freilich schon obsolet, in neuester Zeit aber wieder
in Aufnahme kommend.15
Nur die Larven einiger Arten üben durch
ihren gelegenheitlichen Aufenthalt auf den Bienen, namentlich die der
Meloë auch auf der Honigbiene, einen nachtheiligen Einfluss auf diese
und schaden dadurch auch dem Menschen.
Zum Ablegen ihrer zahlreichen Eier graben die Weibchen entweder
ein Loch an einer beliebigen Stelle in die Erde, gewöhnlich dicht an
der Wurzel einer Pflanze, legen die Eier in dasselbe klumpenweise ab
und decken sie mit Erde zu, oder sie legen die Eier in unmittelbare
Nähe von Bienenstöcken. Im ersteren Falle begeben sich die ausgeschlüpften
sehr munteren Larven sogleich nach dem Auskriechen aus
dem Ei schaarenweise oder in grösseren Partien auf die verschiedensten
in ihrer Nähe sich befindenden Blüthen der niederen Pflanzen, vorzüglich
Compositen, Ranunculaceen, Papilionaceen und Labiaten, wo sie
auf die Bienen, in den Blüthen versteckt, harren. Setzt sich eine Biene
auf die mit den Larven behafteten Blüthen, um Honig oder Blumenstaub
einzusammeln, so suchen sie flugs die Biene zu erklimmen, um sich auf
ihrem Thorax festzusetzen, oder sie bohren sich gar zwischen ihre
Ringe oder Gelenke ein und lassen sich so von der Biene in den Bienenbau
schleppen16. Im Bienenbau angekommen, verlassen sie die
Biene. Im andern Fall begeben sich die ausgekrochenen Larven direct
in das Bienennest. Hier besteht ihre erste Nahrung aus einem Bienenei.
Hat die Larve ein Bienenei verzehrt, so häutet sie sich, wobei sie ihre
frühere paradoxe Gestalt verliert und wie oben schon angegeben, ein
engerlingartiges Aussehen bekommt. Von nun an lebt sie in dem Bienenstock,
bis zu ihrer Verpuppung als Tellerlecker von Pollen und Honig
(Bienenbrod) der Bienen.
Es entsteht aber aus dieser zweiten Larvenform, indem die Haut
sich abhebt, jedoch ohne zu bersten, innerhalb derselben, eine Art horniger
Puppenform ohne alle Bewegungsorgane, welche Fabre17
als Pseudochrysalide
bezeichnet und die wie die Nymphe gar keine Nahrung zu
sich nimmt und in Ruhe verharrt. Nach einiger Zeit hebt sich die Hornhaut
abermals ab und es geht als dritte Larvenform eine wiederum weichhäutige,
der zweiten Larvenform sehr ähnliche ebenso vom Bienenbrod
sich nährende Larve hervor, die sich endlich in eine wirkliche Nymphe
verwandelt, aus der der Käfer hervorgeht. Es macht also die Larve,
ehe sie sich zur echten Nymphe verwandelt, vier Formen durch und
zwar drei als Larve und eine als Pseudochrysalide. Diesen merkwürdigen
Verwandlungsgang, der bis jetzt bei keinem anderen Insect, ausser
dieser Käferfamilie beobachtet wurde18,
sah sich Fabre a. a. O. pag. 364.
veranlasst, mit dem Namen Hypermetamorphosis zu benennen.
Geographische Verbreitung und Artenzahl. Die Familie ist
in allen Welttheilen repräsentirt und besonders zahlreich in den wärmeren
Gegenden. Europa zählt 10319
verschiedene Arten mit vielen Varietäten.
Auf Deutschland kommen aber nur 21 Species.20
Genus. Meloë Linné. Oelkäfer.
(Maiwurm.)
Linné, systema naturae. Tom. II. pag. 696.
Characteristik. Ziemlich grosse, dicke ungeflügelte mit verkürzten
Flügeldecken versehenenversehene Käfer von dunkler, metallisch schillernder Farbe.
Der Kopf breiter als das Halsschild, dreieckig. Endglied der Kiefertaster
eiförmig. Fühler elfgliedrig, schnurförmig, beim Männchen
länger und oft durch ein grösseres Glied in der Mitte unregelmässig.
Augen quer nierenförmig.
Das Halsschild klein, rundlich oder viereckig, nach hinten nicht verbreitert;
Schildchen fehlend. Metathorax sehr kurz, Flügeldecken verkürzt,
zuweilen jedoch so lang, oder auch etwas länger als der Hinterleib,
abgerundet, vorn breit, an der Basis sich gegenseitig deckend, nach
den Enden zu allmälig divergirend, grösstentheils runzelig. Flügel fehlend.
Beine ziemlich kurz, stark, zusammengedrückt; Mittelhüften die
hinteren bedeckend. Schienen gegen die Spitzen dreieckig erweitert;
Klauenhälften gleich lang.
Hinterleib im Umriss länglich oval, oft wurmförmig, dick, weich aus
sechs Ventralringen zusammengesetzt.
Die Larven der Meloë sind in ihrer Jugendform von mehreren Arten
schon seit lange bekannt21
und von manchen Naturforschern irrtthümlichirrthümlich
als ein eignes Genus und gute Arten in das Thiersystem eingeführt
worden.22
Ihre weiteren Verwandlungsformen kennt man jedoch
nur von Meloë cicatricosus, dessen Naturgeschichte vornehmlich Newport23
und Fabre24
monographisch abgehandelt haben. Die Primitivlarven
sind, wie schon bei der Familie der Vesicantien überhaupt geschildert,
von horniger Consistenz, langgestreckt, plattgedrückt, dreinzehnringeligdreizehnringelig,
mit scharfen gebogenen Oberkiefern, dreigliedrigen, das Endglied
mit einer langen Borste versehenen Fühlern, zwei Ocellen, weit ausgespreizten
mit scharfen Krallen besetzten Beinen und vier langen vom
Endsegment entspringenden Borsten. (Vergl. Taf. I. Fig. 1.)
Der Kopf ist breit, flachgedrückt, mit gerundetem Vorderrande.
Oberkiefer schlank, fast halbmondförmig gebogen, zugespitzt. Unterkiefer
dick, mit dreigliedrigen Tastern. Fühler dreigliedrig, die zwei ersten
Glieder dick, das Endglied dünner mit langer Borste. Augen (Ocellen)
jederseits eins, hinter den Fühlerwurzeln liegend, hervorragend, gross,
rund.
Die drei Brustringe sind quatratischquadratisch, oben und an den Seiten mit
nach rückwärts gerichteten Borsten besetzt. Beine weit ausgespreitzt;
Hüften kräftig, kurz. Schenkelring deutlich ausgebildet; Schenkel kräftig;
Schienen lang, schlank; die Füsse mit lancettförmigen Krallen versehen,
zu deren beiden Seiten ein beweglicher Dorn eingefügt. Hinterleib zehngliedrig,
gestreckt, schmal, spindelförmig, am Seitenrande eines jeden
Ringes mit starken, steifen, nach rückwärts gerichteten Borsten besetzt,
von denen die vier am vorletzten Abdominalsegment befindlichen sehr
lang sind, besonders die zwei inneren. Letztes Segment mit zwei Nachschiebern.
Stigmen zehn Paar vorhanden, ein Paar auf dem zweiten
Brustringe, neun Paar auf den Hinterleibsringen; die des ersten Abdominalringes
und die des Metathorax sind grösser als die Uebrigen.
Die zweite Larvenform (Vergl. Taf. I. Fig. 2.) besitzt ganz die
äussere Gestalt eines Engerlings, ist weich, fleischig, blind, mit einem
sehr feinen, nur durch die Loupe sichtbaren Flaume bedeckt, mit Einschluss
des Kopfes dreizehnringelig, von welchen Ringen der Metathorax
und die ersten acht Abdominalringe die Stigmen tragen; das letzte
Abdominalstigmenpaar ist etwas kleiner.
Der Kopf ist hornig. Oberlippe hervorragend, trapezisch. Oberkiefer
stark, kurz, stumpf, wenig gebogen, schwindend und jeder innen
mit einem breiten Zahne versehen. Maxillen und Lippentaster dreigliederig.
Fühler am Grunde der Oberkiefer eingelenkt, dreigliederig, das
erste Glied dick, kugelförmig, die folgenden viel dünner, cylindrisch.
Füsse kurz, jedoch ziemlich kräftig mit einem starken Nagel versehen,
zum Kriechen und Graben tauglich.
Die Pseudochrysalide ist dreizehnringelig, hornig, von dickem plumpen,
etwas gekrümmtem Körperbau, auf der Rückseite stark convex, auf
der Bauchseite flach. Rück- und Bauchseite von einer hervorragenden
eingefassten Wulst getrennt. Der Kopf stellt eine Maske dar, an der
einige unbewegliche Erhabenheiten übereinstimmend mit den zukünftigen
Theilen des Kopfes unbestimmt ausgeprägt sind. Füsse fehlen, anstatt
dieser drei Paar Tuberkeln auf dem Thoraxsegment. Stigmen neun Paar,
ebenso vertheilt, wie bei der zweiten Larvenform. (Vergl. Taf. I. Fig. 3.)
Die dritte Larvenform stimmt mit der zweiten überein. Die Nymphe
hat keine besonderen Auszeichnungen. (Vergl. TafTaf. I. Fig. 4.)
Lebensweise. Die Oelkäfer trifft man auf Wiesen, Feldern, an Bergabhängen,
Steinen, im lichten Gehölz, auch, wie wohl selten, in Gärten,
meist an Orten von leichter Bodenart. Sie sind Standthiere, die fast
alljährlich auf derselben Stelle vorkommen und im Mai, in manchen
Jahren auch schon im April erscheinen und etwa bis Ende Juni leben.
Ihre Nahrung besteht aus niederen Pflanzen, vorzüglich jungen weichen
Gräsern, Löwenzahn, Veilchen u. s. w., die sie mit grosser Gefrässigkeit
Morgens und gegen den Abend verzehren, wobei sie oft das Futter mit
einem Vorderfusse, besonders mit den Schienbeindornen desselben festhalten
und häufig im Fressen eine Pause machen, um mit den Vorderfüssen
die Fühlhörner und Fressspitzen von oben nach unten zu streicheln.
Während der Mittagshitze verbergen sie sich vor der Sonne ins Gras,
nur an trüben Tagen trifft man sie auch in den Mittagsstunden herumkriechend
und Nahrung zu sich nehmend. Ihre Bewegungen sind ziemlich
plump und unbeholfen, indessen vermögen sie Fuss- und ein Paar
fusshohe Pflanzen zu erklimmen, indem sie beim Klettern die Pflanze
mit ihren Füssen umklammern. Bei der Berührung ziehen sie die Beine
und Fühler an sich und lassen aus allen Kniegelenken einen scharfen,
ätzenden auf zarter Haut schnell Blasen ziehenden, gelben, wie Oel aussehenden
Saft, welcher schwer zu vertilgende Flecke auf Haut und Kleider
macht und der zum Theil aus Cantharidin besteht, hervorquellen.
Seine hellgelben Eier legt das Weibchen in ein über ein Zoll tiefes
Loch, welches es in nicht zu losem, aber auch nicht zu festem Erdboden
mit den Vorderfüssen gräbt, während es mit den Hinterbeinen und dem
Hinterleibe die ausgescharrte Erde wegschiebt. Ist das Loch schon ziemlich
tief gegraben, so sucht es durch kreisförmige Bewegungen mit dem Körper
dasselbe zu runden, wobei es mit der Arbeit von Zeit zu Zeit inne hält,
um auszuruhen. Wenn die Erde sich vor der Oeffnung in grosser Menge
angehäuft hat, so kriecht das Thierchen sehr häufig heraus und vertheilt
die Erde auf den Seiten, damit sie das Loch nicht wieder verschütte.
Ist das Loch endlich von der nöthigen Grösse gegraben worden, so
kriecht das Thierchen aus demselben heraus und setzt sich jetzt mit dem
Hinterleibe in dasselbe, so dass nur der Kopf und die Vorderfüsse, welche
an dem Lochrande wie angeklammert ruhen, zu sehen sind. In dieser
Lage und unter abwechselnden Taster- und Fühlerbewegungen setzt
es die Eier in mehreren Absätzen haufenweise ab. Nachdem dies geschehen,
schiebt es mit den Vorderfüssen die am Lochrande sich befindliche
Erde gegen sich und bemüht sich, allmählich aus der Oeffnung
herauszukriechen. Ist es herausgekrochen, so schiebt es mit den Vorderfüssen
so viel Erde auf das Loch und drückt sie gleichzeitig mit den
Hinterfüssen und dem Hinterleib an, bis das Loch vollständig damit bedeckt
wird. Während dieser für das Thierchen sehr mühsamen Arbeit
ruht es mehrmals aus. So bald es nur mit seinem Geschäft zu Ende ist,
sucht es sich von diesem Ort schleunigst zu entfernen und fängt sehr
bald darauf zu fressen an. Uebrigens lebt es nach dem Ablegen seiner
Eier nur noch wenige Tage.25
Je nach der mehr oder weniger günstigen Lagerstätte entwickeln
sich die Eier nach 2826
bis 42 Tagen und die sehr lebhaften Lärvchen
kriechen aus der Erde heraus und begeben sich sogleich gesellschaftlich
auf die verschiedensten Blumen, besonders Compositen (Taraxacum
officinale), Cruciferen (Raps, Rübsen), Papilionaceen (Esparsett) und Labiaten
(Ajuga). Hier harren sie, in den Blüthen zwischen den Antheren
versteckt, wie es schon früher bei der Familie erwähnt wurde, auf eine
Biene27, um sich an diese festzuklammern und in ihren Bau schleppen
zu lassen. Die Larven einiger besteigen hierbei meist den Thorax der
Biene und halten sich hier mit Hülfe ihrer sehr spitzen Kiefern und
scharfen Fusskrallen an den Haaren und Borsten fest. Andere bohren
sich mit dem halben und ganzen Körper in die übereinander liegenden
Leibesschienen oder auch zwischen die Halsringe der Biene ein. Die
letzteren verursachen dadurch oft den Tod der Biene, indem sie den
besonders zarten Wachsapparat irritiren. Im Uebrigen ist die Lebensweise
schon bei der Schilderung der Familie erwähnt worden, das Speciellere
wird bei den betreffenden Species angeführt werden.
Geographische Verbreitung und Artenzahl. Die Gattung
Meloë ist mit Ausnahme von Australien in allen
WeltheilenWelttheilen und Zonen
verbreitet. Europa zählt 2228
Arten mit mehreren Varietäten, von diesen
Arten kommen auf Deutschland allein schon 13 Species.29
Meloë variegatus, DonowanDonovan. Bunter Oelkäfer.
Taf. I. Fig. 5 (♂), 5 a.