„In einer großen Stadt in Deutschland, die wir Yburg nennen wollen, ich habe den wirklichen Namen absichtlich weggelassen, besonderer Rücksichten halber — lebte der Commerzienrath Schöler —“
„Commerzienrath?“ fragte unser Freund gespannt und sich etwas weiter aus dem Bette lehnend, das Ganze besser zu hören.
„Der Commerzienrath Schöler; ich muß Sie aber bitten, mich jetzt nicht weiter zu unterbrechen, da Sie sonst den Faden verlieren und dem Ganzen nicht aufmerksam genug folgen können; ich will lieber noch einmal von vorn anfangen: In einer großen Stadt in Deutschland, die wir Yburg nennen wollen, lebte der Commerzienrath Schöler in sehr glücklichen, mit jeder irdischen Lebensgabe reichlich ausgestatteten Verhältnissen. Er besaß ein stattliches Haus mitten in der Stadt, in einer der besten Lagen — die erste Etage bewohnte er selber, die zweite allein trug ihm 400 Thaler Miethe —, war in allen ersten Familien eingeführt, galt für einen Liebling des Königs, trug drei Orden verschiedener Herren Länder, bezog vom Staate noch außerdem eine Pension von 1200 Thalern, und verfügte als Vormund der Tochter eines reichen vor einiger Zeit verstorbenen Bankiers außerdem über ein sehr bedeutendes Capital. Diese junge Dame hieß Rosaura.“
„Der Commerzienrath Schöler war ein anerkannt ehrenwerther und außerdem sehr frommer Mann, Mitglied des Gustav-Adolf-Vereins, Vorsteher eines Armeninstituts, Kassirer des Waisenhauses, Director des Missionsvereins und Protector aller übrigen mildthätigen Anstalten in der Stadt und Umgegend, dabei etwa 52 Jahre alt, noch immer ziemlich rüstig und unbeweibt —“
„Aber Sie wollen doch nicht behaupten, daß dieser Mann“, warf der Commerzienrath Mahlhuber eine fast ebenso erschrockene als erstaunte Bemerkung ein.
„Bitte, unterbrechen Sie mich nicht“, sagte der Doctor rasch, „es gibt in unserm gesellschaftlichen Leben viele Dinge, die wir uns nicht träumen lassen; aber Sie werden gleich selber hören. In dem Hause des Generalsuperintendenten, wo der Commerzienrath freien Eintritt hatte, erkrankte die Tochter so schwer, daß ihr Arzt, ein intimer Freund des Commerzienraths, keine andere Rettung wußte, als sie in ein ziemlich entfernt gelegenes Bad zu einer von seinen eigenen Verwandten zu schicken; das geschah. Die Kasse des Waisenhauses wurde eines Morgens erbrochen gefunden. In dem Local, wo sie aufbewahrt worden, fanden sich deutliche Spuren, daß im Hause selber Irgendjemand mit den Spitzbuben — es war ein Capital von 15,000 Thalern entwendet worden — gemeinsame Sache gemacht hatte; aber trotz allen Nachspürens der Polizei blieb der Dieb unentdeckt. Der Commerzienrath war an dem Nachmittag, wie er das sehr häufig dringender Arbeiten wegen that, der Letzte im Bureau gewesen. Er selber sagte aus, daß bei seinem Fortgehen Alles in der gewöhnlichen und gehörigen Ordnung gewesen sei, und er die Fenster noch selber eigenhändig untersucht habe, ob die Läden fest und gut geschlossen seien. Ein Resultat war nicht zu erzielen, und Mehre, der Unterkassirer, wie der Hausmann und andere niedere Beamte, auf die man in diesem Falle Verdacht werfen mußte, wurden eingezogen und eine Weile in Untersuchungshaft gehalten, und als sich ihnen nichts beweisen ließ, abgelohnt und entlassen.“
„Es ist entsetzlich!“ stöhnte der Commerzienrath.
„Als Director des Missionsvereins“, fuhr der Doctor fort, „hatte der Commerzienrath, der mit Australien und Afrika in brieflicher Verbindung stand und einzelne Freunde dort drüben hatte, übernommen, die Gelder wie die wollenen Unterröcke und Strümpfe für die Heidenkinder an ihre Adressen zu befördern. Die Unterröcke und Strümpfe kamen an, das Geld nicht —“
„Aber da hätten ja die Postscheine augenblicklich ergeben müssen, wo das Geld abhandengekommen“, rief der Commerzienrath erstaunt aus.
„Wahrhaftig, Sie haben Recht“, sagte der Doctor, „daran habe ich noch gar nicht gedacht, sehen Sie, das war ein sehr guter Gedanke, das muß ich mir überlegen. Aber hören Sie weiter. Commerzienrath Schöler nimmt vor einigen Jahren ein armes junges Mädchen, eine Waise, deren Vater und Mutter auf eine schaudererregende Art in dem Brande ihres Hauses umkamen, bei sich auf, läßt sie unterrichten und zieht sie zu seiner Wirthschafterin heran. Das Mädchen heißt Susanna. Die Tochter des Bankiers, sein Mündel, die einige Zimmer in der Etage des Commerzienraths bewohnt, kränkelt indessen seit einiger Zeit und wird von demselben Doctor, der die Tochter des Generalsuperintendenten in das Bad geschickt hat, behandelt. Ihre Krankheit ist eigener Art, nervenlähmend, mit heftigem Drücken des Herzens und Magens.“
„Das kenne ich“, rief der Commerzienrath lebhaft, „das ist der Anfang der Hypertrophie.“
Der Doctor, der sich an seinem Tische gegen ihn mit dem Stuhle gewendet hatte, sah überrascht zu ihm auf, über das Papier weg und sagte ruhig:
„Ich muß Sie ernsthaft bitten alle derartigen Unterbrechungen zu vermeiden, ich sehe mich sonst genöthigt das Lesen aufzugeben.“ Der Commerzienrath überlegte sich eben, ob das überhaupt eine Drohung sei, als jener in den Schriften suchend, die verlorene Stelle wiederzufinden fortfuhr: „Ihre Brust ist beengt, ihr Athem erschwert, häufiger Schweiß auf der Stirn, Uebelkeiten und Kopfschmerzen —“
„Ich gebe Ihnen mein Wort, daß —“ fuhr der Commerzienrath unwillig heraus, biß aber seine Worte kurz ab und schluckte den übrigen Satz hinunter, als er dem finsterzürnenden Blick des Lesenden begegnete.
„Merkwürdig“, sagte dieser, ohne sich weiter stören zu lassen, „daß diese Zustände sich oft auf einige Zeit besserten, ja fast vollkommen hoben, nur um nach einiger Zeit mit um soviel größerer Stärke wiederzukehren, bis sie ihnen endlich erlag. Das Testament kam jetzt zur Vollstreckung, nach dem — solchen Fall vorausbestimmt, daß die einzige Erbin vor ihrer erlangten Mündigkeit sterben sollte — ziemlich bedeutende Summen an Wohlthätigkeitsanstalten und fromme Stiftungen übergingen, für den Rest aber, mit einem Capital von etwa 100,000 Thalern, der Commerzienrath Schöler zum Erben eingesetzt war.“
„Sie hat Gift bekommen!“ rief der andere Commerzienrath, in seinem Bette die Hände vor Entsetzen zusammenschlagend.
„Commerzienrath Schöler war jetzt mehr noch als je ein reicher Mann“, las der Doctor lächelnd weiter, „betrauerte allerdings den Tod der jungen Erbin ein volles Jahr durch schwarze Kleidung und einen breiten Flor um den Hut, setzte sich aber ungesäumt in den Besitz des bedeutenden Vermögens und lebte herrlich und in Freuden.“
„Noch existirte ein armer, aber naher Verwandter des Bankiers, und zwar der Stiefsohn seiner Schwester, der aber, jung und leichtsinnig, dem alten reichen Herrn nie recht gefallen hatte. Karl, so hieß er, war ein herzensguter braver Bursche, selten bei Kasse, es ist wahr, aber stets leichten Herzens und fröhlichen Sinnes, bis er einst in des Onkels Hause, dem er eine Visite machte, dessen Tochter sah — kennenlernte und — mit dem Todespfeile im Herzen die Schwelle wieder verließ.“
„Nun bestand eine Sage in der Familie, daß vor alten Zeiten eine Großmutter dieses jungen Mannes in Indien verheiratet gewesen, später gestorben sei und ein rasendes Vermögen hinterlassen habe, das aber ein malayischer Regent, wegen eines fälschlich in Besitz genommenen Landstrichs, anfechten wollte, und sich ein District in jener Gegend auch schon deshalb empört haben sollte. Eines Morgens tritt plötzlich ein sonnengebräunter Mann, der Aehnlichkeit mit einem Matrosen hat, in Karl’s Thür, fragt ihn, ob er Karl Neumann heiße, der Enkel einer in Indien verstorbenen Frau, Namens Katharina Neumann sei und seine Erbschaft von dort, etwa sieben Millionen spanische Thaler, richtig empfangen habe.“
„Sieben Millionen Thaler!“ flüsterte der Commerzienrath in halblautem Erstaunen vor sich hin.
„Karl schrak zusammen“, fuhr der Doctor fort, „als ob er ein Verbrechen begangen habe und dabei entdeckt worden wäre; seine Wangen verließ das Blut, seine Glieder zitterten und er mußte sich an einem Stuhle halten, um nicht umzusinken.“
„Sieben Millionen Thaler“, stöhnte er, „sieben Millionen Thaler — von Indien?“
„Sie haben nichts empfangen?“ rief der Seemann rasch und erstaunt, „wäre es möglich, daß jener indische Rajah Sie darum betrogen hätte, hm, dann wehe ihm! Allah’s Zorn und meine Rache sollen ihn treffen, und flöhe er zu den Stufen seines Tempels, zu dem Heiligthum des ewigen Sarges, ich würde ihn erreichen.“
„Wer sind Sie?“ fragte ihn Karl, „daß Sie solchen Antheil an meinem Schicksal nehmen, und glauben Sie, daß Sie mir zu der Erbschaft oder wenigstens zu einem Theile derselben wiederverhelfen könnten?“
„Glaub’ ich!“ wiederholte der Seemann indignirt, „ich weiß gewiß, daß, wäre das Geld in der That noch nicht abgesandt, es Ihnen werden muß, und wenn der erste Rajah selber die gierigen Hände schon darübergebreitet. Wir hatten in Indien die Adresse eines Mannes aufbekommen, an den die Summe abgeschickt werden sollte, der indische Fürst schwor in meine Hand sie richtig zu befördern.“
„Und wie hieß der Mann, dem man für mich ein solches Capital anvertrauen wollte?“ rief Karl, von einer fürchterlichen Ahnung ergriffen —
„Commerzienrath Schöler“, sagte der Seemann, und Karl brach bewußtlos neben seinem Stuhle zusammen. Wie lange er so gelegen, wußte er nicht; als er wieder zu sich kam, fühlte er wie ihm Jemand kaltes Wasser in sein Gesicht goß, und er stöhnte: «Wo bin ich?» Der indische Seemann war noch bei ihm und suchte ihn ins Leben zurückzurufen, und Karl mußte ihm jetzt, sobald er sich nur soweit erholt, wieder sprechen zu können, erzählen, welche Befürchtungen er habe, und daß er fast überzeugt sei, wie der Commerzienrath das Geld unterschlagen hätte.
„Aber ich bitte Sie um Gottes Willen“, brach jetzt der arme gequälte Mahlhuber, der immer noch nicht sah, daß der entsetzliche Mensch zur eigentlichen Sache kam, und es ebenfalls für höchst unwahrscheinlich fand, daß ein deutscher Commerzienrath sieben Millionen Thaler unterschlagen könne, das Schweigen. Er war fest entschlossen jetzt ebenfalls ein Wort mit hineinzureden. „Sie haben ganz Recht, dieser Mensch muß ein wahres Scheusal sein, und wenn wir 7 Uhr Abends hätten, verehrter Herr, würde ich nicht das mindeste Bedenken tragen, Ihnen mit dem größten Interesse zuzuhören, denn der Fall ist in der That außergewöhnlich und muß, sobald er vor die Oeffentlichkeit kommt, ein gewaltiges Aufsehen machen; aber thun Sie mir die Liebe — ganz abgesehen davon, daß ich wirklich glaube, Sie haben den Commerzienrath mit den sieben Millionen in einem falschen Verdacht — und geben Sie mir lieber die Umrisse des Ganzen, die einfachen nackten Thatsachen, und lassen Sie besonders die Gespräche der Leute weg, denn ich bin sonst wahrhaftig nicht im Stande ein unbefangenes Urtheil zu fällen. Mir ist der Kopf schon jetzt — ich kann Sie versichern — so wirr und voll von den vielen Namen und Begebenheiten, daß ich anfange irre zu werden — wie viel Uhr haben wir wol?“
„O es ist noch früh“, sagte der Doctor, flüchtig auf seine Uhr sehend, ohne die Frage selber zu beantworten. „Ich kann Ihnen übrigens nicht helfen, denn diese Einzelheiten, die eben das Ganze bilden, müssen Sie kennenlernen, um im Stande zu sein, ein richtiges Urtheil zu fällen. Uebrigens kommt gerade jetzt die Hauptsache, und ich bin fest überzeugt, sobald wir die berührt haben, werden Sie so gepackt und aufgeregt sein, die ganze Nacht nicht mehr schlafen zu können.“
„Das wäre mir aber nicht lieb“, stöhnte der Commerzienrath vor sich hin, „die ganze vorige Nacht Hunde aus der Thür geworfen, und heute Nacht über ein Menschenleben zu Gericht sitzen, daß man sich später vielleicht die schrecklichsten Vorwürfe macht, jahrelang eine blutige Gestalt vor Augen sieht und hinter jeder Thür, unter jeder Bettstelle, besonders aber unter der eigenen, irgendeine entsetzliche Gestalt vermuthet. Das bischen Seelenruhe ist dann auch noch zum Teufel. — Guter allmächtiger Gott! und ein Commerzienrath dieser nichtswürdige bigote Heuchler — es ist eine Schmach für den sonst so ehrenwerthen Stand. Man müßte wirklich bei der hohen Staatsregierung darauf antragen, daß ihm der Titel und Rang, sobald sein Verbrechen nur erst einmal constatirt worden, wieder abgenommen würde, daß er aller dieser Ehrenrechte verlustig gehe. — Ein wahres Scheusal von einem Commerzienrath.“
Der Doctor hatte indessen wieder einmal getrunken, und das Manuscript aufnehmend, begann er von neuem:
„Jetzt muß ich noch erwähnen, daß das Haus, in welchem Karl wohnte, dicht an das des Commerzienraths Schöler stieß und mit diesem auch in der That einen durch eine dünne Backsteinwand getrennten Keller hatte. Karl war nicht reich, aber er liebte es doch in seinem eigenen Keller sein eigenes Bier einzulegen, und er fühlte sich jetzt so schwach, daß er einer Stärkung, welcher Art sie auch sei, bedurfte. Er ging hinunter, das Bier heraufzuschaffen, und hörte unten, als er die Thür langsam aufgeschlossen hatte, ein dumpfes Graben und Stoßen nebenan, als ob die Erde aufgeworfen würde. In dem Augenblick achtete er aber nicht darauf, nahm einige Flaschen Bier unter den Arm und stieg wieder nach oben.“
„Dem Seemann schloß er nun sein ganzes Herz auf, gestand ihm, daß er arm aber ehrlich sei, und bat ihn um seinen Rath, wie es möglich gemacht werden könnte, dem gierigen Vormund das wahrscheinlich unterschlagene Capital zu entreißen.“
„Nicht um des Geldes wegen“, rief der junge Mann, und ein edles Feuer blitzte aus seinen Augen, „nicht des schnöden Mammons wegen sehne ich mich nach dem Besitze; was ich brauche, verdiene ich mir durch meine Feder, und frei und unabhängig stehe ich in der Welt, aber — weh mir — ich liebe hoffnungslos, und die Geliebte ist des falschen Onkels Mündel.“
„Aber die ist ja schon todt!“ rief der Commerzienrath voller Erstaunen, „ich bin ja schon fest davon überzeugt gewesen, daß sie der nichtswürdige Mensch vergiftet hat.“
„Ja — Sie haben Recht“, sagte der Doctor, „aber hier lasse ich den Leser einen vermutheten Scheintod ahnen — ich spanne ihn gewissermaßen auf die Folter und glaube gerade, daß mir diese Wendung vortrefflich gelungen ist. Jetzt warten Sie — jetzt verschwindet das Mädchen, das er zu sich ins Haus genommen hat, und dadurch, daß Karl in seinem Keller das Graben und Erdewerfen gehört hatte, habe ich den Commerzienrath vollständig in meiner Gewalt — ich kann ihn entweder durch eine Haussuchung überführen und entdeckt werden, oder vorher, durch den Seemann vielleicht, der sich dafür einen Theil der sieben Millionen sichert, warnen und nach Amerika flüchten lassen.“
„Ich werde noch verrückt!“ stöhnte der Commerzienrath, mit beiden Händen seine eigene Stirn fassend und pressend. „Ist denn die Mündel wirklich todt oder lebt sie noch?“
„Ich sage Ihnen ja, ich kann das noch machen wie ich will“, erwiderte ihm der Doctor freundlich, „und auch hierüber wollte ich mir Ihre Ansicht erbitten, ob Sie nicht auch glauben, daß man durch einen glücklichen Scheintod das Interesse des Lesers weit gewaltiger anspannen könnte.“
Der Commerzienrath fuhr mit beiden Beinen zugleich aus dem Bette.
„Haben Sie mir da Thatsachen vorgelesen?“ rief er dabei, „oder mich zum Narren gehabt mit einer wahnsinnigen, erdichteten Geschichte, Herr?“
„Zum Narren gehabt? Wahnsinnige Geschichte? Mein Herr, das ist oder wird vielmehr eine Novelle, wenn ich im Stande bin sie so durchzuführen, wie sie angelegt ist, die ihres Gleichen in der Literatur sucht, und nur um Ihre Meinung darüber zu hören und mir in der Entwickelung vielleicht durch einen einfach praktischen Rath an die Hand zu gehen, habe ich sie Ihnen vorgelesen.“
„Herr Doctor!“ rief jetzt der Commerzienrath, mit den Füßen wieder zurück unter die Decke fahrend, als ob er draußen auf heißes Eisen getreten wäre, und mit beiden Händen zugleich seine weiße Nachtmütze fest und entschlossen über die Ohren ziehend, „wenn ich Ihnen das jetzt sagte, was ich von Ihnen denke, könnten Sie mich bei jedem Criminalamt auf die furchtbarste Verbalinjurie verklagen. Soviel will und muß ich Ihnen aber bemerken, daß ich ein kranker Mensch bin, der vorige ganze Nacht kein Auge zugethan und Ihnen aus übergroßer, wie ich nun einsehe, alberner Gutmüthigkeit sein eigenes Zimmer mit eingeräumt hat, um jetzt, unter der Vorspiegelung, wichtige Thatsachen erzählt zu bekommen, mit einer faden confusen Novelle mishandelt zu werden. Ich verlange jetzt ernsthaft von Ihnen, daß Sie mich in Ruhe lassen und endlich Ihr Licht auslöschen, ich bin sonst nicht im Stande einzuschlafen und — und wünsche Ihnen eine angenehme Ruhe.“
Damit fiel er wie todtgeschlagen auf sein Kopfkissen zurück, schloß die Augen und machte ein Gesicht, als ob er Arsenik genommen hätte und nun bereit wäre zu sterben.
„Fade Novelle?“ rief der Doctor Wickendorf, an seiner empfindlichsten Stelle gefaßt. „Mein Herr, ich habe Ihnen mehr Beurtheilungskraft zugetraut, als Sie wirklich zu besitzen scheinen, und kann nur bedauern, meine Zeit damit verschwendet zu haben, Sie um eine Meinung darüber zu ersuchen. Schlafen Sie wohl!“
Der Mann war aufgesprungen und ging, zu des Commerzienraths stillem Grimme, ohne das Licht auszulöschen, mit raschen Schritten und mit festverschlungenen Armen im Zimmer auf und ab, dann und wann einen zürnenden Blick nach der Stelle hinüberwerfend, wo sein duldender Schlafkamerad, äußerlich ein Bild des stillen Friedens, mit der über die Ohren gezogenen Nachtmütze auf dem Rücken lag, innerlich aber den unruhigen Gesellen mit dem brennenden Lichte dahin wünschend, wo der Pfeffer wächst. In einer Art von verzweifelter Resignation schien der Commerzienrath entschlossen, auch das Schlimmste über sich ergehen zu lassen, ohne weiter dagegen anzumurren.
„Das geschieht dir recht, Hieronymus“, murmelte er dabei unhörbar vor sich hin, „das geschieht dir ganz recht, und es freut mich ordentlich, daß es so gekommen ist. Du in deinen Jahren hättest gescheiter sein können und sollen, als dich von einem Narren von Doctor in die Welt hineinschicken zu lassen. War es doch die Dorothee; die kannte mich besser, als ich mich selber kannte, und die Unbequemlichkeit, das Elend dieser Nächte, die Aufregung und der Aerger am Tage, das Alles habe ich verdient, reichlich verdient mit meinem Leichtsinn. Nur die Leber — das rasende Wachsen der Leber jetzt seit den letzten zwei Tagen, das ist mein Tod, das habe ich nicht verdient, und ich sterbe als Märtyrer für die Bequemlichkeit der Wallfahrer, unter Dach und Fach zu schlafen. Wallfahrer“, fuhr er fort, seinen Grimm in eine neue Bahn lenkend, „das nennen nun die Leute wallfahrten; kehren Abends ein, gehen zu Bier und essen, spielen und schlafen und verdrängen andere kranke Reisende aus ihrer gewohnten Ruhe und Bequemlichkeit — Wallfahrer — und der unglückliche Mensch läuft noch immer wie besessen im Zimmer herum und löscht das Licht nicht aus. Wenn ein Gerichtshof für moralische Verbrechen existirte, verklagte ich ihn auf kaltblütig überlegten, vorsätzlichen Mord — der Mensch will mich todt machen.“
Der Commerzienrath schien ihm aber Unrecht gethan zu haben, oder war Doctor Wickendorf selber müde geworden? er trat plötzlich zum Tische, legte seine Papiere zusammen und schloß sie wieder in seinen Reisesack, fing an sich zu entkleiden und stieg dann, das brennende Licht neben sich auf einem kleinen Tische ungelöscht stehen lassend, ins Bett.
„Er wird es schon ausmachen“, tröstete sich der Commerzienrath, der versteckt nach ihm hinüberblinzte, „er wird doch nicht mehr im Bette lesen wollen? — Das ist feuergefährlich.“ Doctor Wickendorf las aber weder, noch machte er das Licht aus; hätte aber der Commerzienrath das von ihm abgewandte boshaft lächelnde Gesteht des Schriftstellers sehen können, er würde gezittert haben.
Eine ganze Weile hielt es der arme gepeinigte Mahlhuber unverdrossen aus; er genirte sich den Doctor zu belästigen und anzureden — er mußte ja das Licht doch zuletzt einmal auslöschen; dieser schien jedoch an nichts weniger zu denken, und der Commerzienrath drehte sich endlich mit einem gewaltsam gefaßten Entschlusse nach ihm um, hustete erst einmal und sagte dann:
„Herr Doctor —.“
„Ja.“
„Sie schlafen doch noch nicht?“
„Nein.“
„Dürfte ich Sie bitten das Licht auszulöschen? Ich bin nicht im Stande vorher einzuschlafen, und es ist auch feuergefährlich.“
„Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Mahlhuber“, erwiderte ihm sein Schlafkamerad freundlich, „ich sehe mich Ihnen gegenüber zu der Erklärung gezwungen, Sie nicht mehr zu beunruhigen als irgend nöthig ist — ich habe das Licht absichtlich brennen lassen.“
„Aber weshalb, um Gottes Willen?“
„Das will ich Ihnen sagen“, seufzte der Doctor, „solange bei Vollmond ein Licht Nachts in meinem Zimmer brennt liege ich ruhig — sobald ich es auslösche, nachtwandle ich.“
„Herr du mein Gott!“ stöhnte der Commerzienrath, „das hat mir noch gefehlt.“
„Wünschen Sie es“, fuhr der entsetzliche Mensch ruhig fort, „so lösche ich das Licht augenblicklich aus, aber ich bitte Sie dann ernstlich mich zu halten, falls ich aus dem Fenster klettern wollte. Wir logiren allerdings in der ersten Etage, aber es sind Steine unten.“
„Aber mein Herr“, sagte der Commerzienrath außer sich, „das nehmen Sie mir nicht übel, mit einem solchen Leiden behaftet, sollten Sie auch allein in einem Zimmer und womöglich mit vergitterten Fenstern schlafen —.“
„Ich hatte auch den Wirth nur aus Rücksicht für Sie gebeten, Sie anderswo einzuquartieren“, sagte der Doctor vollkommen ruhig, „also wünschen Sie, daß ich das Licht auslöschen soll?“
„Um Gottes Willen, nein!“ rief der Commerzienrath.
„Dann wünsche ich Ihnen eine recht angenehme Ruhe“, sagte Doctor Wickendorf, drehte sich herum und war in der nächsten Minute auch schon fest und sanft eingeschlafen.
Der Commerzienrath Mahlhuber verbrachte eine furchtbare Nacht; solange das Licht brannte, warf und quälte er sich mit Gedanken über seine Leber, und als das Licht niederbrannte und verlöschte und einen nichtswürdigen Qualm und Gestank im Zimmer verbreitete, peinigte ihn die Angst über das gedrohte Nachtwandeln des entsetzlichen langhaarigen Menschen, bis er endlich mit Tagesanbruch erst in einen unruhigen fieberhaften Schlaf verfiel.
Als er am andern Morgen durch den Hausknecht geweckt wurde — der nachtwandelnde Doctor schlief noch —, konnte er kaum seine Glieder rühren; seine erste Frage war nach dem telegraphirten Gepäck, und der Hausknecht bekam 30 Kreuzer, als er ihm die freudige Mittheilung machte, daß es unten in der Gaststube stehe.
Gidelsbach — das war sein Ziel, dem er zuzustreben hatte, Gidelsbach — was kümmerte ihn die andere Welt? — dort lag seine Heimat, dort lag für ihn Gesundheit und Ruhe, und Dorothee hatte ganz Recht gehabt, er war ein Thor gewesen, auch nur einen Fuß herauszusetzen aus dem Weichbilde der Stadt.
Rasch war er angekleidet, den Zug wenigstens heute Morgen nicht zu versäumen und gezwungen zu sein noch länger in diesem schrecklichen Neste liegen zu bleiben. Den Morgenzug hatte er aber schon versäumt, denn er kam um 5½ Uhr vorüber, der nächste Personenzug dagegen erst Mittag um 2 Uhr, und so lange Zeit blieb ihm jetzt, sich von den Strapazen der letzten Nacht auszuruhen. Der Aufenthalt in dem mit Menschen vollgedrängten Gasthofe, die heute in noch weit größern Massen angeströmt kamen als gestern, war übrigens so unangenehm, daß er beschloß, die ihm noch übrige Zeit lieber zu einem Spaziergang zu verwenden. In seinem Zimmer lag noch der entsetzliche Doctor, und mit dem wollte er unter keiner Bedingung weiter etwas zu thun haben.
Die Umgegend von Lichtenfels hatte mit den zwei Gulden, die er Strafe bezahlt, indessen noch zu viel der trüben Erinnerungen für ihn, und er beschloß deshalb das Thal hinunter und nach der nächsten kaum Dreiviertelstunden entfernten Eisenbahnstation zu marschiren, dort ein Glas Bier zu trinken und dann wieder, sich völlig Zeit nehmend, langsam zurückzugehen. Sein Gepäck ließ er indeß vor allen Dingen an den Bahnhof stellen, wo er es der Aufsicht des Gendarmen empfahl, nahm dann seinen Regenschirm, richtete seine Uhr nach der Bahnhofsuhr in Lichtenfels, schrieb sich die genaue Abfahrt des erwarteten Zugs in sein Taschenbuch (fest entschlossen eine volle Stunde vorher an Ort und Stelle zu sein) und wanderte langsam am Hange des Berges hinab, das reizende Mainthal hinunter.
Das Wetter war wundervoll, und nur die Straße etwas heiß und staubig. Der Commerzienrath dachte aber gar nicht daran sie zu verlassen; er wollte sich nicht wieder pfänden lassen, und erreichte eben, den breiten sonnenheißen Weg langsam entlangschlendernd, die kleine Eisenbahnrestauration in Staffelstein, als eine Extrapost mit zwei jungen elegant gekleideten Leuten anhielt und die Reisenden ausstiegen. Der Commerzienrath betrat hinter ihnen das Gastzimmer und hörte nur noch, daß die Eisenbahnleute ihre Witze über die Post machten, die, wie der Postillon erzählte, von Bamberg kam.
„Die haben es auch nicht erwarten können, bis der Zug ankam“, lachte der Eine, „oder fürchten sich am Ende gar vor dem Puffen —.“
„Na Gott sei Dank, in so einem alten Klapperkasten vier Stunden zu sitzen“, sagte der Andere, „wo sie es heute Mittag in drei Viertel hätten abmachen können. ’s gibt doch überall verrückte Kerle.“
Der Commerzienrath, der des warmen Wetters wegen ein ganz unscheinbar graues Sommerröckchen, selbst ohne den Orden, trug, das er zufällig in seinem Reisesack gehabt, glich mit seinem baumwollenen Regenschirm (er hatte sich in den Kopf gesetzt, daß seidene Regenschirme nicht gesund wären), wie der grauen Schirmmütze eher einem gemüthlichen Kaufmann aus irgendeinem kleinen Städtchen, als einem königlichen Commerzienrath. Sein bescheidenes höfliches Wesen trug noch mehr dazu bei, Fremde in diesem Glauben zu bestärken, und die beiden Reisenden, die nach leisem Flüstern zusammen ihn eine Weile aufmerksam betrachtet hatten, schienen sich auch in der That über ihn zu unterhalten.
Wie aber der Mann, welcher Hafer gestohlen hatte, später, sobald er zwei Menschen heimlich miteinander flüstern sah, immer einen Dritten an sie abschickte zu horchen, ob sie nicht von Hafer sprächen, so war es dem Commerzienrath mit der ihm von dem Gendarmen unterschobenen Nichte zumuthe. Er hatte ein böses Gewissen und dachte auch schon daran sein Bier rasch auszutrinken und die beiden Fremden sich selber zu überlassen, als der eine Reisende auf ihn zukam und freundlich zu ihm sagte:
„Dürfte ich wol fragen, ob Sie hier in der Gegend ansässig und bekannt sind?“
„Nicht besonders — guten Morgen, meine Herren“, sagte der Commerzienrath, etwas verlegen seine Mütze ziehend, „ich bin selber erst kurze Zeit hier und komme von Lichtenfels herunter.“
„Von Lichtenfels, so?“ fragte der Andere rasch, „dorthin wollen wir gerade, also dort sind sie bekannt?“
„Nur sehr wenig.“
„Waren Sie gestern dort?“
„Gestern — ja allerdings“, erwiderte Herr Mahlhuber, und ein eigenes dumpfes Gefühl nahender Gefahr beschlich ihn, wenn er sich auch selber noch keinen richtigen Grund dafür anzugeben wußte — „gestern war ich dort.“
„Und unten am Bahnhofe, wie der Morgenzug von Hof kam?“
„Ja — zufällig“, sagte Herr Mahlhuber, die beiden Männer, einen nach dem andern erstaunt und doch auch wieder scheu betrachtend.
„Ist da nicht“, machte plötzlich der Aeltere der Brüder seinen letzten Zweifeln ein rasches Ende, „eine junge, sehr hübsche und elegant aber einfach gekleidete Dame mit einem alten häßlichen, etwas krummgehenden Herrn ausgestiegen, der sich für den Regierungsrath Redmeier, in Lichtenfels aber für einen Commerzienrath Mahlhuber ausgegeben hat? Wie ich übrigens aus ziemlich guter Quelle weiß, ist er keins von Beidem, sondern ein Schwindler, der auf unbegreifliche Weise das junge Mädchen bethört haben muß, und sich jetzt sogar für ihren Onkel ausgibt, weniger Verdacht zu erregen. Die beiden Personen müssen Ihnen aufgefallen sein, und Sie werden uns einen großen Gefallen erweisen, wenn Sie uns auf die richtige Spur bringen wollten.“
Die Bombe war geplatzt. Das mußten jedenfalls die beiden Brüder der jungen Dame sein, und was für derbe, handfeste, wildaussehende Bursche waren es! Wie eilig hatten sie es dabei; nicht einmal Zeit auf den Mittagszug zu warten, Gott bewahre, müssen Extrapost nehmen, nur um eine Stunde früher an Ort und Stelle zu sein. Maria und Joseph! das hatte noch gefehlt, und für seine Gutmüthigkeit konnte ihm da eine schöne Suppe eingebrockt werden. Und wie grob — häßlicher, krummgehender Herr — aber Gott sei Dank, das war jedenfalls eine malitiöse Verdächtigung des Telegraphen, die ihm jetzt vortrefflich zustatten kam und die er für sich benutzen konnte.
„Nun, erinnern Sie sich nicht?“ fragte der Erste wieder, „die Dame trug, wenn ich nicht irre, ein seidenes ungebleichtes Kleid und einen Strohhut.“
„Ja, ganz recht“, sagte der Commerzienrath, dem keine weitere Zeit gegeben wurde sich die Sache zu überlegen, „ich glaube ich erinnere mich an ein solches Paar — ein junges, sehr hübsches Mädchen und ein alter würdiger Herr —“
„Würdiger Esel!“ rief der Zweite wüthend aus, „der alte Hallunke sollte an sein Grab denken, anstatt solche Streiche in seinen Jahren zu machen; aber die Familie ist jetzt entehrt, und will das Mädchen denn einmal so wahnsinnig sein, gut, dann mag sie ihn meinetwegen nehmen, aber in unserer Gegenwart muß die Hochzeit sein, und in Stücke reiß ich den Schuft, wenn er nur mit dem Zucken einer Wimper dagegen ansträubt.“
„Aber, meine Herren“, warf der Commerzienrath jetzt verlegen ein, „wissen Sie denn auch, daß der ältliche Herr mit der jungen Dame wirklich durchgegangen ist? — Können nicht am Ende Umstände — ein eigentümliches Zusammentreffen —“
„Hallo!“ rief der Eine von ihnen plötzlich, indem er den Commerzienrath mit weitaufgerissenen Augen ansah, „heißen Sie am Ende Mahlhuber?“
„Ich? — Nein!“ rief der Commerzienrath, ehe er noch wußte, was er gesagt hatte, und nur im Instinct der Selbsterhaltung Namen, Titel, Orden, kurz Alles verleugnend, „hehehe! sehe ich aus — sehe ich aus wie ein Commerzienrath?“
„Nein“, lachte der Andere über die naive Frage, „das thun Sie allerdings nicht, und mein Bruder machte nur Spaß, aber solch ein sonderbares Zusammentreffen von Umständen, wie Sie es nennen, kann auch nicht stattgefunden haben, denn ein alter Herr, wahrscheinlich derselbe, ist vor einiger Zeit mit ihr mehrmals gesehen worden. Pest und Gift über den Burschen, mir tritt die Galle ins Blut, wenn ich nur an ihn denke, und Gnade ihm Gott, wenn er mir unter die Hände kommt. Erst will ich mein Müthchen an ihm kühlen, nachher mag er sich entschuldigen. Und was ist aus den Beiden geworden? In Lichtenfels muß man das doch erfahren können.“
„Allerdings“, erwiderte ihm der Commerzienrath, dem der kalte Angstschweiß auf die Stirn trat, „wenn Sie — wenn Sie nur gleich auf dem Bahnhofe den Packmeister oder in der Krone den Wirth fragen wollten, in der Krone, glaub’ ich, haben sie logirt.“ Er wußte gar nicht mehr was er sprach.
Der Jüngste der Beiden stampfte den Fuß auf den Boden, daß die Gläser auf dem Tische zusammenklirrten.
„Haben Sie logirt?“ fragte der Aeltere aufmerksam werdend.
„Ja —“, sagte der Commerzienrath und fühlte dabei wie er durch seine Lüge in ein ganzes Netz von Verwickelungen immer weiter hineingerieth, in dem er rettungslos hängen blieb, wenn er nicht rasch Anstalt machte das Ganze mit Einem Schlage zu zerhauen. Zeit zum Ueberlegen blieb ihm aber gar nicht, und nur in einer Art Instinct stammelte er, „ja, haben sie logirt, aber — die — die Dame ist fort!“
„Wohin?“ riefen Beide zu gleicher Zeit.
Der Commerzienrath Mahlhuber hatte in seinem ganzen Leben noch nicht so rasch gedacht wie in diesem Augenblick. Sobald die beiden entsetzlichen Menschen nach Lichtenfels kamen, wo ihn fast jedes Kind am Bahnhofe kannte, und der Gendarm sich für seinen speciellen Freund hielt, war er verloren. Dort erkundigten sie sich natürlich zuerst — dem Polizeibeamten gegenüber hatte er das Mädchen für seine Nichte ausgegeben, wenigstens stillschweigend geduldet, daß sie ihn Onkel nannte, und sein sämmtliches Gepäck stand dort aufgeschichtet; er konnte ihnen gar nicht entgehen. Dorthin durften sie also nicht, und nur einen einzigen Ableiter gab es jetzt für ihn, wenigstens ein paar Stunden Zeit zu gewinnen.
Blitzschnell schossen ihm die Gedanken durch den Kopf, und in der Verzweiflung, im Trieb der Selbsterhaltung das letzte Mittel ergreifend, rief er rasch und entschlossen aus:
„Nach Koburg — die beiden Leute sind etwa vor einer Stunde — vielleicht kaum solange und in demselben Augenblick, als ich hierherging, in einem verdeckten Wagen nach Koburg gefahren. Ich weiß, daß sie sich noch bei dem Packmeister nach dem besten Wirthshause erkundigten und von diesem, wenn ich nicht irre, in den «Bären» gewiesen wurden.“
Der Commerzienrath log wie ein Leichenstein.
„Und das wissen Sie gewiß?“ rief der Jüngere der Beiden.
„Das weiß ich gewiß — sie wollten in Koburg Mittag machen und dann nach Sonneberg fahren.“
„In der dortigen Gegend muß der alte Schuft auch zu Hause sein“, rief der Aeltere rasch, „und er war dabei.“
Der Commerzienrath biß sich auf die Lippen, schien aber fest entschlossen in diesem Augenblick nichts übelzunehmen, und sagte:
„Den ältlichen Herrn habe ich nicht selber gesehen, aber ein Koffer war hinten aufgeschnallt.“
„Dann haben wir sie!“ rief der Jüngere jubelnd, und in die Thür springend schrie er dem Postillon zu, sich rasch bereitzuhalten und sie augenblicklich nach Koburg zu fahren.
„Nach Koburg?“ rief dieser erstaunt, „über Lichtenfels?“
Dem Commerzienrath stockte das Blut, der Aeltere machte seiner Angst aber ein schnelles Ende.
„Gott bewahre!“ rief er, „wir schneiden über Banz ein ganz Stück Weg ab und können in zwei Stunden in Koburg sein. Komm Heinrich, trink dein Bier aus, wir haben keinen Augenblick mehr zu verlieren — apropos, wie ist Ihr Name, mein Herr?“
„Mein Name?“ rief der Commerzienrath, an den diese Frage gerichtet war, bestürzt, „Müller — Kaufmann Müller.“
„So nehmen Sie unsern herzlichsten Dank — Sie haben uns einen sehr großen Dienst erwiesen. Alles in Ordnung, Postillon?“
„Alles“, sagte dieser, sein Glas auf einen Zug leerend und einem Mittelding zwischen Kellner und Packknecht zurückreichend.
„Also nach Koburg!“ rief der Jüngere, seinem Bruder voran in den Wagen springend, und einige Secunden später rasselte dieser auf der nach Banz führenden Straße unter dem lustigen Hörnerklang des Postillons dahin. Der Commerzienrath aber blieb wie in den Boden gewurzelt zurück und starrte dem Wagen nach, soweit er ihn mit den Blicken verfolgen konnte.
„Befehlen Sie noch ein Glas Bier, Herr Müller?“
Mahlhuber sah sich ganz verblüfft um, als ihm einfiel, daß er ja selber den Namen angegeben, und er wurde dunkelroth im Gesicht. Rasch dankend drehte er sich von dem Kellner ab, zahlte für das Getrunkene und schritt dann selber, aber nicht mehr in so gemüthlichem Schritte, als er hierhergekommen, nach Lichtenfels zurück.
Um 2 Uhr kam der Zug, bis dahin hatte er fast noch drei Stunden Zeit, und jetzt erst fiel ihm die ganze Größe der Gefahr ein, der er sich eigentlich muthwillig ausgesetzt. Muthwillig gewiß, denn was hätte ihm denn geschehen können, wenn er den jungen Leuten erklärte, er sei der Mahlhuber und so und so die Sache? War er nicht vollkommen unschuldig, und würden hundert andere ältliche Herren an seiner Stelle nicht Ebendasselbe gethan und einem jungen hübschen Mädchen, das sie darum ansprach, aus der Verlegenheit geholfen haben? Aber wenn ihn nun die Hitzköpfe nicht gehört, ihm nicht geglaubt hätten, wer konnte ihn denn in der Geschwindigkeit vor ihren Mishandlungen schützen? — Die Polizei? — Ja, mit der Polizei ist das eine eigene Sache; für den Betheiligten kommt sie in solchen Fällen immer ein kleinwenig zu spät, und straft allerdings nachher, wenn sie den Uebelthäter wirklich erreicht, bekümmert sich aber sonst meist nur sehr wenig um den Betheiligten selber, der in ihren Augen nur als corpus delicti einen Werth hat. Wegen des gegebenen und übertretenen Gesetzes wird bestraft, nicht wegen des Schadens, den der passive Theil gelitten hat, der kann gehen, wohin es ihm beliebt. Und durfte er sich überhaupt groß auf die Polizei berufen? Hatte er nicht sogar — er als königlicher Commerzienrath, mit dem Ludwigskreuz im Knopfloch — dem Gendarmen, dem officiellen Diener des Gerichts gegenüber eine wissentliche Unwahrheit unterstützt und behauptet, wo er in seiner Stellung dreifach verpflichtet gewesen wäre, das Gesetz eher zu unterstützen als zu hintergehen?
Er seufzte tief auf, und der schöne Spaziergang, von dem er sich einige Erholung für seine mishandelte Leber versprach, war ihm solcherart bös und bitter vergällt worden. — Und wenn die beiden unseligen, in den April geschickten Burschen die Schwester nicht in Koburg fanden und auf den unglücklichen Gedanken kämen, augenblicklich wieder nach Lichtenfels umzukehren? — Die Pferde liefen wie der helle Teufel, und für ein gutes Trinkgeld jagt so ein leichtsinniger Bursche von Postillon die besten Thiere aus seinem Stalle todt. Das wäre eine schöne Geschichte geworden, wenn ihn die beiden Männer jetzt noch, gerade vor der Abfahrt, erwischt hätten.
Der arme geplagte Commerzienrath lief mehr als er ging, den heißen Sonnenstrahlen zum Trotz, gen Lichtenfels, als ob er durch seine eigene Eile die Abfahrt des Bahnzugs hätte beschleunigen können. Der Schweiß rann dabei in großen Tropfen von der Stirn nieder, und die Leber mußte — dem Gefühl in der Magengegend nach — durch den übereilten Spaziergang wenigstens wieder um einen halben Zoll gewachsen sein; wie sollte das enden!
Athemlos und zum Tode erschöpft erreichte er endlich Lichtenfels und verlebte hier noch anderthalb qualvolle Stunden, ehe von Staffelstein das Zeichen heraufkam, daß der so heißersehnte Zug nahe. Sein Billet hatte er indessen durch einen der Packleute lösen und sein Gepäck bis Burgkunstadt aufgeben lassen, dadurch war er doch vielleicht im Stande die Verfolger irrezuführen, besonders wenn er in Burgkunstadt einen falschen Namen auf der Post angab. Heiliger Gott! wie viel Lügen hatte schon die einzige Unwahrheit nachgezogen, und in was für ein entsetzliches Gewebe von Falschheiten war er, der schlichte einfache Mann aus der Provinzialstadt, durch seinen bösen Stern gejagt, hineingerathen! Mußte er nicht zuletzt die Achtung vor sich selbst verlieren; nicht erröthen, wenn er das mit solcher Seligkeit erhaltene Ludwigskreuz wieder an seinen Rock knöpfte! Es war zum Verzweifeln!
Sein Blick streifte indessen unruhig von dem Bahngleis, das von Staffelstein heraufführte, nach der lichtenfelser Chaussée hinüber, deren weißer Streifen scharf gegen den dunkeln Hintergrund des Waldes abstach — und dort kam ein Wagen herunter, die Pferde liefen was sie laufen konnten, und in dem Wagen — wenn die beiden Menschen darin saßen, war er verloren.
„Gehen Sie da vom Gleis herunter, mein bester Herr Commerzienrath“, sagte der Gendarm, ihm freundlich auf die Achsel klopfend, und sein Herz schlug ihm fast hörbar in der Brust, als er die Uniform erkannte, „da hinten können Sie schon den Dampf vom herankommenden Zuge erkennen.“
„Ich — ich bin Ihnen sehr dankbar“, stammelte der Commerzienrath, „nicht wahr, der Zug hält sich nur sehr kurze Zeit auf?“
„Fünf Minuten etwa —“
Fünf Minuten — der Wagen mußte indessen Lichtenfels erreicht haben.
„Das Gepäck von Ihrem Fräulein Nichte ist wol auch schon besorgt?“ sagte der Gendarm wieder.
„Von meiner Nichte?“ stöhnte der Gepeinigte.
„Ach, wird wol Alles in Ordnung sein“, beruhigte ihn der Schrecken der Vagabunden, „ich sah wie sie es vorhin dem Packmeister übergab.“
Der Commerzienrath wäre vor Schrecken beinahe in die Knie gesunken und durfte jetzt nicht einmal, dem Manne gegenüber, das geringste Erstaunen über die Nachricht bezeigen. Seine Nichte, das unglückselige Frauenzimmer, war wieder hier, fuhr mit ihm wahrscheinlich wieder in einem Zuge und mußte ja jeden Unbefangenen selbst in dem Verdacht bestärken, daß sie Beide nach einem gemeinschaftlichen Plane handelten. Und dazu der Wagen; das hatte noch gefehlt. Ein möglicher Ausweg zur Rettung blieb ihm aber noch; Zeit genug sein Billet umzutauschen hatte er, und in den Wagen erster Classe saßen gewöhnlich, wie er schon früher bemerkt hatte, immer nur sehr wenig Personen. Dort konnte er sich dann in eine Ecke drücken und, von Niemand gesehen, bis zu seiner Station sitzen bleiben. Den Entschluß auch sofort zur Ausführung bringend, zahlte er was er noch auf ein Billet erster Classe zu zahlen hatte, und traf eben wieder zur rechten Zeit vor dem Bahnhofgebäude ein, den Zug heranbrausen und halten zu sehen, während zu gleicher Zeit hinter der Restauration das schmetternde Horn eines Postillons erklang.
Vor den Augen flirrte und flimmerte es ihm; ohne aber den Kopf auch nur nach Irgendjemand noch umzudrehen, zog er seinen Mantel fest um sich her, griff Reisesack, Schirm und Stock auf und wandte sich an den ersten Conducteur, der vom Wagen sprang, seinen Platz erster Classe angewiesen zu bekommen.
„Bis wohin?“
„Burgkunstadt.“
„Steigen Sie nur hier ein“, rief der Mann sehr artig, „hier ist Platz genug.“
„Empfehle mich Ihnen, Herr Commerzienrath“, sagte der Gendarm, und im nächsten Augenblick saß der gequälte Mahlhuber, Todesangst im Herzen, fest in einer Ecke des vollkommen leeren Coupé gedrückt und zählte unter Zittern und Zagen die Secunden bis zur Abfahrt.
Draußen vor dem Coupé wurden jetzt Stimmen laut.
„Machen Sie rasch, meine Herrschaften“, drängte der Conducteur, „die Zeit ist schon abgelaufen und wir sind überdies sieben Minuten zu spät.“
„Hier in dem Coupé sitzen der Herr Commerzienrath“, sagte zugleich die zuvorkommende Stimme des Gendarm — und Mahlhuber’s Blut stockte — sein Puls hörte auf zu schlagen —
Die Thür wurde in diesem Augenblick aufgerissen und ein junger Mann sah hinein; ein scharfer Pfiff der Locomotive ließ ihm aber keine Wahl weiter, und er sprang rasch die eisernen Tritte hinauf, drehte sich in der Thür um, um einen Reisesack in Empfang zu nehmen, und half dann einer Dame nach. Die Thür wurde zugeworfen. „Ihre Billets, meine Herrschaften“, sagte der Conducteur, und der Zug setzte sich langsam in Bewegung.
Als der Commerzienrath den Damenhut sah, athmete er freier auf — er war gerettet — der Zug im Gange und an eine Verfolgung der beiden wüthenden jungen Leute für jetzt nicht mehr zu denken. Das Einzige blieb ihm noch zu thun, sich in Burgkunstadt mit sowenig Aufsehen als möglich vom Bahnhofe zu entfernen, spätere Verfolgung vielleicht irrezuleiten, und da er dort gar nicht bekannt war, mußte es ihm auch leicht sein, einen falschen Namen für den seinigen in das Register eintragen zu lassen. Nach einem Paß fragte ihn auf der ganzen Strecke Niemand.
Die beiden jungen Leute, die mit ihm in einem Coupé saßen, hatten indessen rasch und heimlich miteinander geflüstert und die Dame besonders mehrmals den Kopf nach ihm umgedreht. Der Commerzienrath war aber, nach den letzten bittern Erfahrungen, fest entschlossen, sich mit Niemandem mehr hier draußen, wer es auch immer sei, in ein Gespräch einzulassen, man konnte nie wissen, was dahintersteckte, und mit Frauen besonders hatte er gerade genug in den paar Tagen erlebt.
„Wenn ich mich nicht ganz irre“, redete da plötzlich die junge Dame den trotz der warmen Witterung in seinen Mantel zurückgezogenen Commerzienrath an, „so habe ich schon gestern das Vergnügen gehabt, mit Ihnen in einem Coupé zu fahren, mein Herr, und bin Ihnen zu so großem Danke verpflichtet worden.“
„Mir?“ sagte der Commerzienrath und sah seine Nachbarin groß und erschrocken an, „mir zu Dank verpflichtet — bei Allem was da lebt!“ fuhr aber plötzlich von seinem Sitze empor, „da ist meine Nichte!“
„Mein bester Herr, ich kann Ihnen gar nicht sagen, welch großen Dienst Sie uns gestern durch Ihre freundliche Onkelschaft geleistet haben“, nahm jetzt der junge Mann für die tieferröthete Dame das Wort, „meine arme Marie, die sich einer verhaßten Verbindung, zu der sie ihr Stiefvater zwingen wollte, aus Liebe zu mir durch die Flucht entzog, wäre, ehe ich von ihrer Ankunft benachrichtigt sein konnte, fast verrathen und dann jedenfalls wieder zurückgeliefert worden. Das ist jetzt nicht mehr zu fürchten, und wir sind eben auf dem Wege, uns ihrem Vater selber vorzustellen, der sich wohl oder übel über das einmal Geschehene wird trösten müssen.“
„Na ich gratulire Ihnen“, sagte der Commerzienrath mit sehr zweideutigem Tone. „Wenn Sie übrigens den beiden jungen Burschen, den Brüdern der Dame, wenn ich nicht irre, die ich heute von Staffelstein aus nach Koburg geschickt habe, um sie nur loszuwerden, in die Hände fallen, so will ich auch meinem Gott danken, wenn ich nicht in der Nähe bin.“
„Meine Brüder nach Koburg geschickt?“ rief die junge Dame, hochaufhorchend, und der Commerzienrath mußte jetzt erzählen, wie das gekommen und welche Angst er selber dabei als Mitschuldiger ausgestanden. Die beiden jungen Leute hörten ihm im Anfange ganz ernsthaft zu; über das liebe rosige Gesicht der jungen Frau blitzte und zuckte es aber indessen wie zitterndes Sonnenlicht auf einem leichtbewegten Bache, ihre großen braunen Augen funkelten in einem kaum noch zu bezwingenden Humor, und als der Commerzienrath endlich zu der Stelle kam, wo ihn die Brüder gefragt, ob er vielleicht der ältliche Herr selber sei, konnte sie sich nicht länger halten und lachte geradeheraus. Daß das so klar und silberhell klang und das kleine Gesichtchen gar so lieb und gutmüthig, ja mitleidig und theilnehmend dabei aussah, konnte den Commerzienrath nicht beruhigen, und seinen ganzen Ingrimm über erlittene Unbill und schmähliche Behandlung zusammenraffend, sagte er mit seinem zornigsten Ausdruck in Wort und Blick, aber doch mit seiner nie zu verleugnenden Höflichkeit:
„Mein sehr verehrtes Fräulein, Sie haben jetzt sehr gut lachen, wenn aber Ihre Leber —“
„Mein lieber bester Herr“, unterbrach ihn bittend und schmeichelnd die junge Dame, „seien Sie recht bös auf mich, ich hab’ es nur zu reichlich meiner Undankbarkeit wegen verdient, aber verzeihen Sie mir dann auch, und seien Sie versichert, daß ich wie Oskar nie im Leben die Verbindlichkeit vergessen werden, die wir Ihnen schulden.“
„Bitte, bitte“, sagte der Commerzienrath abwehrend und durch die herzlichen Worte schon vollkommen beruhigt, „aber — Sie erlauben mir die Frage, wie können Sie es jetzt wagen, nach dem gestern Vorgefallenen heute schon nach Hause zurückzukehren? Ihr Herr Vater wird unter so bewandten Umständen unter keiner Bedingung in eine Verbindung mit dem jungen Herrn da einwilligen.“
„Wir sind verbunden“, sagte dieser freundlich, während das junge Weibchen tief erröthete, „und alle Väter der Welt werden diese Verbindung nicht wieder lösen können.“
„In der Geschwindigkeit?“ rief der Commerzienrath erstaunt aus.
„Meiner Frau Onkel, und zwar der Bruder ihres Vaters, der stets gegen die Verbindung mit jenem faden Menschen gewesen, ist selber Geistlicher und hat uns, da er unsere Liebe kannte, gestern Abend miteinander, nach den Gesetzen unserer Kirche, wenn auch ohne die nöthigen Aufgebote getraut.“
„Nun das freut mich in der That“, sagte der Commerzienrath, dem sich damit, auch der Brüder wegen, ein Stein von der Seele wälzte, „das ist Alles recht hübsch und gut, aber ich möchte doch die letzten 24 Stunden, die ich deshalb ausgestanden, nicht wieder mit durchmachen — und wenn ich sechs Heirathen stiften könnte.“
„O das thut mir ja recht leid“, sagte die kleine junge Frau erschreckt, die Hände faltend und mit einem so mitleidigen Blicke zu dem alten Herrn aufsehend, daß diesem ganz weh und weich ums Herz wurde.
„O bitte, bekümmern Sie sich deshalb nicht“, sagte der Commerzienrath, „es war recht gern geschehen —.“
„Wenn ich je im Stande sein sollte, Ihre Freundlichkeit wenigstens in etwas wiedergutzumachen“, rief auch jetzt der junge Mann, „so verfügen Sie ganz über mich, hier ist meine Karte, dürfte ich nun auch wol um Ihren Namen bitten?“
„Um meinen Namen?“ sagte der Commerzienrath rasch und mistrauisch zu ihm aufsehend, „nein, bitte um Verzeihung, Sie sind sehr freundlich, aber mein Name hat mich in den letzten Tagen so genirt und in Verwickelungen gebracht, daß ich ihn, wenn das möglicherweise anging, ganz abschaffen würde, wie aber die Sachen stehen, so zurückhaltend von jetzt an damit sein werde, als es eben möglich ist.“
„Aber ich bitte Sie um Gottes Willen —“
„Nennen Sie mich in Gedanken Müller“, sagte der Commerzienrath, „ich habe mich heute schon einmal so geheißen, und der Name war mir recht nützlich.“
„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie leid es mir thut, daß Sie um Mariens wegen soviel Unannehmlichkeiten gehabt zu haben scheinen, aber das mag Ihnen doch einige Beruhigung gewähren, zwei Glückliche dadurch gemacht zu haben.“
„Wenn ich damit meine Leber nur wieder kleiner machen könnte“, sagte der Commerzienrath; „doch ich glaube wir kommen an die Station, der Zug pfeift; nun ich wünsche Ihnen eine recht glückliche Reise und recht guten Empfang zu Hause —.“
„Wir danken Ihnen recht herzlich.“
„Ist mir aber sehr angenehm, daß ich nicht mit muß“, setzte der Commerzienrath hinzu.
„Und Sie wollen uns Ihre Adresse wirklich nicht sagen?“ fragte Marie.
„Den Namen werden Sie jedenfalls, wie mir jetzt einfällt, durch Ihre Herren Brüder erfahren, die ihn leider sehr genau kennen“, seufzte der Commerzienrath, „meine Adresse erlauben Sie mir aber zu verschweigen. Ich will froh sein, wenn ich in — wenn zu Hause bei mir Niemand von meinen Abenteuern hört. Würden Sie mich bis dorthin verfolgen, wäre ich in 14 Tagen todt.“
„Station Burgkunstadt — drei Minuten Aufenthalt“, sagte in diesem Augenblick der Conducteur, die Thür öffnend. „Sie steigen ja wol hier aus, mein Herr?“
„Ja wol — können Sie mir nicht sagen, wann die Post abgeht?“ rief der Commerzienrath, seine Habseligkeiten aufgreifend.
„Wird wol gleich abfahren“, lautete die willkommene Nachricht, „hier steht schon der Postwagen.“
„Ach, ich danke Ihnen sehr; also ich empfehle mich Ihnen nochmals.“
„Recht glückliche Reise!“ riefen die beiden jungen Gatten ihrem gepreßten Onkel nach, und der Commerzienrath sah sich im nächsten Augenblick wieder mit einem Gefühl großer Genugthuung neben dem Postwagen stehen, der ihn zurück zu seiner Dorothee, zu seiner häuslichen Bequemlichkeit, zu Ruhe und Frieden bringen sollte. Sich um den Zug auch nicht im mindesten weiter bekümmernd, gab er einem der mit Nummern versehenen, also vereideten Diener seinen Gepäckschein mit dem Auftrag, seine Koffer in das dicht dabei befindliche Postgebäude zu tragen und wiegen zu lassen, und er selber begab sich ebenfalls rasch dorthin, sein Fahrbillet direct nach Gidelsbach zu lösen. Die beiden Brüder brauchte er, der empfangenen Nachricht nach, Gott sei Dank nicht mehr zu fürchten, und er dachte gar nicht daran, noch in einem dritten Wirthshause die entsetzlichen Scenen der beiden letzten Nächte zu wiederholen — er hatte von denen genug.
Sein Billet war gelöst, sein Gepäck besorgt und schon zum Eilwagen geschafft, der dicht an das Postcoupé des Zuges anfuhr, die dort für das Binnenland bestimmten Briefe und Packete in Empfang zu nehmen.
Der wurde heute übrigens etwas länger als gewöhnlich in Burgkunstadt aufgehalten, da mehre Güterkarren hier gelassen, andere wieder angehängt werden mußten, und die Post war dadurch zur Abfahrt fast ebenso früh fertig als der Zug. Der Commerzienrath stand eben vor der geöffneten Thür, in die er schon Reisesack und Schirm hineingeschoben, während eine Dame mit ein paar Hutschachteln in der Hand ebenfalls zu ihm trat, als plötzlich eine tiefe Stimme aus einem der geöffneten Fenster des Coupé zweiter Classe herausschrie:
„Herr Commerzienrath Mahlhuber! Herr Commerzienrath Mahlhuber!“
Der Gerufene drehte sich, wie von einer Natter gestochen, nach der Stimme um und erkannte zu seinem Entsetzen den schweigsamen Mann aus der Post von Gidelsbach, der, ihm freundlich und ganz zutraulich winkend, mit dem halben Leibe aus dem Coupéfenster lehnte.
„Nun wie geht’s?“ rief er dabei mit einem breiten Grinsen über das ganze Gesicht und mit der Hand herübergrüßend, „schon zurück nach Gidelsbach? — Haben doch Ihre Pistolen wieder geladen? — Wünsche Ihnen recht glückliche Reise!“
Der Commerzienrath drehte sich halb nach dem frechen Menschen um und warf ihm einen verächtlichen Blick zu, als in demselben Augenblick die Locomotive einen scharfen grellen Pfiff that. Herr Mahlhuber aber, von seiner bisherigen Eisenbahnfahrt immer noch in der steten Angst zurückgelassen zu werden, vergaß ganz, daß er gar nicht mehr zu dem Zuge gehöre und wollte in rücksichtloser Hast in den vor ihm geöffneten Postwagen fahren.
„Nun, Herr Jesus, um Gottes Willen, was haben Sie denn nur? Sie rennen Einen ja ganz über den Haufen!“ rief die Dame, gegen die er in seiner Angst angeprallt war.
„Bitte tausend mal um Entschuldigung!“ rief der Commerzienrath, während von dem sich jetzt in Bewegung setzenden Bahnzug ein höhnisches Lachen zu ihm herübertönte, „die Locomotive pfiff —“
„Na die Post geht Ihnen deshalb doch nicht durch, lieber Mann“, erwiderte die Dame, sich mit einigen leisegemurmelten, eben nicht freundlichen Worten ihren Hut wieder in Façon drückend, „ist mir so etwas schon in meinem Leben vorgekommen?“
Zerknirscht, doch ohne ein Wort weiter zu erwidern, nahm der arme abgehetzte, mishandelte Commerzienrath nach der Dame in der gegenüberbefindlichen Ecke Platz; jetzt aber fest entschlossen, was auch geschehen möge, dem boshaften Geschick keinen weitern Halt an sich zu geben. Schweigend legte er sich zurück, zog sich die Mütze tief in die Stirn und schloß die Augen. Er sprach nicht, er hörte nichts, was zu ihm gesprochen wurde, er beklagte sich nicht über Zug noch Hitze, kümmerte sich weder um die schöne Gegend noch um die alte Nachbarin, und trug mit einer wirklich rührenden Resignation die neuen Leiden der nächtlichen Postfahrt, die seinem matten Körper kaum eine flüchtige Stunde Schlaf gestattete.
In Otzleben besonders rührte er sich nicht von seinem Platze, und nur einen verstohlenen Blick warf er aus dem heraufgezogenen Fenster, sich bei dem Anblick des alten Postgebäudes die Scenen der vorvorigen Nacht noch einmal ins Gedächtniß zurückzurufen und seinem Gott zu danken, daß sie eben einer vergangenen Nacht angehörten.
Es war Abend — die Mamsell stand in der Hausthür, die Arme mit den aufgestreiften Aermeln in die Seite gestemmt, das große Schlüsselbund vorn an der Schürze, und nebenan aus dem Stalle führte der halbe Hausknecht die frischen Pferde herzu, mürrisch dabei mit den Schlepppantoffeln über das Hofpflaster schlurrend. Welch stilles Bild des Friedens — und dort hinten? —
„Satanskröte“, murmelte der Commerzienrath zwischen den Zähnen durch, als er den kleinen siebzehn mal hinausgeworfenen Pudel gerade wieder, wie er ihn verlassen hatte, in der Thür sitzen und sich kratzen sah, „weiter fehlte mir nichts, als heute Nacht noch ein solches Quartier im grünen Zimmer.“
Die Dame, der einzige Mitpassagier im Wagen, die den Commerzienrath schon mehrmals unterwegs angeredet und nach Dem und Jenem gefragt, aber nie eine Antwort bekommen hatte, schien endlich zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, daß er entweder stocktaub wäre oder doch wenigstens sehr schwer höre. Das herauszubekommen, denn das schweigsame Imwagensitzen war ihr entsetzlich — bog sie sich plötzlich soweit sie konnte zu dem Commerzienrath über und schrie ihm ins Ohr:
„Wie heißt der Ort hier?“
„Herr du meine Güte“, sagte der Commerzienrath zusammenfahrend, „haben Sie mich erschreckt.“
„Das hört er doch“, brummte die Dame befriedigt vor sich hin; „nun?“ schrie sie dann wieder, „wissen Sie nicht wie der Platz heißt?“
„Otzleben, soweit ich mich entsinne“, sagte ihr Nachbar, also gepreßt.
„Freundliches Dörfchen hier, wie?“ schrie die Dame wieder; aber Mahlhuber ging nicht in die Falle. Er dachte an die zerschossene Hutschachtel, an die Ueberschuhe, an die Nichte. — Das Alles waren die Folgen eines leichtsinnig angeknüpften Gesprächs gewesen.
„Freundliches Dörfchen hier“, schrie seine Nachbarin noch einmal, sich doch wenigstens gehört zu machen; der Commerzienrath aber warf noch einen Blick hinaus auf seine Freundin, die Mamsell mit den langen Locken und aufgestreiften Aermeln, auf den komischen Hausknecht und den Pudel, zog dann den Mantel um sich her, drückte sich fest in seine Ecke und verweigerte hartnäckig selbst seine Zustimmung zu dem ganz unverfänglichen Lobe von Otzleben.
„Ist das ein tauber Esel“, brummte die Dame halblaut, aber vollkommen verständlich zwischen den Zähnen durch; „wird man auch noch mit so einem langweiligen Peter von Reisegesellschafter geplagt, du meine Güte!“ und ihren großen Reisekober neben sich zurechtrückend, stemmte sie die beiden Füße auf den gegenüberbefindlichen Sitz, faltete die Hände im Schoose und schloß ebenfalls die Augen.
Eine Station nach der andern passirten sie derart, ohne auch nur ein Wort weiter miteinander zu wechseln, aber auch ohne das mindeste Außergewöhnliche oder Störende in ihrer Fahrt. An Schlaf war natürlich für den des Fahrens ungewöhnten Commerzienrath nicht zu denken, und seine Leber mußte seiner Meinung nach blaue Flecke bekommen haben, so stieß sie fortwährend, worauf er hätte schwören wollen, gegen Magen und Rippenwände an. Aber mit jeder Meile, die sie zurücklegten, kamen sie auch seiner Heimat, seiner Häuslichkeit, dem gemüthlichen Schlafrockleben wieder näher; jeder Stoß des Wagens half ihm über einen Stein fort, der noch zwischen ihm und Gidelsbach lag, und er ertrug das Schwerste mit einem Lächeln im Herzen.
In der Nacht bekamen sie noch mehr Passagiere in den Wagen; ein dicker Herr mit einem entsetzlichen Schnupfen stieg etwa um Mitternacht ein, als sie in einem kleinen Städtchen mit fürchterlichem Pflaster und einem heisern Nachtwächter umspannten, und gegen Morgen kam noch ein junger Bursch mit einer grünlackirten riesig großen Botanisirtrommel in den Wagen und erzählte den Passagieren, daß er zum ersten male eine Fußreise gemacht habe und jetzt wieder zurück zu seinen Aeltern gehe. Er hieß Karl Becker, wie er aussagte, war 14 Jahre alt, in der Schule in Tertia, und hatte bei der letzten Prüfung die beste Censur bekommen. An dem Commerzienrath prallte das aber Alles ab, und die Dame begann dann mit dem dicken verschnupften Herrn eine Unterhaltung über Kinder und Butterpreise. Dieser wandte sich auch einmal im Laufe des Gesprächs an Mahlhuber. „Der ist stocktaub“, entschuldigte ihn aber die Dame, und man ließ ihn ungestört gewähren.
Dort lag Gidelsbach — die Biegung der Straße enthüllte es plötzlich ihren Blicken — jetzt fuhren sie über die Roßbrücke, jetzt am Chausséehause vorüber — da drüben lag der Sommergarten, weiter links nach vorn die Windmühle, und von dem leisen Luftzuge getragen, klangen die melodischen Schläge der alten Thurmuhr, die die Mittagsstunde kündete, zu ihnen herüber.
Dem Commerzienrath traten die Thränen in die Augen, es war ihm als ob er zehn Jahre lang entfernt gewesen wäre, und den Bauern, die aus der Stadt kamen, den zurückkehrenden Holzfuhrleuten nickte er zu und freute sich wie ein Kind über das fröhliche Schmettern der Lerchen, über das Schnattern der Gänse und das Kläffen der Hunde, die neben dem Postwagen hersprangen.
Jetzt rasselten sie durch das steingewölbte alte Stadtthor auf das Pflaster der Stadt, wo er jede Firma kannte, und wie er sich aus dem Wagen bog, die lieben befreundeten Plätze wiederzubegrüßen, war das erste bekannte Gesicht, das ihm begegnete, das des Doctor Mittelweile, der ihn anstarrte, als ob er einen Geist gesehen hätte.
„Commerzienrath, sind Sie des Teufels?“ rief er in Schreck und Staunen, mitten auf der Straße stehen bleibend; der Commerzienrath erwiderte aber kein Wort, nickte dem Manne nicht einmal zu, und die Post rasselte weiter, ihrem Bestimmungsort zu.
An dem Postgebäude angelangt und von den Postbedienten auf das freundlichste begrüßt, stieg er aus, ohne sich auch nur mit Wort und Blick um die übrigen Passagiere zu bekümmern, gab Einem der Leute den Auftrag, sein Gepäck augenblicklich in die eigene Wohnung zu schaffen, und schritt dann, so leicht als ob er flöge, die schmale Gasse entlang, die zu seiner Heimat führte.
Dorothee hatte heute natürlich gerade den Vetter zu Tische, und als der Commerzienrath ohne anzuklopfen in sein Zimmer trat, schrie sie blos: „Alle guten Geister loben Gott den Herrn!“ und ließ einen Teller mit Suppe fallen.
„Guten Tag, Dorothee!“ sagte der Commerzienrath, ohne von dem Vetter weiter Notiz zu nehmen, „ist mein Zimmer in Ordnung?“
„Jesus meine Zuversicht“, schrie die alte Haushälterin, die Frage nicht einmal hörend, „der Herr Commerzienrath sind schon wieder da?“
„Ist mein Zimmer in Ordnung, Dorothee?“
„Ja wol, ja wol, bester Herr, aber was um Gottes Willen ist denn vorgefallen?“
Der Commerzienrath hatte sich schon abgewandt, um in sein Schlafzimmer zu treten, drehte sich aber in der Thür noch einmal um und sagte freundlich:
„Ich bin wieder da, Dorothee, und ich bleibe auch hier und gehe nicht wieder fort, und wenn der Mosje, der Doctor Mittelweile, kommt —“
In dem Augenblick klopfte es an die Thür, und ehe nur Jemand „Herein“ oder „Nicht herein“ rufen konnte, ging diese auf und der Doctor selber stand auf der Schwelle.
„Aber nun sagen Sie mir um Gottes Willen, Commerzienrath —“
„Guten Morgen, Doctor“, erwiderte der Commerzienrath, immer noch dabei seine Mütze auf, seinen Reisesack an der Hand und Rock und Regenschirm unter dem Arme.
„Was in aller Welt treibt Sie denn in zwei Tagen schon wieder zurück?“ rief dieser, „ich glaubte Sie wohlbehalten jetzt in München. — Was ist Ihnen denn passirt?“
„Ich will Ihnen etwas sagen, Doctor“, erwiderte der Commerzienrath mit einer finstern dumpfen Entschlossenheit in der Stimme, „und Ihnen auch, Dorothee — hat der Vetter schon gegessen?“
„Ja wol, Herr Commerzienrath, ich danke Ihnen recht schön“, rief dieser und wand sich, froh so abzukommen, wie ein Ohrwurm zur Thür hinaus. Der Commerzienrath sah ihm nach, bis er diese hinter sich ins Schloß gedrückt, und fuhr dann ruhig, aber mit vollkommen entschlossener Stimme fort:
„Gerade ehe Sie eintraten, Doctor, habe ich es der Dorothee gesagt, ich bin wieder da, und was mehr ist, ich gehe auch nicht wieder fort. Weshalb ich so rasch zurückgekommen bin, geht Niemandem etwas an, es braucht mich auch Niemand darum zu fragen, denn ich bin alt genug zu wissen, was mir gut und nützlich ist und was nicht. Sie haben mich doch alle Beide verstanden?“
„Ja wol, bester Herr Commerzienrath, aber —“
„Gut, dann bitte ich, daß jetzt die Thüren hier zugeschlossen werden und Niemand vor morgen früh hereingelassen wird.“
„Aber Sie müssen doch erst essen, Herr Commerzienrath“, rief Dorothee in Schreck und Angst.
„Wenn ich hungerig bin, werde ich’s schon sagen“, erwiderte dieser, „haben Sie sonst noch etwas zu bemerken?“
„Nein, Herr Commerzienrath, aber —“
„Schön — dann wünsche ich Ihnen und mir eine angenehme Ruh“, sagte Herr Mahlhuber und verschwand im nächsten Augenblick hinter der Kammerthür, die er abschloß und dann den Nachtriegel vorschob.
„Er ist übergeschnappt!“ sagte der Doctor achselzuckend, indem er seinen Hut wiederaufsetzte und sich umdrehte, das Zimmer zu verlassen.
„Dann sind Sie daran schuld!“ rief Dorothee, die Arme in die Seite stemmend, „denn Sie allein haben dem armen alten unglücklichen Manne so zugesetzt, bis er in aller Verzweiflung seine Heimat verlassen mußte und hinaus in die Welt ging.“
„Die Dorothee ist auch übergeschnappt!“ sagte der Doctor, und verließ langsam und kopfschüttelnd das Haus.
Und der Commerzienrath? — Lieber Leser, Morgens um 8 Uhr sitzt ein ganz behäbiger und für sein Alter noch ziemlich rüstiger Mann an dem offenen Fenster seiner Wohnstube, trinkt seinen Kaffee und liest mit großem Wohlbehagen aus der vor ihm aufgeschlagenen Zeitung die Berichte über das „Ausland“. Der Mann ist der Commerzienrath Mahlhuber in Gidelsbach und befindet sich ganz außerordentlich wohl.