Liebe Agnes!

»Gottlob wieder in Erlangen; Hätte ich ein Tagebuch, mit der allerschwärzesten Tinte würde ich diesen letzten Teil meiner Vergnügungsreise darin verzeichnen! Meine Augen brachten mich an den Rand der Verzweiflung.... In Tübingen wurde es mit jeder Minute schlimmer. Mein Mittel hatte ich wohl dabei, konnte es aber nur noch abends anwenden, denn es schmerzte unsinnig. Ich überlegte immer, ob ich nicht mit dem ersten besten Zug nach Hause fahren sollte, aber ich mochte doch nicht so rasch abbrechen, wurde ja so herzlich empfangen!...«

Von den drei kleinen Enkelsöhnchen, die sie bei ihrem Erscheinen auf dieser Welt freundlich bewillkommt und in treue Pflege genommen hatte, blieb ihr nur das erstgeborene erhalten. Das zweite, von Anfang an ein zartes Pflänzchen, half sie liebevoll pflegen und als es trotz aller Fürsorge im zweiten Lebensjahre starb, stand sie unter dem Eindruck, daß hier ein Leben zu Ende ging, das vielleicht doch nur Leiden gewesen wäre, und ihr gesundes natürliches Gefühl ließ sie den Tod schwächlicher und leidender Menschen nie so schmerzlich beklagen. Als aber ein Jahr später das dritte Kind, ein prächtig gediehener fast zweijähriger Knabe ganz rasch von der Diphtheritis dahingerafft wurde, empfand sie dies als einen furchtbaren Schmerz. Sie erhielt die Todesnachricht während sie mit der Familie Kerler zum Landaufenthalt im Spessart war. Keine Naturschönheit vermag die Gedanken von solcher Trauer abzubringen, aber es kam das Mittel, das einzige was solchen Kummer in den Hintergrund drängen kann, die Sorge vor noch herberem Verlust; auch Karl, der älteste der drei kleinen Brüder erkrankte an der Diphtheritis und schwebte in Lebensgefahr. Der Gedanke, daß ihre Tochter auch das letzte Kind verlieren sollte, war ihr entsetzlich und lag ihr damals besonders nahe, denn es waren die Jahre, in denen diese Krankheit furchtbar um sich griff, viele Eltern in einer Woche kinderlos wurden, und alle für ihre Kinder bangten. Als die Nachricht von der Besserung und allmählichen Genesung des kleinen Karl eintraf, konnte sie doch wieder Glück und Dankbarkeit empfinden und sie schloß dieses Kind mit besonderer Liebe in ihr Herz und hatte später eine große Freude daran, daß zwei kleine Schwestern sich zu dem Vereinsamten gesellten.

Wenn sie von den Reisen zu ihrer Tochter nach Erlangen zurückkam, so hatte sie dort zwar kein Kleinkindergeschrei mehr um sich, aber doch auch Unruhe genug. Liest man ihre Briefe, in denen sie ihr Erlanger Leben schildert, so sieht man in eine belebte Stube, in der die vier Schulkinder sich umhertreiben mit viel Lärm und Zank, der aber mit Humor aufgefaßt wird. So schreibt Frau Brater einmal der Tochter: »... Den ganzen Tag kam ich nicht ans Schreiben und als ich abends meinen Brief begann, erbat sich Wilhelm als besonderes Vergnügen, den geriebenen Kartoffelsalat machen zu dürfen, wobei er so viel interessante Erfahrungen machte, daß er immer meiner Teilnahme und meines Rates bedurfte, und nebenbei ging beständig der Zank mit den Schwestern, die die Behauptung aufstellten, Kartoffelsalat machen schicke sich nicht für Buben, während Wilhelm entgegnete, wenn er wolle könne er seine Hände so sauber waschen wie andere Leute etc.«

»Gestern war ich mit auf dem Eis, denn alle Viere drängen schon seit lange, daß ich einmal ihre Kunst bewundere, die Mädchen fahren hübsch, es sieht sehr anmutig aus, die Buben natürlich ohnedies, die tun sich ja in allen körperlichen Künsten hervor. Wilhelm klettert auf die höchsten Bäume und zerreißt alle Tage ein paar Hosen.«

Allmählich geben die Berichte ein anderes Bild: »Meine Vier sind ungewöhnlich lebhaft und laut, doch sind sie alle heiter und glücklich angelegt und ein fröhlicher Spektakel ist wenigstens leichter zu haben als ein widerwärtiger, überdies geht mir Julie schon tüchtig zur Hand und ist mir überhaupt eine liebe Tochter, wenn nun Johanne auch noch aus dem Institut ist, dann sehe ich den Zeitpunkt nahen, wo ich unverrückt auf dem Sopha sitzen bleiben kann, denn beide Mädchen sind sehr fleißig, übrigens tritt diesen Winter die Verpflichtung an mich heran, mich halbe Nächte lang auf Bällen herumzutreiben und tagelang mit Bügeln, Garnieren usw. beschäftigt zu sein, da meine Mädchen jedoch ziemlich anspruchslos und bescheiden sind, so tue ich es gerne.« Bald waren die Jahre vorbei, in denen sie einer Stellvertreterin bedurfte wenn sie verreiste, Julie und Johanne waren nun fleißige Haustöchter. Sie rühmt von ihnen: »Im Haus habe ich alles in schönster Ordnung getroffen, die Rechnung stimmt auf den Pfennig.«

So war der Familienstand durchaus erfreulich, aber unvermutet drohte eine große Veränderung. Frau Brater schreibt an Agnes: »Was wirst Du sagen, wenn Du hörst, daß es sich gegenwärtig um eine Versetzung Dietrichs nach Würzburg handelt? Dort winkt eine höhere Rangstelle, es ist dort ein sogenanntes Oberbibliothekariat, auch eine größere Bibliothek usw., hier ist andererseits weniger Arbeit und sind sehr angenehme Verhältnisse. Es geschieht jedenfalls das möglichste, um Dietrich hierzuhalten, aber über gewisse Grenzen können sie eben nicht hinaus. Die Sache steht auf der Schwebe, doch glaube ich eher an Erlangen als an Würzburg. Was für ein harter Schlag mir diese Trennung wäre, das kannst Du ermessen!«

Der Entscheid fiel für Würzburg und im Frühjahr 1878 übersiedelte die Familie Kerler dorthin, zum großen Schmerze für Frau Brater, die täglich im beglückenden Verkehr mit Tochter und Schwiegersohn und den beiden Enkelkindern gestanden hatte. »Ich empfinde die Trennung immerwährend sehr schmerzlich« schreibt sie an Anna »und es ist mir fast unbegreiflich, daß ich nun die lieben Kinderstimmen so lange nimmer hören und keinen Blick aus ihren hellen Augen empfangen soll. Dennoch sage ich mir beständig, daß ja doch niemand gestorben ist und daß wir uns in kurzer Zeit daran gewöhnen werden, über die kleine Wegstrecke hinweg uns des glücklichen Bewußtseins der Liebe und Zusammengehörigkeit zu erfreuen.« An Agnes: »Ich bin so froh, wenn ich die Handwerksleute, die in Haus und Hof zugleich sind, endlich los habe, es ist dies eine unleidliche Sache. Überdies haben alle Verbesserungen sowohl im Haus wie im Garten für mich den Reiz verloren, die Kinder sind nun erwachsen, die Buben gehen beide fort, die Mädchen werden auch nicht immer daheim bleiben, was soll mir nun das öde Haus? Wilhelm hatte recht, indem er bei Kerlers Berufung sagte: »unsere ganze Existenz ist untergraben!«

Die Zurückbleibenden existierten aber dennoch weiter und zwischen den herangewachsenen Kindern und ihrer Tante ergaben sich im Laufe der Jahre immer mehr gemeinsame Interessen, die das tägliche Leben besonders in den Ferienzeiten, wenn sich alle zusammenfanden, bereicherten. Auf den jüngsten Sohn hatte sich das naturwissenschaftliche Interesse der Pfaffs vererbt, zur großen Freude seiner Tante. Nach den Osterferien schreibt sie an Agnes: »Wilhelm ist diesen Abend auch wieder abgereist, es wird mir immer schwer, ihn wieder ziehen zu lassen, sein Wesen entwickelt sich so auffallend in der mir verwandten Pfaffschen Art und führt mir das Andenken an meine teuren Brüder in lebensfrischer Weise vor die Seele, ich unterhalte mich mit ihm gerade so, wie ich es in jungen Jahren mit diesen getan habe, oder wenigstens über dieselben Gegenstände. Seine Neigung zur Mathematik nimmt immer zu und erfüllt ihn ganz.« »Jetzt, nachdem ich wieder längere Zeit von den Kindern getrennt war, fällt mir wieder deren unendlich lebhaftes Wesen auf, es schwirrt mir den ganzen Tag der Kopf und ein Fremder, der unten am Haus vorbeiginge, würde nimmermehr glauben, daß all der Lärm von vier in Frieden lebenden Familiengliedern herrühre, und Du weißt wie sie sind, ich muß in erster Linie alles anhören, stehle ich mich ein wenig in den Garten hinunter oder ins Besuchszimmer hinein, es dauert keine fünf Minuten, so ist die Gesellschaft auch da. Namentlich aber in den ersten Tagen der Ankunft bis das übervolle Herz ausgeschüttet ist, so nun Wilhelm, er begleitet mich auf Schritt und Tritt und während ich in der Küche Julie den Kochunterricht gebe, setzt er nicht aus, mir irgend ein physikalisches Gesetz oder ein geometrisches Problem zu erklären. Abgesehen von der Strapaze ist übrigens die Unterhaltung mit den Kindern jetzt anregend und macht mir oft Spaß, z. B. gestern abend kamen wir auf die Definition von Begriffen zu sprechen, da wechselte dann immer stilles tiefes Denken mit plötzlichem lauten Gebrüll ab, wenn jeder das beste sagen zu können glaubte, schließlich fragte ich: was ist ein Ofen? Das war uns nun unvermutet schwer und es war komisch zu sehen, wie die beiden Buben ihre Stühle drehten und den unschuldigen Ofen immer von oben bis unten so bedenklich betrachteten ... Wilhelm sieht gar zu schlecht aus, ich mag ihm die Ferien sehr gönnen, mit seinem Erscheinen ist auch sogleich Säge, Schaufel, Hammer usw. wieder in Bewegung gekommen, die abgefaulte Gartenbank ist gemacht, ein Baum umgehauen, Löcher für zwei andere sind gegraben und das geht alles mit einer Kraft und Geschicklichkeit, daß mich’s freut. Bezeichnend ist, daß er mir ein Päckchen Nägel mitgebracht hat, weil sie ihm »so schön erschienen sind«.

Neben diesen heiteren Gesprächen kam in diesen und noch mehr in den folgenden Jahren ein ernstes Thema immer öfter zur Sprache: es war die Religion. Die jungen Leute brachten von draußen die materialistische Weltanschauung mit herein, die von der Tante mit Feuereifer bekämpft wurde. Da sie aber durchaus nie den Wunsch hatte, die Leute zum Schweigen zu bringen, sondern zu offener, rückhaltsloser Aussprache, so wurde von beiden Seiten mit derselben Lebhaftigkeit disputiert, in der auch schon die vorige Generation von Pfaffschen Brüdern ihre Streitigkeiten ausgefochten hatten, und wie damals geschah es auch jetzt zuweilen, daß Vorübergehende unter den offenen Fenstern stehen blieben, horchten ob es Mord und Totschlag gäbe, aber dann beruhigt von dannen gingen, weil sie statt harter Reden nur Stichwörter vernahmen wie Strauß und Darwin, Seele und Gott.

Die religiösen Einflüsse, die das Leben ihr gebracht hatte, der des Freundes Nagel vor allem, hatten bei Frau Brater den Glauben an den lebendigen Gott zu tiefer Überzeugung gereift und wenn sie auch über einzelne dogmatische Schwierigkeiten nicht hinweg kam, so ließ sie diese als unwesentlich beiseite. Verhängnisvoll für jeden einzelnen und für ihr geliebtes deutsches Volk erschien ihr die materialistische Weltanschauung, die nach ihrer Überzeugung das Edelste und Beste im Menschen leugnet und dadurch verkommen läßt, die auch nie ideale Charaktere wie den ihres Mannes hervorbringen würde, und der Drang, sich und anderen die Unhaltbarkeit derselben immer klarer zu machen, trieb sie, manches ernste Werk zu lesen, und ließ sie jede Gelegenheit aufsuchen, durch schriftlichen oder mündlichen Verkehr einzudringen in diese Fragen, die ihr immer mehr Herzenssache wurden. Sie gewann dadurch nicht nur auf ihre Pflegekinder, sondern auch auf andere, die im Hause verkehrten, starken Einfluß und wurde im Laufe der Jahre für manchen jungen Menschen der Anlaß, über religiöse Dinge nachzudenken, bot vielen die seltene Gelegenheit, Zweifel vorbringen, auch atheistische Anschauungen aussprechen zu dürfen, ohne deshalb verurteilt zu werden, und fand die warmen, klaren Worte, die Herz und Verstand zugleich für eine neue Anschauung erschließen können.

Neben all diesen Interessen wurden Frau Brater die sich mehrenden geselligen Beziehungen in Erlangen und die Arbeit, die das Haus mit sich brachte, oft zu viel; sie stand unter dem Eindruck einer Zersplitterung und eines Gehetzes, das ihr unsympathisch war. »Ich mache täglich an mir die Erfahrung«, schreibt sie an Frau Hecker, »daß es gar nichts übleres gibt, als in einem Gehetze zu leben, mit dem Bewußtsein, seine Sache unmöglich ganz gut machen zu können, auch kann man ohne eine gewisse Behaglichkeit keinen guten Humor haben und mit einem schlechten Humor verpfuscht man alles.« ... »In diesem unruhigen Frühjahr bewegte ich recht oft den Gedanken in meinem Herzen, von Erlangen wegzuziehen und das Haus zu vermieten, denn gerade das relativ weitläufige Haus mit Zimmerherrn und Garten macht doch recht viel Plage, ich sehe es immer wenn ich ein paar Wochen verreist war, es gibt dann endlose Rückstände. Übrigens spreche ich noch nicht von diesem stillen Plan, denn erstens merke ich, daß ich mich selbst sehr schwer vom Garten trennen würde, der nun so hübsch ist und mir viele Freude macht, und dann käme ich ja heuer keinesfalls mehr zur Ausführung des Planes, darum schweige ich noch. Aber in diesem Augenblick habe ich die hiesige Wirtschaft ein wenig satt und sehne mich unter den vielen Menschen nach meinen Kindern.«

Als sich späterhin Frau Brater entschloß ihren Neffen und Nichten den Vorschlag der Übersiedelung nach Würzburg zu machen, fand sie allgemeine Zustimmung, und da sie von Kindern und Enkeln in Würzburg herzlich willkommen geheißen wurde, so galt es nur noch, für Haus und Garten einen Mieter zu finden. Dies gelang über Erwarten bald und der Umzug wurde im Sommer 1880 bewerkstelligt. Das Loslösen aus dieser alten Heimat mit ihren vielen teueren Erinnerungen wurde ihr wohl schwer und die Trennung von den Verwandten ging ihr nahe, aber noch in letzter Stunde half ein freudiges Ereignis über den Abschied hinweg, es war die Verlobung ihrer Nichte Johanne, die nun zunächst noch als Braut mit übersiedelte nach Würzburg, das nach bewegtem Wanderleben Frau Braters letzte Heimstätte werden sollte. Ganz nahe bei der Familie Kerler wurde eine freundliche Wohnung gemietet und der tägliche Verkehr in diesem Hause war von nun an ihre Herzensfreude. Die Stadt selbst, am Main gelegen, von den umliegenden Höhen aus betrachtet ein schönes Bild bietend, war ihr indes lange Zeit nicht sympathisch. »Weinberge sind etwas Schreckliches,« schreibt sie, »hier ist’s schattenlos und staubig, man kommt heim, wie wenn man im Mehl herumgestiegen wäre; wenn die Höhen ringsum nicht alle abgeholzt wären, hätten wir auch mehr Regen, aber der Wald ist weit weg und die Trockenheit groß.« Jedoch – ob Weinberg oder Wald – diese äußeren Verhältnisse sollten ihr bald recht nebensächlich erscheinen, denn die nächsten Jahre brachten ihr ungewöhnliche Aufregungen durch die Schicksale, die sie mit ihren Pflegekindern teilte. Diese standen ja ihrem Herzen nahe wie eigene Kinder und eine Mutter kann nicht aufhören, für ihre Kinder zu sorgen, auch nicht wenn diese herangewachsen sind, ja es kann ihr auch kein Gericht durch die Mündigkeitserklärung das Gefühl der Verantwortlichkeit abnehmen, denn der Einfluß, den sie bisher gehabt hat, hört nicht plötzlich auf, sie ist sich bewußt, ihn noch immer zu besitzen, und es sind die Schicksale erwachsener Kinder oft dadurch besonders aufregend für die Mutter, daß es in jedem einzelnen Fall eine Frage des Gewissens und des Taktes ist, wie weit sie ihren Einfluß noch geltend machen soll.

Der älteste Neffe, ein hochbegabter und liebenswürdiger junger Mann, der mit großer Liebe an seiner Tante und an den Geschwistern hing, hatte doch nicht die nötige Charakterstärke, sein kleines Vermögen zusammenzuhalten, als er es ausgehändigt bekam und es wurde ihm zum Unsegen. Er entzog sich dem Einfluß der Familie, verließ Würzburg und verlor dadurch den letzten Halt. Schmerzlich klingt aus allen Briefen Frau Braters in jener Zeit die Klage; »Wir wissen nicht, wo Robert ist« und oft genug stellt sie sich die Gewissensfrage: »Hätte ich ihn nicht halten können?« Jahr und Tag verflossen, bis der Vermißte zurückkam zu den Seinigen. Das Wiedersehen war unendlich traurig, denn was sollte nun aus ihm werden? In seinem juristischen Berufe konnte er nicht wieder ankommen, die Türen, die früher für ihn offen gestanden, waren nun geschlossen, umsonst wurde überall angeklopft, er fand keine Anstellung. In mancher schlaflosen Nacht quälte sich Frau Brater, um einen Ausweg zu finden, und diese Wochen gehörten zu den peinlichsten ihres Lebens. In dieser schwierigen Lage tat sich endlich eine Möglichkeit der Existenz auf. In Südamerika wurden deutsche Lehrkräfte gewünscht und von Barmen aus dorthin empfohlen. Dankbar wurde die Hand ergriffen, die sich zur Hilfe bot, um so mehr als der Aufenthalt im warmen Klima günstig für die angegriffene Gesundheit des jungen Mannes erschien. Er schiffte sich ein, erreichte glücklich das Ziel und die verheißene Anstellung. Mancher Brief, voll Liebe und Dankbarkeit gelangte aus weiter Ferne in Frau Braters Hände und gab ihr die beruhigende Überzeugung, daß unter diesen traurigen Umständen das Beste geschehen war. Nur die erschütterte Gesundheit wollte sich nicht wieder befestigen, immer bedenklicher lauteten in dieser Hinsicht die Nachrichten. Traurig schreibt sie über ihn: »Roberts Befinden scheint rasch abwärts zu gehen, es ist mir so unsäglich schmerzlich, den schwer Leidenden so einsam in der Fremde zu wissen! Wir haben ihm in letzter Zeit öfter geschrieben und es ist mir ein Trost, daß er sich wenigstens an diesen Briefen und Liebeszeichen erfreut.« Ein Jahr etwa, nachdem Frau Brater den ersten Brief aus Amerika erhalten hatte, traf der letzte ein und bald darnach die Todesanzeige.

»Es tut einem das Herz weh,« schreibt sie an ihre Tochter, »wenn man dieses so traurig zu Ende gegangene Leben überblickt, und die Wehmut wird nur vermehrt dadurch, daß man zuletzt noch seine Erkenntnis teilen durfte. Ich zweifle nicht, daß er den Weg zur ewigen Heimat gesucht und gefunden hat.«

XIV.
1883–1886

In derselben Zeit, da Frau Brater voll Schmerzen an den Neffen in der Ferne dachte, nahmen auch die Lebenspläne ihrer Nichte Julie sie vollauf in Anspruch. Das junge Mädchen wurde zur Frau begehrt von einem Deutschen in Südamerika, der früher in Erlangen gelebt hatte und ihr lieb war. Tief im Innern Argentiniens war er als Professor an einer höheren Lehranstalt angestellt und dort wollte sie dem Vereinsamten heimisches Glück bereiten. Die Frage, ob sie in diese weite Ferne ziehen, in unbekannten Verhältnissen einen Hausstand gründen sollte, war wiederum ein schwerer Entschluß. Freilich hatte diesen nicht eigentlich Frau Brater zu fassen, aber sie wußte doch, daß ihr Einfluß, ihr Rat schwer in die Wagschale fiel, und war bedrückt von dem Gefühl der Verantwortlichkeit.

Im Oktober 83 war Frau Brater zu neuen Großmutterpflichten nach Württemberg gereist, denn trotz aller Schwierigkeiten daheim brachte sie es nicht über sich, der Tochter in solcher Zeit ihre Hilfe zu versagen. Von dort zurückgekehrt schrieb sie an ihre Tochter Agnes: ... »Was mich betrifft, so bin ich hier in einen Strudel gekommen, in dem ich mich fast nimmer aufrecht halten konnte. Juliens Angelegenheiten haben sich soweit vorgeschoben, daß man nimmer gut zögern konnte, und doch zeigen sich Schwierigkeiten und unmäßige Ausgaben. Ich habe mich zermartert, um einen Ausweg zu finden, oder die Sache zu verzögern, bis S. Aussicht hätte, in einen Ort zu kommen, der nicht fast unerreichbar ist; aber wir können ihm ja nimmer zuverlässig schreiben, bis er den Brief erhält, ist er ja vielleicht schon auf der Reise, ihr entgegen, und wenn er schon auf der Reise ist, so müssen Juliens Sachen längstens bis Samstag unterwegs sein!

Wir sind also in stürmischer Eile, um eine Sache zu bewerkstelligen, die ich in meiner gegenwärtigen Stimmung für ein Unglück halte; ich war kaum zwei Stunden hier, so schrieb ich schon an Krazers nach Stuttgart um eiserne Bettstellen. Ich bestellte Kisten, Matratzen, Betten usw. und noch weiß ich nicht sicher, ob unsere Sachen noch angenommen werden. Ich war in den ersten Tagen hier nahezu verzweiflungsvoll, denn ich fühle mich verantwortlich und hätte zu rechter Zeit Julie gut bestimmen können, noch ein Jahr zu warten, aber indem man immer »für alle Fälle« Zurüstungen traf, übersah man den Punkt, von wo aus der Rückweg abgeschnitten war. Soeben habe ich einen Sattel gekauft für 140 Mark, Julie hat von der Endstation bis zu ihrem Ziel drei Tage zu reiten! Wenn diese Woche mit ihren aufregenden Zurüstungen vollends überstanden ist, dann beruhige ich mich auch wieder und unwillkürlich werden dann mehr die Lichtseiten in den Vordergrund kommen, die Julie als hell leuchtend erkennt.«

Die großen Kisten mit dem nötigen Hausrat gelangten glücklich auf das Segelschiff und während sie auf dem Ozean schwammen, beging die Familie noch mit wehmütiger Freude das Weihnachtsfest. Fehlte doch der älteste Bruder und mußte man nicht annehmen, daß auch die drei Geschwister das Fest zum letztenmal gemeinsam feiern würden? Gleich nach Weihnachten wurde der Platz auf dem Schiffe, das in Marseille abgehen sollte, bestellt und der Koffer gepackt, der das Nötigste für die sechs Wochen lange Seereise enthielt und das Hochzeitskleid der Braut. Am 8. Januar früh morgens, noch ehe es Tag war, geleiteten die Tante und die Schwester das tapfere Mädchen an die Bahn.

Noch am selben Tag und auch am folgenden sandte Frau Brater der Reisenden die ersten Grüße nach, die sie in Basel und in Marseille erhielt. Es drängte sie, noch einmal ihre ganze Liebe der entschwindenden Pflegetochter auszusprechen. In einem langen Briefe blickt sie zurück auf die Zeit, in der sie die kleinen Mutterlosen übernahm, und erzählt: »In der letzten Nacht, die Deine liebe Mutter erlebte, sagte sie mehrmals zu Eurem Vater: ›sorgt für eine treue Person für meine Kinder‹ und welches Mutterherz könnte diese Bitte nicht nachempfinden und würde sie nicht erfüllen, wenn es ihm möglich wäre? Als ich in jener traurigen Zeit zu Euch kam, da ward Ihr ja noch klein und kummerlos, aber jede Nacht, wenn ich vor dem Schlafengehen noch nach den vier kleinen Schläfern schaute, hatte ich das Gefühl, daß auch Euer Mütterlein sanft ruhen könne, wenn eine liebende Hand ihre Kinder zudeckt; als dann auch Euer Vater uns verließ, da stand ich oft, oft vor den Bildern Eurer lieben Eltern und fragte mich prüfend: ›Bist Du auch gewiß diese treue Person? und kannst Du einst bestehen vor ihnen mit all Deinem Tun?‹ – So glaubt mir nun eben, Ihr lieben Kinder, und vor allem Du, mein liebes Kind, das nun aus dem Nest geflogen ist, meine Absicht war gut und wo ich gefehlt habe, da werdet Ihr mir’s nicht nachtragen, der Verzeihung und Nachsicht bedürfen wir alle, wir schwachen Menschen.«

Am 11. Januar schreibt Frau Brater nach Nördlingen: »Wieder habe ich ein teures Kind in die Ferne ziehen lassen ohne das beglückende Wort: ›auf Wiedersehen!‹ Dennoch fühlen wir uns alle erleichtert, denn die letzte Zeit war unendlich aufregend und unruhig. Der Abschied war natürlich unsäglich schmerzvoll, aber trotz aller bitteren Tränen stand Julie doch bis zum letzten Augenblick getrost und freudig da, so daß ich mich selbst an ihrer Freudigkeit aufrichten konnte und mir dieselbe immer wieder vergegenwärtige, wenn ich mit Tränen nach der Himmelsrichtung blicke, in der sie uns in raschem Flug enteilt. Heute reist sie aus Basel und Montag aus Marseille ab. Wie und warum ich mich in den letzten Monaten so entsetzlich gesorgt und gequält habe, könnte man nur verstehen, wenn ich die ganze Entwicklungsgeschichte erzählte, ich glaube ich wäre noch melancholisch geworden, hätte ich nicht endlich all mein Sorgen als nutzlos erkannt und aus vollem Herzen mein gutes Kind unter Gottes Schutz allein gestellt mit dem innigen Gebet, daß er auch alle unsere Irrtümer und Fehler zum Guten wenden möge. – Ich freue mich sehr, nun bald, so Gott will, einige Muße und Zeit für mich zu haben, seit Monaten waren Kopf und Hände ausschließlich mit Julie beschäftigt, nun bin ich geradewegs überall mit Briefen und Besuchen im Rückstand, die Kommode mit der Flickwäsche will platzen, Kleider haben wir auch keine zum Anziehen und das ganze Haus ist in unordentlichem Zustand.«

Es sollte noch nicht so schnell Ruhe eintreten, denn von der jungen Reisenden traf die Nachricht ein, daß ihr großer Koffer vermißt werde, der Koffer, der alles enthielt, was sie für die Seereise bedurfte und noch mehr: die Papiere, die für die Trauung erforderlich waren, das Hochzeitskleid und alles, was sie an Silber oder Schmuck besaß. Das waren aufregende Nachrichten für die Zurückgebliebenen. Frau Brater schreibt an Agnes: »Es wäre wahrlich ein Unglück zu nennen, wenn wirklich der Koffer nicht auf dem Schiff wäre, und die Sache ängstigt mich sehr. In ihrem Handkoffer hat Julie nur das Nachtzeug, auf dem Leib hat sie natürlich ein Winterkleid und Filzhut und sie wird schon jetzt in der Hitze sein! Aber auch wenn man den verzweiflungsvollen Zustand auf dem Schiff in Kauf nehmen wollte, was soll sie denn in Buenos Aires beginnen ohne ihren Koffer? Wir sind ganz wütend über diese Angelegenheit; ich habe sogleich an den Agenten geschrieben.«

2. Februar. »Der Koffer kam also wirklich erst nach Abgang des Schiffes in Marseille an! Ich kann dies Mißgeschick nicht eher verschmerzen, als bis ich weiß, daß auch Julie sich über diese Sache getröstet hat, d. h. bis ich annehmen kann, sie hat es nun hinter sich, ihren Willkomm und Eintritt in die fremde Welt arm, fast wie ein Bettelmädchen zu halten.«

Am 25. März konnte Frau Brater nach Nördlingen berichten: »Ich muß Euch doch mitteilen, daß wir von unserer Auswandererin gute Berichte haben. Die Seekrankheit hat sie zwar nie verloren, hingegen ist sie in der Familie Krauß wie in einem Elternhaus aufgenommen. Die Liebe und Treue, die sich in fernen Landen die deutschen Landsleute erweisen, hat für mich etwas ganz Ergreifendes. In welchem Maße durfte sie auch Robert erfahren! Aber ich muß dabei auch all der Sehnsucht, all des Heimwehs gedenken, die solche Treue wohl in sich schließt! Mein gutes Kind befindet sich nun im Stadium mächtigen Heimwehs, so daß ich immer mit Tränen an sie denken muß ...«

Das Heimweh war leicht begreiflich, denn es kam vieles zusammen, das bräutliche Glück zu trüben. Wohl war die Braut in Buenos Aires einstweilen aufs beste geborgen, wohl machte der Bräutigam die weite Reise aus dem Innern des Landes, um sie heimzuholen, aber Hindernisse der verschiedensten Art stellten sich der Verbindung entgegen, so daß diese zunächst auf spätere Zeit verschoben, dann aber, nach harten inneren Kämpfen ganz aufgegeben wurde.

Als nach langer Pause im Briefwechsel diese Nachricht eintraf, war Frau Brater tief bewegt in dem Gedanken an all die Trübsal, die dieses geliebte Kind in der Fremde durchzumachen hatte, und Briefe, in denen die wärmste Mutterliebe und die dankbarste Kindesliebe sich aussprachen, wurden mit jedem Schiff ausgetauscht und halfen dem jungen Mädchen über das Gefühl der völligen Vereinsamung hinweg. Sie beschloß, nicht sofort wieder in die alten Verhältnisse zurückzukehren, vielmehr sich dort einen Beruf zu suchen, was ihr auch durch die Hilfe des Rektors an der deutschen Schule in Buenos Aires bald gelang, so daß Frau Brater wieder ruhiger an sie denken und von ihr berichten konnte: »Meine Julie ist in einer guten Stelle und wenn das Eingewöhnen auch nicht ohne erneutes Heimweh ging, so ist sie doch glücklich und stolz, daß sie etwas leisten kann, und diese Erfahrungen haben sie und mich um ein gutes Stück vorwärts gebracht, aber sie wurden auch teuer erkauft. Wann und wie werde ich sie wohl wiedersehen? Ich bin mir des Zusammenhangs mit ihr lebhaft bewußt.«

Nach mehrjährigem Aufenthalt in Amerika kehrte die geliebte Pflegetochter in die Heimat zurück und verwertete ihre Lebenserfahrungen als treue Gehilfin in deutschen Familien.

In diesen innerlich und äußerlich durch die Schicksale ihrer Pflegekinder bewegten Jahren ergab es sich einmal, daß Frau Brater zehn Tage ganz allein war. Aus dieser völlig ungewohnten Stille heraus schreibt sie an Lina Sartorius: »Bei mir ist’s wie ausgestorben.... Ich möchte ja nicht immer so allein sein und gewiß ist es auch dem Menschen besser, wenn er mit andern lebt und sich mit dem Wesen und den Eigenheiten anderer zurechtfinden muß, aber so zehn Tage einmal ganz seinem Egoismus, ganz den eigenen Neigungen leben können ist wahrlich schön und ich will schon trachten, daß mir dadurch nicht gleich der ganze Charakter verdorben wird.«

Allmählich wurde zur Regel, was vorher nur Ausnahmszustand gewesen war: die Stille und Einsamkeit. Noch ein Jahr oder zwei lebte die Nichte Johanne mit Frau Brater traulich zusammen, auch ihr Bräutigam, Assistent am Gymnasium, wurde ihr ein liebes Familienglied, aber als er im Jahre 1885 eine Anstellung in der Pfalz erhielt, verließ auch Johanne als letztes ihrer Pflegekinder das Haus, um dem jungen Gatten zu folgen, und nachdem sich die Unruhe gelegt hatte, die eine Hochzeit im eigenen Hause mit sich bringt, fand sich Frau Brater zum erstenmal ohne Familie.

Sie hatte anfangs bei diesem dauernden Ferienzustande kein gutes Gewissen und doch war ihr, der bald Sechzigjährigen, nach solch bewegtem Leben der Ruhestand wohl zu gönnen. Sie schreibt an Agnes: »Ich habe manche herrliche Stunde des Morgens mit einem interessanten Buch in den Glacis-Anlagen; ich gebe mich dem Genuß mit vollem Herzen hin und bin sehr dankbar, daß es meine Augen gerade recht liberal gestatten; außerdem ist bis auf einen kleinen Rest von Flickerei alles aufgearbeitet und das Haus in musterhafter Ordnung; nun kommen mir aber die Bedenken, ob es auch recht und erlaubt ist, ein so behagliches Leben der Selbstpflege zu führen? Ich habe noch Kräfte, um mehr zu leisten, und doch – was soll ich tun? Wieder ein paar Wickelkinder übernehmen – dazu fehlt mir doch der Mut und ich habe ein Haar darin gefunden – also warte ich nun einmal, ob sich etwas ergibt....« Oft genug ergab sich etwas; bald half sie der Tochter in Württemberg bei der Pflege eines am Scharlach schwer erkrankten Enkels, bald saß sie am Bette der zeitenweise leidenden Tochter Anna, verkürzte ihr die langen Stunden durch Vorlesen und freute sich an diesen Lesestunden, da die Tochter vollständig ihr Interesse für naturwissenschaftliche und religiös-theologische Bücher sowie für Reisebeschreibungen teilte. Der treue Freund, Ernst Rohmer, sandte aus seiner Buchhandlung alles, was die Freundin interessieren konnte, und sie hatte nur immer zu danken und abzuwehren. »Aber Ernst, aber Ernst!« beginnt einer ihrer Briefe, zankend verbittet sie sich die häufigen Sendungen und ist doch gerührt und beglückt durch dieselben. So schreibt sie einmal: »Die beiden Afrika-Bücher sind nicht nur von mir, sondern von der ganzen Familie freudig empfangen worden und Alt und Jung wird sich darein vertiefen, Afrika ist gegenwärtig unser gemeinsamer Sparren und sowie Ihr Euch zur Auswanderung entschlossen habt, kannst Du ungefragt auch für uns die Billete mitlösen; neulich wo unserem kleinen Otto ein Gemüse nicht recht schmecken wollte, sagte Anna zu ihm: ›ja wie kannst Du denn nach Afrika, wenn Du so genäschig bist?‹ Darauf die bescheidene Antwort: ›ja, ich will ja gar nicht nach Afrika‹; darauf seine Mutter: ›was fällt Dir ein, jeder Mensch muß nach Afrika wollen.‹ Im Geheimen stelle ich oft andere Betrachtungen über das Auswandern an, die Anhänglichkeit an Heimat und Vaterland macht uns Deutschen in der Fremde gar bitteres Herzweh. – Auch für meinen Kalender noch extra Dank, er freut mich immer wegen seiner astronomischen Mitteilungen und die kleine Tabelle der mittleren Zeit hat mich einmal eine volle Tagereise lang von hier bis Neckarth. ausschließlich und eifrig beschäftigt, allerdings hatte mich die Sache vordem schon oft geniert und die schließliche Klarheit mich außerordentlich gefreut, wer weiß ob Du, der Verleger des Kalenders, nicht leichtsinnig genug bist, die Sonne täglich ohne alle Kontrolle auf- und untergehen zu lassen, und wer weiß, ob Du Dich nicht schließlich dabei ganz wohl fühlst?«

Frau Brater übte allerdings pünktlich Kontrolle über die Sonne. Sie wählte schon ihre Wohnungen darnach, wo der Lauf der Gestirne gut zu beobachten war, je höher droben, je besser. Erreichte im Sommer die Sonne ihren höchsten Stand, so wurde auf dem Fenstersims ein Zeichen eingegraben an dem Punkte, den ihr letzter Strahl beschien, ebenso am kürzesten Tag und jedes Jahr wurde mit Befriedigung die Pünktlichkeit des Gestirnes festgestellt, wenn der letzte Strahl haarscharf den Punkt des Vorjahres traf. Auch Barometer und Thermometer beobachtete sie regelmäßig und als ihr zum erstenmal ein Maximum- und Minimum-Thermometer verbesserter Konstruktion zu Gesicht kam, erklärte sie in ihrer Bewunderung für diese Erfindung, sie schenke von nun an keinem jungen Paar mehr etwas anderes zur Hochzeit als solch einen genialen Thermometer.

Nachdem sie eine neue Wohnung bezogen hatte, die einen weiten, freien Blick gestattete, schrieb sie an Agnes: »Ich steige manchmal nachts vor Schlafengehen noch hinauf ›auf meines Daches Zinne‹, wo ich durch die Oberlichtfenster eine herrliche Aussicht habe. Wenn Ihr einmal auf einem höhern Standort wohnt, werde ich Dir an der Hand meiner kleinen Sternkarte einige Anweisung geben, die Du seinerzeit wieder auf Deine Kinder übertragen kannst; im allgemeinen hat zwar jeder Mensch reichlich Beschäftigung auf seinem eigenen Planeten und braucht nicht immer darüber hinauszuschauen, da aber unsere Bestimmung doch die ist, uns schließlich aus der Gefangenschaft von diesem Planeten aufzuschwingen, so ist es mir immer vorgekommen, als sei die Betrachtung dieser fernen Welten, diese gewissermaßen sinnliche Anschauung des Unendlichen ganz besonders geeignet, auch den Geist dem Unendlichen und Ewigen nahe zu führen. Ich freue mich, wenn es mir noch zuteil wird, Berta einmal in diese Dinge einführen zu können, es ist ein Genuß, mit diesem Kinde zu verkehren, wo es im Begreifen kaum eine Schwierigkeit gibt.«

Im Herbst 1886 begleitete Frau Brater diese ihre liebe Enkelin Berta nach Boll in Württemberg zu dem bekannten Pfarrer Blumhardt, bei dem sie einen Winter zubringen und den Konfirmandenunterricht besuchen sollte. Kaum hatte sich das Mädchen dort eingewöhnt, als es erkrankte. Die ganze großmütterliche Liebe spricht aus den Briefen, die sie der Enkelin schreibt in dem weichen, zärtlichen Ton, der seinen tröstenden Einfluß auf die Kinder um so weniger verfehlte, als sie ihn in gesunden Tagen nie zu hören bekamen. Einer der Briefe ist auf einen bemalten Bogen geschrieben und die Anrede zeigt gleich die Liebkosung:

Mein lieber Schneck!

Das schönste Briefbögelein, das ich besitze und dessen Ursprung Dir bekannt ist, das nehme ich nun, damit Du siehst, daß ich Dir gerne eine Freude machen und Dir eine fröhliche Zeit gönnen möchte.

Du tust mir herzlich leid, mein liebes Kind, daß Du so getäuscht wurdest und die Besserung noch keinen Bestand hatte! nicht wahr, wenn man einmal so 14 Tage im Bett gelegen ist, dann kommt es einem schon wie eine recht lange Geduldsprüfung vor und es ist auch eine solche, nun erwartet aber, wie es scheint, der liebe Gott von Dir, daß Du ihm noch ein wenig mehr Geduld darbringst, und ich glaube von Dir, mein liebes Kind, daß Du auch dieses noch zustande bringst. Denke nur daran, wie wir auch hier alles in Gedanken mit Dir teilen, es ist mir doch fast gerade so zu Mute, als ob ich bei meinem Strobelkopf am Bett säße und zu ihm sagte: sei nur ganz vergnügt, der liebe Gott schickt Dir ja den Tag der Genesung gerade zur rechten Zeit. Und wenn Dir jetzt das Heimweh ein wenig wiederkommen will, so geniere Dich nur ja nicht, sondern sprich es aus und weine auch nach Herzenslust, denn da wird es einem dann bald wieder leichter zu Mute und man denkt: warum bin ich denn eigentlich traurig, meine Lieben haben mich ja aus der Ferne gerade so lieb und die Zeit der Heimkehr kommt sicher auch wieder. – Ich denke mir, Du wirst jetzt noch ein paar weniger gute Tage haben (was ist denn schlimmer: Zahnweh oder Herzstechen?) und dann wird alles miteinander vergehen, und dann aber wollen wir uns zusammen freuen und dankbar sein!! – Kannst Du Dir gar nicht denken, daß Du Dich erkältet oder mit irgend etwas Dir geschadet hast? es wäre gut, wenn man es wüßte. – Dein Heimweh vergeht sicher, wenn es Dir wieder besser ist und außerdem sage es uns nur. Wenn Du mir heute schreibst: liebe Großmutter komm und hole mich, dann kann ich ja nach zwei Tagen schon bei Dir sein und ich kann zu Deiner Pflege kommen, wenn es nötig ist.... Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Du Dich durch ein paar böse Tage vollends gut durchschlägst. – Es grüßt Dich in stetem treuen Andenken

Deine Großmutter.

Nachschrift: Heute gehe ich mit einer Weihnachtsliste in die Stadt, Du dürftest diese Liste nicht lesen, auch Otto nicht.

Die »bösen Tage« machten bald guten Platz, und der Aufenthalt in Boll, der Einfluß Blumhardts, entsprach den Erwartungen. Frau Brater schreibt über Blumhardt: »Ich begreife die Begeisterung, die diese ursprüngliche, liebevolle Persönlichkeit hervorrufen kann, hingegen verstehe ich auch, daß Geistliche, die in ihrer Schablone befestigt sind, sich von Blumhardt geradezu antipathisch berührt fühlen können. Eine Predigt z. B., in der auch einmal der Humor durchschimmert, so daß man sich des Lächelns nicht erwehren kann, das ist uns sehr fremdartig; diese heitere, stets in unmittelbarem Verkehr mit Gott stehende Natur, dabei der derbe Schwabe, das ist eine Eigenart, die nicht jedem zusagt.«

Sie selbst ließ sich durch diese Art nicht beirren. Ihr Herz und Ohr war immer offen, um von irgend einer Seite religiöse Anregung zu empfangen. Einen tiefen Eindruck hatte ihr das zuerst anonym erschienene Buch ihres Freundes Nagel gemacht »Der christliche Glaube und die menschliche Freiheit«. Noch war es ihr ungewohnt, ja erschien ihr fast anmaßend, mit Männern über solche Fragen zu korrespondieren, aber endlich sagte sie sich: »In religiösen Dingen ist niemand ein Laie, der ein Herz und ein Gewissen hat, und jeder solche darf sich über solch ein Buch ein Urteil anmaßen« und so schreibt sie an Rohmer: »Dieses Buch hat mich vielfach in die unmittelbare Nähe Gottes geführt. Ich denke mir, daß es den Kindern des 19. Jahrhunderts eine Wohltat sein muß, ein erlösendes Wort für ihre Zweifel zu finden; mein oftmals geängstetes und mitunter von allen Zweifeln erfülltes Herz findet darin volles Genügen .... allein daß von der Erkenntnis der Wahrheit bis zu der Aneignung derselben eine weite Kluft ist, das weiß ich nur gar zu gut.... Läßt sich äußerlich etwas tun zu der Verbreitung des Buches? Versäume doch ja nichts. – Du siehst: ›wes das Herz voll ist etc.‹ Ich bin zu begierig jemandes Urteil zu hören, habe natürlich mit niemandem sprechen können, da ja die Anonymität so sehr gewahrt werden soll.« Und in einem späteren Briefe: »Deinen Brief habe ich Lina mitgeteilt, aber über das Buch habe ich geschwiegen, wenn ich hier über dasselbe spreche, so ist der Autor sofort erkannt, ich bin aber vollständig zum Schweigen verpflichtet. Wollen wir nur fleißig in dem Buche lesen, es verfehlt seine beseligende Wirkung nicht und wird uns, wenn dieses Leben die Geburtsstätte für ein künftiges ist, auf die Dauer zusammenführen.«

Immer weitergehend auf dieser Spur fand sie noch manches Werk, das ihr vorwärts half, teilte in gegenseitiger Anregung mit ihrer Tochter Anna dieses warme Interesse und war besorgt, auch der fernen Tochter von ihren Bücherschätzen mitzuteilen. »Sehr erfreut war ich,« schreibt sie ihr, »daß Du Dixon (»Das heilige Land«) so gern gelesen hast und auch die Erfahrung machtest, daß man vieles im neuen Testament nach ihm erst richtig erfassen lernt. Mir war das Christentum, so wie ich es überkommen hatte, ein kaltes, totes Lehrgebäude und erst in meinen spätern Jahren habe ich es in dem Sinn, wie auch Dixon es andeutet warm ins Herz fassen lernen, und darum möchte ich andern, vor allem Dir, auch zu dieser Erkenntnis verhelfen. Für Deinen Braterischen Widerspruchsgeist scheint es mir vor allem nötig, Dich in das Bewußtsein Deiner vollkommenen Freiheit zu versetzen, man widerstrebt nur solange man denkt, daß einem etwas aufgenötigt wird, was von Menschen gemacht ist.«

In Beziehung auf geistigen Besitz gilt das Wort: »Wer da hat, dem wird gegeben.« Wo ein Mensch lebhaftes Interesse für irgend einen Gegenstand zeigt, da wird ihm von allen Seiten zugeführt was dieses noch mehr beleben kann. Hatte Nagel vor allen andern Frau Brater sein Buch zugesandt, so brachte Schwiegersohn Kerler ihr und seiner Frau zu gemeinsamem Lesen, was ihm hervorragend erschien, und so sandte ihr Rohmer eine Reihe von Briefen religiösen Inhaltes, die von Schultheß geschrieben waren, einem tiefen Denker, mit dem schon Brater in Beziehung gestanden war. Eine lange Zeit bildeten diese den Inhalt des Briefwechsels zwischen ihr und Rohmer.

Sie schreibt: »Daß Du inmitten aller Sorgen, Arbeiten und Freuden dennoch mit Schultheß in der Weise korrespondierst, das zeigt eben, daß es Dir geht wie mir, was Augustin so ausdrückt: ›Du hast uns, Gott, gemacht zu Dir und unsere Seele ist unruhig, bis sie Ruhe findet in Dir.‹ Ich habe diesen Brief mit größtem Interesse und ebensoviel Freude gelesen, es wäre wahrlich ein Unrecht gewesen, hättet Ihr ihn nicht drucken lassen. Wenn ein Mann wie Schultheß, den man im kirchlichen Sinn nicht einen Christen nennen kann, ein solches Glaubensbekenntnis ablegt, so hat dies etwas wahrhaft Erhebendes und Stärkendes auch für diejenigen, die einen Schritt weiter trachten als er. Ja, es scheint mir, daß, wenn alle Menschen voll und ganz sein Bekenntnis teilen würden, man nicht mehr zu beten brauchte: »Dein Reich komme ...« Ich meine unsere Geistlichen müßten die Glaubensartikel im Lauf ihres Lebens und Wirkens mit ihrer Gemeinde zu ergreifen trachten, Geistliche und Gemeinde müßten als werdende, nicht immer schon als seiende Christen angesehen werden ...

Wenn ich die so interessanten und sympathischen Briefe von Schultheß lese, so geniere ich mich fast, irgend zu widersprechen, darum will ich auch nicht versäumen demütig das Bekenntnis meiner großen Unwissenheit auszusprechen; nur in einem Punkt nehme ich auch für uns Frauen etwas in Anspruch: ein Gefühl für das, was wahr sein kann.«

Mitten aus seiner regen geistigen Tätigkeit heraus wurde Schultheß durch den Tod abgerufen, zum tiefen Schmerz all seiner Freunde.

»Ich muß oft an ihn denken,« schreibt Frau Brater an Rohmer, »an ihn, der nun vom Glauben zum Schauen hindurch gedrungen ist und von dem ich annehme, daß er nicht in ein »dunkles Land« sondern in eine heimische Umgebung eingetreten ist....

... Laß Dir noch besonders danken für Deine Mitteilungen über Schultheß’ Heimgang. Welch ein schöner Tod, wenn sich einfach der ermüdete Körper niederlegt und der Geist frei wird! Die Äußerung von Schultheß: »ich habe in siebzig Jahren niemals Schmerzen gehabt« war mir höchst merkwürdig und ist mir ein Schlüssel zu seinem Wesen. Es ist doch sicher, daß derjenige, der selbst nie wesentliche Schmerzen überwunden hat, sich solche auch unmöglich vorstellen kann, also eine der härtesten Lasten, ja vielleicht die härteste Last, die das arme Menschengeschlecht drückt, war Schultheß unbekannt und damit auch zugleich der stärkste Antrieb zum Zweifel an einer persönlichen Wirksamkeit Gottes und daher wiederum sein leichtes Überzeugtsein von einer solchen. Es ist ja möglich, daß Schultheß dennoch schwere Tage durchmachte, aber Sorgen oder Seelenschmerzen haben immer schon eine Verwandtschaft mit dem Göttlichen, leiten uns dahin, nur die Körperschmerzen haben so etwas elend Herunterziehendes.«

XV.
1886–1896

Die traurige Beigabe des höheren Alters, einen Jugendgenossen nach dem andern scheiden zu sehen, mußte Frau Brater reichlich erfahren. Von den vier Brüdern Pfaff starb auch der letzte, Professor Fritz Pfaff, schon im Jahr 1886, ihr ältester Bruder Heinrich Kraz war der einzige, der ein hohes Alter erreichte. Sie schreibt an Agnes:

»Ich bringe mir erst jetzt zum Bewußtsein, wie unendlich oft ich meines Bruders Fritz gedachte, und in wie vielen Dingen ich mich an ihn wenden konnte. Als ich das letztemal bei ihm war, sagte ich ihm: ›Das ganze Jahr hindurch drängen sich mir immer Fragen an Dich auf und wenn ich bei Dir bin, fallen sie mir nimmer ein.‹ Da schlug seine Else vor, ich solle doch einen Fragebogen anlegen. Das tat ich und ein solches Blatt mit Fragen liegt nun in meiner Briefmappe und bleibt für immer unbeantwortet.«

Gingen die Brüder frühe dahin, so blieben ihr doch zwei von den Schwestern ihres Mannes erhalten und standen ihr nahe wie eigene. Ihre Altersgenossin Luise war fast jedes Jahr einige Wochen mit ihr vereinigt, so daß es zusammen einen beträchtlichen Teil des Lebens ausmachte. Treulich hielt sie auch an den alten Freundschaften fest und aus dem unbefangenen Ton ihrer Briefe geht hervor, wie vertrauensvoll sie zusammenstanden. Gelegentlich eines Familienfestes schreibt sie an Lina Sartorius:

».... Ja, es ist ein langes Stück Leben, das wir in inniger Teilnahme miteinander zurücklegten und vieles schließt es in sich bis zwei übermütige, leichtsinnige, lebensfrische junge Mädchen zu zwei so wackeligen Gestalten heranreifen wie wir es nun beide sind; ich bin in Gedanken bei Dir und an Deinem Feiertage im Geiste mitten unter Deinen Gästen und da sehe ich, wie Du in gleicher Frische wie vor einem halben Jahrhundert nun das Jugendglück Deiner Kinder mitempfindest; was Dich selbst etwa beschwert, drängst Du in den Hintergrund, ich sehe nur Dein fröhliches Gesicht, denn Heiterkeit und Genügsamkeit sind Dir als zwei Edelsteine in die Wiege gelegt.«

Wie in den Briefen Frau Braters, so war auch im mündlichen Verkehr die Mischung von gemütvollem Ernst und fröhlichem Humor ein eigenartiger Reiz ihrer Unterhaltung. Wer auch nur eine Stunde bei ihr war, hatte gewiß beides kennen gelernt, sowohl ihren heiteren Ton als auch ihre ernste Lebensauffassung, denn diese beiden Seiten ihres Wesens kamen immer zum Ausdruck. Sie hatte nicht, wie manche, ihre Stunden oder Tage, an denen sie zu Spaß und Scherz aufgelegt war und andere, an denen nur Ernstes sie beschäftigte. Nein, die Heiterkeit leuchtete stetig aus ihrem Wesen und umfloß wie ein freundliches Licht die Ewigkeitsfragen, die bei all ihren Gesprächen anklangen. Eine Gesellschaft, in der fortgesetzt ernster gemessener Ton waltete, sagte ihrem Wesen nicht zu und wurde bald durch einen Schimmer ihres freundlichen Humors belebt, aber ebensowenig war sie innerlich befriedigt, wenn Spaß an Spaß, Witz an Witz sich drängte, obwohl sie mittun konnte, ja dem lustigen Ton unwillkürlich Vorschub leistete durch die köstliche Eigenschaft, die sie besaß, nie etwas übel auszulegen und sich jede Neckerei gefallen zu lassen. Als einmal in größerem Familienkreis unter andern Fragen diese aufgegeben wurde: wer von uns steht himmelweit über der Empfindlichkeit? wurde sofort auf sie geraten.

So fand jeder, der zu ihr kam, was er brauchte, mit Ernst ging sie ein auf das, was einen jeden beschäftigte, und mit Heiterkeit erfrischte sie alle Müden oder pessimistisch Gestimmten.

Und noch etwas zog die Menschen zu ihr hin: ihre Entschiedenheit. Wer unsicher und schwankend vor irgend einem Entscheide stand oder sich in verwirrten Lebensverhältnissen nicht zurecht fand, der konnte sich bei ihr Rat holen. Mit seltener Klarheit fühlte sie heraus, was das Richtige sei, und gab ihre Meinung ab, ohne sie durch ein vorsichtiges »einerseits, andererseits« wieder einzuschränken. Sie fürchtete nicht die Verantwortung eines entscheidenden Einflusses, sondern nahm diese auf sich und hätte ihr je einmal jemand gesagt: »Ihr Ratschlag war kein guter« so hätte sie das bedauert, aber nicht bereut. Sie schätzte die Menschen nicht hoch, von denen sie scherzend das Wort zitierte: »Ich sage nicht so und nicht so, dann kann man nicht sagen, ich hätte so oder so gesagt.«

Es ist uns aber nichts davon bekannt, daß sich ihre Ratschläge nicht bewährt hätten, denn praktisch und vorurteilslos, immer das Sittliche als Norm empfindend, war sie wohl geeignet, das Richtige zu treffen. Für alle schwankenden Naturen ist der Umgang mit einer solchen Persönlichkeit von größtem Werte. Manches Schicksal hat sie gelenkt, manchen Entschluß herbeigeführt, aber wie sie über solche Vertrauenssachen immer Schweigen bewahrt hat, so soll dies auch ferner verschwiegen bleiben. Nur die Worte einer Freundin sollen angeführt werden, die selbst den Wunsch geäußert hat, hier niederzulegen, was Frau Brater ihr war:

»Sie ahnte meine Schwierigkeiten, meine inneren Kämpfe, sie wurde meine Beraterin, meine treue Helferin in stets sich steigernder Not. Wer weiß, wie ich diese ertragen hätte ohne die sichere Hilfe der Menschenfreundin. Ihr und ihrem energischen Eingreifen hab ich’s zu verdanken, aus meiner lähmenden Unentschiedenheit herausgerissen worden zu sein. Ich kann mich in dem mehr als zwanzigjährigen Verkehr mit der geklärten innerlich erhabenen Freundin keiner Zeit erinnern, in der ich mich in großen wie in kleinen Dingen nicht durch ihre starke Stütze gehoben und getragen gefühlt hätte. Wie viele Menschen mag sie, die Starke, in ihrer Hilfssicherheit so über Wasser gehalten haben! Daß sie mich wegen meiner Schwäche nicht aufgab, hat mir oft zu neuem Mut und Selbstvertrauen verholfen. Dies danke ich ihr über ihr Grab bis zu meinem Grab.«

Von allen, die zu Frau Brater kamen, gingen wohl nur die unbefriedigt von dannen, die in trivialer Klatschsucht ihre Unterhaltung suchten. Solchen konnte sie nichts bieten, denn von Stadtneuigkeiten wußte sie nicht viel, sie hatte kein Auge und Ohr dafür. Stand sie am Fenster, so sah sie nicht nach den Vorübergehenden, sie sah nach Wolken und Wind. Nahm sie die Zeitung zur Hand, so geschah es wohl in der Absicht sie ganz zu lesen, aber zunächst interessierte sie sich für das Politische und war das gelesen, so reichte meist die Kraft ihrer Augen nimmer zu den Lokalnachrichten. Wurden in ihrer Gegenwart nichtige Dinge des Langen und Breiten verhandelt, so verlor sie die Geduld, die ohnedies nicht ihre starke Seite war. Fing da jemand umständlich an: »Wie wir im August vorigen Jahres in N. waren – oder war’s schon im Juli?« dann konnte sie gleich die Bemerkung einwerfen: »Ganz einerlei, nur weiter!« Gab irgend ein Familienereignis Anlaß zu allerlei Gerede, so witterte sie schon Klatschsucht, die ihr in der Seele zuwider war, und sie lenkte ab, zwar nie in schroffer Weise, mehr mit Humor, aber immerhin deutlich. Übrigens wandte Frau Brater auch kleinen häuslichen Angelegenheiten ihr volles Interesse zu, sowie diese nicht nur als Unterhaltungsstoff dienten, sondern es sich darum handelte, die richtige Stellung dazu einzunehmen. So hielt sie es wohl der Mühe wert, trotz der schmerzenden Augen, ihrer Tochter Agnes gelegentlich eines Magdwechsels eingehend zu schreiben:

»... In Beziehung auf Dein junges, neues Mägdlein habe ich die Sorge, daß Du sie verwöhnst, d. h. nicht gehörig abrichtest; bei Euch in Württemberg ist das Verhältnis zwischen Frau und Dienstmädchen im Durchschnitt ein wenig anders als bei uns, bei Euch betrachtet es das Mädchen als selbstverständlich, daß die Frau die Hausarbeit eben so gut kann wie sie und daß sie natürlich mit angreift, wenn das Mädchen nicht fertig wird, sie findet nichts Auffallendes daran, daß auch die Frau Magdarbeit tut. Du hast Dich nun dieser Auffassung ein wenig angeschlossen, Beispiel: als einmal Deine Pauline fort war, sagtest Du mir, daß Du in solchen Fällen immer besonders schön abspülest und die Küche aufräumest; bei uns würde man in solchem Falle nur das Notwendigste tun und das Übrige für die Magd zurückstellen; Dein Verfahren ist nun ganz schön, vorausgesetzt, daß es das Mädchen richtig annimmt. Pauline war ja eine pflichttreue fleißige Person, da war nichts Wesentliches zu fürchten, aber wenn Du nun ein so junges Mädchen bekommst, das sich bei Dir ihre Auffassung des Verhältnisses teilweise erst bildet, so mußt Du vorsichtig sein. Sie muß von der Überzeugung durchdrungen sein, daß diese Geschäfte für Dich nicht passen, daß eine tüchtige Magd diese Arbeiten der Frau abnehmen muß, weil diese für andere Leistungen und Verhältnisse da ist. Die Gefahr, daß sie Dich für hochmütig oder geringschätzend hält, wirst Du nicht fürchten, denn diese Eigenschaften sind etwas ganz anderes und wenn sie ihr Dienstbotenverhältnis richtig erfaßt, so wie es eben sein muß, Deine Dienerin, so wird sie auch Deine Freundlichkeiten, Rücksichten und Anerkennung in rechter Weise aufnehmen und sich dabei wohl fühlen. Das Anleiten einer Magd habe ich immer als etwas Schwieriges empfunden, denn wir sind dazu nicht aristokratisch genug, und wenn wir sie dann glücklich verwöhnt haben, ärgern wir uns doch darüber und es tut kein gut; rücksichtslose und bequeme Frauen machen es in dem Stück wirklich besser...«

Freundlich gestaltete sich Frau Braters Leben während der nächsten Jahre in ihrer stillen Würzburger Behausung. So oft sie das Bedürfnis fühlte, konnte sie im Hause Kerler Anregung finden und die beiden heranwachsenden Enkelkinder brachten ganz neue Interessen in ihr Leben. In ihrem Album ist dieser Periode mit den Worten gedacht: »Sie lauschet der Enkelin lieblichem Sang, sieht stolz auf des Enkels heroischen Gang.« So stand sie mitten im Leben und fand doch in ihrer kleinen Wohnung die Feierabendruhe, die sie täglich mit Wonne empfand. Eine »Zugehfrau« nahm ihr einen Teil der Hausarbeit ab. Solche Frauen stehen meist im harten Kampf ums Dasein, Frau Brater nahm daran warmen Anteil und half mancher aus schwieriger Lebenslage, denn bei ihrer rührenden Anspruchslosigkeit und zweckmäßigen Einteilung behielt sie immer Geld übrig und spendete nach allen Seiten. Es war komisch, zu beobachten, wie verschieden ihre pekuniären Verhältnisse beurteilt wurden: wer auf ihre Einfachheit und Sparsamkeit sah, der urteilte: »Eine ganz arme Frau!« Wer es erfuhr, daß sie einer bedrängten Familie aufhalf und es ihr dabei auf einen Hundertmarkschein nicht ankam, der sagte: »So gibt nur eine sehr reiche Frau.« Beides war nicht richtig. Reich war sie, wenn man reich jeden heißt, der mehr hat als er braucht, aber sie brauchte für sich weniger als wohl die meisten ihres Standes. Sie blieb bei der alten Gewohnheit höchster Einfachheit, auch noch nachdem sie durch den Tod des treuen Familienonkels Meynier in bessere Verhältnisse gekommen war, denn es freute sie beides gleich sehr, das Sparen und das Geben und das letztere wurde durch das erstere möglich. Es mögen wohl die meisten deutschen Hausfrauen sparen, aber vielleicht wenige so durchgehend, wie sie es tat. Wer Frau Braters System in ihrem kleinen Miniaturhaushalt beobachtete, der konnte im Punkte praktischer Einteilung gewiß immer noch etwas dazu lernen. So z. B. die Ausnützung der Wärme. Wärmeverlust konnte sie nicht mit ansehen. Hatte sie einen Topf voll Milch abgekocht, so war ihr der Gedanke ärgerlich, daß nun die Wärme dieser achtziggradigen Milch nutzlos verloren gehen sollte. Also wurde dieser Topf mit Milch schnell in eine Schüssel mit kaltem Wasser gestellt und der Moment abgepaßt, da die Temperatur der Milch sich mit der des Wassers ausgeglichen hatte und in diesem, ohne jeglichen Verbrauch von Brennmaterial erwärmten Wasser wurde das Frühstücksgeschirr aufgewaschen. Die Befriedigung lag dann nicht sowohl in dem ersparten Pfennig als in dem schön durchgeführten Prinzip der rationellen Wärmeverwertung.

Es hat wohl keine Wohnung gegeben, in der, wenn Frau Brater darin gelebt hatte, die Öfen nachher noch ebenso aussahen wie vorher. Irgend etwas Unzweckmäßiges konnte sie da nicht dulden. Rauch und Ruß durften nicht vorkommen, ihre Öfen mußten, ohne geputzt zu werden, den Winter durch aushalten, ebensowenig durfte aber die Wärme zu rasch abgehen, sie wollte nicht »den Weltenraum heizen«. Auch eine gute Backröhre ließ sie sich in jeder Wohnung einrichten. So war denn auch ein begabter Häfner das Ideal, nach dem sie immer strebte und oft genug sagte sie, es sollte niemand Häfner werden dürfen, der nicht Physik studiert hat! Hatte sie nun so einen Handwerksmann, der eben nicht Physiker war, berufen, so wich sie ihm nicht von der Seite und wollte er zuerst mit einem kühlen »ich weiß schon« oder »so macht man’s immer« nach gewohnter Schablone arbeiten, so wußte sie ihn in so eifriger und netter Weise für ihr Ideal zu interessieren und entschuldigte dabei ihre verständigen Wünsche auf so bescheidene Weise als eine bloße Liebhaberei von ihr, die er eben berücksichtigen möchte, daß jeder schließlich darauf einging und ihren Angaben folgte. Alle Handwerksleute hatten gerne mit ihr zu tun und es zeigte sich oft, wie anziehend eine originelle Persönlichkeit auf Leute jeder Gesellschaftsklasse wirkt.

Wie die Wärme, so sparte Frau Brater auch andere Kräfte. Besah man sich genau ihre nette, in musterhafter Ordnung gehaltene Wohnung, so bemerkte man, daß ihre Schränke an den vorderen Füßchen kleine Holzklötzchen unterlegt hatten. Warum? Weil dadurch die Schranktüren von selbst die Neigung hatten zuzufallen und es somit nicht nötig war, sie immer mit dem Schlüssel zuzuschließen, was ihr als eine unzweckmäßige Zeit- und Kraftverschwendung erschien.

Zeit, Kraft und Geld zu sparen, um solche dann reichlich zur Verfügung zu haben, war ihr Ideal; und wie sie im Kleinen darnach lebte, so wünschte sie sehnlich es auch im Großen, im Staat, durchgeführt zu sehen. Schlechte Finanzverhältnisse waren ihr ein Greuel, sie empfand solche als etwas Unmoralisches und sprach sich oft in ihrer lebhaften Art dagegen aus. Sie erlebte in späteren Jahren, daß der älteste Sohn ihres Bruders Siegfried Finanzminister in Bayern wurde. Da nun Siegfried schon im Elternhause derjenige gewesen war, der ihren Ordnungssinn geteilt, und da er später an seiner Gattin eine musterhafte Hausfrau gehabt hatte, so frohlockte sie, als sie hörte, daß dessen Sohn künftig im Staat den Haushalt führen sollte.

In ihrem kleinen, rationell eingerichteten Heim fühlte sich Frau Brater sehr wohl, aber sie spann sich doch nicht zu sehr darin ein. Jedes Jahr reiste sie nach Calw, in den Schwarzwald, wo jetzt ihr Schwiegersohn Sapper als Gerichtsnotar angestellt war und im Sommer begleitete sie die Familie Kerler auf das Land. Von solch einem Aufenthalt, im Fichtelgebirg, schreibt sie an ihren Neffen Hermann Braun: »So etwas von Waldespracht sieht man nicht leicht und nach unsern Laubwäldern tritt einem der Charakter des Nadelwaldes wahrhaft imposant entgegen, die dunkle Farbe, die gemessene Bewegung; während so ein belaubter Baum im Winde mit seinen tausend Blättern zappelt und plaudert, wiegt so eine Tanne still sinnend ihr Haupt. Wir haben eine Fahrt an den Fuß des Schneeberges gemacht, den die Jungen und Gesunden erstiegen. Ich blieb mit Anna in dem unermeßlich scheinenden Walde zurück umgeben von einem Felsenchaos, das an einen Weltuntergang mahnte. Diese Felsen erhöhen allenthalben das Anziehende des Fichtelgebirges und das Herz schlägt ganz anders, wenn man auf einem so kantigen, glitzernden Granitbrocken steht als auf einem jämmerlichen Sand- oder Kalkstein, der für gewöhnlich die Unterlage unseres Daseins bildet.«

Mit der Familie Rohmer machte Frau Brater zweimal Reisen in die Schweizer und Tiroler Alpen, die zu ihren schönsten Freuden gehörten. Nach der Heimreise von der Schweiz schrieb sie an die Familie Rohmer, die sich noch dort aufhielt: ».... Morgens um ½7 schon war ich in Luzern auf dem Wege zu den drei Linden, wo es so schön war, daß ich selbst fast angewurzelt wäre, denn ich konnte mich gar nicht zum Fortgehen entschließen. Dann sah ich den Gletschergarten! Wenn Ihr bedenkt, daß ich schon in meiner Jugend immer dachte, wenn ich König wäre, würde ich einen Sommer lang alle meine Soldaten verwenden, um einen Gletscher abzuräumen, damit ich sehen könnte, wie es unter dem Eis aussieht – dann könnt Ihr Euch auch denken, wie ich nun im allerhöchsten Grade befriedigt bin, diese meine Neugierde gestillt zu sehen! Es ist in der Tat eine rechte Erweiterung der Kenntnis über die Gletschertätigkeit, die einem dieser Anblick verschafft, und staunend steht man hier vor einem Resultat, welches das Werk von wenigstens Jahrtausenden zu sein scheint! Wahrlich, dieser Gletschergarten ist ein wahrer Glücksfund!... Mit dem Abendzug fuhr ich nach Schaffhausen, in Dachsen nahm ich schmerzerfüllt Abschied von den sonnenglänzenden, ewigen Schneebergen, die schon in weiter, weiter Ferne lagen, aber noch goldig herübergrüßten. Ich dachte Eurer und sende Euch jetzt noch meinen Dank für den unvergeßlichen Genuß, den Ihr mir bereitet habt, und für alle Eure Liebe und Freundschaft!«

Noch tieferen Eindruck machte ihr die großartige Natur des Ortlergebietes, wohin sie auch mit Rohmer, dessen Frau und Tochter reiste. Sie war noch ganz erfüllt davon ein Jahr später, als ein Bild von Trafoi, das ihr Rohmer zuschickte, ihr die Herrlichkeit wieder vor Augen führte.

Sie schreibt am 3. Februar.

»Daß Du mir das reizende Bildchen ausgewählt hast, ist ein Zeichen, daß auch Du mit der gleichen unnennbaren Freude wie ich an die Herrlichkeit denkst, die Gott in diesem Revier ausgebreitet hat. Blumhard sagt einmal irgendwo: es sei ein großer, ein Hauptmangel, daß wir die Herrlichkeit Gottes so ferne liegen ließen, ich glaube, er folgerte daraus auch zum Teil unsere Scheu vor Tod und Jenseits, ich muß dieser Worte oft gedenken und das unsägliche Entzücken, das wir oft bei Eindrücken dieser Welt empfinden, kann ich mir nicht anders erklären, als daß durch sie unsere Seele eine Ahnung der Herrlichkeit ihres Schöpfers empfängt, wenn auch oft ganz unbewußt. Mir ist eine großartige Natur das Erhebendste von irdischen Dingen, Du ersiehst es daraus, daß ich schon bei dem kleinen Bilde wieder denken mußte: ›Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.‹ Versenke Dich doch einmal wieder recht in die unergründliche Tiefe dieser drei Worte.... Übrigens zeigt das Bild den schönsten Punkt unserer gemeinsamen idealen Reise; ja wären meine Augen nicht gar so elend, ich glaube ich würde Euch noch einmal dahin überreden!«

Ja diese Augen! Sie ließen sich nicht ungestraft dazu benützen, Tag für Tag die strahlenden Bilder der Schneeberge aufzunehmen. Sie verschlimmerten sich sehr am Schluß der Reise und wurden zur täglichen Qual.

Über dieses Augenleiden berichtet in jener Zeit ihre Tochter Anna an Ernst Rohmer: »Der Zustand der Augen verschlimmert sich oft plötzlich und die Schmerzen nehmen sich dann aus wie ein heftiger Nervenschmerz hinter den Augen, nach einigen Stunden wird es oft wieder besser und verhältnismäßig erträglich. Ihr kleiner eigener Haushalt ist jetzt für die Mutter von größtem Wert, da er ihr die einzige für sie mögliche Beschäftigung liefert. Sehr wohltätig empfinden wir auch die Nähe unserer Wohnungen, 150 Schritte. Die Mutter ist regelmäßig von 5–10 Uhr abends bei uns und trotz allem spielen wir da ein Schach, das ihre Augen verhältnismäßig wenig anstrengt. Ich kann es nicht sagen, wie sehnlich ich auf Besserung hoffe, die Geduldsprüfung, die wahrlich nicht klein ist, wenn man auf alle Beschäftigung mit den Augen verzichten muß, ließe sich noch ertragen, aber die Schmerzen und die Pein sind so groß, daß ich ihre Fortdauer als eine schwere Prüfung ansehen würde. Die Mutter ist geistig so frisch und teilnehmend wie je, klagt auch nicht, aber man sieht ja doch wie sie leidet!« Die gehoffte Besserung stellte sich zeitenweise ein, aber immer wieder kamen Monate, in denen die Schmerzen nur in der Ruhe und Dunkelheit der Nacht vergingen und morgens wieder auftraten. Keiner der vielen Augenärzte, die man im Laufe der Jahre zuzog, konnte sie von dieser Qual befreien.

»Ich sehe ganz gut,« äußerte sie oft, »aber ich kann nicht schauen, es ist immer, wie wenn die Augen voll Sandkörner wären.« Manchmal sagte sie auch: »Meine Augen sind wie in Feuer gebettet.« In späteren Jahren kam noch eine andere, mit dieser Empfindlichkeit nicht in Zusammenhang stehende Erkrankung dazu, die die Sehkraft beeinträchtigte. Wegen dieser neuen Erscheinung konsultierte sie nach langer Zeit wieder einen Augenarzt. Dieser nahm auch Notiz von der allgemeinen Empfindlichkeit der Augen, die ihr so viel Pein bereitete. »Seit wann sind Ihre Augen so empfindlich gegen das Licht?« fragte er, und als ihm das Großmütterlein antwortete: »Ich glaube seit meinem fünften Jahr,« da meinte er, das sei freilich kein frischer Fall, und gab den Gedanken an eine Behandlung auf. Sie erinnerte sich, daß es ihr schon im ersten Schuljahr eine Pein war, die Lehrerin anzusehen, weil deren Gestalt sich von einer weißgetünchten Wand abhob. Aber sie klagte darüber so wenig wie andere Menschen sich beschweren, daß es sie blendet, wenn sie direkt in die Sonne sehen. Sie wuchs auf in der Meinung, daß Schauen eine Anstrengung sei. So von jeher abgehärtet gegen diese peinliche Empfindung, brachte sie auch in diesen schlimmen Jahren noch manchen eigenhändigen Brief zustande, denn sie entschloß sich immer ungern zum Diktieren, sie hatte das tiefe Bedürfnis, mit ihren Lieben in der Ferne in Beziehung zu bleiben und auch mit der heranwachsenden Generation in Verbindung zu treten. So schrieb sie an ihren Enkel, Karl Sapper, der ihr als Lateinschüler zu Weihnachten einen geschichtlichen Aufsatz gemacht hatte: