Geliebt hast du, Kind, doch nimmermehr
Sollst die Wonne der Liebe du kosten.
Stürme der Leidenschaft schüttelten dich,
Freu dich, o Seele, nun fandst du Ruh!
Hebst nicht mehr die Schwingen zu himmlischer Wonn.
Freu dich, o Seele, nun fandst du Ruh!
Sinkst nicht hinab mehr in Schmerzensnacht,
Ach, nimmermehr!
Geliebt hast du, Kind, doch nimmermehr
Loht deine Seele in Flammenglut.
Gleich einer Flur mit versengtem Gras
Füllten dich Gluten eine flüchtige Stund!
Erstickende Wolken aus Rauch, Wolken aus Feuer
Scheuchten die Vöglein des Himmels, die schreiend entflohen.
Kehrten sie heim doch! Du brennst nicht mehr,
Kannst nicht mehr brennen!
Geliebt hast du, Kind, doch nimmermehr
Sollst du hören der Liebe Stimme.
Des Herzens Kräfte gleich müden Kindern,
Auf der Schule harter Bank sie sitzen,
Sich sehnend nach Freiheit und Spielen,
Doch niemand rufet sie mehr!
Sie sitzen wie der Wachtposten, den man vergessen,
Niemand rufet sie mehr!
Kind, er ist fort nun
Und mit ihm all Liebe und Liebeswonne,
Er, den du liebtest, wie er dichs gelehrt
Zu fliegen mit Flügeln im Himmelsraum.
Er, den du liebtest, als hätt er dir gewiesen
Den einzig sichren Platz in der überschwemmten Stadt:
Er ging von dannen, er, der allein
Die Tür deines Herzens zu öffnen verstand.
Um Eins nur will ich dich bitten, Geliebter:
»Ach, wälze nimmer die Last des Hasses auf mich!«
Das Schwächste von allem, was schwach, ists nicht ein Menschenherz?
Wie könnt es leben unter der nagenden Pein,
Daß einem andern zur Qual es gereicht?
O mein Geliebter, willst du mich töten,
Da schaff dir keinen Dolch, kaufe kein Gift, keinen Strick.
Laß mich nur wissen, daß du wünschst, ich entschwände
Von der Erde blühender Flur, aus des Lebens Reich –
Und ins Grab will ich sinken.
Du gabst mir des Lebens Leben. Du gabst mir die Liebe.
Und du nimmst deine Gabe zurück. Ach, ich weiß es –
Doch gib mir nicht Haß stattdessen!
Ich liebe ja dennoch das Leben. O, denke daran!
Doch ich weiß, daß des Hasses Last mich tötet.