Was will mein Gott von mir?
TOD:
Das will ich dich weisen.
Abrechnung will er halten mit dir. Unverweilt!
JEDERMANN:
Ganz und gar bin ich unbereit
Für solch ein Rechnung legen.
Müßt ich das tun, da käm ich in Not
Auch kenn ich dich nit, was bist du für ein Bot?
TOD:
Ich bin der Tod, ich scheu keinen Mann
Tret jeglichen an und verschone keinen.
(Es flüchten viele.)
JEDERMANN:
Was? keine Frist willst du mir geben
Und überfällst eins ungewarnt
Gar mitten drin im besten Leben
Gotts Blut! das ist kein ehrlich Spiel
Damit erwirbst dir Ruhm nit viel
Denn daß ichs nur sag, bin nit bereit,
Mein Schuldbuch auch ist nit so weit
Hätt ich für mich so zehn, zwölf Jahr
Ich wollt es in der Ordnung han
Daß keine Furcht mich gienget an
Das wollt ich so steh Gott mir bei.
Drum aus Gotts Gnaden laß mich hier
Daß ich das Ding zur Ordnung führ.
TOD:
Hie hilft kein Weinen und kein Beten
Die Reis mußt alsbald antreten.
JEDERMANN:
O Gott der Gnaden auf himmlischen Thron
Erbarm dich meiner schweren Not
Wird mir zum Gefährten für diesen Weg
Kein anderer als du bestellt?
Soll ich aus dieser Erdenwelt
Hinaus, und kein Geleite haben?
Und war doch hier niemals allein,
Mußt allerwegen gesellig sein.
TOD:
Nun ist Geselligkeit am End
Ring nit vergebner Weis die Händ
Schleun dich, jetzt gehts vor Gottes Thron
Dort empfängest deinen Lohn.
Wie, hat dich Narren wollen bedünken
Das Erdengut und dies dein Leben
Wäre dir alles zu Eigen gegeben?
JEDERMANN:
So war ich vermeinend, wahrhaftig und ja.
TOD:
Nichts da, war alls dir nur geliehen.
Bist du dahin erbts einen andern
Und über eine Weil schlägt dem seine Stund
Und er muß alles hier lassen und wandern.
Ich komm halt schnell.
JEDERMANN:
Nur einen Tag!
Nur diese Nacht bis Sonnaufgehn
Das ich mit Reu mög in mich gehn
Und hören auf des Priesters Lehr
Und bessern mich nach deinem Begehr.
TOD:
Dergleichen wird von mir nit erbeten,
Wo ich einen Mann tu antreten
Den schlag ich auf sein Herz mit Macht
Wird vorher kein Anzeig beigebracht.
JEDERMANN:
O weh! Nun ist wohl Weinens Zeit!
TOD:
Mit Weinen wird nur Zeit vertan.
JEDERMANN:
Weh über mich was heb ich an
Hätt ich ein ledig Stündlein Zeit
Mir zu gewinnen ein Geleit.
Daß ich nicht mutterkindallein
Vor meinem Richter müßte sein.
TOD:
Meinst du, daß solches dir gewinnst?
Ich sag sie weigern dir den Dienst.
JEDERMANN:
Nur nit allein vor das Gericht!
Nur Redens und Ratens ein Stündlein Zeit
Um Christi Gotts Barmherzigkeit!
TOD:
Meinshalb, ich tret dir aus dem Gesicht,
Nur merk vertu nit diese Frist
Und nütz sie klüglich als ein Christ.
(Geht hinauf, wird unsichtbar.)
JEDERMANN
(tritt zu seinem Gesellen):
Mein guter Gesell, du weißts –
GESELL:
Ich weiß.
War nit fünf Schritt weit, Jedermann!
Wie dich der Tod hat treten an!
Und hab Euch reden hören alls
Schlägt mir das Herz bis an den Hals!
Ein froher Mann und kerngesund
Das warst du bis zu dieser Stund
Nun kommt mich schier das Weinen an
Wenn ich dich anschau, Jedermann.
JEDERMANN:
Hab vielen Dank, mein guter Gesell.
GESELL:
Was dir noch Not tut, sag du schnell.
JEDERMANN:
Du bist mir wahrhaft ein guter Freund
Dich hab ich allzeit treu befunden.
GESELL:
Und sollst mich finden zu allen Stunden.
Denn glaub du mir, ging deine Reis
Geradewegs hinab zur Höll
Hie fändest du den Gefährten zur Stell.
JEDERMANN:
Gott steh mir bei du lieber Mann
Daß ichs um dich verdienen kann.
GESELL:
Ist von Verdienen nit die Sprach,
Wär mir die allergrößte Schmach
Wollt ichs mit dem Mund mich unterwinden
Und sollt man in Taten mich lässig finden.
JEDERMANN:
Mein Freund!
GESELL:
Sprich frei, tu auf den Mund
Muß alls mir werden offenbart
Ich steh bei dir bis zur letzten Stund
Recht nach guter Gesellen Art.
(Jedermann will den Mund auftun.)
GESELL:
Dein Jammer geht mir mächtig nah
Soll alles was aufs Herz dir druckt
Von diesem ganzen Erdenwesen
Von mir getreulich sein verwesen.
Sag, ist dir von etlichen Leids getan?
Sie sollen ihre Strafen han,
Von meiner Hand mit scharfem Eisen
Und müßt ich darüber ins Gras beißen!
JEDERMANN:
Ist nit um dies mir, bei Gotts Blut!
GESELL:
Es geht dir um dein Geld und Gut
Das schafft dir große Sorgenlast,
Daß keine Leibeserben hast.
JEDERMANN:
Nein, Lieber, nein!
GESELL:
Braucht nit viel Wort
Bei mir ist dein Vertraun am Ort
Der Kaufbrief da ist wohl verwahrt
Dir ist um deine Freundin zart
Daß deines Reichtums auf sie komm
Soviel als ihr auf immer fromm.
JEDERMANN:
Nein, Lieber Guter hör mich an.
GESELL:
Spar dir die Reden Jedermann
Bist ohne viel von mir verstanden.
JEDERMANN:
Ach! ganz was anders schafft mir Qual
Viel näheres, mein guter Gesell!
GESELL:
Heraus damit, laß hören schnelle
Merk Freundes Mund tröst allemal.
JEDERMANN:
Ja du mein Freund!
GESELL:
Willst mich nit weisen?
Könnt sein dir blieb sonst nit die Zeit.
JEDERMANN:
O weh, das wär mir bitter leid.
GESELL:
Sag deine Sach! Frisch Jedermann.
Wo bliebe unsre Freundschaft dann?
JEDERMANN:
Wenn ich dir tät mein Herz aufschließen
Und du, du kehrtest den Rücken mir
Und ließest dich meine Red verdrießen
Des hätte ich wohl zehnfach Gram und Weh!
GESELL:
Herr, wie ich zu Euch gesprochen eh
So will ich tun.
JEDERMANN:
So dank dir Gott.
Mir ist befohlen mich fortzuheben
Der Weg ist weit und voll Beschwer
Und was dann kommt, noch weit mehr,
Denn ich soll eine Rechnung geben
Von meinem Reichtum und all meinem Leben
Vor meinem Schöpfer und höchsten Richter!
Drum also komm mit mein guter Gesell
Wie dus versprochen hast zur Stell.
GESELL:
Ei ja, das ist schon eine Sach
Versprechen und brechen, daß wär mir Schmach
Daran nur denken macht mir heiß.
JEDERMANN:
O du!
GESELL:
Doch sollt ich antreten die Reis
Da heißt es sich beraten und gut.
JEDERMANN:
Was? sprachest doch auf jeglicher Straßen
Wolltest nicht lebend noch tot mich verlassen,
Und wär es geraden Wegs zur Höll.
GESELL:
Richtig, so war meine Red, Hand aufs Herz!
Aber die Wahrheit zu vermelden
Ist jetzo nicht Zeit für dergleichen Scherz.
Ist fast bereits ernsthaft die Sachlag.
Und dann, wenn wir die Reis wollten antreten
Wann kämen wir wiederum hierher?
Ei, gib doch Antwort.
JEDERMANN:
Nimmermehr.
Nimmermehr bis an den jüngsten Tag.
GESELL:
Dann bei Gotts Tod bleib ich hintan
Wenn in dem Sinn die Meldung beschah,
Dann stehts, daß ich die Reis nit tu.
JEDERMANN:
Nit tust?
GESELL:
Nein, alsdann bleib ich am Ort.
Ich sag dir, wie mir ist zu Sinn
Du weißt, daß ich freimütig bin.
Itzt stehts, daß ich die Reis nit tu
Um keiner lebenden Seel fürwahr
Auch nit um meines Herrn Vaters Lieb
Gott schenk ihm ansonsten die ewige Ruh.
JEDERMANN:
Um Gott! Hast mir was anders versprochen!
GESELL:
Weiß wohl. Und ist recht in Treuen beschehn
Und so du wolltest was anders begehn
Mit Frauen was Gutes in Kumpanei
Oder was es sonsten sei
Solltest an deiner Seiten mich sehn
So lange Gott läßt einen hellen Tag sein
Und auch des Nachts bei Fackelschein.
Das sag ich in Treuen!
(Schickt sich an zu gehen.)
JEDERMANN:
O deiner bedarf ich jetzt gar sehr
Jetzt heißt es: Gesell gedenke mein.
GESELL:
Ob wir Genossen waren, ob nit
Hinfort tu ich mit dir keinen Schritt.
JEDERMANN:
So bitt ich dich, nimm soviel auf dich
Um Christi Gotts Barmherzigkeit
Und gib mir tröstliches Geleit
Bis vor die Stadt.
GESELL
(reißt sich los):
Ich tu dirs nit,
Setz einen Fuß nit vor den andern
Nit um ein neues Feierkleid
Ließest du dir ein wenig Zeit,
So wollt ich dich nit allein lassen stehn
Nun aber kann ich nit harren bei dir.
(Über die Schulter zurück.)
So geb dir Gott eine schleunige Fahrt
Dahin recht sänftlich in guter Art
Muß eilends jetzt meines Weges gehn.
JEDERMANN
(einen Schritt ihm nach):
Wohin Gesell? Willst mich verlassen ganz und gar?
GESELL:
Wohl, wohl. Gott nehm deiner Seelen wahr.
JEDERMANN:
Leb wohl, mein Freund, um dich wird mir mein Herz arg schwer,
Leb immer wohl, dich seh ich nun auch nimmermehr.
GESELL:
Leb wohl, auch Jedermann, leb wohl am End, gib mir die Hand,
Ja, Scheiden tut recht weh, das hab ich jetzt erkannt.
(Er geht.)
JEDERMANN:
O weh, wohin soll ich nun um Hilf in der Welt.
War mein Gesell, solang ich fröhlich war
Nun trägt er wenig Leid um mich ganz unverstellt.
Hab eh und immer was reden hören
Das ging mir aber gar nit nah
Bis heute, da mir das geschah.
Es hieß: So lang einer im Glück ist
Der hat Freunde die Menge,
Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt,
Dann verläuft sich das Gedränge.
O weh, so siehet das nun aus
Schnürt mir die Kehl vor Angst und Graus.
(Er wird die Vettern gewahr, die noch beiseite stehen, und sein
Gesicht hellt sich auf.)
Da stehen meine Blutsfreunde ja,
Vielliebe Vettern bleibt mir nah.
Ihr seid wahrhaftig recht am Ort,
Weiß auf der Welt kein schöner Wort
Als dieses: Art läßt nicht von Art,
Das wird von Euch heut recht gewahrt,
Da ihr in dieser schweren Stund
Mein Beiständ seid mit Hand und Mund.
DICKER VETTER:
Geruhig Blut, mein Vetter Jedermann,
Nur ruhig Blut, das ist alls, was ich sagen kann.
JEDERMANN:
Ihr lasset mich auch nit –
DICKER VETTER:
Nur ruhig Blut
Ist gar von Lassen nit die Sprach,
In Stich euch lassen, das wär uns Schmach.
DÜNNER VETTER:
Euch widerfahr so Liebes wie Leides,
Mit euch zu teilen begehren wir beides.
DICKER VETTER:
Ja, wie gesagt – – ei freilich ja!
Ihr seht wir stehn euch treulich nah.
JEDERMANN:
O vielen Dank, ihr Blutsfreunde mein.
DICKER VETTER:
Da wir doch Anverwandte sein!
JEDERMANN:
Ihr habt gesehn, es kam ein Bot,
Der kam auf hohen Königs Gebot.
DICKER VETTER:
Ja, – – ich weiß, Vetter Jedermann – –
Die Sach ist eben so bewandt,
Daß ich in der nichts machen kann.
JEDERMANN:
Er hieß einer Fahrt mich unterwinden.
DICKER VETTER:
Ja, wie gesagt –
JEDERMANN:
Von dieser Fahrt – –
DICKER VETTER:
Nun, wie gesprochen, Art läßt nicht von Art!
JEDERMANN:
Von dieser Fahrt, das weiß ich wohl,
Werd ich nimmer zurücke finden.
DICKER VETTER:
Ei nimmer! Ja, wo halt nichts ist,
Da hat der Kaiser ’s Recht verloren!
JEDERMANN:
Mein Vetter, hörtet ihr, was ich sprach?
DICKER VETTER:
Ihr redet nit zu tauben Ohren.
DÜNNER VETTER:
Ei, nein, wahrhaftig nit, Gotts Not.
JEDERMANN:
Ich werd da nimmer zurücke finden.
DICKER VETTER:
Habt ihr auch richtig verstanden den Bot?
JEDERMANN:
Ich ihn?
DICKER VETTER:
Die Red und den Verstand
Habt ihr das richtig wohl gefaßt?
JEDERMANN:
Ob ich? –
DICKER VETTER:
Das war schon, daß ich sag –
Ein recht ein ungebetner Gast.
Hm, Vetter.
DÜNNER VETTER:
Ja, ich mein, Gott seis geklagt –
DICKER VETTER:
So meint ihr auch wie ich? Ja, wie gesagt
Ja, Gott befohlen, Vetter Jedermann,
Da habt ihr alles, was ich sagen kann.
JEDERMANN:
Ihr Vettern, bleibet, hört mich an!
DÜNNER VETTER:
Hast du vielleicht noch ein Begehr?
Sprich kühnlich, Vetter Jedermann.
JEDERMANN:
Ich muß dort eine Rechnung legen
Und hab einen Feind, der allerwegen
Mir will in meinen Weg treten
O hört mich an! mit großer Stärken.
DICKER VETTER:
Was denn für Rechnung, sagt doch an.
JEDERMANN:
Von all meinen irdischen Werken:
Wie ich meine Tag hab hinbracht
Und was ich Arges hab getan
Die Jahr all bei Tag und Nacht
Drum seid um Christi willen gebeten
Und helft mir meine Sach vertreten.
DÜNNER VETTER:
Was, dorthin? Geht es euch auf das!
Nein, Jedermann, da geh ich nit
Kannst mich nit zum Geleiter kriegen!
Wollt lieber in einm finstern Gelaß
Bei Wasser und Brot zehn Jahre liegen.
JEDERMANN:
Oh, daß ich nit geboren wär
Nun werd ich fröhlich nimmermehr,
Wenn ihr mich da verlasset dann.
DICKER VETTER:
Ei Mann! Was denn! Sei du fröhlich Mann!
Nimm dich und fang nit Jammerns an!
Nur eins mußt dir gesagt sein lassen
Mich bringst einmal nit in die Gassen.
(Er geht.)
JEDERMANN
(zum dünnen Vetter):
Mein Vetter willst nit mit mir gehn?
DÜNNER VETTER:
Hab jetzt, Gotts Tod, Krampf in den Zehen
Ist ein arg Übel, Jedermann
Das fällt mich unversehens an.
DICKER VETTER
(bleibt nochmal stehen und spricht über die Schulter zurück):
Uns wirst nit verführen, das laß nur sein
Doch hab ich ein schön gut Kind daheim
Die mächtig gern auf Reisen geht
Wenn die dir zu Gesichte steht,
Die geb ich dir in guter Art,
Leicht, daß sie mit dir geht auf deine Fahrt.
JEDERMANN:
Nein, zeig mir an, weß Sinnes du bist
Ob ich in meiner ärgsten Pein
Von dir soll dran gegeben sein,
Ob du willst mit mir gehn oder dahinten bleiben.
Das ist alles, was ich wissen muß.
DICKER VETTER:
Dahinten bleiben und ein’n schönen Gruß
Auf Wiedersehen ein andermal.
(Sie gehen.)
JEDERMANN:
Ach Jesus, ist das aller Dinge End,
Versprochen haben sie mir gar viel,
Vom Halten lassen sie ihre Händ.
DÜNNER VETTER
(wendet sich und tritt nochmals an Jedermann heran):
Es ist nicht üblich in solcher Weis
Die Leut zu beschicken zu einer Reis
Dergleichen Anmutung ist nit zart
Und hat mir keine rechte Art.
Hast deiner leibeignen Knecht genug
Die magst dazu aufbieten mit Fug.
Aber die lieben Verwandten dein,
Sollten da zu wert dir sein.
(Geht.)
JEDERMANN:
Leibeigene Knecht, was sollen mir die,
Wenn ich die mitnähm, das wär ein Ding,
Davon ich Hilfe hätt gering.
(Er sieht sich um.)
Ist alls zu End das Freudenmahl
Und alle fort aus meinem Saal?
(Er geht hinauf zu dem Tisch. Etliche, die dort noch saßen und
tranken, werden ihn gewahr, springen auf und flüchten. Der Tisch
versinkt.)
Bleibt mir keine andere Hilfe dann,
Bin ich denn ein verlorner Mann?
Und ganz alleinig auf der Welt,
Ist es schon so um mich bestellt,
Hat mich Der schon dazu gemacht,
Ganz nackend und ohn alle Macht,
Als läg ich schon in meinem Grab,
Wo ich doch mein warm Blut noch hab
Und Knecht mir noch gehorsam sein
Und Häuser viel und Schätze mein,
Auf! schlagt die Feuerglocken drein!
Ihr Knecht nit lungert in dem Haus
Kommt allesamt zu mir heraus.
(Hausvogt mit etlichen Knechten kommen eilig.)
JEDERMANN:
Ich muß schnell eine Reise tun
Und das zu Fuß und nit zu Wagen,
Gesamte Knecht, die sollen mit
Und meine große Geldtruhen,
Die sollen sie herbeitragen.
Die Reis wird wie ein Kriegszug scharf
Daß ich der Schätze sehr bedarf.
HAUSVOGT:
Die schwere Truhn, die drinnen steht?
JEDERMANN:
Ja, eilig, ohne viel Gered.
(Mehrere Knechte sammeln sich, ihrer acht bringen die schwere Truhe
getragen.)
Hab Euch berufen für eine Reis,
Daß jeder mir Gehorsam erweis.
Die Reis ist seltsam und recht weit
Und fordert zuverlässige Leut,
Daß sie in aller Still gescheh
Des ich zu Euch mich wohl verseh.
KNECHT:
Die Truhen, die ist marterschwer.
HAUSVOGT:
Ihr tut, was anbefiehlt der Herr.
JEDERMANN:
Nun, wollen wir die Reis angehen,
Ganz in der Still, heimlicher Weis.
(Tod tritt in etlicher Entfernung hervor.)
ERSTER KNECHT:
Dort steht ein Teufel und winkt uns Halt.
HAUSVOGT:
Nein, ist der Tod grausamer Gstalt,
Er kommt auf uns zu mit Gewalt.
(Knechte lassen die Truhen stehen und fliehen, Hausvogt
desgleichen.)
TOD:
Du Narr, bald ist die Stund vertan
Nimmst immer noch Vernunft nit an.
Weißt nit ein recht Geleit zu suchen,
Bald wirst verzweifeln und dir fluchen.
(Verschwindet.)
JEDERMANN:
Ach Gott, wie graust mir vor dem Tod,
Der Angstschweiß bricht mir aus vor Not
Kann der die Seel im Leib uns morden
Was ist denn gählings aus mir worden?
Hab immer doch in bösen Stunden
Mir irgend einen Trost ausgfunden.
War nie verlassen ganz und gar,
Nie kein erbärmlich armer Narr.
War immer wo doch noch ein Halt
Und habs gewendet mit Gewalt.
Sind all denn meine Kräft dahin,
Und alls verworren schon mein Sinn,
Daß mich kaum mehr besinnen kann,
Wer bin ich denn: der Jedermann,
Der reiche Jedermann allzeit.
Das ist mein Hand, das ist mein Kleid
Und was da steht auf diesem Platz,
Das ist mein Geld, das ist mein Schatz,
Durch den ich jederzeit mit Macht
Hab alles spielend vor mich bracht.
Nun wird mir wohl, daß ich den seh
Recht bei der Hand in meiner Näh.
Wenn ich bei dem verharren kann
Geht mich kein Graus und Ängsten an.
Weh aber, ich muß ja dorthin,
Das kommt mir jählings in den Sinn.
Der Bot war da, die Ladung ist beschehn
Nun heißt es auf und dorthin gehn.
(Wirft sich auf die Truhe.)
Nit ohne dich, du mußt mit mir,
Laß dich um alles nit hinter mir.
Du mußt jetzt in ein andres Haus
Drum auf mit dir und schnell heraus.
(Die Truhe springt auf, Mammon richtet sich auf. Groß.)
MAMMON:
Ei Jedermann, was ist mit dir?
Du bist ja grausamlich in Eil
Und bleich wie Kreiden all die Weil.
JEDERMANN:
Wer bist denn du?
MAMMON:
Kennst vom Gesicht mich nit
Und willst mich dorthin zerren mit?
Dein Reichtum bin ich halt, dein Geld,
Dein eins und alles auf der Welt.
JEDERMANN
(sieht ihn an):
Dein Antlitz dünkt mir nit so gut
Gibt mir nit rechten Freudenmut
Das ist gleichviel, du mußt mitgehen.
MAMMON:
Was solls, kann alls von hier geschehen,
Weißt wohl, was ich in Mächten hab,
Sag was dich drückt, dem helf ich ab.
JEDERMANN:
Die Sach ist anderster bewandt
Es ist von wo um mich gesandt.
MAMMON:
Von –
JEDERMANN
(schlägt die Augen nieder):
Ja, es war ein Bot bei mir.
MAMMON:
Ist es an dem, du mußt von hier?!
Ei was, na ja, gehab dich wohl
Ein Bot war da, daß er ihn hol
Dorthin, das ist ja schleunig kommen
Hab vordem nichts derart vernommen.
JEDERMANN:
Und du gehst mit, es ist an dem.
MAMMON:
Nit einen Schritt, bin hier bequem.
JEDERMANN:
Bist mein, mein Eigentum, mein Sach.
MAMMON:
Dein Eigen, ha, daß ich nit lach.
JEDERMANN:
Willst aufrebellen, du Verflucht! du Ding!
MAMMON
(stößt ihn weg):
Du, trau mir nit, dein Wut acht ich gering,
Wird umkehrt wohl beschaffen sein.
Ich steh gar groß, du zwergisch klein.
Du Kleiner wirst wohl sein der Knecht
Und dünkts dich, anders wärs gewesen,
Das war ein Trug und Narrenwesen.
JEDERMANN: