Hab dich gehabt zu meim Befehl.
MAMMON:
Und ich regiert in deiner Seel.
JEDERMANN:
Warst mir zu Diensten in Haus und Gassen.
MAMMON:
Ja, dich am Schnürl tanzen lassen.
JEDERMANN:
Warst mein leibeigner Knecht und Sklav.
MAMMON:
Nein, du mein Hampelmann recht brav.
JEDERMANN:
Hab dich allein gedurft anrühren.
MAMMON:
Und ich alleinig dich nasführen.
Du Laff, du ungebrannter Narr,
Erznarr du, Jedermann sieh zu
Ich bleib dahier und wo bleibst du?
Was ich in dich hab eingelegt
Darnach hast du dich halt geregt.
Das war ein Pracht und ein Ansehen
Ein Hoffart und ein Aufblähen
Und ein verflucht wollüstig Rasen,
War alls durch mich ihm eingeblasen,
Und was ihn itzt noch aufrecht hält
Daß er nit platt an’ Boden fällt
Und alle Viere von sich reckt
Und hält ihn noch emporgestreckt
Das ist allein sein Geld und Gut
Da hier springt all dein Lebensmut.
(Hebt eine Handvoll Geld aus der Truhe und läßt es wieder fallen.)
Fällt aber in die Truhen zurück
Und damit ist zu End dein Glück.
Bald werden dir die Sinn vergehen
Und mich wirst nimmer wiedersehen.
War dir geliehen für irdische Täg
Und geh nit mit auf deinen Weg,
Geh nit, bleib hier, laß dich allein
Ganz bloß und nackt in Not und Pein.
Ist alls um nichts dein Handausrecken
Und hilft kein Knirschen und Zähnebläcken,
Fährst in die Gruben nackt und bloß,
So wie du kamst aus Mutter Schoß.
(Bückt sich, die Truhe springt zu.)
(Jedermann ohne Sprache, eine lange Stille.)
(Werke wird sichtbar, einer Kranken gleich, auf einem elenden Lager
gebettet, richtet sich halb auf und ruft mit schwacher Stimme):
WERKE:
Jedermann!
(Jedermann hört nicht.)
WERKE:
Jedermann, hörst mich nicht?
JEDERMANN
(vor sich):
Ist als wenn eins gerufen hätt,
Die Stimme war schwach und doch recht klar,
Hilf Gott, daß es nit meine Mutter war.
Ist gar ein alt, gebrechlich Weib,
Möcht, daß der Anblick erspart ihr bleib.
O nur so viel erbarm dich mein,
Laß das nit meine Mutter sein!
WERKE:
Jedermann!
JEDERMANN:
Seis wer da will, hab itzt nit Muß
Für irdisch Händel und Verdruß.
WERKE:
Hörst mich nit, Jedermann?
JEDERMANN:
Ist ein krank Weib,
Was kümmerts mich, soll sehen wo sie bleib.
WERKE:
Mein Jedermann, ich gehör zu dir,
Um deinetwillen lieg ich hier.
JEDERMANN:
Wie soll denn das bewendet sein?
WERKE
(richtet sich halb auf):
Sieh, ich bin all die Werke dein.
JEDERMANN:
Ich will kein Spott, ich sterb allweg.
WERKE:
Komm doch zu mir den kleinen Weg.
(Sinkt zurück.)
JEDERMANN:
Das wird mit Willen nit geschehen,
Meine Werke will ich jetzt nit sehen.
Ist nit der Anblick, nach dem mich verlangt.
WERKE:
Bin schmählich schwach, muß liegen hier,
Wär ichs imstand, ich lief zu dir.
JEDERMANN:
Brauch nit ein fremd Gebrest dahier,
Liegt Angst und Marter gnug auf mir.
WERKE:
Mich brauchst, der Weg ist schreckbar weit,
Bist annoch ohne ein Geleit.
JEDERMANN:
Des Weges muß ich jetzt allein –
WERKE:
Nein, ich will mit, denn ich bin dein.
JEDERMANN (sieht hin.)
WERKE:
Auf mir liegt viel Gebrest und Last
Indem du mein gedacht nit hast.
Ohn dich könnt ich mich flink bewegen
Lief dir zu Seit auf allen Wegen.
JEDERMANN
(geht zu ihr):
O Werke mein, mit mir stehts schlecht.
Ist mir gar sehr um guten Rat
Und das mir eines Hilfe brächt!
WERKE
(richtet sich mühselig an ihren Krücken auf):
Jedermann, ich hab wohl vernommen
Du bist entboten zu deinem Erlöser,
Vor ein höchst Gericht zu kommen!
Willst du nit gehen verloren, Mann,
Tritt nit allein die Wanderung an,
Das sag ich dir!
JEDERMANN:
Willst du mit mir?
WERKE:
Ob ich mit dir den Weg will gehn?
Fragst du mich das, mein Jedermann?
JEDERMANN
(sieht ihr in die Augen):
Wie du mich sehnlich siehest an
Ist mir, als hätt in meinem Leben,
Nit Freund, noch Liebste, nit Weib noch Mann
Mir keinen solchen Blick gegeben!
WERKE:
O Jedermann, daß du so später Stund,
Dich kehrest zu meinem Aug’ und Mund!
JEDERMANN:
Hast ein Gesicht verhärmt und bleich
Und dünkt mich doch an Schönheit reich.
Mir ist, je mehr ich dich anseh
So mehr wird mir im Herzen weh,
Und sänftlich auch, vermischter Weis,
Daß ich mich nit zu nehmen weiß.
Mir ist, könnt deiner Augen Schein
Durch meine Augen dringen ein,
Ein großes Heil und Segen dann
Geschäh an einem armen Mann.
Doch weiß ich, dies ist nun versäumt
Und jetzt ist alls nur wie geträumt!
WERKE:
Hättest erkannt in deinem Sinn,
Daß ich nit völlig häßlich bin,
Wärest bei mir verblieben viel
Und fern der Welt und bösem Spiel!
Komm näher, meine Stimm ist leis –:
Bei Armen wärest eingegangen
Recht als ihr Bruder, heiliger Weis,
Und göttlich Leid und irdischen Schmerz
Die hättest zu lieben angefangen
Und aufgegangen wäre dein Herz.
Und ich, wie ich gebrechlich bin,
Ich wär, verklärt vor deinem Sinn,
Dir worden ein göttliches Gefäß,
Ein Kelch der überströmenden Gnaden
Dazu deine Lippen waren geladen.
JEDERMANN:
Und dich hab ich mögen erkennen nicht!
War so verblendet mein Gesicht!
O weh, was sind wir für Wesen dann
Wenn solches uns geschehen kann!
WERKE:
Ich war ein Kelch der vor dir stand,
Gefüllt vom Himmel bis an den Rand,
Von Irdischem war darin kein Ding,
Drum schien ich deinen Augen gering.
JEDERMANN:
O könnt ich sie ausreißen beid
Mir wär im Dunklen nit so bang
Als da sie mich zu bittrem Leid
Falsch han geführt mein Leben lang!
WERKE:
O weh, nun müssen die Lippen dein,
Auf ewig ungetränket sein!
Hast wollen dich tränken an der Welt,
Da ward der Kelch dir weggestellt!
JEDERMANN:
Des fühl ich ein wütendes Dürsten schon
Durch alle meine Adern rinnen
Und Raserei in allen Sinnen!
Da hab ich meines Lebens Lohn!
WERKE:
Das ist die bitter brennend Reu
Das sind deine ungelittenen Leiden!
O könnten dein Herz sie schaffen neu,
Wie selig wäre das uns Beiden!
JEDERMANN
(wirft sich auf den Boden):
So wollt ich ganz zernichtet sein,
Wie an dem ganzen Wesen mein
Nit eine Fiber jetzt nit schreit
Vor tiefer Reu und wildem Leid!
Zurück! und kann nit! Noch einmal!
Und kommt nit wieder! Graus und Qual!
Hie wird kein zweites Mal gelebt!
Nun weiß die aufgerissne Brust,
Als sie es nie zuvor gewußt,
Was dieses Wort bedeuten mag:
Lieg hin und stirb, hie ist dein Tag!
WERKE
(auf ihren Knien):
Mag diese Reu, so brennend groß,
Mich nit vom Boden winden los,
Weh, mag ich nit auf Füßen stehn!
Und ihm die Stund zur Seiten gehn!
(Sie sinkt an den Boden.)
Bin ich so elend schwach und krank!
JEDERMANN:
Für jedes Ding kommt halt der Dank!
Werke, um alles! laß mich nit im Stich!
Bin sonst verloren sicherlich!
Hilf du mir, Rechenschaft zu geben
Vor dem, der ist Herr über Tod und Leben
Und König in der Ewigkeit,
Sonst bin ich verloren für alle Zeit!
WERKE:
O Jedermann!
JEDERMANN:
Laß mich nit ohne Rat!
WERKE:
Ich hab eine Schwester, Glaube genannt,
Wenn die wollt sich erbitten lassen,
Daß sie mit dir zög deine Straßen
Und trät mit dir vor Gotts Gericht!
JEDERMANN:
Ruf die um alls! die Zeit entfliecht!
WERKE:
Mag sein, sie kehrt von dir sich ab,
Dann mußt du ungetröst ins Grab.
Wirst du recht mit ihr reden können
Wird sie dir ihre Hilf vergönnen.
JEDERMANN:
Wenn einer keine Zungen hätt,
Die Angst und Not macht ihn beredt!
GLAUBE (kommt gegangen.)
WERKE:
War nit von Nöten laut Geschrei,
Ich fühl, die Schwester kommt herbei!
Lieb Schwester, der Mann ist schwer in Not.
Willst ihm beistehn bei seinem Tod?
Mir fehlt die Kraft, bin allzuschwach,
Kann nit vertreten seine Sach.
(Sinkt hin.)
GLAUBE
(zu Jedermann):
Hast mich dein Leben lang verlacht
Und Gottes Wort für nichts geacht,
Geht nun in deiner Todesstund
Ein ander Red’ aus deinem Mund?
JEDERMANN:
Ich glaub – ich glaub –
GLAUBE:
Die Red’ ist arm!
JEDERMANN:
O, daß sich meiner Gott erbarm!
Ich glaub die zwölf Artikel mit Fleiß
Die ich von Kindschulzeiten weiß:
Was sie vorstellen ganz und gar,
Nehm ich für heilig hin und wahr.
GLAUBE:
Das ist des Glaubens ein ärmlich Teil.
Baut dir hinüber keine Brück.
Weißt du nit besseres unverweil?
JEDERMANN:
Ich glaub – an Gottes Langmut
Wenn einer bei Zeiten Buß tut.
Aber ich bin in Sünden zu weit
Dahin reicht keine Barmherzigkeit.
GLAUBE
(tut einen Schritt auf ihn zu):
Bist ganz in Wollust denn ertrunken
In Lastern völlig gar versunken,
Daß dir nit auf die Lippen kommt
Was ewig deiner Seelen frommt?
(Neigt sich zu ihm.)
JEDERMANN:
Ich glaub –
GLAUBE:
Glaubst du an Jesu Christ
Der von dem Vater kommen ist,
Ein Mensch und unsersgleichen worden
Von einem irdischen Weibe geboren,
Und hat in Marterqual sein Leben
Um deinetwillen hingegeben
Und ist erstanden von dem Tod,
Daß du versöhnet seist mit Gott?
JEDERMANN:
Ja! Ich glaub: Solches hat er vollbracht,
Des Vaters Zorn zunicht gemacht
Der Menschheit ewig Heil erworben
Und ist dafür am Kreuz verstorben.
Doch weiß ich, solches kommt zugut,
Nur dem der heilig ist und gut:
Durch gute Werk und Frommheit eben
Erkauft er sich ein ewig Leben.
Da sieh, so stehts um meine Werk:
Von Sünden hab ich einen Berg
So überschwer auf mich geladen,
Daß mich Gott gar nit kann begnaden,
Als er der Höchstgerechte ist.
GLAUBE:
Bist du ein solcher Zweifelchrist
Und weißt nit Gotts Barmherzigkeit?
JEDERMANN:
Gott straft erschrecklich!
GLAUBE:
Gott verzeiht!
Ohn Maßen!
JEDERMANN:
Schlug den Pharao,
Schlug Sodom und Gomora, schlug,
Schlug!
GLAUBE:
Nein, gab hin den eignen Sohn
In Erdenqual vom Strahlenthron,
Daß als ein Mensch er werd geboren
Und keiner ginge mehr verloren,
Nit einer, nit der letzte, nein,
Er finde denn das ewige Leben.
„Um der Sünder willen bin ich kommen,
Der Gsund bedarf keines Arztes dann“
Die Red ist aus dem Munde kommen,
Der keine Lügen reden kann.
Glaubst du daran in diesem Leben,
So ist dir deine Sünd vergeben
Und ist gestillet Gottes Zorn.
JEDERMANN:
O, deine Worte sind gelind,
Mir ist, als wär ich neugeboren.
Ich glaube: So lang ich atme auf Erden,
Mag ich durch Christum gerettet werden.
GLAUBE:
Es ist an dem, nun geh hinein,
Von deinen Sünden wasch dich rein.
JEDERMANN:
Wo wär ein solcher heiliger Quell,
Daß ich zu ihm mich hintrüg schnell?
(Mönch wird oben sichtbar.)
GLAUBE:
Ein guter Helfer wartet dein,
Bei ihm wird deine Seele rein.
Kehr wieder in einem weißen Gewand,
Dann ziehest hin an meiner Hand
Und mitzugehen deine Werk
Gewinnen mächtig Kraft und Stärk.
JEDERMANN
(auf den Knien):
O ewiger Gott! O göttliches Gesicht!
O rechter Weg! O himmlisches Licht!
Hier schrei ich zu dir in letzter Stund,
Ein Klageruf geht aus meinem Mund.
O mein Erlöser, den Schöpfer erbitt,
Daß er beim Ende mir gnädig sei,
Wenn der höllische Feind sich drängt herbei,
Und der Tod mir grausam die Kehle zuschnürt,
Daß er meine Seel dann hinaufführt.
Und, Heiland, mach durch deine Fürbitt,
Daß ich zu seiner Rechten hintritt,
In seine Glorie mit ihm zu gehn.
Laß dir dies mein Gebet anstehn,
Um willen, daß du am Kreuz bist gestorben
Und hast all unsre Seelen erworben.
(Er liegt im tiefen Gebet auf seinem Angesicht. Die Orgel tönt
stärker. Indessen geht unten, im Dunklen, Jedermanns Mutter querüber,
als wie auf dem Weg zur Frühmette, vor ihr ein Knecht der die Leuchte
trägt.)
KNECHT:
Was bleibt ihr stehen, Frau, zur Stund?
Wie ist euch? seid ihr nit gesund?
Wollt ihr leicht heim in euer Bett
Statt nächtlings zu der Morgenmett?
JEDERMANNS MUTTER:
Sind wir denn so verspät’t alsdann
Und hebt sich schon die Frühmett an?
Ich hör ein also herrlich Klingen
Als täten alle Engel singen!
KNECHT:
Verspätet sind wir keinerweis,
Auch hör ich nichts, nit laut noch leis.
JEDERMANNS MUTTER:
Ich hörs und weiß im Herzen mein
Das sind die himmlischen Schalmein.
So singen sie vor Gottes Thron:
Das geht auf meinen lieben Sohn.
Ich spür zu dieser nächtigen Stund
Ist seine Seele worden gesund.
Er ist versöhnet Gott dem Herrn
Des sterb ich freudiglich und gern.
Erhört ist meine große Bitt,
Und weiß daß ich einmal hintritt
Vor Gottes meines Schöpfers Thron
Und find dort meinen lieben Sohn.
Bald lässest deine Dienerin
In deinen Frieden fahren hin.
Amen.
KNECHT:
Wollt ihr nit kommen, Frau?
Die Zeit vergeht, es wird schon grau.
(Sie gehen vorbei.)
GLAUBE:
Jedermann, so sei Gott mit dir,
Als, wie ich dich nun und hier,
In deines Erlösers Hand befehl,
So sei deine Rechenschaft ohn Fehl.
WERKE
(hat ihre Krücken von sich geworfen und tritt zu ihnen.)
GLAUBE:
Nun faß dir einen fröhlichen Mut
Nun kommen deine Werke gut
Sind ledig all ihrer Beschwer
Und treten starken Schrittes einher.
WERKE:
Jedermann, ich bins, deine Freundin,
Ich segne dich in meinem Sinn,
Du hast mich geschaffen von Schmerzen frei,
Nun geh ich mit dir, wohin es auch sei.
JEDERMANN:
O, meine Werke, wie ich eure Stimme hör,
Muß ich vor Freuden weinen sehr.
GLAUBE:
Nun sollst du weinen und trauern nimmermehr,
Nein, freuen dich und fassen einen frohen Mut,
Gott sieht dich von seinem Thron recht gut!
JEDERMANN:
Dann ich nit Zögerung noch Aufschub such.
Ihr Freunde ich mein wir gehen selbdritt,
Von euch will ich mich scheiden nit.
(Er geht hinauf und folgt dem Mönche nach.)
WERKE und GLAUBE
(verharren betend.)
TEUFEL
(kommt angesprungen, schreit und winkt von weitem):
Halt Jedermann! Aufhalten Jedermann!
Aufhalten! He! Hieher Gesell!
Ich komm dich holen, bin zur Stell!
He Jedermann, er ist hinein!
Muß taub auf beiden Ohren sein!
Was geht er denn in dieses Haus?
Da hol ihn dieser und jener heraus!
Ich warte derweilen an der Tür,
Faß ihn, und meines Wegs ihn führ.
Kann sein, er läßt mich warten lang,
Mag er, ist mir um ihn nit bang.
Ist mir verfallen mit Haut und Haar
Und sicher wie lang schon keiner war.
GLAUBE:
Halt da!
TEUFEL
(hat nichts gehört):
Muß hier vorbei.
GLAUBE:
Hie nit!
TEUFEL:
Ganz unbedingt, hab dort zu tun.
GLAUBE:
Hie ist kein Weg für deinesgleichen.
TEUFEL:
Ein zänkisch Weib. Ich kann ausweichen.
(Will rings herum.)
GLAUBE
(tritt ihm aufs neu in seinen Weg und sagt):
Hie ist kein Weg!
TEUFEL:
Ich hab zu warten dort an der Tür
In Amtsgeschäften, damit ich einen
Der dort herauskommt dann mit mir
Eines gewissen Weges führ.
GLAUBE:
Ich führe Zwiesprach nit mit dir.
TEUFEL:
Ich auch nit, geh halt da vorbei.
WERKE:
Hie ist kein Weg für dich.
TEUFEL
(hält sich die Ohren zu):
Geschrei!
Gespiel! Belästigung!
WERKE
(tritt ihm aufs neue in den Weg):
Kein Weg!
TEUFEL:
Kein Weg! Kein Weg! Ist hier kein Weg?
Kein Boden? Nichts worauf mein Fuß
Mag stehen, hüpfen, springen! Nein?
Hier wird sogleich ein Weg mir sein!
(Will durch mit Gewalt.)
GLAUBE
(hinzutretend):
Willst dus mit deinen Fäusten richten
Und stören unser fromm Gebet?
Sieh, wer zu unsrer Hilf dasteht!
ENGEL (treten oben hervor.)
TEUFEL:
Sind die Gesellen auch im Spiel
Und wissen bessres nit zu schaffen
Als hier zu lümmeln und zu gaffen
So abends spät, wie morgens früh,
Wenn andre Leut mit saurer Müh
Nachgehen ihren Amtsgeschäften
Mit schuldigem Eifer und besten Kräften!
WERKE und GLAUBE
(achten seiner nicht und beten mit gefalteten Händen.)
TEUFEL
(setzt sich auf den Boden):
Ich frage, sind hier Zweifel im Spiel,
Ist hier ein Handel in der Schweb,
Nichts davon, nichts, so wahr ich leb.
Sitzt einer hier unter euch allen,
Der ins Gesicht mir tät bestreiten,
Daß dieser Mensch mir ist verfallen!
Ein prächtig Schwelger und Weinzecher,
Ein Buhl, Verführer, und Ehebrecher,
Ungläubig als ein finstrer Heide,
In Wort und Taten frech vermessen
Und seines Gottes so vergessen
Wie nicht das Tier auf seiner Weide,
Witwen und Waisen Gutsverprasser,
Ein Unterdrücker, Neider, Hasser!
(Er springt auf.)
Mir fehlen, ihn zu malen, die Wort!
Und diesen will man mir verwehren,
Daß ich ihm auf die Kappen geh
Ihm jählings das Genick umdreh,
Ihm zuschrei: Duck dich, Fleisch, und stirb!
Und seine Seel für uns erwirb.
Verharrt ihr drauf mit kaltem Blut
Und bangt euch nit vor meiner Wut
Und Zähn gefletscht und Fäust geballt?
Und, daß Recht und Gerechtigkeit
Gewappnet stehen auf meiner Seit?
GLAUBE:
Auf deiner Seiten steht nit viel
Hast schon verloren in dem Spiel
Gott hat geworfen in die Schal,
Sein Opfertod und Marterqual
Und Jedermannes Schuldigkeit
Vorausbezahlt in Ewigkeit.
TEUFEL:
Seit wann? seit wo? wie geht das zu?
Geschiehet das in einem Nu?
Wenn eins sein Leben brav sich regt
Und nur auf uns sein Tun anlegt,
Recht weislich, fest und wohlbedacht
Recht Stein auf Stein und Tag auf Nacht
Wird solch ein wohlbeständig Ding
In einem Augenzwinkern neu?
Schmeißt ihr das um mit einem Wink?
GLAUBE:
Ja solches wirkt die tiefe Reu,
Die hat eine lohende Feuerskraft,
Da sie von Grund die Seel umschafft.
TEUFEL:
Ha! Weiberred und Gaukelei!
Wasch mir den Pelz und mach ihn nit naß!
Ein Wischiwasch! Salbaderei!
Zum Speien ich dergleichen haß!
Beweis! Gib eine einzig Red,
Die vor Gericht zu Recht besteht!
GLAUBE:
Vor dem Gericht, vor das er tritt,
Bestehen deine Rechte nit,
Die sind auf Schein und Trug gestellt
Auf Hie und Nun und diese Welt,
Die ist gefangen in der Zeit
Und bleibt in solchen Schranken stocken,
Wo aber tönet diese Glocken,
(Man hört von innen das Sterbeglöcklein, Glaube und Werke fallen auf
die Knie.)
Hat angehoben Ewigkeit.
TEUFEL
(hält sich die Ohren zu):
Ich geb es auf, ich kehr mich um,
Ich laß ihn, füttert ihn euch aus,
Mich ekelts hier, ich geh nach Haus.
GLAUBE und WERKE (haben sich erhoben.)
TEUFEL:
Ein schöner Fall, ganz sonnenklar
Und in der Suppe doch ein Haar!
Tret arglos her, vergnügt im Sinn
Und mein, zu melden mich als Erben.
Ja Vetter, ja, da liegen die Scherben!
„Hie ist kein Weg, hie ist kein Weg!“
Ah! Weiber! Fastensupp und Schläg,
Das ist wie ich sie halten tät!
Ein Anspruch der zurecht besteht
Vor Türken, Mohren und Chinesen,
Ff! Da ist Anspruch und Recht gewesen!
Bläst mir ihn weg! „Hie führt kein Weg!“
Ich wollt, daß er im Feuer läg.
Und kommt in einem weißen Hemd
Erzheuchlerisch und ganz verschämt.
Die Welt ist dumm, gemein und schlecht
Und geht Gewalt allzeit vor Recht,
Ist einer redlich treu und klug,
Ihn meistern Arglist und Betrug.
(Geht ab.)
JEDERMANN
(tritt oben hervor in einem weißen langen Hemde, einen Pilgerstab in
der Hand, sein Angesicht ist totenbleich aber verklärt, er geht auf
die Beiden zu.)
WERKE:
Fühl ich nit kommen Jedermann?
Er ist es, ja, und tritt herbei,
Mir ahnte wohl, daß er es sei.
Er hat seinem Herrn getan genug
Des fühl ich an meinen Gliedern all,
Die Kraft zu einem hohen Flug!
JEDERMANN:
Nun gebet mir treulich eure Händ,
Ich hab empfangen das Sakrament.
Gesegnet sei, der mich das hieß tun
Und also guten Rat mir sprach.
Nun seid bedankt, daß ihr auf mich,
Geharret habet sorglich
Mit andächtigem Beten.
Und nun laß uns die Reis antreten.
Leg jeder die Hand an diesen Stab
Und folge mir zu meinem Grab.
WERKE: