Freudengeschrei, wie Donnersturm, wie stürzender Wasser
Lautes Rauschen: „Er lebe beglückt! Hoch lebe der Kaiser!“
So, daß jegliche Brust Entzücken ergriff, und der Thränen
Stürmische Fluth in das Aug’ urschnell aufjagte vom Herzen.
Aber es winkte der Kaiser erneut: der eh’rnen Drometen
Ernstem Schall verstummte das Volk, und er sagte, bewegt, noch:
„Hört! Wir scheiden von euch nun bald, und auf lange. Gebiethend
Ruft uns Deutschlands Wohl nach den rheinischen Gau’n, und wir folgen
Freudig dem Ruf, da uns hier zu weilen hinfort nicht vergönnt ist.
Doch nicht bleibe darum dieß Land nach unserer Abfahrt
Hauptlos. Wichtiges reift im dunkeln Schooße der Zukunft
Ihm, und Hohes erringt es. Inmitten gewaltiger Länder,
Hebt Haus-Oestreich hier, aus seinem unscheinbaren Umkreis
Eiserngegründet, sich auf; gewährt dann jenen die Herrscher;
Flicht in den Kranz nie welkender Macht die herrlichsten Kronen,
Die bald König’ ihm biethen, und führt vielfältig durch Sitte,
Sprach’, und Stamm gesonderte Völker zu dauernder Einung.
Also, gerüstet mit Kraft, soll’s einst im Sturme der Zeiten
Fest wie ein Leuchtthurm steh’n, der rettend, Gefahrenbedrängten
Von dem Felsen die Flamme weis’t auf dem nächtlichen Irrpfad.
Albrecht komme heran. Ihm, unserem theuern Erzeugten,
Deß’ erhabener Sinn und Weisheit euch allen bekannt ist,
Wollen wir Oestreich hier zu Lehen ertheilen. Als Herzog
Werd’ ihm der Thron, und in seinem Geschlecht fortdaure die Herrschaft,
Endlos, segenbeglückt zum Wohl unzähliger Völker.“
Ha, und er dachte, bewegt, des Alp’bewohnenden Klausners!
Doch schon ritt aus dem hallenden Thor der Erzeugte des Kaisers,
Albrecht, stattlich heran. Sein Roß, der tönenden Hauptzier —
Also des Zaums und Geschirrs von blinkendem Silber sich freuend,
Beugte stolz das Haupt an die Brust. Doch herrlich geschmückt war
Er mit dem Fürstenhut’ und dem Purpurmantel: ihn deckte
Glänzender Hermelin; auch hielt er den goldenen Zepter
Fest in der Rechten erhöht. Durch Schrift und Siegel ertheilte
Friedrich der Erste, von Hohenstauff, der mächtig als Kaiser
Ragte vor andern hervor, das Recht dem Herzog von Oestreich,
Also zu Pferd, und so herrlich geschmückt das Leh’n zu empfangen.4
Siehe, vor ihm trug Lichtenstein das Banner von Oestreich,
Deß’ ruhmwürdiger Schild, mit dem schneeigen Streif in dem Blutfeld
Schimmerte, rasch einher; doch Albrecht hielt an des Thrones
Stufen, und beugte sich; d’rauf begann der erhabene Kaiser:
„Albrecht, euch beschwören wir jetzt im Nahmen des einen,
Wahren, und ewigen Gott’s, zu bekennen: ob ihr, als Herzog
Oestreichs, herrschen wollet nach Recht und Gerechtigkeit; ob ihr
Schirmen wollet die heilige Lehr’ und den Glauben der Väter,
Und euch widmen dem Wohl des Landes mit Leib und mit Leben,
Das ihr heute zu Lehen empfaht aus unserer Vollmacht?“
Jener rief: „Ich will!“ und alsbald winkte der Kaiser
Lichtenstein, daß er ihm darreichte die Fahn’, und begann so:
„Nun auch schwört es zu Gott, und im Beiseyn eueres Volkes,
Eilig das Banner zugleich, und den goldenen Zepter erhebend
Hoch g’en Himmel empor.“ Und jener entgegnete muthig:
„Ja, ich schwör’ es zu Gott!“ und erhob den goldenen Zepter
Dann mit dem Banner zugleich in die Luft. Der Kaiser entstürzte
Jetzo dem Purpurpfühl’, und flog in die Arme des Sohnes,
Der, sich schwingend vom Zelter herab, ihm entgegen geeilt war.
Lange hielt er den Sohn umfaßt, und sagte mit Rührung:
„Gottes Segen mit dir, und mit deinem Geschlechte! Der Nachwelt
Stell’ ich es freudig anheim, was heut’ allhier sich begeben.
Möge sie noch an der Zeiten entferntestem Ziele, des Glückes
Herrlichster Fülle froh, laut Habsburg segnen und Oestreich!“
Siehe, da rief umher die Menge dem neuen Beherrscher,
Jauchzend, ihr „Lebehoch!“ Doch sah nach dem Kaiser so mancher,
Innig betrübt, noch hin, der erst von Trennen und Scheiden
Sprach, und auf immer vielleicht den liebenden Herzen entrückt wird.
D’rauf hieß er die Fürsten bei sich willkommen, und sagte:
„Kommt zum erquickenden Mahl’, und ruht in der friedlichen Burg hier,
Heiteren Sinn’s, jetzt aus von des Kriegs unzähligen Sorgen!
Aber verzeiht: ich eile zuvor nach der düsteren Kammer,
Wo die Gattinn mir starb, und nach ihr sich, in Trauergewanden,
Sehnen die Kinder vereint; ich gehe, die Lieben zu trösten.“
Und er entzog sich den Blicken der lautaufjubelnden Scharen:
Thränenden Blicks, aufschreitend allein zur Wohnung der Trauer.