Willing wie sought your shores, and hither bound

The port so long desired at length we found.

Dryden.

Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder „macht fest‟ an einem Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: „Das Schiff legt an das Bollwerk an‟, während ein Boot an dem Bollwerk, an der Treppe, an dem Fallreep anlegt.

Anliegen. „Was liegt an?‟ Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie: „Welcher Kurs wird gesteuert?‟ Nur wird erstere mit größerer Genauigkeit und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt, nicht immer möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der Einrichtung des Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompaßscheibe muß „anliegen‟ d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenüber liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompaßdose angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt.  —  Französisch: „ou as-tu le cap?‟; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?

Anluven s. luv.

Anmustern s. mustern.

Anracken s. Rack.

Anschlagen. Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu „Klar Schiff‟, zum Gottesdienst.

Ansegeln. 1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. „Yachtklub‟ zu Kiel.

2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm segelnd nahen. Früher sagte man „antun‟, sich dem Lande nähern, in Sicht von Land kommen, soviel wie:

Ansteuern. Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten ungenau sind oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus, das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die Wassertiefe festgestellt wird: Antiefen.

Arbeiten. Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich der Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: „Das Schlimmste aber ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die feinere Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, daß es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem leisesten Winke gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, äußerlich bewegter Körper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer gebieten, während ihm sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder Schilderung des Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster Reiz hervortretende eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs bloß ein schöner Flitter des Seeberufs: es ist von der höchsten praktischen Bedeutung, es bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens für die Erhaltung des Schiffes bloß ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage ausnehmen muß, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit geltend zu machen für die Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige Segelschiffe auf den Stapel zu stellen‟.

Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: „das Schiff arbeitet‟, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.

Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e, (angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht („im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen‟), allein ein anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit, Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt, leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und der ist auch in der Redewendung „das Schiff arbeitet‟ vorhanden.

Armada, die. Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen zum ersten Male vor in dem 1565 zu „Frankfurt am Mayn‟ erschienenen Buche von Leonhart Frohnsperger: „Von Kayßerlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment‟ x. x., aus welchem ein Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden Abschnitte in der Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen Anmerkungen erschienen ist.

Arsenal, das, aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwörter. Werkhaus erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding (1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung einer Flotte erforderlichen Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche verfertigt werden, als Reepschlägereien, Segelmachereien, Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, Schiffszimmerwerfte u. s. w.Er schreibt: „Die ältesten Arsenäle, wovon wir Nachricht haben, sind diejenigen, welche der König Salomo anlegen ließ. Eins derselben befand sich zu Joppe für seine Schiffe auf der mittelländischen See, und das andere zu Eziongeber, welches für seine Schiffe auf dem Roten Meer bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten ebenfalls Arsenäle, wovon der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus, am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August. c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste von allen See-Arsenälen ist jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen‟.

Auf und nieder, ein der Seemannssprache  —  auch im Holländischen (op en neer), Dänischen (op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentümlicher, aber die Sache sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck für die Richtung in der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht nennen, die Rahe ist „auf und nieder‟ (zum Aufhissen), der Anker ist „auf und nieder‟, d. h. er hängt frei am Krahnbalken, bereit entweder fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten).

„Auf Riemen!‟ Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, ihre Riemen mit dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, daß sie in der Richtung der Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage, genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando „Ruder an!‟ kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und Flagg-Offiziere „Riemen hoch!‟ kommandiert wird, worauf die Riemen senkrecht „auf und nieder‟ gehalten werden.

Aufbänken. Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird, die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, d. h. klein gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost ausgebreitet brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhäuft, doch so, daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen gebracht werden können.

Aufbrassen, s. brassen.

Aufduven, s. lenzen.

Aufentern, s. entern.

Auffangen, greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser „faßt!‟). Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung von auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, daß das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt; wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h. zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte auffangen dasselbe wie aufhangen sein.

Auffrischen ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt: „Der Maler frischt das Bild auf,‟ nur daß es hier transitiv gebraucht wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: „Der Wind frischt auf‟. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst, frisches Gemüse. „Es frischt auf‟ heißt also: es kommt ein neuer und zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.

Aufgeien. Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das Wort kommt nur in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, schwedisch giga up, dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben.

Aufhissen, s. hissen.

Aufholen. Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, daß aufholen sich  —  von den Fällen, in denen es sich um einen Aufholer handelt, abgesehen  —  auf die allereinfachste Tätigkeit mittels eines allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues bezieht. Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll, so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann holt er ihn Hand über Hand hinauf; hier könnte man nicht von aufhissen sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer oben ist, wenn er „aufholt‟; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine Talje darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.

Aufklaren. 1. Gleich „sich aufklären‟, hell werden, besser Wetter werden. „Es klart auf‟, es wird schön. 2., „Klar Deck‟ machen d. h. nach einem Manöver wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig ist. Das Kommando heißt „Deck aufklaren‟. 3., Überhaupt: Ordnung machen, aufräumen. Siehe klar.

Aufkommen, eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, Stellung und Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher kommen; seemännisch: „Das eine Schiff kommt dem anderen auf‟, es fährt schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut gehorcht: „es kommt vor seinem Ruder auf‟.

aufmachen, in der Verbindung „Dampf aufmachen‟, heißt Dampf erzeugen und bereit halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. Dampf „aufmachen‟ kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil aufgemacht, geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der verlorene Sohn sagte: „ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen‟; auch nicht wie man sagt „eine Ware hübsch aufmachen‟, zurichten, zurechtmachen, sondern „Dampf aufmachen‟ ist falsch geschrieben, es muß heißen „‚Dampf auf!‛ machen‟, so wie man sagt „‚Alle Mann!‛ machen‟ oder: „wir machen ‚Anker auf!‛‟ Das Kommando heißt: „Dampf auf‟. Wenn das ausgeführt ist, dann hat das Schiff „Dampf auf‟. Man kann aber eben so gut sagen „das Schiff liegt ‚unter Dampf‛‟. Die Präposition „auf‟ ist also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen des Dampfes beim Sieden des Wassers denken.

Aufkreuzen, s. kreuzen.

Aufkrimpen, s. krimpen.

Aufscheeren, vergl. scheeren. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist und „klar Deck‟ gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk „aufgeschoren‟, d. h. zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. aufschießen). Aufscheeren ist also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das letzte Kommando z. B. beim Wenden war früher nicht „Klar Deck‟, sondern „Scheert auf die Taue‟.  —  Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff einholen, ihm längsseit kommen.

Aufschiessen, im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebräuchlich, kommt vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei „Klar Deck‟ das laufende Gut aufklaren, aufscheeren oder aufschießen. Man unterscheidet: mit der Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschießen.

Aufpentern. Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch bereits „im Verschwinden gepeilt‟ wird) hieß früher Penterbalken: der vorn am Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.

Aufschricken, s. schricken.

Aufstoppen, s. stoppen.

Auftakeln. Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch zurüsten. Auch in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute, Immermann im „Münchhausen‟ spricht von einem „ganz blümerant aufgetakelten‟ Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. „Warum ist im Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher Schiffsname weiblich gebraucht („die Moltke‟)?‟ „Weil es so viel kostet es aufzutakeln‟.

Auftun. „Die Küste tut sich auf‟ heißt sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des angesteuerten Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo eine vorerst dem Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.

Auftoppen, s. toppen.

Auftuchen, ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht „aufgetucht‟ ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort auszuwehen.

Aufziehen. „Segel aufziehen‟ ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist: „Alle Segel aufziehen‟ um etwas zu erreichen, alle Minen springen lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings: etwas mit „Volldampf‟ betreiben.

Auge, das. Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde Öffnung in einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen; eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt. Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge ähnlich sieht: Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im Hammer für den Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemännisch bezeichnet es eine kleine, runde Fensteröffnung; gastronomisch das was man gewöhnlich Spiegeleier nennt.  — Augplatte und Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.

„Aus dem Ruder laufen‟ ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und Flußläufen sehr gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklärte Erscheinung. Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft) sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzügen und charakterisiert sich dadurch, daß ein seitlich der tiefen Fahrrinne fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der tieferen Seite des Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann. Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel auf dem gegenüber liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen Umständen leicht Kollisionen stattfinden.

ausfahren. 1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein Gegensatz zu Heimreise.

2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines Schiffes s. verholen.

Ausfracht, s. Fracht.

Ausguck, der, nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich gebraucht für den Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit des Ausguckens und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der Posten, die Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, „sie hat sich schier die Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.‟ Die „Gucke‟ heißt in Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms). Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg, (s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).

Ausholer, der, ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, daß es sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt, ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen Ausholer, das Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum kann einen Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier vertritt dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen Windreep heißt.

ausklarieren, s. verklaren und klar.

auslegen. Auf das Kommando „leg aus!‟ laufen die vorher aufgeenterten und bereit stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in die Pferde (s. d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den Oberkörper nach vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen festzuhalten, das Gleichgewicht zu behalten.

Ausleger heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und Ausholen; auf Wangerog utliger.

Auslieger. 1. ein Schiff das „draußen‟ liegt oder fährt als Küstenwachtschiff.

2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt geworden.

auslothen s. lothen.

ausösen s. ösen.

ausscheiden, aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden u. s. w., ein sonst im Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl „aus einer Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden‟, „einen Fall aus der Verhandlung ausscheiden‟ u. s. w. „Ausscheiden mit Zeugflicken‟, „ausscheiden mit Deckwaschen‟, „ausscheiden mit Unterricht‟ u. s. w. im Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff trennen der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl. scheitern.

ausscheeren s. scheeren.

aussegeln. 1. in See gehen.

2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und überholen (also mehr wie ihm „aufkommen‟). Man kann auch den Wind aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm herläuft.

Aussenhaupt s. Schleuse.

Aussenschot s. Schot.

auswehen s. auftuchen.

Aviso, der, engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso, provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein Nachrichtenschiff.

Axiometer, der. Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder wachhabenden Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann, wie dasselbe liegt, d. h. ob es richtig liegt, vom griech. axioo, ich halte für wahr, für richtig.

Azimuth, der. Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege.

B.

Baas, der. Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung Heuerbaas gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft betreibt, unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber oder Logiswirt. Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im Hochdeutschen einen „Kerl‟ nennt. Althochdeutsch faths, Herr, Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen, erhalten, wovon unser „Vater‟. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn „Meister‟, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer, Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: „Sicambri regem suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius, ante Christum natum 284.‟ Dieffenbach: „mittellat. vassus = Diener; daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener; Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.

Back, die. 1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.

2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend; als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch noch Regenback, Wasserback.

3. Adverbium. „Das Segel steht back‟, d. h. der Wind füllt es von der verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.

4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne, nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, „die linke hintere Seite des Schiffes.‟ So genau der treffliche Mann in seiner geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte er doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen konnte: „Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.‟ ... Es ist auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt: „Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen‟ und daraus konnte ein Fernstehender leicht „linke hintere Seite‟ machen.

5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.

6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags, also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.

Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen bedeutet, und zwar „sich biegend, krümmend bewegen.‟ Die gemeinsame Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes, Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als „biegsame Stelle‟, sondern eher als „gebogene‟, runde Stelle). Im Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche) wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte, die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa auf und ab „enen baken‟ zur Beköstigung haben solle.  —  Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling = retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:

Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes. Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; „hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein‟, wenigstens in der Freizeit.

Zu 2. „Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken‟, soll, als seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des Unverständnisses entgegengenommen haben. „Backen und Banken‟ ist das Kommando, daß man am Kürzesten mit „Tischdecken und Auftragen‟ übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren, heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die „Backschaft‟ mit der „Back‟ zur Kambüse gehn und das Essen holen soll. In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut sie konnten zum Essen um ihre „Back‟ gruppieren. Als die Tische aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt das eine Mal ganz richtig bak mit „alveus, linter in qua coquus cibum nautis offert‟, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: „Kom oan'e bak‟ mit: „accedite ad mensam!‟ Auch sonst wohl wird im Holländischen in Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. „Van de bak noa't gemak is's menschen gerak.‟ (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, „ceux qui mangent à même plat‟, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando „Banken‟ ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei, banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich „Bänke zum Gelage zurüsten‟; mittelhochdeutsch benken: „Hie ward gebenket schone, tuoch unde brot uf geleit.‟

Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird, wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.

Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort, namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand, Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter, Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den Mann am Ruder: „Backbord!‟ Wir müssen daher fragen, was das Wort bedeutet und wie es aufgekommen ist.

Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: „De stuurman heeft de roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.‟ Darauf antwortet aber ein anderer treffend: „Neen, de sturman heft de roerpen, nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.‟ So weit ist das richtig. Aber im Weiteren irrt auch er. „Volgens eene vry algemeene overlevering is de vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.‟ Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: „Een stuurman met de regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de hand te kunnen eten.‟ Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung, jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! Nein  — , sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten. Dabei mußte sich der Leib,  —  nicht der Kopf, denn der war mit dem Gesicht auf den Bug gerichtet,  —  ganz dem Bord, über den gesteuert ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die Bordwand angelehnt.

Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400) vor. „Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben an backbort van eme‟.  —  Der 1475 in Cleve erschienene „Teuthonista‟ hat nur bak im Sinne von Gefäß, capisterium, „eyn muede oder eyn trog, do die pherde *uss essent.‟  —  Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548 hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: „navigii sinistra pars, pars navigii quae furnum et focum continet‟, also am Backbord sei der Backofen und der Herd gewesen.  —  Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des 23. Psalms den fünften Vers (Luther: „Du schenkest mir voll ein‟) wiedergibt mit: „Du givst mi een ganz bak vul.‟

Backen und Füllen, ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann, vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die Segel abwechselnd „back‟ (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt, daß sie voll Wind werden.

Backstag, das, ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind, dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben. Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem Backstag garnichts zu tun hat, doch „backstags‟ genannt wird, z. B. sagt man: „es weht eine Backstagsbrise‟ d. h., der Wind kommt in derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.

Badegast, der. So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein, daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben. Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt und berufen sind.

Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.

Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden, wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da sprach dieser: „Habt ihr gebadet, so muß ich euch quästen;‟ dabei ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und lohnte ihm nach Verdienst.  —  Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Büschel von Reisig, Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges „Besen‟; badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschürze. Die das „Questen‟ besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hieß, war nicht immer die allertugendhafteste, so daß das Wort bald einen zweideutigen Sinn erhielt.  —  Questenbinder = Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast heutzutage sogar für Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe Questenberg am Harz erzählt.  —  Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor. Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel, Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig. Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum Scheuern. Quast heißt heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel, insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist. Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das Theerquast heißt, weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das Stück Land zur Strafe hergeben mußte.

Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes „Waschlappen‟ denken, welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427 hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein „achter up de compannien‟ steckender Badequast, also ein Besen, wie sie ja auch zur Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden.  —  Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker. Und da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten. Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand, dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave kamen; „do se auerst segen, dat de sake so stunt, steken se den badequast hynder und leden dragen na der Trauen; und worden de Hamborger gefangen und ore schepe genamen.‟ Wer will es ihnen da verdenken, daß sie auf die Lübecker wütend waren, und sie nicht grade sehr liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre 1511 „stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat lubsche wapent, mit roden.‟ „Ein anderer schipper kerede den lubschen arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone undt tho spotte.‟

Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:

Vord an bist ein wundderlich gast,

Du sleist hinder na mit Philippes badequast,

Nener logen deistu di schemen,

Du segst, do id scholde an ein drepend gan

Do fund man de heren hinder dem busche stan,

Dat mag di wol hebben gedromed.

In einem anderen: