Didst ever see a gondola? for fear
You should not, I'll describe it exactly:
'Tis a long covered boat that's common here,
Carved at the prow, built lightly but compactly.
Row'd by two rowers, each call'd „gondolier,‟
It glides along the water looking blackly,
Just like a coffin clapt in a canoe,
Where none can make out what you say or do.
Gondel ist frühzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein an und bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten.
Gording, die. Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit denen ein Segel aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen, die am unteren Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den Buk d. h. Bauch desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche „Bukerdings,‟ wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse viereckige Segel haben auch noch Nockgordinge („Nockgordings‟) die am stehenden Liek befestigt sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr hohe Marssegel haben zu Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden Liek, die man Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen und Geitauen ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur Rahe hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan = (Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden. — Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd; in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar genannt.
Gösch, die, heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, dem Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer Bedeutung weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem oberen inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem eisernen Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist aus Holland zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So hießen die Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen Spanien. Das Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April 1566 zu Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten und diese sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von Barlaimont zu, sie solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht fürchten. Dessen eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel unter diesem Namen zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem Geschrei des Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf von Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit solchen versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke versinnlicht und der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in Athem erhalten werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen der Geusen öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der Verbrüderung davon zu entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt Brüssel von aschgrauen Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und Büßenden sah. Die ganze Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen warf sich in die Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit dünnem Silberblech überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den ganzen Hausrat der Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem Gürtel herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne Münze, nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild des Könige zeigte, mit der Inschrift: „Dem Könige getreu.‟ Auf der andern sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche hielten, mit den Worten: „bis zum Bettelsack.‟ Daher schreibt sich der Name der Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, welche vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen. (Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten „Pugno Pro Patria.‟ — Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme der Festung Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: „Lorsque le Comte de la Marc vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix deniers dans son Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée du dixiéme denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.‟ Es werden die Geusen in ihrem Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der Flagge geführt haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als einen Ehrennamen ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn die Flagge, die Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und wirklich belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge genannt, hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den Leuten heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt, mag zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen geschichtlichen Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen, daß überhaupt in jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt ward. Und die Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben nicht weniger, sondern mehr als andere Leute geführt haben. — Man hört den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch ausmacht, auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen Bezeichnung „Union Jack‟ für dieses Feld. „The union or union flag of Britain, the national banner of the United Kingdom, is formed by the union of the cross of St. George (red on a white ground), the diagonal cross or saltire of St. Andrew (white on a blue ground), and the diagonal cross of St. Patrick (red on a white ground)‟; stellt also die Union zwischen England, Schottland und Irland dar. Jack aber ist im Englischen eine populäre Form für James (vom französischen Jacques, Jakob), eine so populäre, daß sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen, Zusammensetzungen und sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union Jack aber „was named after James I, under whose direction the first union flag was constructed and who signed his name Jacques.‟ Wobei zu bemerken ist, daß es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine Flagge gab, die union flag hieß, rot mit der Inschrift: „For the protestant religion And the Liberty of England‟; es war also nichts Ungewöhnliches, daß man die Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden ließ, die unter ihr fuhren.
Granate, die, modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich durch sein Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich gleichlautende Wörter in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als Edelstein; 3. Granat als Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon kommen die ersten drei von granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner die die Frucht, der Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der Granatbäume); 2. wegen der körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in ihnen enthaltenen Pulverkörner; 4. aber hat dagegen den Namen von den beiden langen Fühlhörnern, die genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was die Granate, die hier allein weiter in Betracht kommt, angeht, so ist bekannt, dass sie ursprünglich nicht aus Kanonen geschossen, sondern als Handgranate mit der Hand unter die Feinde geworfen wurde. Der Mann, der dieses immerhin nicht ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte, mußte ein alter, erprobter, kaltblütiger Soldat sein; er führte von seinem Geschäft den Namen Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich für einen Soldaten, der keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, ähnlich wie Gardist, sein sollte.
Gräting, die. Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen Latten, von dem das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo Leute an Bord lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, am Fallreep etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit niederdeutscher Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. crates, Korb, heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, Korbgeflecht (noch jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die Form grede kommt für Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber, weil das Wort auch Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). Aus dem Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische grille, Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs. Niederländisch kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, Rost. Sehr früh traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender Media, mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, Flechtwerk, Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher cradle Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting auch eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man eintritt, die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht nicht unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, (ja, dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend. — Die deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens, also ganz im Sinne von Rost.
Groden, der, heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün bewachsenes, durch Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes Land, und zwar eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch wenn es nachher eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die Rede ist da wo gar kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch Koog, (könnte Cuxhaven wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems Polder. Es kommt — vergl. Crew — vom friesischen groya, groien = crescere, wachsen, eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen soll. In der Edda heißt poetisch die Erde groandi, die „Grünende.‟ Gothisch gras = Gras, altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören hierher, ablautend mit dem mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der Pflanzen; die indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische gramen, Gras; griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation aus chroros ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die Tossenser groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen über das Spatenrecht genannt.
Grog, der, das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser gemischt. „From „Old Grog‟, a nickname given to Admiral Vernon, who introduced the beverage, from his wearing a grogram cloak in rough weather.‟ Von anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort stamme vom Admiral Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts zuerst den Matrosen den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise verabreichen ließ. Das mag diesen schlecht gefallen haben und um ihrem Mißfallen Ausdruck zu geben nannten sie das so wenig kräftige Getränk mit dem Namen seines Erfinders; sie sahen es eben als eine Verschlechterung des Rums, nicht als eine Verbesserung des Wassers an. Wie leicht Getränknamen sich einbürgern ist bekannt, man braucht nur an den Pariser „Bock‟ zu denken. Selbst Wörter, die bisher einen ganz anderen Sinn hatten, nehmen in manchem Munde ausschließlich den eines Getränkes an: Korn, Kümmel, Benediktiner. Sekt war sonst immer der „trockene‟ spanische Wein, den Sir John Falstaff zu gerne trank und hat erst durch den berühmten Schauspieler Devrient die Bedeutung von Champagner erhalten. Über allowance s. Launs.
Grossmast, der, auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte, meist auch höchste Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff. Was der Erste Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast unter den Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der Erste Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord. — Alles was an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden Mast besonders vorhanden ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes, also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u. s. w. Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung „Großtop‟ zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche „Kreuztop‟ heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen „Vortop‟. — Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste derselben am Großmast: Grosssegel.
Grummetstropp, der, ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom aufgedrehten Stück eines (bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat dieses Grummet mit dem Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur grünenden, nicht wie beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun, wiewohl man diesen auch als „Überbleibsel‟ bezeichnen könnte, und wiewohl auch unser Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man ihn anfertigt. Es gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, Zerriebenes, und eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes, also auch Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen. Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.
Grund, der, wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von Meeresboden gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit beauftragten Matrosen oft genug aussingen: „15 Meter und keinen Grund!‟ Eine wichtige Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf seine Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit Talg bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet. — Sonst ist der Seemann ängstlich bemüht, eine „gründliche‟ Berührung zu vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte. Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf; dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen, bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218) schaffte dieses „Recht‟ ab.
Grünes Licht s. Laterne.
Gut, das. Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem Sammelnamen „Gut‟; wird aber dann auch in „stehendes Gut‟, „laufendes Gut‟, Reservegut u. s. w. unterschieden. — „Gut‟ heißt auch die Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter. Bestehen diese aus Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man von Stückgut, während Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Stürzgut ausmachen.
h. s. a. m.
Haartuch, das, ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern an Deck gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen, mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen). Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg.
Hackbord = Heckbord, s. Heck.
Hafen, der, kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff gehalten wird, ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung: fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen = Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben. (Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen „Krist‟ schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt f). — Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist vielmehr dasselbe wie das deutsche „Herberge‟, ein Platz, wo ein Heer sein Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben und halten, daß es nicht nur Besitz („Habe‟) und Hafen, sondern auch die Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält, skipshofn. — Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration deutet auf deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und portugiesisches abra = Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das keltische aber in Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch das Zusammentreffen einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber noch eher denkbar, daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h einfach fallen ließen.
Hafengeld, das, ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je nach ihrer Größe verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung der Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, Leuchtfeuer eines Hafens, berechnet werden.
Hafenkapitän, der, ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition gestellter Seeoffizier, der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch besonders die Ordnung und Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, das Aus- und Einlaufen regelt, die Arbeiten beim Durchschleusen und überhaupt den ganzen Schleusenbetrieb leitet, die Deiche im Auge zu halten, bei Sturmfluten auf seinem Posten zu sein hat u. dergl. Wo es sich nicht um einen Kriegshafen handelt, heißt der entsprechende Beamte Hafenmeister.
Hafenwache, die. 1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen gegangen wird im Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich einen ganzen Tag dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher minder anstrengend. 2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr Polizeiboot auf dem Hafen.
Hafenzeit, ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. „Die Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche Verspätung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.‟ (Bobrik, Seefahrtskunde I 161.)
Haff, das. Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei großen Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer; angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: „The bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande donde.‟ „Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.‟ Hamb. Chron. — Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher ziemlich unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer bedeutet, so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. Wörterbuch, 5. Auflage S. 150 sagt darüber: „Da man keine ursprüngliche Verschiedenheit von Worten für Hafen und Meer anzunehmen braucht und da jedenfalls die Bedeutung „Hafen‟ aus der Bedeutung „Meer‟ abgeleitet ist — das Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar — so wird die unter Hafen gegebene gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich „Behälter,‟ problematisch. Wahrscheinlich ist also Hafen etwa „marina‟ im Sinne von „statio marina‟ zu deuten. Angelsächsisches haef „Meer‟ als „sich erhebendes‟ im Sinne von lateinischem altum („hohe See‟) zu heben (Wurzel haf, vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber kaum wahrscheinlich.‟ Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der „hohen See‟ spricht und sich der Wendungen bedient wie „auf der Höhe von‟, „Hochseeschiff‟. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache als etwas „Erhabenes‟ dar, es ist in der That etwas für das Auge des Beschauers „sich Erhebendes‟, einerlei ob er am Strande steht, ob an Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa. Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber auf gleicher Höhe.
Hahnepot, die, ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene Zweige auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem man die Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die die Gaffel tragen, aus einander.
Haken, der, ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen menschlicher Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und kommt in unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen kaum zwei oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken mit einer Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch umkanten weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch geentert wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes verwandt. Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran, mit dem ein abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. ans Schiff, ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für Kenterhaken hört man eben so oft Kanthaken.
Halbstocks oder Halbmast sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den Zeitwörtern holen oder hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder Halbmast geholt oder gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein hervorragender Toter am Lande geehrt werden soll, sei es daß ein Gestorbener sich an Bord befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur auf halber Höhe geführt an Bord eines Schiffes, auf dem sich die Leiche eines Offiziers befand. Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit Flaggen größeren Aufwand trieb, als heute, und wo ihre Farbe und Form noch nicht so genau vorgeschrieben waren, es auch noch keine festen Salut- und Flaggenvorschriften gab, wurden je nach Gefühl und Vermögen mancherlei Flaggehrungen gewährt. „Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, Vice-amiral de Hollande fut tué dans la bataille du passage du Sond, qui se donna entre les Suédois et les Hollandois l'an 1658 et que les Hollandois gagnérent, aïant forcé le passage, le vaisseau de ce Vice-amiral périt dans le tems que les Suédois s'en rendoient maîtres, et il ne leur en resta que le corps de Witte de Wit. Le roi de Suéde fit revêtir ce corps de satin blanc; fit couvrir son cercueil d'un magnifique drap mortuaire avec les armes du défunt; le fit mettre dans une galiote painte de noir, où il n'y avoit pour pavillons que des flames noires, et le renvoia au Lieutenant-Vice-admiral Général de Wassenaar, ou d'Opdam.‟ Die Leiche mit der Nationalflagge zu bedecken war damals noch nicht üblich; dagegen wurden bereits in einem Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem Flor umwunden. „Im Jahre 1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von Holland offen, durch den Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr auch Dorp (der sonsten die Flotte auf der Flämischen Küsten als General kommandiert hatte) in dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben notwendig ein Admiral zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von Uranien Peter Heyn, der wegen so vieler stattlichen Taten in grosser Achtung war, dazu erwehlet. Dieses war nun der höchste Ruhm, den er allhier zu Lande erlangen kunte, er hat ihn aber nicht lange besessen und genossen, denn als er vor Duynkirchen lag, und nun vor hatte dasselbige Behältniß und zugleich das alte Raubnest zu stopfen, gerieth er mit den Duynkirchern in ein heftiges Gefechte, in welchem er dreyn von deß Feindes Schiffen eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im Anfang des Treffens durch eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän Blom, zu großer Betrübniß meist aller Einwohner getroffen und erschossen ward. Sein Leichnam ward auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf von Menschen begraben. Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in Trauerwaffen, und hatten ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet, die Fahnen mit schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit schwarzem Tuch überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die Picken nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren. Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande waren, getragen ward‟ ... („Durchl. Seehelden‟) Die romanischen Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag, ihre Rahen über Kreuz, d. h. so, daß die einen nach vorn die andern nach hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das betreffende Kommando: „Flagge halb!‟ — Ein seemännisches Auge wird am Lande oft dadurch verletzt, daß es an Freudentagen Flaggen sehen muß, die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht dann wie Halbstocks aus oder erinnert doch wenigstens daran und macht daher den Eindruck einer Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden sollten auch die Flaggenstangen so gestaltet sein, daß über den Knopf, bis zu dem die Flagge gehißt wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch keine Kaiserkrone; die gehört da nicht hin.
Hals, der, Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der Untersegel und die vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und Bootssegel; so heißen auch die daran befestigten Taue mit denen die Untersegel nach vorne geholt werden und (an der Luvseite) steif gesetzt werden, (während die an gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel nach hinten zu festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird der Hals allerdings „geholt‟, aber die Vermutung Breusings, der Name des Halses käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend genug. Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher und genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied zwischen Kopf und Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade oder gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, einer Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um so eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie fàmig-bord, Schaumbord. — Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel) durch welches bei Gaffel- und Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, heißt Halsauge. Die Öffnung in der Bordwand — sei es an Steuerbord, sei es an Backbord — durch welche der Großsegelshals in das Schiff führt, heißt Halsgat; dieses liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind, lotrecht unter der Nock der Großrahe.
Halsen unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung „umkehren‟ gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den Wind gedreht wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es überhaupt abfallen kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug wieder an den Wind bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel gewonnenes Luv verloren geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt (manche Schiffe sind wegen ihrer Bauart schwer durch den Wind zu bringen) oder in ganz schlechtem Wetter, bei Sturm und hoher See, wo sich das Wenden von selbst verbietet. Daraus folgt, daß man beim Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn man etwas gewinnen will, sondern wenden muß. Beim Halsen müssen die Halsen besonders gut bedient werden und spielen eine so wichtige Rolle, daß es kein Wunder ist, wenn das ganze Manöver nach ihnen genannt ist.
Halten die See, heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch wird. Es gehört dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. Kann ein Schiff die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu gewinnen suchen oder wenigstens irgendwo „unter Land‟, d. h. im Schutze einer Küste ruhigeres Wasser aufsuchen.
Hamen, der. 1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen stammend.
2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen; über „Netzbeutel‟ mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in sich befassen, beschließen. Luther: „Da beschlossen sie eine grosse Menge Fische.‟
Hand über Hand an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das Fieren Hand über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins Grab senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig sein, denn sie lassen den Sarg „Hand über Hand‟ hinab.
Handpferde, die, sind in gewissen Abständen auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum Festhalten mit den Händen dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Füßen unter der Rahe Halt gewähren, sind schon fälschlicherweise zu Pferden gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern dazu da sind, daß man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fuß-) Pferd gänzlich unbewusst war.
Handspake, die, heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit dem ein Spill gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird, wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel verrichtet wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoßen, damit er nicht um sich beißen kann. — Das Ende der Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts anderes ist als Speiche, und wirklich hört man zuweilen anstatt Handspake Handspeiche sagen.
Hansa, die. Aubin hat die „villes anséatiques‟, welche zusammen „la Honze Theutonique‟ bildeten, auf holländisch als „Aanzeesteeden‟ (Anseestädte) bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der See gelegen hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines Kuriosums haben. Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von den Ansen ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mußte, bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht bloß Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter wären, wie alle die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: „In der nordischen Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser Name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein,‟ und zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja die Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht genug hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung findet, darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft, Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große gab einer von ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß es im Jahre 1309 heißen konnte: „mercatorum societas, que vulgariter hanse dicitur.‟ Doch kämpft der weitere Begriff „Kaufmannshanse‟ noch lange mit dem engeren „Innungshanse‟. 1315: „si quis hanzam pistorum - Bäckerinnung - intraverit.‟ 1345: „de der handwerken hanze winnet in der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.‟ Also selbst in der Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort immer noch für eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings, ein Hans sei ein „antecellens caeteros mortales fortuna et opibus,‟ und die Hansen seien „magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,‟ aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bündig mit socius, collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort darauf, der Name des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu sein, die allerdings einen „Verein, Haufen, eine Schar‟ bildeten, die sich sehen lassen konnte. — In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181 kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne gebraucht: „absque hansa et absque thelonio.‟ Es war also jedenfalls ein in der Handelswelt sehr früh schon allgemein bekanntes und gebräuchliches Wort.
Hängematte, die, ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hängen und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht vorhanden sind. Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es mit der Sache die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es übernommen, „a word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage says: „A great many Indians in canoes came to the ship today for the purpose of bartering their cotton, and „hamacas‟ or nets in which they sleep.‟ Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der Übernahme ins Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche Seemann hinwiederum konnte sich unter hangmak nichts Rechtes vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen ihm geläufigen Begriff und machte unser Hängematte daraus. Das konnte er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück Segeltuch geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in ihrer Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein, die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer‟; so wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des „Durchläuchtigsten Seehelden‟ als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er schreibt von Indianern: „Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter sie des Nachts Feuer unter machen‟ ...
Hanger, der, ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer: „Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.‟ So wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.
Harpune, die, eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von der hakenförmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch harper, packen, anhaken, reißen, zupfen („Zupfgeige‟) kommt, was aber in Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung Willmanns unter Havarie.
hart, die eigentliche Bedeutung von hart ist. „stark, fest.‟ Sie kommt in dem seemännischen Kommando: „hart Backbord, hart Steuerbord, hart das Ruder!‟ zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt, gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von „hart‟ noch an die Zeit der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum Steuern gebraucht, und wenn es hieß „hart!‟ so wurde sie hart an die betreffende Bordwand heran gelegt.
Havarie, die, = Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen dessen Puppe entzwei ging, sagen kann: „Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie gehabt‟). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe „Bremer Wörterbuch‟) behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der Begriff Trinkgeld herauskäme. („Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom besten 2 Schinken‟). — Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabischen awar kommt, „gebrochen‟, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach italienischen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat, sagt er: „Hinzugefügt ist h in heischen, althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen mundartlichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben.‟ Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat. — Havarie grosse oft auch bloß Grosse genannt, ist eigentlich nur „beträchtliche‟ Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, d. h. Geld auf Bodmerei geben. — Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum in mari.
Heck, das, ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck (= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje, früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfähle, nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schützen, da das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil vor den Fenstern. Das „Bremer Wörterbuch‟ kennt hek als Zaun von Brettern, auch Tür eines Zaunes, „Heckgatter‟, Schlagbaum. In Holland ist es „een getralied — also ein gegittertes — afschutsel.‟ Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte. — Heckbalken heißt der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder das Heck. Heckbord ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen allmählich ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders hohem oder sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin Margaretha von Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: „Navis que dicitur Hegboth, que habet retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos denarios et feodatis duos denarios.‟
Heckanker, s. Anker.
Heckdavit, s. Davit.
Heissen, s. hissen.
Helgen, s. Helling.
Hellegat, das, ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat, Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers stehen. — Gat heißt Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, nämlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen, aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten neuhochdeutschen hehlen. Dieser findet sich zwar auch in „Hölle‟, aber ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die Bedeutung und Benennung unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden stehen vielmehr selbständig neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, (altnordisch hel, die Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, Spalt, Graben, Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, 3. den dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das — gat könnte also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe derselbe. — Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat nahe verwandt: Bergungsort.
Heling, die, ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden. Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt, wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen stark nach e hin; „du hälst‟; altsächsisch haldan, held; angelsächsisch healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht daher zu vermuten, daß Heling eigentlich Helding hieß, einen Knoten der hält, der zwei Taue zusammenhält, bezeichnend.
Helling, die; eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen, einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang und Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, schiefe Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen, altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde = Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens „de Helder‟, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner nicht in Helder, sondern „op den Helder‟ wohnen, so daß die Herkunft des Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung „Land das der See zugeneigt ist‟ sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: „Sunt autem predia infrascripta duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum‟ etc. etc., zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hieß mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil man, wenns aufs Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer Wörterbuch: „de Tunne ligt up der Helnge‟; „van der Helnge drinken‟, von dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wörterbuch, vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt beide zu der indogermanischen Wurzel *kel heben, emporragen, so daß die Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf, navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.
Helm, der. 1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als Schutz, Verbergung des Hauptes.
2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne. Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruderpinne. Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm, mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten, Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde = heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist, daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat, handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß. — Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung fassen, halten.
Hennegat, das, die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf des Ruders in das Innere des Schiffes führt. Damit das Seewasser nicht zugleich mit hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit geteertem Segeltuch umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von Henne = Hinten, wie angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; auch nicht von Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn nicht der Kopf sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich nehme vielmehr an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem ostfriesischen, daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen heißt einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein ist ein umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß also ein Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem Segeltuch vor dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung paßt auch besonders gut für die Zusammensetzung Henneschott, die zwar etwas pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes bedeutet, aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich wenigstens dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des einen der beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein entschwunden ist.
Henneschott, das, s. Hennegat.
Hering, der. Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten „Harung‟ sich in vielen germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer wieder ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen halec, halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: „Da dieser Fisch den Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw. besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer, her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.‟ — Heringsbüse s. Büse.
Heuer, die, das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine Dienste als Matrose empfängt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem Dampfer nehmen, sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine Verhochdeutschung des niederdeutschen hür, das Miete in allen hochdeutschen Bedeutungen ist; hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung, ein Haus, (in Holland kann man sogar einen Ofen huuren). Im 17. Jahrhundert ist das Wort ins Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista heißt es huyren. Englisch hire, wie es sich denn in allen germanischen Sprachen und Mundarten findet, oft mit einem i anstatt des ü, so daß eine Verwandtschaft mit Heirat, früher Heurath, althochdeutsch hirat nicht unwahrscheinlich ist, (zu eines altdeutschen Mannes Hausgesinde gehörten alle Hausgenossen, die Diener, die Kinder, die Frau) und daß also die auch in Ostfriesland bekannte scherzhafte Redensart der Groninger: „de lange huur ingoan‟, „die lange Miete eingehen‟, für sich verheiraten, einen tieferen Sinn hätte, als die meisten Groninger sich träumen lassen.
Heuerbaas s. Baas.
Hielen, Hiel, Hieling, die. Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes, der in einer Spur steht, und der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe des Stengewindreeps und das Schloßgat befinden. So heißt auch das hinterste Ende des Kiels. Es steckt also beides in dem Worte: unten und hinten. Was sich nun unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, das ist die Ferse. Und in der That heißt niederdeutsch und auch in hochdeutschen Mundarten die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; wangerländisch hil, angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch hiel. Auch der Fuß der Spanten heißt Hiel. — Das Zeitwort hielen heißt ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen lopen, auf den Hacken oder Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es „nach hinten über hängen‟, so daß besonders hielen von einem Schiffe gesagt wird, das hinten tiefer liegt als vorne, bei dem also der Hiel des Kieles die hinterste und unterste Stelle ist, und man sagen kann, das Schiff läuft gleichsam auf den Hacken.
Hieven ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete Seekadetten. Im Englischen spielt to heave eine große Rolle, (verwandt mit heben) besonders im Seemännischen: „to apply power to, as by means of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, to heave a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail by means of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause her to recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the bottom of the sea.‟ Hieven wird man am besten mit „durch Anwendung von Kraft heben und bewegen‟ wiedergeben.
hissen, hochziehen. Das „Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine,‟ welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität herausgegeben worden ist, sagt dafür, „heißen‟ und fügt in Klammern bei „früher auch hissen.‟ Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht heißen heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann (s. Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten, gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde, Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen. — In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine Schlange oder Gans; beim Kilianus als „hißen, hißchen, hitschen, hußen, sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, „den Hund up dat Swin hißen‟ zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht mit einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird angetrieben, den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu fassen und daran zu holen, für beides sagt sie hissen. — Wenn nun infolge des Zurufes: „hiß, hiß!‟ an dem Tau geholt wird, das über eine an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur Folge, daß der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt ist, in die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit hissen den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß wir hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar nicht mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das „auf‟ schon mit. Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer, kommandiert „Hiß auf die Flagge!‟ sondern einfach „Hiß die Flagge!‟ oder vielmehr — hochdeutsch sein sollend — „Heiß die Flagge!‟ Sollte es mit aller Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber: „Hetz die Flagge!‟ geht nicht; „heiß die Flagge‟ geht zwar auch nicht, aber es geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere, sich schon daran gewöhnt hat. — Im Französischen hatte 1702 das aus dem Niederdeutschen übernommene hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie heute: „Hißer, ißer ... c'est hausser quelque chose ou l'élever. On dit Hisse la grande vergue, Hisse la vergue de miséne. Il nous le fit connoitre en hissant et amenant sept fois le pavillon. Il amena le pavillon qu'il voulut rehisser sur le champ. On dit, Hisse de la caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel); Hisse d'avant; Hisse d'arriére; Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse du bredindin (kleineres Takel für leichtere Lasten); Hisse partous. C'est ainsi qu'on nomme la manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à bord.‟ Die Franzosen gestehen aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht gerne ein, wie ihnen überhaupt das häufige Vorkommen deutscher Wörter in ihrer Seemannssprache kein angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848 erschienenen Glossaire nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach des berühmten Ducange Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die Höhe, abzuleiten. Sonst ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und lehrreich; die Widmung lautet: „Aux Marins qui ne dédaignent pas la Science historique, Aux Erudits qui s'occupent de Marine‟. — Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss! huss! hoss! auch noch das Zeitwort hossen entstanden, das auf holländischen Kirmessen laut genug ertönt. Die sonst etwas bequemen und langsamen Holländer geraten bei dieser festlichen Gelegenheit mächtig in Bewegung, selbst in Städten wie Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, Utrecht. Da muß der Fremde auf der Hut sein, sonst wird er auf offener Strasse in einen Strudel von Männlein und Fräulein gezogen, die ihn bekannt oder unbekannt, gern oder ungern, wohl oder übel an den Händen fassen und mit ihm in langen Reihen dahin chassieren, singend, johlend und „hoß! hoß!‟ rufend; das nennt man hossen. — Im Englischen hat das Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber gleicher Herkunft, nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to hiss, welches dreierlei Bedeutung hat. 1. „To make a sound like that of the letter s by driving the breath between the tongue and the upper teeth, especially in contempt or disapprobation. (The merchants among the people shall hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar sound: said of serpents, geese, and other animals, of water thrown on hot metal (gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To whizz, as an arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel we hissed along the polished ice);‟ daß aber to hoist von diesem to hiss kommt, dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung, sondern auch die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. „The t seems to have been added as in against, amongst.‟ Als Bedeutung aber wird angegeben: „To raise, to lift, to heave; specially, to raise by means of block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package to an upper room.‟
Hochwasser s. Flut.
Hock, das. Die Engländer nennen jeden Rheinwein „hock‟, das zunächst nur eine Abkürzung von „Hochheimer‟ ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco für San Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten, schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc. etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward, blieb die hok natürlich wo sie war, aber der Bretterverschlag wanderte, beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da man aber gewohnt war: „Die Schafe stehen in der hok‟, so blieb man dabei und sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an Deck im Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten wurde. So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere die darinnen hocken) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot, so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein (Fenster-)Laden war.
Hochbootsmann, der. Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes zugleich anrudern und überhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur wegen des ordentlichen Aussehens allein, sondern vor allen Dingen auch der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden musste, so konnte das nur durch ein Kommando, das für alle hörbar war, geregelt werden. Dieses Kommando gab der Keleustes, der Rudermeister, Bootsmann, Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen will. Wie er das Zeichen gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen, zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heißt also ursprünglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen Ruderern zurief, welche Töne er von sich gab, welche Laute er hören ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, daß auf Trieren, also auf Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der Schiffsflötenspieler, Schiffspfeifer. — Nun übte im Mittelalter das Amt des Keleustes nachweislich der Bootsmann aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: „Hou, hou!‟ Er wurde dadurch, wie Kilianus sich ausdrückt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch Zuruf antrieb, zugleich ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen seemännischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und muß unter gewissen Umständen ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B. gibt der Bootssteurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des Oberkörpers den Takt an. Man hört dabei keinen Laut und darf keinen hören, außer dem eines allerdings mit großer Kraftanstrengung den Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm der Stimmton fehlt. Da wissen es die Gelehrten nirgends so recht unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim Wettrudern sein h! herausschmettern hörten, dann wüßten sie, was ein h ist, nämlich noch immer das was es ursprünglich war, ein gutturaler Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten herbeizuführen, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: „Zugleich!‟ indem er das „zu‟ so herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit spannende Pause von dem „gleich‟ getrennt ist, damit die Leute, sobald sie nun dieses „gleich‟ hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in Thätigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich weder mit dem gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte der das „zugleich‟ der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer „hou‟ oder „ho!‟ darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die Rollenverteilung so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht über die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über den Kreuz- oder Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast übertragen wurde, der auch „der hohe Mast‟ (wohl nach dem Dänischen) hieß, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.
Högedag, der, auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft Fleisch zu essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. Was das in einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist leicht zu ermessen, und daher ists zu verstehen, daß ein solcher Tag ein Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen, vergl. högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-, Erinnerungstag, jeder Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch in der Form Hochzeit gebräuchlich, welches also nicht „hohe Zeit‟, sondern Freudenzeit bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit mit Gold etwas zu schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, die keine Kinder im Gefolge hat).
Hohle See, s. hohe See 1.
Holen, ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im Besonderen: an einem Tau ziehen. Ein weitverbreitetes deutsches Wort, niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien, angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das Kommando: „Hol steif, hol an‟ ohne weiteres klar, denn es bedeutet: „Zieh an!‟ Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: „Fest holen!‟ und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll, so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen. Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden. — Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so wichtigen Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in ihrem Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern bequem machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht ankommt, so ließen sie in holden das d verschwinden und es ward ebenfalls zu holen. Das konnte um so eher geschehen als eine Verwechslung des einen holen mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr ausgeschlossen war, teils weil sie verschieden ausgesprochen und betont wurden, teils wegen sehr wesentlicher Verschiedenheiten in der Konjugation. Alle diese Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der Aufnahme ins Neuhochdeutsche fort und dadurch ist erst die Verwechslung der beiden Zeitwörter mit einander möglich geworden. Um solche in Zukunft zu vermeiden, wird es kaum ein anderes Mittel geben als einfach die beiden zusammengefügten Zeitwörter wieder zu scheiden und sie schiedlich und friedlich neben einander zu gebrauchen als holen und halten. Dann kann kommandiert werden: „Holen!‟ und, wenn die Leute strammer, fester zufassen sollen: „Fest holen!‟, wenn sie aber aufhören sollen mit holen: „Fest halten!‟ (nämlich so lange bis das Tau belegt oder doch wenigstens abgestoppt ist). — Die angeführten Wörter fremder Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß sie nicht von holden sondern von dem weit seemännischeren halen stammen. Über ein von haler gebildetes haleur s. unter treideln.
Hoch, Adverbium, in der Verbindung „hoch beim Winde segeln‟; es heißt dies: so nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne Durchdrehen überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest voll Wind stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte Schot aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen einer Eule) zuruft: „Nicht zu hoch!‟
Hoft, Hofd, das, kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur hie und da im Sinne von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die Verbindung Dodshofd siehe dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt Haupttau als etwas Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue sind die dicken, starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten bilden, die dem Mast nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie haben also den Zweck von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung des Schiffes sondern in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum stehenden Gut. Im Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans (1702).
Hochdruckmaschine s. Maschine.