STIMMEN:
Wer ist Jeremias ... wer ist er ... was wollen die zu Anathoth in Jerusalem ... der Sohn Hilkias ist es ... wer ist er ... was will er ...
PASHUR (zu Jeremias, der die Stufen emporgestiegen ist):
Fort von des Tempels Stufen! Den Gesandten Jahves, den Gottesmännern und Profeten ist allein verstattet die heilige Schwelle! Uns allein ist es, Gottes Wille zu künden!
JEREMIAS:
Wer ist so vermessen, daß er sich unterfange, ihm allein habe der Herr die Weisheit zugeteilt und das Geheimnis seines Willens! Nur in Träumen spricht Gott zu den Menschen, und auch mir hat er Träume gesandt. Mit Entsetzen hat er gefüllt meine Nächte und mich wach gemacht in die Zeit, er hat mir einen Mund gegeben, daß ich rede, und eine Stimme, daß ich schreie. Er hat die Angst in mich eingetan, daß ich sie über euch werfe wie ein brennend Tuch, und ich will sagen meine Angst um Jerusalem, ich will schreien meinen Schrei vor dem Volke, ich will künden meine Träume ...
BARUCH:
Fort mit den Träumern und Traumdeutern! Wache will die Stunde!
HANANJA:
Wem sind nicht Träume gegeben! Das Tier wälzt sich im Schlafe, und der Sklaven Traum ist mit Bildern voll. Wer hat dich gesalbet, daß du redest vor dem Tempel?
STIMMEN:
Nein ... er soll reden ... wir wollen ihn hören ... ein Wahnwitziger ist er ... seine Träume soll er künden ... erzähle ... offen ist der Markt ... frei ist Gottes Haus ... sprich, Jeremias ...
PASHUR:
Nicht von des Tempels Schwelle! Nicht vor des Tempels Gelaß!
HANANJA:
Ich bin Gottes Profet und keiner sonst in Israel. Auf mich sollet ihr hören und nicht die Schwätzer der Gasse. Weg die Träumer vom Markte!
BARUCH:
Ein Feigling ist er, entlaufen seinen Ängsten.
STIMMEN:
Er soll reden ... wir wollen ihn hören ... nein, Hananja rede ... Hananja ... er ist vielleicht gesandt vom Herrn ... sprich, Jeremias ... warum ihn nicht hören ... was hat er geträumt ... in Träumen ist oftmals Verkündung ... laß ihn reden, Hananja ... man wäge ihre Worte ... sprich, Jeremias ...
JEREMIAS (hat sich emporgeschwungen):
Brüder in Israel, Brüder in Jerusalem, einen Sturm hört ich fahren im Traume wider Zion, und Kriegsvolk wider unsere Mauern, und sie warfen nieder das Gebälk und stürzten die Zinnen, Flamme saß auf den Dächern wie ein rot Tier und fraß leer unsere Hausung. Es war kein Stein mehr, der stund auf dem andern, und eine Wüstung in den Gassen; so viel Tote sah ich liegen wie Kehricht, daß das Herz sich mir wandte im Leibe und die Siegel meines Mundes aufbrachen im Schlaf ...
PASHUR:
Wahnwitz schreit von den Stufen des Tempels.
HANANJA:
Fallsucht plaget ihn, und er plaget uns.
BARUCH:
Hinunter mit ihm!
STIMMEN:
Nein, die Träume wollen wir hören ... was deuten sie ... ein Irrwitziger ist er ... ein Narr ... fort mit ihm ...
JEREMIAS:
Doch da ich wach auffuhr im Schweiße meines Leibes, ihr Brüder, da spottete ich mein, wie diese meiner spotten! Denn war nicht Friede im Lande, ihr Brüder, saß die Stille nicht auf den Mauern und kein Wind rührete sie an? Und ich ging fort vom Hause und schämete mich meines Ängstens und ging her zum Markte, daß ich mich freute des Friedens. Da scholl Jauchzen her, und das Herz brach mir ein inwendig, denn ein Jauchzen war es zum Kriege. Meine Brüder, da ward bitter wie Galle meine Seele, und das Wort sprang mir zum Munde wider meinen Willen, denn saget wahrhaft, ihr Brüder: ist Krieg ein so kostbar Ding, daß ihr ihn lobpreiset? Ist er so gütig, daß ihr ihn ersehnet, ist er so wohltätig, daß ihr ihn grüßet mit der Brunst eures Herzens? Ich aber sage dir, Volk von Jerusalem, ein bös und bissig Tier ist der Krieg, er frißt das Fleisch von den Starken und saugt das Mark von den Mächtigen, die Städte zermalmt er in seinen Kinnladen, und mit den Hufen zerstampft er das Land. Nicht schläfert ihn ein mehr, der ihn weckte, und wer das Schwert zücket, mag leicht selber darein fallen. Weh darum über den Fürwitz, der Streit anhebt ohne Not, denn auf einem Wege wird er ausziehn, und auf sieben wird er rückfliehen, weh denen, die Mord tun am Frieden mit dem Wort! Hüte dich vor ihnen, hüte dich, Volk von Jerusalem!
BARUCH:
Vor den Feiglingen hüte dich, Volk von Jerusalem, vor den Gekauften und Verrätern!
HANANJA:
Wo ist seine Verheißung? Wo Gottes Wort? Für Babel spricht er und Bel.
STIMMEN:
Nein ... er redet recht ... viel Wahres ist an seinem Wort ... lasset ihn ausreden ... die Träume ... was für Verheißung ... lasset ihn ... auch ihn wollen wir hören ...
JEREMIAS:
Was wecket ihr auf das reißende Tier mit eurem Gejauchze, was locket ihr in die Stadt den König von Mitternacht, was rufet ihr zum Kriege, Männer Jerusalems? Habet ihr dem Mord eure Söhne gezeuget, und der Schande eure Töchter? Ward dem Feuer eure Hausung gebaut und dem Prellbock die Mauer? Besinne dich, Israel, halt ein, eh du rennest ins Dunkel, Jerusalem! Ist denn so hart deine Knechtschaft, ist so brennend dein Leiden? Siehe, siehe um dich: es ist Gottes Sonne über dem Lande, und eure Weinstöcke blühen in Frieden, es schreiten beseligt die Bräute mit ihren Erwählten, es spielen einfältig die Kinder, und sanft glänzet der Mond in Jerusalems Schlaf. Das Feuer hat seinen Ort und das Wasser seine Stätte, die Speicher ihre Fülle und Gott sein geräumiges Haus. Sage, Israel, sage, ist es nicht schön in Zions Mauern, ist es nicht lind in Sarons Talen, nicht selig an des Jordans blauem Gefäll? Oh, laß es dir genug sein, friedsam zu wohnen unter Gottes beruhigtem Blick, und halte den Frieden, halte ihn fest in deinen Mauern, Volk von Jerusalem, halte den Frieden!
SEBULON:
Recht redet er! Heil ihm! Wie Gold ist seine Rede!
PASHUR:
Wie chaldäisch Gold!
STIMMEN:
Ja ... er ist verkauft ... nein, recht redet er ... Friede ... wir wollen den Frieden ... ein Verräter ist er ... ein Söldling von Assur ... lasset ihn reden ... nein, Hananja redet wahr ... nur Hananja ...
HANANJA:
Fort mit dir, fort! In Samaria rede, wo Knechte sitzen; zu Moab sprich also oder zu den Unbeschnittenen, doch zu Israel nicht, das Gottes Erstling ist unter den Völkern.
BARUCH (auf Jeremias eindringend):
Sprich, stehe Rede, hier vor dem Volke sprich es aus, daß sie es hören: soll dauern unsere Knechtschaft, sollen wir länger Gold zahlen an Chaldäa? Sprich Antwort, du Verräter!
STIMMEN:
Ja ... ja ... antworte ... rede ... sollen wir weiter zahlen ... antworte.
JEREMIAS:
Laut spreche ich vor dem Volke: Besser den Zins des Goldes zahlen dem Feinde, denn den Zins des Blutes dem Kriege! Besser der Weise sein, denn der Starke, besser Gottes Knecht, denn der Menschen Herr!
HANANJA:
Oh, du Gehorcher und Diener, du Knecht Chaldäas, willst du leugnen Gottes Wort, das heischet den Krieg wider die Bedrücker, willst du leugnen die Schrift?
JEREMIAS:
Doch es stehet auch geschrieben daselbst: „Wenn ihr stille bleibet, würde euch geholfen, durch Stillesein und Hoffen werdet ihr stark sein.“
STIMMEN:
Ja, so ist es geschrieben ... er redet wahr ... ja, so ist es geschrieben ... weise ist sein Wort ... nein, er drehet es zu seinem Sinne.
HANANJA:
Unheiligem Krieg ist es gesagt, Zwist der Geschlechter Israels! Doch dies ist ein heiliger Krieg, ein Gotteskrieg ist es, Jerusalem, um deines ewigen Namens willen, ein Gotteskrieg, ein Gotteskrieg!
JEREMIAS:
Abtut Gottes Namen vom Kriege, denn nicht Gott führet Krieg, sondern die Menschen! Heilig ist kein Krieg, heilig ist kein Tod, heilig ist nur das Leben.
BARUCH:
Du lügst! Du lügst! Das Leben ist uns einzig gegeben, daß wir es hinopfern für Gott und seinen Geist. Ich will mich opfern auf seinem Altare, ich will sinken vor seinen Feinden, ich will sterben für Israel und seine Herrschaft auf Erden. Nie wird Israel besiegt sein, wenn alle meines Sinnes sind!
HANANJA:
Nie wird es besiegt sein, solang die Sterne vor Gott leuchten, doch in dreien Monden wird Babel in unsere Hand gegeben sein, so wir ausziehen mit Ägypten.
STIMMEN (jauchzend):
In drei Monden ... Heil Hananja ... höret ihn ... in drei Monden ...
HANANJA:
Israel wird siegen, gegen tausend und tausend.
BARUCH:
Angst streut er aus, wie sie ihm Gold streuten.
STIMMEN:
Israel über den Völkern ... auf wider Assur ... Krieg ... Krieg ... nein, Friede ... Friede über Israel ... Krieg ... Krieg ... für Assur spricht er ... ein Verräter ... sind die nur wahrhaft, die Krieg schreien?... gekauft ist er ... übereilet nicht ...
BARUCH:
Ins Weiberhaus mit dem Feigling! Ins Weiberhaus!
EIN WEIB (Jeremias anspeiend):
Schmach wär er für uns! Da dem Manne, der sich verkriecht und uns schändet! Krieg ... Krieg wider Assur!
JEREMIAS (in Zorn ausbrechend):
Wer bist du, die du so brünstig bist nach dem Blute? Hast du deine Lenden aufgetan für das Grab und deine Kinder gesäugt für die Grube? Fluch über den Mann, der nach Blut schreit, aber siebenmal Fluch über die Frauen, die brünstig sind nach dem Kriege, denn die Frucht ihres Leibes wird er fressen, und die Knechte Assurs werden worfeln um sie und um ihr Gewand. Klageweiber werdet ihr sein und mit den Nägeln zerren an euren Wangen, schrill Heulen wird aus euren Zähnen brechen, die gespien wider mich und wider den Frieden ...
STIMMEN (Weiber):
Wehe ... wehe ... höret den Fluch ... unsere Söhne ... wehe ... wehe ... der Furchtbare ... wehe ...
BARUCH:
Die Frauen schreckst du, du Zagherziger, doch die Männer nicht. Hinunter mit dir!
EINIGE KRIEGER:
Hinunter! Jagt ihn in die Gasse!
HANANJA:
Sperrt ihm den Mund!
STIMMEN:
Fort ... er verstört die Frauen ... fort ... genug Unheil gekündet ... kalt ward mein Gebein, da er sprach ... er schweige ... schweige ...
JEREMIAS:
Ich schweige nicht, ich schweige nicht, denn in mir schreit Jerusalem! Jerusalems Mauern stehen in meinem Herzen, und sie wollen nicht sinken, Israels Lande blühen in meiner Seele, und ich will sie behüten! Dein eigen Blut schreiet aus mir, Jerusalem, daß es nicht vergossen werde, dein Same, daß er nicht versprengt werde, deine Steine, daß sie nicht stürzen, und dein Name, daß er nicht vergehe! Halte dich fest, du Schwankende, und birg deine Kinder an dich, höre, Jerusalem, des Warnenden Stimme höre, meine liebende Angst, meine ängstende Liebe höre! Höre sie, Zion, du Gottesburg, und wahre den Frieden, wahre den Frieden ...
STIMMEN (jetzt im vollen Widerstreit):
Ja ... Gottes Friede über Israel ... Verräter ... Gekaufter ... Gottes Friede über uns ... meine Söhne will ich bewahren ... Krieg ... Krieg wider Assur ... dem König die Entscheidung ... ein Verräter ... wir wollen in Frieden leben ... feige ist er ... gekauft ... Krieg ... Friede ... Hananja sagt die Wahrheit ... nein Jeremias ... wir glauben ihm ... recht redet er ... Krieg ... nein ... zerbrechet das Joch ... Krieg ... Friede ...
(EIN GETÜMMEL erhebt sich in der Richtung des königlichen Palastes, eine Gruppe Menschen kommt mit Abimelech in der Mitte, der schwertlos aus der Säulenhalle stürzt.)
DIE STIMMEN DER NAHENDEN:
Verrat ... Verrat ... Verrat in Israel.
(DIE MENGE läßt ab von dem Streite um Jeremias.)
STIMMEN:
Was ist geschehen ... Abimelech ... was ist ihm widerfahren ... vom Könige kommt er ... Abimelech ... Zorn schattet seine Brauen ... was ist geschehen.
ABIMELECH (vorne auf den Stufen, neben Jeremias):
Verkauft ist Israel von den Weichlingen, verschachert von den Krämern. Obgesiegt haben Imri und Nachum im Rate, sie sprachen wider Ägypten, und der König gab ihnen Gehör.
STIMMEN:
Nieder mit Nachum ... Verrat ... Imri der Greis ... Verräter ... Was ward beschlossen ... was sagte der König ... Friede, heil dem Frieden ... Gottes Gericht.
ABIMELECH:
Sein Herz schwanket, denn er scheuet den Krieg. Er will besinnen und bereden, eh er entscheidet.
JEREMIAS:
Ruhm Zedekia, mit Weisheit ist er gegürtet!
ABIMELECH:
Mit Schwachheit ist er umstellt, das Alter und die Angst sind seine Berater. Ich aber warf hin das Schwert, denn kein Schwert will ich mehr um meine Lenden tragen, solange Zion pflichtig bleibet an Assur. Ich diene seinem Rufe, aber ich diene nicht der Knechtschaft.
BARUCH (ekstatisch):
Oh, du Herrlicher, du Gotteskämpfer, heilig dein Schwert, das für Israel flammt!
PASHUR:
Segen über dich, der du dich nicht verbrüdert den Käuflingen und Krämern.
HANANJA:
Sollen wir zögern noch? Wes ist die Stunde? Ist sie Nachums, des Krämers, und Imres, des Greises, oder deiner, Volk von Jerusalem! Gottes Stunde ist gekommen, nimm sie hin! Auf zum Könige, auf zum Palast, daß er uns höre, daß er uns sehe. Auf, Jerusalem, hebe deine Stimme, stoß aus den Atem deines Zorns, tritt hin das Gewürm des Palastes, auf, Israel, auf, in den Palast.
STIMMEN:
Auf! Zum Palast ... Zum Könige ... nieder mit den Greisen ... zum Palast ... zieh mit uns, Abimelech ... auf.
PASHUR:
Zum Könige, daß er dich schaue, Volk von Jerusalem. Zum Könige und zum Siege! Gott will es! Gott will es!
STIMMEN:
Auf ... zum Könige ... zum Palast ... zum Sieg ...
JEREMIAS (vor den Eingang der Säulenhalle springend):
Haltet ein, haltet Friede, ihr mordet Jerusalem!
STIMMEN:
Fort ... Raum ... Zum Palast ... Was ruft er ...
BARUCH (das Schwert ziehend):
Mein Schwert über den, der jetzt noch Friede spricht!
HANANJA:
Schlag ihn nieder! Schlag ihn nieder!
PASHUR:
Nieder mit dem Verräter!
JEREMIAS:
Um mich, Freunde Gottes, rettet, rettet Jerusalem!
PASHUR:
Stoß ihn nieder! Er will Aufruhr schaffen!
JEREMIAS:
Um mich, Freunde des Friedens, nicht weichet der Gewalt, rettet, rettet Jerusalem!
PASHUR:
Stopft ihm das Maul. Die Zähne in den Schlund!
BARUCH:
Bei meinem Zorn, weiche vom Markte!
JEREMIAS:
Hier bleibe ich, ich weiche nicht; um den Frieden kämpfe ich, um Jerusalems Leben! Wahnwitz zurück! Höret, höret ...
DIE MENGE (die Stufen hinaufschäumend):
Auf ... was zögert ihr ... wer wehrt den Eingang ... fort ... zum Palast ...
BARUCH:
Fort! Zum letztenmal! Frei gib den Weg!
JEREMIAS:
Mit meinem Leibe wider den Krieg, mit meinem Leben für den Frieden!
HANANJA:
Schlag ihn hin! Schlag ihn hin! Es ist Gottestat!
BARUCH:
Zum letztenmal! Den Weg frei zum König! (Er sucht ihn zur Seite zu stoßen.)
JEREMIAS (sich losreißend mit gewaltiger Stimme):
Keinen Schritt für die Torheit! Friede! Gottes Friede über Israel!
(BARUCH hat das Schwert gezückt und schlägt ihn nieder.)
(JEREMIAS stürzt blutend die Stufen hinab.)
DIE MENGE (in Entsetzen auseinanderstiebend):
Mord ... sie haben einen erschlagen ... Mord ... wer ist es ... Jeremias ... sie haben ihn erschlagen ... wehe ... warum Gewalt ... warum schlägt man den Profeten ... recht getan an den Lügnern ... zum König ... zum König!
(BARUCH bleibt betroffen stehen, das Schwert schwer in der sinkenden Hand.)
HANANJA (ekstatisch über alle rufend):
Mögen alle Feiglinge so enden, alle Söldlinge Assurs, alle Knechte Chaldäas! Auf zum Palast, auf zum Könige. Erlöset Israel, erlöset Jerusalem!
ABIMELECH:
Tod den Verrätern! Rache an Assur!
PASHUR:
Gott hat ihn gefällt!
HANANJA:
Gott hat ihn gefällt! Sein Blitz ist über den Leugner gefahren!
DIE MENGE (nach dem kurzen Erschrecken wieder emporschäumend und in die Säulenhalle des Palastes flutend):
Zum Könige ... Israel über alle Völker ... Krieg ... Krieg mit Assur ... nieder mit den Verrätern ... zum Könige ... Gott mit uns ... Gott mit uns ... nieder mit Assur ... Freiheit ... Freiheit ...
(DIE MENGE strömt jauchzend in die Halle.)
(JEREMIAS ist am Stufenrande ohnmächtig liegen geblieben, ohne daß einer seiner achtete. Der Sturm der andern flutet über ihn hinweg. Wie die Woge des Volkes verbrandet, bleibt er zurück wie ein ausgeworfenes Stück Leben in den Steinen.)
(BARUCH, der für einen Augenblick aus seinem Erschrecken von der Menge mitgerissen war, arbeitet sich wieder aus der Flut heraus. Er tritt langsam, wie von innerer Macht gezwungen, an den Ohnmächtigen heran, beugt sich über ihn, betastet seine Stirne und horcht nach seinem Atem.)
BARUCH:
Jeremias ... sprich, Jeremias ... wenn noch Leben in dir ist!
(BARUCH richtet den Betäubten halb auf von den Stufen.)
JEREMIAS (mit geschlossenen Augen, aus der Dumpfheit der Sinne):
Die feurige Wolke ist gefallen ... es brennt ... es brennt ... Feuer über der Stadt ... es brennet uns an ... wehe ... wehe ...
BARUCH:
Halte still, daß ich dir das Blut von den Augen wische ... still ...
JEREMIAS (die Augen aufschlagend):
Wo ... wo bin ich ... wer ... wer bist du ...
BARUCH:
Halte dich still und laß deiner warten ...
JEREMIAS:
Wer ... wer bist du ...
BARUCH:
Nicht krampfe dich auf, laß das Blut dir stillen ...
JEREMIAS:
Lasse mich ... lasse mich ... ich kenne dein Antlitz ... aus deiner Stimme fuhr Haß wider mich ... deine Augen brannten mich an ... ich kenne dich ... warst du es nicht ...
BARUCH:
Ich war es, der im Zorne wider dich schlug, doch flach fiel mein Schwert, und lieb ist mir dies, denn wider einen Waffenlosen hab ich geschlagen. Sühngeld will ich bieten für dein Blut ... laß es mich stillen ...
JEREMIAS:
Laß es fließen, laß es fließen ... oh, daß einzig das meine strömte in Jerusalem ... (sich aufrichtend): Wo ... wo sind die andern ... das Volk, wo ... leer die Straße ... der Markt ... ah ... im Palaste schon ... bei dem König, daß sie ihn zwingen ... wo ... wo sind sie ...
BARUCH:
Beruhige dich ...
JEREMIAS:
Fort sind sie ... zu spät ... Fluch über dich, Fluch über dich, daß du mich fälltest ... daß du brachst meine Knie ... Oh Mörder mehr, als wenn du mich schlugest ... nicht mein Blut hast du gemordet, aller in Israels Blut ... nicht mich hast du gemordet, aber Zion hast du gebrochen ... Zion zerstört ... den Wächter hast du getötet, und sie wüten im Heiligtum des Herrn ... auf ... auf ... laß mich ... weg, du Mörder Israels ...
BARUCH:
Was willst du?
JEREMIAS (fiebrig):
Auf ... hilf mir auf ... Du hast mich gefällt, so hilf mir empor ... auf ... raffe mich hoch ... vielleicht ist es noch Zeit ...
(JAUCHZEN von fern aus dem Palast.)
JEREMIAS (aufschreiend):
Ah ... ah ... ihr Jubel ist Tod, ihre Freude Vernichtung ... zu spät wird es ... ich muß ... ich muß ... warnen ... auf, um Jerusalems willen ... stütze mich ... ich muß zu ihm ... es ruft mich ... es ruft ...
BARUCH (verwirrt):
Was willst du? Noch beben deine Knie ...
JEREMIAS:
Wider Hananja, wider Pashur, wider die Lockvögel des Krieges, wider das Volk ... hilf mir auf ... ich muß schreien das Friedenswort, ich muß es gellen in die Ohren der Vertaubten ... auf ... auf ...
BARUCH (erstaunt):
Noch einmal willst du ... noch einmal allein wider das Volk ... in deinen Tod stürzest du dich ...
JEREMIAS:
Und hätte ich sieben Leben, siebenmal will ich geben für Jerusalem und Gottes Frieden ... so hilf mir ... hilf mir für mein vergossen Blut ... noch dunkeln mir die Sinne ... hilf ... es gilt Jerusalem ...
BARUCH (schaudernd):
Noch einmal willst du ... noch einmal allein gegen alle ... mächtig ist die Gewalt, die dich treibt, Jeremias ... ich habe dich gesehen unter meinem Schwert, und dein Auge war klar ... Jeremias ... einen Feigen habe ich dich geschmäht und einen Weichling vor dem Volke ... Doch ich sehe, daß du stark bist in deinem Willen wider den Tod ... Jeremias ... ein Gewaltiges kündest du mir ...
JEREMIAS:
Wenn du mich ehrest, so hilf mir ... auf, stütze mich, daß ich wider sie schreite ... daß ich rette Zion vor dem Verderben ...
BARUCH (ihn stützend):
Ich ... helfe dir ... Jeremias ... wider meinen Willen und meinen Glauben ... denn Macht ist in dir, die mich zwingt ... wie heiß dein Auge brennt im Willen ... Einen Schwachen und Scheuen vermeinte ich dich, darum stand ich wider dich, der du schmähtest die Tat und den sanften Frieden gefordert.
JEREMIAS:
Meinst du, der Frieden sei eine Tat nicht und aller Taten Tat? Tag um Tag mußt du ihn reißen aus dem Maule der Lügner und aus dem Herzen der Menschen; als einer mußt du stehen gegen sie alle, denn immer ist das Lärmen bei den vielen und die Worte bei der Lüge. Stark müssen die Sanftmütigen sein, und die den Frieden wollen, stehen im ewigen Streit. Oh, ich weiß, daß ich in Fluch gehe und sie Tod wider mich werfen, aber ich fürchte mich nicht, denn Gottestat muß ich tun, und wer Gottestat will, darf nicht ängstig sein vor der Menschen Haß.
BARUCH:
Nicht gehe ... nicht gehe allein ... nichts vermagst du wider sie ...
JEREMIAS:
Ich gehe, ich gehe, daß nicht Wind seien meine Worte. Denn wer nicht einstehet mit dem Leben für sein Wort, des Rede ist Rauch und verwehet. Auf ... daß ich ausgieße meine Gesichte und schreie mein Warnen wider den König ... fort ... hilf mir weiter ...
BARUCH:
Laß mich ... laß mich mit dir gehen ... daß ich tue, wie du tuest ... denn ich fühle, ein Großes muß es sein, das du beginnest.
JEREMIAS:
Mit mir willst du gehen ... war denn dein Wille nicht wider mich und dein Schwert?
BARUCH:
Zu stark warst du, da ich wider dich war ... so will ich mit dir sein. Gebannt hast du mein Herz mit deinem Blute, ich tue, was du tuest, denn ich ... ich glaube dir, Jeremias!
JEREMIAS (innehaltend, wie erschreckt):
Du glaubst meinen Worten?
BARUCH:
Ich ... glaube an dich ... denn klar sah ich dein Auge unter meinem Schwert.
JEREMIAS:
Du ... glaubst an mich ... wider die Priester und Profeten, die mich verleugnen, wider Volk und Stadt?
BARUCH:
Ich glaube an dich ... denn ich sah dein Blut für dein Wort.
JEREMIAS:
Du glaubest an mich ... eh ich selber kaum glaube meinen Träumen ... redest du wahr, du Knabe?
BARUCH:
Ich glaube an dich, denn ich sehe dich aufrecht wider den Tod. Meinen Willen tu ich in deinen Willen.
JEREMIAS (erschüttert):
Du glaubst an mich ... Knabe ... wer bist du? Mein Blut hast du gesprengt aus mir und deinen Willen geworfen in den meinen ... der erste bist du, der mir glaubet ... und noch weiß ich deinen Namen nicht.
BARUCH:
Baruch bin ich, der Sohn Sebulons von Gilead.
JEREMIAS:
Du wirst keines Sohn mehr sein, so du mir glaubest, der Verstoßene wirst du sein, so du mir folgest, der Gehaßte und Verbannte, denn in Flammen muß verbrennen, wer leuchten will im Wort. Hüte dich, Baruch, du Knabe! Mein Blut hast du genommen von mir, soll ich darum das deine schon nehmen? (Ihn ergriffen fassend): Laß sehn deine Augen! Morgendlich noch leuchtet ihr Stern, soll ich ihn umwölken mit meinen Träumen? Rein glänzet deine Stirn, soll ich sie furchen mit meinen Sorgen? Klar runden dir die Lippen sich, soll ich sie bitter machen mit meiner Rede? Nein, Knabe, geh, geh von mir, den Schrecknis umgürtet, nicht wirf in Lauge dein Herz, weiche von mir um deines Lebens willen.
BARUCH:
Ich will mein Leben nicht ... Dein Weg soll mein Weg sein, denn ich glaube dir, Jeremias, und dieser Glaube ist nunab mein Leben.
JEREMIAS (bewegt):
Der erste bist du, der mir glaubet, wahrlich meines Glaubens Erstling bist du und meiner Angst erstgeboren Kind ... mit meinem Blute habe ich dich gezeuget und aus meiner Qual dich gewunden ... soll ich dich wahrhaft nehmen in meiner Bitternis ...
BARUCH:
Nimm mich mit dir ... nimm mich mit dir ... um Jerusalems willen ...
JEREMIAS (sich aufraffend):
Um Jerusalems willen! Oh, es bedarf der Helfer in dieser Stunde, das verwirrte ... So komm, Baruch, du Gezeugter meines Worts, auf, stütze mich, daß wir schreiten wider sie. Meine Angst, ich will sie werfen wider den König, meine Sorge, ich will sie schleudern in ihrer Herzen Schoß, auf, stütze mich, hilf mir wider sie!
BARUCH:
Ich gehe mit dir ... ich gehe mit dir ...
(JUBELGESCHREI von nahe.)
JEREMIAS:
Wehe ... wehe ... wenn das Volk jubelt, ist Unheil im Werke.
BARUCH:
Sie kommen ... sieh ... aus dem Palast kommen sie ...
JEREMIAS:
Ihnen entgegen ... raffe mich auf ... noch dunkeln mir die Sinne ...
BARUCH:
Der König ... der König ist unter ihnen ... er hält das Schwert nackt in den Händen ... zum Tempel ziehen sie ...
JEREMIAS:
So raffe mich weiter ... es ist Zeit ...
BARUCH:
Die Hallen dröhnen von ihrem Gelärme ... Hananja tanzt ihnen voraus wie David vor der Lade ... sie haben obgesiegt ... es ist zu spät ... Weiche von ihnen, birg dich ... es ist zu spät.
JEREMIAS:
Es ist nie zu spät ... laß mich ihnen entgegen.
BARUCH:
Was willst du tun ... mich laß es tun ... ich bin jung und stark.
JEREMIAS:
Das Wort wider sie zücken wie ein Schwert ... ich will wenden des Königs Herz ... zu ihm muß ich durch ... zu ihm ...
(DIE MENGE ist inzwischen unter wilden Rufen und Geschrei, Gesang und Lärmen aus dem Palaste hervorgeströmt, schäumt die Stufen nieder und strömt wieder zum Tempel empor. Das ganze Volk flammt in einer einzigen Ekstase. Alle Schreie von früher sammeln sich.)
STIMMEN:
Heil Zedekia ... Israel über alle Völker ... Krieg wider Assur ... das Joch ist zerbrochen ... es lebe Ägypten ... Krieg mit Chaldäa ... Vernichtung Nabukadnezar ... zum Siege ... zum Siege ... heil dem Bund mit Ägypten ... heil Zedekia ... heil Abimelech ... Sieg ... Sieg ...
HANANJA (wie ein Trunkener voraneilend zum Tempel, laut):
Auftut des Tempels Tore! Auftut die Tore! Vor dem Altar beschwört der König den Bund wider Assur!
STIMMEN:
Heil dem Bunde!... Oh Tag der Verheißung ... oh Ende der Knechtschaft ... Nieder mit Assur ... heil Zedekia ... heil ... Sieg ... Sieg ... Israel über alles ... Gott ist mit Israel ...
(DER KÖNIG ZEDEKIA ist, gefolgt von den ägyptischen Gesandten, aus dem Palaste geschritten. Er trägt das Schwert bloß in den Händen. Sein Antlitz ist strenge und ernst, er geht inmitten des Jubels wie gedrückt von Gedanken, neigt sich kaum dem allgemeinen Schrei und Zuruf und steigt jetzt mit langsamen Schritten den Tempel hinan.)
(DIE MENGE drängt ihm nach, lärmend und jubelnd, plötzlich gellt mitten aus ihr der Schrei):
JEREMIAS:
Zedekia! Zedekia! Tu ab das Schwert!
(DIE MENGE bricht in Tumult aus, die Schreie fallen plötzlich nieder.)
(DER KÖNIG bleibt stehen auf der Stufe und wendet sich um.)
JEREMIAS (Stimme sich gewaltig erhebend):
Tu ab das Schwert, Zedekia! Du rettest Jerusalem! Friede gib Israel! Gottes Friede!
DIE MENGE (wild aufschäumend durcheinander):
Krieg ... Krieg ... Krieg mit Assur ... wer redet ... ein Gekaufter ... nieder mit den Verrätern ... Krieg ... Krieg ... Schlagt ihn nieder ... Israel über alles ... Krieg ... Krieg ...
(JEREMIAS Schrei ist schnell im aufspringenden Getöse untergegangen, er selbst fortgedrängt und nur mühsam von Baruch geschützt; die Menge schäumt und tost fort mit verdoppelter Wucht ihrer ekstatischen Stimmen zum Könige.)
(DER KÖNIG ist horchend stehen geblieben und sucht nach dem untergegangenen Schrei. Er hat das Schwert für einen Augenblick sinken lassen und wendet sich wie nach Hilfe rings um. Um ihn brandet jetzt donnernd der fanatische Ruf des Volkes, die Tore des Tempels werden breit aufgetan. Er zögert noch einen Augenblick, dann hebt er wieder das Schwert und schreitet fest und ernst die letzten Stufen empor.)
„Weil ihr solche Rede treibet, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dieses Volk zu Holz und sollen sie verbrennen.“
Jer. IV, 14.
Der gleiche Platz vor dem Tempel und dem Königspalast. Auf den Stufen sitzen und lagern lässige Bündel von Männern und Frauen. In den Straßen und in der Halle das gewohnt beständige Auf- und Niedergehen von Menschen in Geschäften und Gespräch.
EINER (in der großen Gruppe auf den Stufen):
Und ich sage es euch, es ist gewiß: eine gewaltige Schlacht hat angehoben zwischen Nabukadnezar und Pharao.
EIN ANDERER:
Ja ... auch ich habe es gehört ... ein Bote ist gekommen ...
EINE STIMME:
Unablässig kommen Boten in den Palast ... das hat nichts zu bedeuten.
DER ZWEITE:
Aber ich habe ihn gesprochen, ich weiß es gewiß.
DIE STIMME:
Den Boten hast du gesprochen?
DER ZWEITE:
Nein ... Aphitor, den Schreiber des Königs ... auch er sagte, eine Schlacht habe begonnen ... eine große Schlacht ...
DER ERSTE:
Eine gewaltige Schlacht, wie nie eine war seit Menschengedenken, Ägypten gegen Nabukadnezar ...
STIMMEN:
Möge der Himmel ihn zermalmen, den Verfluchten ... Ägypten ist mächtig ... auch von den Unsern sind Streiter zur Stelle ... sie werden ihn strafen, den Hochmütigen ...
EINER:
Er wird ihn zerbrechen, denn Gott ist mit uns.
EIN ANDERER:
Stark ist Ägypten, er wird ihm nicht obkommen.
EIN ANDERER:
Auch Nabukadnezar ist stark. Sie sagen ...
EIN ANDERER:
Laß sie sagen, die Schwachmütigen! Laß sie sagen!
DER ERSTE:
Sie sagen, wie ein Heuschreckenschwarm seien seine Krieger!
EINER:
Krieger! Es sind keine Krieger! Klein sind sie von Wuchs wie die Knaben und unkund des Schwerts. Mein Schwestermann hat ihrer viel gesehen, in den Weiberhäusern sind sie Männer und nicht auf dem Feld.
EIN ANDERER:
Bei den Knaben liegen sie des Nachts und machen sie zu Weibern.
(EINIGE lachen.)
EINER:
Pharao wird sie vernichten.
STIMMEN:
Wie Spreu wird er sie fegen von der Tenne ... lang lebe Pharao, unser Freund ... es lebe Pharao, der Besieger ... lang lebe Pharao ... er kann nicht an wider ihn ... es lebe Pharao ...
ANDERE (von den Rufen hergelockt, die Gruppe vergrößernd):
Was sagt ihr vom Pharao ... was ists mit Pharao Necho ...
EINER:
Eine große Schlacht schlägt er wider Nabukadnezar ...
STIMMEN:
Er wird sie besiegen ... wie die Hunde mit geklemmten Schwänzen werden sie vor ihm laufen ... ja, ich habe es gehört, ein gewaltig Ringen hat angehoben ... er wird sie besiegen ... er wird uns befreien ... es lebe Pharao ... ewigen Ruhm über Pharao ... eine Tafel des Gedenkens möge man ihm graben aus Gold ... es lebe Pharao, der Besieger Assurs.
NEUE NEUGIERIGE (herbeieilend):
Was ists ... was ist geschehen ...
EINER DER JÜNGSTGEKOMMENEN:
Pharao hat Nabukadnezar besiegt.
STIMMEN:
Heil Pharao Necho ... ist es wahr ... ich muß heim, meinem Weibe es künden ... heil Pharao Necho ...
EINER:
Aber noch ists nicht gewiß!
ANDERE:
Wieso ist es nicht gewiß ... willst du zweifeln ... wie kann Baal wider unsern Gott ... Gott ist mit uns ...
EINER:
Ich habe es immer gewußt, Gott wird mit unsern Waffen sein. Wo er streitet, ist Sieg ... Keiner kann wider uns ... keiner ...
EIN ANDERER (wegeilend, andern entgegenrufend):
Wir haben gesiegt ... Pharao hat Nabukadnezar geschlagen ...
(DIE MÜSSIGEN des Platzes auf diesen Ruf zur Gruppe hineilend.)
STIMMEN:
Sie erzählen von Sieg ... ist es wahr, daß Pharao Nabukadnezar geschlagen ...
STIMMEN:
Ja, es ist wahr ... noch nichts ist gewiß ... ja, es ist gewiß ... wer sagt es ... alle sagen sie es ... er hat es gehört ... der Schreiber des Königs hat es gesagt ... der König hat es gesagt ... er hat es selbst gehört vom Könige ... Pharao möge leben ... es lebe unser Freund ... ein Ende der Knechtschaft ... es lebe Zedekia, der Erlöser des Tempels ...
EINER:
Habe ich es nicht gesagt, eine Schmach war es, daß wir Tribut zahlten diesen Übermütigen!
STIMMEN:
Eine Schmach ... nun sollen sie uns bezahlen ... das Haus Jahves muß erneut werden ... ein neues müssen wir ihm bauen ... ja, ein neues ... sie müssen es bezahlen zur Sühne ... Salomos Palast muß erstehen ... Salomos Haus ...
EIN MANN:
Was ists? Was ist geschehen?
STIMMEN:
Wir haben gesiegt ... Pharao hat Nabukadnezar geschlagen ... Sieg ... Sieg ... wir haben gesiegt ...
DER MANN:
Sieg, endlich Sieg, heil Pharao ... ich muß es verkünden daheim ... sie harren der Kunde ... (wegeilend) Sieg ... Sieg über Assur.
DIE MENGE (strömt jetzt rauschend zu, sich immer mehr begeisternd die Rufe werden lauter und lauter):
Gottes Gebot war es, daß wir diesen Krieg begannen ... heil Zedekia ... nun müssen wir sie alle besiegen ... Israel muß über allen Völkern sein ... ein Brandopfer auf dem Altar ... danket dem Herrn, daß er unsere Feinde geworfen ... ja ... ja ... danket dem Herrn, Halleluja ... Sieg über Assur ... zum Tempel ... zum Könige ... daß wir mehr doch wüßten, mein Herz verzehrt sich in Ungeduld ... von Gott war diese Erleuchtung über Zedekia ... Hananja hat es geweissagt ... Ja, Hananja ... Hananja ... sein war der Ruf ... nun müssen wir wider Babel ... ja, zerbrechen wir seine Mauern ... die goldenen Geräte muß man holen ... Sklaven müssen sie werden, unsere Sklaven ... mein Herz hat gedürstet nach dieser Stunde ...
EINER:
Ein Bote kommt vom Tore ...
ALLE (wild in die Richtung stürzend):
Ein Bote ... ein Bote ... wer hat es gesagt ... vom Blachfeld kommt er ... was ist es ... was bringt er ... er wird uns berichten ... wo ist er ... wo ...
(EIN BOTE, schweißbedeckt, keuchend vom Lauf, ringt sich durch die Menge.)
STIMMEN:
Erzähle ... er hat gesiegt ... was ists mit Nabukadnezar ... wieviel sind der Toten ...
DER BOTE:
Los ... laßt mich los ... Raum ... an den König geht meine Botschaft ...
STIMMEN:
Sei nicht so grob ... ein Wort nur ... ein Wort ... ist er geflohen ... erzähle ... laßt ihn frei ... er muß zum Könige ... ein Wort nur ...
DER BOTE (sich ihnen entwindend):
Laßt mich frei!... laßt mich frei ... ihr werdets bald erfahren ... zum König ... ich muß zum König ... meine Botschaft ist eilig ...
STIMMEN:
Was hat er gesagt ... was ists ... Die Botschaft sei eilig ... was hat er gesagt ...
EINER:
Er sagte, wir würden es bald erfahren, er eilte zum König.
EIN ANDERER:
Das ist gut.
EIN DRITTER:
Warum gut?
DER ZWEITE:
Hätte er nicht gute Botschaft, würde er so hastig sein?
STIMMEN:
Ja ... das ist wahr ... ja ... ja ... mit einem silbernen Schäkel zahlt ihm der König jedes Wort ... ja ... er eilt um den Botenlohn ... er verkündet den Sieg ... Sieg ... Sieg ... gute Nachricht ... Sieg ...
STIMMEN (von rückwärts, die den Boten nicht sehen konnten):
Sieg ... er verkündet den Sieg ... Der Bote hat den Sieg verkündet ... zerschmettert ist Assur ... Sieg ... Sieg ...
EINIGE LEUTE (neu herbeiströmend):
Was ist ... was ists ... was jauchzet ihr ...
STIMMEN:
Sieg ... Sieg ... ein Bote ist gekommen ... er hat Botschaft vom Siege gebracht ... Nabukadnezar ist geschlagen ... ein Sieg ist errungen ... ein gewaltiger Sieg ... danket Gott ... Halleluja ... nun ist es gewiß ... Sieg ... Sieg ...
EINER:
Ein gewaltiger Sieg muß es sein.
EIN ZWEITER:
Sonst hätte er nicht so verborgen getan.
EIN DRITTER:
Man spart uns die Kunde.
STIMMEN:
Ja ... ein gewaltiger Sieg ... bald werden wir es hören ... Tausende müssen gefallen sein ... vielleicht Nabukadnezar selbst ... Tausende ... Zehntausende müssen es sein ... ich habe es immer gesagt ... heil Zedekia ... ein weiser König ist er ... Salomo ...
EINER (sich durchdrängend):
Ist es wahr ... Nabukadnezar ist gefallen ... sie sagen es in allen Gassen ...
STIMMEN:
Ja ... tot ist der Bedrücker ... nein ... es ist noch nicht gewiß ... ja ... er hat es gesagt ... der Bote ... inmitten seines Zeltes haben sie ihn geschlagen ... Zehntausende mit ihm ... lobpreiset Gott ... ja ... ja ... lobpreiset Gott ... danket dem Herrn ... der Bedrücker ist gefallen ... Halleluja ...
EIN ÄLTERER MANN:
Aber er sagte doch nur, der Bote ...
STIMMEN:
Sieg hat er gekündet, was zweifelst du noch ... ausrotten soll man diese Kleinmütigen ... ich hab es gehört ... ich auch ... ich auch ... er sagte, daß sie Nabukadnezar schlugen ... inmitten seines Zeltes, sagte er ... nein, das hat er nicht gesagt ... ja ... nein... aber Sieg hat er gekündet ... frei ist Israel ... frei ...
DER ÄLTERE MANN:
Aber ich stand doch neben ihm und hörte ...
STIMMEN:
Taub ist dein Herz und deine Ohren, totschlagen soll man diese Würger der Freude ... kommt, legt Festkleider an ... fort mit dir, du Schwätzer ...
(EINE NEUE GRUPPE strömt aus der Gasse.)
STIMMEN:
Sieg ... Sieg, Nabukadnezar ist gefallen ... habt ihr es auch gehört ... durch die ganze Stadt ... ein Bote ist gekommen und hat es berichtet ... ja, hier ... hier hat er es erzählt ... längst wissen wir es schon ... länger als ihr ... uns hat er es zuerst berichtet ... nein ... uns ... uns ... wir wußten es als erste!...
EINER:
Hananja hat es verkündet als erster, der Seher, der Profet. Oh, wie weise waren wir, daß wir auf ihn hörten und nicht die Verzagten, die flennten und greinten, der Tempel werde stürzen ...
EIN ANDERER:
Assur würde Zion besiegen ...
EIN DRITTER:
Unsere Jungfrauen geschwächt werden von den Chaldäern.
DER ERSTE:
Zum Tempel! Zum Tempel! Wir müssen Gott danken und Hananja, seinem Profeten!
STIMMEN:
Ja ... ja ... nein, wir wollen warten ... Freude und Ungeduld zehrt unser Herz ... der König wird erscheinen ... ja ... ja ... wer hat es gesagt ... immer erscheinen die Könige nach dem Siege ... er wird in den Tempel gehen ... er zuerst muß Dankopfer spenden, nicht uns ziemt es ... ja ... ja ... bleiben wir ... aber Zimbeln und Pauken laßt uns rüsten zum Siege ... wie David hinter der Lade wollen wir tanzen ... oh, Gott ward wieder gütig Jerusalem ... den Reigen rüstet ... den Reigen ... die Frauen holt alle ... die Bläser und die Lautenschläger ... ja ... ja ... tuen wir also ... allen erzählet vom Siege ... ein Fest lasset uns rüsten, ein Fest dem König der Könige .. ja, wir gehen ... ich bleibe ...
(DIE MENGE wogt freudig wie ein aufgeregter Strom hin und wider, Gruppen bilden und lösen sich in Erwartung und Ungeduld.)
(JEREMIAS und BARUCH kommen aus einer Nebenstraße gegangen, um ihren Weg weiter durch die Menge zu verfolgen.)
EINER (lachend):
Da ... da kommt er ... da seht hin ... Jeremias ...
ANDERE (übermütig):
Gegrüßt, du Verkünder!... der Profet kommt, lasset uns grüßen den Zerstörer Jerusalems ... da ist er, der Schwätzer der Gasse ... kommt ... kommt mit ...
(EINIGE DER LEUTE umringen Jeremias und Baruch, hindern sie, ihren Weg fortzusetzen, indem sie sich spöttisch vor ihnen verneigen.)
EINER (sich tief verneigend):
Gegrüßt du, Gesalbter des Herrn!
DIE ANDERN:
Gegrüßt du, Elia ... heil dir, du Verkünder ... Gruß dir, du Starkmutiger ... heil Jeremias, dem Profeten!
JEREMIAS (stehen bleibend, finster):
Was heischt ihr von mir?
BARUCH (an ihm drängend):
Nicht sprich mit ihnen, nicht rede mit ihnen. Spott ist auf ihren Lippen und Verhöhnung in ihrem Blick.
EINER:
Weisheit wollen wir von dir und Verkündigung!
DER ZWEITE:
Wir wollen dich fragen, ob unsere Jungfrauen Jungfrauen bleiben dürfen.
DER DRITTE:
Wir wollen dich bitten, daß du dich geduldest und lassest weiter ragen die Mauern Jerusalems.
JEREMIAS (hart):
Was wollt ihr von mir! Nicht ists zu Scherzen Zeit, da Blut fließt und Krieg hängt über Israel.
DER ERSTE:
Vorbei ist der Krieg, nun dürfen wir wieder scherzen!
DER ZWEITE:
Und am Bart fassen die Weisen und an ihrer Torheit die Schwätzer.
DER DRITTE:
Wo ist er, dein König von Mitternacht, wo ist er, du Verkünder?
DER VIERTE:
Wo sind ihre Sklaven, wo sind ihre Rosse?
JEREMIAS:
Was wirrt euch die Sinne? Seid ihr rasend geworden? Wie sagt ihr? Vorbei schon der Krieg, kaum daß er begonnen?
BARUCH:
Nicht rede mit ihnen, nicht rede mit ihnen! Zum Spott wird, wer mit Rasenden spricht!
DER ERSTE:
Er weiß es noch nicht! Er weiß es noch nicht, der Profet!
DER ZWEITE:
Ei, seht! Er weiß nicht, was gestern war, und will künden, was morgen geschieht.
JEREMIAS:
Was weiß ich noch nicht? Was ists, das euch so froh macht, ihr Witzlinge! Ein Arges wohl muß es sein.
DER ERSTE:
Ein Arges nennt ers. Ein Arges fürwahr deinen Wünschen!
DER ZWEITE:
Dein König ist gefallen, erstickt ist er in seinem Blut!
JEREMIAS:
Nabukadnezar ist gefallen? Assur geschlagen?
DER ERSTE:
Ja, du Allweiser. Hananjas Wort hat sich bewährt.
DER ZWEITE:
Zerreiß dein Gewand und scher dir den Bart. Israel hat gesiegt.
DER DRITTE:
Grab dich ein, du Profet, und verschneide deine Zunge. Tot ist Nabukadnezar, ewig währet Jerusalem.
JEREMIAS (erschüttert):
Tot wäre Nabukadnezar? Ist es wahr, ist es gewiß auch? Sprecht ... treibt nicht Scherz mit so Gewaltigem!
DER ERSTE:
Er zweifelt noch! Weine, weine, Profet!
DER ZWEITE:
Ja, ich gell dirs in deine Ohren, tot ist Nabukadnezar, zerschlagen seine Wagen, zerjagt seine Krieger. Gerettet, gerettet ist Israel!
JEREMIAS (ist einen Augenblick starr geblieben. Dann spreitet er die Arme wie in höchster Freude von seiner aufatmenden Brust. Plötzlich läßt er sie sinken, und es quillt ihm fast jubelnd von den Lippen):
Gebenedeit sei Gott! Oh, Dank, du Allgütiger, daß du zuschanden machtest meine Träume, daß du bewahrtest Jerusalem! Besser ich ein Narr meines Wahns, als die Stadt die Beute der Feinde! Gesegnet seiest du, Gott, gesegnet!
DER ERSTE:
Ja, du Allweiser, Gott ist milder als du, er liebt uns und erquickt unser Herz.
DER ZWEITE:
Was wirst du nun uns verkünden? In welchen Winkel wirst du kriechen, du Maulwurf? Wen wirst du jetzt noch verwirren, du Verwirrter?
DER DRITTE:
Wen nunab betrügen, du Betrüger?
DER VIERTE (mit gespielter Entrüstung):
Oh, wie sprecht ihr arg mit dem Boten des Herrn? Oh, lasset uns küssen sein Gewand, lasset uns ehren sein Geträume!
STIMMEN (durcheinander lachend):
Ja, erzähle uns, Elia ... belehre uns wieder, du Allweiser ... beglückt, der dir vertrauet ... auch dein Knabe ... beschläfst du ihn mit Weisheit ... wo hast du dies Hühnchen gefunden, das gackert hinter dir ... oh, erzähle uns, Jeremias ... Unheil verkünde uns, viel Unheil, Jeremia ... Berge von Unheil ...
JEREMIAS (plötzlich ausbrechend):
Ein Wunder ist über dich gekommen, du feiles Volk von Jerusalem, ein Wunder, das dich erlöst vom Tode, und statt fürchtig zu werden daran, spottest du im Überwitz! Eine Stunde kaum ist es, und ihr waret im Rachen der Angst; noch wanken die Knie eurer Seelen, noch beben die Herzen eurer Herzen, und schon belfert wieder euer Mund. Weh euch, daß euer erster Schrei, seit der Strick riß eurer Kehle, Hohn war und Überheben!
BARUCH (sich an ihn drängend):
Nicht sprich zu ihnen. Töricht, wer zu Toren spricht!
EINER:
Ja, Spott werfe ich wie Kot auf dich, denn auf das Herz warfst du uns Angst, da wir uns aufrafften zum Kampfe.
DER ZWEITE:
Jetzt möchtest du, daß wir schwiegen, aber unser ist jetzt das Reden, an dir jetzt das Schweigen.
DER DRITTE:
Nicht hören willst du's, aber mach dir taub wie die Eule dein Ohr, ich schrei dirs hinein aus meiner Freude: „Wir haben gesiegt, wir haben gesiegt!“
JEREMIAS (einen anfassend):
Wo hast du gesiegt, erzähle hier! Wen hast du geschlagen, du, der du dich brüstest? Ich seh kein Blut an deinem Schwert, und du, deine Narbe zeig her, die du empfingest im Streit! Auf dem Markte seid ihr gesessen allesamt und bei euren Weibern gelegen. Was hurt ihr mit der Ägypter Sieg, was buhlt ihr mit fremder Tat? Beugt die Knie und bläht eure Hälse nicht: denn nicht ihr habt gesiegt.
STIMMEN:
Ägyptens Sieg ist Israels Sieg ... wir sind Israel ... auch der Unsern waren dabei ... wir haben gesiegt, weil Israel befreit ist ... es ist das gleiche ... er will uns nur höhnen ... seine Wut seht, daß wir siegten ...
JEREMIAS:
Aber nicht du und nicht du und nicht du, der jetzt die Backen bläht, nicht ihr, die ihr euch mästet mit fremder Tat! Sie haben gesiegt, die Krieger, nicht ihr! Demütig sind sie hingegangen, Tod zu senden und Tod zu leiden, mit krummen Rücken unter der Waffen Wucht sind sie gekeucht, und der Tod warf sich über sie und drückte ins Knie die Geschwächten. Wo sie ackerten mit ihrem nackten Gebein, wollt ihr Stolz ernten, aus ihrem Blute tränken euren Frechsinn, ihr verlassen Volk! Weh, daß sie siegten für euch und euren stinkenden Stolz!
STIMMEN:
Weh, daß sie siegten – habt ihr gehört?... er ist toll ... Ihn lüstet nach Nabukadnezar ... er trauert um Assur ... weh, daß sie siegten ... er heulet um Jerusalems Fall ... Ohrenschmaus ist sein Zorn ...
JEREMIAS:
Weh, daß sie siegten, sage ich, weh, daß sie siegten, denn zum Narren gemacht hat euch der Sieg, und den Narren ist böses Ende. Da Josuas Schwert die Feinde zerschlug, schwieg sein Mund, er brach hin vor dem Altar und dankete Gott. Hin beugte er sich in Stille, von Schweigen und Demut glänzte sein Herz, seine Seele tönte an Gott, und war doch ein Kriegsherr wie keiner der euren. Ihr aber, denen Sieg auf den Scheitel fiel wie Regen vom Himmel, wem habt ihr gedanket, wem geopfert aus des Herzens Stille? Mit Hochmut habt ihr euren Wanst gefüllt, mit Stolz habt ihr euch trunken gemacht, bis ihr taumelig wart; freche Worte rülpst ihr heraus und speit Unreines vor wie die Schlange ihr Gift. Wahrlich, wert seid ihr, gezüchtigt zu werden, und so groß Gottes Langmut ist, an eurer Hurenstirn muß sie zerbrechen!
STIMMEN:
Kommt ... kommt her ... hört den Profeten ... zerreißt die Kleider, denn wir haben gesiegt ... streut die Asche aufs Haupt, denn Nabukadnezar ist gefallen ... heulet, heulet, ihr Kinder Israels, denn Zion ward erlöset ... trauert, ihr Gerechten, denn Gott schenkte uns den Sieg ... Oh, Weisheit, oh, Jeremias!
JEREMIAS (immer mehr entbrennend):
Wahrlich, du Volk, unter euch sein, ist unter Skorpionen sein; aber ich sage euch, ihr Frechen, euer Lachen wird kürzer dauern denn die Blüte des Weinstocks! Gott hat euch begnadet, er hat noch einmal errettet Jerusalem, aber nicht um eures Lachens, sondern um der Demut willen! Nicht wollet ihr seiner gewahr werden in der Güte, wohlan, ihr Verworfenen, bald werdet ihr ihn erkennen in seinem Zorne! Wie einen Vorhang wird er das Lachen zerreißen in eurem Gesicht, und wie Stein werden eure Augen dann starren im Schrecken! Rücklings wird fallen eure Freude, denn nahe ist die Stunde der Sühne dir, Jerusalem, Furchtbares ist dir bereitet ...
STIMMEN:
Es werden stürzen die Mauern ... es werden weinen die Jungfrauen ... wir kennen es schon ... Zion wird sinken ... oh, Jeremias, du Weisheit des Narren ... wie unsere Freude ihn brennet ... hört ihr wanken die Mauern?...
JEREMIAS:
Höhnt ihr den Warner? So hat Sodom gelachet, wie ihr lachet, und Gomorra gespottet, denn auch Sodom hat Gott verschonet zu zweien Malen! Aber schon ist der Rächer gerüstet, der euren stinkenden Stolz wegfeget, schon das Schwert gezückt, das eure Frechheit zerhauet; der Bote, schon eilt er heran, euch Jammer zu bringen, er eilt, er eilt, schon hasten seine Schritte gen Jerusalem, daß sie euch verstören! Schon naht er, der Bote der Schrecknis, schon naht er, der Bote des Entsetzens, daß seine Worte wie Hämmer auf euch fallen, schon naht der Bote ...
STIMMEN:
Geh heim, Jeremias ... friß dich satt an deiner Galle und spei nicht auf unsere Freude ... nein, hört ihn, er erheitert das Herz ... sprich weiter ... spei dich aus, du Verkünder ...