Aber ich sage mich los!
Ich tu nicht länger nach deinem Begehr,
Ich rechte nicht mehr und knechte nicht mehr!
Mein Herz ist nicht länger dir Heimstatt und Haus,
Ich stürz dich aus deinen Himmeln hinaus!
Wie du dein Volk, so hab ich dich verstoßen,
Den harten Hasser, den Mitleidslosen,
Denn ein Gott, der Hohn anstatt Hilfe gibt,
Ist nicht wert mehr, daß man ihn kündet und liebt!
Nur wer das Leiden wendet, ist Gott allein,
Nur wer Trost ausspendet, darf Allmacht sein!
Oh, ich weiß es, ich weiß es, nur der ist Profet,
Dessen Hand die ewige Liebe aussäet,
Dessen Seele Flut ist von großem Erbarmen,
Dessen Seele Glut ist von allem warmen
Strömenden Blut, das unschuldig versprengt ist,
Und dessen Herz von unendlicher Liebe versengt ist!
Oh, und ich fühl es, ich fühl es, ich kann einer sein,
Denn die Stimmen, die ungehört auf zu dir schrein,
Sie schlagen wie Flammen in mich hinein!
Mich ruft die Stadt, die du zürnend verbrannt hast,
Mich ruft dein Volk, das du hassend verbannt hast,
Mich rufen die Witwen, die du gezeugt hast,
Mich rufen die Mütter, die du gebeugt hast,
Mich ruft der König, den du geblendet,
Dein Altar, den du dir selber geschändet:
Aus Grüften und Lüften sind klingende Boten
Urmächtigen Leidens mir zugesendet,
Die Lebenden rufen, mich rufen die Toten,
Und mein Herz erhört sie – es hat sich gewendet:
Gewendet von dir, der du hassend und hart bist
Und zum Götzenstein deines Stolzes erstarrt bist,
Zu ihnen, den Schwestern, zu ihnen, den Brüdern,
Die Leiden umkleiden, die Qualen erniedern!
Nur ihnen, nur ihnen
Tut auf sich mein Herz, blühn auf meine Arme,
Und ich beug ihrem Leid mich, ihm beug ich die Knie –
Denn ich hasse dich, Gott, und ich liebe nur sie!

DER ÄLTESTE:

Er hat Gott verflucht ... Schlagt ihn nieder ...

STIMMEN:

Er rast ... er ist toll ... Irrwitz ist seine Rede ... Wachen Auges träumt er ... es ist Gefahr, ihn zu hören ... bringt ihn zum Schweigen ...

JEREMIAS (plötzlich in die Knie brechend, gegen die andern gewandt):

Oh, meine Brüder, verzeiht mir, verzeiht,
Verzeiht meiner ruchlosen Eitelkeit!
Er, er nur hat mich mit Träumen verblendet,
Mit Worten gelockt und mit Zeichen versucht,
Daß ich meinte im Trotz meiner Eigensucht,
Ich sei als ein Mahner gen euch gesendet.
Ich meinte, daß ich der Große bin,
Wenn seinen Namen ich wider euch reckte
Und die Zähne mit seinen Flüchen ausbleckte, –
Doch ich reiße mich los und verstoße ihn!
Und ob ich hoffärtig an euch getan,
Ihr Brüder, hört mich erbarmungsvoll an!
Weil ich euch fluchte, erbost euch nicht,
Weil er mich versuchte, verstoßt mich nicht,
Zu euren Füßen werf ich mich hin,
Fühlt, fühlt es, daß ich voll Buße bin!

(DIE MÄNNER UND FRAUEN weichen entsetzt zurück.)

JEREMIAS (ihnen nachkriechend auf den Knien):

Ihr Brüder, ihr Brüder, verzeiht mir, verzeiht,
Oh, wie fühl ichs jetzt, daß ihr mir Brüder seid
Und ich der jüngste, geringste von allen!
Oh, laßt mich, ihr Lieben, nun Liebe nur sprechen
Und selig das Brot eures Leidens mitbrechen,
Oh, laßt es, ihr Brüder, euch gütig gefallen,
Daß ich euch liebe, daß ich euch gehöre,
Nie soll mein Wort mehr, ich schwöre, ich schwöre,
Sich frech und mahnend wider euch kehren.
Das Letzte, das Niederste will ich euch tun,
Das ihr mir auflegt als Buße und Pein,
Den Staub will ich küssen von euren Schuhn
Und der klägliche Knecht eurer Knechte sein.
Oh, ihr Brüder im Dunkel, ihr Brüder im Leid,
Meine Reue fühlt, meine Demütigkeit,
Und vergebt mir, ihr Brüder, verzeiht mir, verzeiht!

DER ÄLTESTE:

Tod über den, der ihn berührt! Gott hat ihn gerichtet.

STIMMEN:

Gottverfluchter ... fort mit dir ... fort ... weg von uns ... weg aus unserer Mitte ... verpeste uns nicht ... Gottesleugner ... fort ... fort ...

JEREMIAS (zurückgestoßen, mit einem dumpfen Aufschrei):

Aussatz über mich! Aussatz über mich und Tod! (Er bricht in sich zusammen.)

STIMMEN:

Man muß ihn hinausschaffen wie ein Aas ... er verpestet mit seiner Nähe den Atem ... Wahnsinn ist über ihm ... hinaus mit ihm ... tötet ihn ... schlagt ihn nieder ...

DER ÄLTESTE:

Rührt ihn nicht an! Gottes Hand ist über ihm, und sie ist stärker, denn die unsere.

(EIN POCHEN, heftig und herrisch, an der Türe.)

ALLE (durcheinander):

Die Herolde ... die Chaldäer ... es pocht wie die Hand eines Gebieters ... es ist keiner der unsern ...

(DAS POCHEN, heftiger und eiliger.)

ALLE (durcheinander):

Wie er drängt ... er ist ungeduldig ... man darf ihn nicht erzürnen ... laßt verschlossen, Räuber sind es, Chaldäer ... man muß auftun ... er erzürnt sonst.

DER ÄLTESTE:

Ich tue ihm auf. Sind wir denn des Todes nicht zu jeder Stunde?

(DER ÄLTESTE öffnet zaghaft einen Spalt der großen Türe. Sie wird hastig aufgestoßen und herein stürzt)

BARUCH (verstörten Gesichts):

Brüder, ist Jeremias hier?

DER ÄLTESTE:

Nenn seinen Namen nicht, sprich ihn nicht aus!

BARUCH:

Ist er hier? Man hat mirs gesagt.

DER ÄLTESTE:

Daß er doch anderwärts wäre, im Schlund der Gehenna und zerrissenen Gebeins im Schlachthaus der Feinde! Hier liegt er, getroffen von Gottes Hand.

BARUCH (hinstürzend):

Jeremias! Jeremias!

JEREMIAS (sich aus seiner Hingesunkenheit langsam erhebend, ganz fremd ihn anstarrend):

Wer sucht mich noch, wer versucht mich noch?

BARUCH:

Meister, mein Meister, kennst du mein Antlitz nicht mehr, ward dir fremd meine Stimme?

JEREMIAS:

Ich will nichts schauen mehr und nichts hören. Weg du, der du noch Atem im Maule hast! Laß mich liegen und faulen!

BARUCH:

Jeremias, gütigster Meister du! Ich beschwöre dich, raffe dich auf, sie fahnden nach dir, sie sind nah, sie kommen!

JEREMIAS:

Wer sucht mich noch auf dieser Welt?

BARUCH:

Du bist verraten, man weiß deine Hausung. Nabukadnezar sandte Schergen nach dir, sie suchen dich, und rasch nur flog ich voraus.

JEREMIAS:

Mögen sie kommen. Selig die Schlächter, selig der Tod!

BARUCH:

Jeremias, fasse deine Sinne. Der Letzte bist du von den Edlen der Stadt; alle sind sie gefallen und geschlachtet, nur um dich fahnden sie noch, daß alles ausgerottet sei, was edel war in Israel.

JEREMIAS:

Mögen sie kommen! Selig die Schlächter, selig der Tod!

BARUCH (in Verzweiflung ihn aufrüttelnd):

Jeremias! Jeremias! Wach auf aus deinem Traum! Furchtbar ist Nabukadnezars Zorn und entsetzlich seine grausame Lust. Noch den Tod schärft er durch Qualen, und seine Knechte wissen zu martern wie keiner.

JEREMIAS:

Meinst du das, Knabe? Oh, du kennst Ihn nicht, den Fürchterlichen, der Qualen hat und Martern, die kein Irdischer weiß. Wes lebendige Seele in Gottes Marter gefallen, der fürchtet nicht mehr des Leibes Pein und die Schrecknis der Knechte. Mögen sie kommen, mögen sie kommen und sich versuchen an mir, dem Gott in die Eingeweide griff, und ich spotte ihrer. Denn ich habe die Gottesqual gekannt, und Seligkeit ist die Marter des Tods gegen die Marter des Lebens, eine Wollust der Menschen Qual wider die Gottesqual.

BARUCH:

Jeremias, Jeremias! Wenn du mich liebst, so entfliehe, ich lasse dein Leben nicht, ich lasse es nicht!

JEREMIAS:

Ich liebe nicht mehr! Keinen mehr liebe ich, keinen!

BARUCH (ihn umschlingend):

Nein, Meister, mein Blut eher, denn deines. Ich sterbe mit dir.

(HEFTIGE SCHLÄGE von ehernen Lanzen an der Tür.)

ALLE (stürzen in die Winkel):

Wehe ... wehe ... die Chaldäer ... unsere Stunde ist gekommen ... er hat das Unheil über uns gebracht ... Wehe ... er ... er ... liefern wir ihn aus ...

BARUCH (entsetzt):

Es ist zu spät ... sie sind da ...

JEREMIAS:

Tu ihnen auf, Baruch!

(BARUCH zögert.)

JEREMIAS (aufstehend, stark, mit großer, klingender, fast jauchzender Stimme):

Tu ihnen auf, daß ich aufrecht sie empfange, denn dürstig ward meine Seele des Todes. Oh, erster Erfüller meines Wortes, sei gegrüßet, gegrüßet das Ende! Tu auf, Baruch! Tu ihm auf, dem Erlöser!

(BARUCH schreitet gegen die Tür, zögert wieder.)

(NEUE HEFTIGE SCHLÄGE von außen.)

JEREMIAS (mächtig):

Tu auf, Baruch, wenn du mich liebst. Ich befehle es dir. Tu ihm auf!

(BARUCH verhüllt sein Gesicht und schiebt den Riegel zur Seite.)

(DIE TÜRE wird mächtig mit ihren beiden Flügeln aufgestoßen, ein Schimmer vom letzten abendlichen Licht glüht in das verdunkelte Gemach herein. Die drei Abgesandten des Königs treten reich geschmückt herein, hinter ihnen steht feurige Helle des sinkenden Tages. Die Flüchtigen scheuen vor ihnen in die dämmerigen Winkel zurück, nur Jeremias bleibt aufrecht ihnen gegenüber.)

DER GESANDTE (den beiden andern voraustretend):

Ist unter euch der, den sie Jeremias nennen, den Sohn Hilkias von Anathoth?

JEREMIAS:

Ich bin, den du suchst. Tu an mir nach deinem Geheiß.

(DER GESANDTE wirft sich seiner ganzen Länge nach vor Jeremias nieder und berührt dreimal mit seinem Haupte die Erde. Die beiden anderen tun desgleichen.)

(JEREMIAS tritt erschreckt einen Schritt zurück.)

DER GESANDTE (sich aufrichtend):

Gruß und Ehrfurcht dem Deuter der Zeichen! Ehre und Ruhm dem Verkünder des Geschehens, dem Erschauer des Verhüllten! (Er neigt sich wieder dreimal zur Erde, dann steht er auf, die beiden andern folgen seinem Gehaben.)

(JEREMIAS hat sich wieder gefaßt und sieht ihn finster an.)

DER GESANDTE:

Auftrag ist dir und Botschaft gesandt durch meinen knechtischen Mund von Nabukadnezar, meinem Herrn, dem König der Könige, dem Umpflüger des Lands. Also ergeht an dich das Wort des Gewaltigen. Gekündet ward Nabukadnezarn, daß du der einzige warst deines Volkes, der Untergang kündete den Empörern und Schande den Schwätzern. Wie Blei sind geschmolzen die Worte der Priester, die wider seine Stärke sprachen, aber das deine der Warnung ward bewähret wie Gold. Nabukadnezar hat deinen Ruhm vernommen, sein Ohr hat deinen Namen getrunken, und nun dürstet sein Auge, dich zu schauen.

JEREMIAS:

Mögen die Feinde meine Weisheit rühmen, ich fluche meinem Wort!

DER GESANDTE:

Also aber ergehet des Allkönigs Ruf an dich: „Ich habe geblendet, die verblendet waren. Ich habe die Kinnbacken gebrochen den Empörern und die Zunge ausgerissen denen, die sprachen wider mich. Aber die meine Macht ehrten, die will ich ehren, und Macht geben, die meine zu fürchten gewußt.“ Ein Gewand sendet er dir, wie es die Fürsten Chaldäas tragen, und du sollst der Oberste seiner Diener sein an seinem Tisch.

JEREMIAS:

Ich diene keinem mehr im Himmel und auf Erden, seit ich Gott gedient und müde ward an ihm. Ich weigere mich dem Dienst.

DER GESANDTE:

Falsch deutest du das Wort. Nicht zu geringem Dienste bist du begehrt, sondern über alle gestellt, die dem Könige dienen. Der Oberste sollst du seiner Magier werden, Schicksal sollst du ihm deuten und die Sterne zählen, die seine Jahre sind. Es soll keiner sein über dir, frei dein Ausgang und Eingang in seinem Palast.

JEREMIAS:

Ich höre dein Wort, ich höre des Königs Wort aus deinen Worten und wäge es flach in den Händen. Groß ist der Ruf, den Nabukadnezar mir sendet, doch größer des Volkes Not, dem ich zu eigen bin. Darum höre! Ich mag nicht eingehen in den Palast, des Stufen die Töchter meines Herren scheuern als Mägde. Ich mag nicht das Brot brechen bei Tische als jener Gesell, deren Hände den Vorhang von Gottes Verborgenheit rissen zu Zion. Ich mag Gunst nicht von dem Grausamen und die Gnade nicht von dem Gnadelosen, ich mag sie nicht.

DER GESANDTE:

Botschaft habe ich dir gebracht, du hast sie vernommen, und eines Königs Botschaft will Gehorsam.

JEREMIAS:

Klar ist deine Rede, klar sei auch die meine. Geh hin zu dem, von dem du gekommen, und sage ihm, wie ich dir sage: „Also spricht Jeremias zu Nabukadnezar. Meine Bitternis hat keine Süße für dich und meine Lippen keine Verheißung für deinen Stolz. Und wenn du riefest mit aller Engel Stimme, mein Herz wird dich nicht hören, und wägtest du alle Steine Jerusalems mir mit Gold, so spricht dir nicht zur Süße mein Mund. Ob du mich gleich ehrest, ich ehre dich nicht, und ob du mich suchest, ich will dich nicht finden.“

DER GESANDTE:

Besinne dich, der Könige König ist es, der dich vor sein Antlitz fordert!

JEREMIAS:

Ich weigere mich ihm! Ich weigere mich!

DER GESANDTE:

Noch nie ward Weigerung ihm geboten.

JEREMIAS:

Ich biete sie ihm, ich, der Letzte Israels. Wer ist er, daß ich ihn fürchten soll? Ein Strohhalm ist seine Macht und ein Windhauch sein Zorn.

DER GESANDTE:

Verwegener, wen lästerst du? Des Herren geheiligten Namen sprichst du liederlich aus. Hüte deine Zunge, hüte dein Leben!

JEREMIAS (entbrennend):

Wer ist er, daß ich ihn fürchten soll? Viele waren, die einst solch Stirnband trugen von Gold und sich Pharao nannten, und ist doch keiner mehr, der ihnen nachfragte und einen Stift faßt, ihr Gedächtnis zu schreiben in die Bücher der Zeit. Mächtigere waren denn er, und die Geschlechter der Erde vergaßen ihrer, ehe die Bäume morschten, die sie gepflanzt. Wer ist Nabukadnezar unter den Sternen, daß ich ihn fürchten soll? Ist er ein Menschwurm nicht und wartet nicht Tod hinter seinem Schlaf und Fäulnis in seinem Leibe? Ist er dem Wandel enteilt schon und dem Umschwung der Stunde? Meinst du, er halte schon, was er habe, und mag sich des Ausgangs berühmen inmitten des Wegs?

DER GESANDTE:

Ewig währet Nabukadnezars Macht, ewig hält er den Sieg.

JEREMIAS:

Hast du es gelesen im Buche des Schicksals, haben die Magier ihm die Siegel gelöst vom Zukünftigen und die Sterngucker es bedeutet? Weiß er seinen Ausgang schon, daß ihr ein Prahlen um ihn anhebt, und kennet er sein Los, daß er sich erfrechet? Ich aber, Jeremias, sage dir: gebrochen ist der Stab über Nabukadnezar und zerrissen das Kleid seiner Macht. Tief hat er Israel geknechtet, aber siebenmal tiefer wird er geknechtet werden. Schon keimet sein Sturz, und seine Stunde, sie ist nah, sie ist da, schon erstanden ist der Rächer für Israel, erstanden der Rächer für Jerusalem!

(DER GESANDTE schrickt zurück.)

DER ÄLTESTE (aus dem Dunkel ist plötzlich aufgestanden und schreit begeistert):

Erfülle, erfülle sein Wort! Erhöre es, Gott, erhöre es!

JEREMIAS (ganz in Glut):

Geh hin zum Könige, geh hin! Hat er doch gesendet um Botschaft und gefordert das Verhüllte, geh hin, geh hin, sage ihm Verkündigung, daß die Ohren ihm gellen, geh hin, du Gesandter, geh hin und sage, wie ich es ihm sage: „Weh dem Verstörer, denn er wird verstöret werden, und weh dem Räuber, denn er wird beraubet werden! Der Blut getrunken in Scheffeln, wird darin ersaufen; und der sich gemästet vom Fleische der Völker, bald wird er Fraß sein der Würmer! Horch! Ein scharfer Wind wacht auf wider Babel und ein Sturmwind gen Ninive! Gezählt sind die Tage Assurs und gezückt das Schwert – Schwert wider Babel, Schwert wider dich, Schwert über deine Männer, Schwert über Volk und Gefild! Gezückt, gezückt ist das Schwert, Blut will es trinken, es ist gezückt, es ist gezückt! Wisse es, du Neugieriger, erfahr es, du Vorwitziger, reif ist dein Assur zur Grube, voll sind die Kelter deiner Missetaten und die Kufen deines Frevels, Nabukadnezar.“

(DIE GESANDTEN haben sich scheu vor dem Ausbruch geflüchtet und halten die Hände abwehrend vor sich.)

DER ÄLTESTE (in Ekstase):

Erhöre ihn, Herr! Erhöre ihn! Mache wahr seine Rede, mache wahr seine Zunge! Sei du, der es sendet, sein Wort!

EINIGE DER FRAUEN UND MÄNNER (haben sich aus dem Dunkel gewagt und um ihn gesammelt. Flehentlich):

Erhöre ihn, erhöre ihn, Gott Zebaoth! Erhöre ihn!

JEREMIAS:

Schon ist er wach, der Rächer, er ist wach, denn der Herr des Tempels hat ihn erweckt und mit Stärke geschienet! Und er kommt, er naht, er ist da, gewaltig sind seine Fäuste, sie werden Babel zerdrücken wie ein Vogelnest und sein Volk jagen wie Spreu! Setze nur Wächter auf die Türme, daß sie warnen, rüste geharnischte Männer, daß sie ihm wehren, schärfe die Speere; doch so wenig du die Wolke kannst scheuchen am Himmel mit deinem Hauche, kannst du scheuchen seinen Sturm, denn als ein Rächer kommt er gefahren, und ein Segen ist auf seinem trunkenen Schwert.

DER ÄLTESTE (ekstatisch):

So lasse es geschehen, Gott! Lasse es geschehen!

DIE ANDERN (um ihn haben sich gesammelt, auch sie ergreift die Begeisterung):

Stürze nieder auf sie, wie er gesprochen ... erfülle, erfülle sein Wort ... oh, Verheißung ... sende den Rächer ... sende den Rächer ... fälle Babel, wie er gekündet ... erhöre ihn, Gott ... erhöre ihn ...

(DIE GESANDTEN weichen verstört zum Ausgange.)

JEREMIAS (in einem wilden Gemenge von Jubel und Ekstase):

Oh, du Irrwitziger der Irrwitzigen, hast du wahrhaft gemeint, uns zu knechten, hast du gemeint, Gott vergäße unser, Gott vergäße Jerusalem? Sind wir denn sein Kind nicht und seines Namens Vermächtnis, seine Erstgeburt und Erbe, ist sein Geist nicht auf uns und sein Segen auf Abrahams Scheitel? Er hat uns gezüchtigt in unsern Sünden, doch er wird unser sich erbarmen, er hat zerstört, doch er wird wieder aufbauen, er hat uns zerstreut, doch seine Liebe wird uns wieder sammeln, und wären wir zerstreut bis an die Enden der Erde. Was seine Linke genommen, wird die Rechte uns heimgeben tausendfach, denn, ihr Brüder, ihr Brüder, eher mögen Berge stürzen und aufwärts fließen die Flüsse und verdunkeln des Himmels Gezelt, als daß Gott vergäße seines Bundes, daß er vergäße Israel, daß er versäumte Jerusalem!

(DIE GESANDTEN sind mit ratlosen Gebärden entschwunden.)

DER ÄLTESTE UND DIE ANDERN (umdrängen Jeremias von nah und begleiten seine Rede mit hymnischem Zuruf):

Segen auf dein Wort ... Segen über dein Haupt ... Gott vergißt nicht Jerusalem ... Oh, Verkündigung, selige Botschaft ... Segen auf dein Wort ... Segen über dich!

JEREMIAS (immer jauchzender, ohne ihrer zu achten):

Oh, wie dunkel doch waren die Tage der Erde, da dräuend die Brauen Gottes sich ballten und sein Antlitz sich hüllte seinem Kindern! In Finsternis waren wir zergangen, schon meinten wir zu ersterben in den Kerkern der Ängste. Aber, meine Brüder, seines Ingrimms Ende war seiner Liebe Anfang schon. Ein Wetter ist er hingefahren über unsern Häupten und hat uns zerschlagen, wie Rohr brach er die Kraft unseres Leibes, aber neu glänzt bald die Sonne seiner Gnade. Er wirft die Blitze aus den Händen, er heißt seine Donner schweigen, und im sanften Säuseln klingt seine Stimme. Oh, sie klingt, sie hebt an, süß zu vernehmen über Länder und Meere, mildiglich hebt sie an, und sie wird sprechen zu ihrer Stunde:

Stehe auf, Jerusalem,
Stehe auf, du Gekränkte,
Und fürchte dich nicht,
Denn ich erbarmte mich dein.
Ich habe dir gezürnet
Und dich einen kleinen Augenblick verlassen,
Aber nicht immerdar will ich mit dir hadern,
Und ich zürne nicht ewiglich.
Und darum, daß du die Verlassene gewesen bist
Und die Verstoßene einen Tag,
Sollst du die Prächtige sein für und für
Und die Erhobene in aller Ewigkeit.
Ich will dich schmücken mit meiner Liebe
Und gürten mit meinem Frieden,
Mein Antlitz hat sich dir zugewendet,
Und mein Segen ist deinem Scheitel gesenkt.
So stehe auf, Jerusalem,
Stehe auf,
Denn ich hab dich erlöset!

DER ÄLTESTE:

Segen über dein Wort und Erfüllung!

DIE ANDERN:

Erhöre ihn, Gott ... tue nach seinen Worten ... erhöre uns ... erlöse Jerusalem ... erlöse Jerusalem ...

JEREMIAS:

Und siehe, sie ist aufgestanden, die Verstörte, da sie hörte den wonnigen Ruf, und es löset der Herr die Fesseln ihres Halses und das Joch ihrem Nacken. Er hebt auf die Geknickte von den Knien, er wischt ihr die Tränen von den Wangen, die Witwe und Waise erkürt er zur Braut. Und es lächelt die Gekränkte, es blüht die Verdorrte, es wird fruchtbar die Verschlossene und verlangt ihrer Söhne, daß sie möchten sie schauen in ihrem Glücke und frohlocken ihrer Erneuung. Aber schon haben Israels Kinder vernommen den Ruf des Herrn, und so weit sie verstoßen von den Enden der Erde und den Eilanden des Meeres, kommen sie heimgezogen gen Zion. Von Morgen und Mittag, von Abend und Mitternacht, selige Pilger kommen sie gezogen, über Gileads Gebirge eilen ihre Schritte, über Basan und Karmel ihre Ungeduld, daß sie schauen die Stadt unserer Liebe, die Stadt unseres Leidens, Zions heilige Burg. Und es glänzet Jerusalem, es jubelt Zions Tochter, da sie schauet ihre Kinder, zahllos gekommen aus den Kerkern der Verbannung, es blühet die Verdorrte, es glänzt die Verdunkelte, es jauchzt die Verstummte, auferstanden ist die Versargte, sie ist auferstanden! Und die Hügel winken ihr zu wie einst, und es schatten sie die Berge, und wie der Tau auf den Feldern, so glänzet der Friede über ihr, Friede des Herrn, Friede Israels, der Friede, Friede Jerusalems!

DIE ANDERN:

Oh, lasse es geschehen, wie er kündet, Herr ... tue also, wie er gesagt ... Friede über Israel ... lasse auferstehen Jerusalem ... laß uns auferstehen ... laß uns auferstehen ...

JEREMIAS:

Und des Tags, da wir wieder um Zion uns scharen,
Die wir so lange die klagenden Knechte
Im düsteren Zinshaus der Fremde waren,
Da werden wir gläubig zusammentreten,
Da werden wir sprechen, da werden wir beten:
„Gesegnet seist du, Herr Zebaoth,
Der du groß und gnädig an uns hast getan!
An den Wassern von Babel saßen wir bangend
Und brachen der Knechtschaft bitteres Brot,
Wir mengten mit Tränen den Wein in den Krügen,
Denn unsere Seele war heimverlangend
Und unsere Dienstschaft ein täglicher Tod.
Da riefen wir heiß, wir riefen aus Tiefen
Des brennenden Sehnens dich, Gütigen, an,
Wir riefen dich an, und es war nicht vergebens,
Denn du hast unsere Fesseln, die harten, gesprengt,
Mit dem Tau deiner Güte, mit den Wassern des Lebens
Den Brand unserer dürstigen Seelen getränkt,
Du hast unsere Hoffnung, die schon versiegte,
Mit dem heiligen Stab deines Namens berührt,
Du hast die Verirrten, du hast uns Besiegte
Aus der Tiefe geholt und uns heimgeführt.
Oh, seht
Es, ihr Berge, oh, seht es, ihr Lande,
Wir sind heimgekehrt, wir sind auferstanden!
Oh, beugt euch, ihr Berge, oh, beugt euch, ihr Hügel,
Oh, Ströme, rauscht auf in unser Gebet,
Umgrünt uns, ihr Felder, empfanget, ihr Gärten,
Mit Blütenfackeln die Heimgekehrten!
Bekränzt uns, ihr Wälder, mit jubelndem Ton,
Streu Rosen uns, Saron, zum andern Male,
Umschatte uns, Karmel und Libanon,
Wir sind heimgekehrt, wir sind heimgekehrt!
Und du,
Du selige Stadt, geliebt und verloren,
Im Wachen erträumt, in Träumen beschworen,
Du Braut unsrer Liebe, du Mutter uns allen,
Mit Zimbeln erfüll dich und Flötengetön,
Wach auf und laß deinen Jubel erschallen,
Denn heimgekehrt sind wir, Jerusalem!“

DIE ANDERN (ihn jauchzend umdrängend, zu seinen Füßen hinstürzend, seine Knie umfassend in wilder Hingerissenheit):

Heimgekehrt ... auferstanden ... oh, Verheißung ... Jerusalem ... Jerusalem ...

BARUCH (zu seinen Knien):

Oh, mein Meister, mein Lehrer, wie ist deine Lehre süß meinem Herzen, wie selig deine Erleuchtung!

DER ÄLTESTE:

Gebenedeit sei, wer die Verheißung bringt in den Stunden der Not. Segen über deine Tröstung! Erfüllung, oh, Erfüllung!

EINE FRAU:

Sein Antlitz seht, wie es leuchtet! Wie zwei Sterne glühn die Augen ihm auf und hellen den Raum.

EINE ANDERE:

Gottes Geist hat sich auf ihn gesenkt!

DER KRANKE:

Aufgerichtet hat mich sein Wort ... aufrecht bin ich ... ich lebe, ich lebe wieder ... oh, daß ich heimkehrte mit euch.

ZEFANJA:

Mein Herz ist erstanden und klingt dir zu, Jeremias.

JEREMIAS (ohne sie zu hören, ganz allmählich aus seiner Ekstase erwachend und erschreckt um sich blickend):

Wo sind sie hin, zu denen ich sprach? Wo sind sie hin?... Waren nicht Boten da des Königs Nabukadnezar? Habe ich geträumet ... mir dünkte, drei Männer kamen und redeten ... prächtig waren sie gewandet ... wo sind sie hin ...

DER ÄLTESTE:

Der Blitz deines Blickes hat sie gescheucht.

ANDERE:

Deine Worte haben sie gejagt ... wie ein Schwert fuhr dein Zorn über sie.

JEREMIAS (immer verwirrter):

Was habe ich gesagt? Ein Dunkles liegt um mich, und doch glänzt michs von innen an ... Was habe ich gesagt ... Oh, und warum, warum blickt ihr mit einmal auf zu mir wie die Durstigen ... was seid ihr geschart um mich ... es war doch Dunkel auf euren Stirnen, und nun glänzt ihr mich an mit den Blicken ... Was ist geschehen mit mir, was ist geschehen mit euch?

DER ÄLTESTE:

Du brennendes Herz der Herzen, in das Gott seine Flamme geworfen, von dir strahlt dieses Licht! Oh, welche Verheißung hast du uns gekündet, welche Verheißung!

EIN MANN:

Aufgetan hast du mir die Seele, du Guter!

EIN WEIB:

Mein Herz mir mit Manna gespeist.

STIMMEN:

Oh, wie süß waren deine Worte, du Lieber ... genesen sind wir an deiner Verheißung ... nun ist die Fremde nicht mehr Bitternis ... heimkehren werden wir, oh, seliges Wort ...

JEREMIAS (ergriffen):

Meine Brüder, meine Brüder, was ist mit mir geschehen? War nicht Groll zwischen uns und Fluch auf meinen Lippen, da ich redete zu euch? Ein Sturmwind hat mich gefaßt und getragen, wohin ich nicht weiß, und nun ich stürze, sehen eure Augen mich liebend an, ihr Brüder, eure Hand spüre ich an meinen Knien, und eure Seele zittert wie ein Falter mir zu! Was ist mir geschehen, was ist mir geschehen?

DER ÄLTESTE:

Oh, Jeremias, der du bitter warst unserer Freude, wie süß ist deine Rede nun unserm Leiden! Du hast uns getröstet, du hast uns erlöset wie keiner vordem!

EINER:

Aus der Nacht hast du meine Seele gehoben, beglückt hast du mich, Gebenedeiter!

EIN ANDERER:

Die Zweifel hast du gerodet aus meiner Brust und Gottes ewige Heimstatt bereitet.

EIN ANDERER:

Oh, du Tröster der Tröster! Möge nun Leid auf mich fallen, meine Seele wird ihm nicht mehr erliegen.

EINE FRAU:

Im Tode war mein Herz und ist auferstanden durch dich.

JEREMIAS:

Ihr Lieben, ihr Lieben, was ihr sprechet, ist es wahr? Von meiner Lippe, der fluchverbrannten, ist Tröstung gekommen, aus meiner Seele, der nächtigsten aller, ein liebendes Wort!

EIN WEIB:

Oh, wie es dir sagen? Meine Hände fühl an, die wie Früchte sich heben! Uns alle, uns alle sieh, du Gebenedeiter, Beseligte deines Worts!

DER KRANKE:

Seht her ... seht her ... ich schreite, ich gehe ... ich spüre die Qualen nicht mehr ... aus dem Tode hat dein Wort mich erweckt ... wie Elia ... ein Wunder hast du an mir getan.

DAS WEIB:

Seht ihn an ... er lag, vom Fieber zerfressen ... ich bezeuge es, ich bezeuge es ... ein Wunder hat er an ihm getan ...

STIMMEN (ekstatisch):

Ein Wunder ... ein Wunder wie Elia ... ein Wunder hat er getan ... Erweckung ... beugt euch dem Gottgesandten ... ein Wunder ... ein Wunder ... beugt euch vor ihm, dem Wundertäter!...

JEREMIAS (hat sich aufgerichtet vor ihnen, ganz leise):

Schweiget, ihr Brüder ... nicht rühmet mich ... beschämet mich nicht ... ich habe nicht Anteil daran. Wohl ist ein Wunder geschehen, doch nicht ich habe es vollbracht – an mir, ihr Brüder, ist es geschehen. Ihr Brüder, ihr Brüder, ich sage euch, ein Großes hat Gott in dieser Stunde an mir getan. Ich habe gefluchet meinem Gotte und ihn getötet in meiner Seele. Doch, meine Brüder, meine Brüder, ehe der Atem noch kalt war in meinem Munde, ist er mir auferstanden. Er riß mir das Herz aus dem Leibe, daß ich meinte zu vergehen vor seinem grimmigen Stoß, aber ein steinernes Herz war es, das er von mir riß, und ein fleischernes hat er mir nun eingetan, daß ich fühle alles Leiden und alles Leidens Sinn. Oh, ihr Brüder, ihr Brüder, schauet das Wunder, das an mir geschehen: ich habe Gott gefluchet, und er hat mich gesegnet, ich habe ihn geflohen, und er hat mich gefunden, ich wollte ihm entweichen, und er hat mich erreichet. Denn es ist kein Entweichen vor seiner Liebe und kein Obsiegen wider seine Kraft. Er hat mich besiegt, meine Brüder, und nichts ist süßer, als von ihm besiegt zu sein.

DER ÄLTESTE (ekstatisch):

Jeremias ... oh, Jeremias ... uns allen möge er tuen wie dir!

JEREMIAS:

Oh, daß ich so spät ihn erkannte, so spät euch fand, meine Brüder! Doch ich will nicht klagen mehr. Ich will nur mehr danken, ich will nicht fluchen mehr, ich will nur mehr segnen. Dunkel liegt vor uns die Stadt, dunkel unser Schicksal, aber, meine Brüder, vertrauen wir, denn wunderbar ist das Leben, heilig die irdische Erde. In Liebe will ich umfassen, die ich im Zorne getreten, und die ich bespien mit meinem Fluche, will ich tränken mit meinen Tränen. Nimm, Erde, du geschmähte, gütig meine demütigen Knie; nimm, Gott, du verkannter, gnädig mein gläubiges Wort!

(Er kniet nieder und spricht wie ein Gebet:)

Ich danke dir, Herr, daß du so lind mir begegnet,
Als ich mich wehrte und von dir gekehrt,
Ich hab dir geflucht, und du hast mich gesegnet,
So segn ich, solang mir mein Leben währt.
Ich segne dich, daß du das würzige Brot
Des Wortes in meine Lippen getan,
Damit ich dich preise in Leben und Tod,
Ich segne dich, daß du mir wecktest den Geist,
Der die Welten mit Liebe durchgütet und speist.
Ich segne dich, daß du so hart mich gefaßt
Und im Zorn vor dein Antlitz getrieben hast,
Und ich segne dich, Gottes Gabe, dich Leid,
Daß du läuternd die Seelen der Menschen durchdringst
Und flammend mit deiner Allfältigkeit
Ihre Einsamkeit einst, ihre Fremde bezwingst,
Und ich segne dich, Gott, der es im Sturm uns gesendet,
Der du mit Qualen beginnst und mit Seligkeit endest,
Der die Suchenden führt und die Fliehenden findet,
Dem jeder entweicht und dem sich keiner entwindet,
Der dem Niedersten sich als der Gnädigste gibt
Und den Sündigsten um seiner Sünden liebt,
Selig, der sich an dich verloren,
Selig, den du dir auserkoren,
Selig der Himmel, der dich rauschend umstellt,
Selig dein lauschender Spiegel, die Welt,
Selig die Sterne, die sie strahlend umschweben,
Selig der Tod und selig das Leben!

BARUCH (auf die Knie zu dem Knienden stürzend):

Jeremias, mein Meister, Jeremias! Nicht uns allein lasse leuchten dein Wort. Auf dem Markte harret das Volk, und sie vergehen in Ängsten, ihre Seele lischt in Zagen und Klagen. Sie wollen sterben und vergehen um Jerusalems willen. Meister, mein Meister, gib ihnen Leben, gib ihnen Gott zurück! Richte auf die Verzagten, und die Durstigen tränke mit den Wassern des Lebens!

DER ÄLTESTE:

Ja, richte auf der Wankenden Knie, belebe die zagenden Herzen! Gieß aus dein Wort über die Schmachtenden, gieß es aus!

STIMME:

Auf ... zu den Brüdern ... zu unsern Brüdern ... erwecke sie ... gib ihnen Trost, wie du uns gegeben ... gib Verkündigung ... gib Verheißung ...

JEREMIAS (sich aufrichtend):

Wohlan, meine Brüder, führet mich zu ihnen! Der Getröstete Gottes bin ich gewesen, nunab will ich ein Tröster sein! Laßt uns gehen, meine Brüder, vielleicht ist der Verworfene gewählet, laßt uns gehen zu den Brüdern, den verzagten, daß wir den Tempel in ihren Herzen aufrichten, daß wir ihnen bauen das ewige Jerusalem!

(JEREMIAS geht mit starken Schritten gegen den Ausgang.)

DIE ANDERN (umringen ihn jauchzend, einige eilen voraus, ihre Stimmen klingen ekstatisch durcheinander):

Jerusalem ... oh, das ewige Jerusalem ... Verkündigung ... Auf, Bauherr Gottes ... Ewig währet Jerusalem ...


DAS NEUNTE BILD
DER EWIGE WEG