B. 56. St. Sebastian an eine Säule gebunden.

Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde, gehört zu den sehr seltenen aber keinesweges schönen Curiositäten. Bei den besten Abdrücken, auch dem zu den Dürer’schen Geschenken gehörigen in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits geändert. Diese Platte hat übrigens weit schönere Abdrücke geliefert, als B. 55. Bei den besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und 14 Linien gefunden, einmal auch das spätere Wasserzeichen des Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.

B. 57. Der heilige Eustachius.

Dieser größte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Dürer’s trägt keine Jahrszahl. So geschätzt und gesucht derselbe ist, so gehört er doch nur in den alten, frischen und warmen Abdrücken zu den Seltenheiten. Diese sind fast ausschließlich auf Papier mit der hohen Krone, doch giebt es einzelne wenige Exemplare von schöner Schwärze, auf Papier mit dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schönen Abdruck mit dem Wasserzeichen des Kruges angetroffen.

Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an König Christian II von Dänemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.

Die späteren Abdrücke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu reichen scheinen, der die Platte vergolden ließ[12], findet man auf den verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13, der Thürme, Nr. 14, des Wappens von Nürnberg, Nr. 12, des Reichsadlers, Nr. 17, letzteres Papier kömmt am häufigsten vor und sind diese neueren Abdrücke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und der malerischen Wirkung, welche die älteren Abdrücke so vortheilhaft auszeichnen.

Die ungewöhnliche Größe dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schönsten Abzügen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze zeigen. — Einige alte Abdrücke von schöner Kraft kommen vor, bei denen die Druckerschwärze ungewöhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schöpfform, welche 15½ Linien von einander entfernt sind.

Bei der schönen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge hat Dürer eine flüchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt, welche, von ihm bezeichnet: »ein Welsch Schloß« und ohne Zweifel von seiner Italienischen Reise herrührend, bei Heller, pag. 127 unter Nr. 37, angeführt wird, und sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers befindet.

B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.

Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schönen Landschaft. Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit mit Marburg. Es ist nicht häufig, namentlich in schönen alten Abdrücken, deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13¾ Linien zwischen den Drathstrichen hat.

B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.

In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig die gelungenste von Dürer’s Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf uns gekommenen Abdrücke von voller Kraft und Klarheit haben ein Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schönsten Radirungen nicht übertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.

Von diesem köstlichen Blatte sind zwei Probedrücke erhalten, ehe Dürer das Monogramm nachgefügt hatte. Der eine davon ist in Wien in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British Museum, früher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und bestätigt meine in der Einleitung ausgesprochene Ansicht, daß Dürer um 1512 zu den größeren Blättern nicht mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. — Auch bei den besten der übrigen Abdrücke findet man Papier mit der hohen Krone. Die vollkommen schönen Abdrücke lassen sich zählen und sind doch nicht frei von fleckenartigen unklaren Stellen. — Der schönste von allen ist wohl der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathänden befindlichen, ist derjenige am berühmtesten, welcher die reiche und ausgewählte Dürer-Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. ziert. —

Spätere Abdrücke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier Thürme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung des Herrn Dr. Nagler[13]: daß in den späteren Abdrücken das Crucifix und die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es giebt ganz späte Abdrücke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber vollkommen deutlich ist.

B. 60. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1514.

Dieser Stich, von Dürer in seinem Tagebuche »Hieronymus im Gehaiß«, »der sitzende Hieronymus«, auch »St. Hieronymus in Kupffer« benannt, ist eines der verbreitetsten der größeren Blätter unsere Meisters und die sehr sorgfältig gearbeitete Platte hat eine große Menge Abdrücke gegeben. Die älteren davon sind sehr malerisch, zuweilen etwas voll in Farbe, wodurch indeß das schöne Helldunkel dieses Stiches gehoben wird. Die weit häufigeren späteren Abdrücke findet man oft noch recht klar und rein, jedoch die Wirkung der früheren keinesweges erreichend.

Der Masse der Papiers und der Entfernung seiner Drathstriche nach, sind die alten Drucke auf solchem mit dem Wasserzeichen der hohen Krone abgezogen; das Zeichen selbst habe ich indeß bis jetzt in keinem Abdruck auffinden können. Das Blatt ist aber geringer in Höhe, wie manche der anderen, und mag daher wohl das Wasserzeichen mit dem Papierrande weggefallen sein. Nur ein einziger, aber augenscheinlich späterer Abdruck ist mir mit dem Wasserzeichen des Kruges vorgekommen.

B. 61. Der büssende heilige Hieronymus.

Heller nimmt an, daß Dürer dieses schöne Blatt schon vor 1500 gestochen habe, doch möchte ich — obgleich dasselbe nicht ganz frei von der früheren conventionellen Behandlung des Erdbodens im Vorgrunde ist — wegen der Durchbildung der Landschaft der Meinung sein, daß es den ersten Jahren nach der Italienischen Reise angehören wird.

Die Platte ist übrigens in früheren Zeiten wenig abgedruckt. Exemplare auf Ochsenkopf- oder Kronenpapier habe ich nie angetroffen, nur ein Paar mit dem alten Papierzeichen des gothischen P. Dürer hat keine Abdrücke davon, zu Geschenken oder zum Verkauf, auf die Niederländische Reise mitgenommen, wenigstens geschieht dieses großen Blattes nirgends im Tagebuche Erwähnung, dagegen findet man die prachtvollsten Abdrücke auf den späteren Papieren mit den durch eine Mauer verbundenen Thürmen, Nr. 8, oder dem Reichsapfel mit Stern, Nr. 5. Selbst Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Augsburger Wappens, Nr. 18, sind noch recht schön.

Den älteren Sammlern scheint übrigens dieses Blatt für ihre Klebebücher zu hoch gewesen zu sein, wenigstens findet man mehrfach, auch in öffentlichen Sammlungen, Abdrücke, wo das weiße Papier oben bis an die Spitze der Tannenbäume 4 Linien breit abgeschnitten ist.

B. 62. Der kleine runde heilige Hieronymus.

Eines der seltensten Blättchen Dürers, mit vollem Recht zu den Introuvables gezählt. Bekannt sind mir davon nur 5 Abdrücke, in der Pariser Sammlung, in dem Museo zu Amsterdam, in den Sammlungen des Erzherzogs Albrecht in Wien, der Königin Marie in Dresden und der Kunsthalle zu Bremen, letzteres aus dem Dr. Klugkistschen Vermächtniß, früher in der Sammlung des Herzogs von Buckingham.

Die Abdrücke sind besonders schwarz, der in Bremen ist indeß etwas klarer. Die Behandlung des Grabstichels ist übrigens bei weitem nicht so einfach, rein und schön, als bei dem Degenknopf, dieselbe hat im Gegentheil etwas Rauhes und gleicht fast einem Holzschnitte. Auffallend ist auch die wunderbare Lage des Löwenschweifes.

Das Blättchen hat kein Monogramm und man kann sich, bei genauer Betrachtung des Zweifels nicht erwehren: ob dasselbe wirklich von Dürer gestochen sei? Der kleine heilige Hieronymus in Holzschnitt, B. 115, ist ohne Frage weit schöner.

Da diese wenigen erwähnten Abdrücke unterklebt oder fest aufgelegt sind, so habe ich über die Papiere derselben mir keine Aufklärung verschaffen können.

B. 63. Die heilige Genovefa.

Die Abdrücke von dieser Platte findet man sehr kräftig und schön, jedoch nur selten vollkommen klar und rein. Selbst die frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopfe sind zuweilen zu trocken oder zu fett in Farbe.

Andere Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen der großen Thürme unten mit einer Spitze, Nr. 14.

B. 64. Die heilige Veronica. 1510.

Dieses sehr schöne aber introuvable Blättchen habe ich nur zweimal in Händen gehabt, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und derjenigen der Königin Marie in Dresden, früher bei Verstolck, beide Exemplare fest aufgelegt.

Der Stich, mit der trockenen Nadel (geritzt) ist sehr leicht behandelt, die Hände sind wenig ausgebildet, aber außerordentlich schön ist das Antlitz des Christus. Quer über demselben bemerkt man auf den beiden bezeichneten Abdrücken zwei feine sich kreuzende Linien, Kritzeln in der Platte oder Ausgleitungen der Nadel.

Abweichend von den übrigen Kupferstichen Dürer’s ist auf diesem Blättchen die Zeichnung des Monogrammes und namentlich die Form des D, welcher fast viereckt erscheint, auch bei der Jahreszahl sind die ersten und die letzten zwei Zahlen ungewöhnlich weit von einander entfernt und befindet sich ein Punkt dazwischen, die 0 steht dagegen auffallend nahe an der 1, wie solches sonst bei unserm Meister nicht gebräuchlich ist. Auch die unter dem Schweißtuch hervortretenden Gewandfalten der Heiligen weichen von Dürer’s gewöhnlicher Weise ab, demungeachtet erscheint das Blättchen, welches in mancher Beziehung an eine ähnliche Darstellung des Martin Schön erinnert, entschieden als eine Arbeit von ihm und mag das Abweichende gegen andere Stiche dadurch sich erklären, daß dieses der erste Versuch mit der kalten Nadel war.

Durch die recht gute, wenn auch nicht in allen Theilen genaue Copie von Petrack ist dieser Stich, so wie die übrigen drei introuvablen Blätter Dürer’s, allgemeiner bekannt geworden.

B. 65. Das Urtheil des Paris.

Von diesem kleinen runden Blättchen habe ich nur einen Abdruck, und zwar in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien gesehen. — Er ist fest aufgelegt und in Beziehung auf das Papier daher nichts wahrzunehmen. Der Stich ist sehr leicht behandelt, macht aber doch den Eindruck, daß er von Dürer selbst herrührt, der Abdruck selbst ist nicht eigentlich frisch zu nennen.

Nach einer mir gewordenen Mittheilung des Herrn William Smith in London, ist neuerlichst ein Exemplar dieses Blättchens in das British Museum gekommen, es hatte sich in einer alten Englischen Sammlung befunden, und war vor etwa 40 Jahren dem früheren Besitzer von dem Vater des W. Smith für einen Shilling (10 Sgr.) verkauft.

B. 66. Die drei Genien.

Dieser Stich ist nicht häufig, in schönen Abdrücken aber wahrhaft reizend. Der prachtvollste Abdruck davon, aus der Sammlung des Herrn R. Fisher in London, war in der »Art treasures Exhibition« in Manchester ausgestellt.

Die alten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, schwächere auf einem sehr festen, stark gerippten Papier mit 13½ Linien Abstand der Drathstriche.

B. 67. Die Hexe.

Bei den vollkommen schönen Abdrücken, welche jedoch nicht oft vorkommen, hat das Papier den Ochsenkopf als Wasserzeichen, bei guten, aber weniger kräftigen findet man das feste anscheinend Kronen-Papier mit 13¾ Linien Entfernung zwischen den Drathstrichen.

B. 68. Apollo und Diana.

Es giebt außerordentlich schöne Abdrücke dieses Blattes auf Ochsenkopfpapier; merkwürdig ist die auch in den kräftigsten derselben sich findende kleine weiße Fehlstelle in den Schattenlagen der Backe des Apollo, dicht über der Schulter.

Nach den genauen Beziehungen dieses Stiches zu dem folgenden, wird er wohl nicht vor dem Jahre 1505 gearbeitet sein.

B. 69. Die Familie des Satyrs. 1505.

Dieses, in geringen Drucken ziemlich häufige Blatt ist in vollkommen schönen, außerordentlich selten, aber höchst reizend. Diese haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Ein schwarzer Punkt auf der linken Lende der Frau findet sich schon auf den frühesten Abdrücken, und muß daher von einer kleinen Fehlstelle in der Platte herrühren.

B. 70. Das Studium von fünf Figuren.

In klaren, ganz rostfreien Abdrücken ist diese Radirung, welche weder Monogramm noch Jahreszahl hat, nicht häufig. Sie kommen auf Papier mit 13 Linien Entfernung der Drathstriche und einem ungewöhnlichen Wasserzeichen vor, welches sich nicht wohl erkennen läßt. Sonst trifft man auch Papier mit dem Wasserzeichen der Thürme oder des gothischen P.

B. 71. Die Entführung der Amymone.

Dürer nennt dieses Blatt in seinem Tagebuche »ein Mehrwunder«, Vasari »una ninfa portata via da un mostro marino«, und Heller setzt den Stich in die Zeit vor 1500.

Ich glaube dagegen, daß solcher einer späteren Zeit angehört, mir scheint die ganze Behandlung dafür zu sprechen, auch habe ich nur einen Abzug auf Ochsenkopf-Papier, sehr wenige mit dem gothischen P gefunden. Die schönsten der alten Abzüge haben Papier mit der hohen Krone. Die Platte hat sich länger erhalten, denn es kommen spätere Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Kruges, auch des Reichsadlers vor.

B. 72. Die Entführung. 1516.

In den ersten reinen Abdrücken ist diese Radirung nicht häufig, man findet einige davon mit dem Wasserzeichen des Kruges, die späteren, schwärzeren, aber rußigen Drucke haben im Papier das Wappen der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15.

B. 73. Die Wirkung der Eifersucht.

Einer der bedeutendsten Kupferstiche unsers Meisters, von ihm in seinem Tagebuche »der Herculum« genannt, und in sehr schönen Abdrücken selten und kostbar, welcher indeß nicht, wie Heller glaubt, schon vor der Italienischen Reise gearbeitet sein dürfte. Die mir durch die Hände gegangenen alten Drucke, auch der außerordentlich schöne, von Dürer dem Könige Christian II verehrte, jetzt in Copenhagen, haben sämmtlich das Wasserzeichen der hohen Krone, bei schwächeren findet man den Krug im Papier.

In der Composition dieses Blattes hat Dürer übrigens manches der schönen alten, von mir bereits in der Einleitung erwähnten Zeichnung entlehnt, durch welche er das Meisterwerden erlangte.

Die Bedeutung dieses Gegenstandes ist sehr verschieden aufgefaßt, daher der Stich unter mancherlei Benennungen vorkommt; Vasari[14], nachdem er dieses Blatt als die äußerste Vollendung der Kupferstecher-Kunst bezeichnet hat, beschreibt es als Venus, welche eine Nymphe schlägt, die — um vertheidigt zu werden — sich einem Satyr in den Schoß gesetzt hat.

Er fügt hinzu: wie Dürer in diesem Blatte habe zeigen wollen, daß er das Nackte darzustellen wisse, und meint: daß er dieses vielleicht deshalb nicht habe besser machen können, weil er — wenn er Nacktes darzustellen gehabt habe — in Ermangelung anderer Gelegenheit, einige seiner Schüler nachgebildet habe, welche, wie meist die Deutschen, keine schönen nackten Körper gehabt hätten, obgleich man in Kleidern viele schöne Männer aus jenem Lande sähe.

Von diesem Blatte findet sich ein sehr merkwürdiger unvollendeter Probedruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; auf demselben ist der Satyr fast nur angeritzt, der Kopf der Nymphe und ihr Arm noch nicht ausgeführt, und der untere Theil der Landschaft mit dem Amor nur angelegt.

B. 74. Die Melancholie.

Dieses sehr beliebte, von Dürer mit ganz besonderer Sorgfalt behandelte Blatt, von welchem Vasari sagt: daß es alle die Gegenstände (gli istromenti) enthalte, welche jeden, der sie gebrauche, zur Melancholie brächten, zeichnet sich durch eine eigenthümliche Zartheit aus.

Die alten Abdrücke sind weniger kräftig und voll als diejenigen mancher früheren Stiche, haben dagegen durch eine feine, warme und harmonische Wirkung einen eigenen Reiz. Die späteren Drücke entbehren desselben, sind indeß oft noch klar und rein.

Das Papier der schönen Drücke ist dem des heiligen Hieronymus von demselben Jahre, B. 60, gleich; bei geringeren Drücken trifft man ein stark geripptes Papier mit 12¾ Linien Abstand der Drathstriche, bei den neueren das Wasserzeichen des Wappens von Schrobenhausen.

B. 75. Die vier nackten Frauen.

Die alten Abdrücke sind zum Theil sehr schwarz, und kommen auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes und dem der verbundenen Thürme mit 13 Linien Abstand der Drathstriche vor.

Die anfangs etwas rauhen Schattenlagen im Fleisch haben sich indeß bald abgenutzt, denn man findet schon auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, noch gute, aber weit weniger kräftige Abdrücke.

B. 76. Der Traum.

Nach Vasari’s Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schläft, mit Venus daneben, welche ihn im Traume in Versuchung führt, während Amor, auf zwei Stelzen steigend, sich vergnügt, und der Teufel mit einem Blasebalg jenem in’s Ohr bläst.

So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen schönen Abdrücke nur höchst sparsam. — Sie sind auf Papier mit den Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen P oder der hohen Krone, die späteren noch guten Abdrücke haben das Wasserzeichen des Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere Abdrücke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts, welche indeß matt und unbedeutend sind.

B. 77. Die Nemesis,
gewöhnlich, die große Fortuna genannt.

Daß dieses große Blatt dasjenige sei, welches Dürer in seinem Tagebuche wiederholt »eine Nemesin« nennt, glaube ich in dem Aufsatze des Naumann’schen Archives für die zeichnenden Künste, 2. Jahrgang, 1. Heft, genügend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Bestätigung dieser Ansicht ist mir seitdem durch eine Veröffentlichung des gelehrten Vorstandes des print-room im British Museum, Mr. W.H. Carpenter, im Athenäum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit denselben von mir geltend gemachten Gründen belegt, ausspricht.

Die alten kräftigen Drucke dieses schönen Stiches werden sehr gesucht. Die mir vorgekommenen waren sämmtlich auf Papier mit der hohen Krone, nur einzelne, nicht einmal besonders schöne Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier.

Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die kleinen Punkte an, welche links über den Wolken, in der Mitte des Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist indeß trügerisch, denn auch auf späteren schwächeren Drucken sind diese Punkte noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frühesten Abdrücke ist dagegen der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der Landschaft in der Mitte der Brücke, als Stütze derselben, in das Wasser geht, und bei den späteren Abdrücken kürzer wird, zuletzt nur als ein einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Stützen unter der Brücke starken Grat.

B. 78. Die kleine Fortuna.

Die schönen Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Das Blatt ist nicht selten, häufig sind die Abdrücke aber matt und unbedeutend, auch oft im Papier verschnitten.

B. 79. Die Gerechtigkeit,
von Heller und Nagler irrthümlich die Nemesis genannt.

Bei sehr schönen Abdrücken dieses, der Behandlung des Vordergrundes nach, unstreitig der zweiten Periode Dürer’s, nach der Italienischen Reise, angehörenden Blattes, findet man sowohl Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, wie mit dem der hohen Krone, doch sind solche, dann recht malerische Abdrücke selten. Der zu den Dürer’schen Geschenken gehörende Abdruck in Copenhagen hat den Ochsenkopf im Papier.

B. 80. Der kleine Courier.

Dieser Stich gehört zu den nicht häufigen; die schönen Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier, auch kommen welche mit dem Lilienwappen und Krone, Nr. 11, bei 11 Linien Entfernung der Drathstriche vor.

Bei geringeren Drucken findet man festes Papier mit 13¼ Linien Abstand der Drathstriche.

B. 81. Der grosse Courier.

Dieses, bereits in der Einleitung besprochene Blatt ohne Monogramm und Jahrszahl gehört bekanntlich zu den allergrößten Seltenheiten und fehlt sogar der reichen Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

Es sind nur zwei Abdrücke davon bekannt: der eine im Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden, der andere in der K.K. Bibliothek zu Wien. Dieser letztere ist nicht rein im Druck und namentlich die hintern Schenkel des Pferdes sind unklar. Der Abdruck in Dresden ist auf sehr festem Papier, welches nur 11 Linien Abstand der Drathstriche und ein nicht gebräuchliches, dem aus alten Bücherdrucken bekannten Cardinals-Hut einigermaßen ähnelndes Wasserzeichen hat. Die Platte hat unten stark abgerundete Ecken, welches bei Dürer etwas ganz ungewohntes ist, und der Stich erscheint im Vergleich mit den übrigen Arbeiten unsers Meisters als auffallend roh behandelt.

B. 82. Die Dame zu Pferde.

Ein nicht häufiges Blatt, von dem man indeß sehr schöne Abdrücke, sowohl auf Ochsenkopf-, wie auf Kronen-Papier findet; der mir zu Gesicht gekommene schönste, zu Dürer’s Geschenken in Copenhagen gehörig, hat kein Wasserzeichen.

B. 83. Der Bauer und seine Frau.

Die schönen Abdrücke sind auf denselben Papieren, wie das vorstehende Blatt.

B. 84. Die Wirthin und der Koch.

Heller setzt dieses Blättchen in die Zeit vor 1506, vergleicht man es aber mit anderen Stichen dieser Periode, namentlich B. 85 und 86, so wird man den wesentlichen Unterschied in der Behandlung, besonders auch des Vorgrundes nicht verkennen. Ich halte dasselbe daher entschieden für eine spätere Arbeit.

Neben vielen matten und abgenutzten Abdrücken findet man diesen Stich zuweilen auch sehr kräftig und schön, das Papier hat dann das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, selten das des gothischen P.

B. 85. Der Orientale und seine Frau.

Das Blatt ist in schönen Abdrücken selten, dann aber recht kräftig. Bei solchen trifft man das Papier mit dem Ochsenkopf.

B. 86. Die drei Bauern.

In den alten warmen Abdrücken auf Ochsenkopf-Papier ist dieses Blättchen von recht malerischer Wirkung.

Die Kupferplatte davon ist noch vorhanden und kam im Jahre 1856 in Frankfurt a.M. zum Vorschein, wurde aber, ehe die dortigen Dürer-Sammler Kenntniß davon erhielten, nach Rußland verkauft.

B. 87. Der Fahnen-Träger.

Diesen lieblichen Kupferstich, welcher allerdings in dem Vorgrunde noch Spuren der älteren conventionellen Darstellungsweise hat, halte ich — abweichend von Heller — für eine Arbeit nach der italienischen Reise, besonders wegen der Behandlung des Wassers und der sorgfältigen Ausführung der Federn.

Recht schöne Abdrücke, bei denen ich nur Papier mit einem Stückchen des Ochsenkopfes gefunden habe, sind von hervorstechender Wirkung.

B. 88. Die Versammlung der Kriegsleute.

Ein überall nicht häufiges, in vollkommen schönen Abdrücken aber ausserordentlich seltnes Blatt, welches zu den ältesten Stichen Dürer’s gehört. Man erkennt dieses vorzüglich an der Form des Monogramms und an der eigenthümlichen Behandlungsweise des Gebüsches in der Landschaft.

Die in neuerer Zeit an der Aechtheit dieses Stiches erhobenen Zweifel halte ich für völlig unbegründet und möchte dabei nur auf die Blätter B. 82, 83, 85, selbst 86 und 87 verweisen, wo man, freilich bei verschiedenartiger Stichweise, denselben Meister erkennt. Die schönen Abdrücke haben gewöhnlich das Papier mit dem Ochsenkopf oder dem gothischen P.

B. 89. Der Marktbauer. 1519.

Dieses in Dürer’s Tagebuch »der neue Bauer« benannte Blatt findet man fast nie in Abdrücken von recht voller Farbe. Es kömmt ziemlich häufig vor, doch giebt es alte frische Abdrücke wenig. Diese haben anscheinend Kronen-Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Bei weniger frischen, späteren Drücken trifft man das Papier mit einem Abstand von nur 13½ Linien.

B. 90. Der Bauerntanz. 1514.

In schönen Abdrücken selten. Das Papier derselben ist fest und hat 12¾ auch 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Die Platte muß sich lange erhalten haben, denn man findet einzelne ganz schlechte Abdrücke davon.

B. 91. Der Dudelsack-Pfeifer. 1514.

Die alten recht kräftigen Abdrücke sind nicht häufig, ein Wasserzeichen habe ich in den Papieren derselben nicht wahrnehmen können, die Entfernung der Drathstriche betrug 14 auch 13¼ Linien.

B. 92. Der Gewaltthätige.

Dieser frühe Stich gehört zu den seltenen, und die Platte scheint in späterer Zeit nicht wieder abgedruckt zu sein, wenigstens sind mir abgenutzte und schwache Drucke davon nicht vorgekommen. Die alten Drucke sind besonders schwarz in Farbe, haben Platten-Grat und gewöhnlich Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich einen auch auf Kronen-Papier angetroffen.

B. 93. Der Liebes-Antrag.

Die alten Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfs, mit Doppelstrich, Kreuz und Blume darüber, Nr. 2, sind sehr schwarz, manchmal in den tiefen Schatten unklar. Die etwas späteren Abdrücke auf Papier mit dem gothischen P, dessen Drathstriche sehr weit, fast 17 Linien von einander abstehen, oder mit der hohen Krone, sind dem Auge wohlthuender.

B. 94. Der Herr und die Dame oder der Spaziergang.

Durch den sorgfältigen Nachstich Marc Antons von der Gegenseite ist dieses Blatt doppelt interessant, es gehört aber bei aller darauf verwandten Kunstfertigkeit doch ohne Zweifel zu den früheren Arbeiten Dürer’s.

Die Platte, wovon die schönen Abdrücke Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone haben, ist auch noch in späterer Zeit abgedruckt, denn man trifft Abzüge mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes.

B. 95. Das monströse Schwein.

Ich habe in Uebereinstimmung mit Heller dieses Blatt unter die Arbeiten der ersten Periode Dürer’s aufgenommen, und bin dazu veranlaßt theils durch die Anführung: daß nach einer alten geschriebenen Chronik eine solche Mißgeburt im Jahre 1496 in der Nähe von Nürnberg gefallen sei, theils auch durch die eigenthümliche Behandlung des Erdreichs im Vorgrunde, welche für die Stiche dieser ersten Periode besonders bezeichnend ist. Sonst würde die sorgfältige Ausbildung der Architektur in der Landschaft und die Form des Monogramms auf eine spätere Zeit schließen lassen. Zum Abdruck muß die Platte jedenfalls erst in späteren Jahren gekommen sein, denn ich habe bei den alten schönen Abdrücken nur einmal Ochsenkopf-Papier, sonst immer das Wasserzeichen der hohen Krone gefunden.

Die Platte ist späterhin aufgestochen.

B. 96. Das kleine Pferd. 1505.

Dieser Stich gehört zu denjenigen, welche man verhältnißmäßig häufig in schönen Abdrücken findet und es scheint, daß derselbe früher nicht besonders berücksichtigt ist. Die mir vorgekommenen alten Abdrücke waren sämmtlich auf Papier mit dem Ochsenkopf nur ein einziger hatte die hohe Krone.

B. 97. Das grosse Pferd. 1505.

Die Abdrücke dieser Platte sind bedeutend seltener als diejenigen der vorhergehenden. Die schönen Exemplare, zuweilen wahrhaft prachtvoll, haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes.

Dieses Blatt gehört übrigens nicht zu denjenigen, deren Dürer in seinem Tagebuche der Reise nach den Niederlanden Erwähnung thut.

B. 98. Der Ritter mit Tod und Teufel. 1513.
von Dürer »ein Reuther« genannt.

Es ist dieser einer der schönsten, vollendetsten und beliebtesten Stiche unsers Meisters, welcher von ihm auf seiner Niederländischen Reise auch zu Geschenken verwandt wurde und in ausgezeichneten Abdrücken, mit am theuersten bezahlt wird. —

Die alten Abdrücke kommen auf demselben Papier vor, welches Dürer zu dem heiligen Hieronymus, B. 60, und der Melancholie, B. 74, gebrauchte. Bei dem Abdruck der Ackermann’schen Sammlung mit breitem Papierrand, welcher indeß nicht zu den Kräftigen gehörte, hatte das Papier das Wasserzeichen des Kruges.

B. 99. Die Kanone. 1518.

Diese Radirung ist in neuen Abdrücken mit Rostflecken häufig, in vollkommen reinen alten Drucken jedoch selten. Die frischesten haben das Wasserzeichen der hohen Krone, doch giebt es noch sehr gute mit dem Wasserzeichen der Thürme, Nr. 9.

B. 100. Das Wappen mit dem Hahn.

Wegen der wundervollen Verzierung des Helms gehört dieser Stich mit zu den vortrefflichsten Arbeiten Dürer’s. Die Abdrücke sind häufig schön, zuweilen ganz ausgezeichnet. Der vorzüglichste, welcher mir zu Gesicht gekommen, in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, hat das Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 8, die übrigen schönen Abdrücke haben das Wasserzeichen der hohen Krone, die geringeren ein festes Papier mit nicht kenntlichem Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13¾ Linien von einander entfernt sind, auch wohl das Wasserzeichen Nr. 43. —

B. 101. Das Wappen mit dem Todtenkopf. 1503.

Einer der ältesten, mit der Jahreszahl versehenen Dürer’schen Kupferstiche, von dem ein schöner Abdruck jeder Sammlung zu besonderer Zierde gereicht. Unser Meister erwähnt dieses großen zu den »ganz Pögen« gehörenden Blattes in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise nicht, doch befindet sich in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen ein Abdruck von einer solchen Kraft, Schönheit und frischen Erhaltung, daß er ohne Zweifel mit zu den Geschenken gehört, welche Dürer dem Könige von Dänemark, Christian II., in Antwerpen verehrt hat. Dieser ist auf einem sehr festen Papier ohne Wasserzeichen mit ungleicher Entfernung der Drathstriche zu 11 und 13¾ Linien. Einige wenige schöne Abdrücke kenne ich auf Papier mit dem Ochsenkopf, der hohen Krone oder der Thürme mit Mauer; die Mehrzahl derselben haben das Wasserzeichen des Kruges, woraus hervorgeht, daß diese Platte noch in der letzten Lebensperiode Dürer’s oder nach seinem Tode zum Abdruck gekommen ist.

B. 102. Albrecht von Mainz, von vorn gesehen. 1519.

Dieses, gewöhnlich »der kleine Cardinal« genannte, sehr seltene Brustbild kommt im ersten Etat ohne Text auf der Rückseite, zuweilen in sehr schönen Abdrücken vor.

Sie haben Papier mit dem Wasserzeichen des kleinen Reichsapfels, Nr. 5, und eine Entfernung zwischen den Drathstrichen von 13½ Linien.

Die Abdrücke des zweiten Etats, auf deren Rückseite sich der Titel des eminent seltenen Buches

VOrtzeichnus und |zeeigung des Hochlob | wirdigen heiligthumbs | der Stifftkirchen der heiligen | Sanct Moritz und Ma- | rien Magdalenen zu Halle |

befindet[15], sind im Jahre 1520 mit geringer Sorgfalt genommen und stehen an Kraft und Klarheit gegen den ersten Etat sehr zurück.

Das dazu gebrauchte Papier hat das Wasserzeichen eines größeren Reichsapfels mit 5strahligem Stern, dessen Drathstriche indeß nur 11½ Linien Abstand haben und welches in Feinheit der Masse und Festigkeit dem Papiere des ersten Etats sehr nachsteht.

B. 103. Albrecht von Mainz im Profil. 1523.

Aus dem noch erhaltenen Briefe an den Cardinal Albrecht, Erzbischof von Mainz, vom Freitag nach Aegidii (13. September) 1523[16], wissen wir, daß Dürer die Platte des bezeichneten Portraits nebst 500 Abdrücken schon »vor längerer Zeit« dem Cardinal übersandt hatte.

Aus dem dadurch erwiesenen gleichzeitigen Abdruck einer so bedeutenden Zahl von Blättern erklärt sich die große Gleichmäßigkeit der guten Exemplare, welche man in den Sammlungen findet. Sie sind nur in so fern von einander verschieden, als die besseren Abdrücke Plattengrat und eine wärmere harmonische Färbung haben. Das Papier ist auch das gleiche, mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.

Die sehr wenigen besonders kräftigen Abdrücke, wie diejenigen in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden und dem Print-room des British Museum, scheinen ganz erste von Dürer zurückbehaltene Probedrücke zu sein, denn diejenigen, zweifellos von den erwähnten 500 Abdrücken herrührenden, welche man in einzelnen kostbaren Büchern aus dem früheren Besitz dieses kunstliebenden Kirchenfürsten als Bibliothekzeichen eingeklebt findet, wie z.B. in dem schönen Missale mit Miniaturen des Glockendom in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, sind durchaus nicht besser wie die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke. —

Einige wenige gute Abdrücke kommen auch auf Atlas vor.[17]

Die Platte ist späterhin aufgestochen und man findet in dem Dürer-Werke der Kaiserlichen Bibliothek in Wien ein Exemplar beider Gattungen zur Vergleichung neben einander. Der retouchirte Abdruck unterscheidet sich vorzüglich dadurch, daß den Contouren des Mundes und des Kinnes die Barbe fehlt, auch sind in demselben die Nähte des Kleides besonders markirt und die Unterschrift ist merklich unreiner.

B. 104. Friedrich, Churfürst von Sachsen. 1526.

Dieses schöne Bildniß kömmt zuweilen, doch nicht sehr häufig in ganz besonders kräftigen Abdrücken vor, das Papier hat das Wasserzeichen des Kruges und 13¼ Linien Abstand der Drathstriche. — Die Platte muß späterhin nach Holland gekommen sein, denn in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in München befindet sich ein Abdruck auf Schellenkappen-Papier; er ist indeß matt und das Monogramm sehr verwischt.

B. 105. Philipp Melanchthon. 1526.

Die schönen Abdrücke haben dasselbe Papier als das vorstehende Blatt, doch ist dieses seltener als jenes.

B. 106. Bilibald Pirkheymer. 1524.

Keins der Dürer’schen Bildnisse ist so allgemein verbreitet, als dieses, seines gelehrten und treuesten Freundes. Die Abdrücke kommen daher in den verschiedensten Zuständen und auf den mannigfaltigsten Papieren vor. Die ältesten haben das Wasserzeichen des Kruges oder der kleinen hohen Krone Nr. 36. In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in München habe ich ausnahmsweise einen Abdruck auf Ochsenkopf-Papier gefunden, sie sind kräftig, aber nicht sehr fett in Farbe. Es giebt noch ziemlich gute Abdrücke auf einem Papiere, dessen Wasserzeichen unter einem dem Nürnberger ähnlichen Wappen, einen Mohrenkopf hat, Nr. 16, oder auf einem festen Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.

Die neueren schwärzeren Abdrücke sind von der späterhin aufgestochenen Platte, von der man in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien ebenfalls einen Abdruck zur Vergleichung neben einem des ersten Etats sieht. Sie unterscheiden sich durch eine gewisse Rauheit in den Haaren und den Buchstaben der Unterschrift, auch ist die Halskrause stärker markirt.

B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.

Dieses Bildniß ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur höchst wenige sehr schöne und kräftige Abdrücke. Die beiden vorzüglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder häufiger eines gekrönten Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas abweichender Form zwar schon bei Abdrücken der ältesten Kupferstiche vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen Kupferstichen Dürer’s, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.

Spätere Abdrücke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Sie wird gegenwärtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses Friedensstein in Gotha aufbewahrt.

Die Abdrücke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen, sind zuweilen noch schön, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden Thürme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines großen geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden, immer noch gut zu nennen, halten indeß den Vergleich mit den älteren Abdrücken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von 13 Linien, ist aber dadurch merkwürdig, daß der berühmte Astronom Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im Jahre 1520 gegenwärtig gewesen sei, als Dürer den Erasmus für diesen Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand, gezeichnet habe.

B. 108. Joachim Patenier.

Dieses seltene Portrait übergehe ich als eines anerkannt nicht von Dürer herrührenden Stiches, und bemerke nur, daß sich in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg eine sehr schöne Federzeichnung Dürer’s vom Jahre 1520 befindet, welche auf der Rückseite mit dem Namen Patenier bezeichnet, wohl diesem Stich zur Grundlage gedient haben möchte, obgleich sie in einzelnen Theilen von demselben abweicht.


Schließlich habe ich noch einer unvollendeten Platte, Christus am Kreuze darstellend, zu erwähnen, welche auf Grund der Anführung Sandrarts: daß Dürer eine solche nachgelassen habe, unserm Meister zugeschrieben wird und von der einzelne Originaldrücke, mit und ohne Monogramm, sowie mehrere ältere und neuere Copien vorhanden sind. —

Obgleich dieses Blatt in einer alten, wahrscheinlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts geschriebenen, aus der Familie Scheurl in Nürnberg herstammenden, »Specification deß gantz Dürerisch Trukhs«[18] mit aufgeführt steht, so wage ich es doch, in Beziehung auf dasselbe, den Ansichten mehrerer mit Recht angesehener Kunst-Autoritäten entgegen zu treten, namentlich der Meinung, welche Herr Dr. Nagler auf pag. 161 seiner Monogrammisten darüber ausgesprochen hat, indem ich entschieden behaupten zu dürfen glaube, daß diese Anlage eines Kupferstiches nicht von Albrecht Dürer herrühren könne.

Meine Gründe dafür sind folgende:

1) Alle Darstellungen des gekreuzigten Heilandes von A. Dürer, sowohl in Gemälden, Kupferstichen, Holzschnitten, als auf zahlreichen Zeichnungen und Entwürfen, sind in der Beziehung vollkommen übereinstimmend, daß der Körper an einem Kreuze von rohem, nur theilweise behauenem Holze, mit der ganzen Schwere an den durchbohrten Händen und ausgestreckten Armen hängt, und nur durch den einen größeren Nagel, welcher beide übereinander gelegte Füße durchbohrt, einigermaßen unterstützt wird. Auf der fraglichen Anlage steht aber der Körper ganz ruhig auf einer an dem Stamm eines ganz platt gezimmerten Kreuzes angebrachten Platte, beide Füße sind nebeneinander von zwei Nägeln durchbohrt, die Arme, ausser den Nägeln, welche durch die Hände gehen, noch mit Stricken befestigt.

Eine solche Darstellungsweise der Kreuzigung war bei den ältesten Italienischen Malern gebräuchlich, ist aber von Dürer nie zur Anwendung gekommen.

Interessant in dieser Beziehung sind drei vortreffliche zu einander gehörende Zeichnungen Dürer’s, vom Jahre 1505 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht. Sie stellen die Kreuzigung Christi und der beiden Schacher dar. Die Arme der Schacher sind — wie eine schimpflichere Todesart — mit Stricken an das Kreuz gebunden, dagegen Christus nur mit Nägeln durchbohrt auf die vorher beschriebene Weise dargestellt ist.

2) Auf dem Stich ist die rechte Hand des Heilandes ausgestreckt, welche Dürer stets mit krampfhaft zusammen gedrückten Fingern darstellt.

3) Dürer giebt seinem Christus eine breite, doppelt geflochtene Dornenkrone, und die Augenhöhlen haben im Ausdruck des tiefen Schmerzes, mit den äußeren Winkeln eine Biegung nach unten. Auf der Anlage ist die Dornenkrone nur einfach geflochten und die äußeren Winkel der Augenhöhlen haben eine Richtung nach oben, wie denn der Ausdruck des Gesichts, ganz der Dürer’schen Darstellungsweise des schmerzlichen Leidens entgegen, etwas triumphirendes hat.

4) Die reiche Architektur des Hintergrundes weicht, sowohl in der hohen Thurmspitze links, als in den hohen Burgthürmen rechts, wesentlich von allen ähnlichen Darstellungen Dürer’s ab. Endlich

5) sind die Umrisse dieser Anlage weder so sicher noch so zart, wie wir sie auf den vorhandenen, unvollendeten Probedrücken der Dürer’schen Platten B. Nr. 1 und 73 bewundern. —

Die Annahme des Herrn Dr. Nagler, daß Dürer in dem aufblickenden Johannes dieses Stiches den Dr. Martin Luther habe darstellen wollen, dürfte — wenigstens durch die als Beweis angeführte herrliche Zeichnung vom Jahre 1523 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien — keine Bestätigung finden.

Die fragliche Figur des Stiches weicht wesentlich von jener Zeichnung ab, und nur das Gesicht hat eine entfernte Aehnlichkeit damit. Beide Köpfe aber, sowohl der der Zeichnung wie der der Anlage, sind sehr verschieden von dem Portrait des Dr. Martin Luther, welches Dürer auf der ihm zu Ehren im Jahre 1526 geschnittenen Medaille dargestellt hat.[19]

Mit meinen Zweifeln an Dürer’s Betheiligung bei dem fraglichen Stiche stehe ich übrigens nicht allein, sie werden unter andern auch von dem gelehrten Vorstande des Print-room im British Museum getheilt, woselbst sich zwei Abdrücke mit und ohne Monogramm befinden. Diese, wie mehre andere mir vorgekommene Abdrücke waren aufgelegt und ich konnte das Papier nicht genau untersuchen; der Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M., früher bei Verstolck, ist indeß auf Papier, welches mir nicht altdeutsch zu sein scheint, wenigstens habe ich das kleine ungewöhnliche Wasserzeichen desselben bei keinem Dürer’schen Blatte angetroffen.

Ein anderer sehr frischer Abdruck vor dem Monogramm, im Besitz des Herrn Geh. Oberfinanzrath Sotzmann in Berlin, ist aber auf entschieden Holländischem Papier, welches das Wasserzeichen des großen Wappen von Amsterdam und knapp 11 Linien Abstand der Drathstriche hat, wie solches im 17. Jahrhundert bei den Zeichnungen und Radirungen Holländischer Meister häufig vorkommt. — Auch hierdurch dürften die gehegten Zweifel bedeutend verstärkt werden.

Abschnitt II.
Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s.


Einleitung.

Ich bekenne mich, ungeachtet der vielfach dagegen erhobenen Zweifel, zu der Ansicht, daß Albrecht Dürer selbst den Holzschnitt ausgeübt hat, wenngleich viele Holzschnitte mit seinem Zeichen vorhanden sind, bei denen er das Messer nicht geführt, manche, bei denen er nicht einmal die Zeichnung auf den Holzstock selbst gemacht haben wird.

Bei der großen Gewandheit, welche Dürer in allen Kunstfertigkeiten besaß, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, müßte es unbegreiflich sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte, zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, näher nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und Drucker zugleich vorkommen. —

Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], daß »Meister Sebald Rädleinmacher bei dem Sonnenbade« und »Hanns Franck in der Fröschau« ihm die Stöcke zurichteten. —

Namentlich in der früheren Zeit möchte unser Meister auch vergeblich Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit der Freiheit und Großartigkeit hätten arbeiten können, wie wir sie in der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der Offenbarung Johannis bewundern. — Wie gering die Zahl der Formschneider in Nürnberg bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den verdienstlichen »Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs, von J. Baader, Nördlingen 1860,« hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier Formschneider als Meister und Bürger aufgenommen, sowie bei dem Magistrat beeidigt waren.

Späterhin hatte sich dieses allerdings sehr geändert, geschickte Formschneider, die nur als solche ihre Kunst übten, waren, auch in Nürnberg, nicht selten und wie erweislich die späteren großen Holzschnittwerke, welche Dürer für den Kaiser Maximilian zu arbeiten hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten sind, so ist auch in frühern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten, namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafür anführt: daß unser Meister überall nicht den Formschnitt geübt habe, beweist nur, daß die Stöcke seiner vorhin erwähnten späteren Werke, namentlich nach 1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres Meisters beschäftigt hat. —

Bei den Holzschnitten findet übrigens, in Beziehung auf die Güte der Abdrücke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen, und es tritt häufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: daß diejenigen Abdrücke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger kräftig scheinenden.

Viele Holzstöcke Dürer’s haben sich lange in verhältnißmäßig gutem Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die Gefahr, durch neuere Abdrücke getäuscht zu werden, ist daher bei Holzschnittblättern weit größer als bei Kupferstichen.

Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr wesentliche Hülfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der Regel größeren Format der Blätter die Wasserzeichen weit häufiger sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen, Bleichen und Pressen so mißhandelt ist, wie man es nur zu häufig bei den Stichen findet.


Die Papiere, welche Dürer zu den Abdrücken seiner Holzschnitte gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie — den Wasserzeichen nach — theilweise wenigstens aus denselben Papiermühlen herrühren.

Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten, welche Text auf der Rückseite haben, die stärksten bei den drei großen Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der großen Passion. —

Die von unserm Meister erweislich während seines Lebens zu Holzschnitten gebrauchten Papiere haben die folgenden, möglichst chronologisch geordneten Wasserzeichen:

1) Den Ochsenkopf mit einfachem Strich und Blume,

2) Denselben mit doppeltem Strich und Blume darüber,

3) Die hohe Krone mit 5 Perlen im Stirnbande und einem Kreuz auf dem Bügel,

4) Eine Wage im Kreise,

5) Zwei verbundene Thürme mit Zinnen,

6) Einen Reichsapfel mit 5strahligem Stern,

7) Eine Urne,

8) Eine Hand mit Blume,

9) Einen Thurm mit einer Krone darüber,

10) Eine sechsblättrige Blume, mit Strich und einem Dreieck darunter,

11) Einen Anker,

12) Denselben im Kreise,

13) Den Ochsenkopf mit einem Schlangenstabe darüber,

14) Einen Dreizack,

15) Einen Krug mit Henkel,

16) Ein Oval mit Stern,

17) Einen stehenden Hund,

18) Eine kleine hohe Krone,

19) Einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz darüber,

20) Ein verziertes gothisches P,

21) Ein doppeltes römisches A mit Kreuzstrich darüber.

ad 1. Das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit einfachem Strich und einer fünfblättrigen Blume darüber; Strich und dreieckiger Spitze darunter, Nr. 19, wie solches in den Papieren der schönsten Abdrücke Dürer’scher Kupferstiche so häufig vorkommt, ist bei den Holzschnitten selten. Ich habe es nur bei einzelnen Probedrücken vom Leben der Maria, der Apocalypse und der großen Passion angetroffen. Das Papier ist fast von derselben Feinheit wie bei den Kupferstichen und die Drathstriche sind 13½ bis 13¾ Linien von einander entfernt.

ad 2. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem auf einem doppelten Strich ein Kreuz und darüber eine Blume, auch wohl letztere ohne das Kreuz, sichtbar sind, Nr. 20 und 20a, ist ebenfalls selten. Es findet sich bei Probedrücken von der kleinen Passion, bei ersten Drücken von Holzschnitten vom Jahre 1510, auch bei Probedrücken vom Leben der Jungfrau, namentlich B. Nr. 76, 93 und 94. —

Das Papier ist ebenfalls von einer feinen Masse und die Drathstriche haben eine Entfernung von 13¾ bis 14 Linien.

ad 3. Die hohe Krone, wie solche unter Nr. 21 abgebildet ist, kommt wie bei den großen Kupferstichen Dürer’s, so auch bei den schönen alten Abdrücken seiner Holzschnitte am häufigsten vor und ist stets ein sicheres Unterscheidungszeichen derselben von neueren Drücken.

Unser Meister verwandte dasselbe nicht nur zu vielen der ersten Abdrücke des »Lebens der Jungfrau« und der »kleinen Passion«, sondern auch zu der Ausgabe der letzteren mit Text, wie zu anderen nicht zu großen Holzschnitten.

Die Entfernung der Drathstriche ist bei den zu Holzschnitten verwendeten Papieren mit diesem Wasserzeichen, wie bei den feineren zu den Kupferstichen gebrauchten Sorten, nicht gleich, sie wechselt zwischen 12½ bis 15½ Linien.

Papier mit diesem Wasserzeichen, jedoch in etwas veränderter Form, auch wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, findet man noch, auf einzelnen Bogen der ersten Ausgabe von Dürer’s »Underweysung der meßung, mit dem Zirckel vn̄ richtscheyt etc.«, vom Jahre 1525; es hat hier eine Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien.

ad 4. Die Waage im Kreise, Nr. 22 oder 22a trifft man bei einem Papiere von schöner weißer Masse, dessen Drathstriche einen Abstand von 13¾ bis 14¼ Linien haben. Das Papier kommt nicht häufig vor, man findet es jedoch namentlich bei ersten Drucken aus dem Leben der Jungfrau.

ad 5. Zwei durch eine Mauer verbundene Thürme mit Zinnen, unten mit einer Spitze, Nr. 23, findet man nur selten um das Jahr 1511 — mit einer Entfernung der Drathstriche im Papier von 12¾ Linien.

ad 6. Ein Reichsapfel mit Strich und fünfstrahligem Stern, Nr. 24 oder 24a, befindet sich in einem Papiere von fester Masse. Dürer hat ein großes Format desselben, in welchem das Wasserzeichen Nr 24 ist, und dessen Drathlinien 15, sogar 16½ Linien Abstand haben, zu den ersten Drucken der großen Passion und zu den Probedrücken der Apocalypse, vor dem Text von 1511 verwandt; also um das Jahr 1510, ebenso zu den etwa gleichzeitigen großen Holzschnitten B. Nr. 102, 117, 120, 128 und 131. —

ad 7. Die Urne, Nr. 25 oder 25a, trifft man bei den zweiten Drucken Dürer’scher Holzschnitte vom Jahre 1510. Die Masse des Papiers ist auffallend grob, von gelblicher Farbe, zwischen den Drathstrichen ist eine Entfernung von durchschnittlich 12½ Linien.

ad 8. Das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, kommt mit einer Entfernung der Drathstriche von 14¾ Linien bei einzelnen alten Drucken vom Jahre 1511 vor, doch trifft man dasselbe auch bei späteren Drucken des Lebens der Jungfrau, dann aber auf etwas dünnerem Papier mit nur 11 Linien Abstand der Drathstriche. —

ad 9 und 10. Ein Thurm mit einer Krone, Nr. 27, und eine sechsblättrige Blume mit Strich und dreieckter Spitze, Nr. 28, sind die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche Dürer zu den drei großen Holzschnittfolgen bei ihrer Herausgabe mit Text im Jahre 1511 gebrauchte, von ihm in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise, die drei großen Bücher genannt. Die beiden Papiersorten sind von sehr abweichender Bearbeitung und ohne Zweifel aus zwei verschiedenen Fabriken.

Diejenige mit dem Thurm hat kenntliche Drathstriche, in einer Entfernung von 20 Linien, bei der anderen mit der Blume sind solche nicht wahrzunehmen.

Die Bogen, von auffallend fester Masse, haben bei unbeschnittenem Rande eine Höhe von 17 Zoll 3 Linien und zusammengelegt eine Breite von 12½ Zoll. Sie geben zwei bedruckte Blätter, von denen das eine Wasserzeichen, das andere keines hat.

Unser Meister verwandte zu allen drei Folgen dasselbe Format, so daß bei den wenigen Exemplaren, wo man alle drei Werke in ursprünglicher Größe beisammen findet[21], der Papierrand der Holzschnitte zum Leben der Jungfrau um so viel breiter ist, als bei den übrigen.

In der Regel wurden von den beiden Papiersorten immer ein Bogen um den andern genommen. Das Wasserzeichen mit der Blume, Nr. 28, kömmt auch zuweilen bei einzelnen andern größeren Dürer’schen Holzschnitten vor. —

ad 11. Den Anker, Nr. 29, habe ich nur bei Probedrucken der kleinen Passion angetroffen.

ad 12. Der Anker im Kreise, Nr. 30 und 30a, ist häufiger und findet sich bei ersten Drucken von Holzschnitten vom Jahre 1515, doch auch bei solchen von den Jahren 1523 und 1525. Das Papier ist fest, wenn auch nicht von sehr feiner Masse. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 13¾ bis 14 Linien.

ad 13. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem ein Schlangenstab sichtbar ist, Nr. 31, trifft man bei ersten Drucken vom Jahre 1518 und später. Das Papier ist sehr fest und die Drathstriche haben einen Abstand von 12½ Linien.

ad 14. Ein Dreizack, in der Form von Nr. 32, ist das Wasserzeichen desjenigen Papiers, welches 1522 und 1523 zu den ersten Editionen des Triumphwagens Kaiser Maximilians, B. 139, verwandt wurde, die Drathstriche desselben sind 13¾ bis 14 Linien von einander entfernt. Das Wasserzeichen, Nr. 32a, findet man häufig in dem Papiere der Handschriften Dürer’s.

ad 15. Ein Krug mit dem Henkel, Nr. 33, — bei den Kupferstichen unsers Meisters, nach seiner Rückkunft aus den Niederlanden vorherrschend — findet sich bei Holzschnitten erst 1525 in der ersten Edition von dessen »Vnderweysung der messung, mit dem zirkel vn̄ richtscheyt etc.« Das Papier ist fest und die Entfernung der Drathstriche beträgt 13 bis 13¼ Linien.

ad 16. Ein kleines Oval mit Stern, Nr. 34, ist das Wasserzeichen des Papiers, auf welchem die seltne kleine Jungfrau vom Jahre 1526, B. Nr. 98, gedruckt ist, es hat 15 Linien Abstand der Drathstriche. —

ad 17. Der stehende Hund mit Halsband und gestutzten Ohren, Nr. 35, welchen Heller für einen Bären gehalten hat[22], kommt bei Holzschnitten erst später, namentlich 1527, in Dürer’s »Underricht zu befestigung der Stett, Schlosz und flecken« vor. Das Papier hat zwischen den Drathstrichen eine Entfernung von 13 Linien.

ad 18. Das Wasserzeichen einer kleinen Krone, Nr. 36, welche oft unregelmäßig geformt ist und ein Kreuz, einen Stern, auch Kreuz und Stern oben auf dem Bügel hat, findet man nicht früher als bei ersten Drucken von Holzschnitten des Jahres 1527. Die Güte des Papiers ist verschieden, auch haben die Drathstriche einen Abstand von 12½ und 11½ Linien.

ad 19. Ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darüber, Nr. 37, kommt, jedoch selten, um das Jahr 1525 in Papieren mit 13 Linien Entfernung der Drathstriche vor. —

ad 20. Ein verziertes P, Nr. 38, findet sich bei den ersten Abdrücken von dem Portrait Albrecht Dürer’s in einem Papiere, dessen Drathstriche 13½ Linien Abstand haben.

ad 21. Ein doppeltes Römisches A mit einem Kreuzstriche darüber, Nr. 39, ist das Zeichen eines Papiers von 15½ Linien Entfernung der Drathstriche, welches bei einzelnen Abdrücken der großen Passion ohne Text angetroffen wird. —

Die vorbeschriebenen Wasserzeichen sind diejenigen, welche man am häufigsten bei den alten, zu Dürer’s Lebzeiten genommenen Abdrücken seiner Holzschnitte findet; es kommen indeß einzelne Abdrücke, welche ihrer Reinheit und Schönheit nach zu diesen gezählt werden müssen, auch auf Papieren mit abweichenden Zeichen vor. Diese sind indeß theils nicht genau kenntlich, theils behalte ich mir vor, sie bei den einzelnen Blättern zu erwähnen.

Viel mannichfaltiger als bei Dürer’s Kupferstichen sind bei dessen Holzschnitten die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche man bei den späteren Abdrücken derselben antrifft, eine natürliche Folge davon: daß die Holzstöcke weit länger als die Kupferplatten brauchbare Abdrücke gaben, auch der Werthlosigkeit des Materials wegen, weniger abhanden gekommen oder zu anderen Zwecken verbraucht sind. —

Es würde zu weit führen, von allen diesen nach Dürer’s Tode vorkommenden Wasserzeichen, welche theilweise einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten begreifen, Nachbildungen zu geben, doch habe ich von einigen der wichtigsten oder am häufigsten vorkommenden Durchzeichnungen nehmen lassen. Es sind:

Nr. 40. Ein verziertes Römisches K, Entfernung der Drathstriche 12½ Linien.

Nr. 41. Das Wappen der Stadt Nürnberg, Entfernung 10½ bis 11 Linien.

Nr. 42 und 42a. Eine Art Fischblase mit Stern oder Blume, Entfernung 10 bis 11 Linien.

Nr. 43. Zwei geschweifte, wie ein Hufeisen verbundene Thürme, Entfernung 12¾ Linien.

Nr. 44. Ein geschweiftes langes Wappen, Entfernung 12½ Linien.

Nr. 45. Ein großes geschweiftes Wappenschild mit Krone, Entfernung 11½ bis 12 Linien.

Nr. 46. Ein Wappenschild mit Querbalken, Entfernung 10 Linien.

Nr. 47. Eine Schlange, Entfernung 12 und 12½ Linien.

Nr. 48. Ein verziertes P mit dem Buchstaben A darin, Entfernung 13 bis 13½ Linien.

Nr. 49. Das Wappen von Augsburg, Entfernung 14¼ Linien.

Nr. 50. Dasselbe Wahrzeichen in einem geschweiften Schilde mit einem A darunter, Entfernung 11½ bis 13½ Linien.

Nr. 51 und 51a. Ein doppelter Reichsadler mit Krone, Entfernung 11 Linien.

Nr. 52. Eine Lilie mit Krone, Entfernung 11, 12½ bis 13¾ Linien.

Nr. 53. Dieselbe im Kreise, Entfernung 14½ Linien.

Nr. 54. Dieselbe in einem geschweiften Wappenschilde mit Krone darüber, Entfernung 13¾ Linien.

Nr. 55. Ein Römisches E im Kreise, Entfernung 13 Linien.

Nr. 56. Eine herzförmige Figur, Entfernung 12 Linien.

Nr. 57. Ein geschweiftes längliches Wappenschild, Entfernung 13¾ Linien.

Die Beachtung der Papiere und ihrer Wasserzeichen allein, reicht indeß bei Holzschnitten eben so wenig als bei den Kupferstichen aus, um mit Sicherheit die älteren Abdrücke von den neueren zu unterscheiden. Bei den Holzschnitten bleibt das wesentlichste Kennzeichen immer die größere Schärfe und Reinheit des Drucks, sowie das Nichtvorhandensein von Aussprüngen in den Rändern, von Rissen, Wurmlöchern oder sonstigen kleinen Beschädigungen, denen die Holzstöcke bei fortgesetztem Gebrauch oder durch die Länge der Zeit ausgesetzt sind.

In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf indeß nicht unbeachtet bleiben, daß ältere Abdrücke mit Text auf der Rückseite oft weniger klar und rein sind, als spätere ohne Text. —

Mit Ausnahme der Abdrücke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre 1498, bei denen die Holzstöcke mit großer Sorgfalt geschwärzt und gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich die Abdrücke aller Dürer’schen Holzschnittfolgen — sobald Text auf der Rückseite ist — nicht so klar, als gute Abdrücke desselben Holzstocks ohne Schrift.

Es läßt sich dieses nur dadurch erklären, daß die zu der Schrift verwandte Druckerschwärze auch für die Holzschnitte gebraucht und weniger sorgfältig mit den damals gebräuchlichen Lederballen aufgetragen wurde.

Auch mögen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen, die den Druckern gewöhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die, durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rückseite entstandene Ungleichheit der Fläche des Papiers mit daran Schuld sein.

Die Druckerschwärze, welche bei den Dürer’schen Editionen vom Jahre 1511 gebraucht wurde, war häufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten entstanden sind.

Diese Mängel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, daß Albrecht Dürer auf die Abdrücke der im Jahre 1511 herausgegebenen Holzschnittfolgen nicht die persönliche Sorgfalt verwandt hat, wie auf die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre 1498. —

Daß unser Meister übrigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schlußschriften der verschiedenen Editionen »Gedrücket zu Nurnbergk durch Albrecht dürer Maler« und »Impressum Nurnberge per Albertum Durer Pictorem« nicht bezweifelt werden können, auch erkennt man in den semigothischen Typen des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511 dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von welchen sie sich nur durch eine geringere, während des Gebrauchs verloren gegangene Schärfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der Jungfrau, der großen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen einander ganz gleich. —

Diese letzteren Typen kommen in Nürnberg zuerst bei einzelnen alten Drucken vom Jahre 1501 und 1502, namentlich »Opera Hrosvite« »Celtis .... libri amorum« vor, und bei der genauen Uebereinstimmung der zu diesen Werken gebrauchten Lettern, mit denen, welche Dürer zu den vorbezeichneten Folgen verwandte, wird man zu der Annahme berechtigt, daß unser Meister jene zu diesem Zweck erworben hat.

Die Druckerei in Nürnberg, in welcher sie zuerst angewandt wurden, ist mit Sicherheit nicht bekannt, doch waren diese lateinischen Typen damals noch selten, und auch an der Stumpfheit derselben bei den Dürer’schen Drucken im Vergleich zu den erwähnten Werken erkennt man, daß sie durch früheren Gebrauch abgenutzt waren.[23]

Die Gehülfen, denen Albrecht Dürer im Jahre 1511, selbst durch vielfache andere Arbeiten in Anspruch genommen, den Abdruck seiner Holzschnittfolgen überlassen haben wird, sind übrigens oft sehr nachlässig gewesen, denn die Abdrücke sind auch unter einander keinesweges gleich, und bei einzelnen Holzstöcken treten noch während des Druckes kleine Beschädigungen ein, oder werden Fehlstellen sichtbar, welche dann bei den späteren Abzügen immer bemerkbarer erscheinen.

Im Allgemeinen sind die Abdrücke der großen Passion und der Apocalypse vom Jahre 1511 die am wenigsten gelungenen, wogegen bei dem Leben der Jungfrau eine sorgfältigere Behandlung, namentlich auch eine größere Schärfe der Typen wahrzunehmen ist. Bei der kleinen Passion hat es ohne Zweifel nachtheilig eingewirkt, daß vier Holzstöcke gleichzeitig auf einem Papierbogen abgezogen wurden. —