Nach Beendigung des Drucks scheint Dürer den Holzstöcken keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, denn von späteren Abdrücken ohne Text, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen wären, findet sich keine Spur. Nur die Holzstöcke der Titel wird Dürer, vielleicht um spätere Editionen ohne sein Zuthun unmöglich zu machen, zurückgezogen und besonders bewahrt haben; da von allen vier Folgen — wie ich bei den einzelnen derselben nachweisen werde — diese Titel nicht bei den übrigen Holzstöcken geblieben, sondern nach Dürer’s Tode verloren oder in andere Hände übergegangen sind.

Die Apocalypse.

Die ältesten, als solche mit Sicherheit ermittelten Holzschnitte Dürer’s, sind die 15 Blatt der Offenbarung Johannis oder der Apocalypse (Bartsch 61 bis 75), welche derselbe im Jahre 1498 sowohl mit lateinischem wie mit deutschem Text auf der Rückseite herausgegeben hat.

Für die erste Arbeit dieser Gattung ist es ein eben so umfassendes als vortreffliches Werk, und der Meister wird wohl mehrere Jahre daran gearbeitet haben, da meiner, mit C.Fr. von Rumohr[24] übereinstimmenden Ansicht nach, diese Holzstöcke sämmtlich von ihm selbst geschnitten sind. Das lebendige des Schnitts, bei der hie und da unverkennbaren Unsicherheit der Technik spricht dafür, so wie die thunlichste Vermeidung der Querstriche in den Schraffirungen[25], auch sind, wie bereits in der Einleitung erwähnt ist, gleichzeitige Holzschnitte anderer Formschneider von ähnlichem Umfange und derselben Vortrefflichkeit nicht bekannt.

Diese erste, ganz vollständig, sehr selten vorkommende Ausgabe, ist neben der großen Reinheit und Schärfe der Abdrücke besonders daran kenntlich, daß das Papier kein Wasserzeichen, aber sehr bemerkbare Drathstreifen hat, welche durchschnittlich 15 Pariser Linien von einander entfernt sind.

Die zweite Ausgabe, welche Albrecht Dürer im Jahre 1511 nur mit lateinischem Text und unter Hinzufügung des Holzschnitts auf dem Titel, B. 60, veranstaltete, tritt, in Beziehung auf Schärfe und Reinheit der Abdrücke, sehr gegen die erste Ausgabe zurück, bei welcher, wie vorher erwähnt, unser Meister selbst das Schwärzen und Drucken überwacht zu haben scheint.

Ausserdem ist sie an den Papieren kenntlich, welche die Wasserzeichen Nr. 27 und 28 haben, auch sind in dem Schriftsatz des lateinischen Textes einige Abweichungen gegen die erste Ausgabe bemerklich; so steht unter anderen: Bei dem Text von Bartsch Nr. 64, in der 1. Columne, 4. Zeile, die Phrase »Item ad terciam figuram«

bei der1. Edit.über der Ziffer VI.,
  „    „ 2.    „über dem Worte Capitulum,
in der 10. Zeile:
1.  Edit:super illuz habe,
2.    „   sup illum habe;
in der 11. Zeile:
1.  Edit:et exivit,
2.    „ ⁊ exivit;
in der 12. Zeile:
1.  Edit:Et cum,
2.    „ Et cū;
in der 2. Columne, 1. Zeile:
1.  Edit:Et vidi alterum angelū,
2.    „   Et vidi alteꝝ angelum.
Bei dem Text von B. 74 steht in 1. Columne, 1. Zeile:
1.  Edit:iohannem,
2.    „ Johānem;
in der 4. Zeile:
1.  Edit:Itē,
2.    „ Item;
in der 6. Zeile:
1.  Edit;descē,
2.    „   descen;
in der 7. Zeile:
1.  Edit:potestatez,
2.    „   potestatem. u.s.w.

Vor dieser zweiten Ausgabe hat Dürer von einzelnen Platten Abzüge ohne Text auf der Rückseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch findet man bei diesen Abdrücken schon einzelne kleine Fehlstellen in den Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und die einzelnen Abdrücke sind überhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir nur von den Blättern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.

Diese Abdrücke, von denen man B. 61, 64 und 74 am häufigsten antrifft, sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten Ausgabe, sehr kräftig und schön. Besonders malerisch erscheinen die Abdrücke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Dürer besondere Sorgfalt verwandt zu haben scheint.

Wenn man die Abdrücke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als Ersten Etat bezeichnet, so würden die vorbezeichneten Abdrücke ohne Text der Zweite Etat, die Abdrücke vom Jahre 1511 mit lateinischem Text aber der Dritte Etat sein. —

Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrücke ohne Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12¾ Linien, der Holzstock davon muß sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511 abhanden gekommen sein. Spätere Abdrücke der Apocalypse ohne Text habe ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der Städte Nürnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstöcke scheinen daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26] Häufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.


In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen Holzschnitte Dürer’s gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen, dürfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begründet und, wie ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.

Zu den früheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig beendigt waren, gehören unstreitig die Blätter, B. 99, 104, 110 und 112, so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, »unser Frauen-Leben«, B. 77 bis 92 und 95, da diese sämmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Daß Marc Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls früher anfertigte, als Dürer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begründen zu können:

1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkündigung, B. 83, befindet sich rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506, welche — da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist — ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet. Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]

2) Hätte Marc Anton das Leben der Maria später nachgebildet, so würde er ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. 93 und 94, sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schönsten Blätter der ganzen Folge sind und er späterhin die kleine Dürer’sche Passion ganz vollständig mit dem Titel nachstach.

3) Bereits im Jahre 1508 erlies der Rath zu Nürnberg ein Verbot des Verkaufs der mit dem Monogramm Dürer’s bezeichneten Nachstiche,[29] solche mußten daher damals schon im Handel verbreitet sein.

4) Waren die Nachstiche Marc Antons schon im Jahre 1506 vollendet, so klären sich die Widersprüche wegen der Reise Dürer’s nach Venedig, um gegen Marc Anton deshalb klagbar zu werden, ganz einfach durch die bekannte Reise desselben in den Jahren 1506 und 1507 auf. —

Vasari sagt in seinem Leben des Marc Antons[30], daß dieser bei den Nachstichen von Dürer’schen Holzschnitten mit dessen Monogramm solche so täuschend nachgeahmt habe, daß, da niemand wußte, die Stiche seien von Marc Anton, sie für Arbeiten Albrecht Dürer’s gehalten und als solche feil geboten und gekauft wären. Da man dieses dem Dürer geschrieben und ihm ein Exemplar dieser Nachstiche gesandt habe, so wäre derselbe so erzürnt worden, daß er sich aufgemacht habe und nach Venedig gekommen sei, um bei der Signoria über Marc Anton, welcher sich damals in Venedig aufhielt, Klage zu führen. Er habe indeß nichts anderes erreicht, als daß jener nicht ferner, weder den Namen noch das Monogramm Dürer’s in seinen Arbeiten habe anbringen dürfen. Vasari verwechselt zwar die Nachstiche der kleinen Passion mit denen des Leben der Jungfrau, indem er von ersteren anführt, sie seien mit Dürer’s Monogramm versehen, welches gerade umgekehrt der Fall ist, doch möchte kein Grund vorhanden sein, an der von Vasari so bestimmt angeführten Veranlassung der Reise Dürer’s zu zweifeln. — Ganz übereinstimmend mit dem von Vasari berichteten Erfolg der Klage Dürer’s bei der Signoria ist es: daß Marc Anton bei dem Nachstich der ganzen kleinen Passion mit Titel, welcher erst nach dem Jahre 1511, wo Dürer solche herausgab, erfolgen konnte, nicht mehr das Dürer’sche Monogramm, sondern sein eigenes Täfelchen anbrachte.

5) Daß ein Theil der Dürer’schen Holzschnitte zu dem Leben der Jungfrau schon vor dessen Reise nach Venedig beendigt war, beweist auch die Jahrszahl 1504, welche sich auf dem schönen Blatte der Umarmung Joachims, B. 79, befindet, ein Blatt, welches zu den ausgebildetsten und vollendetsten der ganzen Folge gehört. Bartsch liest zwar die Jahrszahl 1509 und Andere, namentlich Heller, schreiben ihm hierin, wie so oft, ohne eigne Kritik nach. Doch ist der Irrthum leicht nachzuweisen, wenn man die bei Dürer gebräuchliche Form der Zahl 9 auf andern Holzschnitten, z.B: B. 31 und 37 der kleinen Passion, oder auf den Kupferstichen B. 3, 26 und 58 damit vergleicht, auch stimmt die Form der Zahl 4 mit der gleichen Zahl auf Dürer’schen Handzeichnungen vom Jahre 1504, namentlich der Verspottung Christi, der Geisselung und der Kreuzschleppung, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien genau überein.

Aus der Periode, in welcher, nach dem Vorhergehenden, Marc Anton die Holzschnitte von dem Leben der Jungfrau nachstach, ergiebt sich nun aber, daß Dürer die Abdrücke dieser 17 Blatt eher in den Handel gebracht hat, als er das ganze Werk im Jahr 1511 mit dem Text herausgab, und wir haben daher jedenfalls bei dem Leben der Maria einen nachgewiesenen Ersten Etat vor dem Text.

Die Abdrücke dieses Ersten Etats sind indeß keinesweges nur daran kenntlich, daß sie keinen Text auf der Rückseite haben, denn es giebt eine große Zahl von Abdrücken ohne Text, welche erweislich einer viel späteren Periode angehören.

Das sicherste Kennzeichen ist die Schärfe und Fehlerlosigkeit des Druckes, welche den besten Abzügen mit Text gleich ist, diese aber in Klarheit und malerischer Wirkung, in Folge des sorgfältigeren Auftragens der Farbe und des sorgsameren Druckens bedeutend übertrifft. Ausserdem gewähren hier die Papiere und ihre Wasserzeichen einen wesentlichen Anhaltspunkt der Erkennung, denn diese ersten Abdrücke haben entweder das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 19 und 20, oder das der hohen Krone, Nr. 21, dieses am häufigsten, zuweilen auch das der Wage im Kreise, Nr. 22.

Auch von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken, Nr. 93 und 94, kommen Drucke ohne Text auf eben diesen Papieren vor, welche — ihrer Schärfe und Fehlerlosigkeit nach — ebenfalls vor der Edition von 1511 abgezogen sind und diesem ersten Etat zugezählt werden müssen.

Der schöne Titel, die Jungfrau mit dem Kinde auf dem halben Monde, B. 76, scheint erst kurz vor der Ausgabe mit Text geschnitten zu sein, denn es sind davon nur höchst wenige Abdrücke ohne Text vorhanden, welche, der Klarheit und Schönheit, wie den Papieren nach, für Probedrucke gehalten werden könnten.

Ob diese aber wirklich vor dem Text oder unmittelbar nachher abgezogen sind, bleibt zweifelhaft; denn ich habe keinen dieser Abdrücke von einer solchen Schärfe und Reinheit, namentlich in den Sternen, angetroffen, wie sie bei den besten Abzügen mit Text vorkommen. Auch ist auf denselben keine Spur der fünfzeiligen Ueberschrift in großen lateinischen Buchstaben sichtbar, welche, nach der Ansicht erfahrener Xylographen auf diesem — wie fast allgemein anerkannt — von Dürer eigenhändig geschnittenen Blatt, von dem Meister selbst eingeschnitten, nach dem Abdruck mit Text aber von dem Holzstock entfernt ist, wie die nicht seltnen späteren und stumpferen Abdrücke desselben, welche Papierrand haben, beweisen.

Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrücke vom B. 76 haben sämmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20.

Obgleich von allen Holzstöcken des Lebens der Jungfrau Abdrücke des Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie häufig geschieht, von einer Ersten Ausgabe vor dem Text reden, denn ich glaube nachgewiesen zu haben, daß Dürer diese Blätter theilweise zu verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt — selbst in den berühmtesten und vollständigsten Sammlungen — nicht ein einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrücke sämmtlich von diesem Ersten Etat wären.

Dürer erwähnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur als großes Buch d.h. mit Text.

Nach Dürer’s Tode kommen dagegen Folgen von Abdrücken ohne Text, von sämmtlichen Blättern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel gebracht wurden.

Die Holzstöcke sind bei den ältesten dieser Folgen — wenngleich in einzelnen Kleinigkeiten verletzt — meist noch sehr wohl erhalten, und man kann manche der oft sehr sorgfältigen Drucke, wenn man nicht das hier untrügliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht von den Abdrücken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel kommen, wie bereits oben erwähnt, spätere Drucke ohne Text vor, die besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr. 26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der späteren Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den übrigen zusammen gebliebenen Holzstöcken getrennt und in andere Hände gekommen sein muß. —

Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es übrigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der Priorität der Abdrücke erleichtern. 80 sind auf B. 84 — der Heimsuchung — ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weißen Wolke, zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar, schon während des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei den späteren Abdrücken immer mehr hervortreten.

Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weiße Fehlstelle, welche zwar auch auf früheren Abdrücken sichtbar, aber nur 3 Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, während sie auf den Abdrücken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe Linie breit wird.

Eine ähnliche weiße Stelle ist schon auf den ersten Abdrücken von der Flucht nach Egypten, B. 89, links über dem obersten Fruchtbüschel des Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber später — besonders nach unten — weiter aus.

Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrücken nach dem Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrücken mit Text vor, auf den späteren Drucken wird dieser Sprung aber immer augenfälliger.

Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schärfe und Erhaltung der Holzstöcke nach, die früheste von denen nach Dürer’s Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrücke vor dem Text als Ersten, diejenigen mit Text als Zweiten Etat bezeichnet, als Dritter Etat erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die älteren Papiersorten zu Dürer’s Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen Abstand von knapp 11 Linien. Eine große Zahl dieser Abdrücke findet sich in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge von B. 77 bis 95 vollständig angetroffen.

Der Verleger dieser Abdrücke muß ausser den Holzstöcken des Lebens der Jungfrau noch andere Dürer’sche Holzstöcke besessen und Abdrücke davon verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man bei späteren Abzügen, namentlich von der Anbetung der Könige, B. 3, und der Verehrung der Maria, B. 101. — Zu diesem Dritten Etat des Lebens der Jungfrau sind noch einzelne Abdrücke von fast gleicher Güte zu rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.

Eine nur etwas spätere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder sorgfältig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen eines großen geschweiften Wappens und einer Krone darüber, Nr. 45.

Dieses Papier mißt, unbeschnitten, in der Höhe 15 Zoll 4 Linien, in der Breite 12 Zoll 3 Linien, so daß der Papierrand der Abdrücke 2 bis 2½ Zoll beträgt.

Bei dieser Folge ist zu bemerken, daß statt der zum Leben der Jungfrau gehörenden Anbetung der Könige, B. 87, sich darin die Anbetung der Könige, B. 3, befindet und daß am Schluß die Verehrung der Maria, B. 101, angefügt ist.

Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11¾ Linien haben, ist fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die Abdrücke sind kräftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt man an der Zunahme der kleinen Aussprünge in den Einfassungs-Rändern, wie an der Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95, daß diese Edition, welche als Vierter Etat zu bezeichnen wäre, später als die vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrücken von B. 3 und 101 finden sich schon die in den frühesten Abdrücken derselben noch nicht sichtbaren Sprünge ziemlich bedeutend.

Die Abdrücke dieses Vierten Etats sind übrigens weit seltener als diejenigen des Dritten Etats. Auffallend ist bei diesen späteren Editionen die größere Schärfe und Reinheit der Abdrücke von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken gegen alle übrigen der Folge. Es bestätigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: daß die Abdrücke der 17 älteren Holzstöcke früher verbreitet und daher auch häufiger abgezogen sind als die von B. 93 und 94.

Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten spätere sehr mittelmäßige oder schlechte Abdrücke, welche neben geringer Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfraß in den Holzstöcken haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dünne Papier kenntlich sind, welches häufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. —

Die grosse Passion.

Von der durch Albrecht Dürer ebenfalls im Jahr 1511 herausgegebenen großen Passion mit Text, B. 4 bis 15, auf den pag. 48 und 49 näher beschriebenen Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 27 und 28, giebt es frühere Abdrücke ohne Text, welche sich durch Schärfe und Reinheit vor allen übrigen auszeichnen und daher als ein Erster Etat bezeichnet werden müssen.

Sie sind indeß ungleich seltner wie ähnliche Abdrücke von dem Leben der Jungfrau und es scheint: daß solche erst nach Vollendung der vier im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. Nr. 5, 7, 14 und 15, also kurz vor der Edition mit Text, abgezogen sind.

Das dazu verwandte Papier hat in der Regel übereinstimmend mit den wenigen gleichzeitigen Probedrucken der Apocalypse vor dem Text von 1511 das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24, doch trifft man, wie wohl selten, auch einzelne Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone.

Bei einigen reinen Abdrücken, welche von den Liebhabern für Abdrücke dieses Ersten Etats gehalten werden, findet man Papier mit dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr 39, mit 15½ Linien Entfernung der Drathstriche, doch habe ich auch entschieden spätere Drucke mit diesem, sonst schon bei alten Nürnberger Drucken vom Jahr 1502 vorkommenden Wasserzeichen gefunden, denn namentlich bei der Höllenfahrt, B. 14, war unter dem Gewande des Christus, am Boden 3½ Zoll von der linken Einfassungslinie entfernt, die Spur eines feinen Sprunges des Holzstocks sichtbar, von dem auf den Abdrücken mit Text noch nicht das geringste zu bemerken ist.

Bei den Abdrücken des Ersten Etats kommen die 11 Blätter, B. 5 bis 15, gleichmäßig vor, der Titel aber, B. 4, ist, wenn er sich dabei befindet, häufig minder schön, sogar bei dem ausgezeichneten Exemplar in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und demjenigen in der Königl. Kupferstichsammlung zu Berlin. Er ist, soweit ich zu bemerken Gelegenheit gehabt habe, immer auf einem von dem andern abweichenden Papiere gedruckt, dessen Masse, mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche, von weit geringerer Güte ist.

Es scheint dieses zu beweisen: daß auch zu diesem Titel der vortreffliche Holzstock erst für den Druck geschnitten wurde.

Daß er nach Vollendung des Drucks mit Text sehr bald abhanden gekommen sein muß, beweist die Seltenheit seiner Abdrücke, und daß er bei allen später veranstalteten Editionen dieser Passion fehlt.

Von den Abdrücken ohne Text, welche erst nach der Edition vom Jahre 1511 dem Zweiten Etat genommen sind und daher als Dritter Etat bezeichnet werden müssen, giebt es wenige, denen man die spätere Periode nicht auf den ersten Blick ansehen könnte.

Die bessern davon sind unstreitig die vorhin bezeichneten Abdrücke mit dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr. 39, im Papier, fast gleich gute haben ein verziertes K, Nr. 40, mit 12½ Linien Abstand. Bei den späteren Abdrücken werden Risse, denen diese großen Holzstöcke besonders ausgesetzt gewesen sind, immer sichtbarer. Solche findet man auf Papieren mit dem Wasserzeichen eines großen bekrönten Reichsadlers, mit Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien, oder eines verzierten P, Nr. 48, mit 13¾ Linien Abstand, auch einer Schlange, Nr. 47, mit 12 und 12½ Linien Entfernung der Drathstriche.

Spätere Editionen der 11 Holzschnitte ohne Text und mit einem gedruckten Titel sind veranstaltet: im Jahre 1675 durch Koppmayer in Augsburg,[31] so wie im Jahre 1680 in Ulm, doch sind die Abdrücke dieser letzten Ausgabe sehr unrein und schmutzig.

Die kleine Passion.

Von allen Werken unsere Meisters, ist die kleine Holzschnitt-Passion, B. 16 bis 52, bei weitem das verbreitetste. Es kömmt in sehr verschiedenen Zuständen vor.

Von dem Ersten Etat, vor der Edition mit Text vom Jahre 1511, giebt es einzelne Abdrücke von einer bewundernswürdigen Schärfe und Reinheit, welche auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit doppeltem Strich, Kreuz und Blume, Nr. 20, oder der hohen Krone, Nr. 21, abgezogen sind. Bei den frühesten dieser Drucke hat auf der Vertreibung aus dem Paradiese, B. 18, der Rückgrat der Eva 10 kleine Quer-Schraffirungen, welche späterhin weggeschnitten sind, bei welcher Gelegenheit auch dem Strich des Rückgrats bei einer geringen Verkürzung ein besserer Schwung gegeben ist.[32] Diese Aenderung wurde von Dürer jedenfalls vor der Herausgabe mit Text bewerkstelligt, indem die Querstriche auf Abdrücken mit dem Text niemals vorkommen und es auch Drucke des Ersten Etats giebt, auf denen diese Correktur bereits eingetreten ist.

Von diesem Ersten Etat vor dem Text giebt es einzelne ganze Folgen, welche ich auf Papier mit der hohen Krone sowohl als auf solchem mit dem kleinen Reichsapfel mit Stern, Nr. 24a, angetroffen habe, bei denen aber immer der Titel, B. 16, fehlt, welcher ohne Text nicht in den Handel gekommen ist. Dieser eben so tief empfundene als vortrefflich geschnittene Holzstock, von welchem mir nur ein einziger Probedruck in dem Musaeo zu Amsterdam bekannt geworden ist, wird daher nur für die Ausgabe mit Text gearbeitet und nach Beendigung des Drucks derselben abhanden gekommen sein, während die übrigen Holzstöcke sich zum größten Theile bis auf die Gegenwart erhalten haben.

Ein merkwürdiges Exemplar dieses ersten Etats befindet sich in dem Musaeo zu Amsterdam, wo die 36 Holzstöcke zu vier auf einem Papierbogen gedruckt, noch unzerschnitten erhalten sind. Der Rückgrat der Eva auf B. 18 hat bei diesen Abdrücken noch die Quer-Schraffirungen. Von den 9 Bogen dieses Exemplars haben 2 das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21, im Papier, 7 aber dasjenige eines Ankers, Nr. 29, wie er mir sonst nie vorgekommen ist.

Der Zweite Etat ist die von Dürer im Jahre 1511 mit dem Text des Chelidonius veranstaltete, sehr verbreitete Ausgabe, welche in Bibliotheken und einzelnen Sammlungen noch ab und an als gebundenes Buch mit vollem Rande vorkommt.

Sie ist auf sehr festem, schönem Papier, mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21, und einer Entfernung der Drathrippen von 15 Linien gedruckt und die Blätter haben unbeschnitten eine Höhe von reichlich 7 und eine Breite von 5¼ Zoll.

Die vollständigen Folgen mit dem echten Titel sind übrigens ausserordentlich selten, wie denn von den reichen Wiener Sammlungen diejenige des Erzherzogs Albrecht allein eine solche besitzt und keine der Münchener Dürer-Sammlungen einen echten Titel aufweisen kann. Man findet die Abdrücke in Beziehung auf Klarheit merklich verschieden, je nachdem die Drucker mehr oder weniger Sorgfalt auf die Schwärzung der Holzstöcke verwendet haben. Heller[33] erwähnt nach Heinecke einer ersten Ausgabe mit Text, auf deren Titel über dem Holzschnitt die Worte:

Figurae Passionis Domini nostri Jesu Christi

und am Ende:

finit impressum Noribergae 1511

stehen sollen. Ich habe einen solchen Schluß nie zu Gesicht bekommen, er kann aber nicht echt sein, da bei allen Dürer’schen Werken mit lateinischem Text steht

»impressum Nurnberge«

niemals

»impressum Noribergae«.

Die obige Ueberschrift, Figurae Passionis etc., findet sich aber auf dem Titel der ebenfalls von Heller, pag. 605, angeführten sogenannten Mommard’schen Copien dieser kleinen Passion, der sehr verbreitet ist und in vielen Sammlungen den echten Titel vertritt. Seine Ueberschrift lautet genau:

Figurae Pas
sionis domini
nostri Jesu Christi,

und das Papier hat das Wasserzeichen des Wappens von Augsburg.

Diese, überhaupt nicht seltenen Copien kommen auch als Buch gebunden vor und werden manchmal selbst in öffentlichen Bibliotheken für Originale ausgegeben.

Bei Bartsch haben sich ebenfalls mancherlei Irrthümer und Verwechselungen bei den Anmerkungen zu diesem Dürer’schen Werke eingeschlichen, auch stimmt die von ihm beobachtete Folge der Holzschnitte nicht mit dem Inhalte des Textes zu denselben überein, indem nach diesem auf B. 20 die Blätter 22 und 23, und dann 21 und 24 folgen.

Der Titel der Ausgabe mit Text vom Jahr 1511 ist übrigens bei Heller, pag. 602, wo dieser von der zweiten Ausgabe spricht, richtig angegeben.

Abdrücke eines dritten Etats ohne Text aber später als der Druck des Textes sind häufig. Die besseren davon haben ein festes stark geripptes Papier, mit 14 Linien Abstand der Drathstriche. Es giebt auch vollständige Folgen aller 36 Blätter von B. 17 bis 52, auf einem weichen Papier, welches das Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, hat, die aber sowohl dieses Papiers wegen, das zuerst 1527 bei Drucken Dürer’scher Werke und bei dem Holzschnitt, B. 137, vorkommt, als auch wegen Mangel an durchgängiger Schärfe und Reinheit des Drucks, erst nach Dürer’s Tode abgezogen sein werden.[34] Andere geringere Abdrücke haben ein gelbliches sehr weiches Papier, dessen Drathstriche sich schwer wahrnehmen lassen.

Ueberhaupt ist eine Classification der verschiedenen Abdrucks-Gattungen dieser späteren Etats viel schwieriger als bei dem Leben der Jungfrau, da bei diesen kleineren Blättern nur ausnahmsweise Spuren von Wasserzeichen zu entdecken sind.

Die lange beisammen gebliebenen 36 Holzstöcke sind bekanntlich später nach Venedig gewandert, wo Daniel Bissuccio im Jahre 1612 davon eine Ausgabe mit italienischen Gedichten des Mauritio Mero veranstaltete. Der Titel dieser höchst seltenen Ausgabe[35] ist bei Heller, pag. 604, richtig angegeben, das auf demselben befindliche Brustbild Dürer’s ist eine mittelmäßige verkleinerte Copie des Portraits von Peter Myriginus, Heller Nr. 73. Es ist rund, 1½ Zoll im Durchmesser und hat die Umschrift:

Imago Alberti Dureri 1553
Aetatis suae LVI.

Das Buch, dessen auf besonders festen stark gerippten, mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise versehenen Papier, gedruckte Blätter 7¼ Zoll hoch und 5¼ Zoll breit sind, enthält complet — nicht wie Heller anführt — 40 sondern 42 Blätter mit den Custoden A bis L.

Die Holzschnitte folgen wie bei der Ausgabe mit lateinischem Text, doch kommt der Holzschnitt B. 31, Christus wird vor Pilatus geführt, zweimal vor, das zweitemal zwischen B. 32 und 33.

Die Holzstöcke sind bei dieser Italienischen Ausgabe von den Druckern, in Beziehung auf das Schwärzen, höchst nachlässig behandelt, daher ist sie sehr ungleich von Druck, jedoch zeigen die Stöcke im Allgemeinen noch eine sehr gute Erhaltung.[36] Der größte Theil derselben ist späterhin nach England gekommen und befindet sich im British Museum, wodurch die neueste Ausgabe dieser Passion durch Henry Cole, London 1844, veranlaßt ist, bei welcher der Abdruck mit, von den Originalholzschnitten genommenen galvanoplastischen Abformungen, und Ergänzung der fehlenden, namentlich des Titels B. 16, gemacht wurde.

Die übrigen Holzschnitte Dürer’s.

Bei den folgenden Bemerkungen über die einzelnen Holzschnitte unsers Meisters habe ich, wie bei den Kupferstichen, die von Bartsch beobachtete Reihenfolge beibehalten, ohne auf die wahrscheinliche oder durch die Jahrszahlen dargethane Priorität ihrer Vollendung weitere Rücksicht zu nehmen.

B. 1. Der Tod Abels 1511.

Dieses Blatt gehört zu den großen Seltenheiten. Man findet es zwar in den meisten öffentlichen, doch nur in sehr wenigen Privat-Sammlungen, besonders in unversehrtem Zustande. Der Druck ist gewöhnlich scharf und schön, das Papier sehr fest mit Drathstrichen in einer Entfernung von 13 auch 13¾ Linien. Als Wasserzeichen findet man zwei verbundene Thürme, Nr. 23.

B. 2. Simson tödtet den Löwen.

Von diesem häufig vorkommenden Holzschnitte sind Abdrücke auf Papiersorten, welche erweislich von Dürer gebraucht wurden, ausserordentlich selten.

Zu den besseren der späteren gehören diejenigen auf sehr starkem Papier ohne kenntliche Drathstriche, mit dem Wasserzeichen des Wappens von Augsburg. Neuere Abdrücke trifft man oft und soll der Holzstock noch gegenwärtig in Paris vorhanden sein.

In der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Stuttgart befindet sich ein leider stark beschädigter Probe-Abdruck dieses Holzschnitts von großer Schärfe, auf welchem das Monogramm Dürer’s noch nicht eingeschnitten ist.

B. 3. Die Anbetung der Könige. 1511.

Die ersten Abdrücke dieses schönen Holzschnittes haben Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, oder des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20. Sie sind ausserdem daran kenntlich, daß in der Mitte des das Dach tragenden großen Querbalkens, in den Kreuzschraffirungen nur eine kleine weiße Fehlstelle sichtbar ist, welche bei den späteren Drucken in einen weißen bis an den Rand des Holzstocks hinauf reichenden Sprung ausgeht.

Diese späteren Drucke kommen auf den bei dem 3. und 4. Etat des Lebens der Jungfrau bemerkten Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 42 und 45 vor.

B. 53. Das Abendmahl. 1523.

Nicht sehr häufig sind die ersten Drucke mit vier Strichlein in der Schüssel am Boden. Man findet sie auf Papieren mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21, des Ankers im Kreise, Nr. 30, auch des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31. Die sogenannten zweiten Drucke mit fünf Strichlein halte ich für Copien, sie kommen auf Papier mit dem verzierten P, Nr. 48, vor, die Abdrücke haben häufig Fehlstellen, auch in der Mitte den Ansatz zu einem Sprunge.

B. 54. Christus im Oelgarten.

Es scheint ein Versuch für die kleine Passion zu sein, welcher unsern Meister nicht befriedigt hat und durch den Holzschnitt B. 26 so schön ersetzt ist. Die hier ausgeführte Idee, unsern Heiland im Gebet auf dem Erdboden ausgestreckt so darzustellen, daß er wie im Vorgefühl seines Leidens mit seinem Körper und den ausgebreiteten Armen die Form des Kreuzes beschreibt, ist späterhin von Dürer in einer ausserordentlich schönen Federzeichnung vom Jahr 1521, welche sich in der Sammlung des Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M. befindet, auf das glücklichste zur Lösung gekommen.[37]

Der Holzschnitt ist in ganz scharfen reinen Abdrücken sehr selten, gewöhnlich ist er roh im Druck. Die alten haben ein festes Papier mit Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.

B. 55. Christus am Kreuz. 1510.

Von diesem durch Einfachheit des Schnitts ausgezeichneten Blatte, welches, als fliegendes Blatt, auf den alten Abdrücken mit einer zweizeiligen Ueberschrift und einem Gedicht in acht Absätzen von je zehn Zeilen versehen ist, giebt es zwei Abdrucks-Gattungen.

Die erste, welche in Ueberschrift und Versen genau mit der Angabe Hellers, 2. Bd., pag. 613 bis 616, übereinstimmt, hat Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21.

Die zweiten Abdrücke haben im Papier das Wasserzeichen der liegenden Urne, Nr. 25a, mit 12 bis 12½ Linien Entfernung der Drathstriche. Sie sind ausserdem daran kenntlich, daß in der Ueberschrift statt

»Das sind die syben Tagezeyt«
»Darin Christus auff erden leyt«

zu lesen ist:

»Das sindt die sieben tage zeit«
»Darin Christus auf erdē leit.«

Auch in den Versen kommen ähnliche Abweichungen der Schreibart vor.

B. 56. Christus am Kreuz. 1516.

Die alten nicht häufigen Abdrücke dieses schönen Holzschnitts mit reicher Randverzierung, von denen man auch einzelne auf Pergament antrifft, haben auf der Rückseite gedruckt die Titel der Bücher des alten Testaments von i. Hiob bis xij Malachia[38] und sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, und 14 Linien Entfernung der Drathstriche gedruckt. Die oft vorkommenden neueren Drucke erkennt man an einem sehr dünnen Papier.

B. 57. Christus am Kreuz, zur Rechten Johannes, welcher die in Ohnmacht sinkende Jungfrau unterstützt.

Dieses Blatt, von dem es nach Bartsch auch Abdrücke in clair obscur mit 2 Platten giebt, ist so ausserordentlich selten, daß ich über das Papier, auf welchem solches vorkommt, Auskunft zu geben ausser Stande bin.

B. 58. Christus am Kreuz, drei Engel fangen das Blut auf.

Die ersten Abdrücke dieses Blattes, ehe der Holzstock durch Ansatz vergrößert wurde, sind von großer Schönheit und Schärfe, aber ausserordentlich selten, sie haben ein stark geripptes Papier ohne Wasserzeichen, mit 18 Linien Entfernung der Drathlinien.[39]

Die großen zweiten Drucke pflegen ein sehr starkes Papier zu haben, in dem man das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns über einer geschweiften Unterlage, oder einer Lilie in einem gekrönten Wappenschilde, Nr. 54, letzteres mit einem Abstände der Drathstriche von 13 Linien wahrnimmt. Zuweilen kommt auch der Reichsadler als Wasserzeichen vor.

B. 59. Der Calvarienberg.

Man erkennt die ersten Drucke dieser reichen Composition daran, daß die Spitze des Nagels, welcher die rechte Hand des zur Rechten des Erlösers gekreuzigten Schächers durchbohrt, um etwa zwei Linien durch das Kreuz hindurchgeht. Diese kommen mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise auch auf einem festen Papier mit ungleich theils 12 theils 14¼ Linien abstehenden Drathstrichen vor, dessen Wasserzeichen zwei verbundene Thürme darstellt.

B. 96. Die heilige Familie. 1511.

Häufig sind die Abdrücke dieses Holzschnittes besonders scharf und schön, wie überhaupt die in den Jahren 1510 und 1511 geschnittenen Holzstöcke unsers Meisters sich durch Klarheit und Schärfe auszeichnen.

Das Papier der besten Drucke hat das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20.

B. 97. Die heilige Familie mit dem Zitter spielenden Engel. 1511.

Dieses in alten Drucken schöne und klare Blatt, hat dann Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, des Ochsenkopfes mit Doppelstrich, Nr. 20, des Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, oder des stehenden Hundes, Nr. 35. Die späteren Drucke sind oft in der Mitte etwas unrein und an dem Wasserzeichen des doppelten Reichsadlers kenntlich.

B. 98. Die Jungfrau auf der Rasenbank. 1526.

Als anerkannt von Albrecht Dürer selbst geschnitten und eine der letzten seiner Arbeiten, hat dieser ausserordentlich seltene Holzschnitt ein doppeltes Interesse. Das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von 15 Linien und zuweilen das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns über einem Oval, Nr. 34.

Das Meisterliche und doch Milde, welches in Dürer’s, nach seiner Niederländischen Reise, gearbeiteten Kupferstichen vorherrscht, ist auch in diesem Holzschnitt unverkennbar.

B. 99. Die heilige Familie mit vier Engeln.

Bartsch führt irrthümlich nur 3 Engel an. Der Schnitt ist etwas roh, und wahrscheinlich deswegen hat Heller dieses Blatt unter die Zweifelhaften unsers Meisters gesetzt. Ich glaube, daß dasselbe entschieden von Dürer herrührt, die Gleichzeitigkeit mit ihm beweisen die alten schönen Abdrücke, welche Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und einen Abstand der Drathstriche von 15½ Linien haben. Auch ist dieses Blatt von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s nachgestochen, woraus hervorgeht, daß es zu den ältesten Holzschnitten unsres Meisters vor 1506 gehört.

B. 100. Die heilige Familie in einem gewölbten Zimmer.

Selten findet man von diesem Holzschnitt erste, ganz fehlerfreie Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise oder auf festem Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Die späteren, an einer weißen Fehlstelle kenntlich, welche sich an der linken Seite oben neben der über dem Bogen liegenden Figur befindet, kommen gewöhnlich mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers und 11 Linien Entfernung zwischen den Drathrippen vor.

B. 101. Die Jungfrau mit dem Apfel in der Hand, von vielen Engeln verehrt. 1518.

Es ist dieses einer der verbreitetsten Holzschnitte unsers Meisters, dessen Platte aber sehr bald Sprünge bekommen hat, daher die alten vollkommen reinen Abdrücke selten sind. Bei diesen findet man das feste Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31, und einem Abstand der Drathrippen von 12½ Linien, welches früher nicht vorkommt, später aber bei den Dürer’schen Holzschnitten mehrfache Anwendung gefunden hat.

Die späteren Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 44, andre diejenigen des 3. und 4. Etats des Lebens der Jungfrau, Nr. 42 und 45, auch des Reichsadlers, sind aber durch immer zahlreichere und größer werdende Sprünge entstellt.

B. 102. Die Jungfrau mit den Caninchen.

Dieses Blatt ist an sich nicht selten, doch in alten Abdrücken nicht häufig. Diese sind sehr schön und haben in dem Papier von feiner Masse das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24.

B. 103. Der heilige Christoph. 1511.

Bei alten Abdrücken dieses schönen Holzschnittes trifft man das Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, spätere Abdrücke, welche bis auf kleine Aussprünge im Einfassungsrande oben, rein und fehlerfrei sind, haben ein weißes Papier mit etwas unregelmäßig 11 Linien entfernten Drathstrichen.

B. 104. Der heilige Christoph mit den Vögeln.

Die älteren Abdrücke dieses nie sehr scharfen Holzschnittes findet man mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise, des Ochsenkopfes mit dem Schlangenstabe, oder auf einem Papiere, welches fest, aber nicht von feiner Masse ist und dessen Drathstriche eine Entfernung von 13 Linien haben. Vasari erwähnt dieses auch von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s nachgestochenen Blattes.

B. 105. Der heilige Christoph. 1525.

Dieser Holzschnitt von sehr hoher und schmaler Form, einer der wenigen, welche nach Dürer’s Reise in den Niederlanden gearbeitet sind, ist nicht häufig, besonders selten aber findet man die ersten Abdrücke, bei denen die Füße im Wasser noch nicht durch den Ansatz eines 2 Zoll hohen Holzstocks von minder geschickter Hand hinzugefügt sind.

Die guten Abdrücke in ganzer Größe haben ein sehr starkes Papier mit Entfernung von reichlich 12½ Linien zwischen den Drathstrichen, auch wohl das Wappen der Stadt Nürnberg, Nr. 41, als Wasserzeichen. Bei späteren Drucken findet man auch die Wasserzeichen einer Lilie mit Krone oder des Augsburger Wappen im geschweiften Schilde, Nr. 50.

B. 106. Der heilige Colomann.

Die alten Abdrücke von diesem, bis auf unsre Zeiten wohlerhaltenen, in Wien befindlichen Holzstock trifft man sehr selten, die neueren erkennt man, wenn auch wie gewöhnlich die gedruckte Unterschrift weggeschnitten ist, an den Aussprüngen in dem Einfassungsrande sowohl oben rechts als unten, auch an einem rauhen übrigens festen Papier mit Drathrippen, welche durchschnittlich 12 Linien von einander abstehen.

B. 107. Die Heiligen Paulus und Antonius.

Der Gegenstand dieses Blattes ist bisher irrthümlich als der heilige Elias bezeichnet. Die alten Abdrücke davon zeichnen sich von den neueren besonders durch Schärfe und Reinheit aus, man findet sie auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise und einem Stern darüber, Nr. 30.

Dürer hatte übrigens die Composition dieses Blattes ursprünglich anders erdacht, wie ein erhaltener sehr geistreicher Entwurf desselben mit der Feder von der Gegenseite beweist, welcher sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers befindet. —

Dieser Entwurf ist bei etwa gleicher Höhe des Holzschnitts, statt 5 Zoll 4 Linien 8 Zoll 3 Linien breit, und daher die ganze Darstellung nicht so zusammen gedrängt.

Der heilige Antonius ist knieend mit gegen einander gelegten Händen und gen Himmel gewandtem Gesicht inbrünstig betend gezeichnet, sein Kreuzesstab mit der Glocke liegt neben ihm am Boden. Er hat nicht, wie im Holzschnitt, die Kutte über den Hinterkopf gezogen, sein Mantel und Hut liegen auf einem Steinsockel hinter ihm. Im Wesentlichen ist sonst der Entwurf mit dem Holzschnitt übereinstimmend, nur zeigt ein Vergleich mit diesem auf das schlagendste, wie viel von dem Leben und Geiste, welches unser Meister in seine Federskizzen zu legen wußte, durch den Formschnitt verloren gegangen ist, sobald derselbe, wie hier, nicht von ihm selbst herrührt.

Unten am Rande steht von einer alten Hand, dem Anschein nach aus Dürer’s Zeit geschrieben:

Dz ist die erste Fißirung
als saines gedanke gewest.

B. 108. Die Heiligen Stephanus, Gregorius und Laurentius.

Die schönen alten Abdrücke haben das Wasserzeichen der Wage oder des Ankers im Kreise, auch wohl ein festes Papier ohne Wasserzeichen, dessen Drathstriche 15 Linien von einander abstehen. Vasari bezeichnet den Gegenstand »S. Sisto Papa, S. Stephano e S. Lorenzo.«

B. 109. Der heilige Stephanus in der Mitte zweier Bischöfe.

Dieser seltene Holzschnitt ist von Heller, pag. 830, Nr. 2233, gewiß mit Recht unter die dem Dürer irrig zugeschriebenen Blätter gesetzt. Man hat Abdrücke davon ohne die von Heller angeführten Monogramme, welche indeß noch nicht — wie dieser berichtet — Spuren des Wurmfraßes zeigen.

Das Wasserzeichen des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15, in ihrem Papiere deutet indeß auf den Abdruck derselben erst nach Dürer’s Tode. —

B. 110. Der heilige Franciscus, welcher die Wundenmale empfängt.

Die alten Abdrücke haben ein festes Papier von feiner Masse, dessen Drathstriche 14 Linien entfernt sind.

B. 111. Der heilige Georg, der den Drachen tödtet.

Von diesem nicht häufigen Blatte erkennt man die ältesten Abdrücke daran, daß der Einfassungsrand ohne allen Aussprung ist, während man bei spätern, jedoch noch schönen Abdrücken, kleine Fehlstellen desselben, sowohl unten als oben wahrnimmt, auch sind kleine Spuren von Beschädigungen zu beiden Seiten des auf dem Boden liegenden Schädels sichtbar. Die Papiere der alten Drucke haben das Wasserzeichen der Wage im Kreise, Nr. 22, auch des Reichsapfels mit Stern.

B. 112. Die Heiligen Johannes und Hieronymus.

Die alten Abdrücke dieses nach der auf dem Nachstiche des Marc Anton befindlichen Bezeichnung, 1506. A. 1[40], vor der Reise nach Venedig gearbeiteten Holzschnitts sind sehr scharf und rein, auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise, auch wohl auf einem sehr festen Papiere, dessen Drathstriche aber nicht wohl zu erkennen sind.

B. 113. Der heilige Hieronymus in einer Felsengrotte. 1512.

Dieses Blatt findet man eben so häufig als verschieden in seinen Zuständen.

Der gewiß jedem Kunstfreunde unvergeßliche Director des Königl. Kupferstich-Cabinets in Berlin, Dr. Schorn, bezeichnete im Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 100, als Merkmal des Original-Holzschnitts, ohne Jahrszahl: daß zwischen dem längsten der vom Gebirge herabhängenden Grashalme (richtiger Strauchwerk) und dem Umriß des Gebirges noch ein ziemlicher Zwischenraum stattfinde, während sonst dieser Halm bis auf das Gebirge herabreicht. —

Ausser dem Abdruck, mit dieser bezeichneten Verschiedenheit, in Berlin habe ich ähnliche nur in der Königlichen Sammlung zu Copenhagen, der Privatsammlung des Königs von Sachsen in Dresden, dem Dürer-Werke der Ambraser-Sammlung in Wien und einmal im Kunsthandel angetroffen, während bei den sehr zahlreichen übrigen Abdrücken des keinesweges seltenen Blattes, der längste Zweig des herabhängenden Strauchwerks immer den Umriß des Gebirges berührt. —

Das übrige der beiden Abdrucks-Gattungen ist einander sehr ähnlich, doch zeigt eine Vergleichung: daß sie von zwei verschiedenen Holzstöcken herrühren, welche indeß einander nicht so sehr in Güte nachstehen, daß man den einen für eine Copie des anderen halten könnte. Ich zweifle daher nicht, daß es — wie bei Dürer mehrfach vorkommt — ein zweiter Schnitt nach derselben Zeichnung ist. Bei dem Abdruck der Ambraser-Sammlung scheint das Monogramm erst später aufgedruckt.

Der erste Schnitt ist auch als fliegendes Blatt gebraucht, und bei dem Abdruck in Dresden findet sich noch die Schrift rund umher vollständig erhalten.

Die Ueberschrift in großen semi-gothischen Buchstaben lautet

»Sanctus Hieronymus Strydenensis Theologus.«

Am linken Rande des Blattes ist lateinischer Text; der deutsche am rechten Rande fängt an: