»Anno 370, etlich setzen anno 400, leuchtet der vilkindig fürbündig gelerte man Hieronymus u.s.w.«
unten steht:
»Gedruckt zu Nürnberg durch Hans Glaser Brieffmahler hinter Sanct Lorenzen auff dem Platz.«
Die früheren oftmals sehr schönen scharfen Abdrücke der zweiten Gattung, welche zuweilen auf Pergament vorkommen, haben im Papier das Wasserzeichen der Wage im Kreise mit einem Stern darüber, Nr. 22a.
Man findet diesen Holzschnitt sowohl ohne als mit der Jahrszahl und bei einzelnen der letzteren trifft man den von Heller, pag. 670, angegebenen Büchertitel auf der Rückseite gedruckt.
Ich glaube übrigens, daß Heller sich irrt, wenn er die Abdrücke mit der Jahrszahl für die ältern hält. Die schönsten Drucke, auch auf den besten Papieren, mit 13¼ Linien Zwischenraum der Drathstriche, habe ich ohne die Jahrszahl gesehen, zwar auch recht reine und scharfe mit derselben, doch hatten die stumpfesten, welche mir auf den späteren Papieren vorgekommen sind, die Jahrszahl.
Ein schöner und sehr beliebter Holzschnitt, von dem die ersten Abdrücke im Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20, haben. Andere vortreffliche Abdrücke trifft man auf einem sehr festen Papier mit 12 Linien Abstand der Drathstriche.
Dieses, auch der kleine Hieronymus genannte Blättchen, ist einer der seltensten Holzschnitte des Dürer’schen Werkes, es ist rund und sehr klar von Schnitt. — Das Original — es existirt davon eine neue sehr täuschende Copie von Kappes — hat ein festes Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.
Anfangs hatte Dürer nur sechs Heilige dargestellt und die Abdrücke dieses Holzstocks auf Papier mit der hohen Krone sind eben so ausgezeichnet durch ihre Schärfe als selten. Im Jahre 1517 waren indeß die beiden letzten Heiligen zur rechten Seite, St. Poppo und St. Otto, bereits hinzugefügt und man findet die alten reinen Abdrücke dieser acht Heiligen mit einem lateinischen Gedichte des Johann Stabius, welches die Ueberschrift hat:
Ad sanctos Austriae Patronos Joann Stabii AVPrecatio.
Das Gedicht ist in drei Columnen gedruckt, zu zweimal 16 und einmal 14 Reihen, unter den letztern steht die Jahrszahl MDXVII.[41]
Die späteren Abdrücke sind fast immer schon mehr oder minder stumpf. Der Holzstock ist noch vorhanden und Abdrücke davon befinden sich in der von Derschau’schen Sammlung.
Die ältesten Drucke haben das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24, die späteren sind auf Papier mit dem Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, oder des Wappens von Augsburg und einem A darunter, Nr. 50.
Das Papier der alten Drucke hat als Wasserzeichen den Ochsenkopf mit dem Caducaeus. Die neueren häufigen Abdrücke sind stumpf und daran kenntlich, daß der Einfassungsrand oben in der Mitte eine ausgesprungene Stelle hat.
Man hat schöne Abdrücke davon auf Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 44 und 13 Linien Entfernung der Drathstriche.
Die alten klaren und scharfen Abdrücke, dieses im Allgemeinen nicht seltenen Blattes, findet man sehr sparsam; sie haben das Papier von feiner Masse mit dem Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, und einen Abstand der Drathstriche von 14 Linien.
In den späteren Abdrücken bemerkt man unten rechts die Spuren eines Sprunges, oben links kleine vom Wurmfraß herrührende Fehlstellen. Ihr Papier von geringer Güte hat das auch bei späteren Abdrücken der großen Passion vorkommende Wasserzeichen einer Schlange, Nr. 47.
Es ist auch in den besten Abdrücken ein etwas roher Holzschnitt. Die alten Abdrücke haben als Wasserzeichen die große hohe Krone oder die Wage im Kreise, Nr. 22a.
Wie auch Heller bemerkt, findet man diesen sehr beliebten großen Holzschnitt nicht häufig in vollkommen reinen Abdrücken. Die ersten haben das Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl das der Hand mit Blume, Nr. 26. Der Holzstock scheint späterhin gleichzeitig mit denen der großen Passion abgezogen zu sein, wenigstens trifft man gute Abdrücke auf demselben Papier mit dem Wasserzeichen eines verzierten K, Nr. 40, welches bei den bessern Abdrücken des dritten Etats der großen Passion bemerkt ist. Bei späteren Abzügen kommt auch das Wappen von Augsburg vor, diese haben einen Sprung in der Mitte, welcher bis auf das Monogramm-Täfelchen hinunter geht.
Dieses, auch von Vasari gerühmte schöne Blatt hat in alten Abdrücken das Wasserzeichen der großen hohen Krone oder des Reichsapfels mit Stern. Gute Abdrücke findet man auch auf einem festen Papier mit einem nicht wohl kenntlichen Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13¼ Linien Entfernung haben.
Dieser von Bartsch unter die Arbeiten Dürer’s aufgenommene Holzschnitt ist von Heller wohl mit Recht als Nr. 77 unter die zweifelhaften Blätter versetzt.
Das Zeichen Dürer’s, von ungewöhnlicher Form, welches die zweiten Drucke haben, ist sichtlich mit einem Stempel aufgedruckt.
Das Papier solcher Abdrücke hat das Wasserzeichen des Reichsadlers.
Die ersten scharfen und reinen Drucke auf Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone sind selten, sonst ist das Blatt sehr verbreitet. Bei den späteren Abdrücken kommen Fehlstellen vom Wurmfraß oft bis zur Entstellung vor.
Auch von diesem Blatte sind die alten reinen Abdrücke nicht häufig, sie haben ebenfalls Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl ein besonders festes Papier mit 14¼ Linien Abstand der Drathstriche.
Beide Holzschnitte werden von Vasari besonders hervorgehoben.
Dieser große Holzschnitt hat in den ersten Drucken das Papier mit dem großen Reichsapfel, Strich und Stern darüber, Nr. 24.
Bei späteren jedoch noch guten Abzügen findet man das Wappen von Augsburg mit einem A, Nr. 50.
Auch von diesem Holzschnitt haben die seltenen scharfen frühesten Abdrücke das Wasserzeichen des großen Reichsapfels, mit Strich und Stern im Papier, ein Wasserzeichen, welches man bei den großen Dürer’schen Holzschnitten, deren Datum nicht über das Jahr 1511 hinausgeht, in ersten Drucken allgemein antrifft.
Ich bin aus diesem Grunde, wie aus anderen in der Behandlung des Holzschnitts liegenden Ursachen, der Ansicht: daß derselbe zu den früheren Arbeiten Dürer’s gehört, welches auch Heller annimmt und worin ich durch eine in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen befindliche Dürer’sche Zeichnung bestärkt werde, welche ein Frauenbad mit Kindern darstellt, in Styl und Behandlung große Uebereinstimmung mit diesem Holzschnitt hat und die Jahrszahl 1496 trägt. Spätere gute Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des K, Nr. 40, die neueren mit dem Zeichen des Wappens von Augsburg, Nr. 49.
Von diesem Blatte giebt es eine alte bisher ganz unbekannte Wiederholung, wovon der einzige mir zu Gesicht gekommene Abdruck von meinem verehrten Freunde, dem Herrn Dr. Straeter in Aachen, in London aufgefunden und mir überlassen wurde.[42] Sie hat kein Monogramm und ist überhaupt keine genaue Copie, scheint vielmehr nach derselben Dürer’schen Zeichnung von einem andern Formschneider gearbeitet zu sein. Der Schnitt ist sehr scharf, und es wäre nicht unmöglich, daß dies der erste Schnitt nach der Zeichnung wäre, welcher unsern Meister vielleicht nicht befriedigt und deshalb den andern Holzschnitt veranlaßt hätte.
Daß der fragliche Abdruck schon bei Lebzeiten Dürer’s und zwar anscheinend vor 1515 genommen ist, beweist dessen Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, welches bei den ältern Holzschnitten dieser Periode, aber nicht später, vorkommt.
Herr Dr. Nagler hat auf pag. 203 seiner Monogrammisten eine Nachweisung der in Deutschland vorhandenen vollständigen Exemplare dieses schönen in allen 4 Blättern von gleichem alten Druck höchst seltenen Kunstwerks gegeben. Ausser den angeführten ist noch ein vollständiger Abdruck in der Privat-Sammlung des verstorbenen Königs von Sachsen und in der Sammlung des Museums zu Braunschweig auch einer, dem indeß ein Blatt der Mittelstücke fehlt, auf der Festung zu Coburg. —
Bei den alten Drucken, welche nicht aufgelegt waren, habe ich im Papier das Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, gefunden, bei dem dritten Blatte von oben hat das Exemplar in Braunschweig einen sehr sichtbaren Sprung des Holzstocks, daher die Abdrücke, auch der Mittelstücke, aus verschiedenen Perioden herrühren werden. Einen Beweis hiervon liefert noch der Abdruck in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu München, unter welchem mit beweglichen Lettern gedruckt steht:
Gedrückt durch Hans Guldenmund brieffmaler zu Nürnberg.
Dieses Exemplar ist daher entschieden erst nach Dürer’s Tode abgezogen, das Papier desselben hat auch das spätere Wasserzeichen einer Lilie mit 15 Linien Entfernung der Drathstriche. Die oberen und unteren Blätter dieses Werkes sind weniger selten und man findet sie zu sehr verschiedenen Zeiten abgedruckt. Ich habe bei den spätem Abdrücken derselben in den Papieren das Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, ein Römisches R in einem geschweiften Schilde, das Wappen von Schrobenhausen, Nr. 15, den Reichsadler und das Wappen von Augsburg gefunden.
Dieses seltene Blatt hat Heller unter die zweifelhaften unsers Meisters versetzt. Es weicht freilich in der Behandlung, obgleich mit dem Monogramm versehen, von den übrigen Holzschnitten Dürer’s ab, dagegen hat es Aehnlichkeit mit den Holzschnitten zu den Comödien der Rhoswita, welche von vielen Kennern, namentlich auch von C.F. v. Rumohr,[43] dem Dürer-Werke zugezählt werden.
Man hat alte Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, auf deren Rückseite eine lateinische Dedication gedruckt ist, welche folgende Ueberschrift hat:
DN. IMP: MAXIMILIANO AVGVSTO.
CONRADVS. PEVTINGER. AVGVSTANVS.
FOELICITATEM.
Die alten schönen Abdrücke dieses großen Holzschnittes haben das Papier mit dem Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24. Bei den guten spätern findet man das Wappen von Augsburg, Nr. 50, in einem stark gerippten Papier mit Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien, auch wohl ein feines Papier mit gleicher Entfernung der Drathlinien und dem Wasserzeichen eines langen Wappenschildes, Nr. 44.
Dieser als fliegendes Blatt herausgegebene Holzschnitt gehört zu den seltenen. Man hat davon zweierlei Abdrücke, die ersten mit der Ueberschrift und dem Gedicht, wie Heller solche pag. 686 bis 688 angiebt; haben im Papier das Wasserzeichen des kleineren Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24a, und 13¾ Linien Abstand zwischen den Drathstrichen.
Die zweiten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen der Urne, Nr. 25, und unterscheiden sich durch eine abweichende Schreibart sowohl bei der Ueberschrift als bei dem Gedicht.
Die erstere heißt:
Noch seltner als der vorhergehende ist dieser schöne wohl ohne Zweifel von Dürer eigenhändig geschnittene und ebenfalls als fliegendes Blatt herausgegebene Holzschnitt. Die Ueberschrift ist übrigens von Heller, pag. 684, nicht ganz richtig angegeben, die zweite Zeile heißt:
Der pit got trum hye auff erden.
Die ersten Drücke haben Papier mit dem Ochsenkopf, Kreuz und Blume darüber, Nr. 20, und 13¾ bis 14 Linien Abstand der Drathstriche.
Der kleine runde und außerordentlich seltne, wenn auch nicht sehr schöne Holzschnitt, ist mir nie in einem solchen Zustande vorgekommen, daß ich über die Beschaffenheit des Papiers desselben nähere Kennzeichen anzugeben im Stande wäre. —
Nicht weniger selten ist dieses dem vorigen an Größe gleiche Blättchen, das Papier ist dasselbe, auf welchem der kleine Hieronymus, B. 115, vorkommt.
Die vortreffliche Original-Federzeichnung zu diesem schönen Holzschnitt, mit einer drei- und dreiviertelzeiligen Unterschrift, von Dürer’s Hand, befindet sich bekanntlich im Print-room des British Museum.
Von dem Holzschnitt giebt es nach den bisherigen Annahmen drei Editionen, ich kenne indeß davon neun verschiedene Abdrucks-Gattungen, welche entweder in der Ueberschrift mit beweglichen Lettern oder in der Beschaffenheit des Holzstocks, auch in den Papieren der Abdrücke zum Theil sehr wesentlich von einander abweichen.
1) Nach meinen Wahrnehmungen haben die ersten durch Reinheit und Schärfe von allen übrigen ausgezeichneten Abdrücke eine Ueberschrift von 5 vollen Zeilen. An dem Holzstock ist, bis auf einen ganz kleinen Aussprung des Einfassungsstriches links, 8 Linien von oben, keine Beschädigung wahrzunehmen.
Diese Abdrücke kommen regelmäßig auf dem bei Dürer’s Lebzeiten gebräuchlichen festen Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, vor, welches eine Entfernung der Drathstriche von 13¾ Linien hat.
Die Ueberschrift fängt an:
»Nach Christus gepurt 1513 — —«
und endet:
»Der Rhynocerus Schnell, fräydig vnd Listig sey.«
Es ist dieses die von Bartsch und Heller als die zweite bezeichnete Edition, daß sie aber die frühere ist, geht, ausser der vollkommenen Schärfe und Fehlerlosigkeit des Abdrucks, auch aus der offenbar älteren Schreibart der Ueberschrift hervor, indem bei dieser unter andern steht:
Kunig, statt bei der von Heller angeführten ersten, König, fast fest statt sehr fest nydertrechtiger von paynen statt niderichter von baynen, u.s.w.
Die von Bartsch erwähnte erste Edition mit 5½ zeiliger Ueberschrift, welche anfängt
Nach Christus Gepurt 1513 u.s.w.
findet sich nirgends und ich glaube annehmen zu dürfen, daß Bartsch die von Heller genauer bezeichnete Abdrucks-Gattung mit 5½zeiliger Ueberschrift gemeint und den Unterschied in der Schreibart von »nach Christus gepurt« gegen »nach Christi Geburt« nicht beachtet hat.
2) Die von Heller, pag. 692, als erste beschriebene Ausgabe. Sie hat eine Ueberschrift von 5½ Zeilen, welche anfängt:
»Nach Christi geburt etc.« und endet »Der Rhynocerus Schnell,
fräydig und Listig sey.«
3) Ein Abdruck, ebenfalls mit 5½zeiliger Ueberschrift, welche anfängt:
»Nach Christi geburt etc.« und endet »Der Rhinocerus Schnell,
fräydig und auch Listig sey.«
4) Ein Abdruck mit 5¾zeiliger Ueberschrift, der vorigen gleich, nur daß das Ende derselben heißt:
»Schnell fraidig und auch Listig sey.«
5) Ein Abdruck mit 5¾zeiliger Ueberschrift, welche anfängt:
»Nach Choistie geburt« und endet »Der Rhinocerus Schnell fraitig
und auch Lustig sey.«
Es ist dieses derjenige Abdruck, welchen der verstorbene Schorn im Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 104, als »vielleicht Ersten« bezeichnet, indem derselbe irrthümlich angab: daß solcher 5 Zeilen Ueberschrift habe, wovon jedoch die letzte nicht ganz vollständig sei, auch es übersehen hatte, daß nicht Christie geburt sondern Choistie geburt zu lesen ist.[44]
6) Ein Abdruck ohne alle Ueberschrift.
7) Die von Hendrick Hondius veranstaltete Ausgabe, mit einer Holländischen Ueberschrift von 6½ Zeilen und seiner Adresse darunter.
8) Die Abdrücke in Clair Obscur mit farbigen Tonplatten.
9) Spätere Abdrücke ohne Ueberschrift.
Die Editionen 2 bis 5 haben bereits sämmtlich theils mehr theils weniger die Spur eines Anfangs ganz feinen Sprunges des Holzstocks, welcher an der linken Seite in einer Höhe von 27 Linien vom untern Einfassungsstriche die Haare des Schweifes durchschneidet und bis in den rechten Hinterschenkel hinein läuft.
Ausser dem bei der Abdrucksgattung 1 bemerkten kleinen Aussprunge der linken Einfassungslinie, ist hier auch ein kleiner Aussprung derselben in der Höhe von 18 Linien vom untern Rande.
Die mit 3 bezeichneten Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 42 oder bei einem weichen Papiere das ebenfalls spätere Wasserzeichen Nr. 44. Die unter Nr. 5 aufgeführten ein Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 57 und 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Zwischen den Abdrücken 2 bis 5 ist der Unterschied der Schärfe und Erhaltung der Platte nicht sehr bedeutend und sie scheinen in einem nicht sehr langen Zeiträume nach einander veranstaltet zu sein. Desto hervorstechender ist aber dieser Unterschied bei den Nrn. 6 bis 9.
Bei Nr. 6 auf einem festen Papier mit 11 Linien Entfernung der Drathstriche, geht der vorher bezeichnete Sprung der Holzplatte sehr sichtbar durch beide Hinterbeine. Der Einfassungsstrich ist bis auf einen neuen sichtbaren Aussprung rechts oben noch wohl erhalten.
Nr. 7 ist auf Holländischem Papier mit der großen Schellenkappe und 11¾ Linien Abstand der Drathstriche. Der Sprung ist durch alle vier Beine sichtbar und der Einfassungsstrich hat eine größere Fehlstelle von 6 Linien Breite an der linken Seite, 22 Linien von oben. Hieran sind diese in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts veranstalteten Abdrücke zu erkennen, auch wenn, wie häufig, die Schrift abgeschnitten ist.
Bartsch hat sich[45] in seinem großen Eifer darzuthun: daß Albrecht Dürer nicht selbst in Holz geschnitten habe, durch die Unterschrift dieser Holländischen Edition verleiten lassen, es für wahrscheinlich zu halten: daß Hondius die Platte dieses Rhinoceros geschnitten habe, eine Vermuthung, welche bei einem so einsichtsvollen Kenner um so mehr auffallen muß, als Hendrick Hondius bekanntlich über hundert Jahre später als Dürer lebte und arbeitete.
Die Abdrücke mit farbigen Tonplatten, Nr. 8, — welche sowohl in grüner als brauner Farbe vorkommen und, als große von unserm Meister selbst herrührende Seltenheiten, von den Liebhabern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, sind erweislich erst später als die Ausgabe durch Hondius veranstaltet; denn der Sprung in dem Holzstock geht — wenn er nicht, wie manchmal, künstlich ausgebessert ist — durch alle vier Beine und auch durch die Schnauze des Thiers. Der Einfassungsstrich hat größere Unterbrechungen, namentlich oben, und fehlt an der rechten untern Ecke ganz, in der Breite von 12 und in der Höhe von 14 Linien; das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von knapp 11 Linien. Diese Clair Obscurs sind ohne Zweifel von dem Willem Janssen in Amsterdam gedruckt, welcher ganz gleiche Abdrücke von Dürer’s Portrait des Ulrich Varnbühler, B. 155, und von mehreren Holzschnitten des Heinrich Goltzius veranstaltet hat.[46]
Die schwarzen Abdrücke, Nr. 9, haben dieselben bei der vorstehenden Gattung bemerkten Fehlstellen des Holzstocks, aber ausserdem die Spuren kleiner Wurmlöcher an dem untern Schilde des Halses und eines größeren am linken Vorderbeine, ihr Papier hat einen Abstand der Drathstriche von nur 10½ Linien.
Ob übrigens die von mir bei den Abdrucks-Gattungen 2 bis 5 angenommene Priorität die völlig richtige ist, muß ich dahin gestellt sein lassen; da es mir nicht möglich gewesen ist, Abdrücke dieser vier Gattungen zu genauer Vergleichung neben einander zu haben. Die von mir beobachtete Reihenfolge ist wesentlich auf den Abweichungen der Schreibart in den Ueberschriften begründet und es ist daher immerhin möglich, daß ein von mir später bemerkter Abdruck früher als ein vor ihm stehender genommen ist. Die kleinen Beschädigungen durch den Sprung des Holzstocks sind ausserdem nicht bei allen Abdrücken derselben Gattung ganz gleich, so liegt mir von der häufiger vorkommenden Nr. 5, bei welcher man diesen Sprung in der Regel besonders bemerkt, ein Abdruck vor, auf dem derselbe kaum wahrzunehmen ist, wogegen sich in der Privatsammlung des verstorbenen Königs von Sachsen in Dresden ein Abdruck von Nr. 1 befindet, bei welchem der Riß bereits sichtbar ist.[47]
Dieser nicht sehr häufige Holzschnitt bei Heller[48] wohl über Gebühr gepriesen, von v. Rumohr[49] und Nagler[50] dagegen zu gering geschätzt, ist zwar augenscheinlich nicht von Dürer’s Hand geschnitten, doch liegt demselben ohne Zweifel eine Zeichnung desselben zum Grunde.
Will man auch nicht die Meinung einiger Sammler theilen, welche diese Blätter als zu dem im Jahre 1527 gedruckten Werke Dürer’s
»Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schloß und flecken«
gehörig, bezeichnen, so stehen sie doch zu demselben in der genauesten Beziehung, indem sie es anschaulich machen: wie eine nach den Vorschriften jenes Unterrichts befestigte Stadt belagert und vertheidigt werden kann.
Mit der auf dem 2. Blatte über dem Monogramm stehenden Jahrszahl 1527 stimmen die in den Papieren der ersten Abdrücke vorkommenden Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, und des stehenden Hundes, Nr. 35, überein, welche sich ebenfalls in den Papieren der zu dem vorbezeichneten Werke gehörenden Holzschnitte befinden. — Spätere Abdrücke haben das Wasserzeichen einer hohen Hand mit Stern darüber, oder des Reichsadlers, sind auch zum Theil nicht frei von Spuren des Wurmfraßes in den Holzstöcken.
Ueber dieses große Werk finden sich ausführliche Nachrichten bei Bartsch, Heller und Nagler. Ich kann denselben nur hinzufügen: daß sich ausser den von diesen angeführten Exemplaren, ein vortreffliches alt illuminirtes und auf Leinwand gezogenes auf der Bibliothek in Wolfenbüttel befindet, welches leider theilweise beschädigt ist[51] und daß die Königliche Kupferstich-Sammlung in Stuttgart einen vollständigen alten Abdruck in einzelnen Blättern besitzt, welcher in den durch das Aufkleben der »Porten des Lobes« und der »Porten des Adels« bewirkten Correkturen mit denjenigen beiden Exemplaren übereinstimmt, welche die vortreffliche Königliche Kupferstich-Sammlung in Copenhagen zieren.[52]
Sowohl das Exemplar in Stuttgart als die in Copenhagen haben ein sehr festes Papier mit dem Wasserzeichen des großen Reichsadlers mit Krone, welches auf einen erst nach Dürer’s Tode stattgefundenen Abdruck schließen läßt. In Copenhagen konnte ich die Drathrippen nicht unterscheiden, in Stuttgart betrug die Entfernung derselben 16½ Linien, übrigens muß das hier aufbewahrte Exemplar später gedruckt sein, wie die Copenhagener, da einzelne Stöcke schon Sprünge zeigen, welche hier nicht bemerkbar sind.
Nach meiner Ansicht dürfte es trotz der neueren umfassenden Untersuchungen des Herrn Dr. H. Glax[53] doch sehr schwierig sein, mit einiger Sicherheit die Priorität der verschiedenen alten Abdrücke zu bestimmen.
Aeltere Abdrücke von einzelnen Holzstöcken dieses Werks, namentlich der Schlachten, finden sich in verschiedenen Sammlungen, zuweilen sehr schön auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, oder dem Oval mit Kreuz, Nr. 34, jedoch etwas größer, sie sind übrigens durch ihre Reinheit und Schärfe leicht von denen der spätesten von Bartsch veranstalteten Ausgabe zu unterscheiden.
Die erste Ausgabe dieses vortrefflich von Dürer gezeichneten, von Hieronymus Resch geschnittenen Kunstwerks, aus 8 Blättern bestehend, ist ausserordentlich selten und fehlt vielen der berühmtesten Sammlungen. Sie ist mit ganz deutschem Text auf den 6 letzten Blättern und nicht wie Bartsch bei der ersten Ausgabe angiebt, auch mit Lateinischem Text auf dem 3. und 8. Blatte. Auch die Schreibart ist altertümlicher, als sie Bartsch und Heller angeben. Sie fängt auf dem 3. Blatte an:
»Diser nachverzeychenter Eren oder Triumph wagen, ist dem allerdurchleuchtigisten Großmechtigisten Herrn wey‑ | lund Keyser Maximilian, hochlöblicher gedechtnuß vnserem allergnedigisten Hern zü sonderen eren erfunden vnnd | verordent, vnnd zü vnterthenigem gefallen dem großmechtigisten yetz Regierenten Keyser Karolo etc. durch Albrecht | Dürer daselbst in das werck gepracht.«
und endigt auf dem 8. Blatt:
»Diser wagen ist zu Nürmberg erfundē | gerißsen vnnd gedruckt durch Albrechten | Thürer | im jar
M. D. xxjj.
Cum Gratia et Privilegio Cesaree Maiestatis.
Schorn[54] nimmt zwar an, daß es noch eine frühere Ausgabe ohne dieses Privilegium gäbe, weil Bartsch und Heller desselben nicht erwähnen, ich halte dieses aber für eine Auslassung des Bartsch, welche Heller, wie gewöhnlich ohne eigne Untersuchung, nachgeschrieben hat. Ich habe nie einen Abdruck, weder mit deutschem noch lateinischem Texte, ohne dieses Privilegium gesehen, auch hatte Albrecht Dürer ja bereits im Jahre 1511 ein Kaiserliches Privilegium für die von ihm herausgegebenen Werke erhalten.
Die erste Ausgabe, von eben so scharfem als kräftigem Druck, welche auf den ersten sieben Blättern unten die großen lateinischen Buchstaben A bis G auf dem achten aber ein großes Gothisches H als Signatur hat, ist auf einem sehr festen Papiere mit dem Wasserzeichen Nr. 32, welches einen Abstand der Drathstriche von 13¾ bis 14 Linien hat, es ist dasselbe Papier, welches Dürer auch zu den Abdrücken anderer größerer Blätter verwendet hat. Die zweite Ausgabe mit ganz lateinischem Texte und der Jahrszahl 1523 ist im Abdruck fast eben so schön als die vorhergehende, und hat auch dasselbe Papier. Die Signaturen auf den ersten sieben Blättern sind gleich der Ausgabe mit deutschem Text, auf dem letzten Blatt ist aber die Signatur ein kleines Lateinisches h. Man trifft übrigens auch Exemplare, bei denen Abzüge der ersten und zweiten Ausgabe zusammen gefügt sind, wie namentlich dasjenige in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Stuttgart.
Weniger scharf im Druck und überhaupt geringer ist eine dritte Ausgabe, ebenfalls mit deutschem Text und der Jahrszahl 1522, welche aber augenscheinlich später und, dem Papiere nach, erst nach Dürer’s Tode gedruckt wurde. Sie ist daran zu erkennen, daß auf dem achten Blatte die Jahrszahl in Arabischen Ziffern gedruckt ist 1522 statt auf der ersten Ausgabe M. D. xxjj — auch ist bei dem Privilegio ein Druckfehler, indem statt Maiestatis steht Waiestatis.
Das Papier ist weniger fest als bei den früheren Ausgaben und hat das herzförmige Wasserzeichen, Nr. 56, mit nur 12 Linien Entfernung der Drathstriche.
Eine dieser ganz ähnliche, der Schärfe des Drucks und dem Papiere nach ebenfalls spätere Edition, kommt auch mit lateinischem Text und der Jahrszahl MDXXIII vor. Die ersten beiden Blätter derselben sind ohne die Signaturen A und B, die beweglichen Lettern der Ueberschrift, sichtbar stumpfer als bei der früheren Edition, auch ist das Papier geringer von Güte; es hat das Wasserzeichen eines geschweiften durch einen Balken schräg durchschnittenen Schildes mit 2 sechsstrahligen Sternen und 16 Linien Entfernung der Drathstriche.
Die in Venedig von Chinig veranstaltete Ausgabe mit der Jahrszahl 1588 ist zwar bedeutend stumpfer als die früheren, doch sind die Holzstöcke noch fast unversehrt. Das feste Papier derselben hat Drathstriche in der Entfernung von 12¾ Linien. Die Signatur auf dem letzten Blatte, bei der ersten lateinischen Ausgabe ein kleines Lateinisches h, ist bei dieser Ausgabe ein großes H. Es kommen auch spätere Abdrücke von einzelnen der Holzstöcke vor, bei denen indeß bedeutende Sprünge in denselben sichtbar sind.
Die bisher als vierte bekannte Ausgabe vom Jahre 1609 ist mit vollem Recht von Schorn[55] als Copie bezeichnet, doch können die Stöcke wohl nicht, wie derselbe vermuthet, von dem bekannten Maler und Formschneider Johann (nicht Cornelius) Liefrinck geschnitten sein, da dieser noch im Jahre 1580 lebte, der erste Druck dieser Copien aber von der Wittwe des Cornelius Liefrinck in Antwerpen schon 1545 veranstaltet wurde. — Ich vermuthe: daß die Holzstöcke dieser Copie diejenigen sind, welche von Hans Güldenmund in Nürnberg geschnitten und wie von Herrn J.A. Börner zuerst bemerkt ist, von jenem im Jahre 1529 herausgegeben wurden.
Wenn nun gleich auf die Klage der Wittwe Dürer[56] dem Güldenmund die fernere Verbreitung der Abdrücke untersagt war, so wird nach dem Tode derselben, die Benutzung der Platten, namentlich zu einem Abdruck in Antwerpen, keine Schwierigkeiten gehabt haben, auch entspricht der Schnitt der Stöcke den zahlreichen bekannten Arbeiten des Güldenmund vollkommen.
Bei den Abdrücken vom Jahre 1609 bemerkt man an mancherlei kleinen Beschädigungen und Aussprüngen, daß die Holzstöcke schon alt waren.
Das Papier hat das Wasserzeichen der Lilie mit einer Krone darüber, Nr. 54, und einen Abstand der Drathstriche von 12 Linien.
Die Platten 3 bis 8 sind mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. —
Diese kunstreichen Holzschnitte, welche Dürer in seinem Tagebuche[57] »die Sechs Knoten« benennt, sind in den ersten Drucken, ohne das Monogramm unsers Meisters, sehr selten, besonders vollzählig, da gewöhnlich Nr. 144 fehlt. Das Papier dieser Drucke von besonders feiner Masse, ist weiß, fest und dünn, mit einer Entfernung der Drathstriche von 14 Linien. Das Wasserzeichen desselben, welches wegen des schwarzen Grundes nur theilweise wahrgenommen werden kann, ist das bei Dürer selten vorkommende, des Cardinalhuts.
Die zweiten Drucke, mit Hinzufügung des Monogramms auf den ersten vier Blättern, haben weniger Schärfe und Klarheit. Sie kommen auf verschiedenen Papieren vor, mit dem Wasserzeichen eines Kreuzes im Kreise, eines römischen E im Kreise, Nr. 55, und des Reichsadlers. Die älteren davon haben indeß ein gutes festes Papier, welches denen der ersten Drucke nahe kommt, indeß nur einen Abstand zwischen den Drathstrichen von 12 Linien hat.
Die späteren Abdrücke von Nr. 140 zeigen einen sehr sichtbaren Sprung des Holzstockes.
gehören zu Dürer’s Werk »Underweysung der meßung, mit dem zirkel vn̄ richtscheyt, u.s.w.« und finden sich bei der ersten Ausgabe von 1525 auf den Blättern qij und qiij.
Das Papier hat das Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, mit Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien.
kommen erst in der zweiten im Jahr 1538 veranstalteten Ausgabe des obigen Buches vor, wo sie auf der Rückseite des Blattes q3 abgedruckt sind. Das Papierzeichen ist hier ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darüber, Nr. 37. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 12¾ Linien.
Obgleich diese zwei Blätter erst zehn Jahre nach Dürer’s Tode zum Abdruck gekommen sind, so rühren sie doch, was die Zeichnung anbetrifft, unzweifelhaft von unserm Meister her. Die Zeichnung zu 148 mit der Jahrszahl 1514 ist noch jetzt erhalten und befindet sich auf der Königlichen Bibliothek zu Dresden.[58]
Sie gehören in alten Abdrücken, besonders vollständig, zu den großen Seltenheiten. Ihr Papier ist sehr stark und schön, und von demselben, welches Dürer auch zu den drei großen Büchern verwendete. Es hat das Wasserzeichen des Triangels mit Strich und fünfblättriger Blume, Nr. 28.
Die späteren Abdrücke sind an dem Mangel von Schärfe und Reinheit, wie an den geringeren Papieren leicht erkennbar.
Dieser schöne Holzschnitt, nach der von Dürer am Montag nach Johannis 1518 genommenen Portrait-Zeichnung — jetzt eine der Zierden der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien — ist eben so beliebt, als in den ersten ganz klaren und von jeder Beschädigung freien Abdrücken ausserordentlich selten. Bei den meisten Abdrücken ist ein Sprung der Holzplatte sichtbar, welcher, an der linken Seite Hut und Haar bis auf das Gewand durchschneidend, perpendikulär hinuntergeht, auch sind wohl kleine Wurmlöcher in den Haaren bemerkbar. Solche Exemplare findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, oder des Wappens von Augsburg mit einem A darunter, Nr. 50.
Von den Abdrücken dieses Holzschnitts, deren Kennzeichen darin besteht: daß bei der oben auf einer Bandrolle befindlichen Inschrift die Buchstaben ae des Wortes Caesar sich in dem Bauche des großen C befinden, sind mir nur zwei bekannt, der eine aus der von Nagler’schen Sammlung, jetzt in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Berlin, der andere in der ehemaligen von Quandt’schen Sammlung in Dresden, gegenwärtig im Besitz des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M.
Die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke, bei denen das ae zusammengezogen, wie gebräuchlich dem großen C nachgesetzt ist, hält Schorn[59] für eine Nachbildung des Holzschnittes 153. — Ich kann dieser Ansicht nicht beipflichten, sondern möchte glauben, daß dieses Blatt wie das von Schorn beschriebene, Arbeiten verschiedener Xylographen nach derselben Zeichnung Dürer’s sind, von denen allerdings der des ersteren der geschicktere war. Man findet bei dem ersten das Wasserzeichen der in Dürer’s letzter Lebenszeit vorkommenden kleinen Krone mit 11½ Linien Entfernung der Drathstriche, bei dem letzteren noch recht gute Drucke auf einem nicht sehr griffigen Papier, dessen Drathstriche 12 Linien Entfernung haben. Das von Schorn beschriebene Exemplar ist durch August Künzel in Berlin auf Stein treu doch etwas zu elegant nachgezeichnet. —
Dieses vortreffliche Portrait ist nicht häufig, besonders selten aber in den alten Abdrücken, wo der scharfe Holzschnitt noch nicht die geringste Spur von Beschädigung zeigt.
Solche Abdrücke sind auf einem sehr festen Papiere mit einer Entfernung der Drathstriche von 14 auch wohl 13½ Linien. Spätere Abdrücke haben ein ziemlich dünnes Papier mit dem herzförmigen Wasserzeichen, Nr. 56, und 11½ Linien Entfernung der Drathstriche, oder Papier mit dem großen Wasserzeichen Nr. 50.
Bei diesen ist indeß schon an der linken Seite ein feiner Sprung sichtbar, welcher durch den Besatz des Kleides bis auf die Brust geht.
Der Holzstock ist späterhin nach Holland gekommen und Hendrick Hondius hat Abdrücke davon veranstaltet, welche man, ausser der (gewöhnlich abgeschnittenen) Adresse desselben, an dem Papiere mit dem Wasserzeichen eines großen geschweiften Wappens erkennt, welches eine Querabtheilung hat.
Die Abdrücke dieses Holzschnittes in Clair Obscur, mit verschiedenen Platten in grünlichem oder bräunlichem Tone gedruckt, welche von den Sammlern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, rühren nicht von Albrecht Dürer her, sondern sind, wie solches Schorn bereits im Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108 bemerkt hat, viel später veranstaltet. Auf den wenigen Exemplaren, deren Papierrand erhalten ist, findet man die Adresse des Druckers Janssen, welcher in Amsterdam um die Zeit des Hondius lebte. Sie lautet:
»Ghedruckt t’ Amsterdam by Willem Janssen in de vergulde Sonnewyser.«
Das Papier dieser Abdrücke mit einer Entfernung der Drathstriche von 15 Linien, hat ein ziemlich großes zirkelförmiges Wasserzeichen an einer Seite mit drei Zirkelschlägen über einander.
Das Papier ist nicht sehr griffig und bei den nicht retouchirten Abdrücken ist der bereits oben erwähnte Sprung des Holzstocks sichtbar, auch haben die breiten Einfassungslinien Unterbrechungen, anscheinend von Aussprüngen, namentlich in dem obern Strich eine größere und eine kleinere Lücke, in dem untern 6 Unterbrechungen, wovon 4 kleiner, 2 aber größer sind, auch die Einfassungslinie links hat oben eine Lücke.
Durch diesen Willem Janssen, welcher im Jahre 1620 einen Prospect von Amsterdam veröffentlicht hat, sind auch von den Holzschnitten des Goltzius, namentlich von B. 226[60] und 231[61], clair obscurs mit 3 Platten gedruckt, in Farbe und Druckweise den Abdrücken des Varnbühler vollkommen entsprechend.
Es ist aus der letzten Lebenszeit unsers Künstlers und derselbe erscheint nicht mehr geschmückt mit den langen Locken, welche ihn in früheren Jahren und noch auf der Reise in den Niederlanden zierten.
Die ersten und zweiten Abdrücke dieses Holzschnitts sind selten.
Die Ersten haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31, oder eines verzierten gothischen P, Nr. 38.
Das Papier der zweiten Drucke hat das Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, oder zweier großer verbundener Thürme mit 12 Linien Abstand der Drathstriche, auch eines kleinen geschweiften Wappens mit einer Krone und 13¼ Linien Entfernung derselben. Von dieser zweiten Ausgabe, mit den Versen darunter, befindet sich ein alter colorirter Abdruck in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, unter welchem, abweichend von der Angabe Hellers, pag. 746, steht: