Florentin. (stark) Ich bleibe, bin Euer Bruder.
Greis. Du hast gewählt, von nun an ist jeder Rüktritt unmöglich. Du bist und bleibest unser im Guten und Widrigen; nie werden wir dich verlassen, aber nie wirst du auch, als Verräther, unserm Arm entwischen können, es sei denn, durch die Pforten des Todes. Hörst du, du bist unser! ganz unser! zerbrochen hast du jezt alle Ketten, die dich an andre Verhältnisse binden, — sei treu, Vinzenz, um deiner Wohlfarth willen, sei treu! Und bist du in der Treue bewährt — dann mache Ansprüche auf unsere Vergeltung deiner Thaten. Und vergelten wollen wir, so wahr Gott allgegenwärtig ist, der unser Versprechen hört, und den Bruch desselben rüge in Zeit und Ewigkeit! — Auch träume nicht, Vinzenz, schon jezt die höchste Stufe in unserm Orden erstiegen zu haben, dahin erheben dich erst Verdienste. Doch so viel du als Bundesglied erfahren darfst in deinem Range, wollen wir dir nicht verheelen.
Der Greis winkte. Einer der schwarzen Brüder trat hervor, wandte sich zum Grafen und redete also:
„Unser Bruder! treue Freundschaft ist die Quelle unsers Glüks. Disharmonie zerstört Staaten. Dies war von jeher der Grund, auf welchen alle Systeme irrdischer Glükseeligkeit erbaut wurden. Banditen und Räuber verbanden sich mit einander auf die Ruinen fremden Glüks das ihrige zu gründen. Aberglaube und Schwärmerei verbrüderten sich auf das Elend der Zeitgenossen das große Gebäude einer allgemeinen Hierarchie zu errichten — warum sollten sich nun nicht auch brave Männer mit denkenden Köpfen vereingen, dem allgemeinen Unwesen, welches die Menschheit unter tausenderlei Verkappungen verheert und elend macht, entgegen — zu arbeiten? — Soll ich Euch das menschliche Elend in seiner ganzen, schauerlichen Größe malen? soll ich Euch die mancherlei Klassen öffentlicher und heimlicher Bösewichter vom Thron herab bis zum Bettler durch alle Stände schildern? — Fordert Ihrs; so trage ich Mitleid mit Eurer wenigen Kenntniß der Welt, und Eurer Stubenweisheit; Ihr wärt kein Mann für uns.“
„Nur Leute vom erprobtesten guten Herzen und gutem Kopfe werden in unsern Bund aufgenommen, und diese befördern wir nach allen Kräften zu den vorzüglichern Aemtern des Staats, damit sie für ihr Herz und ihren Kopf den ausgebreitetsten Wirkungskreis auf das Wohl des Ganzen erhalten. Der Staat gewinnt dadurch Männer in seine Aemter, wie sie sein sollten; Dummköpfe, die durch Geld, Familienansehen oder andre Schleichwege nach glänzenden Posten trachten, werden zurükgedrängt. Und finden wir einen herrlichen Mann auf dem Wege zu solchem Amte; so helfen wir ihm selber empor, und ist er noch der schwarzen Brüder keiner, so wird ers dann jedesmahl. — Daher kömmts, daß wir jeden schäzbaren Mann, er lebe im Staate wo und in Dunkelheit gehüllt, wie er wolle, auf unsrer Liste führen und bei Gelegenheit hervorziehn. Auch geringere Leute stehn in unsern Sold, an uns gekettet durch die festesten Banden, und dieß sind unsre Spione, nothwendige Helfershelfer — sie wissen nichts von dem, was unter uns Höhern vorgeht, und erscheinen seltner in unsern Synoden.“
„Ungeachtet aber wir einander selber unser zeitliches Wohl befördern: so sind Menschen doch immer Menschen, oft von schwachen Grundsäzzen, oder voll unglaublicher Verstellung. Verschwiegenheit und Treue zu beobachten werden die Novizen mit einem Eide verpflichtet. Wen Wort und Versprechen nicht mehr bindet, verdient nicht Mitglied im Orden der redlichen Menschheit, geschweige in unserm Bunde, zu sein. Doch wollte ein solcher auch nachtheilig für uns werden, uns verrathen: so wird er doch nur Kleinigkeiten auszuschwazzen wissen, denn er kennet wenige Mitglieder, von den meisten nur den angetauften Ordensnamen der Bündner und Städte. Das Noviziat dauert nach Beschaffenheit der Verhältnisse länger oder kürzer — Treue, Eifer und große Thaten weihen erst zum Anschaun tieferer Misterien ein. Wehe aber dem Verräther! unmittelbare Strafe folgt ihm auf dem Fuße nach, die um so furchtbarer ist, je ausgedehnter die Macht des Bundes, je unsichtbarer die Rächer sind!“
„Von Seiten der Verrätherei haben wir also wenig nur zu befürchten. Jezt hört mehr! Ihr seid künftighin verbunden, wie jedes andre Glied unsrer Kette vierteljährige Nachrichten von Euern Plänen, Thaten, Familienumständen, Veränderungen des Aufenthalts, neuen Bekanntschaften u. s. f. ohne Heuchelei und Trug an den Ordensregenten Eurer Provinz einzuliefern, das heißt, der Ordensprovinz, in welcher Ihr Euch befindet. Die Regenten haben unter sich wiederum einen Obern, der uns allen unbekannt ist, die wir nie auf dem Regentenstuhle saßen. An diesen Obern fließen die merkwürdigsten Gegenstände aus der Geschichte des Bundes in Auszügen von den Regenten aus ihren Provinzialmemoiren geliefert. Dieser Obere überblikt das Ganze; unbekannt wirkt er auf alle; theilt den Regenten Entschlüsse mit; formt Staaten um und hat Kunde von den Kabinettsgeheimnissen aller Mächte in Norden, Süden, Westen und Osten, — wo denn ein Federzug von ihm, sobald es der Menschheit heilsam ist, Kriege, Aufrühre, Staatsumwälzungen und Friedensschlüsse verursacht. Er ist ein Gott, welcher über die Fürsten dieser Welt durch die ausgebreitetste, fein- und festgewebteste, ehrwürdigste Verbindung der besten Köpfe und Karaktere jedes Reichs, erhaben steht; welcher Potentaten lenkt am unsichtbaren Faden seiner Macht; ihnen beglükende Pläne zuspielt, oder schlechte zerreißt. Ihr staunet? — Ha, Vinzenz, es ist schmeichelhaft, die Laienwelt unvermerkt hinzudrängen zum Ziele alles Strebens, zum allgemeinen Wohl! — Es ist schmeichelhaft, mit seinen Augen die Zukunft guten Theils schon jezt durchschauen zu können; Entwürfe in unsern Archiven zu erblikken, welche diesem oder jenem Monarchen vorgeschrieben wurden, die er ausführte oder noch vollenden soll. Noch ists nicht die Zeit, aber einst wird sie tagen, wo wir Urkunden über die Motive mancher ehmaligen Begebenheiten ausstellen, und die neuere Geschichte der Welt fürchterlich reformiren werden. Wer, meint Ihr, Vinzenz wars, der die Jesuiten entthronte? wer, der die Befreiung Nordamerikas beschlos und vollenden half? wer, durch dessen Arm Künste und Wissenschaften in die nördlichern unkultivirten Gegenden des Erdbodens verpflanzte? wer, der den Geist des Freidenkens und Aufklärens über Deutschland ausgoß? — O, könnte mancher Todte, dürfte mancher Lebende, von dem man es am wenigsten erwarten sollte, reden! — Vinzenz — doch ich schweige! Aber, wer Ohren hat zu hören, der höre! wer Augen hat zu sehen, der sehe nun! — Es kann noch kein Jahrhundert verfließen: so wird man nie geträumte Verwandlungen in den Staatsverhältnissen Europens wahrnehmen; Kanella, Holland, Brabant, Frankreich, Pohlen, Ost- und Westindien werden unter den Händen der schwarzen Brüder neue, dem menschlichen Geschlechte wohlthätige Formen gewinnen. — Ihr zweifelt?“
„„Ich erstaune!““ rief Bruder Vinzenz, und schlug die Hände zusammen.
„Wenn Ihr wißt, daß wir aus unsrer Mitte die Männer liefern, welche die interessantesten Rollen im Staate zu spielen haben; die Räthe zum christlichen Ministerio, Konsisiorio, Militair, Schulwesen, und so liefern; wißt, daß Schriftsteller, Hofleute, Aerzte, Bischöffe, Lehrer, Prinzenerzieher, Buchhändler, Kapitalisten, Kriegsleute, Schauspieler unsre Genossen sind, die eine Kette in vielen aneinanderhängenden Gliedern ausmachen, so denke ich, werdet Ihr nicht mehr zum Erstaunen Ursach haben.“
„„Aber wie,““ entgegnete bestürzter, als je, der Graf: „„wie ists möglich, daß Männer von so verschiednen Talenten und Launen für den schwarzen Bruderbund gewonnen, festgehalten, und an einem Ziele hingestimmt werden können?““
„Eben ihre Talente, Schiksale und Launen sind es, deren wir uns bedienen, sie an uns zu ziehn, und festzuhalten!“ erwiederte der Redner: „Denket an Euch! Holder ließ Euch einen Traum von zween Tagen träumen; ein Schlaftrunk brachte Euch in unsere Gewalt; berauschende Getränke schlossen uns Euern Karakter ganz auf; wir gaben Euch durch mancherlei Maschienerien diejenige Seelenstimmung, welche wir wollten; wir enthüllten Euch, so viel Ihr anfangs wissen dürftet, um lüstern nach mehrern Offenbarungen zu werden. Euer Traum war vorbei. Wir beobachteten Euch nach demselben; Ihr gewannet unsern Beifall, Euer Schiksal an Adolfs Hofe machte Euch ganz zu unserm Eigenthum. Jezt seid Ihr unser, so wie wir Euer, Ihr werdet gern zur Ausführung unsrer wohlthätigen Absichten für die Menschheit stimmen, wenn Ihr anders das Biederherz in der That besizzet, welches Ihr zu besizzen durch mehr, als eine, Handlung zu verrathen gabet. — Und so, Vinzenz, wie Ihr, auch tausende. Glaubt mir, es ist nichts leichter, als Menschen zu erobern und an Entwürfe festzuschmieden, wenn man ihr Temperament zur Kette für sie macht!“
Florentin. Aber wie mag nun dieser ungeheure Koloß zur Bewerkstelligung einer einzigen großen Absicht hingeleitet werden? Sollten nie Uneinigkeiten unter Euch herrschen? sollte in Eurem Bunde das Sprüchwort zum erstenmahle lügen: viel Köpfe, viel Sinne?
Redner. Uneinigkeiten sind nach der Einrichtung unsere Bundes unmöglich. Die weisesten, edelsten, leidenschaftslosesten Männer machen das kleine Corps unserer Obern aus — und wo die Leidenschaft schweigt, findet sich das Gute und die Wahrheit bald. Sodann gehn die Befehle von dem Munde der Regenten an die einzelnen Bündner, und zwar so, daß jeder Kopf etwas seinem Sinne behagliches zur Ausführung empfängt. Jeder Befehl ist weiter nichts, als die besondre Aufmunterung zu einer jezt vorzüglich nothwendigen guten That. Jeder Kopf wirkt nun nach seinem Sinn wie wir es wünschen im Staatsrathe, in dem Sinedrio, in Parlamenten, in Reichsversammlungen, Landtägen, Kirchen, Schulen, Schriften, Schauspielen — kurz von allen Seiten her wirkt alles nun nach einem Mittelpunkt hin. —
Florentin. (begeistert) Man sagt in der gewöhnlichen Welt; der Flug des menschlichen Geistes sei in unsern Tagen kühn und erhaben, aber, bei Gott, hier däucht mir jede große That, wie Knabentändelei gegen das Werk eines Riesen.
Redner. Ihr scheint außer Euch zu sein, Vinzenz, schon berauscht zu sein vom ersten flüchtigen Abschlürfen des Bechers, welchen wir Euch reichen — wie wird es werden, wenn Ihr ihn ganz auszuleeren Erlaubnis und Macht empfanget?
Florentin. Also harrt meiner noch eine Zeit, welche viel grössere Geheimnisse abschleiern kann?
Redner. Wohl harrt sie Eurer!
Florentin. Ihr stürzt mich von einem Erstaunen ins andre; ich komme nicht zu mir selber.
Redner. Glaubet mir, Bruder, daß zwischen Erd und Himmel noch Wahrheiten und Möglichkeiten im geheimnisvollen Dunkel wohnen, noch Sinne für gewisse Dinge vorhanden sind, von welchen der großen Schaar hochgelahrter Akademisten und Stubengelehrten noch nicht die flüchtigste Muthmaaßung angeschwebt ist! — Doch vor izt habet Ihr genug erfahren; große Handlungen bahnen Euch den Weg zu erhabnern Einsichten. Amen!
Florentins Bestürzung läßt sich unmöglich beschreiben. Man hörte auf zu ihm allein zu reden, sondern die Unterhandlung wurde wie vorher, gemeinschaftlicher, lebhafter. Nur Florentin, mit unter einander geschlagnen Armen, in tiefer Betrachtung herabgesenktem Haupte, stand unbeweglich da auf seiner Stelle, und achtete nicht auf das, was um ihn her vorging.
Einer der Schwarzen, der höhern Ranges im Bunde zu schien, schlos sich jezt an ihn:
„Die Zeit unsers Beisammenbleibens ist kurz; vergrabet Euch nicht in Euch selber, Vinzenz, sondern benuzzet die flüchtigen Minuten!“
Florentin. Gott! sollt’ es möglich sein alles das, was ich so eben gehöret habe? — Ist die Gewalt unsers Bundes in der That so groß?
Ein Schwarzer. Unstreitig.
Der Redner. Jeden Zweifel in Eurer Brust zu tödten ist unsre und Eure Pflicht; unbegränztes Vertrauen auf die Macht der schwarzen Brüder ist Euch nothwendig. Fordert deswegen von dem Orden ein Beweisstük dessen, was ich Euch im Namen der Brüder vortrug.
Florentin. (zurükgezogen) Ich fodre nicht, — ich zweifle nicht mehr.
Der Redner. Ihr sollt durch Thatsachen überführt werden, daß wir nur Wahrheit reden und nicht prahlen können. Wünschet!
Florentin. Ich — doch nein, jeder Wunsch würde beleidigenden Verdacht äussern müssen.
Viele Brüder. Verlanget! wünschet! wir bitten Euch.
Florentin. (stokkend) Führt mir die liebenswürdige Schwester des Herzog Adolf, und wenn auch nur auf eine kurze Zeit, zu.
Der Greis. (lächelnd) Mehr nicht?
Florentin. (staunend) Ich befürchtete, um eine Unmöglichkeit gebeten zu haben.
Der Greis. Ihr habt jezt, weil Ihr von allen andern Verbindungen durch Eure Landesverweisung abgerissen seid, für den Orden, in Sachen der menschlichen Freiheit, eine ansehnliche, baldige Reise vor Euch. Diese läßt sich unmöglich aufschieben — aber auch in fremden, ziemlich entfernten Landen soll Euch Euer Wunsch gewährt werden.
Florentin. Wann — wann soll ich die Prinzessin Louise sehn?
Der Greis. Dann, Vinzenz, wann Euch Erquikkung nach der Arbeit noth ist. — Dies könnte wohl bald geschehn!
Florentin. In einem entlegnen Lande die Prinzeßin wiederfinden? Ist das möglich?
Der Greis. (ihm die Hand drükkend) Vertrauet uns!
Einige der Schwarzen. Der Morgen graut! laßt uns zum Ziele eilen!
Der Greis nahm sogleich seinen Thronsessel von neuem ein; die schwarzen Brüder stellten sich um denselben schweigend hin und der Redner führte abermals den Grafen vor den Greis und die Versammlung.
„Laut Nachrichten, die wir von dem Obern empfangen,“ begann der Redner: „beläuft sich die Zahl der schwarzen Brüder in Kanella nicht hoch. Es sind ihrer nur zehn; seit dem Tode Borsellinos noch neun. Die Zahl derselben muß vermehrt, und Kanellas despotische Regierungsform umgeschmolzen werden. Die Bürger Kanellas bedürfen eines Anführers, um frei zu werden, loszuschütteln die angelegten Ketten, zu zerschmettern den Thron, um welchen die Elenden, als Sklaven kriechen. — Vinzenz, wir haben Euch geprüft! Ihr seid zum Befreier Kanellas berufen?“
Florentin. (den Redner anstarrend) Ich berufen?
Redner. Verhüllt Eure Talente, Eure Wissenschaften, Euern unternehmenden Geist nicht vor uns in den unnüzzen Mantel der Bescheidenheit — Kanella hofft von Euch Freiheit.
Florentin. Werd ich sie dem unglüklichen Staate geben können? — An Muth mangelts dieser Brust nicht, ein solches gefährliches Wagstück zu wagen; schon der Gedank’ ist begeisternd, es zu unternehmen, was nur die größten Männer je unternahmen, wenn auch eignes Unglük nothwendig an das Glük Kanellas gebunden läge — aber — — —
Ich weis nicht, ob ich nicht mancher meiner Leser — ermüden würde, wenn ich ihm von den politischen Plänen der schwarzen Herrn vorplauderte; ich weis aber auch nicht, ob ich manchem gefallen könnte, wenn ich die Gründe des schwarzen Bundes zu Staatsreformen verschwiege — beiden also ein Genüge zu thun, widme ich diesem Stoffe ein eignes Kapitelchen, welches nun nach Belieben zu lesen oder zu überblättern ist.
Florentin, der düstre, wilde Florentin, welcher so unglüklich war, Alles zu verlieren, was ihm hienieden Seeligkeit war, eine Geliebte, viele Freunde und Freundinnen, Verwandte, Vaterland, Aussichten in ein Thatenreiches Leben zu verlieren; Florentin, dessen brennender, unersättlicher Durst nach Ruhm und großen Handlungen aus jeder seiner ehmaligen Absichten zu erkennen war, und welcher jezt in der Mitte von Männern, die mit ihm so sehr in diesem Punkte harmonirten, doppelt anwuchs; Florentin, der jedes, auch das geringste Elend des Menschen so innig mitfühlte, der aus jenem erkünstelten, wachendgeträumten Traum einen fürchterlichen Haß wider alle fürstliche Despotie eingesogen hatte — dieser Florentin, sage ich, konnte unmöglich länger einem Antrage widerstehn, der so sehr allen Gefühlen, Affekten und Leidenschaften in ihm schmeichelhaft klang.5) — Er hätte lieber aufjauchzen mögen im Hoch- und Frohgefühl seiner Seele, bei dem Zuruf der Schwarzen: „seid Kanella’s Retter!“ als einen unnatürlichen Widerwillen oder Gleichgültigkeit zu simuliren. — Er konnte nicht lange diese Maske tragen; er warf sie ab und alle Anwesende riefen ihm Beifall und Glükwünsche.
Der schwarze Redner aber reichte ihm ein versiegeltes Paket Schriften, welches fernerweitige Instrukzionen des Ordens bei dieser seiner Operation enthielt, welche der Graf zu sich nahm, und worauf jener so eine Apologie dieser Handlung des Ordens anhub:
„Brüder, der Zwek unsers alten Bundes wars immer: Beförderung menschlicher Glükseligkeit, sie zu bewachen in einzelnen Personen und im Ganzen. Der feinsten Moral wird durch diesen Grundsaz nicht wehe gethan, eben so wenig durch die Mittel denselben anwendbar zu machen!“
„Und wenn nun ein ganzes Volk unterm Tyrannenjoche seufzend, seine Rechte zertreten, seinen Handel und Gewerbe blütenlos, seine Freuden vernichtet sieht — sollte solch ein Gegenstand, welcher das Gefühl jedes Menschen empört, nicht auch unser Erbarmen rege machen? Freiheit ist nun einmahl der Natur schönstes Vermächtnis an den Sterblichen, darf ein Mensch dieses dem andern gewaltsam oder listigerweise rauben? Sklaverei ist der Tod alles irdischen Glüks! —“
„Zwar hat das Volk seinem Fürsten gewisse Rechte zuerkannt, aber nie das Recht der allgemeinen Freiheitsräuberei. Das Volk ist nicht um des Fürsten willen, sondern der Fürst um des Volkes willen vorhanden.“
„Jeder Staat ist an sich eine Republik; bürgerliche Ordnung und Sicherheit zu erhalten mögen mehrere, oder einer die Aufsicht über das gemeine Wesen haben, — gleichviel, wenn nur die Beschüzzer der Ordnung und Ruhe ihre Pflicht erfüllen, daß Gott und Menschheit zufrieden sein dürfen. Wie aber, wenn das Gegentheil eintritt? soll da das Volk verzweifeln und schweigen? soll der zertretne Wurm sich nicht krümmen dürfen unter den eisernen Fersen der Grausamkeit? soll das freigebohrne Volk seine geraubte Freiheit nicht wiederfodern dürfen?“
„O, es müssen viele Szenen vorangehn, ehe die Nazionen sich auflehnen, ehe die Liebe zu ihren Beherrschern ausgetilgt wird! Nur die Verzweiflung wagt erst einen solchen Schritt, aber dieser ist dann auch desto fürchterlicher!“
„Nur erst, wenn jede andre Hoffnung dem bedrängten Volke entschwindet, wenn eine ganze Reihe von Tyrannen und Tyranneien die Geduld desselben ermüdete, wenn neue Neronen zum Ruin des Landes ausgebildet, die traurigste Aussicht in die Zukunft darstellen, nur dann erst ist das Volt berechtet, eigenmächtige Veränderungen in seiner Regierung vorzunehmen.“
„Brüder, sehet auf manche Staaten Europens — und fühlet Ahndungen. Nicht vergeblich hat der Orden der schwarzen Brüder allenthalben und durch mannigfache Mittel den Geist der Freiheit auszubreiten gesucht — nicht umsonst sind dadurch hie und da kleine Revolten entsprungen; alles dies geschah die Landesherrn aufmerksamer auf ihr, ihnen vom Volke anvertrautes, Amt zu machen, wehe ihnen, wenn sie diese unsre Winke mißverstehen!“
„Hätten alle Nazionen nur Josephe, Friedriche, und Wilhelme auf ihren Thronen, o, so würde nie ein Miston in die Hymnen derselben auf ihre Fürsten einschleichen! Aber mancher Staat ist unglüklich genug, einen Piedro, einen Ludwig als seinen Landesvater verehren zu müssen, unglüklich genug noch eine ganze Reihe von Piedronen und Ludwigen erwarten zu müssen, — darum, Freunde habet auf die Folgen wohl acht!“
„Auf, Vinzenz, flieget nach Kanella, feuert den Genius des Volkes wieder an, groß und liebenswürdig zu sein, wie ehmals; durchspähet die Intriguen der Mittyrannen Piedros, wiegelt Volk und Fürsten gegen einander auf, verlieret eher Euer Leben, als Euern Muth. Freilich ist der Kampf zwischen Sklaverei und Freiheit schreklich, er wird mit Bürgerblut verbunden sein; aber der Staat laborirt an einer Todeskrankheit, Ihr seid der Arzt; laßt es immer hin zur furchtbaren Krisis kommen, die Krankheit muß sich brechen. Eilet hin, Piedros Grausamkeiten ein Ziel zu sezzen, — ein andrer soll, später oder früher Ludwigen ein Gleiches thun!6)“
„Aufklärendes, herrliches Jahrhundert, du erschienst den Erdbewohnern in einem glänzenden Gefolge — führst du uns nicht auch die goldne republikanische Freiheit zu? — Geht, Vinzenz, wir sehen im Geiste einen schönen Ausgang Eurer Unternehmungen zuvor. Und sollte Euer Muth erschlaffen: so suchet in den Jahrbüchern der Welt die seligsten Perioden der meisten Völker auf, Ihr werdet sie finden unter der Rubrik: republikanische Staatsverfassung. Forschet dann nach den traurigsten Zuständen der meisten Völker, Ihr findet sie größtentheils unter der Regierung monarchischer Despoten. Rom und Griechenland sanken, als sie nicht mehr frei waren, die nordamerikanischen Freistaaten stiegen empor, da sie frei wurden!“
„Gegen einen Numa, Titus, Mark Aurel, Alraschid, Nusirvan, Heinrich IV. Friedrich II. Joseph II., Fr. Wilhelm II. findet Ihr immer zehn Alexanders, Solimanne, Tarquine, Neronen, Kaligulas, Herodesse, Genserichs, Christierne, Mulei Ismaels, Karl XII., Philippe II. u. s. w. Gelüstet Euch zur Belustigung von Bluthochzeiten, oder Greueln eines Alba zu lesen: so forschet in den monarchischen Regierungen nach. Und erwacht dann nicht Euer Muth, empört sich dann nicht Euer Herz, erglühet dann nicht Euer Busen vom Thatensüchtigen, Hülfe und Rettung suchenden Erbarmen: so habt ihr nie an den Brüsten einer Sterblichen gesogen! — Auf, es lebe die Freiheit, sei es in Demokratien, oder weisen Monarchien!7)“
Der Redner riefs, und die Versammlung der schwarzen Brüder stimmte Tutti ein: es lebe die Freiheit! die Gläser wurden geschwänkt, Gesänge der Freiheit wurden gesungen, und, trunken von lieblicher Schwärmerei schied man beim Anbruch des Morgens auseinander. In einer Chaise des Forstmeisters Blattrabe traf Florentin an eben dem Tage wieder zu Munchenwall ein.
Keiner war lustiger, als der ehrliche Badner, da er seinen Herrn wiederkommen sah.
„Wars mirs doch schon gewaltig bang’ um Sie!“ rief er ihm entgegen: „ich dachte, hohl’ mich, straf mich! unser gnädiger Herr hat ein unglükliches Abentheuer gehabt, siehst ihn gewis nicht vergnügt wieder!“
„„Du hast dich diesmahl unnöthig geängstet!““
„Hab ichs? nun, meiner Sixt! das freut mich.“
Der alte, gute Mann lief jezt Trepp an, Treppe nieder, seinem Grafen alle Wünsche zu erfüllen, die er nur aus dessen Blicken zu lesen glaubte. Nachdem sichs Florentin bequem gemacht, und Badner die Schokolate besorgt hatte, mußte sich der leztre zu ihm niedersezzen.
„Höre, Badner,“ Florentin: „bezahl’ unserm Wirthe die Rechnung, sorge für alles, was zu einer ziemlich langen Reise nothwendig ist, pakke ein, und halte alles bereit, damit wir Morgen in der Frühe Munchenwall verlassen können.“
Badner. Gehts wirklich schon fort? — scharmant! mir behagts auch meiner Treu in diesem Neste nicht mehr.
Florentin. Aber wirds dir auch dort behagen, wohin ich jezt reise, und wo ich wahrscheinlich mehr als ein Jahr zubringen werde?
Badner. Das ist —?
Florentin. In Kanella.
Badner. Hu, so weit vom deutschen Vaterlande?
Florentin. Meine Pflicht ruft mich dahin.
Badner. Gnädger Herr, Sie wissen doch daß es dort in jezzigen Tagen ein unsichers Leben ist?
Florentin. Ich weis es.
Badner. Der Herzog soll ja, wie die Zeitungen lauten, ein leibhaftiger Behemot sein!
Florentin. Eben deswegen.
Badner. Wie? Sie werden sich doch nicht in die Händel dort hineinmengen wollen?
Florentin. Vielleicht.
Florentin. Willst du mit mir? willst du da Glük und Unglük einige Jahre mit mir theilen?
Badner. (sich hinter den Ohren krauend) Wenns nur im heiligen deutschen Reiche wäre — aber, meiner Sixt, die Kanelleser sind heuer gar nicht aufgelegt, einem das Leben angenehm zu machen.
Florentin. Zwingen will ich dich nicht, mir zu folgen. Willst du bleiben im Vaterlande, so widerstehe ich dir nicht, ich bezahle dir meine Schuld, gebe dir Empfehlungen, so viel ich geben kann, und scheide von dir, als Freund.
Badner. (bieder) Nein, gnädiger Herr, ich folge; und wenn sie zu den Hottentotten gingen, ich folgte. Verlassen will und kann ich Sie nicht. — Wollen Sie mich behalten?
Florentin. Eine unnöthige Frage, lieber Badner!
Badner. Na, so bin ich der Ihrige mit Seel und Leib bis an mein seelges Ende. Ich gehe in Gottes Namen mit Ihnen aus Deutschland, — zurükbringen werden Sie mich wohl nicht wieder.
Florentin. Frag Gottholden, ob er Lust hat nach Kanella zu gehn, weigert er sich, so zahle ihm seinen vollen Lohn aus.
Badner. O, der bleibt bei uns! — na, allons, eingepakt, ’s geht risch nach Kanella!
Der Alte entfernte sich froh gelaunt; Florentin erbrach das Paket, welches er in der nächtlichen Versammlung der schwarzen Brüder empfangen hatte und las mit Begierde alles darin, was lesbar hies.
Was für uns beinahe nicht weniger Interesse darunter haben könnte, als für Florentin, theile ich mit. Erstlich ein Empfehlungsschreiben Sr. Herzogl. Durchlaucht, Adolfs, an den Hof zu Kanella. Dies hatten die schwarzen Brüder vom Herzog Adolf für den Grafen von Duur ausgewirkt. Florentin verwunderte sich bas ob dieser Erscheinung, denn dies schien offenbar zu verrathen, daß auch sein ehmaliger fürstlicher Freund unter die fürchterliche Anzahl der schwarzen Brüder gehöre. Und überdies war es an sich nichts Unmögliches, weil Adolfs politisches Interesse durch eine solche Verbindung schlechterdings Nuzzen gewann. Und warum hätten die Schwarzen nicht einen so guten Fürsten unter sich aufnehmen sollen, und können, da sie hier eine wichtige Stüzze erhielten, und es nicht grössere Mühe kostet einen Fürsten in ein gewisses Interesse zu verspinnen, als einen andern Menschen? Kurz, es war ungemein wahrscheinlich! — Das Empfehlungsschreiben mußte zu seiner Zeit die gewünschte Wirkung hervorbringen, um so mehr, da Adolf mit dem Geblüte Piedros weitläuftig verwandt war.
Ich könnte hier noch die besondern Instrukzionen des Ordens erwähnen, oder der Wechselbriefe, welche Florentinen im Fall der Noth zum Herrn ansehnlicher Summen machen konnten; aber ich schlüpfe über das alles stillschweigend hin, weil die Folgen der Instrukzion und Wechsel vielleicht künftig sichtbar werden werden, und gehe zu einem Briefe über, den Freund Holder aus Sorbenburg geschrieben, und mit zwei Miniaturgemälden, Holdern und Louisen vorstellend, beschwert.
„Lieber Graf!“
„Ich bin izt von einer kurzen Reise heimgekommen, setze mich sogleich hin und schreibe dir, weil ich wünsche, daß dich dieser Brief noch in Munchenwall antreffen mögte. — Du gehst also nach Kanella? Glük zu, Bruder! ich denke du wirst dort in deinem Elemente leben, denke, daß die Zerstreuungen daselbst dich von den melancholischen Anfällen des etwannigen Heimwehs heilen werden.“
„Die Rolle, welche du zum Spiel übernommen, ist gefahrvoller, als die gefährlichste bisher gespielte. Siehe, dich vor; bewache dein Leben, wenn du noch lüstern bist, mit mir nach einigen Jahrhunderten wiederum einmahl diese Erdenwelt zu bewandern — und nirgends steht dein Leben mehr dem Tode nahe, als zu Kanella. — Hüte dich!“ —
„Gott, wenn wir alle hier in Sorbenburg dich einst, als den Befreier Kanellas umarmen sollten! — kannst du dir mit der üppigsten Fantasie eine wollustvollere Szene vorträumen? — Geh, junger Mann, sei gros! mußt du gleich einen wichtigen Theil deiner schönsten Lebensfreuden einbüßen, mußt du gleich fern von einer angebeteten Fürstin, fern von dem guten Rikchen, fern von dem braven Onkel und deinem Holder wohnen, o so wird doch die Nachwelt, werden auch die Zeitgenossen dich seegnen, der du lieber selber ein Leidender warst, um die Leiden eines Volkes zu enden! —“
„Aellmar schrieb mir, daß du mein Bildnis zu besizzen wünschtest — ich schikke dirs, und noch ein andres, welches dir gewis tausendmahl angenehmer sein muß — Louisens Bild. Ich habe sie gesehn; Florentin, nein, du bist kein Sünder, daß du sie liebtest und liebst! Sie ist zurükgekehrt an den herzoglichen Hof und wieder, wie einst, die Seele, desselben geworden. Aber, wie mich dünkt, ists nicht mehr das feurige lachende Mädchen, — eine sanfte Schwermuth wohnt in ihrer Seele, strahlt aus ihren Blikken, aus ihren liebezeugenden Mienen hervor. Weißt du’s schon — doch wie solltest du nicht? — daß sie — daß sie von einem Knaben entbunden worden, dessen Vater du Ueberglüklicher bist? — Ich habe das Kind gesehn — Florentin, ich glaube dich in einen jungen Abkömmling der Menschheit verwandelt zu erblikken. Es ist dir ganz ähnlich, und blüht in voller Gesundheit. — Wenn du einst heimkehrst über Jahr und Tag, o Bruder, und der Knabe (Karl heißt er) dir entgegenspringt, und dein Onkel, und ich mit meinem Weibchen dich auf immer in unsre Mitte aufnehmen — wenn wir dann wieder da liegen auf dem bekannten Hügel, wo wir sonst den Sonnenaufgang und Untergang betrachteten, oder wir im Garten, wo du unter dem Fliederbaum so gern träumtest, umherwandeln, — — nein, Florentin, ich breche ab, — die Freude über deine noch so entfernte einstige Wiederkunft macht mich schwärmen. Leb wohl! — wir alle sind gesund hier, und glüklich, so sehr wir es ohne dich sein können. Noch einmahl, mein Bruder, leb wohl. Die Zeitungen und Journale werden mir wahrscheinlich bald von dir mehr sagen, als deine Briefe. — Nun, es lenke der Arm des Schiksals alles wohl, gedenke oft deines
Holder“
Wie wär’ es möglich gewesen, daß Florentin diesen Brief hätte lesen können, ohne von den traurigsten und schmeichelhaftesten Empfindungen gequählt und entzükt zu werden? Mit heisser liebender Inbrunst drükte er wechselsweis Louisens und Holders Bildnisse an seine Lippen, er dachte sich nun alle Szenen zurük, welche ihm in der Gesellschaft dieser schönen Seelen verflossen waren, dachte hinaus in die Zukunft, wo er sie vielleicht nicht wieder genießen würde, und übermannt von Lust und Wehmuth entquollen seinen Augen ein paar sprechende Thränen.
Am folgenden Tage verließ der Graf mit seinen Getreuen das interessante Munchenwall. Ohne Verzug strich man quer durchs deutsche Land, und gesund langte man auf die äussersten Gränzen desselben an.
Badner hielt seinen Gaul an, schob sich den runden Hut von der Stirn, und nahm mit seinen Blikken rührenden Abschied von den geliebten vaterländischen Gegenden. Die Sonne sank unter; die Landschaft war romantisch schön. Dies bewog auch den Grafen still zu halten, abzusteigen, einen Felsen hinanzuklettern und da unter einer Fichte sich hinzulagern, in deren Wipfel feierlich der Abendwind säuselte. Badner that desgleichen, kroch zu seinem Herrn hinauf und legte sich neben ihm nieder. Gotthold blieb allein unten.
„Ade, ade! deutsches Mutterland; habs nicht geglaubt, daß ich noch hinaus wandern würde im Alter über deine Gränzen, — aber das Schiksal hat oft wunderliche Launen!“ rief Florentins Reisegesell, und murmelte noch einige Worte vor sich nieder.
Florentin. Sei ruhig, Badner, lacht nicht Gottes Sonne allenthalben schön? — Sieh doch hinaus, wie prachtvoll sich jene Gegenden vor uns hinlagern, jene Gegenden, in denen wir bald heimisch sein werden! Sieh dort die niedlichen Berggruppen, die schwarzen, buschreichen Thäler, und droben über den kühn himmelangethürmten Felsen das rothflammende Wolkengebürge schweben.
Badner. Ach, gnädiger Herr, ich bitte Sie, sehn Sie doch hinter sich die Straße hinab, welche wir daherzogen — das ist noch deutsches Land!
Florentin. Eine traurige, weitläuftige, die Augen ermüdende Ebne, sandigt und dürr — nirgends ein Wäldchen, nirgends ein Hügel, nirgends — —
Badner. Ja, ja, Sie haben recht! aber, dort hinten ragt ein einsames Gesträuch hervor, und da muß sichs doch schön drunter ruhen lassen; bei Gott, schöner als in jenen fremden, buschigten Thälern. Der angenehme deutsche Strauch würde mir angenehmere Kühlung verleihen, es würde mir drunter sein, wenn der Wind durch ihn spielte, als spräche er zu mir: ruh aus alter Badner, du bist ein Sohn meines Landes, schläfst hier sicher! — bei Gott, so würde mirs sein.
Florentin. Wir werden wieder heimkehren ins Vaterland.
Badner. Werden! — und wann?
Florentin. Zu seiner Zeit.
Badner. Zu seiner Zeit! (ernstvoll) zu seiner Zeit!
Indem sie noch mit einander dies und das plauderten, und sie einander ihre Seelen unwillkürlich trüber stimmten, wurden sie gewahr, daß Gotthold mit einem fremden Manne sprach. Sie sahen, daß Gotthold nach ihrem Felsen herauf zeigte, daß er heftig mit den Händen gestikulirte, drohte und mit dem Fremden in einem unangenehmen Wortwechsel verwikkelt sein müsse.
Jach sprangen Florentin und Badner auf; so eilend, als möglich stiegen sie hinab, nun flogen sie hin zu ihrem Reisegefährten.
„Was ist hier?“ schrie Florentin, indem er herbei kam.
Gotthold. Ein Räuber!
Fremder. (zugleich) Ein Bettler und Grobian!
Gotthold. (aufgebracht) Der Kerl macht Ansprüche auf unsre Mundprovisionen.
Fremder. Ich bat darum.
Gotthold. Wills uns mit Gewalt abnehmen.
Fremder. (trozzig) Wird und muß geschehn, wenn man mirs nicht giebt, was ich will.
Florentin. (mit Ernst) Mensch, was treibt dich uns auf der Landstraße anzugreifen?
Fremder. Herr, der Hunger.
Florentin. (zu Gotthold) Reich ihm von unserm Speise- und Weinvorrath. Hunger ist ein fürchterlicher Treiber. Wes Landes bist du?
Fremder. Kanella’s.
Florentin. Verstehst du kein andres Gewerbe, als Menschen anzufallen?
Fremder: (mit großer Eßlust die dargebotnen Speisen verschlingend) Ich habe Hunger.
Der Graf lächelte über die Sonderbarkeit des Menschen, welcher ihm seine unzeitigen Fragen so trokken verwies, lies ihn sich sättigen und fuhr in seiner Unterredung fort mit ihm.
„Ich war ehmahls,“ erzählte der Kanelleser: „ich war ehmals ein Bürger, in einer von den Vorstädten Kanellas ansässig, hatte mein Haus und Gut und ein herrliches Mädchen zur Braut. Die vielen und ewigen Abgaben brachten mich zurük, ich verlor dadurch einen ansehnlichen Theil meines Vermögens; ein Kammerdiener des Fürsten verführte meine Verlobte, — sie wurde schwanger, und ich bei der ersten Nachricht davon rasend. Der Schurke, welcher mir meine Ladda geschändet hatte, kam mir einst auf der Straße entgegen; jach fuhr ich mit der Hand in die Tasche, riß ein Messer hervor, und schnitt dem Buben den Anfangsbuchstaben, meiner Ladda ins Gesicht. Ich wurde gefänglich eingezogen, mein Vermögen verprocessirt, und ich nach jahrlangem Gefängnis, als ein Bettler, entlassen. So wollten mich meine Verwandte nicht mehr kennen, — was sollt ich thun, um nicht vor ihren Thüren betteln zu gehn? — ich verlies das heillose Kanella, siedelte mich hier in der Nachbarschaft an, wo ich nun vom Vogelfangen, Quirlschneiden und Korbmachen lebte. Ein kümmerliches Leben, — oft fehlt’ mirs trokne Brod, und dann bettl’ ich. Heut bettelte ich, bekam nichts, und um nicht Hunger zu sterben, mußt ich Gewalt drohen. Das ist meine Geschichte und mein Name Dulli.“ —
Der edle Duur mit seinen Dienern hörten mitleidig die Geschichte des Unglüklichen an; jeder von ihnen zog die Geldbörse hervor und jeder gab, so viel er geben konnte.
„Ho!“ rief Dulli: „was fehlt mir nun noch? womit soll ich danken?“
Florentin. Daß du uns den nächsten Weg zum bequemsten Wirthshause zeigest.
Dulli. Wenn Ihr nicht die Nacht hindurch traben wollet; so werdet Ihr ausser einigen elenden Dörfern 3 Meilen in der Runde nichts Gutes finden. Doch, still, behagts Euch, so nehmt bei mir Herberge in meiner Einsiedelei. Eßlust soll Euch da die Speisen würzen, Müdigkeit und eine weiche Streu Euern Schlaf. Für die Pferde ist Grasung noch vorhanden, und für Eure Unterhaltung meine Person und die lustige Thalgegend.
Florentin nahm nach einigem Bedenken das Anerbieten an; man sezte sich zu Pferde und folgte dem Eremiten zu seiner Eremitage nach, die in der That angenehm umgegnet war, wenn mir der Ausdruk erlaubt ist.
Der Abend war schön, die Landschaft begeisternd unterm Rosenscheine, — Florentins Seele hochgestimmt zu lieblichen Empfindungen; darum blieb er lange bis in die sinkende Nacht mit dem sonderbaren Dulli vor dessen Hütte sizzen.
Ihr Gespräch bezielte vornämlich die ewigen Unordnungen in Kanella; Florentin suchte vom Dulli den Geist der Kanelleser zu studieren; er lies sich Adel und Volk durch einzelne Anekdoten karakterisiren, und erfuhr aus alle dem so viel, daß jenen Unglüklichen, welche vom Druk einer ganzen Reihe Despoten schier zu allem Großen entnervt waren, nur ein schlauer, kalter Wagehals mangelte, um die Ketten zu sprengen, das Joch abzuwerfen, den Tyrannen zu stürzen.
Florentin. Dulli, begleite mich dahin.
Dulli. (ihn angaffend) Nach Kanella?
Florentin. Nach Kanella.
Dulli. Mag ich nicht. Habt Ihr denn noch nicht genug gehört, um Abscheu wider Kanella zu fassen?
Florentin. Nein, ich bin nur doppelt gereizt dahin zu eilen.
Dulli. Bei Gott, das versteh’ ich nicht.
Florentin. Kehr’ in meinem Gefolge nach deiner Vaterstadt zurük.
Dulli. Nein. Ich hasse die Stadt. Meine Ladda lebt noch!
Florentin. Desto besser.
Dulli. Desto schlimmer.
Florentin. Vielleicht bist du im Stande deinem seufzenden Vaterlande zu helfen.
Dulli. Helfen? — hi, hi! schaden würd’ ich, schaden! rächen würd’ ich mich, wo mir die Gelegenheit auch nur einen Finger, statt der Hand, böte.
Florentin. Desto besser, wenn du mit solchem Plan und solchem Muth nach Kanella kämest.
Dulli. Was?
Florentin. Mir scheints, als würd’ es bald zu großen Auftritten kommen, als werde bald Blut vergossen werden, um die alte Freiheit wieder zu erringen.
Dulli. Sagt lieber, um den Strik fester zu drehen, welchen man der Freiheit an den Hals legt.
Florentin. Ich stehe den Kanellesern wider ihre Tyrannen bei. — Ich sage dir, Dulli, komm mit mir!
Dulli. (lachend) Meint Ihr?
Florentin. Ein Mann deines Schlages fehlt mir.
Dulli. Nein, nein, schleppt mich nicht wieder zurük zu jener Schädelstatt Kanella!
Florentin. Aber wenn du nun hören wirst, wie sich der Staat frei gemacht hat, wie Piedro, wie Benedetto, wie Moriz und der ganze fürchterliche Anhang geschlagen worden sind — wenn du nun das hören wirst! — —
Dulli. Das sollte mich doch ärgern, wär ich nicht dabei gewesen.
Florentin. Hast du Muth?
Dulli. Gebt mir ein Messer und ich schlage mich wieder zwei, drei Degen.
Florentin. Bist du treu?
Dulli. Wie Euch Euer Schatten.
Florentin. (ihm auf die Achsel schlagend) Kanella wird frei! (steht auf)
Dulli. (aufspringend) Herr, ich gehe mit Euch.
Diese Worte sprach Dulli mit halben Jauchzen. Seine ganze Seele schilderte sich in seinen Tönen. Er sprang auf; lief in die Hütte; sammelte seine Kleinigkeiten; schnürte ein Bündel daraus; suchte sein verrostetes Jagdmesser hervor, schliff es blank auf einem Steine und konnte die ganze Nacht nicht ruhen.
Der Morgen brach endlich an. Florentin, Badner, Gotthold und Dulli, welchem man in dem ersten Dorfe ein Pferd erhandelte, sezten ihre Reise fort.
Ich halte mich nicht mit der Erzählung von tausend kleinen Merkwürdigkeiten auf, die abwärts vom Plan meiner Geschichte führen, sondern eile so sehr als möglich dem kühnen Grafen nach, der, unterstüzt durch seine schwarzen Bündner angeflammt durch die große wohlthätige Sache, es über sich nahm, einem Auslande Rettung und Freiheit zu verschaffen, das bis jezt noch nicht an sich selber im Stande war, ihm solche fürchterliche Verpflichtung aufzulegen. In der That, es ist noch nicht so gros gehandelt, wenn Patriotismus, Selbstrache, eignes Elend, und Elend seiner Vertrauten einen Mann zu dem Entschluß führt, solche Riesenthat in begehen, als wenn Ehre, Gefühl und Mitleid für die leidende Menschheit einen Fremdling dazu auffodert und wirken macht. — Verzweiflung ist gewöhnlich die Mutter aller Revolutionen, nur hier war sie’s nicht, sondern Florentins ungewöhnliche Geistesgröße und Empfindsamkeit für alles was Noth duldet, was den Stempel des Guten trägt.
Und doch zweifle ich sehr, ob je unser guter Graf sich je einer solchen gefährlichen Arbeit unterwunden hätte, wenn nicht seine Schiksale eben die dazu erforderliche Stimmung der Seele in ihm erschaffen, nicht mannichfache Gefahren ihn furchtlos vor denselben, nicht unzählige Leiden ihn zum wilden, schwärmerischen Starrkopf gebildet, nicht Erziehung und verlorner Genuß des allgemeinen Ruhmes ihn dürstiger nach demselben gemacht hätten.
Als er eines Tages mit seinem Gefolge eine Anhöhe erreicht hatte, von welcher man meilenweit umherschauen konnte; als Dulli plözlich und mit heilsamen Grausen ausrief: „dort! seht dort die Thürme von Kanella!“ — als alle bei diesen Worten standen, ihre Augen hinwandten nach der Gegend und: „Kanella!“ leise stammelten — da blizte ihm frohe Hoffnung durch die Seele, die Szenen der Zukunft gruppirten sich prophetisch vor ihm hin, und er fühlte sich stark genug für sie. Wer den Mann in diesem Augenblik gesehn hätte, wie er da stand Kanellas Schuzgott, der Freiheit herbeifliegender Genius, wie seine ganze Seele sich wiederspiegelte in seinen Mienen, wie die Sonne Glanz der Verklärung über ihn herabgoß, seine Haarlokken stürmisch im Winde rollten; — fürwahr der würde ihn mit einem Helden der Vorwelt verwechselt, für einen Scipio, oder Tell gehalten haben.
Sie schritten die Anhöhe jenseits hinunter und fanden am Fuße derselben einen Zug von Reisenden, die ihnen theils auf Pferden, theils in Wagen entgegen kamen, bald darauf, ohnweit einem Wirthshause an der Landstraße still hielt und sich da voneinander trennen zu wollen schien. Man sahe ein rührendes seltsames Schauspiel, indem sich Männer und Damen wechselseitig unter einander umarmten, einige laut weinten, andre wieder fluchten und die Degen zogen und hochschwangen. Ein junges Frauenzimmer sank ohnmächtig zwischen einem Greise und einem Jüngling nieder.
Florentin gab seinem Pferde den Sporn und flog dem Auftritt näher. Er grüßte die Personen, welche wir, meine Leser und Leserinnen, schon größtentheils einmal irgendwo gesehn haben, aber niemand erwiederte Florentins Gruß.
„Hilf Himmel!“ rief Dulli mit einemmale indem er sich einem jungen Manne nahte: „seh’ ich recht? Giovanni Borsellino!“
Der Jüngling drehte sich um; mit rothgeweinten Augen starrte er den Frager an.
„Kennt Ihr mich nicht mehr?“ fuhr Dulli fort.
„„Ah, wie sollt’ ich nicht, Dulli?““
„Ihr steht ja so verwildert da? was macht der alte Borsellino, Euer herrlicher Vater?“
„„Er schläft unter der Erde — Moriz hat ihn erschlagen, und die feigen Kanelleser sahen dem ruhig zu.““
„Und Ihr?“
„„Und ich und jene dort sind Landesverwiesene jezt.““
„Landesverwiesne!“
„„Wo willst du hin?““
„Nach Kanella.“
„„Und wer ist dein Herr dort?““
„Ein deutscher Graf, genannt Florentin von Duur, der Geschäfte am Hofe Piedros hat, werth ist Euer Freund zu sein und vielleicht Eure und Eures Vaters Schmach rächt.“
Borsellino und die übrigen hörten nicht sobald Piedros interessante Worte, als sie sich unserm Grafen näherten, ihn begrüßten, sich in Unterredung mit ihm einließen und ihn liebgewannen.
„Ich dächte,“ sagte der alte Eo: „wir träten auf ein paar Augenblikke in jenes Haus. Bei einem Glase Wein ließe sich so manches verhandeln, und Ihr, Graf Fiorentino, ob wir gleich mit Euerm Herzen noch gar wenig vertraut sind, Ihr dürftet es vielleicht nicht bereuen, uns kennen gelernt zu haben.“
Alle stimmten dem Landesverwiesnen Eo bei, und Florentin willigte ein.
Gewiß gereuete dem Grafen dieser Gang nicht, so wenig derselbe für ihn auch anfangs bedeutend schien; denn nicht genug, daß er hier eine kleine Anzahl merkwürdiger Männer kennen lernte, welche auch selber in ihrem Exil auf Kanella’s Wohl und Weh Einflus haben konnten; nicht genug, daß er die Lage dieses verunglükten Staats von ganz neuen Seiten zu betrachten Gelegenheit hatte; nicht genug, daß er schon das Volk zu einer großen Regimentsumwälzung vorbereitet fand, und daß allen Entwürfen zu derselben bisher nur feinere Politur, Reife, und Abwartung eines Zeitpunktes gemangelt hatte, um sie mit Glük auszuführen: so lernte er jezt auch einen für die Folge wichtigen Menschen kennen — nämlich einen adlichen Kanelleser, Borghemo.
Borghemo, welcher nicht selber Exulant war, sondern nur die verwiesnen Freunde begleitete, wußte durch sein Aeusseres einem jeden zu gefallen. Er war ein schöner, junger Mann; stark gebaut und nervigt, wie ein Herkules; war der Stolz des Kanellesischen Adels, der Liebling der meisten Damen. — Borghemo wäre vielleicht allein im Stande gewesen mit seinem Kopf eine Revoluzion zu bewirken, Piedros Minen wider ihn selber aufzusprengen, und den fürstlichen Bösewicht mitten unter seinen Schaarwachen zu züchtigen, hätte nicht dieses Halbmuster männlicher Vollkommenheit durch einen eben so vortreflichen als verhaßten Karakter sich selber und seinem Vaterlande geschadet. Stolz war der Grundzug desselben; nur diesem ein Opfer zu bringen, war er heut ein Engel, morgen ein Teufel; liebte er heute, haßte er morgen. Die sprödesten Vestalinnen waren das Ziel seiner Eroberungen, die Gefahr hieß seine Favorite, Tugend und Laster waren seine Bediente.
Sehr natürlich, daß dieser Mann unserm Grafen auffiel, daß er sich vorzüglich mit ihm unterredete, und um seine Freundschaft buhlte.
„Fiorentino!“ rief Borghemo und zog ihn mit sich zum Zimmer hinaus, durch den Hausgarten in ein dicht daran stoßendes Gebüsch.
„Fiorentino, seid wer Ihr wollt, treibt mit unserm Afterfürsten Geschäfte, welche Ihr wollt — Ihr seid ein Deutscher und das ist genug für mich. Ich kann mich unmöglich überreden, daß Ihr ein Schurke seid, nicht mein Freund werden werdet. Hört mich an! — Ihr habt jezt den wakkern Eo, den jungen Borsellino gesehn, und die andern, welche heut über die Gränze wandern werden. Sie zettelten, Kanella von einem Ungeheuer zu erlösen, eine Konspirazion unter sich an, die mehr ihrem unternehmenden Geiste, als ihrer Ueberlegung Ehre macht, denn sie wurden verrathen in einer ihrer Zusammenkünfte sämmtlich aufgehoben, als Staatsverräther und Rebellen angeklagt, und, weil sie hartnäkkig läugneten, aus lauter Gnaden von Piedro, Moriz und Konsorten nur aus dem Kanellesischen Gebiete verwiesen. — Aber, bei Gott, sie werden dort nicht müssig Piedros Tyranneien zuschaun, und ich nicht müssig in Kanella umherwandern. Ich — ich sezze das begonnene Werk fort! Sagts dem Piedro und seinen Orakeln wieder, ich stürze ihn, oder er mich! — Seid ihr mein Freund? — redet! redet, hat mich Euer Vaterland und Euer Gesicht belogen?“
„„Ich hoff es nicht!““ erwiederte Florentin.
Borghemo führte den Grafen in einen abgelegnen dunkeln Winkel, zog ein Blatt aus seiner Brieftasche, starrte seinen Mann an und schien eine wichtige Frage vorräthig zu haben.
„Fiorentino, hört mich — wenn — nein — doch es ist möglich! — könnt Ihr diese Zeilen lesen? Sie sind in einer abgestorbnen Sprache mit fremden Lettern geschrieben.“
Florentin nahm das Blättchen, las, erstaunte freudig und fuhr mit der flachen Hand plözlich gegen seine Stirn, Borghemo ward aufmerksam:
„Wahrhaftig, ein Schwarzer?“
„„Ein Schwarzer!““ antwortete Duur leise und zeichnete mit dem Stokke sieben verschiedne Züge in den Sand. —
Borghemo lag in Florentins Armen.
Das stille Entzükken der neugebornen Freundschaft durchwärmte sie, drängte ihre hochklopfenden Busen aneinander, lies ihre Arme sich in einander verschränken, glühende Lippen an glühenden Lippen sinken und ihre glänzenden von einer leichten Thräne gebrochnen Augen aufstarren in seeligen Taumel. Sie empfanden beide das süße Vorrecht zarter, gefühlreicher Seelen, den Kelch der Freude da ganz ausschlürfen zu können, wo andere nur nippen dürfen.
„Heilig, heilig ist das Band!“ rief Borghemo: „heilig das Band, welches uns zusammenführte und uns umschlang, ehe wir gegenseitige Ahndung von unserm Dasein in der Welt empfanden! Heilig ist der Bund der schwarzen Brüder!“
Sie drükten sich noch einmahl Brust an Brust, und kehrten wieder, Arm in Arm, zur Gesellschaft zurük. Hier herrschte eine traurige Stille; nur Giovanni Borsellino schien von allen Exulanten noch der zufriedenste zu sein, weil er an der Seite der geliebten Laura Eo Kanella verlassen konnte. Jezt bestieg man wieder Pferde und Wagen; die Trennung war schmerzhaft, die Verwiesnen zogen über die Gränzen des unglüklichen Vaterlandes; Borghemo mit seinen Freunden aber und Florentin mit Gotthold, Badner und Dulli trafen spät in der Nacht zu Kanella ein.