Inopi beneficium bis dat qui dat celeriter

Dem Armen giebt eine doppelte Wohlthat, wer schnell giebt,

wird verkürzt zu:

Bis dat qui cito dat

Doppelt giebt, wer gleich giebt.—

Vergil (70 v.-19 n. Chr.) bietet "Eclogen" 1, 6, die manchmal als Hausinschrift verwendeten Worte des behaglich gelagerten Hirten Tityrus:

Deus nobis haec otia fecit,

Ein Gott hat uns diese Musse geschaffen.

"Ecl." 2, 1:

Formosum pastor Corydon ardebat Alexin,

Corydon glühte, der Hirt, für die schöne Gestalt des Alexis

ist namentlich durch die verdrehte Übersetzung:

Der Pastor Corydon briet einen wunderschönen Hering

bekannt, die Christian Weise in seiner vom 27. Sept. 1692 datierten Vorrede zu Zincgrefs "Apophthegmata" (Frankf. u. Leipz. 1693) erwähnt.

"Ecl." 2, 65 sagt Corydon von seiner Liebe:

Trahit sua quemque voluptas.

Jeden reisst seine Leidenschaft hin.

"Ecl." 3, 93 warnt Damoetas die Blumen und Erdbeeren pflückenden Knaben:

Latet anguis in herba,

Die Schlange lauert im Grase

(vrgl. "Georgica" 4, 457-459).—"Ecl." 3, 104 fordert Damoetas den Menalcas auf, ihm zu sagen, in welcher Gegend der Himmel nur drei Klafter breit sei, "und", fügt er hinzu, "wenn Du darauf antworten kannst,

eris mihi magnus Apollo,

dann wirst Du für mich gross wie Apoll sein".

Danach pflegt man Fragen, deren Beantwortung man nicht erwartet, mit diesem Spruche zu begleiten.—

"Ecl." 3, 108 heisst es:

Non nostrum tantas componere lites,

Nicht unseres Amtes ist's, solchen Streit beizulegen;

"Ecl." 3, 111:

Claudite iam rivos, pueri; sat prata biberant.

Schliess't nun die Rinnen, ihr Knechte! genugsam getränkt sind die Wiesen.

"Ecl." 10, 69:

Omnia vincit Amor.

Alles besiegt der Gott der Liebe.—

Vergils "Georgica" 1, 30 bietet die Bezeichnung eines weit entlegenen Eilandes:

Ultima Thule,

Die äusserste Thule.—

"Georgica" 1, 145 heisst es: "Labor omnia vicit inprobus", was citiert wird in der Form:

Labor omnia vincit improbus;

Die unablässige Arbeit besiegt alles;

"Georgica" 2, 490:

Felix, qui potuit rerum cognoscere causas;

Glücklich, Wer zu erkennen vermocht' die Gründe der Dinge!

"Georgica" 3, 284:

Sed fugit interea, fugit irreparabile tempus.

Doch unterdessen entfliehet die Zeit, flieht unwiederbringlich.—

Tantaene animis caelestibus irae!

So heftiger Zorn in der Seele der Götter!

ruft Vergil "Aeneïde" 1, 11 aus und in Shakespeares "Heinrich VI." T. II, Akt 2, Sc. 2 ruft es Glocester dem Kardinal Beaufort zu.—

Nach "Aen." 1, 26-7

manet alta mente repostum

bleibt (der Juno) tief in die Seele gesenkt

"das Urteil des Paris" (s. Kap. II), weil danach Venus für die Schönere galt.—

"Aen." 1, 33 heisst es:

Tantae molis erat Romanam condere gentem.

Solcherlei Mühsal war es, das römische Volk zu begründen,

was Herder dem vierten Teile seiner "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" (Riga und Leipzig 1791) in der Form: "Tantae molis erat Germanas condere gentes" als Motto voranstellte.

Eine Artikelüberschrift in den "Deutschen Blättern" von F. A. Brockhaus (1814) sagte: "Germanam" und "gentem", indem sie im übrigen mit der Herderschen Fassung übereinstimmte.—

"Aen." 1, 118 lautet:

(Apparent) rari nantes in gurgite vasto

Wenige (sieht man) nur in dem riesigen Flutschwall schwimmen.—

"Aen." 1, 135 beschwichtigt Neptun die Winde mit seinem

Quos ego!

Euch werd' ich!—

Viel citiert wird auch "Aen." 1, 204:

Per varios casus, per tot discrimina rerum,

Durch so verschied'ne Geschicke, so viele gefährliche Lagen.—

Das Wort des Äneas "Aen." 2, 3:

Infandum, regina, iubes renovare dolorem

ist auch in der Schillerschen Übersetzung (Gedichte von Friedrich Schiller, 1. T., Leipz., Crusius, 1800) üblich:

O Königin, Du weckst der alten Wunde

Unnennbar schmerzliches Gefühl.—

Aus "Aen." 2, 6 ist:

Et quorum pars magna fui.

Und worin ich eine grosse Rolle spielte.—

Berühmt ist der Warnungsruf des Laokoon, als er das Krieger bergende Riesenpferd vor Trojas Mauern sieht, "Aen." 2, 49:

Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.

Was es auch ist, ich fürchte die Griechen auch dann, wenn sie schenken.

Uns hat dieser Vers für eine verdächtige Gabe, die Vorteil verspricht und mit Nachteil droht, den Ausdruck:

Danaergeschenk

zugeführt, wohl nach des Seneca ("Agam." 624) "Danaum fatale munus". Vergil mag dabei des griechischen Sprichwortes gedacht haben, das Sophokles ("Ajax" 644) also überliefert: "Ἐχθρῶν ἄδωρα δῶρα, κοὐκ ὀνήσιμα", "Der Feinde falsche Gaben sind Nichts wert". Als die Trojaner dennoch das hölzerne Ross in die Stadt ziehen, fährt Vergil ("Aen." 2, 247, s. auch Aeschylus: "Agamemnon" 1070 ff.) fort:

Tunc etiam fatis aperit Cassandra futuris

Ora. Dei iussu non unquam credita Teucris.

Da nun thut auch

Kassandra

den Mund auf, Unheil verkündend,

Die auf Apollos Geheiss nie Glauben gefunden in Troja.—

"Aen." 2, 274 mahnt der Dichter an den siegprangenden Hektor, im Hinblick auf den nun verwundeten, mit dem Ausruf:

Quantum mutatus ab illo (Hectore)!

Wie anders gegen jenen (Hektor von damals)!—

In der Schilderung von Trojas Brande heisst es "Aen." 2, 311:

Iam proximus ardet Ucalegon,

Schon brennt's bei dem Nachbarn Ucalegon,

und nach dem Brande "Aen." 2, 325:

Fuimus Troes,

Trojaner sind wir gewesen,

und "Aen." 2, 354:

Una salus victis nullam sperare salutem,

Ein Heil bleibt den Besiegten allein, kein Heil mehr zu hoffen.—

"Aen." 2, 774 und 3, 48 schildert Aeneas also sein Entsetzen über den Anblick der Schatten seiner Crëusa und des Polydorus:

Obstupui, steteruntque comae, et vox faucibus haesit.

Ich war starr, und mir hob sich das Haar, und die Stimme versagte.—

"Aen." 3, 57 bietet:

Auri sacra fames!

O, fluchwürdiger Hunger nach Gold!,

"Aen." 4, 175:

Viresque acquirit eundo,

Und Kräfte bekommt sie (die Fama) durchs Gehen,

was auch geändert wird zu:

Fama crescit eundo, oder nur Crescit eundo,

Das Gerücht wächst, indem es sich verbreitet.—

"Aen." 4, 569-570 steht:

Varium et mutabile semper femina

Ein Weib ist stets ein wankendes und veränderliches Wesen.

Nach Verdis "Rigoletto" (Text von Piave. 1851) citieren wir dies Wort auch italienisch:

Donna e mobile.—

"Aen." 4, 625 lesen wir:

Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor!

Rächer, erstehe du mir dereinst aus meinen Gebeinen!

Der grosse Kurfürst, sagt man, citierte diese Worte, als er, vom Kaiser preisgegeben, am 29. Juni 1679 den Frieden von St. Germain-en-Laye unterzeichnete; und der spanische General Diego Leon rief sie bei seiner Exekution (1841) den auf ihn feuernden Soldaten Esparteros entgegen, was Freiligrath zu seinem Gedicht "Aus Spanien" begeisterte, dessen Motto und Refrain jener Spruch bildet.—

"Aen." 5, 320 heisst es bei Gelegenheit des dort geschilderten Wettlaufspiels, dass Nisus der erste war und ihm Salius

longo sed proximus intervallo

nach langem Zwischenraum, doch als der Nächste

folgte. Schon Plinius der Jüngere wendet das Wort in den "Briefen" (7, 20) auf seinen eigenen litterarischen Wert im Vergleich zu dem des Tacitus an.—

"Aen." 5, 814-815 verheisst Neptun, Aeneas und die Seinen würden das Land erreichen, bis auf Einen . . .

"Unum pro multis dabitur caput".

"Ein Haupt wird für Viele geopfert".

Und wirklich: Palinurus, der Steuermann, wird als Sühne von dem Gott in die Fluten geworfen, während die Andern entrinnen. Daher rührt unser

Unus pro multis,

Einer für Viele,

was wir aber im Sinne eines Sichopferns, eines öffentlichen Eintretens für Meinungsgenossen, zu brauchen pflegen.—

"Aen." 6, 95 steht:

Tu ne cede malis, sed contra audentior ito.

Weiche dem Unheil nicht, noch mutiger geh' ihm entgegen!—

Des Aeneas Begleiter, der

fidus Achates,

der getreue Achates,

"Aen." 1, 188 und auch sonst erwähnt, ist zum Muster eines treuen Freundes geworden.

Das erste deutsche Reisehandbuch erschien zu Ulm im Verlage Georg Wildeysers unter dem Titel: "Martini Zeilleri Fidus Achates oder Getreuer Reisegefert u. s. w." und es befindet sich ein Exemplar der dritten Auflage vom Jahre 1661 auf der Giessener Universitätsbibliothek. Zeiller war nach Joechers Gelehrtenlexikon ein Pfarrersohn in Ulm, Ephorus des Gymnasiums, Inspektor der deutschen Schulen, Censor der philosophischen und historischen Bücher, "aber dabei sehr leichtgläubig".—

"Aen." 6, 261 heisst es:

Nunc animis opus, Aenea, nunc pectore firmo!

Jetzt, Aeneas, bedarf es des Muts, jetzt kräftigen Herzens.—

Aus "Aen." 6, 620 wird citiert:

Discite iustitiam moniti, et non temnere divos.

Lernet, gewarnt, recht thun und nicht missachten die Götter.

Aus "Aen." 6, 727 ist:

Mens agitat molem;

Der Geist bewegt die Materie;

aus "Aen." 6, 583:

Parcere subiectis et debellare superbos,

Die Unterworfenen schonen, die Übermüt'gen besiegen;

aus "Aen." 7, 312:

Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo;

Kann ich die Götter für mich nicht erweichen, so lock' ich die Hölle;

aus "Aen." 8, 560:

O mihi praeteritos referat si Juppiter annos!

O, wenn Zeus mir gäbe zurück die vergangenen Jahre!—

Die Tonmalerei in "Aen." 8, 596:

Quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum,

Dröhnend erschüttert das lockere Feld vierfüssiger Hufschall,

wandelt der Dichter "Aen." 11, 875 um, indem er "cursu" statt "sonitu", "Lauf" statt "Schall" und "quadrupedoque" statt "quadrupedante" setzt.—

Als Motto dienen oft Apolls Worte an Julus nach dessen glorreicher Waffenthat, "Aen." 9, 641:

Sic itur ad astra!

So steigt man zu den Sternen!—

Aus "Aen." 10, 63, 64:

Quid me alta silentia cogis rumpere?

Warum zwingst Du mich, das tiefe Schweigen zu brechen?

ist entnommen:

altum silentium

tiefes Schweigen.—

"Aen." 10, 467 findet sich:

Stat sua cuique dies,

Jedem steht sein Tag bevor!—

Experto credite,

Glaub't es dem, der es selbst erfuhr,

steht "Aen." 11, 283. Es ist auch in Ovid "Ars amandi" 3, 511 zu finden und, umgestellt in "crede experto", bei Silius Italicus "Punica", 7, 395. "Experto crede" heisst es in des heiligen Bernhard Ep. 106 und im Prologus zum 1. Buche des "Policraticus" von Johannes von Salesbury (†dagger; c. 1180). Dann kommt es in den maccaronischen Gedichten des Antonius de Arena († 1544): "Ad compagnones", im dritten Verse des "consilium pro dansatoribus" zu "Experto crede Roberto" erweitert, vor, was Neander "Ethice vetus et sapiens" (Leipz. 1590, S. 89) als sprichwörtlich anführt. Ed. Fournier "l'Esprit des Autres" (6. Ausg. 1881, S. 32) citiert einen mittelalterlichen Vers: "Quam subito, quam certo, experto crede Roberto". Endlich wird in Moscheroschs 1643 erschienenen "Gesichte Philanders von Sittewald" (in "der Welt Wesen") als ratgebender Führer des Autors erwähnt:

Expertus Robertus.—

Das Wort Vergils:

Sic vos non vobis,

ist uns vom jüngeren Donatus ("Leben des Vergil", 17) also überliefert: Vergil habe einst an das Thor des Augustus ein für den Kaiser schmeichelhaftes Distichon anonym angeschrieben. Bathyll, ein schlechter Dichter, habe sich für den Verfasser ausgegeben und sei deshalb von Augustus mit Ehren und Gaben bedacht worden. Um die Blösse des unverschämten Poeten aufzudecken, schrieb Vergil darauf den obigen Halbvers viermal unter einander an das Thor. Augustus forderte die Ergänzung dieses Versanfangs. Vergebens versuchten sich Einige daran. Da kam endlich Vergil, und nachdem er unter das erst erwähnte Distichon die Worte gesetzt hatte: "Hos ego versiculos feci, tulit alter honores" (Ich schrieb hier diese Verschen, die Ehren ein And'rer davontrug) ergänzte er die Anfänge so:

Sic vos non vobis nidificatis aves,

Sic vos non vobis vellera fertis oves,

Sic vos non vobis mellificatis apes,

Sic vos non vobis fertis aratra boves.

d. i.:

So bau't ihr Nester, o Vögel, nicht für euch,

So trag't ihr Wolle, o Schafe, nicht für euch,

So mach't ihr Honig, o Bienen, nicht für euch.

So zieh't ihr Pflüge, o Rinder, nicht für euch.—

Horaz (65-8 v. Chr.) gab 24 oder 23 v. Chr. die drei ersten Bücher seiner "Oden" heraus; aus diesen ist in Deutschland geläufig I, 1, 7:

Mobilium turba Quiritium,

Die Schaar der wankelmütigen Quiriten;

I, 3, 9:

Aes triplex circa pectus,

Mit dreifachem Erz gepanzert.

I, 3, 37:

Nil mortalibus arduum est,

Nichts ist Sterblichen allzuschwer;

I, 4, 15:

Vitae summa brevis spem nos vetat inchoare longam,

Die kurze Summe des Lebens verbietet uns eine lange Hoffnung anzufangen;

I, 9, 13:

Quid sit futurum cras, fuge quaerere,

Was morgen sein wird, frage nicht;

I, 11, 8:

Carpe diem,

Beute den Tag aus;

I, 16, 22:

Compesce mentem

Beherrsche deinen Unmut;

I, 22, 1:

Integer vitae scelerisque purus,

Der im Wandel Reine und von Schuld Freie;

I, 24, 7:

Nuda . . . Veritas

die nackte Wahrheit;

I, 24, 9:

Multis ille bonis flebilis occidit,

Von vielen Guten beweint, starb er hin;

I, 28, 15:

Omnes una manet nox,

Auf Alle harrt ein und dieselbe Nacht;

I, 32, 1:

Poscimur,

Wir werden vom Geist ergriffen;

(vrgl. Ovid, "Metam." 5, 333).—

"Oden" II, 3, 1:

Aequam memento rebus in arduis

Servare mentem.

Bedenk' es, wie du standhaft im Ungemach

Den Gleichmut wahrest;

II, 3, 25:

Omnes eodem cogimur,

Zum selben Ort hin (d. h. zum Orcus) müssen wir Alle;

II, 6, 13:

Ille terrarum mihi praeter omnes

Angulus ridet,

Jenes Plätzchen lächelt mir vor allen anderen auf der Erde zu,

was sich als Hausinschrift nicht selten findet;

II, 10, 5:

Aurea mediocritas,

Goldene Mittelstrasse

II, 14, 1 u. 2:

Eheu fugaces, Postume, Postume

Labuntur anni . . .

O weh, die Jahre, Postumus, Postumus,

Entgleiten flüchtig . . .

II, 16, 27:

Nihil est ab omni

Parte beatum;

Es giebt kein vollkommenes Glück.—

"Oden" III, 1, 1:

Odi profanum vulgus et arceo;

Ich hasse die uneingeweihte Menge und halte sie fern;

III, 1, 2:

Favete linguis!

Hütet die Zungen! (d. h. zanket und schwatzet nicht! seid andächtig!)

Aus Cicero (de divin. I, 45, 102 u. II, 40, 83) ergiebt sich, dass dieser Ruf von Alters her bei öffentlichen Religionshandlungen in Rom üblich war.

III, 3, 1:

Iustum et tenacem propositi virum;

Den Biedermann, der seinem Entschlusse treu;

III, 3, 7:

Si fractus illabatur orbis,

Impavidum ferient ruinae;

Ob berstend auch einstürzt der Himmel,

Stirbt in den Trümmern der Held doch furchtlos;

III, 4, 65:

Vis consili expers mole ruit sua;

Kraft ohne Weisheit stürzt durch die eig'ne Wucht;

III, 16, 17:

Crescentem sequitur cura pecuniam;

Dem wachsenden Geld folgt die Sorge;

III, 24, 6:

dira necessitas;

Die furchtbare Notwendigkeit;

III, 29, 55:

Mea virtute me involvo;

Ich hülle mich in meine Tugend ein;

III, 30, 1:

Exegi monumentum aere perennius;

Ein Denkmal habe ich mir gesetzt, dauernder als Erz:

III, 30, 6:

Non omnis moriar,

Nicht ganz werde ich sterben.—

"Oden" IV. Buch (ersch. um 18 v. Chr.) 1. 3:

Non sum qualis eram;

Ich bin nicht mehr, der ich war;

(vrgl. Ovid, "Tristia" 3, 11, 25: "Non sum qui fueram");

IV, 7, 16:

Pulvis et umbra sumus;

Staub und Schatten sind wir;

(vrgl. Kap. X. Pindar "Pyth." 8, 136, ferner Sophokles "Elektra" 1159 und Euripides "Meleagros" Frg. 536, ed. Nauck).

Aus IV. 9, 45:

"Non possidentem multa vocaveris

Recte beatum"

"Nicht den, der viel besitzt, wirst du mit Recht glücklich nennen"

mag der Widerspruchsgeist

Beati possidentes!

Glücklich die Besitzenden!

entwickelt haben. Dieser Ausdruck wurde durch die Juristen üblich, die nicht im "Corpus iuris", wohl aber sonst oft von "beatitudines possessionis" ("Vorteilen, die der Besitz gewährt") und von "beati possidentes" reden.

IV, 12, 28:

Dulce est desipere in loco,

Lieblich ist's, zu seiner Zeit den Thoren spielen,

was Seneca ("De tranquill. anim." 15, g. End.) in der Form "aliquando et insanire iucundum est" auf einen griechischen Dichter zurückführt. Vielleicht meint er Menanders "καὶ συμμανῆναι δ' ἔνια δεῖ", "man muss mit Andern auch mal thöricht sein" (bei Clemens Alexandrinus "Stromat." VI, p. 204; Bentley: συμμανῆναι für συμβῆναι).—

Aus den "Epoden" (um 30 v. Chr.) des Horaz ist bekannt 2, 1:

Beatus ille, qui procul negotiis

(Ut prisca gens mortalium)

Paterna rura bobus exercet suis

(Solutus omni fenore;)

Glückselig, wer dem Treiben der Geschäfte fern

Gleichwie die Menschheit alter Zeit

Mit eignen Rindern sein ererbtes Gut bepflügt

Von allen Wucherplagen frei.—

Den "Satiren" des Horaz entnehmen wir I (ersch. 35 v. Chr.) 1, 24:

(Quamquam) ridentem dicere verum

(Quid vetat?)

(Doch) lächelnd die Wahrheit sagen (was hindert daran?),

welche Stelle meistens umgeändert wird in:

Ridendo dicere verum.

I, 1, 69 und 70:

Mutato nomine de te fabula narratur;

Die Geschichte handelt von dir, nur der Name ist geändert;

I, 1, 106:

Est modus in rebus, sunt certi denique fines;

Es ist Mass und Ziel in den Dingen, es giebt, mit einem Worte, bestimmte Grenzen;

I, 3, 6:

ab ovo usque ad mala;

Vom Ei bis zu den Äpfeln,

d. h. vom Anfange des Mahles, wo Eier gereicht wurden, bis zu dessen Ende, wo man die Früchte auftrug, bedeutet: "von Anfang bis zu Ende, ohne Unterlass, ohne Unterbrechung".

Aus "Sat." I, 4, 34:

dummodo risum

Excutiat sibi, non hic cuiquam parcet amico,

Wenn er nur Lachen für sich erweckt, wird er keinen Freund verschonen,

entstand wohl das schon bei Quintilian "de institut. orat." 6, 3, 28 als sprichwörtlich angeführte (Propositum illud:

Potius amicum, quam dictum perdendi)

Lieber einen Freund verlieren, als einen Witz.

(Boileau, Sat. 9, 22 hat:

Mais c'est un jeune fou qui se croit tout permis,

Et qui pour un bon mot va perdre vingt amis.

Quitard "Dictionnaire des proverbes", Paris 1842, p. 44 führt auf: "Il vaut mieux perdre un bon mot qu'un ami").—

"Sat." I, 4, 62 sagt Horaz, nachdem er ein klangvolles Fragment des Ennius angeführt hat:

"invenias etiam disiecti membra poetae".

(Nach Wieland: "Ihr werdet auch in den zerstückten Gliedern den Dichter wieder finden"). Daraus stammt unser:

disiecta membra poëtae.

Horaz scheint dies Wort dem Polybius zu verdanken, nur dass er es anders verwendet. Letzterer meint (1, 4), wer nur Einzelforschungen treibe, könne aus den Bruchstücken nicht auf den grossen Gang und Zusammenhang der Geschichte schliessen, ebenso wenig, wie Die, welche nur "die zerstreuten Gliedmaassen" ("διεῤῥιμμένα τὰ μέρη") eines Körpers vor sich sähen, aus dem Einzelnen nachweisen können, wie das Ganze in seiner lebendigen Schöne gewesen sei.

I, 4, 85:

Hic niger est, hunc tu, Romane, caveto,

Das ist eine schwarze Seele; vor ihm, o Römer, hüte dich;

I, 5, 100:

Credat Iudaeus Apella,

Das glaube der Jude Apella,

(d. h.: Glaube es, wer es will; ich glaube es nicht);

I, 9, 59:

Nil sine magno vita labore dedit mortalibus,

Das Leben gab dem Sterblichen Nichts ohne grosse Arbeit;

I, 9, 71:

Unus multorum.

Einer von den Vielen, vom grossen Haufen, ein Dutzendmensch;

I, 9, 78:

Sic me servavit Apollo,

So hat mich Apollo gerettet;

ein Anklang an das homerische ("Iliade" 20, 443) "τὸν δ' ἐξήρπαξεν Ἀπόλλων"—"doch schnell entrückt ihn Apollon", nämlich den von Achill bedrängten Hektor.

I, 10, 72:

Saepe stilum vertas,

Oft wende den Griffel,

d. h. "feile den Ausdruck" (indem du mit dem oberen breiteren Ende des Griffels verwischest, was du mit dem unteren spitzen in die Wachstafel gegraben hast).

"Satir." II, (wahrscheinlich 30 v. Chr.) 1, 27 steht:

". . . . quot capitum vivunt, totidem studiorum

Milia"—

woraus mit Anlehnung an des Terenz ("Phormio" 2, 4) "Quot homines, tot sententiae" gebildet wurde:

Quot capita, tot sensus!

So viel Köpfe (es giebt), so viele Meinungen (giebt es);

II, 2, 17 u. 18:

—cum sale panis

Latrantem stomachum bene leniet,

"Brot mit Salz wird den bellenden Magen gut besänftigen",

woraus wir entnehmen:

Bellender oder knurrender Magen.

II, 3, 243 lesen wir von den Söhnen eines Reichen, die das Teuerste, Nachtigallen, massenhaft zu vertilgen liebten:

Par nobile fratrum,

Ein edles Brüderpaar, so wie man höhnisch sagt: "ein Paar nette Burschen!"

II, 6, 1 steht:

Hoc erat in votis;

Dies gehörte zu meinen Wünschen!

II, 6, 49:

Fortunae filius,

Sohn des Glücks oder Glückskind.—

Die "Episteln" des Horaz bieten I (ersch. 20 od. 19 v. Chr.) 1, 14:

Iurare in verba magistri,

Auf des Meisters Worte schwören;

I, 1, 54:

(O cives, cives, quaerenda pecunia primum est;)

Virtus post nummos;

Bürger, o Bürger, ihr müsset zunächst Reichtümer erstreben;

Tugend erst nach dem Gelde!

I, 1, 76 nennt Horaz das römische Volk: