Fünftes Capitel.
Die Entdeckung.

Der Capitän vom Boreas lag in seiner Coye – er hatte den vorigen Abend bös geschwärmt, und der Kopf glühte ihm noch von all den »Brandys hot« und »Brandys cold«, die er in sich hineingegossen. Er träumte – aber was kümmern uns seine Träume, wir können ihn doch nicht länger schlafen lassen.

Der Tag brach eben im Osten an, ja der hellere Schein drängte sich schon durch das obere Cajütfenster, das sogenannte Skylight,[4] in die Cajüte. Der Capitän murmelte etwas von »half and half« – er trank gern Porter und Ale zusammen, und mochte wahrscheinlich Durst haben – stöhnte noch ein paarmal, und warf sich dann auf die andere Seite.

Der Steward war indessen ebenfalls munter geworden. – Nicht daß ihn jemand geweckt hätte, sondern mehr von einem halb unbewußten Gefühl aufgetrieben, das uns manchmal, ohne die geringste äußere Einwirkung, aus dem tiefsten Schlafe aufrüttelt, wenn wir uns nur Abends vorher fest vorgenommen haben zu einer gewissen Stunde aufzuwachen.

Es ist das ein Gefühl, das mit unserem Gewissen genau verwandt sein muß, denn es verrichtet, wenn auch nur im Kleinen, denselben Dienst; ja vielleicht wird es von der haushälterischen Natur selber dazu verwandt, wer kann es wissen. Wer von uns ist in die geheimen Gänge und Falten seines eigenen Geistes schon je so weit eingedrungen, um nur mit Bestimmtheit voraussagen zu können, was er in der nächsten Minute selber denken, selber empfinden will? Er kann es nicht.

Mag er seinen Geist alle Kraft anwenden lassen sich nur auf einen einzigen Punkt zu concentriren – es ist umsonst. Irgend eine ihm unbewußte, aber in ihm bestehende Kraft lenkt den Strahl seiner Gedanken, ganz von ihm selber unabhängig, wohin sie eben Lust hat, und schüttelt ihm gerade dann gewöhnlich, wenn er etwas Bestimmtes festhalten will, den ganzen bunten Bilderkram seines Gehirns – diese tollste Rumpelkammer alter Geschichten und Träume – um und um, daß es ihm schwarz und blau vor den Augen wird, und er diese endlich in Verzweiflung schließen muß, nur all dem krausen Wirrwarr zu entgehen. Und selbst das hilft ihm nichts. – Gerade durch die fest auf die Augen gepreßten Finger sieht man das tollste Zeug, und muß zuletzt ruhig seine Zeit abwarten, bis das alles wieder aus eigenem freien Antriebe in seine alten Behälter und Gefache zurückgekehrt und verschwunden ist.

Und wohin bin ich jetzt selber gerathen, von eben diesem wunderlichen Geist geneckt? Halt, ich sprach von dem Steward, der erschreckt von seinem Lager auffuhr.

War er aber noch im halben Schlaf, so brachte ihn der Stoß, mit dem er seine eigene Stirn beim in die Höh fahren gegen den quer durch seine Coye laufenden »Beam« stieß, augenblicklich zur Besinnung, und er sprang jetzt erschrocken aus der Coye, denn zu ihm herein drang das Tageslicht, und um vier Uhr hatte er ja schon wieder auf Deck sein sollen.

Warum mochte ihn denn der Zimmermann nicht geweckt haben? Er lief, ohne sich erst weder die Jacke anzuziehen, noch nach der neben ihm liegenden Mütze zu greifen, an Deck. Alles war hier stumm und still – dem Steward klopfte das Herz wie ein Schmiedehammer, denn er dachte an das was ihm, im Fall wirklich etwas passirt sei, selber bevorstand.

Im »Logis« fand er denn auch nur zu bald seinen schlimmsten Argwohn bestätigt, und den armen Teufel von Zimmermann in der wirklich traurigsten Lage von der Welt. Als er ihm aber das Tuch vom Gesicht band und den Knebel aus dem Mund zog, war es gerade als ob er den Stöpsel aus einer Flasche Weißbier gezogen hätte, denn wie aus dieser der Schaum, so sprudelten aus dem endlich befreiten Munde des Gebundenen jetzt eine wahre Unzahl von Flüchen und Verwünschungen – die alle hier so lange festgestopft gesessen hatten – in solcher Schnelle und Kraft heraus, daß der Steward im ersten Moment wirklich vergaß seine Hände zu lösen, und nur ganz erstaunt und verdutzt neben ihm stand und ihn ansah.

Durch den Lärm munter gemacht, wachte auch der Deutsche auf, und sah aus seiner Coye. Ueber diesen fielen sie nun Beide her und wollten von ihm erfahren, was aus den anderen geworden, und wo sie sich aufhielten. Er wußte von gar nichts – hatte keinen Menschen weggehen hören oder irgend etwas mitgetheilt bekommen, was die Absicht der Entlaufenen betreffen konnte. Er war spät an Bord gekommen, sehr müde gewesen, gleich eingeschlafen und in diesem Augenblick durch das gotteslästerliche Fluchen des Zimmermanns zum erstenmal aufgewacht.

Aus ihm war auch nicht das mindeste herauszubekommen, und dem Steward lag jetzt die höchst unangenehme Pflicht ob, den Capitän von dem Vorgefallenen in Kenntniß zu setzen, damit dieser augenblicklich seine Maaßregeln darnach nehmen könnte. Er ging in die Cajüte hinunter, zog seine Jacke an, strich sich die Haare aus dem Gesicht und trat zu des Capitäns Coye.

»Capitän Oilytt«, sagte er, als er ihn am Arm faßte und leise schüttelte.

»Brandy hot«, antwortete der Capitän – »der Teufel soll das Ale holen, das brennt wie Feuer.«

»Capitän Oilytt«, wiederholte der Steward. – Wär' er ein Zauberer gewesen, er hätte den Capitän einmal vor allen Dingen einige tausend Jahre so fortschlafen, und nachher in einer kühlen Grotte mit einer wunderschönen verwunschenen Prinzessin wieder aufwachen lassen. So aber konnte er das nicht, und schüttelte ihn noch einmal etwas stärker als das erstemal.

»Sieben Schilling Sixpence« lautete diesmal die hartnäckige Antwort, die sich wahrscheinlich auf irgend eine gestern bezahlte Zeche bezog – »lieber Gott!« – und ein tiefer Seufzer folgte.

»Ja jetzt ruft er den lieben Herrgott an, wenn er nicht weiß was er spricht« – brummte der Steward leise vor sich hin, »und wenn er nachher aufwacht und zur Besinnung kommt, flucht er wie ein Heide. – Und wenn er nur blos noch fluchte. – Ich muß ihn aber wahrhaftig wecken.«

Diesmal wich der tiefe Schlaf dem stärkeren und entschlossenen Schütteln des Dieners, und der Capitän fuhr, die Augen weit aufgerissen, in seinem Bett in die Höhe.

»Was zum Donnerwetter gibts nun?« rief er ärgerlich aus – »kann man denn in des drei Teufels Namen nicht einmal ruhig schlafen bis es Tag ist, daß du Einen mitten in der Nacht herausrütteln mußt? – was ist los? – na? – wird's bald?«

Der Steward, der bis dahin gar nicht hatte zu Wort kommen können, sagte jetzt schnell:

»Capitän Oilytt, die ganze Mannschaft ist fortgelaufen – der Koch und der ganze andere Schwarm. – Nur der Zimmermann und Hans – der eine Deutsche – sind noch an Bord.«

Der Capitän war mit einem Satz aus seinem Bett und mit einem zweiten in seinen Hosen, während er eine wahre Sündfluth von Flüchen ausströmte. Damit wurde die Sache aber um kein Haarbreit geändert. Natürlich hatten der Zimmermann und der Steward die alleinige Schuld, und der zurückgebliebene Deutsche, als der Capitän wie ein Wüthender nach vorn gefahren war, sollte nun gezwungen werden zu beichten. Er wußte aber, dabei blieb er trotz allen Drohungen und Versprechungen – von gar nichts. Er hatte die ganze Nacht, wenigstens von der Zeit an wo er an Bord gekommen, bis zu der wo der Steward den Zimmermann losband, geschlafen. Früher sei, wie er weiter erzählte, allerdings vom Fortlaufen die Rede gewesen, da er aber stets fest erklärt habe daß er nicht mit ginge, hätte man ihm diesmal, wie es schiene, gar nichts davon gesagt.

Der Capitän schäumte vor Wuth. – »Das kommt davon«, rief er, »daß ich mich mit dem verdammten fremden Gesindel eingelassen habe. – Hätte ich lauter Engländer gehabt, wäre das nicht geschehen. – Aber wartet, wartet Canaillen, Euch will ich ein Gericht einbrocken, auf das Ihr nicht gerechnet haben sollt, und hab ich Euch erst wieder, dann Gnade Euch Gott. Dann geb ich Euch mein Wort drauf, Ihr sollt Euch lieber in der Hölle als bei mir an Bord wünschen. – Und du Steward, vor allen andern, du verdientest überhaupt, daß ich dich an die Railing binden und dir 25 aufzählen ließ – du – Holzkopf du.«

Und damit schoß er wie ein Pfeil in seine Cajüte hinunter, in seine Kleider hinein und dann an Land, die Anzeige bei der Wasserpolizei von den Entflohenen zu machen und eine Belohnung auf ihren Fang zu setzen.

Kaum war er aber fort, und ehe sich der Steward noch von dem ersten Erstaunen über die entsetzliche Drohung erholen konnte, so kam der erste Mate schon auf ihn zu, faßte ihn am Kragen und überschwemmte ihn mit einer wahren Fluth von Schimpfreden.

»Du Lump!« – rief er, »bist der einzige der die ganze Geschichte zu verantworten hat. – Warum hast du nicht aufgepaßt, – heh? – was zum Donnerwetter hast du denn sonst auf der Welt zu thun? – wozu bist du nütz?« –

Nach diesem Ausbruch innerer Gefühle stieg er an Deck und lief eine gute Stunde das Quarterdeck auf und ab. Der Steward fing indessen an die Tische unten abzuwischen. Er hatte aber noch nicht einen fertig, als der zweite Mate ebenfalls den Kopf hereinsteckte.

»Du bist doch das nichtsnutzigste miserabelste Stück Takelwerk am ganzen Bord«, sagte er, und sah den Steward an als ob er ihn mit Haut und Haaren, und ohne Pfeffer und Salz verschlingen wolle. – Damit schlug er die Thür wieder zu und ging ebenfalls an Deck. Er war die halbe Nacht an Land gewesen, und erst um Mitternacht an Bord gekommen.

Der Steward aber setzte sich mit dem Abwischtuch in der Hand am Tische nieder, schüttelte in einem fort mit dem Kopf und murmelte leise vor sich hin.

»Na, nu wird's Tag – ich habe die Schuld – ich bin die alleinige Ursache, daß die anderen fortgelaufen sind. – Natürlich – wenn ich nicht meine zwei Stunden geschlafen hätte, wo die anderen auf Wacht waren, hätte das alles nicht geschehen können. Na, das wird eine schöne Reise werden – ich glaube wahrhaftig, es wäre das Beste ich liefe auch fort – nachher wär ich denn doch neugierig wer die Schuld davon hat – ich wieder; natürlich. Und wieder kriegen? – wenn sie die wieder kriegen freß' ich sie – alle zusammen.« Und mit diesem kannibalischen Entschluß stand er auf und begann seine Arbeit auf's neue.

Sechstes Capitel.
Sydney im Dunkeln.

Eine ganze Woche war verflossen, und noch immer lag der Boreas an seinem alten Platze am Werft, ohne, trotz der darauf gesetzten Belohnung, einen einzigen von seinen Leuten wieder bekommen zu haben. Natürlich konnte er, mit einem Mann an Bord, auch nicht in See gehen, und andere Matrosen waren ebenfalls nicht zu bekommen. Der Capitän hatte schon, der schlechten Behandlung seiner Leute wegen, einen solchen Namen in Sydney bekommen, daß niemand mit ihm segeln wollte und der Goldschwindel machte überdies die Leute die extravagantesten Preise fordern.

Natürlich mußte er unter der Zeit Arbeiter annehmen, die an Bord nothwendigen Geschäfte zu verrichten, und an diese ebenfalls sehr theuren Lohn bezahlen; das ging aber freilich alles aus der Tasche der weggelaufenen Leute und zwar von dem ihnen gut stehenden Geld was sie an Bord zurückgelassen – vorausgesetzt, natürlich, daß man sie wieder bekam. Wurden sie wieder eingefangen, so hatten sie die Arbeiterkosten für fremde Hülfe, wie selbst den auf ihr Einfangen gesetzten Preis von dem ihnen noch gut stehenden Geld, oder von ihrer nächsten Reise – und wenn die nicht zulangte, von der nächstfolgenden – zu bezahlen.

Die Wasserpolizei war indessen, wie sie sagte, sehr thätig gewesen die Leute wieder einzubringen, oder wenigstens auf ihre Spur zu kommen, doch ohne Erfolg. Es war erst ein Pfund Sterling auf den Kopf gesetzt, und man konnte nicht gut erwarten, daß sie sich den Preis muthwillig verderben sollten, da er mit der Zeit von selber steigen mußte.

Der Capitän hoffte indessen das meiste von dem Sonnabend Abend, wo sich die Matrosen in Sydney gewöhnlich am freisten gehen lassen und, wenn sie erst einmal ins Trinken kommen, nicht mehr die sonst kaum vergessene Vorsicht gebrauchen, die Straße oder alle öffentlichen Häuser zu vermeiden. Von vielen anderen Schiffen war ebenfalls die Mannschaft fortgelaufen, und die ganze Wasserpolizei sollte an diesem Abend auf den Beinen sein. Die beiden Steuerleute des Boreas hatten sich ebenfalls erboten mit den Steuerleuten noch zweier anderen Schiffe, je zwei mit einem Polizeidiener zu gehen, um, falls sie einen der Ihrigen treffen sollten, ihn gleich zu kennen und festhalten zu können.

Um sieben Uhr setzte sich der ganze Zug in Bewegung, zerstreute sich aber bald nach verschiedenen Richtungen hin, um mehrere Stadttheile auf einmal durchstreifen zu können, und man bestimmte nun einen Platz am entferntesten Ende der Stadt, wo man sich um 12 Uhr Nachts treffen und die gemachten Beobachtungen mittheilen wollte. Bis ein Uhr Morgens ist es auf den Straßen stets lebendig.

Der erste Mate vom Boreas, der zweite von einer anderen englischen Barke und ein Polizeidiener nahmen den oberen Theil der Stadt Georgestreet, Pittstreet und was dort in der Nähe lag, obgleich in Georgestreet, als der Hauptstraße der Stadt, wohl kaum einer der Weggelaufenen anzutreffen sein mochte. Sie wagten sich schon nicht in diesen Stadttheil, wo eine so zahlreiche Menschenmenge fortwährend hin- und wiederströmte, und zwischen diesen leicht jemand sein konnte der sie kannte und den Händen der überall postirten Constabler übergab. Nichtsdestoweniger gingen die drei Männer Georgestreet hinauf und bogen dann oben links ab, durch Liverpoolstreet in Pittstreet hinein, vor allen Dingen einmal das »goldene Kreuz«, was ihnen als der frühere Hauptaufenthaltsort der Leute des Boreas beschrieben war, zu revidiren.

Es war noch zu früh am Abend um schon viel Gäste in den Wirthshäusern anzutreffen; die meisten wanderten noch in der Nähe des Markthauses und durch den Markt auf und ab, und erfreuten sich des schönen mondhellen Abends. Dennoch saßen etwa zehn oder zwölf Männer, meistens Matrosen, an den verschiedenen Tischen, und in einem der kleinen Verschläge, wo zwei Seeleute ihre beiden Mädchen mit hineingenommen hatten und ihnen dort zutranken, ging es besonders lustig und auch laut zu.

Der Mate vom Boreas warf einen schnellen aber forschenden Blick über sämmtliche Gäste hinüber, und trat auch in das kleine »Privatzimmer«, in das er indiscret genug und, von einem »what do you want« der darin Sitzenden angeschnauzt, hineinschaute, konnte aber kein bekanntes Gesicht entdecken. Mrs. und Mr. Mac Carther warfen sich übrigens einen Blick zu, den sie beide zu verstehen schienen, und die »Dame« wandte sich dann mit der größten Freundlichkeit an die Neuangekommenen, und frug was sie zu trinken wünschten. Sie ließen sich eine Flasche Porter und drei Gläser geben, und setzten sich an einen der Tische.

Polly ging ab und zu, und schien besonders mit dem Polizeidiener, einem jungen, hübschen und schlanken Mann, gut bekannt zu sein. Als Mr. Mac Carther die zweite Flasche auf den Tisch setzte, stand der junge Mann von der Wasserpolizei auf und ging hinaus – wenige Minuten darauf folgte ihm Polly – sie standen beide in der offenen Hausthür.

»Polly«, sagte der Polizeidiener, und hob ihr mit dem rechten Zeigefinger das Kinn empor – »wo sind die Leute vom Boreas, die Ihr versteckt habt?«

»Die Ihr versteckt habt?« sagte das Mädchen schnippisch und schnell, und schlug den Finger mit der verkehrten Hand weg – »die Ihr versteckt habt? – was gehen mich die Leute vom Boreas oder irgend einem anderen »aß« an, und was hätt' ich davon, Matrosen zu verstecken? – Wenn Ihr mir weiter nichts zu sagen habt, Mr. Naseweis, dann seid so gut und laßt mich ein andermal zufrieden.« Und damit wollte sie sich von ihm losmachen und wieder ins Schenkzimmer gehen. Charles, wie der junge Mann hieß, faßte aber ihre Hand und sagte schmeichelnd: – »Sey nicht närrisch, Polly – du verstehst wie ichs meine, und daß ich recht gut weiß wie du selber nichts damit zu thun hast – obgleich mir Gerüchte zu Ohren gekommen sind von einem jungen Franzosen der –«

»Charles«, sagte das Mädchen, und schien ernstlich böse zu werden, »du hast es heut Abend ordentlich darauf angelegt mich zu ärgern, und ich antworte dir keine Sylbe weiter.«

»Was das betrifft, mein Schatz«, lachte der andere, während er jedoch die Hand des Mädchens noch immer fest dabei hielt – »so hast du mir auch noch gar keine Sylbe geantwortet. – Ich weiß aber, daß du ein vernünftiges Mädchen bist – du hast mir davon schon zu viele Proben gegeben, so laß uns denn auch ohne weitere Umschweife ein vernünftiges Wort miteinander reden. Auf das Einfangen der Leute vom Boreas wird in der nächsten Woche, wenn der Capitän erst einmal weg muß, ein sehr bedeutender Preis gesetzt werden – wenn du die Hälfte davon verdienen kannst, wirst du doch vielleicht zusehen, ob du mir ein oder das andere von Mr. und Mrs. Mac Carther herausbekommen kannst?«

»Du glaubst doch nicht etwa«, fiel ihm das Mädchen rasch in die Rede, »daß Mr. und Mrs. Mac Carther weggelaufenen Matrosen in ihrem eigenen Hause ...«

»Gott bewahre«, unterbrach sie Charles lachend »da sind sie beide viel zu vernünftig dazu, als daß sie sich einer solchen Gefahr aussetzen sollten – es stehen 50 Pfund Sterling Strafe darauf. – Nein, aber sie – haben doch manches – oh hol's der Henker, du bist klug genug, und dir brauch ich doch weiter keine Erklärung zu geben.«

Das Mädchen sah einen Augenblick vor sich nieder und sagte dann leise –

»Wie hoch wird die Belohnung etwa sein?«

»Wie hoch? nun unter vier Pfund Sterling per Mann auf keinen Fall, wahrscheinlich aber sechs, und wie viel sind es gleich – vier, sieben – neun, nicht wahr?«

Das Mädchen sah zu ihm auf und schüttelte verschmitzt mit dem Kopf – die Falle war ein klein wenig zu plump gewesen. Charles mochte das auch wohl fühlen, denn er wurde bis über die Ohren roth, sagte aber gleich darauf lachend – »bitt' um Entschuldigung, ich hatte ganz vergessen, daß du gar nichts davon weißt. Doch genug für jetzt. Mir liegt selber nichts daran, daß wir sie heut Abend erwischen sollten, und sind sie in der Nähe, so thäten sie sehr wohl sich ein wenig von den Straßen oder aus den öffentlichen Trinkhäusern zu halten, sie könnten sich sonst leicht morgen an einem Orte finden, auf den sie Heute schwerlich gerechnet haben. Also good bye, Polly, sei ein gut Mädchen und halte die Augen offen.«

Damit trat er mit ihr in den dunklen Gang zurück, zog sie etwas näher an sich und – doch es war zu dunkel etwas weiter zu erkennen. Als aber gleich darauf die Thür aufging, stand Charles vorn im Haus, und Polly kam, allem Anschein nach eben vom Hof, und trat in die Schenkstube.

Als Charles wieder in die Stube kam, hatten die beiden Steuerleute schon die Zeche bezahlt und sich zum Fortgehen gerüstet. – Sie hielten sich erst einmal vor allen Dingen nach der Rowson oder Rosenstraße hinüber, wo ein freier eingezäunter Platz die eine Reihe Straßen begrenzt und die Matrosen, in der Nähe zahlreicher verrufener Häuser gern umherschlendern. Obgleich sie aber manchen von diesen begegneten, und alle scharf ins Auge faßten, war doch keiner der rechten darunter. Einmal freilich glitt eine dunkle Gestalt rasch und flüchtig vor ihnen hin, verschwand aber auch gleich darauf durch die dort hohe Pallisadenfenz, in eine kleine Thür, die sich hinter ihm schloß. Es war dies kein öffentliches oder Kosthaus, und der Polizeimann hätte erst einen »warrant« ausnehmen müssen, ehe er ein Privathaus untersuchen durfte. Oft blieb Charles aber eine kurze Strecke zurück, und flüsterte hie und da mit einer, im Schatten irgend eines niedern Hauses, neben einem erleuchteten Fenster stehenden weiblichen Gestalt – er schien mit allen Winkeln und Höhlen der ganzen Stadt bekannt zu sein.

Es war etwa neun Uhr als sie nach Pittstreet zurückkamen; hier hatte sich indessen manches verändert, und die im Anfang noch ziemlich öde Straße wimmelte jetzt, besonders in der Nähe des Theaters, von Menschen. Dem Theater gerade gegenüber sind eine Anzahl kleiner Spelunken oder Trink- und Tanzhäuser nur von liederlichen Dirnen besucht, zu denen sich die Menschen förmlich drängten. Unsere drei Wanderer traten ebenfalls ein, und zwar zuerst in das bedeutendste, das sogenannte »Shakespeare Haus.«

Unten befand sich die sogenannte Bar – ein Schenktisch mit den dazu gehörigen Vorräthen von Flaschen und Gläsern; dahinter ein kleines Zimmer für solche die ruhig ein Glas Bier trinken wollten. Beide Locale waren aber fast leer von Gästen, und doch sollte dies Haus ungemein großen Absatz haben. Außer diesen beiden Zimmern hatte es aber auch noch andere Räume. Gleich neben der Bar, von dieser nur durch eine Mauer getrennt, und mit einem aparten Eingang von der Straße, ging eine schmale Treppe in die erste Etage hinauf, wo der ganze Raum in zwei große Locale getheilt war. Das eine war ein hoher Saal, dessen äußerstes Ende ein statuenartig und lebensgroß gemaltes Bild Shakespeare's zierte.

Der große Dichter stand aufrecht da und überschaute mit einem merkwürdigen Zug unendlicher Gleichgültigkeit das ganze wilde Treiben um sich her. Der Maler hatte in diesem Bild sicher eine schwere Aufgabe gelöst, und Shakespeare wenigstens an Gestalt, Kleidung und Gesichtszügen kennbar, zugleich aber auch mit einem so nichtssagenden faden Gesicht hingestellt, daß man dem Bild, da der Maler gerade nicht bei der Hand war, die erste beste Flasche hätte an den Kopf werfen mögen. Rings an den übrigen Wänden waren Scenen aus Shakespeare's Werken, colorirt, dargestellt, mit gerade solchen Gesichtern als sie der Shakespeare geschaffen haben würde. – Der Sturm und Romeo und Julie, König Lear und Fallstaff hatten besonders dazu herhalten müssen, und auf einem Bild stand eine lange schwarze Figur mit einem Barrett auf dem Kopf und einer Kegelkugel in der Hand, und sah ums Leben aus, als ob sie eben im Begriff wäre alle neun zu schieben. – Das sollte Hamlet sein.

Es war noch ziemlich leer im Saal; in der äußersten linken Ecke stand ein altes, abgepauktes Pianino wie ein Luftspringer auf einem Dorfe, der sich auf die Hände stellt und mit den Füßen an der Wand hinaufreicht. – Vor diesem saß ein junger Mann, der Horn an den Fingern haben mußte, denn er schlug unablässig eine alte Polka von vorn bis hinten durch, und fing, wenn er hinten fertig war, vorn wieder an. Neben ihm stand ein kleiner Junge mit einer Violine, der ihn zu begleiten suchte, aber nicht mit kommen konnte. Allerdings hielt er ziemlich Tact mit ihm, aber er konnte ihn nur nicht einholen. – Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, die Augen traten ihm aus dem Kopf, die Finger gingen in rastloser Hast auf den gequälten Saiten auf und nieder, aber vergebens – zwei Noten war er regelmäßig hinter ihm. Hätte der Clavierschläger nur eine Secunde gewartet – nur den Gedanken einer Secunde – aber nein – vorwärts, unaufhaltsam vorwärts ging es, wie die wilde Jagd – kein Rückblick, außer für die, denen das Gesicht auf den Nacken gedreht war – und der Violinspieler gab die Verfolgung endlich in Verzweiflung auf.

Rings an den Wänden hin standen Bänke und Sophas; unter der Shakespearestatue der beste, und auf diesem lag lang ausgestreckt ein junges wunderhübsches Mädchen in einem seidenen, oben hochanschließenden Kleid, unter dem die kleinen zierlichen Füße nur eben mit den Spitzen hervorschauten. Ihre Beschäftigung war, wie sich das unter einer Shakespearestatue auch gar nicht anders denken läßt, eine rein geistige – sie schlürfte ein Glas Brandy und Wasser, und stellte das Glas als sie es ausgetrunken der Bequemlichkeit wegen vor sich auf die Erde nieder.

Auf den anderen Sophas und Bänken saßen viele andere Mädchen und junge Leute – von den ersteren einige sehr elegant gekleidet, mit Hüten und Schleiern und großen Shawls, andere wieder mit schlicht zurückgekämmten Haaren und kattunenen Kleidern. Ebenso großer Unterschied war bei dem männlichen Geschlecht, von dem feingekleideten Stutzer bis, in einzelnen Fällen, zum einfachsten Matrosen herunter, so standen, saßen und lehnten sie in den buntesten und verschiedenartigsten Gruppen umher. – Nur der eine Unterschied war doch wohl, daß die Mädchen alle einem bestimmten jugendlichen Alter angehörten, während sich unter den Männern auch sogar einige aus dem »besten« befanden, die mit noch recht jugendlichem Anstand scheinbar theilnahmlos hin- und herwanderten, oder an einem der Tische ihren »Portwein St. Gris« sippten.

Der Tanz hatte aber noch nicht begonnen – der verzweifelte Wettlauf der beiden Musici schien nur erst eine Vorübung gewesen zu sein.

Unsere drei Freunde fanden hier übrigens nicht was sie suchten, und Charles meinte, sie wollten lieber später noch einmal hierher zurückkehren, und erst nebenan in die anderen Locale hineinsehen. Es sei wahrscheinlicher, daß sich einzelne der Leute, wenn sie sich überhaupt in ein öffentliches Local getraut, eher dort als hier aufhalten würden.

Ehe sie übrigens die Treppe wieder hinuntergingen, traten sie noch einen Augenblick in das nach vorn hinaussehende Zimmer. Drei junge Mädchen saßen hier an dem mittleren Fenster und schauten nach dem gegenüberliegenden Theater hinüber; ein paar andere lehnten in verschiedenen Sophaecken und schienen zu schlafen, und an dem Tisch stand eine sechste im eifrigen aber leise geführten Gespräch mit einem jungen Mann, der sehr elegant gekleidet war, und augenscheinlich den höheren Ständen angehörte.

Hier war weiter nichts für sie zu thun – sie stiegen die Treppe hinunter, bogen rechts ab, und traten in das erste Local hinein, das sie drei oder vier Thüren weiter hin fanden. Wilder Lärm tönte ihnen schon bei ihrem Eintritt entgegen, aus dem Saal hinter der Bar kreischten die schrillen Töne einer Violine hervor, und kaum hatten sie diesen Platz betreten, als sie auch in eine wahre Wolke von Tabaksqualm und Brandygeruch eingehüllt waren.

Alle drei hatten aber schon in ihrem Leben weit schlimmere Dinge mitgemacht, und bewegten sich in diesem Chaos wie in ihrem Element. In der That gingen auch all diese äußeren Eindrücke spurlos an ihnen vorüber, denn die männlichen Gäste bestanden fast einzig und allein aus Matrosen von all den verschiedenen Schiffen in der Bay, und die Dirnen, die sich zwischen ihnen herumtrieben, gehörten der verworfensten Classe an. – Auch lag der Platz weiter zurück und mehr getrennt von der Hauptstraße, und mehrere der Leute vom Boreas sollten in dieser Woche, und seit sie das Schiff verlassen, hier gesehen worden sein.

Charles rief den Barkeeper bei Seite und sprach eine kurze Zeit lang heimlich mit ihm. – Es war sehr wahrscheinlich, daß sich die Leute des Boreas nicht alle an Einem Ort aufhielten, besonders da sie von verschiedenen Nationen waren, und leicht möglich wäre es gewesen einen oder den anderen hier aufzutreiben. Der Barkeeper wußte aber von nichts; er schüttelte wenigstens höchst entschieden mit dem Kopf, und machte dabei fortwährend eine Bewegung mit seinem Körper, als ob ihn hinten jemand am Hosengurt gefaßt habe, denn eine Jacke trug er nicht, und aus Leibeskräften daran zöge. Nur der Respect vor dem Polizeidiener, den er, wenn auch in Civil, doch jedenfalls kannte, hielt ihn noch zurück.

»Ich bin sicher, daß hier Einer oder ein paar von den Burschen gewesen sind«, sagte Charles, als er zu den Steuerleuten zurückkam. – »Der Schuft erschrack, als ich es ihm auf den Kopf zusagte, und war gar so ängstlich bemüht, wieder von mir abzukommen. – Wir wollen fortgehen und nachher noch einmal einsprechen, dann aber gleich hinten in die kleine Kammer gehen, ehe sie uns vermuthen können.«

Zwei Häuser weiter war eine andere solche Kneipe – dort standen einige zehn oder zwölf Mädchen vor der Thür, und zankten sich und schimpften einander. Von der anderen Seite der Straße kamen mehrere Constabler herüber, und die Dirnen, die nicht arretirt sein wollten, traten rasch ins Haus, setzten aber hier den Streit in einer der Nebenstuben unerbittlich fort. Es waren meist noch junge Dinger von sechszehn bis achtzehn Jahren. Mehrere hatten aber schon blaugeschlagene Augen – die Folgen eines früheren Gefechts, vielleicht vom letzten Sonnabend Abend – viele trugen brennende Cigarren im Mund. Natürlich drängte sich dabei Alles um sie her, den fast stets in Thätlichkeiten ausartenden Scandal zu Ende zu sehen, und was nur von Matrosen in der ganzen Straße war, schien sich hier auf einmal concentrirt zu haben.

»Jetzt ist unsere Zeit« flüsterte Charles den beiden Steuerleuten zu. – »Stellen Sie sich beide an verschiedenen Seiten der Stube auf und betrachten sie sich vor allen Dingen die Gesichter der Hereinkommenden. – Die wieder hinaus wollen, müssen nachher immer bei mir vorbeidefiliren. Sehen Sie einen der Burschen, dann geben Sie mir nur ein Zeichen, und für das andere werde ich sorgen.« Er schlug dabei bedeutungsvoll auf seine Tasche, in welcher er ein paar, von der Regierung bezeichnete Handschellen, für ihn zugleich der eiserne Ausweis seiner Function, trug.

Der Streit im Innern nahm indessen einen immer bedenklicheren Character an. Die beiden Feindinnen hatten die Arme in die Seite gestemmt, und bliesen den Rauch ihrer Manillas in dicken Wolken von sich. – Es war das ein Zeichen sehr heftiger Gemüthsstimmung, und Beide gehörten jedenfalls dem verworfensten Theil der menschlichen Gesellschaft an.

»Und was thust Du überhaupt hier, Du gotteslästerliches Ding Du mit deinen großen Glotzaugen?« rief die eine jetzt, die Unterhaltung wie es schien auf ein anderes Feld überführend. – »Was hast Du hier zu suchen, als Dich unnütz machen und Scandal anfangen Du – Preisverderber Du –«

»Was ich hier thue?« schrie die andere aber, und schleuderte mit einem entsetzlichen Fluche ihre brennende Cigarre zur Erde nieder, während sie sich zu gleicher Zeit die Aermel in die Höhe streifte und zum nicht mehr zu vermeidenden Kampfe vorbereitete; sie hatte die Geduld verloren. – »Ich gehe meinem Broderwerb nach so gut wie Du – – und wenn Dir das nicht genügende Auskunft ist, so will ich Dir meine andere mit rother Dinte in die Fratze zeichnen.«

»Go it Nellygo it ye cripples – Hurrah für Sally – fünf Schilling auf Nelly« – schrieen mit einem wilden Gejauchze die umstehenden Matrosen, die einen festen Kreis um die beiden gebildet hatten.

»Vier Brandy hot«, schrie in diesem Augenblick der rothhaarige Kellner, und versuchte mit einem Präsentirteller und vier halb gefüllten Gläsern in das Zimmer zu dringen. Es wäre für ihn aber viel vortheilhafter gewesen, hätte er statt dem bestellten heißen Brandy, kalten gebracht, denn irgend einer von den fünfzig Ellbogen, die ihm in seiner nächsten Nähe entgegenstarrten, fuhr ihm – ob absichtlich oder unabsichtlich, wer kann das sagen – unter den Teller und sandte dem armen Teufel die ganze Ladung im wahren Sinne des Worts »über den Hals« und in das Vorhemdchen.

Sally war übrigens zu viel »game«, auf solche Ausforderung auch nur noch weiter ein anderes Wort, als höchstens einen Fluch zu erwiedern. – In demselben Moment schleuderte sie ebenfalls ihre Cigarre mitten zwischen die sie umdrängende Schaar, die lachend das Feuer von sich abschlug, und fiel in richtiger Boxerstellung auf ihre Gegnerin aus.

Das Schreien und Hurrahen hatte in diesem Augenblick seinen höchsten Grad erreicht, und die Stube drängte so voll von Menschen wie sie nur Kopf an Kopf neben einander stehen konnten. Alles was in der Nachbarschaft gewesen war, preßte herzu.

Der Mate vom Boreas, der sich im Anfang ziemlich nahe der Thür postirt hatte, um im Fall der Noth gleich bei der Hand zu sein, war durch das Zuströmen immer neu Hinzukommender viel weiter zurückgeschoben worden als ihm selber lieb sein mochte. Hinaus konnte er aber nicht wieder, bis sich wenigstens ein Theil der Menge verlaufen hatte, und er that deshalb nur sein Möglichstes einen Platz auf dem Fensterbrett zu gewinnen. Nicht aber um dem Kampfe zuzusehen, denn der interessirte ihn sehr wenig, sondern die stets wechselnden Gesichter zu beobachten, die sich theils immer noch in das Zimmer drängten, theils die Thüre in einem dicht geschlossenen Ring von Köpfen umstanden.

An der Thür hatte Charles noch immer, trotz jedem Andrang von außen, seinen Posten behauptet, nur war er ein klein wenig nach innen geschoben worden, und blickte abwechselnd nach den beiden Mates hinüber, ob nicht Einer von ihnen seine Thätigkeit für irgend ein noch näher zu bezeichnendes Individuum in Anspruch nehmen wollte. Da sah er, wie sich plötzlich der Steuermann vom Boreas so hoch aufrichtete, wie er sich nur immer auf seine Zehen heben konnte und, ein Bild der gespanntesten Aufmerksamkeit in die Masse von Menschen starrte. Ein Gesicht war vor ihm aufgetaucht, das er nur noch nicht recht erkennen konnte, weil die Lampe darüberhing, die ihren Schatten hinunter warf.

Dies Gesicht gehörte aber niemand anderem als unserem alten Bekannten Bill, der, die Hände in den Taschen und eine Cigarre im Munde, eben am Haus vorbeigeschlendert war, als der Lärm innen sich erhob, und nun blos einmal sehen wollte was hier vorging. Fast ohne daß er es merkte, war er aber weiter und weiter in das Zimmer hineingeschoben, und der Kampf selber hatte im ersten Augenblick seine Neugierde so erregt, daß er wirklich an gar keine weitere Gefahr für seine eigene Person dachte. Endlich, aber nur zufällig und nicht etwa aus irgend einer Ahnung ihm drohenden Unheils, warf er den Blick einmal höher, senkte ihn aber nicht wieder, denn er begegnete gerade in diesem Momente dem seines eigenen Steuermanns, von dem er, sobald der nur einmal sein Auge sehen konnte, ebenfalls erkannt wurde. Der Steuermann stieß halb in Ueberraschung, halb in Freude einen lauten Schrei aus.

Den Schrei würde nun freilich der an der Thür postirte Charles in all dem wilden Lärmen nicht gehört haben, aber die damit begleitete Bewegung entging ihm nicht, und fast unwillkürlich griff er schon in die Tasche, die eisernen »darbies« herauszuholen.

Bill war übrigens viel zu klug, nicht mit einem einzigen Blicke seine ganze Gefahr zu übersehen, denn er wußte recht gut daß der Steuermann hier in dies Local nicht allein hereinkommen würde, ohne jedenfalls noch Hülfe, am Ende gar Polizei, bei sich zu haben. Dabei hatte das Zimmer nur eine Thür, und war die – und wie konnte es anders sein, besetzt, so befand er sich hier allerdings in einer Falle die ihn umsomehr ärgerte, da ihn sein eigener fabelhafter Leichtsinn hineingeführt. – Für den Augenblick ließ sich noch dazu gar nichts thun, seine Lage auch nur im Geringsten zu verbessern. – Er konnte seine Hände nicht einmal aus der Tasche bekommen, so drängte das Volk um ihn her, denn der Kampf nahte sich seinem Ende: Nelly hatte schon ein, Sally zwei blaue Augen und die letztere empfing gerade unter dem beifälligen Hurrahschrei der Masse einen letzten entscheidenden Schlag, der sie wie todt zu Boden warf. Nelly war ein sehr nervöses Mädchen, d. h. sie hatte ausgezeichnete Nerven und Muskeln.

Bill interessirte sich aber nicht im mindesten mehr für den Kampf; seine eigene Lage nahm seine Aufmerksamkeit viel zu sehr in Anspruch, und rasch warf er den Blick umher, jede nur irgend günstige Gelegenheit zu seinem Vortheil zu benutzen.

Der Mate hatte indessen mit Charles eine Art telegraphischer Depesche unterhalten, worin er ihm bemerkbar machte, daß Einer der gesuchten Leute hier in der Mitte des Zimmers sei. Zugleich gab er ihm dabei zu verstehen, daß er einen großen Bart habe. Bill sah das alles selbst mit an. So gern er aber auch seinen Feind mit eigenen Augen kennen gelernt hätte, wagte er doch nicht den Blick dorthin zu wenden, und wäre am liebsten in dem Meer von Köpfen, das ihn umgab, untergetaucht, wenn er sich auch nur einen Zoll hätte bewegen können. Aber fest eingekeilt stand er da, und der Mate warf dem Polizeidiener einen triumphirenden Blick zu. Bill war ihm sicher.

Gerade in diesem Augenblick machte Nelly noch einen Ausfall auf die schon gefällte Feindin. Das aber war zu unritterlich, als daß es die Umstehenden hätten zugeben sollen, und sie warfen sich zwischen sie. Dadurch bekam Bill wenigstens so viel Luft, die Hände aus den Taschen zu ziehen und sich selber niederzuducken. Zu gleicher Zeit nahm er einen verzweifelten Anlauf gegen die Beine der ihn Umdrängenden – es blieb ihm kein anderer Ausweg mehr als mit Gewalt durchzukommen, wußte er doch recht gut, daß jeder versäumte Augenblick seine Gefahr nur immer noch vergrößern mußte. Wie ein unter Wasser Fortschwimmender hielt er dabei geraden Cours auf die Thür zu, obgleich er das Schlimmste von den draußen stationirten Constablern fürchtete. Er konnte aber nicht anders und vertraute jetzt nur seinem guten Glück.

So wie aber der Mate diese Bewegung des Flüchtlings bemerkte, von der er augenblicklich den richtigen Grund errieth, schrie er dieses dem Polizeidiener zu, und da er wohl merkte, daß der in dem Heidenlärm kein Wort verstehen konnte, suchte er ihm die Absicht ihres Opfers pantomimisch begreiflich zu machen. Aber auch dies hatte seine Schwierigkeiten, denn er mußte sich mit einer Hand am Fenster festhalten, und durfte sich auch nicht tief bücken, sonst konnte ihn Charles nicht sehen. Durch diese unbequeme Stellung wurde er gezwungen die wunderlichsten und entsetzlichsten Bewegungen zu machen, so daß Charles ganz erstaunt zu ihm hinübersah, und gar nicht begreifen konnte – oder wollte, was das alles eigentlich zu bedeuten habe.

Das rettete Bill – gerade in diesem Augenblick glitt er wie eine Schlange, obgleich unbewußt, an den Beinen seines gefährlichsten Gegners vorbei, der schon die Handschellen für ihn gefaßt hielt, und war im nächsten Moment auf der Straße – in Kingstreet, Kingstreet hinauf in alle kleinen Quergassen die er auftreiben konnte, und spornstreichs nach seinem Versteck zurück; fest entschlossen, dieses von jetzt an mit keinem Schritt wieder zu verlassen.

Der Steuermann vom Boreas wollte erst gar nicht glauben, daß ihnen der Matrose entgangen sein konnte; es war aber doch so, und er tröstete sich zuletzt damit, er habe sich am Ende gar getäuscht, und Bill sei das gar nicht gewesen. Es war auch nicht wahrscheinlich, daß sich dieser so öffentlich und allein herauswagen sollte – und doch hatte er ihm erstaunlich ähnlich gesehen.

Von hier aus gingen sie noch einmal in das Shakespeare Haus zurück. Hier schien indessen alles in vollem Gang; das Theater war gerade aus, und zu den jetzt vereinigten Tönen des Claviers und der Violine – die wunderbarerweise zusammenstimmten – drehten sich die flüchtigen und mitunter auch sehr graciösen Paare in Quadrillen und Contratänzen. Alle Sophas waren besetzt, alle Stühle und Tische von Menschen beiderlei Geschlechts in Beschlag genommen, und eine ungeheure Quantität von Brandy und Portwein wurde verzehrt. Shakespeare sah dabei noch mit demselben nichtssagenden Gesicht auf die bunten Gruppen nieder, und Hamlet war noch immer am Schub.

Für ihren Zweck fanden sie aber nichts, weder hier noch nebenan, und verließen bald darauf Pittstreet, um zuerst einmal ein Stück in Georgestreet hinaufzugehen, wo sie ein besonderes Haus an der Ecke von George- und Kingstreet im Auge hatten.

Es war dies ebenfalls ein Schenkhaus, aber zugleich mit einer Art Abendunterhaltung. Sie gingen durch die Schenkstube und ein paar Stufen hinauf in ein anderes saalartiges Zimmer, sehr einfach mit hölzernen Bänken und Tischen meublirt, und im Hintergrund mit einer Art schmaler Bühne, in dessen einer Ecke ein Clavier traurig auf drei Beinen stand und von einem jungen Virtuosen in einem abgetragenen blauen Frack »beschlagen« wurde. Diese musikalische Abendunterhaltung war aber nicht zum Tanz eingerichtet, sondern hatte einen höheren, geistigen Zweck, der sich ihnen bald offenbaren sollte.

Auf die Bühne trat eine Gestalt in einem Charakteranzug, für die Person aber jedenfalls höchst passend gewählt. Sie war in einen zerrissenen Frack, an dem bedenklichsten Theil stark beschädigte Beinkleider und einen eingedrückten Hut nebst schiefgetretenen Schuhen gekleidet, und sang ein komisches, sehr langes und sehr unanständiges Lied, das bei dem Publicum den unbegränztesten Beifall fand. Das Letztere bestand zur einen Hälfte aus Matrosen und Handarbeitern aus der Stadt, und zur anderen aus liederlichen Dirnen, die wie in all den anderen derartigen Häusern hierherkamen ihre Cigarre zu rauchen, ihren Brandy zu trinken und Bekanntschaften anzuknüpfen. Es waren widerliche, freche, ekelerregende Geschöpfe.

Auch hier fanden sie keinen ihrer Leute. Gerade aber als sie wieder aus der Thür auf die Straße traten, rannte in ziemlicher Eile ein junger Bursch gegen den Mate des »Phönix« an und wollte eben mit einer Entschuldigung ausweichen, als dieser sein Gesicht zu sehen bekam und rasch zugriff –

»Hallo Smith«, rief er dabei aus, »ich bin höllisch froh dich hier so zufällig zu finden; habe schon einen langen Spaziergang dir zu lieb gemacht. Hr. Charles, ich möchte Sie einmal um ihre Handschellen bemühen.« Charles war rasch damit bei der Hand, der arme Teufel von Matrose aber, der hier so plötzlich dem Feind gerade in den Rachen gerannt war, wollte wenigstens noch einen letzten Versuch machen zu entwischen. Sich deshalb auf seine schnellen Beine verlassend, riß er sich rasch von dem Mate, der daran gar nicht mehr dachte, los, und sprang Kingstreet hinauf. Die Straße war aber hier hell erleuchtet und an den Ecken von King- und Kentstreet stand ein wahres Nest von Constablern. Der Alarmschrei wurde gegeben, die Straße war augenblicklich besetzt, und fünf Minuten später befand sich Smith in den Händen und Handschellen des Polizeidieners Charles von der Sidney Wasserpolizei.

Es war indessen schon ziemlich spät geworden, und Charles ging mit seinem Gefangenen zu seiner Station hinunter. Die beiden Steuerleute wollten aber erst noch einmal zu dem besprochenen Sammelplatz hinauf, wo sie weiteres von den übrigen Dienern der Gerechtigkeit und ihren eigenen Cameraden über den Verlauf und das »Glück« des Abends hören sollten.

Dicht vorher, ehe sie das in Pittstreet ihnen bezeichnete Haus erreichten, und oben zwischen Druitt und Bathurststreet, kamen die Beiden an einem kleinen niedern Schenkhaus vorbei, wo sie ebenfalls Lärm hörten. Die Thür stand offen und sie traten ein.

Es war eines der gewöhnlichen Branntweinhäuser geringerer Classe, und es schien hier an diesem Abend schon wild hergegangen zu sein. Eine Masse Gläser standen ungespült mit Löffeln und Zuckersatz auf dem Schenktisch – andere lagen zerbrochen auf der Erde. Unter einem der Tische lag ein trunkenes menschliches Wesen, das weibliche Kleidung trug, auf dem anderen Tisch lehnte mit dem Kopf ein Mann und schnarchte schwer. Hinter der Bar stand der Wirth, der auch der Flasche bös zugesprochen zu haben schien, denn er konnte die kleinen dickgeschwollenen Augen nicht mehr offen halten, und schlief im Stehen.

Die scheußlichste, aber auch interessanteste Gruppe bestand aus fünf Frauen und Mädchen, zwei noch jung, dem Anschein nach wenigstens nicht mehr als zwanzig bis einundzwanzig Jahr, und vielleicht noch jünger, denn das wüste Leben altert vor der Zeit, die anderen aber schon über die dreißig hinaus, mit widerlichen, schmutzigen, geschwollenen Gesichtszügen und alle betrunken. Den ungemischten Brandy gossen sie in die ausgebrannten Kehlen, und lachten und schrieen sich die rohsten, wüstesten Sachen zu. Es hörte aber schon keine mehr was die andere sprach.

Abgesondert von allen übrigen stand ein einzelnes Mädchen, vielleicht achtzehn Jahre alt – das Haar hing ihr wild um die Schläfe, die Schminke war ihr zum Theil von den Wangen gelaufen und die bleiche schmutzige Haut sah darunter vor. – An Stirn und Schläfen trug sie dabei Zeichen eines kürzlich bestandenen Kampfes, das geronnene Blut klebte dort noch an mehrern Stellen. Das Zeug hing ihr unordentlich und zerrissen am Körper, an der linken Seite war es ihr vollkommen aufgeschlitzt und eine volle weiße Brust quoll hindurch. Mit der linken Hand hielt sie aber ein halb mit Brandy gefülltes Glas – sie hatte schon einen Theil desselben getrunken und sang jetzt mit leiser wunderbar melodischer Stimme eines jener so zum Herzen sprechenden irischen Volkslieder – »oh no, we never mention her

Keiner hörte aber auf sie, der Wirth schlief, die anderen Weiber hatten zu viel mit sich selber zu thun, und die Singende schien ihrer auch wenig zu achten. In wilder heftiger Tonart hatte sie das Lied begonnen, wie sie aber weiter und weiter hineinkam, schienen andere, vergangene Scenen vor ihr aufzutauchen – Ihre Stimme wurde weicher und weicher, und bei den letzten Worten »if he has loved, as I have loved, he never can forget« – ließ sie auf einmal das Glas fallen, das am Boden zersplitterte, warf sich auf die ihr nächste Bank nieder, barg das Gesicht in den Händen und schluchzte laut.

»Nine pence für das Glas, sixpence für den Brandy«, sagte der Wirth noch halb im Schlaf – »macht einen Schilling drei Pence – wer war das?« fuhr er dann aber plötzlich in die Höh und blinzte unter den kurzen borstigen Augenlidern schläfrig vor.

Die beiden Männer schlugen im Ekel die Thür hinter sich zu, und erreichten bald darauf den bestimmten Versammlungsort, wo sie die übrigen schon ihrer harrend fanden.

Vom Boreas war ein Franzose unten am Wasser eingefangen, von dem Phönix noch ein anderer, und drei Matrosen von einem schon länger eingelaufenen Wallfischfänger. Man hatte aber sonst nutzlos all die Plätze durchstöbert, wo den Polizeileuten, wie sie sagten, gewisse Kunde zugegangen, daß sie heimlich versteckte Matrosen finden sollten. Wie sie meinten, war ihnen der auf den Fang gesetzte Preis noch nicht hoch genug, denn sie könnten nicht anders hinter ihre Schlupfwinkel kommen, als wenn sie die Leute, die sie versteckt hielten, bestachen, ihnen selbst den Zufluchtsort anzuzeigen. Das kostete natürlich viel Geld, und wollten die Capitäne nicht so viel anwenden, so sollten sie nur noch »ein Bißchen Geduld« haben. Mit der Zeit hofften sie schon alle wieder zu bekommen.

»Mit der Zeit« – das konnte aber noch vier bis sechs Wochen dauern, und sie wußten recht gut, daß die Schiffe dann das zehnfache an Unkosten haben würden. Sie bezweckten aber auch damit was sie wollten. Die Capitäne waren gezwungen höhere Belohnungen auf den Einfang der weggelaufenen Leute zu setzen.

Als sie auf ihre Schiffe zurückkehrten, mochte es schon ein Uhr Morgens sein, und die Straßen waren still und öde. Einzelne Constabler gingen langsam auf und ab, und ihre Schritte hallten von den hohen Gebäuden wieder. Nur nach unten, nach dem Wasser zu zeigte sich der helle Schimmer weiblicher Kleidungsstücke. Es waren zwei Frauen, die betrunken auf einem Haufen dort gebrochener Steine lagen und ihren Rausch ausschliefen. Da sie keinen Lärm mehr machten, ließen sie die Constabler ruhig liegen.

Siebentes Capitel.
Was das Geld vermag.

Noch volle zehn Tage nach diesem Abend hatte der Boreas draußen in der Bay gelegen, und auf das Einfangen seiner Leute gewartet, ohne nur das mindeste Resultat weiter erzielt zu haben. Neue konnte der Capitän ebenfalls nicht bekommen; seine frühere Mannschaft hatte seinen Ruf durch die ganze Stadt verbreitet, und ein Proceß, den er gleich beim Einlaufen mit dem Koch und einem der französischen Matrosen gehabt und der gegen ihn entschieden und in den Blättern besprochen war, diente auch nur noch dazu, Matrosen, die ja schiffen wollten und dazu hundert andere Gelegenheiten finden konnten, vor seinem Schiff zu warnen.

Er mußte aber jetzt fort – schon hatte er sich wieder genöthigt gesehen frisches Wasser und sogar noch mehr Futter für die Pferde, die er an Bord hatte, einzunehmen. Die Preise der Leute stiegen dabei von Tag zu Tag, und es geschah endlich was die Diener der Wasserpolizei schon lange vorhergesehen hatten – er mußte sechs Pfund Sterling auf jeden eingefangenen Matrosen stellen, und brachte dadurch die ganze Polizei in Bewegung. Hier war etwas zu verdienen, und Charles wenigstens wußte, an wen er sich zu wenden hätte.

Es wird übrigens Zeit, daß ich den Leser auch wieder zu den Hauptpersonen dieser Erzählung zurückführe.

Die Mannschaft des Boreas hatte sich an dem Morgen, wo sie ihre Flucht so glücklich von Bord bewerkstelligte, nach Verabredung in das goldene Kreuz begeben. Hier harrte ihrer schon der Wirth, nahm ihre Sachen in Empfang, die er sorgfältig in ein besonderes kleines Zimmer verschloß, und ließ die Flüchtigen dann durch einen jungen Burschen, den er zu diesem Zweck die Nacht bei sich behalten hatte, über die Bay schaffen. Er beköstigte sie dort, und war durch ihre Kleider für die Auslagen der wenigen Lebensmittel, durch ihre Entfernung aber auch dagegen gesichert, daß das Gesetz ihm, wenn sie wirklich ausgespürt wurden, nicht zu Leibe konnte.

Ging nun alles gut, d. h. segelte das Schiff ohne seine Matrosen wieder bekommen zu haben, so bekümmerte sich die Polizei entweder gar nicht mehr um sie, oder war besondere Ordre zu diesem Zweck vom Capitän hinterlassen worden, so wurden sie im schlimmsten Fall auf kurze Zeit hingesetzt und sahen sich dann wieder frei, Arbeit anzunehmen wo sie es für gut hielten. Die besorgte ihnen aber dann ihr sogenannter »Schlafbaas«, und sah sich wohl vor, daß er vor allen Dingen seine Kost und sein Logis bezahlt bekam, indem er den ersten oder die beiden ersten Monate Löhnung, die besonders Schiffe in solchem Falle stets vorauszahlen müssen, in Empfang nahm. Bekam er das, so konnten die Leute ihre Sachen wieder bekommen, geschah das nicht, so waren sie ihm verfallen und er hatte immer reichlich seine Kosten gedeckt.

In den meisten Fällen verdienen diese Schlafbaasen, die in solcher Weise gewissermaßen eine Art Seelenhandel treiben, schönes Geld. Hundertmal ist es schon dagewesen, daß sie zuerst die Matrosen selbst überreden ihr Schiff zu verlassen, und sie dann, so wie nur ein richtiger Preis auf ihren Fang gesetzt wird, dem Capitän des Schiffes oder am häufigsten den Polizeidienern selber anzeigen, mit denen sie zwar den Raub theilen müssen, aber auch gegen die Folgen vollständig gedeckt sind.

Man sagte, daß der Wirth im goldenen Kreuze auf solche Art und Weise ebenfalls sein ganzes Vermögen zusammengeschlagen habe, und den armen Matrosen ein wirkliches Kreuz gewesen sei. Er hatte auch stets eine ganze Zahl solcher Leute, die bei ihm in Kost gingen, und in seinem eignen Hause wohnten. Dorthin kamen sie aber erst, wenn er von dem Gesetz nichts mehr zu fürchten brauchte – bis dahin wußte er bessere und sicherere Plätze für sie. An einen solchen Ort hatte er denn auch die Leute vom Boreas geschickt, die sich jetzt noch unter keiner Bedingung in der Stadt durften sehen lassen.

Es war am 22. August, ziemlich spät am Abend, und schon seit drei Tagen hatte das Gerücht in der Stadt Umlauf gefunden, der Boreas habe Mannschaft und wolle in See gehen. Nichtsdestoweniger durfte noch keiner der Leute aus seinem Versteck, und Polly hatte es besonders Jean, der sich bis dahin an solche Verordnungen wenig gekehrt, sehr streng anbefohlen, sich unter keiner Bedingung in der Nähe des goldenen Kreuzes sehen zu lassen.

Diesem Verbot gehorchte Jean auch auf das pünktlichste, keine Seele wurde ihn in der Nähe des Platzes, der für ihn die größte Anziehungskraft hatte, gewahr, aber im goldenen Kreuz selber stellte er sich jeden Abend pünktlich ein, gab Polly das verabredete Zeichen und schlüpfte dann zwei Treppen hinauf in das kleine Hinterstübchen, wo er doch wenigstens manchmal, wenn sie unten für kurze Zeit abkommen konnte, ein paar Worte mit ihr plaudern mochte. Jean hatte Polly, der Sicherheit wegen, sein ganzes Geld zum Aufheben gegeben, und sie ihm dafür, sobald der Boreas erst einmal fort sei, ihre Hand versprochen.

Jean wollte mit einem Landsmann, den er in Sydney getroffen, ein kleines Geschäft anfangen und die Aussichten waren dazu gerade in dieser Zeit vortrefflich.

Er wie seine Cameraden wohnten indessen gerad über der Bay drüben, am sogenannten North Shore in einem kleinen abgelegenen Häuschen, an einer Stelle im dichten Busch, die selten jemand betrat, und wo gewiß niemand entflohene Matrosen gesucht hätte.

Denselben Abend um acht Uhr stand Polly mit unserem alten Bekannten Charles von der Wasserpolizei im Hausflur – im Schenkzimmer war es fast ganz leer heut Abend – Mr. Mac Carther lehnte hinter der Bar und schlief, und Madame saß und strickte, und betrachtete nur dann und wann mit ziemlich verdrießlichen Blicken zwei Kunden, die schon seit einer halben Stunde hinter dem Tische saßen und an einem »nobbler brandy« zogen. Polly wurde nicht vermißt.

»Also es bleibt bei unserer Verabredung«, sagte Charles gerade in diesem Augenblicke und reichte Polly die Hand zum Einschlagen, die er nachher fest in der seinen behielt – »es bleibt dabei und – keine Ausnahme

»Ich weiß nicht«, sagte Polly piquirt, »was du immer mit der Ausnahme meinst, daß du die mit einem so bedeutenden Ton erwähnst. – Wenn ich einmal etwas sage, so kannst du dich darauf verlassen.«

»Polly«, meinte Charles lächelnd, »ich habe dir schon einmal gesagt, daß mir von zwei Personen als ganz gewiß mitgetheilt ist, du habest dich mit dem einen Franzosen versprochen.«

Polly zog ihre Hand rasch aus der seinen und rief ärgerlich –

»Mit einem Franzosen; ich dächte doch du kenntest mich besser, als daß ich mich an einen der Parlewus hängen sollte. Daß er mir den Hof gemacht hat weißt du, und in Ehren kann man auch ein Geschenk annehmen. Damit ist die Sache aber auch fertig, und wenn du nun noch einmal –«

Ein scharfer, vom Hof gellender Pfiff unterbrach hier ihre Rede, und das Mädchen schrack so auffallend zusammen, daß es Charles selbst in der dunklen Flur auffallen mußte.

»Hallo!« sagte er leise und horchte – Polly wollte nach dem Hof zu gehen, er faßte sie aber am Arm und flüsterte: »bleib nur einen Augenblick hier, Polly – wir gehen gleich zusammen.«

Vorsichtige Schritte wurden jetzt gehört, die fast geräuschlos aber rasch die Treppe hinaufgingen. – Sie verriethen, daß der welcher diesen Weg nahm, ihn schon mehr als einmal gegangen sein mußte. Charles mochte das wohl auch fühlen, denn als die Tritte mehr nach oben verhallten und die Stufen jetzt kaum hörbar im zweiten Stock knarrten, sagte er leise vor sich hinlachend:

»Der kennt jede Stufe im ganzen Haus, darauf wollt' ich schwören. – Also das sind die ersten sechs Pfund, Polly, wie? –«

Das Mädchen stand einen Augenblick wie unschlüssig da – sie erwiederte kein Wort. Endlich als oben eine Thür leise aufging und wieder geschlossen wurde, sagte sie, mehr zu sich selber als zu dem jungen Manne sprechend, und wie nur mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt:

»Er hat mir Geld zum Aufheben gegeben.«

»Für so dumm hätt' ich ihn nicht gehalten«, meinte Charles trocken, – »doch Matrosen wissen überhaupt nicht ihr Geld zu wahren. – Gehe aber jetzt in die Stube, Polly, ich will noch etwas warten, damit kein Verdacht auf dich fällt.«

»Aber Charles –«

»Aber Polly – Und nicht etwa ein Zeichen gegeben. – Ich gehe nicht fort, ich bleibe hier unten an der Treppe stehen – good bye, Polly – Heut Abend werden wir nicht weiter mitsammen sprechen können, morgen Mittag aber komm ich her und sage dir Antwort, und – laß der Alten nichts merken.« Damit nahm er die sich nur schwach Sträubende ohne weitere Umstände beim Kopf, küßte sie herzhaft ab und öffnete dann selber, ihr jede weitere Einrede abzuschneiden, die Thür, hinter der er sich aber wohlweislich verborgen hielt. Es blieb Polly auch gar kein anderer Ausweg als einzutreten, und um ihre Bewegung zu verbergen, machte sie sich, so viel sie konnte, im Zimmer Beschäftigung, wischte die Tische ab, und trocknete die Gläser aus.

Noch war sie mit dieser letzten Arbeit beschäftigt, als dicht vor dem Fenster, draußen auf der Straße, dreimal mit einem schweren Stock aufgestoßen wurde – sie erschrack so heftig darüber, daß sie das eben erst aufgenommene Glas fallen ließ, wobei es in Scherben brach. Während Mrs. Mac Carther noch darüber zankte, standen die beiden Männer, die am Tisch gesessen hatten, auf, tranken das letzte aus was sie noch im Glas hatten, und verließen langsam das Zimmer. Das diente ebenfalls nicht dazu Madame in bessere Laune zu bringen.

»Da geht das Lumpengesindel, das in zwei Stunden für einen Sixpence verzehrt hat – und dafür muß man Licht verbrennen und Gläser zerbrechen lassen. Wenn ich meinen Willen hätte, so würden die Tische und Bänke hier eher zu Feuerholz verbrannt, als daß sie mit hälfen das faule, povere Gesindel auch noch hier in seinem Müßiggang zu bestärken, und Einem zu Schimpf und Aerger da sitzen zu bleiben.«

Mac Carther, der durch das Zerbrechen des Glases erwacht und aufgefahren war, warf einen vorsichtigen Blick im Zimmer umher. Da er aber niemanden bemerkte, wollte er sich eben wieder auf seinen alten Sitz niederlassen, als er schwere Schritte auf der Hausflur hörte. Er war noch nicht ganz hinter dem Schenktisch vor als die Thür aufging, Charles den Kopf hereinsteckte und sagte:

»Mr. Mac Carther, auf ein Wort.«

Polly horchte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, und das Herz schlug ihr fast hörbar in der Brust, aber sie konnte nichts verstehen. – Die Männer gingen zusammen die Treppe hinauf – sie konnte es endlich nicht länger aushalten, ging an die Thüre und öffnete diese. – Oben entstand Geräusch – ein Schlüssel wurde im Schloß umgedreht und dann angeklopft – Alles ruhig – im nächsten Augenblick schallte ein Lärm herunter, als ob eine Thür aufgebrochen würde.

»Polly« – rief Mrs. Mac Carthers Stimme – Polly drehte sich um und ein ganzer Schwarm Matrosen kam in diesem Augenblick durch die Mittelthür ins Zimmer – Brandy, Ale, Porter, Portwein, alle nur möglichen Getränke wurden verlangt, und Polly hätte gerade in diesem Moment Gott weiß was dafür gegeben, nur wenigstens eine ungestörte Viertelstunde zu haben. Bald darauf kamen die Schritte wieder die Treppe herunter; Stimmen wurden auf der Hausflur gehört und das Geräusch verlor sich auf der Straße. Fast in demselben Augenblick kam Mr. Mac Carther herein, warf die Thür hinter sich zu, daß die Fenster klirrten, griff seinen Hut auf und stürmte wieder hinaus.

Gleich darauf war Alles ruhig und Polly sagte leise vor sich hin – »Gott sei Dank, daß es vorbei ist.«

Als Charles Mr. Mac Carther zu sich auf die Flur gerufen hatte, sagte er zu diesem freundlich:

»Mr. Mac Carther, wollten Sie wohl die Güte haben, mir das kleine Hinterzimmer im zweiten Stock noch einmal aufzuschließen. Ich und meine beiden Freunde hier« – die zwei Männer, die zum Aerger seiner Frau so lange an dem »Nobbler«[5] getrunken hatten – »wünschen sich die Gelegenheit zu besehen.«

»Mit dem größten Vergnügen«, sagte Mr. Mac Carther, bei dem solche Haussuchungen keineswegs eine Seltenheit waren, und ging ruhig die Treppe vorne hinauf. – Er hatte keine Idee von dem Schreck der ihm bevorstand.

Charles kannte nur zu genau den Ort wo er zu suchen hatte. Als sie die Thür von innen verschlossen fanden, wurde sie einfach aufgebrochen, und Jean sah sich im nächsten Augenblick in Eisen und den Händen eines der Gerichtsdiener, der den weiter keinen Widerstand Leistenden, nach schon früher erhaltenem Befehle, direct zur Wasserpolizei hinunterführte.

Der Wirth war über diese Entdeckung, die ihn in die größte Unannehmlichkeit bringen konnte, außer sich, und suchte sich nur vor allen Dingen bei Charles, dem er die heiligsten Versicherungen seiner Unschuld und gänzlichen Unwissenheit von dem Vorgefallenen gab, zu vertheidigen. In dessen eigenem Interesse lag es aber ihn zu beruhigen, und er versicherte Mr. Mac Carther daher, daß er recht gut wisse, der Gefangene habe nicht bei ihm gewohnt, ja er sei ihm sogar die ganze Straße herauf bis in's Haus und an die Thür gefolgt, und er glaube der Franzose habe sich hier nur herein geflüchtet, weil er jemanden hinter sich bemerkt habe der ihm nachschliche, dadurch vielleicht seinen etwaigen Verfolger von der richtigen Spur abzubringen. Er konnte ja nicht wissen, daß dieser gerade so genau in dem goldenen Kreuz bekannt sei.

Mr. Mac Carther drückte ihm die Hand, faßte ihn dann unter den Arm und führte ihn, während der eine der Leute mit dem Gefangenen abging, etwas bei Seite.

»Mr. Charles«, flüsterte er hier leise und vertraulich – »nicht wahr, es sind auf das Einbringen der Matrosen vom Boreas sechs Pfd. St. per Mann gesetzt – wie? ich habe es heute Abend erst gehört und wollte Sie morgen früh selber aufsuchen.«

»Allerdings«, erwiederte ihm Charles lächelnd – »haben Sie eine Spur?«

»Eine Spur?« sagte Mac Carther leise, und kniff den Polizeidiener vertraulich in den Arm – »wollt Ihr ein hübsches Trinkgeld verdienen, Freundchen?«

Der junge Mann von der Wasserpolizei bog sich zu ihm hinüber, hielt seinen Mund dicht an das Ohr des Wirthes und flüsterte:

»Nicht wahr, wenn ich hinüber an das North Shore in Kennedy's alte Hütte ginge?«

Mac Carther machte sich rasch von ihm los, und sah ihn erschreckt an. Charles lachte. – »Ja, ja, mein alter Fuchs«, fuhr er dann lauter fort, »manche Nasen sind schärfer als man es ihnen zutraut – meine reicht bis zum North Shore hinüber – und noch mehr« fuhr er wieder mit unterdrückter Stimme fort – »unten am Werf liegt schon ein Boot mit zwölf Mann, die nur auf mich warten. In einer halben Stunde sind wir an Ort und Stelle, und übermorgen früh segelt der Boreas. – Der Wind ist günstig und ich habe mein Wort darauf gegeben. Guten Abend, Mac Carther –« und damit schnellte er, von seinem Begleiter gefolgt, zur Thür hinaus auf die Straße. Mac Carther aber stürzte, wie schon erwähnt, in die Schenkstube, griff seinen Hut auf und eilte, so rasch er konnte, nach einer anderen Richtung hin zum Wasser hinunter.

Charles hatte seine Maaßregeln aber viel zu gut und sicher getroffen; außerdem kannte er den Platz selber schon genau, und zwei seiner Leute mußten den ganzen Nachmittag dort in der Nähe versteckt liegen und auf die geringsten Bewegungen der Entflohenen achten. Die armen Teufel von Matrosen waren, als sie sich gerade am sichersten fühlten, schon verrathen und verkauft.

Das Boot landete, zwei Mann ließ man schwer bewaffnet als Wache dabei zurück, die kleine Hütte wurde dann umzingelt und die ganze Mannschaft des Boreas, mit Ausnahme eines Deutschen und eines Franzosen, die gerade in der Stadt waren Provisionen zu holen, gefangen genommen und in Eisen gelegt. Die beiden kamen gerade zurück als die Polizei in das Haus drang und flüchteten in den Busch, wo sie sich mit den Provisionen versteckt hielten, bis der Boreas, den sie von ihrem Versteck aus konnten in der Bay liegen sehen, wirklich abgesegelt war.

Gerade als das Polizeiboot mit seinen Gefangenen vom Lande abstieß, schoß ein anderes kleines scharfgebautes Boot, mit zwei Männern darin, in eine kleine durch einen Felsenvorsprung gebildete Bucht. Einer von diesen sprang augenblicklich an Land und sah dem Boot nach. Man konnte die Gestalt in der Dunkelheit nicht mehr genau erkennen, Charles hatte aber allen Grund auf den richtigen Mann zu rathen, und rief deßhalb auf gut Glück nach dem Lande zurück.

»Guten Abend, Mr. Mac Carther.«

Die Gestalt verschwand in demselben Moment wieder in den Büschen und das kleine Boot ruderte, eine halbe Stunde später, mit denselben beiden Männern nach der Stadt zurück.


Am Montag Morgen wehte vom großen Mast des Boreas die Signalflagge für die Wasserpolizei. Alles andere war zur Abfahrt fertig, der Lootse an Bord, vom Anker schon alles Unnöthige an Kette eingeholt, und die Segel hingen gelöst von den Raaen nieder. Der Wind wehte stark von Westen und die Brise konnte zum in See Gehen nicht günstiger sein.

Eine Viertelstunde später schossen um das Castell zwei schmale lange Boote. Es war die Wasserpolizei mit den Gefangenen die sie an Bord brachte, denn der Boreas hatte indessen, um die nothwendigsten Arbeiten zu verrichten, andere Arbeiter an Bord gehalten.

Die Gefangenen trugen sämmtlich Handschellen. Da es zu viele waren, und die Polizei vielleicht einen letzten Fluchtversuch fürchten mochte, ließ sie den Einzelnen, wenn sie die Fallreepsleiter hinaufsteigen sollten, auch die Eisen nicht abnehmen, sondern es wurde eine Leine heruntergelassen, diese um das Eisen geschlagen, und der Gefangene mußte dann nach oben steigen. An Bord nahm man ihnen die Schellen ab, die Boote ließen sich aber an langer Leine bis hinter das Schiff treiben.

Die im goldenen Kreuz versetzten Kleider der Entflohenen waren auch schon wieder an Bord; der Capitän hatte sie bei Mr. Mac Carther, durch Charles Vermittelung einlösen lassen, denn er konnte die Leute natürlich nicht ohne Kleider mit in See nehmen. Es war das seinerseits übrigens nicht etwa aus Menschlichkeit geschehen; er wußte recht gut, aus wessen Casse das Geld bezahlt werden mußte. Die Matrosen schienen jedoch bis zu diesem Augenblick noch immer nicht recht geglaubt zu haben, daß es wirklich schon so bald in See gehen sollte. Wahrscheinlich hatten sie noch auf Rettung gehofft, und jetzt erst, da sie die Segel gelöst und den Lootsen an Bord sahen, mochte ihnen die Gewißheit ihres Schicksals zuerst in ihrer vollen Wirklichkeit vor Augen treten.

Am meisten freute sich aber der Zimmermann über das Einfangen derer, die ihn am Morgen ihrer Flucht in einem so schmählichen Zustand zurückgelassen, und er konnte nicht umhin Bill sowohl als Jean ganz besonders um ihr Befinden zu befragen.

Bill antwortete ihm mit einem kernigen Fluch, Jean lachte ihm aber gerade ins Gesicht, denn er mußte trotz seiner jetzt keineswegs angenehmen Lage doch unwillkürlich an die trostlose Gestalt des Zimmermanns denken, als sie ihn vor 14 Tagen, mit dem Knebel im Munde, in dem Logis vorn liegen hatten. Andere Sachen nahmen aber seine Aufmerksamkeit gleich darauf mehr in Anspruch.

Die Polizei war fertig an Bord und machte sich eben bereit wieder in ihre Boote zurückzukehren – als Jean auf Charles zutrat und ihn am Arm faßte.

»Ah, Jean?« sagte der Polizeidiener und wandte sich freundlich zu ihm – »noch etwas zu bestellen am Ufer? – werde es mit dem größten Vergnügen zur Besorgung übernehmen.«

»Weiter nichts als diesen Brief« – sagte der junge Mann, ohne seine Freundlichkeit weiter zu erwiedern – »Ich glaubte nicht, daß wir so bald in See gingen und – ich weiß Sie sind dort im Haus bekannt«, setzte er mit etwas bitterem Ausdruck hinzu – »wollten Sie vielleicht so gut sein und ihn an seine Adresse – aber heute noch – besorgen?«

Charles las statt aller Antwort die Adresse – Miss Polly Whitbygolden cross – »soll richtig besorgt werden und zwar noch vor Tisch,« sagte er dann und legte den Brief in seinen Strohhut – »sonst noch etwas, Jean?«