XI.
Der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel«.

Unser Held zählte jetzt elfeinhalb und Bob acht Jahre, so daß beide zusammen noch nicht einmal das majorenne Alter dargestellt hätten. Findling schon mitten in der Geschäftsthätigkeit, im Begriff, ein Handelshaus zu gründen. Es gehörte wirklich die blinde Vorliebe eines Grip dazu, um zu glauben, daß er damit gleich Glück haben, daß sein Handel nach und nach Umfang genug erreichen werde, um damit ein Vermögen zu erwerben.

Jedenfalls besaß das Quartier Saint Patrik zwei Monate nach dem Eintreffen der beiden Knaben in der Hauptstadt Irlands einen Bazar, der die Aufmerksamkeit der Leute erregte und auch eine große Kundschaft heranlockte.

Dieser Bazar aber war nicht etwa in den ärmlichen Straßen der Freiheiten zu suchen, die sich in der Umgebung der Saint-Patrick-Street kreuzen.

Findling hatte es vorgezogen, sich mehr nach der Liffey zu, in der Bedfort-Street, zu etablieren, wo man nichts überflüssiges, sondern nur Bedarfsgegenstände einzukaufen pflegt. Für die nothwendigsten Gegenstände finden sich ja stets Käufer, wenn jene gut und nicht zu theuer sind. Das hatte die Erfahrung dem jungen Kaufmann schon gelehrt, als er noch mit dem Karren durch die Straßen von Cork zog und dann die Grafschaften von Munster und Leinster durchwanderte.

Ein wirkliches Magazin war es, treu bewacht von Birk, der jetzt nicht mehr zum Zugthier erniedrigt wurde. Der Laden führte ein in die Augen fallendes Schild mit der Inschrift »Zum kleinen Geldbeutel«, und darunter die Firma »Little Boy and Co.«

Little Boy, das war Findling; and Co., das war Bob... und ohne Zweifel auch Birk.

Das betreffende Haus in der Bedfort-Street bestand aus drei Stockwerken. Eine Treppe hoch wohnte darin der Besitzer O'Brien, ein früherer Colonialwaarenhändler, der sich nach erfolgreicher Thätigkeit vom Geschäft zurückgezogen hatte, übrigens ein rüstiger alter Junggeselle von fünfundsechzig Jahren, der mit Recht im Rufe eines hochachtbaren Mannes stand. O'Brien war natürlich nicht wenig erstaunt, als ein Kind von elfeinhalb Jahren kam, um einen seit einigen Monaten leerstehenden Laden im Erdgeschoß von ihm zu miethen. Die verständigen und praktischen Antworten aber, die er auf seine Fragen von dem Knaben erhielt, nahmen ihn schnell für diesen ein, und so kam ein Miethcontract bald zu Stande, vorzüglich, da der junge Miether sich erbot, den Zins für ein ganzes Jahr gleich im Voraus zu entrichten.

Der freundliche Leser will nicht vergessen, daß der Held unsrer Erzählung wegen seiner Größe und Schulterbreite älter erschien, als er war. Doch wenn man ihn auch für vierzehn oder fünfzehn Jahre schätzte, so erschien er doch jedem Fernstehenden gewiß noch als viel zu jung, um einen selbständigen Ladenhandel anzufangen, wenn dieser auch die bescheidne Bezeichnung »Zum kleinen Geldbeutel« trug.

Jedenfalls handelte O'Brien nicht, wie es vielleicht viele gethan hätten. Als sich der ordentlich gekleidete Knabe mit einer gewissen Sicherheit vorstellte, sein Anliegen klar und deutlich vorbrachte, da führte er ihn nicht ohne Erwiderung hinaus, sondern hörte ihn bis zum Ende ruhig an. Was er da von der Vergangenheit desselben, von seinem Handel in Cork, seiner Wanderung nach der Hauptstadt vernahm, das rief unwillkürlich sein Interesse wach. Er erkannte in Findling einen so gereiften Verstand, eine solche Klarheit der Gedanken, daß er an dessen glücklicher Zukunft gar nicht zweifeln konnte. Der alte Kaufmann versprach daher, Findling mit seinem Rathe beizustehen, indem er sich vornahm, alles, was sein junger Miethsmann thäte, zu beobachten.

Mit Unterzeichnung des Contractes und Zahlung des Miethpreises wurde Findling endgiltig zu einem der Ladeninhaber der Bedfort-Street.

Das an Little Boy and Co. vermiethete Erdgeschoß bestand aus zwei Räumlichkeiten, von denen eine nach der Straße, die andre nach dem Hofe zu lag. Die erste sollte als Geschäftslocal, die andre als Schlafzimmer dienen. Nach dem Hofe schloß sich hieran noch ein Kämmerchen und eine Küche, wo eine Köchin hausen konnte... wenn einmal eine solche da war. Jetzt erschien eine solche für die zwei Knaben noch nicht nöthig. Sie wollten essen, wenn sie dazu Zeit hatten und keine Kunden zu bedienen waren. Zuerst immer die Kundschaft!

Auf Zuspruch konnte Findling ja rechnen, da er in seinem saubern Laden eine große Auswahl von Waaren bot. Mit dem nach Zahlung des Miethzinses übrig gebliebnen Geld hatte der junge Kaufmann alles von den Großhändlern und Fabrikanten gegen baar bezogen, und jetzt war der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« auf Tischen und Regalen reichlich ausgestattet.

Nach Beschaffung des nothwendigen Mobiliars für Laden und Schlafstube war von den hundertundfünfzig Pfund, die Findling mit nach Dublin gebracht hatte, freilich nur noch der dritte Theil übrig. Weitere Ausgaben vermied er weislich, um sich für den Nothfall eine Reserve zu sichern. Lücken, die in seinen Waarenvorräthen entstanden, hoffte er mit den laufenden Einnahmen wieder füllen zu können.

Selbstverständlich verlangte eine geordnete Geschäftsführung die Anlage eines sogenannten Journals für die täglichen Verkäufe, ferner eines Hauptbuches – das Hauptbuch Findlings! – wo Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden sollten, um jeden Abend die Richtigkeit der Casse prüfen zu können. Wahrlich, O'Bodkins von der Lumpenschule hätte seine Sache auch nicht besser machen können.

In dem Bazar von Little Boy fand man etwas von allem, was in diesem Stadttheil vorwiegend gebraucht wurde. Was der Papierhändler, der Kurzwaaren-, der Eisenwaaren-, der Buchhändler und andre ihren Kunden einzeln boten, das vereinigte der Laden Findlings an einer Stelle. Im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« konnte man nahezu alles zu festem, aber billigem Preis haben. Neben den eigentlichen Bedarfsgegenständen enthielt der Laden noch eine reiche Auswahl von Spielwaaren aller Art, doch nur solche für Kinder von fünf bis zu zwölf Jahren. Diese Abtheilung besorgte Bob mit besondrer Vorliebe und bemühte sich, sie in bester Ordnung zu halten, wenn er sich auch nicht überwinden konnte, das eine oder das andre Spielzeug einmal selbst zu versuchen. Vorzüglich beschäftigte er sich da mit den Schiffen und Booten – für wenige Pence, wobei er sich sorglich hütete, dieselben irgendwie zu beschädigen, denn der Principal scherzte damit nicht und ermahnte ihn manchmal.

»Sei doch ernsthaft, Bob! Wenn Du das jetzt nicht bist, könnte man glauben, daß Du es niemals würdest!«

Wir haben nicht nöthig, Tag für Tag die Fortschritte zu verfolgen, die der Bazar von Little Boy and Co. in der Achtung und dem Vertrauen der Leute machte. Auf jeden Fall erfreute er sich des besten Erfolges. O'Brien konnte sich nicht genug wundern über die Gewandtheit und den richtigen Blick seines jungen Miethers, der stets vortheilhaft einzukaufen und wieder zu verkaufen verstand. So hatte es auch der alte Kaufmann gemacht und sich dadurch ein recht schönes Vermögen erworben. Freilich begann er sein Geschäft im Alter von fünfundzwanzig Jahren, nicht in dem von zwölf Jahren. Auch O'Brien theilte bald die Ansicht Grips, daß es Findling gar nicht fehlen könne, bald zu Vermögen zu kommen.

Zur Erklärung des wirklich außergewöhnlichen Erfolges, dessen sich der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« erfreute, diene die Bemerkung, daß es sich in der ganzen Stadt mit Windeseile verbreitet hatte, daß dieses Geschäft von einem kaum den Schuljahren entwachsenen Knaben begründet worden war, und von ihm nur mit Unterstützung eines noch weit jüngeren Knaben geführt wurde. Das genügte, um Findlings Laden sozusagen in die Mode zu bringen. Dieser hatte auch nicht unterlassen, sich durch einige Annoncen in den Blättern zu empfehlen, die er recht theuer bezahlen mußte. Bald begannen aber die hervorragendsten Blätter der Hauptstadt seines ungewöhnlichen Geschäftes auch aus freien Stücken Erwähnung zu thun, und nun stellten sich viele Reporter ein, die Little Boy and Co. – ja, auch Bob selbst! – mit ebenso vieler Sorgfalt interviewten, als wenn es dem Lord Gladstone gegolten hätte. Ueberall sprach man schon von dem jugendlichen Kaufmann der Bedfort-Street und von seinem Unternehmen, dem sich die allgemeine Theilnahme zuwandte. Er wurde der Held des Tages und – was das Wichtigste ist – die Leute drängten sich, seinen Bazar zu besuchen.

Natürlich wurde hier die Kundschaft mit größter Höflichkeit und Zuvorkommenheit behandelt. Findling hatte die Augen überall und Bob mit dem Lockenkopfe sprang hin und her, um jeden nach Wunsch zu bedienen. Sogar Damen aus dem vornehmen Viertel kamen zu Wagen an und machten es sich zum Vergnügen, wenigstens das Spielwaarenlager Findlings bald zu vermindern oder gar zu leeren.

Mit einem Worte, Findling konnte sich eines glänzenden Erfolges rühmen, und um sich diesen auch weiter zu sichern, ließ er sich's an keiner Mühe fehlen.

Als der »Vulcan« in Dublin wieder eingelaufen war, galt der erste Ausgang Grips natürlich seinen Freunden. Ueber den Bazar in der Bedford-Street konnte er seiner Verwunderung gar nicht laut genug Ausdruck verleihen; ja, seiner Meinung nach hatte sich die ganze Straße dadurch so verwandelt, daß sie wenigstens der Sackevillestraße hier in Dublin, womöglich auch gar dem Strand in London, dem Broadway in Newyork, dem Boulevard des Italiens in Paris gleichkam. Bei jedem Besuche hielt er sich für verpflichtet, etwas zu kaufen, »um das Geschäft in Gang zu erhalten«, wie er sagte, obgleich er das gewiß nicht nöthig hatte.

Einmal wählte er eine Brieftasche, um diejenige zu ersetzen, die er... niemals besessen hatte, ein andermal eine hübsche, bunt angestrichene Brigg, die er den Kindern eines seiner Kameraden vom »Vulcan« zum Geschenk machen wollte. Schließlich erwarb er sogar einmal eine ziemlich theure Pfeife aus falschem Meerschaum, deren Mundstück aus gelbem Bernstein geschnitzt war.

Findling mußte von ihm natürlich wie von andern Leuten Bezahlung annehmen.

»Siehst Du, mein Boy, die Sache macht sich!... Das geht ja wie mit hundert Schraubenumdrehungen, nicht wahr? Jetzt bist Du Befehlshaber an Bord des »Kleinen Geldbeutel« und brauchst nur darauf zu achten, daß das Feuer nicht ausgeht. Es ist lange her, daß wir zwei noch in Lumpen durch die Straßen von Galway trabten, oft Hunger und Kälte zu erleiden hatten, damals in der Ragged-School. Da fällt mir ein, ist Carker denn gehenkt worden?

– So viel ich weiß, noch nicht, Grip.

– Das kann aber nicht mehr lange dauern, und jedenfalls legst Du mir das Journal bei Seite, das darüber ausführlich berichtet!«

Grip fuhr mit dem »Vulcan« wieder hinaus aufs weite Meer, und kaum von der Reise zurückkehrend, erschien er auch aufs neue im Bazar und ruinierte sich durch fortwährende Einkäufe.

Da sagte Findling eines Tags zu ihm:

»Glaubst Du es denn noch immer, Grip, daß ich es einmal zu einem gewissen Vermögen bringe?

– Natürlich, mein Boy, so sicher, wie ich glaube, daß unser einstiger Kamerad Carker mit einem Strick um den Hals endigen wird!

– Nun aber Du selbst, mein guter Grip, denkst Du denn niemals an die Zukunft?

– Ich?... Weshalb sollte ich daran denken?... Hab' ich nicht einen Beruf, den ich doch gegen keinen andern vertauschen möchte.

– Einen beschwerlichen Beruf, der sich auch nicht besonders lohnt.

– Wie?... Vier Pfund monatlich, und dazu Nahrung, Wohnung, Heizung, daß man zuweilen fast selbst gebraten wird?

– Und das in einem Schiffe! fiel Bob ein, dessen größtes Glück es gewesen wäre, einmal auf dem Meere zu schwimmen.

– Das thut nichts, Grip, fuhr Findling fort. Ein Heizer zu sein, hat noch niemand Vermögen gebracht, und Gott will, daß man auf Erden sein Glück suche....

– Bist Du dessen so sicher? fragte Grip mit den Achseln zuckend. Steht das mit in seinen Geboten?

– Ja, antwortete Findling. Er will, daß man etwas erwirbt, nicht um allein glücklich zu sein, sondern um auch die glücklich zu machen, die es nicht sind und doch zu sein verdienten!«

In seinen Gedanken tauchte dabei die Erinnerung an Sissy auf, an seine Leidensgefährtin in der Hütte der Hard, und an die Familie Mac Carthy, deren Spuren er nicht zu entdecken vermocht hatte, sowie an sein Pathenkind Jenny, der es jetzt gewiß recht traurig erging, während er...

»Nun, Grip, nahm er wieder das Wort, überlege Dir wohl, welche Antwort Du giebst. Warum willst Du nicht auf dem Lande bleiben?

– Ich sollte den »Vulcan« verlassen?...

– Ja, doch nur, um Dich mit mir zu associieren. Du weißt ja... Little Boy and Co.... ist durch Bob nicht hinreichend vertreten, doch wenn Du mit einträtest...

– Ach, lieber, bester Grip, fiel Bob ein, das würde für uns beide das größte Vergnügen sein.

– Für mich auch, meine Kinder, erwiderte Grip sehr gerührt von diesem Vorschlage, doch soll ich Euch etwas sagen?

– So sprich, Grip.

– Nun also... ich bin zu groß.

– Zu groß?

– Ja, wenn die Leute mich im Laden sähen, so einen langen Bengel, so ginge das Geschäft nicht mehr, da wär es nicht mehr Little Boy and Co.... and Co. muß klein sein, um die Leute heranzuziehen. Ich würde die Handelsgesellschaft stören, würde Euch Unrecht thun. Gerade weil Ihr noch Knaben seid, blüht das Geschäft so ganz besonders.

– Vielleicht hast Du recht, Grip, antwortete Findling. Doch wir werden auch größer...

– Natürlich werden wir alle Tage größer, versetzte Bob, sich auf den Zehen aufrichtend.

– Gewiß, und hütet Euch nur, nicht allzuschnell zu wachsen!

– Das kann man wohl nicht hindern, bemerkte Bob.

– Nein, freilich nicht. Darum seht zu, daß Ihr Euer Geschäft gemacht habt, so lange Ihr noch Knaben seid. Zum Kuckuck, ich messe fünf Fuß sechs Zoll, und was über fünf Fuß ist, das paßt nicht in Euer Geschäft. Wenn ich übrigens Dein Geschäftstheilhaber nicht sein kann, Findling, so weißt Du doch, daß mein Geld Dir gehört....

– Ich bedarf desselben nicht.

– Na, wie es Dir beliebt. Wenn Du Dich indeß einmal vergrößern willst....

– Dann könnten wir zwei dem Geschäft nicht gut mehr allein vorstehen....

– Ei, warum nehmt Ihr nicht wenigstens eine Frau ins Haus, um Euch die Wirthschaft zu besorgen?

– Daran hab' ich allerdings bereits gedacht, Grip, und der vortreffliche Herr O'Brien hat mir dasselbe angerathen.

– Er hat ganz recht damit, der brave Mann. Kennst Du denn kein weibliches Wesen, das Dein Vertrauen besäße?

– Nein, Grip.

– Das findet sich... wenn man danach sucht....

– Ah warte... eben denke ich an eine alte Freundin... Kat!«

Bei Erwähnung dieses Namens erscholl ein lustiges Gebell. Birk hatte ihn verstanden und sprang wie toll hin und her.

»Ah, Du erinnerst Dich ihrer, Birk? sagte sein junger Herr. Kat... nicht wahr, der guten Kat?...«

Da scharrte Birk an der Thür und schien nur noch den Auftrag zu erwarten, sofort in der Richtung nach dem Schlosse hinzulaufen.

Grip erhielt nun eine weitere Erklärung. Eine bessere als Kat konnte man gar nicht finden; sie würde dem Haushalt vorstehen und die Küche besorgen, ohne selbst gesehen zu werden, und so konnte sie auch die sociale Lage der Firma Little Boy and Co. nicht durchkreuzen.

Freilich entstand die Frage, ob sie überhaupt noch in Trelingar-castle war oder nicht.

Findling schickte mit der ersten Post einen Brief an sie. Schon am nächsten Tage erhielt er eine Antwort in etwas grober, aber leserlicher Schrift, und kaum waren achtundvierzig Stunden verflossen, als Kat auf dem Dubliner Bahnhofe anlangte.

Den herzlichen Empfang nach achtzehnmonatlicher Entfernung kann man sich wohl vorstellen. Findling sank ihr in die Arme und Birk sprang an ihr empor. Sie wußte gar nicht, wem sie zuerst antworten sollte. Die Thränen strömten ihr aus den Augen, und als sie in die Küche eingetreten war, wo sie Bob kennen lernte, wiederholte sich der Empfang noch einmal.

An diesem Tage hatte Grip die Ehre und das Glück, mit seinen jungen Freunden das erste, von der guten Kat bereitete Mittagsmahl zu theilen, und als der »Vulcan« am nächsten Tage die Anker lichtete, trug er den zufriedensten Heizer von der Welt mit aufs Meer hinaus.

Die Bedingungen, unter denen die gute Frau ihre neue Stellung übernahm, waren bald und ohne Feilschen verabredet, denn sie empfand es keineswegs als einen Rückschritt, jetzt bei Little Boy statt früher im Trelingar-castle in Dienst zu stehen. Ihren neuen Herrn noch mit Du anzureden, dazu war sie freilich nicht zu bewegen; dieser war ja nicht mehr der Groom des Grafen Ashton, sondern der Chef des Hauses »Zum kleinen Geldbeutel«. Auch Bob wurde von ihr nur Herr Bob genannt, und höchstens Birk erfreute sich der alten vertraulichen Anrede. Bald machte sich die Anwesenheit der braven Frau im Hause bemerkbar. Jetzt blieb die Wirthschaft stets in schönster Ordnung und im Zimmer wie im Laden sah es noch einmal so sauber aus. Nach einem Restaurant zu Tische zu gehen, das mochte wohl für einen Commis passen; für den Principal eines Geschäfts aber schickte es sich ja nicht mehr, dieser mußte sein völlig eingerichtetes »Home« haben und am eigenen Tische speisen.

Das Jahr 1882 brachte für Little Boy and Co. einen sehr vortheilhaften Abschluß. Während der letzten Wochen konnte der Bazar zu Weihnachten und zum neuen Jahre kaum den Ansprüchen der Käufer genügen. Die Spielwaarenabtheilung mußte wohl zwanzigmal erneuert werden und Bob verkaufte mit einem Eifer sondergleichen Schaluppen, Kutter, Goëletten, Briggs, Dreimaster und selbst mechanische Dampfboote. Doch auch die andern Waaren fanden reißenden Absatz. In der feinen Welt gehörte es zum guten Ton, seine Bedürfnisse im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« zu decken. Ein Geschenk galt nicht als »select«, wenn ihm die Marke Little Boy and Co. fehlte. Ja, die »Mode« ist etwas werth, wenn die Kinder sie machen und die Eltern diesen, wie es ihre Pflicht ist, gehorchen.

Findling hatte keine Ursache sich zu beklagen, daß er Cork verlassen und seinen Handel mit Zeitungen aufgegeben hatte. Den erweiterten Markt, den er in der Hauptstadt Irlands suchte, hatte er gefunden. O'Brien freute sich aufrichtig über die Zunahme der Geschäftsthätigkeit seines jungen Miethers, die dieser mit eignen Kräften und eignen Hilfsmitteln erzielt hatte. Seine Rathschläge wurden stets gern beachtet, sein Geld aber, das er in die Firma einzuschießen bereit war, lehnte Findling höflich ab.

Kurz nach Abschluß der Inventuraufnahme des ersten Jahres, dessen Verläßlichkeit O'Brien in allen Stücken anerkannte, konnte Findling gewiß höchst zufrieden sein: binnen sechs Monaten, seit dem Eintreffen in Dublin, hatte er sein Capital verdreifacht.

XII.
Das Wiederfinden.

»Wer irgendwelche Mittheilungen über die Familie
»Martin Mac Carthy (früheren Pächter der Farm von
»Kerwan, Grafschaft Kerry, Kirchspiel Silton) zu machen
»im Stande ist, wird dringend gebeten, diese der Firma
»Little Boy and Co., Bedford-Street, Dublin, zugehen
»zu lassen.«

Diese Anzeige in der Nummer vom 3. April 1884 der Gazette de Dublin hatte unser junger Held selbst aufgegeben und mit zwei Schillingen für die Zeile bezahlt. Am nächsten Tage stand derselbe Aufruf auch in den andern Blättern der Hauptstadt. Findling hätte eine halbe Guinee gar nicht besser anzuwenden gewußt, denn wie hätte er, das Adoptivkind der unglücklichen Familie, die ihm so viele Wohlthaten erwiesen hatte, diese jemals vergessen können? Er hielt es für seine Pflicht, alles zu versuchen, um sie wiederzufinden, ihr nach Kräften zu helfen, und er freute sich schon im voraus von ganzem Herzen darauf, der Familie an Lebensglück zurückerstatten zu können, was er an Liebe von ihr empfangen hatte.

Wie konnte er aber wissen, wo die Leute jetzt ein Obdach gefunden hatten, ob sie in Irland geblieben waren und jetzt vielleicht ihr Brod von Tag zu Tag erwerben mußten, ob Murdock, um sich weiteren Verfolgungen zu entziehen, vielleicht ausgewandert war und ob dessen Angehörige etwa gar sein Exil in fernem Lande, in Australien oder Amerika, theilten. Er hatte auch keine Ahnung, ob Pat noch segelte, und der Gedanke, daß die brave Familie wahrscheinlich jetzt noch unter der Last des Unglücks seufzte, verursachte ihm recht schweren Kummer.

Obwohl Findlings Aufruf jeden Sonnabend mehrere Wochen hindurch in allen Dubliner Blättern stand, blieb er doch erfolglos. Wäre Murdock in ein Gefängniß des Landes eingeliefert worden, so hätte er das jedenfalls erfahren. So konnte der Knabe nur annehmen, daß Martin Mac Carthy sich inzwischen mit den Seinigen nach Amerika oder Australien eingeschifft habe, von wo sie vielleicht nie mehr zurückkehrten, wenn sie da eine zweite Heimat gefunden hatten.

Die Hypothese einer Auswanderung nach Australien wurde übrigens durch Nachrichten, die O'Brien von früheren Geschäftsfreunden einzog, bald bestätigt. Ein von Belfast eingetroffener Brief brachte die erste Aufklärung. Nach Angabe der Bücher einer Auswanderungsagentur hatten sich die Mac Carthy's – drei Männer, zwei Frauen und ein Kind – vor fast zwei Jahren nach Melbourne eingeschifft. Hier ihre Spuren zu entdecken, war fast unmöglich, und alle Schritte, die O'Brien in dieser Richtung that, blieben ohne jeden Erfolg. Findling rechnete nun blos noch auf den zweiten Sohn Mac Carthy's, vorausgesetzt, daß dieser noch auf einem Schiffe des Hauses Macuard von Liverpool in Diensten stand. Er schrieb also an den Chef dieser Firma, erhielt aber die Antwort, daß Pat vor fünfzehn Monaten aus seiner Stellung bei ihnen geschieden sei und sie nicht wüßten, auf welchem Schiffe er jetzt segelte.

So blieb nur die einzige Hoffnung, daß Pat bei gelegentlicher Rückkehr nach Irland von der seine Familie betreffenden Anzeige Kenntniß erhielt, und an diese, wenn auch schwache Hoffnung wollte Findling sich vorläufig halten.

O'Brien bemühte sich vergeblich, seinem jungen Abmiether mehr Zuversicht einzuflößen, und eines Tages, als sie von der gleichen Angelegenheit sprachen, sagte er:

»Es sollte mich wundern, junger Freund, wenn Du die Familie Mac Carthy nicht früher oder später wiedersähest.

– Jetzt, wo alle in Australien... Tausende von Meilen von hier weg sind, Herr O'Brien?

– Wie kannst Du nur so sprechen, mein Kind! Australien gehört doch fast zu unsrer Stadt, es liegt beinahe vor unsrer Hausthür. Entfernungen giebt es heutigen Tages nicht mehr, die hat der Dampf zunichte gemacht. Jener Martin und seine Frau werden schon nach der Heimat zurückkehren. Irländer vergessen ihr Irland niemals, und haben sie da draußen etwas vor sich gebracht....

– Könnte ich das wirklich erhoffen, Herr O'Brien? fragte Findling kopfschüttelnd.

– Gewiß, wenn sie so tüchtige Arbeiter sind, wie Du sagst.

– Muth und Einsicht genügen nicht immer, Herr O'Brien. Man muß auch etwas Glück haben, und das war den Mac Carthy's fast stets versagt geblieben.

– Was nicht ist, kann noch werden, mein Sohn! Glaubst Du etwa, daß ich selbst immer vom Glück begünstigt gewesen wäre?... Nein, ich habe manche Schwierigkeiten zu überwinden, manche Verluste zu tragen gehabt, bis ich mich als Herrn meiner Lage fühlte. Bist Du nicht selbst ein Beispiel dafür? Hast Du Deine Laufbahn nicht als ein Spielball des Elends begonnen, und jetzt...

– Ja, Sie haben Recht, Herr O'Brien; ich frage mich auch manchmal, ob nicht alles nur ein Traum ist.

– Nein, mein liebes Kind, es ist echte, schöne Wirklichkeit! Daß Du ganz anders gehandelt hast, als man es von einem zwölfjährigen Kinde erwarten konnte, ist freilich etwas ganz außergewöhnliches. Doch, die Vernunft ist nicht immer nach dem Alter zu messen, und von ihr hast Du Dich von jeher leiten lassen.

– Von der Vernunft?... Vielleicht. Und doch, wenn ich mir meine heutige Lage vergegenwärtige, scheint es mir, daß der Zufall daran nicht wenig Antheil hat.

– Im Leben giebt es weniger Zufall, als Du glaubst, alles geht mit logischer Nothwendigkeit eines aus dem andern hervor. Das wirst Du noch erfahren. Es ist auch selten, daß ein Unglück nicht durch einen Glücksfall wett gemacht würde.

– Das glauben Sie, Herr O'Brien?

– Ja, und um so fester, als es, was Dich betrifft, gar nicht zweifelhaft sein kann. Das hab' ich mir schon oft gesagt, wenn ich über Deinen Lebenslauf nachdachte. So bist Du zu der bösen Hard gekommen, das war ein Unglück....

– Aber auch ein Glück, weil ich dort die gute Sissy kennen lernte, deren Liebe zu mir ich nie vergessen kann. Was mag aus meiner armen, kleinen Leidensgefährtin geworden sein, und ob ich sie wohl jemals wiedersehe?... Ja, das war damals ein Glück....

– Und auch das war ein solches, daß die Hard eine so abscheuliche Megäre war, sonst wärst Du ja in Rindock bis zu der Zeit geblieben, wo Du in das Armenhaus von Donegal zurück mußtest. Da bist Du entflohen und in die Hände des Puppenschaustellers gefallen....

– O, das Ungeheuer! rief Findling.

– Dennoch betrachte ich es als Glück, daß er das war, denn sonst irrtest Du vielleicht noch heute, wenn auch nicht versteckt im Kasten, so doch im Dienste Thornpipe's auf den Landstraßen umher. Von da kamst Du nach der Ragged-School in Galway...

– Ja, und da lernte ich Grip kennen... Grip, der so gut zu mir war, dem ich das Leben verdanke, das er mir rettete, während er das seinige aufs Spiel setzte....

– Und damit kamst Du zu der launenhaften Schauspielerin. Zugegeben, daß Du bei ihr ein weit schöneres Leben hattest, zu einem ehrenvollen Ziele hätte es Dich aber doch nicht geführt, und ich betrachte es als ein Glück, daß sie, nachdem sie ihr Vergnügen mit Dir gehabt hatte, Dich eines schönen Tages verlie?....

– Darum zürne ich ihr nicht, Herr O'Brien. Sie hatte mich aufgenommen, war liebreich gegen mich... und seit jener Zeit... ist mir manches klar geworden. Ihrem Gedankengang nach wurde ich in Folge dessen von der Familie Mac Carthy in der Farm von Kerwan aufgenommen....

– Richtig, mein Sohn. Und auch da...

– O, Herr O'Brien, Sie werden mich schwerlich überzeugen, daß das Unglück dieser braven Leute auch ein Glück für mich gewesen wäre.

– Ja und nein, antwortete O'Brien.

– Nein, Herr O'Brien, nein! versicherte Findling energisch. Und wenn ich mir etwas erwerbe, wird mir immer das schmerzliche Gefühl bleiben, daß der Grund dieses Vermögens nach dem Untergange der Mac Carthy's gelegt wurde. Wie gern hätt' ich als Kind des Hauses mein Leben auf jener Farm verbracht! Da hätt' ich mein Pathenkind Jenny aufwachsen sehen, und ein größeres Glück, als das meiner Adoptivfamilie zu betrachten, könnt' ich mir gar nicht denken.

– Ich verstehe Dich, mein Kind. Es ist aber nicht minder richtig, daß grade dieser Verlauf der Dinge Dir einmal gestatten wird, Dich für das, was jene an Dir gethan, erkenntlich zu zeigen.

– Besser wär' es doch, Herr O'Brien, wenn sie nicht nöthig hätten, von irgend jemand Hilfe anzunehmen.

– Ich erkenne gern diese Empfindungen an, die Dir alle Ehre machen. Doch setzen wir unsre Betrachtungen fort. Du kamst nach Trelingar-castle....

– O, diese widerwärtigen Leute, der Marquis, die Marquise und ihr Sohn Ashton!... Welche Kränkungen hab' ich da erdulden müssen!... Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.

– Und doch ein Glück, daß es so war. Bei guter Behandlung wärst Du vielleicht in Trelingar-castle geblieben....

– Nein, Herr O'Brien, im Dienste als Groom?... Nein, gewiß nicht!... Ich blieb nur da, um auf ein besseres Unterkommen zu warten und bis ich mir etwas erspart hätte.

– Nun, bemerkte O'Brien, eine Person muß doch sehr befriedigt davon sein, daß Du überhaupt in jenes Schloß gekommen warst; ich meine die Kat.

– O, die vortreffliche Frau!

– Und einer, der sehr zufrieden sein muß, daß Du von dort weggegangen bist, ich meine Bob, denn sonst konntest Du den nicht auf der Landstraße finden,... nicht ihn retten und mit nach Cork nehmen, wo Ihr beide so tüchtig gearbeitet, wo Ihr Grip wiedergefunden habt, und heute wärst Du nicht in Dublin...

– Und im vertraulichen Gespräch mit dem besten aller Menschen, der uns so freundlich entgegenkam! antwortete Findling, die Hand des Exkaufmanns ergreifend.

– Der Dir auch später, wenn nöthig, mit Rath und That beistehen wird.

– Ich danke Ihnen, Herr O'Brien, ich danke! Ja, Sie haben recht; Ihre Erfahrungen können Sie nicht trügen. Im Leben ist alles miteinander verkettet. Gebe Gott, daß auch ich allen nützlich sein könnte, die ich liebe und die mich geliebt haben!«

Das Geschäft des Knaben blühte immer weiter, der Zudrang von Käufern verminderte sich nicht. Der Bazar erhielt vielmehr noch eine neue Einnahmequelle.

Auf Anrathen O'Brien's legte sich Findling noch den Einzelverkauf von Specereien zu und zu diesen wird jetzt ja vielerlei gerechnet. Der Laden wurde bald zu beschränkt, so daß noch der andre Theil des Erdgeschosses gemiethet werden mußte, und es währte nicht lange, da wollte sich das ganze Stadtviertel mit derlei Waaren nur im »Kleinen Geldbeutel« versorgen. Diese Abtheilung fiel Kat zu, und sie entledigte sich ihrer Aufgabe auch mit rühmlichstem Eifer. Nun gab's freilich vom Morgen bis zum späten Abend sehr viel zu thun und Findling wäre mit seiner Buchführung und dem täglichen Cassenabschluß manchmal nicht fertig geworden, wenn ihm nicht der alte Kaufmann hilfreich beigesprungen wäre.

Jetzt hätte sich unbedingt die Einstellung eines Gehilfen nöthig gemacht, und doch wollte der jugendliche Principal sich nicht entschließen, einen ganz Fremden bei sich aufzunehmen. Ja, wenn Grip dazu zu bewegen gewesen wäre! Doch daran war vorläufig nicht zu denken, obwohl dieser wie ausersehen schien, auf hohem Sessel hinter dem Pulte zu sitzen und die Conti für alle Lieferanten in Ordnung zu halten. Das war doch jedenfalls angenehmer, als sich vor den Dampfkesseln des »Vulcan« den Magen ausbraten zu lassen. Vergeblich wurde ihm das vorgestellt. Beim jedesmaligen Aufenthalt in Dublin widmete der erste Heizer zwar alle freien Stunden dem Bazar seines Freundes und unterzog sich hier gern jeder Arbeit; doch das dauerte nur eine Woche, dann fuhr der »Vulcan« wieder ab, und achtundvierzig Stunden später befand sich Grip schon Hunderte von Meilen weit entfernt von der Smaragdenen Insel. Seine Abfahrt war allemal ein Schmerz, seine Rückkehr eine Freude, so als ob ein älterer Bruder fortgegangen und wieder gekommen wäre.

Der ältere Bruder machte nach wie vor seine Einkäufe bei Little Boy and Co. Immer kam er mit seinem ganzen Vermögen im Gürtel dahin, doch ließ er sich schließlich bestimmen, sich dieser Last und Sorge zu entledigen. Findling nahm die Ersparnisse des Freundes, aber nicht etwa für sein Geschäft, an; er brauchte das nicht, denn er besaß schon eine hübsche Einzahlung bei der Bank von Irland und ein Chequebuch, womit er alle vorkommenden Bedürfnisse bequem decken konnte. Grips Capital wurde in der Sparcasse angelegt, die mit ihrem Capital von fast vier Millionen mehr als genügend Sicherheit bot. Nun konnte Grip ruhig schlafen und dazu vermehrten sich seine Ersparnisse noch durch die auflaufenden Zinsen, die zum Capital geschlagen wurden.

Wenn Grip sich auch weigerte, die Seemannsjacke mit dem eleganten Comptoirrocke zu vertauschen, so hatte er doch geholfen, die Kundschaft von Little Boy zu vermehren. Alle seine Kameraden vom »Vulcan« und deren Familien kauften alles mögliche in dem billigen Bazar, und Grip hatte diesen überhaupt allen Matrosen im Hafen so warm empfohlen, als wenn er der Reisende des Hauses »Zum kleinen Geldbeutel« gewesen wäre.

»Du wirst sehen, sagte er eines Tages, daß sich später auch noch die Rheder selbst bei Dir versorgen werden. Dann mußt Du freilich für lange Seereisen Vorräthe an Specereien und Conserven halten. Du wirst dann Großhändler....

– Großhändler? fragte Bob dazwischen.

– Ja freilich... mit Läden, Kellern und Speichern; wie die Herren Roe und Guineß.

– Oho! stieß Bob hervor.

– Gewiß, and Co., erwiderte Grip, der für Bob gern diesen Spitznamen gebrauchte, und denkt daran, was ich Euch sage....

– Bei jeder Reise, fiel ihm Findling ins Wort.

– Ja... bei jeder Reise, wiederholte Grip. Du wirst noch ein Vermögen erwerben, ein sehr großes Vermögen....

– Warum willst Du dann in das Geschäft nicht als Theilhaber eintreten, Grip?

– Ich?... Ich soll meinen Beruf aufgeben?

– Denkst Du darin etwa vorwärts zu kommen und vielleicht noch Maschinist zu werden?

– O nein... das nicht. So ehrgeizig bin ich nicht. Dazu muß man auch studiert haben und dazu ist's jetzt zu spät. Nein, ich bin ja zufrieden mit dem, was ich bin!

– Höre mich an, Grip. Wir brauchen einen Gehilfen, auf den wir uns unbedingt verlassen können. Warum weigerst Du Dich, als solcher einzutreten?

– Ich verstehe nichts von Eurer Buchführung.

– Die würdest Du in kurzer Zeit erlernen.

– Dann hab' ich auch den O'Bodkins, da unten in der Lumpenschule, sich genug damit abmühen sehen. Nein, mein Boy, nein! Auf dem Lande bin ich so unglücklich gewesen, auf dem Meere bin ich so glücklich. Ich fürchte mich ordentlich vor dem Lande. Ach, wenn Du erst ein großer Handelsherr bist und eigne Schiffe hast, dann... dann fahr' ich nur für Dich, das versprech' ich Dir!

– Wir wollen ernsthaft sprechen, Grip. Bedenk' einmal, daß Du Dich später doch einmal recht vereinsamt fühlen könntest. Wenn Dir's nun einfiele, zu heiraten...

– Zu hei...raten!... Ich?

– Ja, Du!

– Was? Ich, der heimatlose Grip, ich sollte eine Frau haben?... Und Kinder noch obendrein?

– Natürlich... so wie alle andern Leute, bemerkte Bob mit dem Tone eines Mannes von gereiftester Erfahrung.

– Wie alle andern?

– Gewiß, Grip, ich selbst sogar...

– Nun hör' einer den Knirps... was der davon versteht!

– Er hat aber Recht, erklärte Findling.

– Und Du, mein Boy, Du denkst wohl auch daran...

– Das könnte später wohl der Fall sein.

– Sehr schön! Da ist der eine dreizehn, der andre kaum neun Jahre alt, und sie sprechen schon vom Heiraten!

– Von uns ist nicht die Rede, Grip, doch von Dir, der Du bald fünfundzwanzig Jahre alt bist.

– Nein, mein Junge, überlege Dir doch! Ich... mich verheiraten!... Ein Heizer, der während zwei Dritteln seines Lebens schwarz aussieht wie ein Neger!

– Aha, rief Bob lachend, Grip fürchtet, seine Kinder könnten auch kleine Negerbuben werden.

– Das wäre schon möglich, antwortete Grip. Ich dürfte eigentlich nur eine Negerin heiraten oder höchstens eine Rothhaut aus dem Innern von Amerika.

– Grip, nahm Findling wieder das Wort, Du thust unrecht, zu scherzen. Wir sprechen ja einzig in Deinem Interesse. Die Zeit wird kommen, wo es Dich reuen dürfte....

– Was willst Du denn, mein Boy... Ich weiß ja, Du bist verständig... es wäre auch so schön, beieinander zu wohnen. Bisher hat mich mein Beruf aber ernährt; er wird mich auch später ernähren, und ich kann's mir gar nicht vorstellen, ihn aufgeben zu sollen.

– Nun, wie Du willst, Grip. Hier wird immer Raum für Dich sein, und es sollte mich doch sehr wundern, wenn ich Dich nicht eines Tages noch hinter dem Pulte als Geschäftstheilhaber sitzen sähe.

– Da müßt ich mich erst stark verändert haben....

– Das wird schon kommen, Grip. Jeder Mensch verändert sich, und das ist auch ganz recht, denn es geschieht, um sich zu verbessern...«

Grip gab jedoch keinem Zureden nach. Er liebte einmal seinen Beruf, stand bei seinen Rhedern gut angeschrieben, der Kapitän des »Vulcan« schätzte und seine Kameraden liebten ihn. Um Findling aber nicht gar so sehr zu betrüben, sagte er:

»Wir werden ja sehen... bei meiner Rückkehr!«

Wenn er dann wiederkam, wiederholte er freilich nur, was er bei der Abreise gesagt hatte:

»Wir werden ja sehen... werden ja sehen!«

Little Boy and Co. mußten also für die schriftlichen Arbeiten einen Commis anstellen. O'Brien sendete ihnen einen alten Buchhalter, Balfour mit Namen, zu, für den er gutsagte und der seine Sache aus dem Grunde verstand. Grip war es aber doch nicht!

Das Jahr verlief vortrefflich, und als genannter Balfour aus den Büchern die Lage des Geschäftes feststellte, ergab sich – an Waaren und an Depositen bei der Bank von Irland – ein Vermögensstand von tausend Pfund Sterling.

Zu dieser Zeit – im Januar 1885 – trat Findling ins vierzehnte Lebensjahr und Bob war nun neuneinhalb Jahre alt. Gesund und kräftig, spürten sie nichts mehr von dem früheren elenden Leben. Es war edles gaëlisches Blut, das in ihren Adern floß, wie der Shannon, die Lee oder die Liffey, die durch Irland strömen, um es immer frisch zu beleben.

Der Bazar blühte immer weiter. Findling war offenbar auf dem Wege zu Glück und Wohlstand. Von gewagten Speculationen hielt er sich fern, obgleich er nicht der »Mann« dazu war, eine sich bietende günstige Gelegenheit unbenützt zu lassen.

Immerfort beunruhigte ihn jedoch das Schicksal der Mac Carthy's. Auf Erkundigungen, die er von Melbourne in Australien einzog, wurde ihm nur die Antwort zutheil, daß man die Spuren der gesuchten Familie gänzlich verloren habe, was in dem großen, in seinem Innern kaum bekannten Lande ja so häufig vorkommt. Mittellos, wie sie waren, hatten Martin und seine Kinder wahrscheinlich nur auf irgend einer weit entlegenen Schafzüchterei Arbeit finden können, doch wo?... Wer hätte das zu sagen vermocht?

Ueber Pat war seit dem Abgange von der Firma Macuard auch nichts bekannt geworden, und möglicherweise hatte sich dieser zu seinen Eltern nach Australien begeben.

Neben der Sorge um die Mac Carthy's bekümmerte Findling nur noch die um Sissy, seine Leidensgenossin bei der Hard. An die letztere selbst, sowie an den grausamen Thornpipe und an die hochfahrenden Piborne's dachte er gar nicht mehr.

Höchstens bezüglich der Miß Anna Walston wunderte er sich, sie noch niemals auf einem Dubliner Theater wieder haben erscheinen zu sehen, doch war er unschlüssig, ob er, wenn das doch einträte, zu ihr gehen sollte oder nicht.

»Und Carker?... Ist der endlich gehenkt worden?«

So lautete unverändert Grips Frage nach jeder Heimkehr des »Vulcan«, sobald er den Laden »Zum kleinen Geldbeutel« betrat. Auf die Antwort, daß man ihm darüber nichts sagen könne, durchwühlte Grip die alten Zeitungen, ohne etwas zu finden, was sich »auf den vollendetsten Galgenstrick der Lumpenschule« bezogen hätte.

»Nun, wir wollen's abwarten. Nur ein wenig Geduld!

– Warum sollte denn Carker nicht ein ganz braver Bursche geworden sein können?

– Er?... rief Grip,... er, der Schlingel?... Nein, dann könnte es einem leid werden, ehrenhaft zu sein.«

Kat, der die Geschichte der Verwahrlosten von Galway bekannt war, stimmte mit Grip darin überein, wie überhaupt in allem, bis auf den einen Punkt, daß Kat den Grip stets drängte, das Seefahren aufzugeben, was dieser wieder hartnäckig verweigerte. Mit Ende des Jahres war denn diese Frage auch um keinen Schritt vorwärts gekommen.

Jetzt war der 25. November; es herrschte schon voller Winter. In großen Flocken fiel der Schnee herab, der leichten Federn gleich auf der Erde hintrieb. Es war einer jener eisigen Tage, an denen man am liebsten in der warmen Stube bleibt.

Findling konnte das heute jedoch nicht. Am Morgen hatte er einen Brief eines seiner Lieferanten in Belfast erhalten. Die Ausgleichung einer Rechnung drohte dort einen Proceß herbeizuführen, und Processe soll man in jedem Falle möglichst zu vermeiden suchen. Das war wenigstens die Ansicht O'Brien's, und dieser drängte den Knaben auch, selbst nach Belfast zu reisen und jene Angelegenheit so gut wie möglich persönlich zu erledigen.

Findling mußte ihm Recht geben und beschloß diesem Rathe sofort zu folgen. Es handelte sich ja nur um eine Eisenbahnfahrt von kaum hundert Meilen. Wenn er um neun Uhr abreiste, traf er noch denselben Vormittag in Belfast ein, der Nachmittag mußte genügen, mit seinem Geschäftsfreunde ins reine zu kommen, und vor Mitternacht hoffte er wieder zu Hause sein zu können.

Bei einer so knapp bemessenen Zeit kann ein Reisender den Einzelheiten der Fahrt keine große Aufmerksamkeit schenken. Dazu flog der Zug sehr schnell dahin, einmal längs der Küste und dann wieder mehr im Innern des Landes. Von der Grafschaft Dublin aus durcheilte er die Grafschaft Meath und hielt nur einige Minuten in Drogheda, einem nicht unbedeutenden Hafen, von dem Findling freilich nichts sah, ebenso wenig wie von dem eine Meile davon entfernten berühmten Schlachtfelde von Boyne, das den schließlichen Sturz der Dynastie der Stuart's sah. Weiter rastete der Zug einmal in der Grafschaft Louth in Dunkalk, einer der ältesten Städte der Grünen Insel, wo der berühmte Robert Bruce einst gekrönt wurde. Hierauf gelangte er nach der Provinz Ulster, wo die Grafschaft Donegal unsern jungen Reisenden an sein früheres Elend erinnerte. Nach Durchschneidung der Grafschaften Armagh und Down überschritt der Zug endlich die Grenze von Antrim.

Antrim, das Land des vulkanischen Bodens und der wilden Höhlen, hat Belfast als Hauptstadt; ihrem Handel und ihrer Flotte von drei Millionen Tonnengehalt nach ist das die zweite Stadt Irlands, ebenso durch ihre Einwohnerzahl von fast zweimalhunderttausend Köpfen, durch ihren intensiven, meist auf Lein gerichteten Feldbau, wie durch ihre Industrie, die sechzigtausend Arbeiter in hundertsechzig Spinnereien beschäftigt, und durch ihre wissenschaftlichen Bestrebungen, von deren Bedeutung das Queen's-College Zeugniß giebt.

Belfast liegt an der engen Ausmündung des Laganflusses, von dem ein Canal durch die vorgelagerten Sandbänke führt. Leichtbegreiflicherweise herrschte an einem so gewerbthätigen Punkte, wo die politische Erregung durch die Berührung, oder besser durch den Zusammenprall persönlicher Interessen wach gehalten wird, immer hitziger Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Die ersten sind Feinde der Unabhängigkeit, die die andern erstreben. Die einen mit dem Feldgeschrei »Oranien«, die andern mit einem gelben Bande als Erkennungszeichen, kommen sie oft miteinander ins Handgemenge, regelmäßig aber am 7. Juli, dem Jahrestage der Schlacht von Boyne.

Obwohl heute nicht der 7. Juli war und die Temperatur vier Grad unter Null betrug, herrschte in der Stadt doch der helle Aufruhr. Die Parnelliten und die Parteigänger der »Land League« und des Landlordismus waren in bittern Streit gerathen. Der Sitz der »Gesellschaft zur Verbreitung der Leincultur«, an den sich die meisten Fabriken der Stadt anschließen, hatte sogar ganz besonders geschützt werden müssen.

Findling, der ja nicht im entferntesten um politischer Streitfragen willen hierher gekommen war, begab sich zunächst zu seinem Lieferanten, den er auch glücklicherweise antraf.

Der Mann war nicht wenig erstaunt, als sich ihm ein so junger Knabe in seinem Bureau vorstellte, ebenso aber über den Scharfsinn und die Einsicht, womit dieser seine Interessen vertrat. Bald war alles zu beiderseitiger Zufriedenheit geordnet. Zwei Stunden hatten dazu hingereicht und Findling wollte nun in der Nähe des Bahnhofs zum Essen gehen. Hatte er die heutige Reise schon nicht zu bereuen, da sie ihm einen Proceß ersparte, so sollte der Besuch von Belfast ihm doch noch eine andre Ueberraschung bereiten.

Es wurde bereits dunkel und hatte zu schneien aufgehört, nur herrschte noch eine recht empfindliche Kälte.

Vor einer großen Fabriksanlage der Stadt vorübergehend, wurde Findling durch einen Haufen von Menschen aufgehalten, der die Straße völlig sperrte. Es war grade Zahltag in den Fabriken, und eine für die folgende Woche angekündigte Lohnverkürzung hatte eine große Arbeiterschaar gewaltig in Erregung versetzt.

Die Leinindustrie wurde in Belfast von Emigranten nach Aufhebung des Edicts von Nantes eingeführt, deren Nachkommen noch heute in derselben thätig sind. Die betreffende Fabrik gehörte einer anglicanischen Gesellschaft, deren Arbeiter aber zum größten Theile Katholiken waren, und diese gaben ihrem Unwillen nun in lärmendster und rohester Weise Ausdruck.

Auf das anfängliche Geschrei folgten schwere Drohungen und bald wurden Thüren und Fenster des Etablissements mit Steinen beworfen. Da trabte aber auch schon eine Abtheilung Polizisten in die Straße ein, um die Zusammenrottung zu zerstreuen und die Rädelsführer zu verhaften.

Um den Zug nicht zu versäumen, suchte Findling aus dem Tumulte zu entkommen; vergeblich. Der Gefahr ausgesetzt, umgeworfen, gesteinigt oder durch den Angriff der berittenen Constabler zermalmt zu werden, flüchtete er sich in eine Hausthüröffnung, als gerade fünf oder sechs Arbeiter, von wuchtigen Schlägen getroffen, in der Nähe niederstürzten.

Neben ihm lag ein junges weibliches Wesen, eines jener armen, blassen entkräfteten Fabriksmädchen, die, obwohl achtzehn Jahre zählend, doch kaum zwölf Jahre alt zu sein schien. Zur Erde geworfen, rief sie noch:

»Zu Hilfe!... Zu Hilfe!«

Diese Stimme?... Findling glaubte sie zu kennen; es dämmerte wie eine alte Erinnerung in ihm auf... er konnte kein Wort hervorbringen... sein Herz schlug zum Zerspringen...

Als die zum Theil zurückgetriebene Menge die Straße etwas frei ließ, beugte er sich über das arme Mädchen nieder. Diese war bewußtlos. Er hob ihren Kopf in die Höhe und wendete das Gesicht dem Lichte einer Gasflamme zu....

»Sissy!... Sissy!« murmelte er.

In der That war es Sissy, die ihn aber nicht hören konnte.

Ohne sich über seine Handlungsweise Rechenschaft zu geben, hob er die Unglückliche, als ob sie ihm angehört hätte, und wie ein Bruder die Schwester, einfach auf und brachte sie, ohne daß das Mädchen noch wußte, was mit ihr geschah, nach dem nahen Bahnhof.

Als der Zug abfuhr, lag Sissy in einem Coupé erster Classe bequem und noch immer halb bewußtlos auf den Polstern und neben ihr kniete Findling, der sie rief... anredete... sie umarmte....

Nun, er hatte ja wohl ein Recht darauf, Sissy, die Gefährtin seiner Leiden, zu entführen, und wenn sie bei jemand ein Anrecht auf Samariterhilfe besaß, dann war es doch bei diesem Knaben, den sie früher so oft gegen die Mißhandlungen durch die abscheuliche Hard geschützt hatte.

XIII.
Farben- und Standeswechsel.

Am 16. November 1885 gab es in ganz Irland – vielleicht nirgends auf der Erde – eine so große Summe von Glück, wie im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel«.

Sissy ruhte noch im besten Zimmer des Hauses. Findling stand an ihrem Lager. Jetzt hatte sie in ihm das Kind wiedererkannt, das einst durch ein Mäuseloch aus der Höhle der Hard entwichen und das jetzt zum kräftigen, blühenden Knaben geworden war.

Zur Zeit ihrer Trennung von einander zählte sie kaum sieben Jahre, heute war sie achtzehn Jahre alt, doch schien es fraglich, ob sie nach so vielen Anstrengungen und Entbehrungen sich zu dem schönen jungen Mädchen entwickeln würde, das sie zu werden versprach, wenn sie unter günstigeren Verhältnissen gelebt hätte. Seit fast elf Jahren hatten die beiden sich nicht gesehen, und doch erkannte Findling Sissy sofort schon an der Stimme, und auch das junge Mädchen erinnerte sich genau an alles, was den kleinen schwächlichen Knaben von früher betraf.

Von diesen Dingen sprachen sie, sich an den Händen haltend, und blickten in die Vergangenheit wie in einen Spiegel ihres Elends zurück.

Kat, die dabei war, konnte ihre zärtliche Theilnahme nicht verhehlen. Bob gab seiner Freude in lauten Jubelrufen Ausdruck, denen Birk mit verhaltenem Bellen antwortete. Auch O'Brien fehlte als Zeuge dieser Scene nicht. Selbst der Commis Balfour würde die allgemeine Aufregung getheilt haben, wäre er nicht im Comptoir mit dem Rechnungswesen des Hauses Little Boy and Co. angestrengt gewesen. Alle hatten von Sissy – wie von der Familie Mac Carthy – so häufig sprechen hören, daß sie nur noch deren persönliche Bekanntschaft zu machen brauchten. Für alle war sie eine ältere Schwester Findlings, die ins Haus zurückkehrte, als hätte sie es erst gestern verlassen.

Nur Grip fehlte in dem Kreise; man darf aber glauben, daß er das junge Mädchen seines Boy, obwohl er diese nie gesehen hatte, auf den ersten Blick erkannt hätte. Der »Vulcan« konnte übrigens nicht mehr lange ausbleiben, und dann erst würde die Familie vollzählig sein.

Das Leben des jungen Mädchens war bisher das aller armen Kinder in Irland gewesen. Sechs Monate nach Findlings Flucht starb die Hard in einem Tobsuchtsanfalle und Sissy war in das Armenhaus von Donegal zurückgebracht worden, wo sie noch zwei Jahre blieb. Dann mußte sie hier andern Unglücklichen Platz machen. Sie zählte damals neun Jahre, und mit diesem Alter muß man schon selbst für sich sorgen können. Kann ein Mädchen dann nicht in Dienst gehen, eine »Maid« werden, als welche sie ohne Lohn nur für Wohnung und Beköstigung arbeitet, so findet sie wohl Beschäftigung in einer Fabrik. Deshalb sandte man Sissy nach Belfast, wo die Spinnereien ein ganzes Heer von Arbeitern brauchen. Da lebte sie von einem Tagesverdienst von einigen Pence inmitten einer ungesunden Atmosphäre, hier- und dorthin gestoßen und hart angefahren, ohne jemand zur Vertheidigung zu haben, doch immer gut, sanft, dienstbereit, und übrigens an Widerwärtigkeiten des Lebens schon lange Zeit gewöhnt.

Jener Zeit hielt Sissy eine Besserung ihrer Lage für ganz unmöglich; doch gerade, als sie verzweifelte, daß irgend jemand sie dieser entreißen könnte – da ergriff sie eine rettende Hand, die Hand des Kleinen, dem ihre ersten Liebkosungen gegolten hatten und der jetzt der Chef eines Handelshauses war. Ja, er hatte sie aus der Hölle in Belfast befreit, und jetzt befand sie sich bei ihm, wo sie Geschäftsdame werden sollte, nicht etwa Dienerin....

Sie?... Eine Dienerin?... Das hätte die Kat nicht gelitten und Bob ebensowenig, wie Findling es erlaubt hätte.

»Da willst mich also bei Dir behalten? fragte sie.

– Ob ich das will, Sissy!

– Ich werde aber wenigstens arbeiten, um Dir keine Last zu sein.

– Jawohl, liebe Sissy.

– Und was werd' ich zu thun haben?

– Vorläufig gar nichts, Sissy.«

Weiter war jetzt nicht zu kommen, in der That wurde Sissy aber acht Tage später – auf ihren bestimmten Wunsch – im Laden angestellt, nachdem sie sich mit dem Verkauf vertraut gemacht hatte, und hier bildete das zierliche junge Mädchen, die schon wieder merkwürdig aufgeblüht war, ein neues Zugmittel für die Kundschaft.

Ein lebhafter Wunsch Sissys war es da, den ersten Heizer des »Vulcan« einmal die Schwelle des Hauses überschreiten zu sehen. Sie kannte das Verhalten Grips in der Ragged-School und wußte, daß er ihre Schützerrolle gegenüber dem Kinde, nachdem sich dieses der rohen Hard entzogen, übernommen hatte. Wie sie ihn einst gegen die Hard schützte, so hatte er den Knaben später gegen Carker und dessen Spießgesellen in Schutz genommen. Ohne die Aufopferung des wackern Burschen wäre der Kleine ja gar in den Flammen umgekommen. Der erste Heizer konnte bei seiner Rückkehr also auf den besten Empfang rechnen. Besondre Umstände verzögerten die Heimkehr des Schiffes diesmal aber bis zum Ende des laufenden Jahres.

Die am 31. December 1886 gezogene Bilanz ergab ein noch günstigeres Resultat als die früheren. Mehr als zweitausend Pfund Sterling betrug schon das reine Vermögen des Hauses »Zum kleinen Geldbeutel«. O'Brien hatte das nach Durchsicht der Bücher bestätigt. Der ehrliche Kaufmann konnte den jungen Chef zu diesem Erfolge nur beglückwünschen, legte ihm dabei aber ans Herz, immer mit so weiser Vorsicht wie bisher zu Werke zu gehen.

»Schwerer ist es oft, sich sein Vermögen zu erhalten, als es zu erwerben, sagte er zu Findling bei Zurückgabe der Geschäftsbücher.

– Sie haben Recht, erwiderte dieser, doch glauben Sie mir, Herr O'Brien, daß ich mich nie auf Irrwege locken lassen werde. Immerhin bedaure ich, daß die in der Bank von Irland liegenden Summen keine lohnendere Verwendung finden sollen. Das ist Geld im Schlaf, und wenn man schläft, arbeitet man nicht.

– Nein, mein Sohn, man ruht aber aus, und Ruhe ist dem Gelde ebenso nothwendig, wie dem Menschen.

– Und doch, Herr O'Brien, wenn sich eine gute Gelegenheit böte...

– Die dürfte nicht nur gut, sie müßte ausgezeichnet sein.

– Zugegeben, in einem solchen Falle aber weiß ich, würden Sie mir selbst rathen...

– Davon Nutzen zu ziehen?... Natürlich, mein Sohn, wenigstens wenn die Sache zu Deinem jetzigen Geschäftsbetriebe paßt.

– Das ist auch für mich Bedingung, Herr O'Brien, und es wird mir nie einfallen, mich auf Speculationen einzulassen, die auf mir unbekanntem Gebiete liegen. Wenn man jedoch mit Klugheit vorgeht, kann man wohl versuchen, sein Geschäft zu erweitern.

– Es wäre unrecht von mir, Dich davon abzuhalten, mein Sohn, und wenn ich ein ganz sicheres Geschäft aufspüre... nun ja... vielleicht... doch, das wird sich finden.«

Aus kluger Vorsicht wollte sich der Exkaufmann nicht zu sehr binden.

Ein Tag, der im Kalender des »Kleinen Geldbeutels« roth angestrichen zu werden verdient hätte, war der 23. Februar.

Auf einer hohen Leiter stehend, wäre Bob beinahe heruntergepurzelt, als er sich anrufen hörte mit den Worten:

»He, da sitzt einer auf der Bramstenge!... Heda!

– Grip! rief Bob, der herunterglitt, wie die Jungen auf einem Treppengeländer.

– Ja, ich bin's, and Co!... Findling geht es doch gut, Knirps?... Kat ebenfalls?... Und Herrn O'Brien auch?... Ich habe doch keinen vergessen?

– Keinen?... Und mich, Grip?«

Diese Worte kamen von einem jungen Mädchen, die freudestrahlend auf den ersten Heizer des »Vulcan« zutrat und ihm ohne Umstände einen Kuß auf jede Wange drückte.

»Wa... was? rief Grip ganz verdutzt. Mein Fräulein... ich kenne Sie ja gar nicht... Umarmt und küßt man denn hier die Leute, ohne sie zu kennen?

– Nun so fange ich erst wieder an, wenn wir mit einander bekannt geworden sind....

– Das ist ja Sissy, Grip!... Sissy!... Sissy!« wiederholte Bob laut auflachend.

Eben traten Findling und die Kat ein. Der Teufelskerl, der Grip, wollte jetzt aber nichts von einer weiteren Erklärung hören, als bis er dem Mägdlein die erhaltenen Küsse richtig heimgezahlt hätte. Bei Sanct Patrick! Sissy erschien ihm doch gar zu reizend und thaufrisch! Und da er von Amerika ein kostbares Herren-Reisenecessaire mit Stiefelknecht, Rasiermesser und Seifenbecken – für die spätere Zeit seines Boy bestimmt – mitgebracht hatte, behauptete er flottweg, dieses für Sissy gekauft zu haben, deren Anwesenheit im Bazar des Little Boy er geahnt hätte – und Sissy mußte sich schon drein fügen, sein Geschenk anzunehmen, was der eigentliche Empfänger desselben auch ohne Murren geschehen ließ.

Jetzt gab es in dem Magazin der Bedford-Street herrliche Tage. War er nicht an Bord zurückgehalten, so »lichtete« Grip »hier gar nicht mehr die Anker«. Im Comptoir des »Kleinen Geldbeutels« befand sich offenbar ein Magnet, dessen Anziehungskraft bis zu den Docks reichte und der ihn bei Sissy festhielt. Den Naturgesetzen kann einmal keiner widerstehen. Findling hatte es sehr bald bemerkt.

»Nicht wahr, sie ist nett, meine große Schwester? fragte er eines Tages Grip.

– Deine große Schwester, mein Boy?... O, es wäre gar nicht hübsch, es wäre häßlich von ihr, wenn sie das nicht ganz von selbst wäre!... Es wäre garstig von ihr!

– Garstig... Sissy?... Ich bitte Dich, Grip!...

– Ja, ja, ich spreche dummes Zeug... das heißt, weil ich's nicht besser von mir geben kann. Ja, wenn ich mich auszudrücken verstände...«

Er drückte sich ja ganz gut aus, mindestens nach Ansicht der Kat, und seit der Rückkehr Grips waren kaum drei Wochen verstrichen, als sie zu Findling sagte:

»Unser Grip gleicht jetzt den Thieren in der Mauser. Erst ganz schwarz, bekommt er schon langsam die natürliche Farbe wieder, die weiße Farbe, und mir ahnt, er wird nicht mehr lange auf dem »Vulcan« bleiben.«

Das war auch die Meinung O'Brien's.

Und doch war, als der »Vulcan« am 15. März nach Amerika abdampfte, dessen erster Heizer, den die ganze Familie nach dem Hafen begleitet hatte, wieder auf seinem Posten, als hätte der Dampfer gerade seiner Dienste nicht entrathen können.

Als er am 13. Mai nach achtwöchentlicher Abwesenheit zurückkehrte, erschien seine »Farbenveränderung« noch bemerkbarer als früher. Natürlich wurde ihm der herzlichste Empfang zu Theil. Findling, die Kat und Bob drückten ihn an sich. Er selbst blieb aber etwas zurückhaltender und begnügte sich, Sissy einen Kuß auf die linke Wange zu geben, so wie diese ihn nur mit einem einzigen auf die rechte Wange begrüßt hatte. Grip wurde nachdenklicher und Sissy immer ernsthafter, wenn sie bei einander waren, und das drückte sich auch durch eine gewisse Geniertheit bei dem abendlichen Zusammensein aller aus. Sagte dann Findling, wenn die Abschiedsstunde Grips gekommen war, zu diesem:

»Nun, also auf Wiedersehen morgen!«

... so antwortete dieser wohl:

»Nein... morgen glaub' ich nicht... ich habe dringende Arbeiten in der Heizkammer.... Es wird unmöglich sein!«

Am nächsten Tage stellte sich der gute Grip aber ebenso ein wie vorher, womöglich noch eine Stunde früher, und – wunderbar! – seine Haut wurde von Tag zu Tag weißer.

Grip war jetzt offenbar in der Seelenstimmung, einen Antrag, seinen bisherigen Beruf zu verlassen, gern anzunehmen und als Theilhaber in die Firma Little Boy and Co. einzutreten. Findling hütete sich aber weislich, diese Angelegenheit wieder zu berühren. Besser, Grip käme selbst darauf zu sprechen.

Das war auch zu Anfang des Juni in bescheidenem Maße der Fall.

»Na, das Geschäft geht noch immer nach Wunsch? hatte Grip gefragt.

– Urtheile selbst, erwiderte Findling. Unsre Läden werden niemals leer....

– Ja... es sind immer Käufer da.

– Sogar viele, Grip; vorzüglich seitdem Sissy im Verkauf mit thätig ist.

– Das ist kein Wunder, mein Boy! Ich begreife überhaupt nicht, wie jemand in Dublin... nein, in ganz Irland bei irgend einem andern noch irgendwas kaufen mag als bei ihr.

– Thatsächlich könnte man nirgends so bedient werden, wie von diesem liebenswürdigen...

– O, noch mehr... mehr... fiel Grip ein, ohne das rechte Wort zu finden.

– Nun ja, von diesem bezaubernden jungen Mädchen! setzte Findling hinzu.

– Es geht also alles gut?

– Wie ich Dir gesagt habe.

– Und der Herr Balfour?...

– Mit Herrn Balfour ebenso.

– Ich spreche nicht von seinem Gesundheitszustande, antwortete Grip etwas lebhafter. Was geht mich Herrn Balfour's Gesundheit an?...

– Wohl aber mich, lieber Grip. Er ist uns sehr nützlich. Er ist ein vorzüglicher Buchhalter....

– Er versteht also seine Sache?

– Vollkommen.

– Mir kommt er schon etwas alt vor.

– Nein, davon merkt man nichts.

– Hm!«

Dieses Hm! schien zu sagen, daß der Herr Balfour doch baldigst die Grenze des leistungsfähigen Alters erreichen müsse.

Hiermit brach das Gespräch ab. Als Findling der Kat davon erzählte, konnte diese ein leises Kichern nicht unterdrücken.

Sogar Bob machte sich darüber seine eignen Gedanken, und mehrere Tage später fragte er Grip:

»Der »Vulcan« wird wohl bald wieder abdampfen?

– Ja... man spricht davon... es scheint so, erwiderte Grip, dessen Stirn sich bewölkte, wie der Himmel bei einem Südwestwinde.

– Und da wirst Du, fuhr and Co. fort, auch wieder die Kessel bedienen?«

Die Augen des ersten Heizers leuchteten auf, als hätte er die Kohlen auf dem Kesselroste schon durch einen Blick allein haben anzünden können. Das kam jedoch wohl nur daher, daß Sissy gerade lächelnd durch den Laden ging und stehend bleibend sagte:

»Grip, würden Sie mir da den Kasten mit Chocolade herunterholen... ich bin nicht groß genug....«

Der Heizer holte sofort den Schubkasten.

... oder auch:

»Würden Sie mir wohl jenen Laib Zucker heruntergeben... ich bin nicht stark genug dazu.«

Und Grip brachte ihr den schweren Zuckerhut.

»Wird Deine diesmalige Reise lange dauern? fragte Bob, dem es – man sah es an seinen verschmitzten Blicken – Spaß machte, den Freund etwas auf die Folter zu spannen.

– Ich fürchte, sehr lange! antwortete der Heizer, den Kopf schüttelnd. Wenigstens vier bis fünf Wochen.

– Bah, fünf Wochen! Die sind bald dahin. Ich glaubte, Du wolltest fünf Monate sagen.

– Fünf Monate?... Warum nicht gar gleich fünf Jahre! rief Grip, erschrocken wie ein armer Teufel, der eben zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt wurde.

– Na... da bist Du also ganz glücklich, Grip?

– Sapperment... was soll ich denn sein?... Natürlich bin ich's!

– Nein, Du bist ein rechter... Querkopf!«

Bob lief dabei mit einer bezeichnenden Grimasse davon.

In der That lebte Grip eigentlich gar nicht mehr, denn man kann es nicht leben nennen, wenn einer, in Gedanken versunken, sich überall an den Kopf stößt, wie die Fliege an einer Lampenglocke. So war es für ihn, da er einmal noch nicht zu dem Entschlusse, dazubleiben, kam, ganz gut, daß sein Schiff am 22. Juni wieder abfuhr.

Während seiner jetzigen Abwesenheit ließ sich die Firma Little Boy auf ein auch von O'Brien gern gutgeheißenes Geschäft ein, das reichlichen Gewinn versprach. Es handelte sich um ein neues Spielzeug, von dessen Erfinder Findling das Patent erwarb.

Dieses Spielzeug machte umsomehr Aufsehen, weil es das Haus Little Boy and Co., d. h. weil es zwei Knaben waren, die den Alleinverkauf desselben in die Hand genommen hatten. Zu Beginn der Sommerreisen nach den Seeküsten wollte die ganze kindliche Gentry das Ding haben, das übrigens nicht zu billig war, und Bob, dem der Verkauf zufiel, vermochte oft die Wünsche der Kunden kaum zu befriedigen. Sissy mußte ihm beispringen, und deshalb ging der Handel gewiß nicht schlechter und übertraf in den Einnahmen sogar die der andern Branchen des Geschäfts. Jener besondre Artikel bereicherte die Casse allein um mehrere hundert Guineen. Voraussichtlich betrug das Vermögen des Hauses am Ende des Jahres, den noch regeren Weihnachtsumsatz eingerechnet, gut dreitausend Pfund Sterling.

Das gestattete nun dem jungen Inhaber des »Kleinen Geldbeutels«, Sissy, wenn diese sich verheiraten sollte, eine hübsche Aussteuer mit auf den Weg zu geben. Grip war ja ein recht hübscher junger Mann, der einen vollkommenen Ehemann abgeben mußte und der ihr offenbar gefiel, wenn sie sich auch hütete, das merken zu lassen. Alle im Hause wußten es jedoch ganz gut. Nur Grip schien zu keiner Entscheidung zu kommen; er that, als ob ohne ihn die ganze Maschinerie seines Dampfers in Unordnung kommen müßte, und hatte damals, als Findling von seiner etwaigen späteren Verheiratung sprach, vor Lachen fast bersten wollen.

Natürlich erschien unter diesen Umständen der erste Heizer des am 29. Juli zurückgekehrten »Vulcan« nur noch linkischer, grübelnder, düsterer, kurz, unglücklicher als vorher. Sein Schiff sollte am 15. September wieder auslaufen, und man fragte sich, ob er wohl auch diesmal wieder mitfahren würde.

Das war fast anzunehmen, da Findling – welche Bosheit! – fest entschlossen war, die Lösung der in der Luft schwebenden Frage nicht zu beschleunigen, so lange es Grip nicht über sich gewonnen hätte, ausdrücklich davon zu reden und ihn darum zu fragen. Es handelte sich ja um seine große Schwester, die von ihm abhing, für deren Lebensglück er die Verantwortung trug. Die erste Bedingung – das sine qua non – die er stellte, war aber die, daß Grip seine Seemannslaufbahn aufgab und als Theilhaber in das Handelsgeschäft eintrat.

Einmal wurde nun Grip bezüglich seiner Herzensangelegenheit so sehr an die Mauer gedrückt, daß er sich eigentlich hätte erklären müssen.

Eines Tags, als er sich um die Kat zu thun machte – und dieser würdigen Frau hätte er sich zuerst vielleicht am liebsten offenbart – begann die Kat ganz hingeworfen:

»Ist's Ihnen nicht aufgefallen, Grip, daß die Sissy von Tag zu Tag reizender wird?

– Nein, antwortete Grip, das hab' ich nicht bemerkt. Warum sollte mir's auch aufgefallen sein?... Ich achte doch darauf nicht so besonders...

– Ah, so, Sie bemerken das also nicht?... Nun, dann machen Sie nur einmal die Augen ordentlich auf, da werden Sie ja sehen, welch wunderhübsches Mädchen wir hier haben. Wissen Sie denn, daß sie bald neunzehn Jahre alt wird?

– Was?... Schon?... versetzte Grip, der das Alter Sissys auf die Stunde genau kannte. Sie irren sich wohl, Kat!

– Nein, gewiß nicht... neunzehn Jahre... sie wird nun bald heiraten müssen... Findling wird einen braven Mann für sie suchen, so einen von sechs- bis siebenundzwanzig Jahren... ja, ungefähr wie Sie. Es muß natürlich einer sein, zu dem man volles Vertrauen haben kann... und der nicht der Marine angehört... nicht der Marine... Seemann... Ehemann, das stimmt nicht gut zusammen. Da Sissy außerdem eine hübsche Mitgift bekommt...

– Die braucht sie gar nicht, warf Grip dazwischen ein.

– Das ist wahr... eine so liebreizende Person... am letzten Ende ist es aber doch nicht schädlich.... Na, unser junger Herr wird wohl bald den Rechten finden....

– Er hat wohl schon einen im Auge?

– Ich glaub' es.

– Einen, der häufig nach dem Bazar kommt?

– Sehr häufig.

– Kenne ich ihn?