Von Herzen gern. Eine bloße Spazierfahrt, wenn ich fragen darf?

Nein, ein wenig weiter. Ich will sehen, was die Meinigen thun.

Uns verlassen? schrie Louise, und etwas langsamer Julie und die Mama.

Wenn Sie erlauben, so will ich in kurzer Zeit wieder so frei sein, Sie zu besuchen; aber für heute muß ich gehen.

Die Rosen waren von den Wangen Louisens gewichen, sie wandte sich, und ich glaube, eine Thräne perlte ihr in den Augen.

Wir saßen eine Viertelstunde, ohne daß ein Wort über unsere Lippen gekommen wäre. Der Creole sprach endlich: Sie schienen doch recht vergnügt bei uns; hat sich etwas zugetragen?

Etwas für mich sehr Wichtiges; ich muß wirklich sogleich fort, war meine Antwort.

Louise war aus dem Saale geeilt; ich folgte ihr, und fand sie ihrem Zimmer zuschwankend.

Louise! rief ich. Sie weinte.

Ich verlasse Sie heute.

So habe ich gehört.

Um mein Haus zu bestellen.

Mein Bruder thut ja dieses ohnehin, lispelte sie; warum uns verlassen?

Weil ich so bald als möglich ein ganz liebliches Zimmerchen brauche für mich und meine Louise. Wollen Sie mir in dieses als mein geliebtes Weib folgen?

Sprechen Sie den Papa, lispelte sie, mit einem Freudenstrahle im lieblichen Gesichte, und dann ihren zitternd verschämten Blick auf den Boden heftend.

Nehmen Sie sie, lieber Howard, sprach der Papa, der uns auf dem Fuße gefolgt war. Sie werden ein treffliches Weib haben.

Louise sank mir in die Arme, und die nächste Stunde war ich auf dem Wege nach Hause.

So war ich denn nun verpfändet, und mein Hagestolzthum näherte sich dem Ende. Die Wahl war vernünftig, das fühlte ich; Louise ist eines der trefflichsten Mädchen: züchtig, klug, thätig, reizend und munter; unter ihren Händen gedeiht, wächst Alles; die Negerinnen behandelt sie wie Schwestern, die Männer wie Brüder. Alle diese Gründe jedoch waren mir erst nun klar geworden; noch gestern dachte ich des Mädchens so wenig wie des Großsultans; der Gedanke, sie zur Frau zu nehmen, war wie ein Lichtfunke durch mein Gehirn gefahren. Wird mich dieser Lichtfunke nie reuen? Ihre ersten Tage werden wahrlich keine Honigmonde in meiner Wildniß sein. — Es war Nachmittags vier Uhr, als ich anlangte. Beinahe wäre es mir wieder wie das letztemal gegangen; ich kannte meine Pflanzung nicht, wirklich nicht. Die ungeheuern vom Sturm entwurzelten Stämme, die, acht bis zehn Fuß im Durchmesser dick, vor meiner Wohnung chaotisch gelegen, waren verschwunden; mein Garten neuerdings, nur vergrößert, mit einer eleganten Umzäunung versehen; um die Vorderseite des Hauses hatte sich eine Veranda erhoben, an der zwei fremde Schwarze arbeiteten.

Ich stieg aus; der junge Menou kam mir zufrieden lächelnd entgegen. Ich schüttelte ihm die wackere Hand, und wies mit Verwunderung auf die Reformen. »Das sind Kleinigkeiten; aber ihre Cottonpresse kostet uns Arbeit; sie war ganz hin.«

Aus dieser tönte der Chorus von vierzig Stimmen im melancholischen Talla-i-hoe herüber.

Und wie haben sie diese Wunder alle ausführen können? fragte ich erstaunt.

Nun, Sie haben uns ja fünfzehn Leute gesandt, Vater lieh mir noch zehn der Unsrigen, und so konnten wir schon etwas Tüchtiges leisten.

Ich ging mit dankbewegtem Herzen durch die Geländer der Umzäunung der Veranda zu. Sie war im elegantesten Geschmacke errichtet; die Jalousien liefen acht Fuß hoch auf der Ost-, Süd- und Westseite des Hauses herum; die Nordseite war, wie gewöhnlich, frei geblieben. Der Saal war mit glänzend-blaßgelben Matten belegt; in der Einrichtung, meinte jedoch der junge Mann, hatte Papa nicht vorgreifen wollen; nur was zwei Zimmer betrifft, machten wir eine Ausnahme. Ich näherte mich voll Erwartens meinem Schlafzimmer. Prachtvoll! Ein allerliebstes Bette, und zwar ein doppeltes, als wenn sie die Katastrophe vorausgesehen hätten, mit allem Nöthigen versehen; ein fünfzehnjähriges schwarzes Mädchen arbeitete noch an den Moschetto-Vorhängen. Das ganze Haus war wie durch einen Zauberschlag umgewandelt. — »Und wer hat den Plan zur Einrichtung dieses Zimmers gegeben?«

Das Mädchen ist Louisens Kammerzöfchen, lachte Menou; sie wird wohl vom Geiste ihrer Gebieterin inspirirt sein.

Die alte Sibylle kam mittlerweile an der Spitze meiner Unterthanen, die frisch, munter und jubelnd einhertanzten. Es waren zehn Bursche und fünf Mädchen darunter, die ich noch nicht kannte. Der junge Menou führte sie mir nun als die Meinigen vor; sein Vater hatte sie für mich, der ich das Sklavenhandeln verabscheue, durch einen bewährten Freund einkaufen und hieher überschiffen lassen. Sie waren noch sammt und sonders, so wie die Mädchen, ledig.

Ich blickte Menou bedenklich an. Die Creolen erlauben ihren Negern gewisse Freiheiten, die unserm strengen sittlichen Gefühle schnurstracks entgegen sind. Jedes meiner Paare war verheirathet, und selbst in meiner tollen Wanderschaft hatte ich streng auf Zucht und Sitte gesehen. Der junge Mann beschwichtigte meine Zweifel; die Mädchen waren unterdessen in der ehemaligen Wohnung Mister Bleaks untergebracht, und die Bursche in zwei Häuserchen, die er bereits erbaut; acht andere waren im Baue begriffen. — So waren denn alle meine Wünsche erreicht, und ich stand im wohnlichsten Hause am Red-River. Ich segnete den Blitzesfunken.

Ah! sprach der junge Mann, es sind mehrere Briefe an Sie eingelaufen, die ich ganz im Drange der Geschäfte vergessen habe, Ihnen zu senden.

Ich erbrach sie. Es waren Briefe von Richards, der mich dringend bat, ihm sogleich das Vergnügen meines Besuches zu gewähren. In einem andern war er noch dringlicher, und schien ganz verwundert, daß ich so häuslich geworden; in einem dritten war mir angekündigt, daß die schöne Emilie als Mistreß Doughby zurückgekehrt, und als Postscriptum beigefügt, daß sie eine der Zierden Bostons, eine Cousine mit sich gebracht.

Kein Wort jedoch wegen der aufgekündigten achttausend Dollars; das ist doch wirklich sonderbar. Richards ist doch nicht so indifferent für zeitliche Güter, da seinen Groll zu verschmerzen, wo es seinen Beutel angreift. »Hier ist ein Punkt,« sprach ich zu dem jungen Manne, dem ich nicht gerne eine Blöße geben wollte, »der meine augenblickliche Rückkehr in Ihres Vaters Haus erheischt.«

Wirklich! rief der junge Creole verwundert aus.

Ja, augenblicklich; ich höre so eben ein Dampfschiff herauf kommen; ich will sogleich fort. — Er blickte mich verlegen an, Sibylle schüttelte den Kopf; aber es lag nun schon einmal in meiner ungeduldigen Natur: schnell oder gar nicht. Ich winkte mit dem Tuche; es war der nämliche Red-River, der mich vor acht Wochen nach Hause gebracht.

Mister Howard! rief der Capitain fröhlich, freut mich, Sie wieder auf meinem Verdecke zu sehen. Ihre Pflanzung sieht doch ganz prächtig seit acht Wochen aus; Sie sind ein wahrer Wundermann.

So halb und halb, versetzte ich bescheidentlich.

Es liegt in unserer amerikanischen Natur etwas gewisses rein Praktisches, das uns von allen Nationen der Welt auszeichnet, ein gewisser gerader, gesunder Menschenverstand, der durch allen Flitter hin auf das Reelle sieht, ein ehrenvoller, unabhängiger Geist, der nur dem Achtung zollt, der sie verdient. Der reichste Müßiggänger, der Hunderttausende in seinem Portefeuille mit sich führt, wird hier vergebens den Tribut erwarten, den ihm die Hälfte seines Reichthums in andern Ländern zu Wege bringt. Kalt und stolz geht die Mehrzahl an ihm vorüber, um dem minder Bemittelten, der seinem Kopfe und seinen Händen sein Emporkommen verdankt, achtungsvoll ihre ächt republikanische Huldigung zu zollen. Es ist dieser freie männliche Sinn, der in den letzten zehn Jahren die so gewaltige Staatsumwälzung zu Stande gebracht, das Joch unserer erbärmlichen Aristokratie abgeschüttelt, und unserer Freiheit eine gründliche Existenz gesichert hat. — Ich, der reisende, als reich geltende Pflanzer war kaum bisher beachtet gewesen; mein Aufseher galt mehr in den Augen meiner Mitbürger, als ich selbst. Die Metamorphose auf meinem Besitzthume hatte eine plötzliche Ideenrevolution hervorgebracht, und man drängte sich um mich herum und horchte jedem meiner Worte, als wäre ich einer unserer großen Reformatoren oder noch größeren Demagogen gewesen. Es that mir ein bischen wohl, das muß ich gestehen.

Auch diesmal langte ich Morgens bei der lieben Familie an; aber der Wagen war vergessen, und ich, der ich die Strecke in raschem Trabe zurückgelegt, dachte mir meines künftigen Schwiegerpapa's Residenz gute zehn Minuten vom Landungsplatze. Es dauerte eine gute Stunde, ehe ich vor dem Hause schweißtriefend zur Verwunderung Aller anlangte. »Und so schnell und so zeitlich zurück? Doch kein Unglück gehabt?«

Nein, erwiederte ich trocken; ich habe etwas vergessen.

Und was mag dieß sein?

Meine Louise! Ja gewiß, fuhr ich gerührt fort, ich fand bei meiner Ankunft meine wüste Einöde in ein so liebliches Paradies verwandelt, daß ich nicht umhin konnte, sogleich zurückzueilen, um mein liebes Mädchen zu bewegen, es mit mir zu theilen. Morgen, so Gott will, gehen wir nach New-Orleans, um bei dem alten Pater Antoine und unserm werthen Rector vorzusprechen.

Aber es ist noch gar nichts gerüstet, keine Ausstattung fertig, nichts in der Welt, fingen hier die Ma und Pa an; lieber Howard, sein Sie doch nicht närrisch.

Unsere Yankeeinnen, lachte ich, wenn sie sechs Hemden und ein und ein halbes Kleid haben, hüpfen ins Brautbette, ohne sich zu bedenken.

Wohl, laßt ihm seinen Willen, sprach Menou; wir wollen schon sorgen, daß er nicht zu kurz kommt.

Apropos, fragte ich, wie ist es doch mit den achttausend Dollars?

Ich habe Sie bloß auf die Probe stellen wollen, ob Sie auch Festigkeit haben, Ihr eigenes Glück zu wollen. Hätten Sie mir dieses verweigert, wahrlich, Louise sollte nicht die Ihrige geworden sein, und wenn Sie alle Pflanzungen am Missisippi gehabt hätten. Ich habe unterdessen das Geld vorgestreckt.

Der Mann wird mit jeder Minute achtbarer. Dieser Abend verging mir, einer der seligsten, die ich noch verlebte.

Am Morgen fuhren wir dem Dampfschiffe zu. Die Mama war zurückgeblieben; Julie, wie es sich von selbst versteht, war zur Brautjungfrau auserkohren. Gerne hätte ich als meinen Assistenten den jungen Menou gebeten; doch der war auf meiner Pflanzung vonnöthen. Wir begrüßten ihn im Vorbeifahren und fuhren dann weiter. Zum ersten Male blickte ich ohne bitteres Gefühl auf das prachtvolle Schauspiel, das die reichen Ufer des gewaltigen Missisippi darbieten; diese herrlichen Wohnsitze der Pracht, so üppig, so friedlich aus den deliciösen Hainen von Feigen-, Orangen- und Citronenbäumen hervorragend, den majestätischen Strom, der, mit Hunderten von Fahrzeugen bedeckt, den entferntesten Zonen unsere Produkte zuführt; die rastlose Thätigkeit von Tausenden, die so friedlich, so verträglich unter der göttlichen Freiheit Banner Glück und Segen sucht und findet. Ja, es ist ein erhebender Anblick, diese Palläste Hunderte von Meilen sich an einander reihen zu sehen, wenn man an die Zeit zurückdenkt, wo das ganze Thal ein endloser Sumpf gewesen. Und diese Zeit habe ich in meinen jungen Tagen gesehen.

Es war ein heiterer Morgen, der uns zwanzig Stunden nach unserer Abfahrt in die Hauptstadt unseres Staates brachte. Wir waren bei der Schwester Menou's abgestiegen. Ich eilte so eben zu dem wahrhaft ehrwürdigen Pater Antoine und dem nicht minder ehrwürdigen Rector, als ich an der Ecke der Kathedrale mich am Arme ergriffen fühlte.

So eben recht, Richards, sprach ich; willst du mich im Merchants-Coffeehouse erwarten? Ich bin in einer kleinen Viertelstunde dort.

Aber warum diese Eile?

Frage nicht und warte.

Wir schieden. Vater Antoine lächelte und der gute Rector auch, als ich sie zu Madame beschied. Ich eilte, um Richards abzuholen.

Weißt du, daß Clara schrecklich mit dir zanken wird; du magst dich nur zusammennehmen. Arthurine Macpherson ist ein ganz herrliches Geschöpf, und sie hält viel auf Clara.

Ja, weißt du, daß ich im Ernst gesonnen bin, mein Hagestolzthum aufzugeben?

Wohl, wir wollen sehen; wenn du dich gut aufführst, so — wollen wir dich ein zweites Mal —

Prellen, dachte ich. — Wir waren an der Thürschwelle angekommen. Mein alter Freund sah ein wenig betroffen darein, als er Louisen erblickte, und Vater Antoine und der Reverend ihre Glückwünsche begannen. Ich lächelte ein wenig boshaft, und in wenig Minuten war ich der glückliche Gatte Louisens.

Christophorus Bärenhäuter
im Amerikanerlande.

Die folgende Geschichte ist aus dem Archive von Toffelsville gezogen, welches Archiv von den wißbegierigen Reisenden bis auf den heutigen Tag in besagtem Toffelsville No. I, der Residenz von Barthel Bärenhäuter, dem ehelichen Descendenten von Christoph Bärenhäuter, eingesehen werden kann und mag. Wir referiren zu den zwei letzten Seiten der Familienbibel, unter welcher das besagte Archiv verstanden ist, und welche Familienbibel, 1618 zu Nürnberg gedruckt (demselben Jahre, in welchem der famöse dreißigjährige Krieg ausgebrochen), schon durch ihr respectables Ansehen und ihre Schwere (sie ist mit messingnen Klappen, man könnte sagen, in Erz eingebunden) jeden leichten Zweifel niederzuschlagen vollkommen geeignet ist.

Die Quellen unserer Geschichte sind daher über jeden Verdacht erhoben, und ihre Authenticität wird noch mehr durch den Umstand erhöht, daß ein Extrakt von dem mehrerwähnten Archive seinen Weg, durch welche Mittel, ist uns unbekannt, in das Magazin eines westlichen Predigers[10], nun bedauerlichermaßen verblichen, gefunden hat. Wir sagen bedauerlichermaßen, weil der besagte achtbare Prediger in diesem seinem verblichenen Magazin und andern Schriften, unter denen wir nur die westliche Geographie nennen, ein Licht über die Entstehung und den Fortgang der Niederlassungen jenseits der Alleghanygebirge verbreitet hat, das mehr Belehrung über diese interessanten Staaten gewährt und gründlichere Forschungen enthält, als die fünfhundert Reisebeschreibungen sämmtlicher Europäer zusammen genommen, die unserm Lande und dessen Bewohnern die Ehre erwiesen, dieselben zu schildern, nicht wie sie sind, sondern wie sie beide gerne haben möchten, um ihren respectiven Allerhöchsten Patronen und deren loyalen Unterthanen weniger Herzklopfen zu verursachen.

[10]: Flint, der zehn Jahre Prediger im Missisippithale gewesen.

Erstes Capitel.

Wie Christophorus Bärenhäuter und Jemima O Dougherty zwei rothe Kolben gezogen.

Ja, theurer Leser, solltest du ihrer einst überdrüssig werden, dieser unruhigen, revolutionairen, reformirenden, protokollirenden Welt, dann gehe hin und lasse dich nieder in dem gesegneten Toffelsville, diesem lieblichsten aller Dörfchen — Stadt sollte ich sagen[11], mit seinen fünfzehn Häusern, zerstreut über einen Flächenraum von etwa zwei Meilen, und seinen blauäugigen Blondinen, die alle, du siehst es im ersten Augenblick, einem und demselben Großpapa angehören. Es ist ein bischen weit hin, lasse dich jedoch dieß nicht anfechten, wo es sich um die Ruhe deiner Tage handelt. Wir mögen so gerne freundliche, ruheliebende Gesichter um uns her sehen; und um dir zu beweisen, wie sehr wir dein Wohl am Herzen tragen, so wollen wir dir eine Beschreibung dieses lieblichen Toffelsville mit auf den Weg geben, und zum Ueberflusse die Geschichte ihres Gründers Christophorus Bärenhäuter obendrein.

[11]: Stadt sollte ich sagen, eine Anspielung auf die amerikanische Gewohnheit, selbst das kleinste Oertchen Stadt zu nennen.


Es ist nicht hundert Meilen vom Zusammenflusse des Alleghany und des Monongehala eine paradiesische Flußniederung, oder, wie wir es in der Landessprache nennen, ein Bottom, auf allen Seiten vom Flusse und den Flußbergen eingeschlossen. So malerisch springen diese in den belle rivière, wie die Messieurs les Français den Ohio bekanntermaßen tauften, als ob sich die Natur in einem ihrer wunderlichen Einfälle recht so vorgenommen hätte, hier dem Müden ein trauliches, Menschenhändeln unerreichbares Versteck aufzubauen. Die Rücken und Anhöhen der sanft sich wölbenden Berge sind bekleidet mit einem üppig frischen Wuchse hundertjähriger Sycamores[12], Buchen, Wallnußbäume und Akazien, alle verwoben durch die wilde Rebe, die so einen deliciös duftenden meilenlangen Baldachin bildet. Im Vordergrunde wälzen die beiden erwähnten Flüsse, in den Ohio vereinigt, ihre ruhigen Gewässer gleich Zwillingsschwestern dahin, mit hie und da einem Boote, das sanft auf seiner Oberfläche fortgleitet, oder einem Dampfschiffe, das pfeilschnell hinfliegt, und alle die wilden Bewohner der Buchten, Gänse und Enten, in Schwärmen aus ihren, von einer Thränenweide oder einem Sycamore überschatteten Verstecken aufjagt. Bloß ein einziger Pfad führt zur Oberwelt, auf dem man in sanften Windungen zum Hochlande gelangt, wo Engländer und Irländer, und Deutsche und Schotten, und alle Sorten und Abarten sich diese sechszig Jahre zusammengenistet, geheirathet und wieder geheirathet, und so in eine republikanische Brut sich verschmolzen haben, so ruhig, so friedliebend, als wenn sie das sine qua non eines loyalen Berliners: Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht, statt ihrer zehn Gebote adoptirt hätten.

[12]: Sycamores, Plantanen.

Wenn wir den Ausdruck gebrauchen, »in eine republikanische Brut verschmolzen,« so wollen wir dadurch nicht bedeuten, daß aller Stammunterschied bereits gänzlich aufgehört, und die ganze Sippschaft gleichsam wie durch den Schmelztiegel in ein Totum gebracht sei; nein, einen solchen prinziplosen oder, deutsch zu reden, allen Grundsätzen schnurstracks zuwiderlaufenden Wankelmuth lassen wir uns nimmermehr zu Schulden kommen, und du magst noch immer, lieber Wanderer, wie oben gesagt, den Schattirungen dieses multifariösen Ursprunges beim ersten Anblicke auf die Spur kommen. Das deutsche Kindeskind hält noch immer fest zu seinem Sauerkraut, zieht noch immer sein Blockhaus[13], rauh und schlicht wie er selbst, dem elegantern framehouse[14] vor; die Lieblingsfarbe seines breitschößigen Rockes ist noch immer hellblau; Strümpfe desgleichen, mit hochrothen Zwickeln; auf seinen runden Schuhen prangen unverrückt an Wochentagen seine messingenen, am Sonntage die Silberschnallen, mit dem dato A. D. 1700 verziert, und seine Söhne wandeln, wie früher ihre Väter, in bocksledernen gelben oder gelb gewesenen Inexpressibles einher, am Knie mit ledernen Riemen zugebunden.

[13]: Blockhaus, ein aus gezimmerten Baumstämmen aufgeführtes Haus.

[14]: framehouse, buchstäblich ein Gerüsthaus; das Gerüste ist nämlich von Holz und die Wände sind mit Kalk und Steinen ausgefüllt.

Die Tyrannin Mode, oder, wie wir sie nennen, Fashion, hat hier nur wenig Gelegenheit gefunden, ihr Reich zu erweitern, und ein simpler Stroh- oder Seidenhut, mit einer noch simplern, selbstfabrizirten — Robe läßt sich so ein Ding unmöglich nennen — sind alle die Netze, in denen die klugen Väter es den Fräuleins gestatten, ihre ländlichen Beaus einzugarnen.

Trotz des verstockten Widerstandes dieser starrköpfigen Deutschmänner einer-, und des schnellen Fortschreitens ihrer anglo- und hiberno-amerikanischen Mitbürger andererseits, leben doch die verschiedenen Parteien in vollkommenem Einverständnisse; ja, diese Verschiedenheiten tragen vielleicht nicht wenig bei, ihrem ganzen Leben und Weben einen gewissen Reibereiz, wenn ich mich so ausdrücken darf, zu geben, der nirgends schärfer und angenehmer hervortritt, als bei ihren Lustbarkeiten, gemeinhin frolics genannt, zu denen sie sich nichts weniger als ungerne herbeilassen, um eine halbe, und zuweilen auch eine ganze Nacht hindurch sich ganz artig herumzutummeln, und dann einen halben Monat eben so artig darüber Glossen zu machen, just wie wir es im haut-ton auch thun.

Viel ließe sich über diese frolics, zu deutsch Lustbarkeiten, sagen; für jetzt können wir jedoch in kein näheres Detail dieser wichtigen Angelegenheiten eingehen. Eine derselben jedoch dürfen wir nicht mit Stillschweigen übergehen, zumalen dieselbe so innig mit unserer Relation verbunden und gewissermaßen ein Hauptbestandtheil derselben, ja noch mehr, der Grund und die Veranlassung zu dem von uns zu referirenden Begebniß ist. Wir sagen, zu referirenden Begebniß; denn unsere Autorität ist keine geringere Personnage, als einer der werthen Abkömmlinge unseres Helden, und unser Bericht daher ganz so authentisch, wie es Tausende unserer offiziellen Berichte nur immer sein können.

Die frolic, die wir näher zu beschreiben gedenken, ist eine vulgo Cornhusking-frolic[15] genannt.

[15]: Cornhusking-frolic, Wälschkornaushülsensfröhlichkeit, wird auf dem Lande durchgängig gefeiert. Die Nachbarn vereinigen sich und hülsen gemeinschaftlich aus; häufig beschließt ein Tanz die Arbeit.

Aber was ist eine Korn-, oder, deutlicher zu reden, eine Wälschkornhülsensfrolik? Nichts über eine klare, richtige Definition; sie ist die Seele der Logik, und diese der Philosophie, wie weltbekannt. Nun denn, eine Cornhusking-frolic ist eine Versammlung von jungen Bürgern dieser unserer vereinten Staaten, und, nicht zu vergessen, Bürgerinnen, die zusammenkommen, um das Korn auszuhülsen. — Du magst sie, lieber Leser, an schönen, heitern Herbstabenden sehen, wie sie von allen vier Weltgegenden her einem Punkte zuströmen, über Zäune, und die sind wahrlich bei uns kein Kinderspiel, wegsetzen, durch Busch und Hecken dringen, und schließlich aus der Wildniß hervorbrechen, mit Backen roth wie der Vollmond, der so eben seine Dunstatmosphäre verläßt, um dann einander die Hände zu schütteln, daß die Gelenke krachen, und sich ganz ruhig unter und vor dem Dachvorsprunge nieder zu lassen, im Vordergrunde einen Berg von Wälschkornkolben und im Hintergrunde den alten Bambo, der die Festivität mittelst seiner musikalischen Bestrebungen zu krönen bestimmt ist, bis jetzt sich aber noch auf der Ofenbank einem etwas lauten Schlafe überläßt.

Und nun, lieber Leser, beliebe alle diese verschiedenen Umstände deinem Gedächtnisse, und noch besser, deiner Phantasie einzuprägen, und du wirst ein point de vue haben, von welchem dir unsere Relation nicht nur klar und verständlich, sondern selbst unbezweifelt und unwiderlegbar erscheinen wird.

»Es ist,« so beginnt meine authentische Quelle, »wohl an die vierzig Jahre, daß ein Kornhülsen in dieser Niederlassung, und zwar bei Jockel Blocksberger, abgehalten wurde. Der jungen Leute gab es damals noch nicht so vollauf, wie in diesen unsern fabrizirenden Tagen, und um ein respectables Kornhülsen zu feiern, hatten die Jungens und Mädchen einen Weg von fünf und mehr Meilen zu laufen.« Bei dieser Gelegenheit, versichert unser Dokument und Informant (denn wir haben beides, mündliche und schriftliche Ueberlieferungen), liefen sie wirklich diesen langen Weg, und viele noch weiter.

»Unter denen, die in Folge geschehener Vorladung sich an diesem Abende einfanden, waren ihrer vorzüglich zwei, die mit nicht geringer Ungeduld erwartet und mit großer Freundlichkeit begrüßt wurden. Das erste dieser ungeduldig erwarteten Individuen war eine frische irische Miß, mit dem sonoren Namen Jemima O Dougherty, ein rundes, liebes Ding, so lebendig und so schelmisch, als je eines seit Menschengedenken in den Hinterwäldern kokettirte, mit einem schalkhaften Gesichtchen, lieblich von Rosen angehaucht, einem Schwanennacken und Busen, der schreckliche Herzklopfen und selbst Wehen verursachte, graublauen Augen, die ihre Pfeile weit richtiger abschossen, als der berüchtigte Tecumseh[16] seine Kugeln, nicht zu erwähnen einer kleinen Habichtsnase, ein bischen aufgestutzt, die eine große Portion irischer Lebensklugheit, und eine noch größere irischer Keckheit und Starrsinnes vermuthen ließ, wie diejenigen, so das Glück hatten, mit ihr in nähere Berührung zu kommen, ziemlich vernehmlich zu wispern pflegten. Ihren eigenen leiblichen Vater, den alten Davy O Dougherty, kupfernasigen Andenkens, sah man oft und bedenklich den Kopf schütteln. Armer Tropf! Wohl hatte er vollwichtige Ursache dazu, er, der alle die Tage und Stunden seit seiner gesegneten Einsegnung mit seiner Ehehälfte, einer Flaherty, Pantoffelheld gewesen, wie es ein Katholik in der grünen Insel nur immer sein konnte; der gute Mann hatte jedoch dieses Pantoffelregiment mit wahrhaft christlicher Geduld ertragen. Armer Narr! er tröstete sich immer, sein Beugen unter den Pantoffel seiner Ehehälfte würde ihm zu einigem Verdienste in Anbetracht der Unmöglichkeit angerechnet werden, in dem er sich erwiesenermaßen befand, den Pantoffel Sr. Heiligkeit, dieses Desideratum jedes frommen Katholiken, zu küssen. Wie dem auch sei, der Geschichten und Geschichtchen auf seine Unkosten gab es viele; da wir es aber unter unserer Würde halten, Geschichten von einem alten armen irischen Teufel zu erzählen, so wollen wir sie mit Stillschweigen um so mehr übergehen, als Gegenstand derselben den Weg alles Fleisches gegangen. Ja, armer Narr, er ist im Schooße Abrahams oder sonst irgendwo, diese vielen Jahre. Eines seiner Sprichwörter können wir jedoch nicht umhin zum Frommen aller Ehemänner zu erwähnen, die in einem ähnlichen Prognosticon sich befinden. Oft hörte man ihn klagen, daß sein Weib halsstarriger geworden, sobald sie den Fuß auf den Boden der Vereinigten Staaten gesetzt, und daß dieses Land der Freiheit ein wahrer Himmel für Weiber, ein Fegefeuer für Liebhaber, und die Hölle selbst für Ehemänner und Pferde sei.

[16]: Tecumseh, der berühmte Häuptling der Shawneese-Indianer.

Doch kehren wir wieder zu unserer Miß Jemima O Dougherty zurück. Besagtermaßen war sie ein wohlgemachtes, niedliches Ding, zum Verlieben just recht; nicht ganz so geduldig wie Job, aber eben so arm; doch trotz des Defektes zeitlicher Güter wußte Jemima O Dougherty es immer so einzurichten, daß sie zu großem Vortheile, ja zu solchem Vortheile erschien, als selten verfehlte Eindruck zu machen, und, was mehr sagen will, alle die Nuancen ihres Habillement waren richtig und immer, trotz gerümpfter Nasen und scheelsüchtiger Blicke, bisher nachgeahmt worden. Sie war ohne Widerrede die fashionable belle, und, zu ihrem Ruhme sei es gesagt, sie hielt sich auf ihrem kritischen Posten mit mehr Umsicht, als mancher Premier oder Souverain sich auf dem seinigen.

Bei gegenwärtiger Gelegenheit, sagt unsere Quelle, war sie angethan mit einem bezaubernden Negligee von geflammtem Callico, ein grünseidenes Tüchlein um den besagten Schwanenhals und Busen geschlungen, so züchtig und zugleich so liebreizend, als nicht fehlen hätte können, kritischeren Beaus gefährlich zu werden, als die waren, welchen die Ehre ihrer Gesellschaft für besagten Abend zu Theil werden sollte.

Dieß denn war die erste Hauptperson. Die andere war ein Mister Christophorus Bärenhäuter, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, der reiche Toffel, ein Junge, sechs Fuß, sechs Zoll hoch, dem Anscheine nach etwas lose in seinen Gliedmaßen und ungeschlacht, aber zäh, ledern und nervig, trotz Einem; langsam in jedem seiner Schritte, mit einem Vacuum in seinem Gesichte, und einem Maule, das einer holländischen Yacht auf ein Haar glich. Nebst diesen körperlichen Vorzügen — und sie waren nicht zu verachten, da er der Mann war, in offenem ehrlichen Kampfe irgend einen durchzubläuen, er mochte nun englisch, irisch, schottisch oder deutsch sein, — besaß Toffel Bärenhäuter einen lieblich anzuschauenden Hof von dreihundert Ackern, die obenerwähnte Ohio-Thalweite, mit einer steinernen Scheuer, grünen Jalousien und einem roth angestrichenen Schindeldache. Zwar war sein Wohnhaus nur aus gehauenen Baumstämmen ausgeführt, vierzig Fuß lang, bei vier und zwanzig breit: aber die Umgebungen waren um so gewichtiger, nämlich fünf Schweineställe, zwei Wälschkornbehälter, ein steinernes Wasserhaus — wir halten es für unerläßlich, in unserm Inventar genau zu sein — und vier Hühnersteigen. Das war jedoch nicht Alles; sein verstorbener Vater hinterließ ihm nebst den erwähnten Immobilien verschiedene Mobilien, und unter diesen zwei gewaltige Truhen, blau bemalt, mit einem weißen, roth eingefaßten, blumenverzierten Quadrate auf dem Deckel, enthaltend die Inschrift A. D. 1684. Beide Erbstücke waren herübergebracht vom Schwarzwalde, und mit so vielen Stücken Leinwand angefüllt, daß leicht die ganze Niederlassung mit hanfener Wäsche hätte versehen werden können, nicht zu gedenken einer Varietät von Röcken, die sich gleichfalls in diesem Reservoir befanden. Was wir jedoch vorzüglich berichten müssen, sind zwei wollgestrickte Strümpfe, an der Ferse abgeschnitten, mit ledernen Riemen an beiden Enden zugebunden, und doppelt so viele spanische Dollars enthaltend, als er Acker sein nannte.

Diese collateralen Umstände zusammengenommen, so war Christophorus Bärenhäuter, man wird eingestehen, keine so ganz unwichtige Personnage, so wenig, daß er von den sorgsamen Müttern, nicht allein der Niederlassung, sondern des ganzen Townships[17], für die beste Partie angesehen wurde. Langsam und unbeholfen, als er war, eine deutsche Erbsünde allem Vermuthen nach, so fühlte er seine Wichtigkeit, und wenn er auf seinem Grauschimmel bei einer Farm[18] vorbeitrabte, es war ein Thier volle achtzehn Faust hoch, ein deutsches Lied sich pfeifend, der Yankee-Doodle war damals noch nicht in Aufnahme, dann schlug manches Blondinenherz lauter, und ihre Augen schwammen beim Anblicke Toffels und seines gewaltigen Streithengstes, und der unausbleiblichen Ideenassociation von seinen Aeckern und Rindern und den zwei gewichtigen Strümpfen.

[17]: Township, Stadtbezirk.

[18]: Farm, Hof, Freigut.

Dieß waren denn gewissermaßen die zwei Hauptpersonen des oft erwähnten Kornhülsens, zu dessen weiterer Beschreibung wir unverzüglich zu schreiten gedenken.

Es fügte sich nämlich, daß Jemima an die Seite Toffels zu sitzen kam. Wie dieß sich zutrug, darüber ist unsere Urkunde nicht im Reinen; so viel scheint uns jedoch gewiß, daß er an diesem Zu- oder Unfalle nicht Schuld war. Er war nämlich, wie wir bereits bemerkt, ein ziemlich großschlächtiger Geselle, und da die Bänke, auf welchen die respectable Partie sich niedergelassen, nichts weniger als bequem waren, so nahm er seinen Posten auf einem Hickorystumpen. Jemima nun ließ sich dicht an seiner Seite nieder, zweifelsohne aus dem modesten Grunde, durch seine Hoheit vor den heillosen Jungen verborgen zu werden. Ein ordentliches Mädchen wird und soll diese kitzlichen Gesellen ferne halten, und Jemmy war ein solches ordentliches Kind, und sie hielt diese Zierbengel denn ferne, ei, und das mit all ihrer Macht. Toffel nun saß gleich einem ruhigen friedfertigen Bürger dieser unserer Vereinten Staaten, Wälschkornkolben aushülsend, seines gewaltigen Rosses und anderer Rosse, seiner Rinder und Strümpfe, und tausend anderer Dinge gedenkend, ausgenommen seiner niedlichen Nachbarin. Dieß will jedoch nicht sagen, als ob diese Nachbarin auf ihn gedacht hätte; nein, bestimmt hatte Jemmy O Dougherty keine derlei sündhaften Reizungen. Ein christliches Gemüth, wie das ihrige, wird aber immer Mittel und Wege finden, ihre Absichten ehrbar durchzusetzen, und einem jungen Manne, wie Mister Christophorus Bärenhäuter, ihren Antheil durch eine jener tausend Aufmerksamkeiten zu beweisen, die zartfühlende Seelen mit einem solchen Takte und immer zur gehörigen Zeit anzubringen wissen, und die deshalb selten, oder nie ihre Wirkung verfehlen. Unsere Irin nun war ein derlei zartgestimmtes Wesen, und sie häufte daher eine gewaltige Menge von Kolben mit reger, freundlicher Hand vor ihrem Nachbar auf, so daß er, groß und ungeschickt als er war, nur seine langen Hände auszustrecken brauchte, um sie gemächlich auszuhülsen. Nun, war das nicht von der lieben Nachbarin artig? und sollte Toffel dafür nicht billig seine Erkenntlichkeit an den Tag gelegt haben? Es ist ja sonnenklar; Toffel hingegen hatte weder Augen noch Ohren für die freundliche Hand, und fuhr fort auszuhülsen, und da er ein flinker Bursche in aller Arbeit war, so verminderte sich der Wälschkornhügel zusehends, und er war wieder bemüßigt, sich zu biegen und zu strecken, was denn für einen sechs Fuß sechs Zoll langen Deutschen keine ganz erbauliche Affaire ist. Wieder fühlte Jemmy für den armen Nachbar, und obgleich ihre helfende Hand für die Mühe, die sie so großmüthig auf sich genommen, mit keinem Drucke belohnt, ja, sie keines Blickes gewürdigt worden war, so thürmte sie doch einen zweiten Hügel mit einer so reizenden Beweglichkeit auf, versichert meine Autorität, als jedermann entzückt haben müßte, der — Augen hatte. Toffel jedoch hatte keine Augen, und saß unbekümmert und unbewußt auch bei diesem zweiten Sukkurse, und wieder fuhr er fleißig mit dem Aushülsen fort, und wieder verschwand der Haufen, und wieder hatte er sich zu biegen; aber jetzt ließ man ihn lange sich biegen, ehe man sich seiner Mühseligkeit und Trübsal erbarmte. Und doch, gute Seele! konnte sie in die Länge nicht ihrem edlen Herzen widerstehen, und zum drittenmale kauerte sie sich herab, und sammelte ein paar Dutzend Kolben in so bezaubernder Art in ihre Schürze, und dann wieder auf einen Haufen vor ihn hin, daß kaum zu widerstehen war; aber doch mit all ihrer Grazie, verlaßt euch darauf, würde sie wieder dem Blicke des dickköpfigen Deutschen entgangen sein, wenn nicht ihr Auge, gerade wie sie sich so zierlich hin und her wand, dem Toffel begegnet wäre, und das ihrerseits, sagten einige böse Zungen, so ausdrucksvoll und sprechend, daß er die seinigen zum erstenmale weit aufthat, ein sicheres Zeichen, daß er sie endlich gesehen hatte.

Ich glaube nun meine Leser warnen zu müssen, daß sie nicht eine Reihe von Komplimenten und, was noch schlimmer ist, verstohlene Blicke und furchtsam verschämte Augensprache erwarten; nein, Toffel fuhr fort, sein Korn auszuhülsen, dann und wann einen Schluck Whisky, und darauf einen andern kühlenden Quellwassers zu sich zu nehmen. Nun, war das nicht ein langweiliger Geselle? Kein einziges Wort zu seiner lieblich wohlthuenden Nachbarin zu sprechen! War es ein Wunder, daß sie müde wurde, der Trägheit eines so unempfindlichen Klotzes weitern Vorschub zu leisten? Gewiß nicht. So denn, als der dritte Haufe ausgehülset war, bekümmerte sich Jemmy um Toffel Bärenhäuter nicht weiter, sondern bloß um ihr eigenes Geschäft, sammelte ein Dutzend Kolben in ihre Schürze, und ließ Toffel Toffel sein.

Edle Jemmy! wie wenig kanntest du deine Herzensgüte? Du hattest nie einen Roman gelesen, also deine Seele hatte sich nie in den Gemüthern Anderer abgespiegelt, und so warst du gänzlich unbekannt mit dem zarten Gewebe geblieben, das Nächstenliebe in dein Inneres gewoben hatte. Du konntest den langen Toffel zwar für einige Minuten mit ansehen, wie er sich abmühte und bog und bließ, aber länger konntest du es nicht aushalten. Erweichend schobst du ihm ein paar Ohren von deiner Schürze in die Hand, und fuhrst fort, ihn so einige Zeit zu unterstützen. Dieß konnte jedoch nicht ewig währen; wer sollte es nicht müde werden, für einen so Undankbaren eine doppelte Last auf die Schultern zu nehmen, und besonders ein Mädchen wie unsere Irin, die, wie alle ihre Schwestern, keine der geduldigsten war? So wurde denn diese Espece von Unterschleifen auch seltener und seltener, und Jemmy begnügte sich, mit einem nachlässigen Winke Toffel auf ihre Schürze hinzuweisen. Sonderbar, sagt unser Dokument, Toffel, der bisher statt zweier ausgehülset hatte — die Jungens trieben es auch gar zu arg mit den armen Kindern — Toffel fing plötzlich an inne zu halten, ja, das Dokument deutet nicht undeutlich darauf hin, daß seine zulangende Hand ziemlich lange Zeit gebraucht, um den gar nicht langen Weg von benannter Schürze zurückzulegen. Wie dem auch sei, Toffel fing an, sich ziemlich wohl zu befinden, und häufiger denn zuvor einen Schluck zu nehmen, als das neidische Geschick ihn auch dieses Trostes zu berauben drohte.

Es waren nämlich zwischen den übrigen Gliedern der Gesellschaft schon seit längerer Zeit Blicke gewechselt und Worte geflüstert worden, die gar nicht zur Sache gehörten, und eine ungebührliche Einmischung in die Rechte unserer zwei Individuen nicht undeutlich verriethen, eine Einmischung, die einem so zartlieblichen Wesen, wie unserer Jemima, so bewußt ihrer reinen Absichten, gar nicht angenehm sein konnte.

Arme Jemmy, wie bedauern wir dich! Nicht genug, deine edlen Hülfsleistungen den halben Abend hindurch an einen unempfindlichen Staarblinden weggeworfen zu haben, hast du auch noch den Undank, für deine Bemühungen scheelsüchtig angesehen zu werden. Doch Geduld, das Schicksal selbst wird bald zeigen, auf welcher Seite Recht und Gerechtigkeit ist.

Das Kornaushülsen hatte schon geraume Zeit gedauert, und ein paar Stunden waren wie Minuten verflogen, als das Schicksal es haben wollte, daß die beiden Nachbarn zugleich einen rothen Kolben zogen. Nun sei es kund und zu wissen gethan, daß es der hochlöbliche Gebrauch in diesen unsern Vereinten Staaten ist, daß zwei rothe Kolben, gezogen und ausgehülset von zwei Individuen, qualificirt wie Jemima O' Dougherty und Christophorus Bärenhäuter waren, daß ein solcher Zug dem Stärkern das Recht ertheilt, dem Schwächern nichts mehr noch weniger, als einen Kuß zu geben, oder, nach Umständen, auch zu nehmen. Christophorus Bärenhäuter hatte daher einen so guten Rechtstitel zu seinem Privilegium, als es nur irgend einen geben kann; aber bei einem Haare hätte er ihn verloren, so wie manche Rechtstitel verloren werden. In der That hatte er bereits seinen rothen Kolben ausgehülset fallen lassen, als Jemmy, wackeres Mädchen! Augen für ihn hatte. Zwei rothe Kolben! rief sie in naiver Bewußtlosigkeit und gerade noch zu rechter Zeit. Zwei rothe Kolben! ertönte es aus fünfzig Kehlen, und die ganze Gesellschaft sprang auf die Beine, als ob der thunder und blixen unter sie gefahren wäre; selbst unser Toffel nicht ausgenommen, obgleich er der Letzte war. Allmälig begann er die Ursache des Aufruhrs zu begreifen, und sich in die Stellung zu postiren, die ihm die bestgeeignete zur Versicherung und Erlangung seines ihm anheim gefallenen Rechtstitels schien. Dieß war jedoch keine leichte Sache. Ob die Schönen ein schlimmes Vorgefühl von den Wirkungen hatten, die ein solches sündhaftes Aneinanderpressen der Lippen hervorzubringen pflegt, Partikeln des menschlichen Leibes, die zu ganz anderen Endzwecken bestimmt sind, als denen des sündlichen Küssens, oder ob der Neid sein Spiel trieb: gewiß ist es, die weibliche Schar formirte ein Quarré, das einem ganzen Bataillon städtischer Zierbengel Trotz geboten haben würde. Toffel jedoch, der rüstigste Junge des Townships, war nicht der Mann, der sich durch eitle Demonstrationen zurückhalten ließ; kühn, obgleich langsam, rückte er auf die Verschworenen los, faßte gemächlich eine und die andere seiner Gegnerinnen, warf sie auf einen Hülsenhaufen zur Rechten, disponirte mit einem halben Dutzend anderer auf einem zweiten zur Linken, und bahnte sich so den Weg zu Jemmy O' Dougherty, die er, trotz alles Sträubens und Zwickens, erfaßte. Wacker, das müssen wir zu ihren Ehren gestehen, vertheidigte sie sich; jedoch die stärkste Festung muß endlich übergehen, und so übergab sich auch unsere Irin, und wurde ruhiger und ruhiger, so ruhig, daß sie Toffel ungehindert seine zollbreiten Lippen auf die ihrigen drucken ließ, obgleich, da derselbe nun vom ganzen weiblichen Korps angefallen wurde, sie leicht einem so sündhaften Contakte hätte ausweichen können. Einige der neidischen Schönen wollten bei dieser Gelegenheit sogar bemerkt haben, daß Toffel bereits auf dem Rückzuge begriffen gewesen, als sie ihm noch einmal ihre rosigen Lippen darbot; unser Dokument erwähnt jedoch nichts von einer derlei Anerbietung, und wir halten uns daher berechtigt, solche Zumuthung als ehrenrührig, ja verleumderisch zu erklären.

Wir müssen nur recht sehr bedauern, daß unser Dokument der weitern Bewegungen unserer respectablen Gesellschaft auch mit keiner Sylbe gedenkt, und uns so eine beneidenswerthe Gelegenheit raubt, unsere schönen Leserinnen mit einigen neuen pas oder einer Gallopade bekannt zu machen. Unsere Autorität bemerkt bloß, daß Toffels Seelenruhe bedeutend erschüttert worden war, und daß er nach dem Frolic, worunter auch der Tanz zu verstehen, nicht schlafen konnte, und daß er zum erstenmale in seinem Leben einen Traum hatte, er, der zuvor nie mit Träumen weder schlafend noch wachend geplagt gewesen.

Wenn wir sagen, daß Toffels Gemüthsruhe bedeutend erschüttert worden, so wollen wir dadurch keineswegs bedeuten, daß er umherging und den Namen Jemima O' Dougherty in jeden Hickorybaum einschnitt, oder die Schäferflöte blies, oder sonst irgend einen Unsinn trieb, wie die Helden Theokrits, Virgils und Geßners allzuoft thaten; nein, Toffel ließ sich nichts derlei in den Sinn kommen, und zwar aus neun und neunzig Ursachen. Was das Einschneiden seines Namens betrifft, so konnte er bloß deutsch schreiben, und das kümmerlich genug; Jemima hätte daher ihren werthen Namen und Lobschrift nicht lesen können. Und wegen des Flötenblasens, so war in der ganzen Niederlassung kein solches Ding, Flöte benannt; der ganze Vorrath von musikalischen Instrumenten bestand in einer Geige mit zwei Saiten, die dritte war bei der erwähnten Kornhülsenfrolic bei Jockel Blocksberger drauf gegangen; und eine Geige, das werden meine Leser sammt und sonders eingestehen, ist keineswegs poetisch, im Gegentheil; — und so fuhr denn Toffel, in Ermangelung all dieses sentimentalen Stoffes, fort, seine Aecker zu pflügen und seinen Weizen zu säen.

Und Jemmy? Je nun, sie war ein gescheides Mädchen, was unsere Leser bei dieser Zeit gar nicht mehr in Abrede stellen werden, und sie wußte, daß der Weizen nicht in einem Tage reife, und daß Geduld und Arbeit und Zeit das Maulbeerblatt umwandle ins Seidenkleid; und sah sie Toffel bei seinem Pfluge, so lachte sie ihm laut ins Gesicht, und spielte mit den Mähnen seines Grauschimmels, und warf dann und wann einen Seitenblick herüber auf den Deutschen. Und während Toffel seinen Weizen und Roggen in seine Aecker säete, säete sie den ihrigen in sein Herz, und beide gediehen und wurzelten und wuchsen, trotz Unkrautes auf der einen Seite, und Vorwürfe und Vorstellungen seiner Basen auf der andern; er sollte ja seiner Familie keine solche Schande anthun, und eine Irische heimbringen, die in der weiten lieben Welt nichts hätte, als eine glatte Haut und eine noch glättere Zunge. Hat je einer so etwas in seinem Leben gehört? Wahrlich, wir sind herzensfroh, daß — — Doch ferne sei es von uns, aus der Schule zu schwatzen.

Die respectiven Saaten wuchsen denn und gediehen, wie wir bereits erwähnt haben, und als sie so eine Weile, trotz alles Unkrautes und Widerspruches fortgewachsen waren, so sattelte einst Toffel an einem schönen Decemberabende seinen Grauhengst, und trabte aufwärts den Windungen nach, die damals und noch heut zu Tage von Toffelsville durch die Ohioberge nach dem Oberlande führen.

Lieblich waren die stattlichen Höfe anzuschauen, die Toffel auf seinem Ritte passirte. Manches frische und, was mehr sagen will, vermögliche Mädchen trieb ihr Wesen in diesen rauh aussehenden, aber wohnlichen Mitteldingern zwischen Häusern und Hütten; von manchem schönen Munde tönten ihm die Worte entgegen: Toffel! wohin des Weges so spät? Willst du nicht herein? Doch Toffel hatte weder Augen noch Ohren und ritt weiter; und die Höfe wurden allmälig ärmlicher, bis er endlich auf eine Strecke Landes kam, die mit Kastanieneichen überwachsen war, wo ihn seine Geduld zu verlassen drohte. Er konnte nämlich diese Baumgattung, die er als einen Auswuchs des unfruchtbarsten Bodens, und zwar mit Fug und Recht, betrachtete, nie ohne Widerwillen ansehen. Und doch, Toffel, trabst du immer weiter! Bist du denn so ganz unempfindlich für weltliche Güter, so zwar, daß du dich von den bewußten Schelmenaugen bezaubern lässest, dieser lieblichen Hexe, die der T—l selbst nicht zähmen könnte, die Vater und Mutter mit vieler Grazie zu plagen und mit noch mehr zu peinigen weiß, die, wie eine Katze, schmeicheln und zugleich kratzen, weinen und lachen, Alles in derselben Minute, ja in demselben Athem kann. Bedenke doch, lieber Toffel! halte ein auf deiner Pilgerfahrt! Feuer und Wasser, Whisky und Sauerkraut, Wälschkornkuchen und saure Milch, wie sollen diese sich vertragen? Wir halten es für unsere Pflicht, für unsern Toffel zu denken, da er selbst nie ein großer Denker war, und ihm gütig zu zeigen, was er zu thun hatte, just so wie manche Zeitungs-Redactoren in ihrer preßfreiherrlichen Qualität für unerläßlich halten, Ministern klar und bündig darzuthun, was sie thun und nicht thun sollen, ein halbes Jahr, nachdem die Sache gethan ist. — Doch wo ist unser Toffel? Nun, da finden wir ihn wieder auf dem dürren Hügel von Kastanieneichen, und zwar vor einem, wie sollen wir es nennen — Bauwerke, das aus den Indianerkriegen herzustammen scheint. Toffel schüttelt sein Haupt bedenklich; es ist des alten Davy O' Dougherty Haus, und ein armselig gestaltetes Haus ist es, man mag es aufs Wort glauben. Regen und Wind haben freiern Zugang in dasselbe, als die Bewohner selbst; dieß ist jedoch nicht die schlimmste Seite in Toffels Augen; ist ja sein Haus selbst nur aus Stämmen aufgezimmert. Aber dann seine Scheune? Sie sieht aus wie ein Schloß, verglichen mit denen seiner Nachbarn; und Davy O' Dougherty hat nicht einmal eine. Seine Umzäunungen! es ist eine Sünde und Schande sie anzusehen. Ja, sein Hof ist ein armseliges Gemälde irischer Betriebsamkeit: kein Gaul, kein Pflug; sein ganzes Agrikultursystem beschränkt sich auf ein paar handbreite Streifen von Kartoffeln und Wälschkorn.

Toffel warf einen langen, bedenklichen Blick auf Davy's unbewegliche Güter, und schüttelte seinen Kopf stärker und stärker, und pausirte. Unglücklicherweise war seine Hand bereits auf der hölzernen Klinke; die Thüre ging auf, und, was konnte er Besseres thun? — er mußte hinein. So eben saß der alte Davy O' Dougherty mit seiner Ehehälfte, einer rothäugigen, schielenden Matrone, und beinahe einem Dutzend rothköpfiger kleiner Ungeheuer — Jemmy nicht mit einbegriffen versteht sich — über seinem Thee und Kartoffeln und Wälschkornkuchen; Toffel drückte seinen Hut ein bischen stärker über die Stirne, nahm einen Stuhl, und postirte sich vor das Kamin. Ausgenommen eine leichte Röthe, die Jemmy's Gesicht überflog, und ein pfiffiges Blinzeln von Seite der Mama, trug sich in der ersten Viertelstunde nichts besonderes zu, und unser Held dürfte ziemlich lange vor dem Steinkohlenfeuer gesessen haben, wenn er nicht ein deutscher Mann gewesen wäre; da er jedoch ein ächter deutscher Mann war, und somit seine Geruchsnerven nicht wenig durch den Steinkohlendunst und die aus dem Theekessel und von den Kartoffeln und Gurken sich entwickelnden Dämpfe ins Gedränge kamen, so erhob er sich zweifelsohne, um eine weniger von Dünsten geschwängerte Atmosphäre zu suchen. In diesem Unternehmen jedoch war er unangenehmer Weise durch einen seiner Füße prokrastinirt, der so unglücklich war, sich in den ziemlich vom Zahne der Zeit benagten Teppichen zu verfangen, und der, so zurückgehalten, dem andern nicht nach wollte, was denn zur unausbleiblichen Folge hatte, daß Toffel der Länge nach auf den Boden hintaumelte, und nahe daran war, das Tischtuch und den ganzen Reichthum des alten Davy in Fayence mit sich zu nehmen. Jemmy brach in ein lautes Gelächter aus, sprang auf und schlüpfte in die Küche.

Toffel richtete sich mühsam auf, blickte auf die verwünschten Oeffnungen in den Teppichen, kratzte sich im Kopfe, sah dann den alten Davy, und seine Ehehälfte, und schließlich die Thür an, durch welche er in sein gegenwärtiges Dilemma gekommen, ohne die zweite, nämlich die Küchenthür, durch welche Jemmy verschwunden und durch die er in ein vielleicht noch verwickelteres einzugehen so eben im Begriffe war, auch nur eines Blickes zu würdigen. Er pausirte lange; nochmals sah er auf die Hausthür, und vielleicht hätte sein guter Genius obgesiegt; aber in diesem entscheidenden Momente öffnete sich die verwünschte Küchenthür, und Jemmy's Schwanenhals streckte sich dazwischen, und dieß entschied. Toffels rechter Fuß bewegte sich unwillkürlich, dann sein linker, und schließlich schob sich Christophorus, ganz wie er leibte und lebte, durch die Thür vor's Küchenfeuer, dem gewöhnlichen rendez-vous für alle derlei wohlbewußten Affairen. Jemmy stöberte unterdessen zwischen und unter den Töpfen, Kesseln, Zubern, Aepfeln und Pfefferfestons herum, wahrscheinlich, weil sie nichts Besseres zu thun hatte. Da jedoch die Küchengeräthe von Mistreß O' Dougherty in einem nur zu genauen Verhältnisse zu ihres Mannes Agrikulturutensilien standen, so konnte ein derlei Herumstöbern nicht ewig dauern, und da sie es endlich überdrüssig war, mit den drei Töpfen und Kesseln sich zu unterhalten, so setzte sie sich gleichermaßen vor das Kaminfeuer an die Seite Toffels hin.

Nun wollte ich wetten, einige meiner schönen Leserinnen werden arger Weise vermuthen, daß ein solches Beisammensitzen verschiedene Bewegungen und Rührungen zur Folge gehabt habe, als da sind: Händedruck und Erröthen und Seufzen und Herumschlagen des Armes um den Nacken, und derlei Albernheiten. Wir protestiren jedoch feierlichst gegen alle solche süße Regungen, für welche beide, die anregenden und die angeregten, die Ruthe tüchtig empfangen sollten. Nein, Toffel war ein ganz anderer Mann, wie wir bald ersehen werden.

Eine Viertelstunde mochte bereits verflossen sein, und noch war kein unziemlicher Gedanke ihm durchs Gehirn oder über die Zunge gekommen. Die einzige Freiheit, die er sich erlaubte, bestand darin, daß er seinen mannigfaltigen Hut auf das rechte, und dann auf das linke Knie, und zur Abwechslung wieder auf das linke und dann auf das rechte hing. Zuletzt jedoch faßte er Muth, und, seiner Nachbarin starr in's Gesicht schauend, fragte er sie englisch (Toffel hatte bereits englisch gelernt, wie unsere Leser sehen werden): »Weder she wouldnd hab him for a hosband?« (whether she would'nt have him for a husband?)[19] Die Antwort auf diese wichtige Frage, obwohl keine dritte Mittlersperson zugegen war, hat unser Dokument buchstäblich aufbewahrt. »Are you crazy,« erwiederte sie; »what should I do with a Dutchman?«[20] Harte Worte! wirklich harte Worte, besonders wenn ausgesprochen von einem spitzen irischen Mäulchen. Armer Toffel! du kanntest die Arglist der kleinen Hexe nur allzuwenig, die feilschend erst ihre Waare, nach der doch alle ihre fünf Sinne gelüsteten, herabzusetzen gedachte, um sie dann desto wohlfeileren Kaufes zu erlangen. Was sollte ich mit einem Deutschmanne thun? Denkt nur eine solche Frage, und von einem solchen Dinge, als Jemima O' Dougherty, zu einem Manne wie Toffel, sechs Fuß sechs Zoll hoch, mit dreihundert Ackern und zwei vollen blaugewirkten Strümpfen! Gerade als ob du irgend ein Dandy[21] von Broadway, oder ein Paddy[22] gewesen wärest, herübertransportirt in der Steerage[23] in diese unsere Vereinten Staaten, zum Leidwesen unserer tausend und einen Temperanz-Gesellschaft. Ehekandidaten sammt und sonders! Gedenkt dieser Worte, und sollte euch je bei einem ähnlichen Vorfalle eine gleiche oder ähnliche Antwort zu Theil werden, dann pausirt; pausirt aber nicht vor dem Küchenfeuer, sondern in euerm Ansinnen, und reitet des Weges, den ihr gekommen seid.

[19]: Ob sie ihn nicht zum Ehemann haben wollte.

[20]: Seid ihr närrisch? Was sollte ich mit einem Deutschländer thun? — Dutchman, obgleich es einen Holländer in der englischen Sprache bedeutet, wird gemeinhin auf jeden Deutschen angewandt.

[21]: Dandy, ein Stutzer.

[22]: Paddy, Diminutiv von Patrik; die Irländer werden spottweise Paddy's, von ihrem Schutzpatrone, genannt.

[23]: Steerage, Passagier, Verdeckpassagier.

Toffel Bärenhäuter war ganz und gar kein stolzer Junge, aber die fragende Antwort hatte ihn aus dem Concepte gebracht, und, seiner Würde bewußt, richtete er sich klafterlang in die Höhe, schob seinen Hut über die Ohren, ein wenig mehr über's rechte, und noch einmal in der Küche umherschauend, schickte er sich an, selber, und somit allen seinen Heirathsplanen, Lebewohl zu sagen, als die schlaue Dirne zwischen ihn und die Thüre trippelte, und, seine Hand erfassend, fragte: And if I take you, will you promise to be a good child?[24]

Eine andere verfängliche Frage, über die ein solcher Ignoramus, wie Toffel, wohl in Verlegenheit gerathen konnte; und er gerieth wirklich in diese.

Bray, erwiederte er in demselben klassischen Englisch, bray, wadd do you minn by dat? (Pray, what do you mean by that?)[25]

You are a fool, versetzte Jemmy lachend, well! I will take you and make a man out of a Dutchman.[26]

Well, well! beschloß der ehrliche Toffel, den dat is seddled (then that is settled)[27]. Und mit diesen Worten ergriff er seines Mädchens Hand, schüttelte sie, und schritt zur Küchenthüre hinaus ins Freie auf seinen Grauhengst zu, ohne auch nur eine Minute länger beim verführerischen Kaminfeuer zu verweilen. Nun? war unser Toffel bei alledem nicht ein ehrenfester Junge?

[24]: Und wenn ich euch nehme, versprecht ihr, ein gutes Kind werden zu wollen?

[25]: Bitte euch, wie versteht ihr dieß?

[26]: Ihr seid ein Narr; wohl will ich euch nehmen, und einen Mann aus einem Deutschen machen.

[27]: Wohl, wohl! so wäre denn dieß in Richtigkeit.

Den folgenden Tag hatte sein Grauschimmel eine trübe Zeit. Er mußte zum ehrwürdigen Caspar Ledermaul, dem Lutherischen Prediger, dereinst gewesenem Mitgliede der löblichen Schneiderzunft zu Trippelswalde im Baireuthischen, der seit seiner Niederlassung die Nadel mit der Kanzel zu vertauschen sich berufen gefühlt, und der nun vielerwähnte Braut und Bräutigam zu vereinen berufen werden sollte.

Zuvor jedoch hatte er noch die Protestation von Jemmy zu hören, die von Sr. Wohlehren Caspar Ledermaul, so wie von keinem der Lutherischen Prediger etwas hören wollte. Toffel jedoch bedeutete ihr trocken, daß sein Vater von einem Lutherischen Minister eingesegnet worden wäre, daß sein Großvater das gleiche Schicksal gehabt habe, und daß er es auch haben wolle, und daß er von dem Segen eines Friedensrichters gerade so viel hielte, als ob er gar nicht ausgesprochen wäre, und daß er sich gar nicht verheirathet gedenken könnte, wenn es nicht von und durch Caspar Ledermaul geschähe. Und Jemmy, obwohl verstockt in allem Uebrigen, gab in diesem Punkte nach; Herr Caspar Ledermaul vereinigte ihre Hände, und die ganze Niederlassung kam, den Brautkuchen zu essen, und alle Welt lebte hoch auf.


Hier nun endigt sich der erste Theil unserer Relation, wobei wir schließlich den Unterschied zu bemerken nicht umhin können, der zwischen unserer wahren, documentirten und einer gewöhnlichen Geschichte obwaltet, maßen eine gewöhnliche Geschichte, Roman oder Novelle genannt, nun enden würde; denn da Christophorus Bärenhäuter am Ziel seiner Wünsche, das heißt mit Jemima O' Dougherty zu Freud und Leid vereinigt ist, wozu sollte eine weitere Ausdehnung dieser ohnehin gedehnten Geschichte wohl dienen? So würde ein gewöhnlicher Geschichtschreiber wohl schließen und schließen müssen; nicht so aber wir, die wir Dokumente vor uns haben, die gerade da wichtig zu werden anfangen, wo jenen der Faden ausgeht. Ihr derohalb günstigen Leser, die ihr Geduld gehabt, mit uns durch diese Quasi-Präliminaria zu gehen, beliebet günstig weiter zu schreiten, in der Hoffnung, daß eure Mühe nicht unvergolten belassen sein wird, wie die Folge darthun mag.

Zweites Capitel.

Wie Christophorus Bärenhäuter zur Meeting gegangen und geritten, und wie Jemima O' Dougherty vom großen Roß geworfen worden.

Christophorus Bärenhäuter hatte sein ein und zwanzigstes Jahr noch nicht völlig zurückgelegt, als sein Honigmond mit der achtzehnjährigen Jemima begann, und zur Ehre Toffels sei es gesagt, er übernahm sich nicht bei der Feier desselben. In Saus und Braus zu leben, war ohnehin seine Art nicht, wie wohl bekannt; er hatte daher auch keine Anwandlung, Mistreß Bärenhäuter in die gute Gesellschaft zu Saratoga einzuführen, und bei dieser Gelegenheit die zwei blauen Strümpfe zu leeren. Nein, Toffel hatte fleißig auf seinem Hofe vor der Hochzeit gehaust, und er fuhr fort, dasselbe auch nach derselben zu thun; seine Aecker gingen ihm über Alles, und diese gehörig zu traktiren, verstand er so gründlich wie irgend einer; ja gründlicher, — Dank sei es der heilsamen Erziehung und den heilsameren Lehren und Ermahnungen und handgreiflichen Argumenten, die ihm alle Tage seines Lebens, und noch am Sterbebette von Zebediah Bärenhäuter waren beigebracht worden. Am ersten März sprach dieser mit zitternder Stimme: »Vergiß nicht, Toffel, auf deinen Zucker, und bohre nicht zu tief in die Ahornbäume; am ersten Mai soll dein Wälschkorn im Grunde, am ersten Juli dein Heu aufgeschobert, am ersten August muß dein Waizen und Roggen in der Scheune, dein Buchwaizen eingesäet sein. Nächstes Jahr, stotterte der arme Sterbende, gedenk an mich und heiße mich etwas, wenn die hessische Fliege nicht in's Getreide kommt. Du kennst das Recept; und gegen den Wurm im Herbst: Camphor und gran — — Hier verließ ihn seine Stimme; nochmals raffte er sich auf, und stieß ein abgebrochenes spiritaether — heraus, dann schnappte er nach Athem; es erfolgte jedoch eine Pause, und zwar eine lange Pause — der werthe Zebediah Bärenhäuter hatte ausgeathmet. Toffel wischte sich eine Thräne vom Auge, und fing an, statt alles überflüssigen Trauerns, wozu er ohnehin keine Zeit gehabt hätte, die Lehren seines Vaters auf seine eigene Faust hin zu praktiziren, und da er sie oft genug gehört und angewandt gesehen, so gelang ihm dieses auch über alle Maßen, und er war, obgleich noch jung, ein tüchtiger Landwirth geworden, der nicht selten von alten Nachbarn um Rath gefragt wurde.

Was nun Mistreß Bärenhäuter betrifft, so war sie im Grunde kein unebnes Mädchen gewesen; sie konnte daher auch kein gerade schlechtes Weib sein; im Gegentheile. Immer hatte sie jedoch ein Item, und ein böses Item war dieses, eine Espece von irischer Teufelei, die sie nie ruhen ließ, bis der arme Toffel ihren Willen gethan, und, was schlimmer war, wenn der arme Toffel ihn gethan hatte, dann war es wieder nicht recht, daß er ihn gethan; mit einem Worte, daß er keinen eigenen Willen hatte. Es half nichts, wenn er sie anstarrte und zu brummen anfing, falls ihr irisches Züngelchen zu geläufig wurde; sie kehrte sich nicht im geringsten nach ihm, noch an seine weit- und breitschweifigen deutschen Epithete: Verflucht! Schwere Noth! Kreuzsapperment! Teufelsweib! — sie hatte in der That die H—n an. Nach seiner eigenen Weise lebte jedoch unser Paar so ziemlich glücklich; sie trank ihren Thee, er seinen Whisky und saure Milch; sie machte Butter und Käse, er Zäune, schor die Schafe, pflügte und säete, und zog Kälber und Füllen auf, und nach Verlauf von zwölf Monaten band er einen dritten blaugestrickten Strumpf, mit Silberdollars angefüllt, an beiden Enden zu. Ein junger Bärenhäuter hatte seine Aufwartung gleichfalls gemacht, ein glorreiches Specimen der teuto-hibernischen Brut; mit einem Worte, Toffel hatte, Alles zusammengenommen, immer Ursache, sich zu seinem rothen Kolben zu gratuliren. Er liebte sein Weib wahrhaftiglich, und nach seinen Rossen behauptete sie unbezweifelt den ersten Rang in seinem Herzen, seine Dollars erst den zweiten, oder, von seinen Rossen an gerechnet, den dritten.

So waren, wie gesagt, zwölf Monden verstrichen. Es trug sich nun nach Verlauf dieser Zeit zu, daß ein Missionair in die Niederlassung kam, in der löblichen Absicht, den guten Leuten einen nähern und gewissern Weg zur Himmelspforte zu zeigen, als der sein sollte, welchen sie bisher unter der Leitung des ehrwürdigen Caspar Ledermaul gewandelt waren, vorausgesetzt, sie würden ihre Ohren und, was nicht minder wichtig, ihre Hände nicht halsstarrig seinen eindringlichen Ermahnungen verschließen. Um seinem preiswürdigen Vorhaben den gehörigen Impuls zu geben, so hatte er eine Meeting[28] angekündigt, nachdem er sich zuvor bei der in solchen Angelegenheiten stimmführenden Partei, den Damen, Raths erholt hatte.

[28]: Meeting, Versammlung, wird jede Zusammenkunft genannt, sie mag nun politischer oder religiöser Natur sein.

Mistreß Bärenhäuter war natürlich zuerst um ihre Beistimmung und ihr Patronat ersucht worden, da sie ohne Widerrede als die Stimmführerin des Geschlechtes angesehen werden konnte. Als Erwiederung des schmeichelhaften Komplimentes hatte Madame beschlossen, daß der jüngere Bärenhäuter vom ehrwürdigen Kandidaten für die Predigerstelle, Gott weiß welcher Denomination, getauft, und daß der ältere seinen Stammhalter auf seinen Armen in die Versammlung transportiren sollte.

So weit wäre nun Alles recht gewesen, und wir haben keine Einwendungen gegen diese Arrangements zu machen, und auch Toffel hatte im Grunde keine; immerhin war jedoch seine Zustimmung nicht von der Art, wie sie der schlichte Deutsche sonst von sich gab. Es war, als ob ihm etwas ahnete, ein gewisses ängstliches Vorgefühl schien in ihm aufzudämmern, als er ihren Ausspruch hörte; er ging offenbar mißmuthig dem Stalle zu, um die Pferde, ihrem Befehle gemäß, zu satteln. Wem galt dieses Vorgefühl? Galt es der Mistreß Bärenhäuter oder seinem gewaltigen Grauschimmel? Eine wichtige Frage; zu wichtig für uns, und deshalb bloß billig, daß wir sie der Gründlichkeit seiner landsmännischen Philosophen überlassen, und zu ihm, unserm Toffel zurückkehren. Mistreß Bärenhäuter nun hatte so viele Vorliebe für den Grauschimmel gezeigt, eine so sonderbare Vorliebe, daß sie absolut kein anderes Pferd besteigen wollte. Freilich waren sie bloße Katzen, verglichen mit dem allgewaltigen Roß, kaum vierzehn Faust hoch; doch waren sie immerhin groß genug für sie, da sie ja selbst keine Riesin war. Die beiden Eheleute waren noch nie im Verlaufe ihres Ehejahres zusammen ausgeritten, und obwohl er jederzeit brummte, wenn sie darauf bestand, den Grauschimmel zu ihrem Besuche beim alten Davy zu haben, so hatte ihr bestimmt ausgesprochenes Wesen ihn nie zu einer Weigerung ermuthigt; dieser Tag jedoch war für ihn von großer Wichtigkeit; die ganze Nachbarschaft kam gewiß zusammen, und das im glänzenden Aufzuge. Toffel war allmälig auch ehrgeizig geworden, und aspirirte zu öffentlichen Aemtern. Man hatte ihm bereits das Wegmeisterthum anvertraut; er dachte nun an etwas Höheres, und sollte er nun auf einer seiner Mähren dahergetrabt kommen, er, der stets seinen Kopf so hoch getragen, wenn er auf seinem Hengste saß? Was wird die Welt von ihm denken? Ohnehin war es bereits umhergeflüstert, daß er ziemlich dem alten Davy in die Fußstapfen getreten sei, käme er nun — — nein, der Gedanke war unerträglich; er sah bereits das Hohnlächeln seiner Bekannten und Bekanntinnen, Freunde konnte er sie seit seiner Heirath kaum mehr nennen; er hörte ihr Wispern und Flüstern. Sein Weib kam gerade aus der Hausthür mit dem Jungen, als er die Pferde aus dem Stalle führte; er wagte es kaum, einen verstohlenen Blick auf sie zu werfen, und dieser verstohlene Blick belehrte ihn, so wenig er Physiognom war, daß nichts, gar nichts für ihn zu hoffen stand. Auf ihrer Stirne saß ganz und gar der unbeugsame irische Trotz, die unausstehliche Keckheit, die seinen Kredit bei seinen Nachbarn für immer zerstören, und ihm das fürchterliche Epithet des größten aller Pantoffelhelden auf ewige Zeiten zu eigen geben sollte. Mit Furcht und Zittern führte er die beiden Gäule dem Hause zu; seine schlimmsten Erwartungen sollten leider nur zu bald gerechtfertigt werden, als Mistreß Bärenhäuter ihm seinen Toffel hinhielt, dann auf den Klotz eines Hickorystammes sprang, mit der einen Hand den Zügel des Grauschimmels erfaßte, und mittelst der andern sich in den Sattel schwang. Da saß sie nun auf dem ungeheuern Thiere, das leibhafte Ebenbild eines schadenfrohen Pavians, der sich so eben anschickt, die Langmuth des geduldigen Dromedars auf eine harte Probe zu stellen. Toffel sah mit offenem Munde und starren Augen zu. Der Rücken dieses Thieres war sein Stolz, sein Thron, sein Alles gewesen, und daneben stand die Mähre, kaum vierzehn Fuß hoch. Er mochte eben so wohl zu Fuße gehen, als sie besteigen; seine langen Beine mußten unfehlbar daneben herschleifen. Toffel war ein geduldiger, herzensguter Junge, der gewaltig viel ertragen konnte; aber bei dieser Gelegenheit wurde ihm der Spaß doch zu rund, und seine praktische Philosophie wollte nicht mehr auslangen. Seine Augenbraunen zogen sich zusammen, und es hatte wirklich das Aussehen, als ob der feste Entschluß in ihm aufkeimte, nicht nachzugeben.

My hard! sprach er nach einem langen Kampfe, während sie das Roß wandte, ohne seinen Jammer auch nur eines Blickes zu würdigen. My hard! wiederholte er, I bray you, däke dat little orse, and let me rite my big one (My heart! I pray you take that little horse and let me ride my big one)[29].

Toffel! erwiederte seine Ehehälfte im Tone äußersten Erstaunens über seine Verwegenheit, während eine Feuergluth die Wangen roth und das Näschen grün färbte: Toffel, surely you aint such a fool, as to think of that just now![30]

Yes, erwiederte ihr nur zu geduldiger Ehemann, I am dat fool just now. I am a big body, and if I rite dat Irish heifer, I walk and rite all at once (I am fool just now, I am a big man and if I ride that Irisch heifer I may as well walk as ride)[31].

[29]: Mein Schatz, ich bitte dich, den kleinen Gaul zu nehmen, und mich meinen großen reiten zu lassen.

[30]: Toffel, sicherlich bist du nicht ein solcher Narr, auf dieß gerade jetzt zu denken!

[31]: Ich bin dieser Narr, ich bin groß, und wenn ich diese irische Katze reite, so reite und gehe ich zugleich.

Seine Worte, sein Blick machten die Dame stutzen; es war Empörung gegen ihre oberherrliche Gewalt darin zu lesen, ihre ganze künftige Pantoffelgewalt hing von ihrem gegenwärtigen Entschlusse ab. So mochte sie sich einbilden, und in dieser Einbildung löste sich ihre Zunge; ihre Stimme stieg einen Ton höher, und sie überschüttete unsern armen Toffel mit einem solchen Schwalle irischer Lobreden, daß der arme Ehemann, seinen Hengst aufgebend, sich über Hals und Bein in die Stube retirirte. Nie in seinem Leben hatte der arme Junge sich so gedemüthigt gefühlt, als wie er sie, mit dem Ausdrucke der tiefsten Verachtung in ihren Zügen, dem Rosse einen Hieb geben sah, der die Reiterin in zwei Sätzen aus dem Hof und durch das Gatter brachte. Toffel starrte ihr einen Augenblick mit offenem Munde nach, und bestieg dann seufzend sein Kalb, seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen.

Und hier können wir nicht umhin, ein Wort zum Besten all der unter dem weiblichen Regimen stehenden Ehemänner um so mehr einzuschalten, als selbes gar nicht übel gemeint ist. Nein, wir sind weit entfernt, uns in eine häusliche, oder, was noch schlimmer ist, in eine öffentliche Angelegenheit einzumischen, maßen wir fest überzeugt sind, daß eine derlei Vermittlung es keiner Partei recht thun könnte. Hätte aber Toffel seine Mähre ganz ruhig in den Stall zurückgeführt, und Mistreß Bärenhäuter mit allgemeinem deutschen Phlegma bedeutet, sie könne allein zur Versammlung reiten, er aber und der junge Toffel würden zu Hause bleiben: wir wetten zehn gegen eines, die liebenswürdige Dame würde den Ehrenpunkt aufgegeben, und noch immer Mistreß — — Doch nein, es geht nimmermehr, wenn die Frau den Herrn spielt und den lieben Gemahl zur Zielscheibe des nachbarlichen Witzes zu machen sich nicht entblödet. Merkt euch das, meine schönen Leserinnen, besonders ihr, deren Näschen mit dem unserer Heldin in einer und derselben Constellation stehen.

Toffel hatte seine Mähre bestiegen, und folgte schweren Herzens, den jungen Toffel auf dem Arme. Und wahrlich, vom Reiten war gar keine Rede; seine Beine, wollte er sie nicht in rechte Winkel schließen und so beim ersten Seitensprunge seines Pferdes den Boden küssen, mußten sich gefallen lassen, auf der Erde mit fortzuwandeln; und der Weg war noch dazu so heillos schlüpfrig, da es die Nacht zuvor geregnet hatte. Fürwahr, seine Position war nicht beneidenswerth. Langmüthig wie er war, hatte ihn die letzte Discussion nichts weniger als in eine kirchengehende Laune versetzt, und er murmelte noch immer verschiedene Phrasen, als da sind: Kreuzschwere Noth! Sapperment! Verflucht! und würde wahrscheinlich noch länger in seinem Monolog fortgefahren sein, wenn er nicht in dieser trostreichen Unterhaltung durch einen lauten Hülferuf unterbrochen worden wäre, der von oben herab kam. Toffel sah sich um, schaute aufwärts, doch nichts war zu sehen noch zu hören, und doch war es die durchdringend gellende Stimme seines Weibes gewesen, das war gewiß. Wer konnte es sonst sein? Sie war hundert Schritte voraus galloppirt, und die Windungen des durch die Berge kreisenden Weges hatten sie seinen Blicken verborgen. Der Grauschimmel hat sie sicher abgeworfen, dachte der ehrliche Junge, und kaum war der Gedanke in ihm aufgestiegen, so kam auch das tolle Roß in gewaltigen Sätzen den Berg herabgalloppirt. Dem Armen wurde angst und bange; mit beiden Füßen warf er sich von der Mähre, sprang dem wilden Rosse entgegen, und dieses, seinen Meister erkennend, blieb geduldig stehen, bis er es des Sattels entledigt und sich mit seinem Sprößlinge auf dessen Rücken verpflanzt hatte.